Ausgabe 
25.8.1941
 
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Schüssel für den Tisch und die Marmelade für den Winter zu liefern. Die drei Goldparmänenbäume verdankten ihr Dasein nur den Bitten der Kinder; das Beil schwebte sozusagen ständig über ihren un« fruchtbaren Kronen. Britte, die älteste, besann sich deutlich darauf, daß die Büsche einmal ein paar Aepfel getragen hatten. Jetzt waren ihre Wurzeln wahrscheinlich in den Kies gestoßen, sie brachten es noch zu einer kläglichen Blüte, aber nie mehr zur Frucht. Ab und zu ernteten die Kinder Ba« nanen von den Zweigen, die Konrad Hellwang mit Zwirn dort befestigt hatte; die Kinder vergalten es ihm, indem sie ihn Zigarren pflücken ließen, die von feinem Rauchtisch stammten.

Was gab es noch in Hellwangs Garten? Zwei Weichselbäume und eine Herzkirsche, einen Marillen« bäum und zwei Zwetschen, und Blumen natürlich. Bauernblumen, die überall wucherten und sich selbst aussäten, wo ein Stück Erde frei war. Akelei und Ritterfport, lodernde Helianthusstauden, Goldruten und Tränende Herzen. Im Frühjahr schüttelte der Goldregen seine leuchtenden Rispen aus, und ein wenig später läuteten die Veigelien den Sommer ein. Der gelbrote isländische Mohn eröffnete den Reigen, kaum daß der Schnee die zartgrünen Feder« blätter freigab, und zu Allerseelen trotzten noch immer mit braungefrorenen Stengeln die weißen und roten Chrysanthemen den vorwinterlichen Hagel­schauern.

Das Hauptstück aber und der Stolz der Hellwang« kinder, mit dem sie vor ihren Freunden prunkten, warder Teich". Konrads Meisterwerk; ein Beton« bassin mit dem stattlichen Durchmesser von gut sechs Meter, in der Mitte hüfttief. Wer Planschbecken dazu sagte, zog sich den Groll der ganzen Familie zu. Eine üppige Trauerweide tunkte ihre Zweige melancholisch in den Wasserspiegel, und ihr Schatten hielt die Temperatur des Beckens auch an heißen TagSn frisch. Hier herrschte im Sommer ein heiteres Badeleben, zu dem sich die Greiffinger Jugend aus weitem Umkreise einfand. Die Wasserrechnungen, die der Gemeindebote Pranftl pünktlich an jedem Ersten kassierte, brachten zwischen Juni und Sep' tember Luisas ausgeklügelten Haushaltplan jedes« mal ins Wanken.

(Fortsetzung folgt.)

Vezirks-Tum- unb Sporttag in Gießen.

Am 10. August hatte die Bezirksführung zum ersten Male zum Bezirks-Turu- und Sportlag in Gießen aufgerufen. Leider konnte damals die ißer= ansialtung nicht durchgeführt werden, und die etwa 1200 Wertkämpfer, Wettkämpferinnen und Kampf­richter konnten zum größten Teil ihre Wettkämpfe nicht durchführen. Rur die Schwimmer, Radfahrer, Schwerathleten und das Fachamt Tennis trugen ihre Wettkämpfe aus.

Trotz der großen finanziellen Belastung für viele Vereine waren zum gejtrigenzweiten Versuch" über 450 Turner, Turnerinnen, Sportler und Sportlerinnen, Aktive und Jugend erschienen. In den verschiedenen Stufen der Turner wurden gute Leistungen gezeigt. Ganz besonders spannend war der Kampf zwischen Ludwig Herbert und seinem Vereinskameraden Anton Kaiser von der Luft­waffe, den Herbert besonders durch seine ausgezeich. net geturnte Ringeübung für sich entscheiden konnte. Die HI. und das Jungvolk stellten guten Nach­wuchs für das Geräteturnen. Auch die Turnerin­nen zeigten gut durchgearbeitete Hebungen an den Geräten und den Handgeräten, und ganz besonders stark war die BDM.-Klasse vertreten.

Großes Interesse fand das Endspiel um den Lahnpokal, das Turn- und Sportverein Nieder- girrnes gegen den Luftn^affensportoerein überlegen gewinnen konnte. In den Einzelwettbewerben 100-Meter-Lauf, 800-Meter-Lauf, 30OO.Meter-

Lauf, Weitsprung, .Hochsprung, Kugelstoßen der Männer, 100-Meter-Lauf und Hochsprung der Frauen und den 4X10O-Meter°Staffeln der Män­ner, Frauen und Jugend wurden Spitzenleistun­gen Geboten, die zeigten, daß im Bezirk 8 des RS.-Reichsbundes für Leibesübungen neben der sehr wichtigen Breitenarbeit auch die Spitzenkönner gefördert werden. Ein Fußballspiel des Sport­kreises Wetzlar gegen Sportkreis Gießen endete mit einem 5:2-Sieg der Einheimischen.

Die sehr zahlreich erschienenen Zuschauer folgten den Vorführungen mit viel Interesse und spendeten den guten ßeiftunaen reichen Beifall. Bezirksführer Stein konnte Kreisleiter Backhaus und die Vertreter der Wehrmacht, des Oberbürgermeisters und des Kommandeurs der Schutzpolizei begrüßen.

Nach einer Körperschule, vorgeführt durch eine Einheit der Luftwaffe, marschierten die Sieger zur Siegerehrung auf und wurden von Bezirksführer Stein Kreisleiter Backhaus gemeldet. Dieser hob die Einsatzbereitschaft aller Beteiligten hervor, die es ermöglicht hatte, den Sporttag durchAufüh- ren, wies auf den vorbildlichen Einsatz der Truppe an der Front hin und überreichte dann den ersten Siegern der einzelnen Klassen die Ehrenpreise. Nach der Siegerehrung, dem Gruß an den Führer und dem Gesang der Lieder der Nation schloß Bezirks­führer Stein den diesjährigen Berirks-Turn- und Sporttag.

Auszug aus -er Siegerliste

Turner Unter ft ufe, Di erkämpf: 1. Heinz Junker, To. Großen-Linden, 76,5 P.; 2. Wal­ter Bill, Tufpo. 03 Wetzlar-Niedergirmes, 69 P.; 3. Wilfried Kehm, Tv. Alsfeld und Walter Best, Tv. Waldgirmes, je 65,5 P.

Hitler-Jugend, Klaffe A, Geräte- Dreikampf: 1. Kurt Neufer, Tv. 1846 Gießen, 59 P.; 2. Ludwig Mertz, Tv. Dillenburg, 55 P.; 3. Theo Pfaff, To. 1846 Herborn, 52,5 P.

Hitler Jugend, Klaffe B, Geräte« Dreikampf: 1. Erhard Swoboda, Tv. Sinn, 54 P.; 2. Helmut Jakob, To. 1846 Herborn, 53 P.; 3 Adolf Menger, To. Heuchelheim, 51 P.; 4. Rudi Weinandt, Tv. Großen-Linden, 48,5 P.; 5. Hein­rich Friedrich, To. Grünberg, 48 P.

Deutsches Jungvolk, Klasse A, G e - räte-Dreikampf: 1. Alfred Schleenbecker, Tufpo. '03 Wetzlar-Niedergirmes, 53 P.; 2. Erwin Freidhof, Tv. 1846 Gießen, und Hans Langsdorf, Tv. Großen-Linden, je 50,5 P.; 3. Karlheinz Nickel, Tv. Herborn, 49,5 P.

Deutsches Jungvolk, Klasse B, G e - räte-Dreikampf: 1. Richard Schleenbecker, Tufpo. 03 Wetzlar-Niedergirmes, 53,5 P.; 2. Erhard Kling, Tufpo. 03 Wetzlar-Niedergirmes, 48 P.; 3. Hans Roll, Tufpo. 03 Wetzlar-Niedergirmes, 46 P.

Turnerinnen - Unterstufe, Geräte - Vi erkämpf: 1. Anneliese Döbus, Tv. 1862 Wie- feck, 72 P.; 2. Christa Dreyer, Mtv. Gießen, 71 P., 3 Gretel Welsch, Tv. Oberscheld, 69 P.; 4. Hilde Junker, Großen-Linden, und Elisabeth Schäfer, Tv. Lich, je 68 P.

Turnerinnen, BDM.-Klasse, Geräte- Dreikampf: 1. Hildegard Stein, Tv. Alsfeld, 55 P.; 2. Edith Küthe, Tv. 46 Gießen, Lisa Gors- ler, Tv. Alsfeld, je 54 P.; 3. Hilde Weckmüller, Tv. 47 Wetzlar, 53 P.; 4. Jnaeborg Meßner, Tv. 47 Wetzlar, 52 P.; 5. Gretel Kirftein, Mtv. Gießen, 51 Punkte.

Leichtathletik Dreikampf.'

Männer, Klaffe I: 1. Gustav Weiler, DfB.-R Gießen, 60 P.; 2. Ernst Decher, VfB.-R. Gießen. 53; 3. Victor Zielen, LSV. Gießen, 52; 4. Willi Munzert, VfL. Lollar, 50; 5. Hans Dietrich, VfB.-R Gießen, 48 Punkte.

Männer, Klaffe II: 1. Fritz Hettenhausen, LsV. Gießen, 74 P.; 2. Willi Schütz, VfB. Aßlar,

Turnen.

Turner-Ober stufe, Neunkampf: 1. Ludwig Herbert, Tv. 1846 Gießen, 164,5 P.; 2. Anton Kaiser, Luftwaffe (Tv. 1846 Gießen), 160 P.; 3. Karl Lettin, Tv. Wieseck, 149,5 P.

Turner = Mittelstufe, Sechskampf: .1- Karl Schlicht, Tufpo. 03 Wetzlar-Niedergirmes, 106 P.; 2. Willi Simon, Tv. Dillenburg, 99 P.; 3. Karl Schuster, Tv. Wetzlar, 94 P. 4. Herb. Theuer- meifter, Tv. 1846 Gießen, 93,5; 5. Willi Frey, Tv. Wieseck, und Paul Lieb, LSV. Gießen, je 92,5 Punkte.

71; 3. Willi Keiner, VfB. Aßlar, 67; 4. Richard Jlge, VfB. Aßlar, 66; 5. Karl Ruppert, Tufpo. Radheim, 62 Punkte.

Männer, Altersklasse I: 1. Rudolf Schmidt, Duspo-Gem. Radheim, 62 P.; 2. Adolf Rücket, Tuspo-Gem. Rodheim, 61; 3. Otto Leidich, Tv. ©rüningen, 59; 4. Wilhelm Ferber, Waldgir­mes, 53, 5. Walter Schmitz, SA.-Kampfspielgem. Gießen, 52 Punkte.

Männer, Altersklasse II: 1. Walter Zerndt, VfB.-R. Gießen, 67 P.; 2. Adolf Müller, Postsport Gießen, 63; 3. Ludwig Hasfelbach, Tufpo- Gemeinde Rodheim, 57; 4. Gustav Baldauf, Tv. 1846 Gießen, 56; 5. Christian Brück, Sportgemeinde Steinbach, 47 Punkte.

Männer, Altersklasse III: 1. Philipp Götz, Postsport Gießen, 63 P.; 2. Ludwig Petri, To. 1846 Gießen, 59 Punkte.

Frauen, Klasse I: 1. Lotte Lauer, VfB.-R. Gießen, 51 P.; 2. Ilse Ueckert, Nachr.-Helf., 47; 3. Gertrud Zimmermann, To. 1846 Herborn, 40; 4. Gertrud Behner, Reichsbahnsportgem, Dillen­burg, 39; 5. Gertrud Muhl, VfB.-R. Gießen, 38 P.

Hitler-Jugend, Klasse A : 1. Hans Fel- ler, Rb.-Sportgem. Dillenburg, 65 P.; 2. Hans Kir- stein, Mtv. Gießen, 63 P.; 3. Günther Ankel, Rb.- Sportgem. Dillenburg, 60; 4. Hermann Süffel, Tv. 1860 Lich, 59; 5. Hans Rinn, To. Heuchelheim, 58 P.

Hitler-Jugend, Klaffe B : 1. Rudi Hai- ner, Mto. Gießen, 69 P.; 2. Günther Wolkewitz, Mto. Gießen, 62; 3. Reinhold Seipp, Tv. Leih­gestern, Heinz Rumpf, Tufpo Holzhausen b. Wetz­lar, Helmut Martin, Steindorf, je 55 P.; 4. Wer­ner Hofmann, Postsportgem. Gießen, 54; 5. Willi Will, Tv. Treis a.d. Lda., 53 Punkte.

BDM. - Klasse A: 1. Gertrud Hörder, Tv. Klein-Linden, 38 P.; 2. Lotte Seifert, Tuspielverein Naunheim, 34 P.; 3. Gertrud Schäfer, VFL. Lollar, 32 Punkte.

BDM.-Klasse B: 1. Gisela Zimmer, VfB. Gießen, 70 P.; 2. Liselotte Meilinger, VfB. Gießen, 61 P.; 3. Hedwig Wolf, VFL. Lollar, 58 P.; 4. Anita Rohrmann, Reichsbahnsportgem. Dillenburg, 54 P.; 5. Ria Sorg, Tv. Wetzlar 1847, 53 P.

Deutsches Jungvolk, Klasse I: 1. Heinz Nau, To. Klein-Linden, 58 P.; 2. Erich Hoßbach, Tv. Klein-Linden, 45 P.; 3. Karlheinz Weller, Tv. Klein-Linden, 40 P.; 4. Karlheinz Volkmar, Spv. 05 Wetzlar, 39 P.; 5. Willi Kreiling, To. Heuchelheim, 34 Punkte.

Deutsches Jungvolk, Klasse II: 1. Hans Georg Stacker, Rb.-Sportgem. Dillenburg, 66 P.; 2. Wilhelm Spang, Rb.-Sportgem. Dillenburg, 54 P.; 3. Erwin Wickel, Rb.-Spörtgem. Dillenburg, 53 P>; 4. Weber, Tv. Heuchelheim, Dieter Lotz, To. Heuchelheim, je 51 P.; 5. Otto Nesseldreher, Tv. Heuchelheim, 50 P.

BDIM., Klasse A: 1. Erika Rumpf, Tufpo. Holzhausen-Wetzlar, 89 P.; 2. Liselotte Schleen- becker, Tv. Heuchelheim, 73 P.; 3, Else Schmidt, Tv.

Ne öeei WmiGKlM

Vornan von Horst Hiernach

I. Das Haus.

Das alte Dorf Greiffing lag jenseits der Würm an der kurvenreichen, dem Flußauf folgenden Land­straße, auf der an Sonntagen die Kette der zum Starnberger See schnurrenden Wagen und Motor­räder nicht abriß. Das andere Greiffing, die Kolo- nie oder Siedlung, einer der beliebtesten Vororte Münchens, breitete sich mit ihren rund tausend Häusern und Villen im Windschutz der Greiffinger Lohe langgestreckt um die Bahnstrecke herum aus. Die.ersten Villen stammten aus den neunziger Jah­ren; Kommerzienratsoillen mit Erkern, Türmchen, patinierten Kupferhauben und mächtigen Garagen, in denen die Ansätze der Futterkrippen und Abfluß­rinnen noch deutlich zu erkennen waren, und wo zwanzig motorisierte Jahre irgendeinen alten Duft nach Stall, Pferden und Heu nicht zu überwinden vermochten.

Der Himmel allein weiß, was jene wohlhabenden Gründer der Kolonie bewogen haben mag, ihren Gelüsten nach Stille und Landluft gerade in Greif- fing zu frönen. Der einzige Vorteil war die Nähe der Stadt, die man in zwanzig Minuten Bahnfahrt erreichen konnte. Der Wald ist im Mühltal schöner, die Landschaft weiter westlich abwechslungsreicher und der Boden fruchtbarer als gerade hier, wo eine jämmerlich dünne, ausgelaugte Humusschicht in der Kiesmoräne ständig zu versickern droht.

Es war jedenfalls kühn von der Gesellschaft, die das Greiffinger Siedlungsgelände parzelllen hatte, ihre Grundstücke als ideale Bau- und Gartenplätze zu empfehlen. Kein Wort gegen die Vorzüglichkeit des Baugeländes! Man konnte den Kies, sobald man die vermorschten Fichtenstumpen entfernt, den Humus abgestochen und auf ein Häufchen zur Seite geschaufelt hatte, sofort für den Beton der Keller­wände und Tragdecken hernehmcn; einen sauberen, scharfen Kies mit dicken Schichten erstklassigen Schweißsandes darin. Aber Gartengrundstücke? Das war der blanke Hohn.

Alljährlich im Frühjahr und Herbst wurden hier

Waggonladungen Torfmull eingestreut, und die Greiffinger Bauern machten als Düngerlieferanten ihre vorteilhaftesten Geschäfte. Denn es gab wahr­haftig einen Gartenverein Greiffing, und feine Mit- glieöcr veranstalteten sogar Ausstellungen ihrer Er­zeugnisse und verteilten Ehrenpreise. Da waren Birnen, Aepfel, Kürbisse, Melonen, Pfirsiche, Trau­ben und Gemüse aufgebaut und zur Schau gestellt, die nicht Greifsings magerem Boden, sondern einem südlichen Fruchtparadies zu entstammen schienen. Borsdorfer, von Saft und Süße strotzend, Butter- birnen, die auf der Zunge verschmolzen... jawohl, hätte dieser Verein eine Devise und ein Bundes­lied gehabt, so hätte sein Wahlspruch mit einem Trotzdem und das Lied mit dem Wort Obwohl be­ginnen müssen. Jedenfalls, wer sich in Greiffing ansiedelte und nun meinte, die Besorgung von fünf Tüten Gemüsesamen und zehn Jungstämmen Busch- obst berechtige ihn schon zu den kühnsten Hoffnun- gen bei der Herbstausstellung, der wurde bitter ent­täuscht. Er erntete statt der Karotten ein paar- Ichel wilder Minze und von den Obstbäumen ein wenig Brennholz, gerade genug, um eine Tasse Pfefferminztee zu kochen.

Man darf behaupten, daß Greifsings Früchte aus dem Schweiß ihrer Erzeuger wuchsen. Und das waren zumeist alte Ehepaare, lauter a. D.s, pen­sionierte Offiziere, Staatsanwälte, Reichsbahnräte I. Klasse, Richter, Gymnasialprofessoren, Superin­tendenten und Bankdirektoren, die hier in ihren hübschen Häusern für ihre Gärten lebten. Die alten Damen und Herren werkelten von Sonnenaufgang bis zum Einbruch der Dunkelheit, verteilten unge­heure Mengen von humusbildenden Stoffen und Düngemitteln auf Baumscheiben und Beete, spritzten Kupferkalk und Katakilla, Fusibar und Vitriol gegen jegliches Ungeziefer, harkten die Kieswege, putzten die Solnhofer Platten der Sonnenterrassen, schoren die Rasenflächen, sprengten Wasser, fleißig, zäh und unermüdlich, als müßten sie jetzt, nachdem das Alter ihrem beruflichen Ehrgeiz den Spielraum geraubt hatte, erst recht beweisen, daß sie noch Daseinsbe- rechtigung hatten. Und bei Gott, in Greiffing Trau­ben und Pfirsiche zu ziehen, war fein Kinderspiel!

Als die Hellwangs sich vor zwölf Jahren in Greiffing anfiebelten und in der Mozartstraße ihr Haus bauten, hatten auch sie selbstverständlich diel

Heuchelheim, 66 P; 4. Erika Bender, Tv. Heuchel­heim, 52 P.; 5. Lucie Wenzel, Tv. Großen-Linden, 46 Punkte.

B D I M., Klasse B: 1. Leni Kröck, To. Heu­chelheim, Martha Happel, To. Großen-Linden, je 72 P.; 2. Lotti Spengler, Tv. Heuchelheim, 63 P.; 3. H. Neide!, Tv. Heuchelheim, 59 P.; 4. Gertrud Benner, Tv. Heuchelheim, 58 P.; 5. Elli Hofmann, Tv. Heuchelheim, 53 P.

Einzel-Wettbewerbe.

10 0 Meter, Männer: 1. Gustav Weiler, VfB.-R., 11,5 Set.; 2. Hans Dietrich, VfB.-R., 11,6 Sek.; 3. Walter Zerndt, VfB.-R., 11,9 Sek.

8Q0 Meter, Männer: 1. Grasmann, VfB.- Reichsbahn, 2,7,2 Min.; 2. Erwin Neidel, WM. To. Heuchelheim, 2,10,6 Min.; 3. Hanno van Bentheim, Mtv. Gießen, 2,17 Min.

Weitfvrung, Männer: 1. Gustav Weiler, VfB.-R. Gießen, 6,31 Meter; 2. Hans Dietrich, VfB.-R. Gießen, 5,77 Meter; 3. Ernst Decher, VfB.-R. Gießen, 5,72 Meter.

Hochsprung, Männer: 1. Manfred Ruk- kelshaufen, Mtv. Gießen, 1,65 Meter; 2. Ernst Decher, VfB.-R. Gießen, 1,55 Meter; 3. Hans Diet­rich, VfB.-R. Gießen, 1,50 Meter.

1 0 0 Meter, Frauen: 1. Lotti Lauer, VfB.-R. Gießen, 13,5 Sek.; 2. Inge Meßner, Tv. Wetzlar,

13,9 Sek.; 3. Elfriede Funk, Wetzlar-Niedergirniec 14,4 Sek.

4X100-Meter, HI.: 1. VfB. Aßlar 48g Set.; 2. Mto. Gießen 49,3 Sek.

4X100-Meter, Männer: 1. DfB.-R. ßen 47,5 Sek.

Wanderpreis der Spielerklaffe:Ä Aßlar.

4X100-Dteter, Frauen: 1. VfB.-R. Gie­ßen 1. Mannschaft 57,7 Set.; 2. Tv. 47 Wetzls 58,4 Sek.; 3. VfB.-R. Gießen 63 Set.

Hochsprung, Frauen: 1. Rosemarie Rol° fes, Mtv. Gießen, 1,35 Meter; 2. Lotti Lauer VfB.-R. Gießen, 1,35 Meter; 3. Gretel Welsch, Oberscheld, 1,35 Meter.

Kugel stoßen, Männer: 1. ßagemanit LSD. Gießen, 12,80 Meter; 2. Fritz Jughardt, Mtv. Gießen, 11,22 Meter; 3. Fritz Hettenhausen, Gießen, 11,13 Meter.

3000 Meter, Männer: 1. Helmut Grab­mann, VfB.-R. Gießen, 9,26,6 Min.; 2. Rudolß Rother, LSD. Gießen, 9,59,4 Min.; 3. Karl Schin» kel, VfB.-R. Gießen, 11,24 Min.

3000 Meter, HI. - Klaffe: 1. Hans Rinn. To. Heuchelheim, 10,25,1 Min.; 2. Günther Hett. 1900 Gießen, 10,25,3 Min.; 3. Hans Schmück, IM Gießen, 10,57,7 Min.

Oie Laienspiele.

Endspiel um den Lahn-Pokal.

Niedergirmes Luftwaffe Gießen 22:10 (11:5).

Beide Mannschaften traten in etwas veränderter Aufstellung an. Für die Luftwaffe wirtte sich dies nachteilig aus. Das Spiel begann für die Soldaten verheißungsvoll. Ehe sich die Girmeser versahen, stand das Spiel schon 2:0. Dann kamen die Gäste jedoch auf. Durch Flügelspiel erzielten sie bald den Ausgleich und die weitere Führung. Die Soldaten verstanden es nicht, ihre Spielweise zu ändern. Man versuchte immer wieder, durch kurzes Jnnenspiel zu Erfolgen zu kommen. Der Torwart der Luftwaffe mußte durch Verletzung mehrere haltbare Bälle durchgehen lassen. Nach dem Wechsel gab Girmes wiederum den Ton an. Der Soldatentorwart mußte infolge feiner Verletzckstg bald ausfcheiden. Der Er­satzmann versuchte sein möglichstes zu halten. Wohl erzielte die Luftwaffe noch einige Treffer, konnte aber die Niederlage nicht mehr verhindern. Girmes gewann verdient. Schiedsrichter Leidich (Grünin- gen) war ein gerechter Leiter.

Stadtmannschast Giehen gegen Wetzlar-Naunheim komb. 5:2 (2:0).

Im Rahmen des Bezirks-Turn- und Sporttages standen sich diese Mannschaften auf dem Universi- tätssportplatz zum Spiel gegenüber, das Gießen verdient für sich entscheiden konnte. Beide Mann­schaften traten ersatzgeschwächt an. Bei Gießen ver­mißte man Meermann, Deeg und Marg.

Während der ersten Halbzeit diktierte Gießen das Spielgeschehen, man muh allerdings berücksichtigen, daß die Gäste anfangs nur 9 Mann zur Stelle hatten, erst später, als sie vollzählig waren, klappte es besser. Bei Gießen konnte der linke Flügel mit Schelle und Mobs besonders gut gefallen. Bester Aufbauspieler war Möbs, der auch fast sämtliche Tore einleitete. Die Gäste hatten in Mittelläufer Diddlapp und Mittelstürmer Rühl ihre besten

Das Spiel verlief sehr fair, zeitweise konnte man auch schönes Zuspiel beobachten. Die Gäste hatten Anstoß, jedoch wurde der Angriff sofort abgestoppt, und schon zog Schelle auf und davon, sein Schuß verfehlte nur knapp das Ziel. Bereits nach 15 Mi­nuten Spieldauer«konnte die Stadtrnannfchaft in Führung gehen. Eine schöne Vorlage von Möbs über die Verteidigung hinweg brauchte Ehmann nur einzuköpfen. Die Gäste, die bis dahin nie rich­tig zum Zuge kamen, werden immer mehr in die Verteidigung gedrängt. Einen schön hereingegebenen Eckball köpfte Mäbs auf das Tor, den der Tor­mann nur mit Mühe meistern konnte. Ein schönes Zusammenspiel schloß letzterer mit dem zweiten Treffer ab.

In der zweiten Halbzeit erschien die Gästernann- schast vollzählig. Jetzt wurden auch die Angriffe weitaus gefährlicher, und Gruchmann im Tor mußte manchesmal fein Können unter Beweis feilen. Rühl versuchte sein Heil in Weitschüssen, und chon glaubte man an einen Gegentreffer, doch der charf geschossene Ball sprana von der Querlatte zurück ins Feld. Ein schönes Kopftor von Ehmann, wieder von Möbs vorgetragen, stellte den 3:0-

Stanb her. Erst jetzt kamen die Gäste zu tyrem: ersten Tor, das der Mittelstürmer für Gruchmann, unhaltbar einschoß. Während die Stadtmannschaji; durch Möbs und Willinger noch zweimal erfolgreich war, konnten die Gäste durch ihven Mittelstürmer nur noch ein Tor entgegensetzen.

Deutscher Leichtathletik-Weltrekord.

Einen großartigen Weltrekord stellte die deutsch Nationalstaffel beim Braunschweiger Leichtathletik, fest am Samstag über 4 X 800 m auf. Mit Segbert Grau, Kaindl und Harbig drückte sie die Weltbesl leistuna der Amerikaner ganz beträchtlich auf 7:30^ Gute Leistungen gab es auch in den übrigen Wett, bewerben. Scheuring gewann die 200 m in 21,7. Raff die 5000 m in 14:45,5 und Mersch sowie Luthet sprangen 7,03 m weit. Bei den Frauen sicherte sich die Hessenmeisterin Jockel (Bad Orb) die 200 m in 25,8 vor Rest Kurz (Frankfurt a. M.).

Sieben Spiele um den Tschammer-pokal

Sieben Spiele der dritten Schlußrunde im Wett- bewerb unserer Fußball-Dereinsmannschaften um den Pokal des Reichssportführers wurden am Sonn« tag abgewickelt. Mit zwei Ausnahmen waren ein- drucksvolle Siege, zumeist der Heim-Mannschaften an der Tagesordnung. So bezwang der Pokalver« tridiger Dresdner SC. den SV. 96 Mägde« bürg mit 9:2 (4:2), Austria Wien den fchlefi« fchen Meister V/R. Gleiwitz gar mit 8:0 (2:0), unb Holstein Kiel schaltete Berlins letztes, Blau, weiß, mit 4:0 (1:0) aus. Höchst eindrucksvoll ist auch der Erfolg der Stuttgarter Kickers, die als letzte die Fahne der süddeutschen Bereiche im Pokal hochhalten, über den zweimaligen Pokalgewinner und letzten Endspielteilnehmer 1. FC. Nürnberg mit 4:1 (2:1). Wien hat mit Adrnira, die den SV. Waldhof knapp mit 1:0 (0:0) bezwang, noch ein zweites Eisen im Feuer. In die vierte Schlußrunde zog auch der letzte Vertreter der zweiten Klasse, LSD. Kamp, mit einem in Köslin errungenen 3:2 (l:l)-Sieg über den DfB. Königsberg ein. Un­glücklich kämpfte in Jena der FD. Metz, der sich trotz überlegenen Spiels gegen die starke Abwehr des Mittemeisters nicht durchsetzen konnte und mit 0:3 (0:1) gegen den 1. S D. Jena einging.

Zu den sieben Siegern kommt in der am 24. Sep­tember zu spielenden vierten Schlußrunde noch der Gewinner der Begegnung zwischen Schalke 04 und Schwarzweiß Essen am 31. August.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 23. August. Es notierten je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 45,5 bis 47,5, b) 41,5 bis 43,5, c) 36 bis 38,5; Bullen a) 43,5 bis 45,5, b) 40,5 bis 41,5, c) 36 bis 36,5; Kühe a) 44 bis 45,5, b) 39,5 bis 41,5, c) 33 bis 35,5, d) 20 bis 26; Färsen a) 45 bis 46,5, b) 41 bis 42,5, c) 37,5, d) 24 bis 29; Kälber (Sonderklasse) 65 bis 74; andere Kälber a) 59, b) 56 bis 59, c) 47 bis 50, d) 32 bis 40; Hämmel b2) 49 bis 51, c) 38 bis 44; Schafe a) 44, b) 35 bis 40, c) 15 bis 28; Schweine a) 63, bl) 63, b2) 62, c) 60, d) 57, e) 55, gl) 63. Marktverlauf: zugeteilt.

Absicht gehabt, in Zukunft nur vom eigenen Baum zu essen unb die Gemüseplatten für den Abendtisch aus dem eigenen Garten zusammenzustellen. Boden­srische, knusperige Rettiche, knackende Zuckererbsen und vielleicht sogar Spargel ... na gewiß doch, weshalb nicht auch Spargel?

Major Habedanck, der linke Nachbar, und Direk­tor Beyerlein, der Nachbar zur Rechten, hatten bei­fällig interessiert über den Zaun geguckt und Hell­wang das Versprechen abaenommen, den Spargel bestimmt auf der Gemüseschau des Greiffinger Gartenvereins Flora (e. 23.) auszustellen. Im nächsten Jahr hatte Konrad Hellwang von der Baumschule Pröbsl in Seeshaupt eintausend knie­hohe Thuya bestellt und mit Luisa diese Bäumchen im Kreuzverband rings um das ganze Grundstück gepflanzt. Fünf Jahre später hätten die lieben Nachbarn schon auf Trittleitern steigen müssen, um über HellwangsSpargelkulturen" hinweg blinzeln zu können.

Jetzt stand das kleine Haus mit feinem unbaju» warischen NamensschildGode Wind", das eine Namblerrose schamhaft verdeckte, und mit seinem breiten roten Satteldach hinter rauschenden, dunkel­grünen, undurchdringlichen Wänden. Nur das Ein­fahrtstor gab einen schmalen Durchblick auf ein etürf der holzverschalten Westfront und auf die wmzige Garage frei. Das andere alles barg sich im Sichtschutz der nie gestutzten, üppig wuchernden Hecke. Und das andere war kein Garten im Sinne ber pensionierten Majore unb Reichsbahnräte außer Diensten, eher hätte man es eine Anlage nennen können. Da war einmal ber Rasen, Gott, kein empfindlicher englischer Teppich wie der drüben bei Beyerleins, wo der alte Herr Direktor zusam- menzuckte unb mit merfroürbigen Verrenkungen gleichsam gewichtslos hinüberschlich, wenn den Kin- bern einmal ber Ball ins Nachbargrunbstück flog. Nein, Hellwangs Rasen war ein ehrliches Stück Grünfläche, auf bem bie Kinber nach Herzenslust herumtoben durften, und goldene Butterblumen, wilde Maßliebchen und zahllose Gänseblümchen wuchsen darin, aus denen sich die Mädels bunte Kränze wanden.

Den langen Einfahrtsweg säumten Stachel- und Johannisbeersträucher, anspruchslose Sorten, die aber genug trugen, um in der Reifezeit täglich eine