Ausgabe 
25.8.1941
 
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Ilr. 201 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 25. August Ml

3n den Bergen Bulgariens.

Ein Vortragsabend im Zweig Gießen des Deutschen Alpenvereins.

Aus der Stadt Gießen.

Gistkräuter.

Der Fingerhut.

Sein Name spielt auf die Achnlichkeit eines em- -Inen Blütenbechers mit einem Fingerhut an. Diele Mer Fingerhute fitzen in einer einseitig gemen­ten Traube an einem stolzen, kraftvollen Schaft, frr allen Wildwuchs in seiner Nachbarschaft arm« lmg überragt. Die stattliche Größe und das pran- »irtje Purpurrot seiner vollen Blütentraube lassen Mi Fingerhut auf jeder kargen Waldblöße oder Einigen Halde, wo später die Heide blüht, als Irrende Zier weithin leuchten, so daß kein Auge sie versehen kann, zumal die Blütenstäbe meist grup« piiweise beisammenstehen.

Aber Mensch und Tier meiden die lodernde »rächt. Nur einzelne Insekten schwirren an und brauschen sich in den geräumigen, nach unten

Verdunkelungszeit

25. August von 20.27 bis 6.16 Uhr.

hegenden Blütenglocken, ohne Schaden zu nehmen, jis starke Gift, das in allen Teilen der Pflanze jährlich braut und aus den widerlich schmeckenden Jättern gewonnen wird, ist als Digitalis ein be- knntes medizinisches Herzmittel.

Der Stechapfel.

Er verdankt seinen Namen den stacheligen Frucht- tofeln, die zwischen den großlappigen Blättern des ^lästigen strauchartigen Nachtschattengewächses fijcn. Wenn die vier Klappen aufspringen, streuen si! wie Pandorabüchsen den Unsegen ihrer giftigen Limen aus.

> Zur Blütezeit tritt der üble Geruch der Pflanze hiter dem starken Duft zurück, den die langen r^renförmigen Blüten verbreiten, sobald sie sich irt Einbruch der Dunkelheit öffnen. Ihr schimmern- i)5 Weiß leuchtet dann geheimnisvoll, daß die ichtschwärmer sie nicht übersehen. Sie schweben irenb vor den Kelcheingängen und saugen mit rrroüten Rüsseln den süßen Saft aus den Nektar­inen. Die Blätter des Stechapfels finden ebenso re die des Fingerhuts in der Heilkunde Derwen- fcn.g.

Die Tollkirsche.

Die glänzend schwarzen Beeren, die in bleibenden Lichen sitzen, locken wie reife süße Kirschen aus fcm Dickicht der Blätter, von denen immer zwei, ei großes und ein kleines Blatt, wie ungleiche ^Ichwister beisammensitzen. Der Beeren zauberi- st?s Gefunkel erinnert an nachtdunkle, verführe- tiche Augen verliebter Frauen, die schon in alten Alten um die kosmetische Verwendung des giftigen Airopin Bescheid wußten, das den Glanz des Auges chöht und die Pupille erweitert. Nicht umsonst hcht die Tollkirsche bella donna: schöne Frau.

Merkwürdigerweise schadet Drosseln und Amseln k Genuß der außerordentlich giftigen Beeren, der

s bc Menschen Betäubung, Schwindel, ja den Tod r,-ursacht, in keiner Weise. Die meterhohe Pflanze wie alle Nachtschattengewächse stark verzweigt

I uit) hat braune bis violette Blütenglock^n. P. B.

Dornotizen.

Tageskalender für Montag.

I NSG.Kraft durch Freude" im Stadttheater 19.30 ijllllrEin Maskenball". Gloria-Palast, Selters- RvgStukas". Lichtspielhaus/ Bahnhofstraße: l^cute abend bei mir".

kLerbürgermeister Ziffer Präsident der hessischen Brandversicherungskammer.

| Vlach einer Veröffentlichung in der neuesten Aus- V pe des Ministerialblattes des Reichs« und Preußl- * |d?n Ministeriums des Innern ist Oberbürger- ! iriüfter Ritter (Gießen) zum Präsidenten der h'sischen. Brandversicherungskammer ernannt wor- bn.

Alles für das Rote Kreuz.

Mm Samstag und Sonntag konnte man in den iplraßen eine kleine Bibliothek der Heldentaten un- jt leier tapferen Feldgrauen kaufen, nette Büchlein vielen eindrucksvollen Bildern vom Kampf und

Zahlreiche Mitglieder und Gäste des Zweigs Gie- ßen-Oberhessen des Deutschen Alpenvereins mach­ten am Samstagabend im Geiste einen Besuch in dem schönen Lande unserer bulgarischen Verbün­deten. Die Gelegenheit dazu gab ein Lichtbildervor­trag des Studienassessors Dr. Karl Settermann, der an der Deutschen Schule in Sofia wirkt, zur Zeit in Gießen auf Urlaub weilt und als Mitglied d^s Gießener Zweigs des Deutschen Alpenvereins sich hier heimisch fühlt. Der Leiter des Zweigs Gie­ßen, Direktor Wrede, konnte mit Genugtuung an dem sehr zahlreichen Besuch im GasthausHin­denburg" dem Vortragenden das große Interesse für seinen Vortrag bekunden.

Dr. Settermann gab den gespannt lauschen­den Hörern zunächst in großen Zügen anhand einer Karte einen Ueberblick über Bulgarien und seinen Landschaftscharakter, der vor allem durch große Ge­birgszüge mit dem Salfan als Hauptstück gekenn­zeichnet ist. Hierauf führte er die Hörer an Hand prächtiger Suntbilöer zu den Hauptsehenswürdigkei- ten in Sofia, und von hier aus begannen dann die für den Abend angeftinbigten Hochgebirgsfahrten durch die wunderbare Gebirgswelt des Landes. Die Wanderfahrt führte zuerst in die in nächster Nähe von Sofia gelegenen Gebirge, dann ging es süd­wärts durch das Perim-Gebirge, anschließend wur­den die Rhodopen besucht, zum Schluß lernten die Fahrtteilnehmer an einigen Stellen noch den Bal­kan kennen. Auf diesen Hochgebirgstouren gab der Vortragende interessante Vergleiche mit den Alpen, gleichzeitig machte er mit der Tier- und Pflanzen­welt der Gebirge bekannt. Er zeigte in einer Fülle von wunderbaren Farbphotos die packende Schön-

Sieg in Belgien, Frankreich, Norwegen oder auf dem Balkan, äußeres Zeichen der 2. Reichsstraßen­sammlung für das Deutsche Bote- Kreuz. Wieder hatten sich zahlreiche Helfer und Helferinnen der Sammlung zur Verfügung gestellt, in erster Linie die Angehörigen des Deutschen Roten Kreuzes, die Mitglieder der NS.-Kriegsopferversorgung und des NS.-Reichskriegerbundes, zu denen sich die immer fleißige Jugend, die Hitlerjungen und BDM.-Mädel, gesellten. Schon am Samstag wurde überall fleißig verkauft, und neben den Groschen rollte auch man­cher Fünfziger in die roten Büchsen. Viele begnüg­ten sich keineswegs mit einem Büchlein, sondern sie ruhten nicht eher, bis sie alle fünf beisammen hat­ten, denn die Sammlung von Abzeichen, die sich mancher angelegt hat, soll ja vollständig fein. Noch am Samstag spätabends wurde in den Gaststätten eifrig gesammelt, wobei die alten Weltkriegssoldaten unermüdlich die Sammelbüchsen herumreichten und mit freundlicher Aufforderung noch viele Fünfer, Zehner usw. .locker machten". Und wie am Sams­tag, so war auch am gestrigen Sonntag die Sammel­tätigkeit noch rege im Gange. Alle Sammlerinnen und Sammler haben sich verdient gemacht, und die Spender können das erhebende Bewußtsein haben, daß sie mit ihren Gaben wieder einem guten Zweck ihre Förderung haben angedeihen lassen.

Sportplatz-Einweihung bei Schunk & Ebe.

Die Firma Schunk 8r Ebe, die vor kurzem mit dem Gaudiplom für hervorragend? Leistungen aus­gezeichnet wurde, feierte am Freitagnachmittag in einem Betriebsappell die Fertigstellung ihres Be­triebssportplatzes. Der auf dem- Fabrikgelände nach dem Abendstern gelegene Platz ist von der gesamten Gefolgschaft in freiwilligen Überstunden hergestellt worden.

An der Feier nahmen teil der Kreisleiter, der Gauobmann, der Kreisobmann und andere Vertre­ter der Deutschen Arbeitsfront, Vertreter der Wehr­macht, der Landrat, Vertreter der' Industrie- und Handelskammer, der Bürgermeister der Gemeinde Heuchelheim sowie andere geladene Gäste.

Nach dem Aufmarsch der Gefolgschaft erstattete der Betriebssportwart Bernhardt Meldung an den Betriebsführer Ludwig Schunk. Der Betriebs­führer übergab in einer Ansprache den Sportplatz an den Betriebsobmann. Er hob anerkennend her-

heit dieser Berge und dabei manche Besonderheit des Landes, sowie bedeutende geschichtliche Mittel­punkte des bulgarischen Lebens, wie z. B. das Rila- Kloster. Daneben machte er mit der Bevölkerung und ihren Lebensgewohnheiten, insbesondere mit dem kernigen bulgarischen Bauerntum, den Schaf­hirten usw. bekannt, gleichzeitig zeigte er hübsche Ausschnitte aus dem bulgarischen dörflichen Leben. Am Schlüsse feiner Darlegungen vermittelte er durch Wort und Bild noch einen kurzen Einblick in das bulgarische Volkstum in feiner Gesamtheit, dazu zeigte er in zahlreichen Bildern die buntfarbigen und kostbaren Nationalkostüme, die eine Sehens­würdigkeit für sich darstellten.

In etwa 1'Xstündiger fesselnder Erzählung bot der Vortragende ein Bild dieses schönen Landes und seiner Bewohner, das. unsere Sympathie für diesen Verbündeten unseres Volkes nur noch mehr vertiefen konnte, zumal aus den Schilderungen des Redners hervorging, daß unsere Soldaten auch jetzt wieder mit großer Herzlichkeit von der bulgarischen Bevölkerung ausgenommen worden sind und unse­ren Männern dieses Land und seine Bewohner sehr gut gefallen haben.

Direktor Wrede konnte im vollen Einverneh­men mit den Hörern dem Redner am Schluffe des sehr beifällig aufgenommenen Vortrages herzlichen Dank für feine interessante Schilderung aussprechen. Der Abend war ein guter Gewinn für den Zweig Gießen des Deutschen Alpenvereins, für die Be­sucher selbst und nicht zuletzt auch für die herzliche^ Beziehungen, die unser Reich mit dem schönen bul­garischen 'Lande und seinen Bewohnern verbinden.

vor, daß der Gedanke der Schaffung eines Betriebs­sportplatzes aus dem Kreise der Gefolgschaft selbst entsprungen sei und die Durchführung in freiwil­ligen Ueberftunben, trotz notwendiger Verlängerung der produktiven Arbeitszeit, einen Beweis für die Durchdringung der Gefolgschaft mit den Gedanken der Deutschen Arbeitsfront bildet. Nur mit Be­dauern könne man bei einem Vergleich zwischen dem Früher und dem Heute feststellen, wieviel Energien früher in inneren Kämpfen verbraucht worden seien, die, richtig angesetzt, zu einer Ver­schönerung und Ausgestaltung des deutschen Lebens­raumes führen. In tiefer Dankbarkeit müßten wir des Führers gedenken, der das Unvorstellbare fertigbrachte, die Herzen von 60 Millionen Deut­schen auf ein einheitliches und gemeinnütziges Wol­len auszurichten. Die Daheimgebliebenen könnten ihren Dank für die unfaßbaren Taten der Wehr­macht nur dadurch abstatten, daß sie im großen wie im kleinen für die Bedürfnisse der Wehrmacht ar­beiten und Körper und Geist gesund erhalten. Der Platz wurde dann dem Andenken der drei gefalle­nen Kameraden aus dem Betrieb gewidmet.

Betriebsobmann V o l k m a n n dankte dem Be­triebsführer für die Zurverfügungstellung des Ge­ländes und versicherte, daß die Gefolgschaft wie hier, so in allen Fragen der Betriebsgemeinschaft immer hinter ihrem Führer stehen werde. Er übergab die Verwaltung des Platzes dem Betriebssportwart Bernhardt und forderte ihn auf, den Betriebs­sport im Sinne des Gemeinschaftsgeistes ordnend zu führen.

Betriebssportwart Bernhardt versicherte, mit seiner ganzen Person dafür einzustehen, daß die Ge­folgschaft restlos für den Gedanken des Betriebs­sportes gewonnen werde, im Interesse einer körper­lichen Ertüchtigung, die dem einzelnen wie dem ganzen Volke zugute komme.

Anschließend sprach Gauobmann Becker. Er verwies auf die Taten unserer Soldaten an der Front, die es der Heimat ermöglichen, in Sicher­heit zu leben und ihrer Arbeit nachzugehen. Die Errichtung des Sportplatzes sei ein Teil dessen, was Dr. Ley im Leistungskampf der Betriebe jedem ein­zelnen Betrieb als Zielrichtung gegeben habe: nicht nur Sport einzelner Gruppen, sondern Sport der Gesamtheit sei es, der jedem einzelnen zugute käme und das Volk jung erhalte. Die Zusunftsaufgaben seien so gewaltig, daß wir alles daran setzen müß-

Meerschweinchen.

Von Richard Gerlach.

II Rur zwei Haustiere stammen aus der

tztter und das Meerschweinchen. Die Moschusente Kd das Lama zählen kaum mit. Es ist erstamtlich sitnig für einen ganzen Erdteil. Auch diese Tiere Kd nicht von den weihen Ansiedlern sondern von fci Indianern gezähmt worden. Verglichen mit öen »mstieren der Alten Welt, mit Hund, Bmb, Sqwein, Pferd, Esel, Kamel, Schaf, Ziege Huhn, S-ms, Ente, Taube, Katze, Seidenraupe und Liene wtmen sich diese Amerikaner nur kümmerlich aus. ) haben die menschlichen Kulturen und Wirft chiftsformen nicht verändert. Der Puter wird tonigftens als Festtagsbraten geschätzt. Die ^n- iianer versveisten zwar auch das Meerschw^nchen, «b r in Europa hat man ihm nur m wenigen senden Geschmack abgewinnen können Die Rev ttben brachten es als Spielzeug für die Kinder aus ku oder Paraguay mit. .....

vermutlich hat gerade dieses harmlose Geschöpf französischen Philosophen Descartes veranlaßt ki: Tieren die Seele abzusprechen Noch Buffon N, daß sie das Aussehen von Automaten haben /ii für die Fortpflanzung eingerichtet sind. In ver htt kann ein Meerschweinchen viereinhalb Monat, ivchdem e- selbst geboren ist, schon wieder Junge L- Welt bringen, obwohl es erst richtig aus

Wachsen ist, wenn es doppelt so alt ist.

? Die BezeichnungSchweinchen" wird -mem kwr, Mmn man ein weißes Meerschweinchen von hinten Mit. Wohl fehlt das Schwänzchen, aber- vte -an, es sich bäuchlings dahinschiebt erinnert sehr an

W er grunzendes Stalltier. Dazu kommt, ß (Pi quiekende Stimme einige Aehnlichkeit h Milden Meerschweinchen gleichen als muntere Nag ik-e, welche die Pfoten zum Schnäuzchen Huben, Nr Behendigkeit eher großen Mausen Bei den !e,ahmten aber ist der Kopf dick und schwer g

i v irden, so daß sie die Halme und Blatter lieber Boden in die Zähne fassen.

* . Es sind spaßige und genügsameTiere, unk k freßlustig hintereinander in ihrem .

||*4 wenn der alte Bock seinem Harem m seltsamen

Orgeltönen knurrend den Hof macht, so wird es nicht leicht jemand geben, der nicht über soviel bescheidene Einfalt lächelt. Sanftmütig von Natur, brauchen sie ihre Zähne nicht gegen den Menschen und lassen sich alles gefallen. Der Wissenschaft haben sie große Dienste erwiesen, denn Gifte und Impfstoffe lassen sich an ihnen beliebig ausprobieren. Auch hat man an ihnen sehr schön die Kreuzungen der Rassen stu­dieren können. Es gibt das silberfahle Kurzhaar, die weißen mit roten Augen, die zweifarbigen und dreifarbigen Angorameerschweinchen mit abstehen­den Haartollen, einfarbig gelbe und braune und Kreuzungen in allen Schattierungen. Werden die Züchtungen mit wilden Meerschweinchen gekreuzt, so kommt die alte rehfarbene Färbung wieder zur Herrschaft.

Tiere deren Vorfahren seit vielen Jahrhunderten nur den' Stall kennen, mögen autvrnatenhaft in ihren Begehrungen und Bewegungen werden, besonders wenn sie nur auf Hübschheit und nicht auf irgendeine Charaktereigenschaft gezüchtet sind. So erscheinen uns die Merschweinchen wie lebende Spielsachen. Fern jeder Bosheit, sind sie immer sauber und adrett. Trotzdem sind sie nicht eigentlich stumpfsinnig, sie unterscheiden ihren Pfleger von Fremden und be­grüßen ihn mit Gequiek. Unter den Nagetieren sind sie die possierlichsten.

Oer künstliche Gugelhupf.

Als der berühmte Chemiker Adolf von Bayer im Jahre 1875 auf den Münchener Lehrstuhl Justus von Liebigs gerufen wurde, fand er im Etat einige merkwürdige Ausgabeposten. Da waren an­geführt mehrere Pfund Mehl, Zucker, Rosinen, eine Anzahl Eier und ähnliche schmackhafte Dinge Er wunderte sich natürlich darüber und verlangte Auf­klärung. Bereitwillig teilte der Diener ihm darauf mit, der Herr Geheimrat Liebig habe doch injeinem Laboratorium alle möglichenkünstliche Sachen" hergestellt, wie Säuglingssuppe, künstliche Sahne, künstlichen Kaffee und anderes Da wären die Die­ner auf den Gedanken gekommen, auch ihrerseits etwas derartiges herzustellen, und zwar hätten sie es mitkünstlichem Gugelhupf" versucht dazu habe man eben alle diese Zutaten gebraucht.. C. K.

Son starken Männern.

August der Starke ist durch nichts anderes so volkstümlich geworden als durch die erstaunlichen Leistungen seiner Muskeln. Es wird von ihm er­zählt, daß er in Warschau erst einen, dann zwei Grenadiere mit steifem Arm aus dem Fenster her­ausgehalten habe, und ebenso soll Händel eine Sän­gerin, die sich nach Primadonnenart feinen Wün­schen nicht fügen wollte, ergriffen und aus dem Fenster gehalten haben, bis sie fügsam war. Auch ein Hufeisen konnte August der Starke zerbrechen, und dieses Kraftstück ist dann zu einer Lieblings­vorführung der starken Männer geworden. Mag es dabei auch vielleicht nicht immer ganz ehrlich zugegangen sein, indem das Hufeisen durch Behand­lung mit Säure oder beim Härten vorher präpa­riert war, so sind doch auch verbürgte Leistungen dieser Art bekannt. Ein gewisser John Grün zerriß im Jahre 1905 in Paris auf Grund einer Wette zwei vorher von Fachleuten untersuchte Hufeisen in 44 und 23 Sekunden. Ein Harry Scherer vollbrachte das Kraftstück in 30 Sekunden. Das Hufeisen wird jedoch in den meisten Fällen nicht eigentlich zer­rissen, sondernverdreht". Auch beim Kettenspren­gen, das häufig vorgeführt wird, pflegt meist der Trick vorzuliegen, daß die Ketten oder einige ihrer Gliederglashart" gehärtet find und so bei einem plötzlichen Ruck durch Anspannen der Oberarm- und Brustmuskeln wie Glas zerspringen. Sehr viel Hebung und große Kraft gehört zum Zerreißen von Kartenspielen, bei denen eine Präparation meist nicht möglich ist. Spezialisten haben es durch lan­ges Training so weit gebracht, daß sie 35 Spiele auf einmal zerreißen können. Wie hierbei, so kommt auch beim Zerreißen von Geldstücken die Finger- trnft in Frage. Ein bekannter Athlet zerbrach zehn Einpfennigstücke in wenigen Minuten. Zum Zer­brechen von Talern, worüber auch berichtet worden ist, ist jedoch kaum ein Sterblicher fähig.

Ein sehr starker Mann war der Zar Alexander III. von Rußland, der einmal bei einem Besuch einer Eisengießerei einen Block von zwei Zentner ohne weiteres in die Höhe hob. In alten Chroniken wird sehr viel von starken Männern berichtet. So erzählt die Chronik der Stadt Graz von Franz Andreas von Favrat, der als preußischer Hauptmann den

ten, das Leben des einzelnen zu verlängern. Hierzu, diene der Sport, wie alles, was den Körper gesund erhalte. Der Gauobmann gab dem Wunsch Aus­druck, daß die gesamte Belegschaft mit dem Be­triebsführer auf dem eingeschlagenen Wege weiter­gehe, Leistungszeichen an Leistungszeichen reihe und schließlich als höchstes Ziel die goldene Fahne er­werbe.

Mit dem Sieg-Heil auf den Führer fand die em« drucksvolle Feier ihren Abschluß.

Zur Frage des Kartoffelverkaufs.

Um Unklarheiten zu vermeiden, wird hiermit noch­mals daraus hingewiesen, daß die Anordnung Nr. 2 vom 1. 8. 1941 des Kartoffelwirtschaftsverbandes Hessen-Nassau nach wie vor besteht. Auf Grund dieser Anordnung dürfen Kartoffeln nur an orts­ansässige Verbraucher abgegeben werden. Der Ver­kauf an Händler und Genossenschaften ist nur dann gestattet, wenn diese im Besitz des vorgeschriebenen Frühkartosfelschlußscheinheftes sind. Um sich Weite­rungen zu ersparen, wird auf die strikte Einhaltung dieser Anordnung hingewiesen.

*

** Von der Obuslinie nach Klein- Linden. Seit einigen Wochen ist der Bau der Obusliyie in der Frankfurter Straße im Gange. Ein

Heute beginnt unser neuer Vornan Oie drei Hettwang-Kinder von Horst Biernath

großer Teil der Maste für die Stromleitung ist be­reits gesetzt. Nun wurde auch im Vorort Klein- Linden in diesen Tagen mit der Arbeit begonnen. Die Anwohner der Frankfurter Straße und des Vororts Klein-Linden sehnen die Zeit herbei, daß sie endlich dem Verkehrsnetz der Stadt angeschlossen werden.

** Einen Riesenpilz im Gewicht von 4 Pfund, einen Bovist, sand ein Pilzsammler am gestrigen Sonntag auf einer Wiese bei Allendorf a. d. Lumda. Der Pilz hat eine kugelrunde Form. Der Finder will den Riesenpilz einer Schule zum Anschauungsunterricht für die Kinder übermitteln.

3n den Bach gestürzt und ertrunken.

* Stockhausen (Kreis Gießen), 24. Aug. Ans dem Wege zu einem Grasstück schritt der 76 Jahre alte Landwirt Heinrich Kauß von hier an dem <5 e e n bad) entlang. Der alte Mann wurde dabei, wie schon oft, von einem Schwindelanfall betroffen, durch den er zusammenbrach. Er fiel unglücklicher­weise in den Bachlauf und konnte sich nicht mehr herausarbeiten. Als man den Bedauerns­werten einige Stunden später vorfand, war leider der Tod bereits eingetreten.

Kommen Kopfschmerzen vom Magen!

Sehr fräuftß sogar! Die Zusammenhänge zwi­schen Magen und Kopsnerven sind sehr eng und vielgestaltig. Aber Äopsschmerzen können auch viele andere Ursachen haben. Hierbei ist an Ueber- anstrengung, rheumatische Störungen und eine grobe Anzahl anderer Erkrankungen zu denken. Das kann nur der Arzt entscheiden. Wirklich nach­haltig helfen kann dann auch nur eine gegen die Ursache gerichtete Behandlung.

Daneben braucht der Kranke aber doch vtelsach ein Kopfschmerzmittel, das ihn wenigstens zeit­weise von seinen 'Schmerzen befreit. In manchen Fällen, so bei rheumatischen und nervös bedingten Kopfschmerzen, kann diese Hilfe sogar eine dauer­hafte sein. Ein seit 25 Jahren bet Kopf- und Nervenschmerzen wie auch bei Rheuma, Gicht, Ischias, Grippe und Erlältungskrankheiten be­währtes Mittel ist Togal. Togal fördert die Heilung und stellt Schaffenskraft und Wohlbefin­den bald wieder her. Keine unangenehmen Neben­erscheinungen? Togal verdient auch Ihr Ver­trauen! Es gibt keinen Togal-Ersatz! Sie be­kommen Togal rum Preise von Mk..89 und Mk.2.I9 in lebet Apotheke.

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Siebenjährigen Krieg mitmadjte, er habe seinem durchgehenden Pferde mit einem etwas ungestümen Griff in die Mähne fpfort den Hals gebrochen, und er konnte mit einer Kanone, die dreipfündige Kugeln schoß, wie mit einer Muskete exerzieren. Einer der ersten Kraftmenschen, die ihre Leistung für Geld sehen ließen, war Johann Karl von Eckenberg, von dem die Chronik der Stadt Harzgerode erzählt. Er soll u. a. eine sechs Fuß lange Bank, auf deren einem Ende ein Trompeter saß, an dem anderen Ende mit den Zähnen in die Höhe gehoben haben. Was regelmäßige Hebung für die schon von Natur mit besonderen Kräften ausgestatteten Menschen be­deutet, zeigt das Beispiel des Wiener Athleten Jagendorfer, der es im Laufe der Jahre dahin brachte, daß er mit dem Mittelfinger der rechten Hand eine Last von 550 Pfund heben konnte.

Oer faule Apfel.

Gegen Ende des Jahres 1826 wurde in Wien eines der beliebten Zaubermärchen Ferdinand Rai­munds uraufgeführt. Es wurde ein rauschender Erfolg. Der als Schauspieler und Dichter gleich be­rühmte Verfasser, der selbst eine der tragenden Rollen spielte, wurde sehr gefeiert. Raimund war voller Freude. Als die Vorstellung zu Ende war, bat er einige seiner Freunde zu einem Abendessen, um auch sie an seinem Erfolg teilnehmen zu lassen. Man tafelte vergnügt und brachte manchen Trink­spruch auf den Dichter aus. Einer der Anwesenden aber brachte eine eigenartige Bitte vor:Wir haben heute deinen Triumph miterlebt", sagte er zu Rai­mund,vielleicht kannst du uns nun aber auch einmal von einem deiner Mißerfolge erzählen!" Rai­mund erzählte:Es war vor Jahren. Ich trat in Preßburg inDer politische Kannegießer" des Dänen Holberg auf, und die Zuschauer schienen mit meiner Leistung durchaus nicht zufrieden zu sein. Man sparte nicht mit Mißfallenskundgebungen, ja sogar mit faulen Aepfeln wurde nach mir geworfen. Aber, ihr werdet's nicht glauben, es wurde doch an jenem Abend auch Beifall geklatscht, nämlich in dem Augenblick, in dem der faulste Apfel an meiner lin­ken Backe zerschellte!" £. K.