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Oie LlGA. als Nachfolger des Empire.

fion Nomuras pessimistisch beurteilt. Die Zer- tung .Miyoko" schreibt:Wir fönen nicht genug unser Mitgefühl mit Admiral Nomura ausdrücken, der seine Mission als neuer Botschafter in Washing- ton zu einem Zeitpunkt' antritt, in dem die Be­ziehungen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten so gespannt sind. Die augenblickliche fapanisch- nordamerikanische Krise ist nicht durch Japan verur­sacht worden. Sie hat vielmehr ihren Grund darin, daß die Vereinigten Staaten ihre Verteidi« gungslinie in den West- Pazifik Der« legt haben." Aehnlich skeptisch äußern sich auch die übrigen Blätter.

Das Klottenerweiterungsprogramm der LISA.

Washington, 24. Jan. (Europapreß.) Das Repräsentantenhaus nahm am Donnerstag mit 382 gegen zwei Stimmen ein umfangreiches Flotten- erweiterungsprogramm im Betrage von 909 Millionen Dollar an. Die Vorlage, die an den Senat weiterging, sieht 400 Millionen Dollar für 400 Marine-Hilfsschiffe, 315 Millionen für weitere Marinewerften un£) 194 Millionen für Verwaltungs- und Fabrikbauten vor. Dor dem Ausgabenausschuß des Repräsentanten'daufes erklärte der Vorsitzende des Marine-Ausschufses, Konteradmiral Ernerys- land, die USA.-Handelsrnarine habe seit Kriegs­ausbruch bis Dezember 1940 von 10,258 Millionen auf 9,389 Millionen BRT. abgenommen, weil rund 270 Schiffe das Register gewechselt und weitere 500 000 BRT. oder 62 Schiffe von Heer und Flotte übernommen worden seien.

Außenpolitische Debatte in USA.

Lindbergh äußerte Zweifel daran, daß es ge­lingen könnte, Deutschland auszuhungern und durch eine Blockade zur Niederlage zu zwm- gen. Eine Invasion in Europa setzeein Zusam­mentreffen von mehreren Wundern" voraus. Es fei unklug, wenn die USA. sich feindlich gegen Deutschland, Italien und Japan stellten. Auf die Frage, was er von einem gemeinsamen Frie- densappell Roosevelts und des Papstes halten würde, antwortete er:Ich bin überzeugt, daß dies ein konstruktiver Versuch wäre, kann mir aber nicht denken, was dabei herauskommen könnte."

Auf die Frage, ob er nicht glaube, daß Staats­sekretär Hüll besser Auskunft über die auswärts- gen Angelegenheiten geben könnte, sagte Lindbergh: Ich habe den allergrößten Respekt vor dem Staats­sekretär; aber wir haben eine Situation erreicht, in die wir nicht geraten wären, wenn auf Seiten der offiziellen Persönlichkeiten mehr Vorsicht geherrscht hätte."

Eine weitere Frage, ob er einen Frieden für möglich halte, während der Stern Hit­lers im Aufsteigen begriffen sei, beantwor­tete er mit der lakonischen Feststellung:Ich sehe keine andere Möglichkeit. Das wäre allerdings nicht ein Friede, der mir besonders gut gefallen würde. Die Alternative ist jedoch ein vernichtender Krieg. Ein Friede, der jetzt kommt, wäre jedenfalls b e f s e r."

Als der Abgeordnet Oberharter behauptete, die USA. feien sicherer, solange die britische Flotte bestehe, entgegnete Lindbergh unter dem Beifall der Galerie: ,Wenn die Sicherheit eines Landes von einem anderen abhängt, dann ist dies ein Mißerfolg. Ich wünsche keine Vernichtung der britischen Flotte; ich möchte aber nicht, daß das Schicksal der USA. von der Zukunft der britischen Flotte abhängt." Die Zuhörer applaudierten leb­haft, als Lindbergh den Saal verließ.

der deutsche Völkerrechtler Professor Viktor Bruns kürzlich hingewiesen hat für ihre These auch keine Stütze in den Auffassungen der Völkerrechtler des eigenen Landes, deren angesehenster I. B. Moore in einem 1933 verfaßten Aufsatz erklärt hat: Das Verbot, das einer neutralen Regierung verwehrt, Waffen und Munition selbst zu liefern, gründet sich auf die unbezweifelbare Tatsache, daß die Lie« ferung solcher Gegenstände an eine Streitmacht eine direkte Stärkung ihrer militärischen Hilfs­quellen und als solche eine Teilnahme am Kriege ist. Wenn eine Regierung dies tut, begeht sie dem Wesen nach eine Kriegshandlung. Tut sie dies zu Gunsten einer der beiden Parteien, so gibt sie ihre Neutralität auf und macht sich einer bewaffneten Intervention schuldig." Die amerikanische Völker­rechtswissenschaft müßte also sicher in den letzten Jahren chre Auffassung sehr gründlich geändert haben, wenn sie Roosevelts Englandhilse damit in Einklang bringen wollte.

Der Präsident kennt natürlich genau die Schwäche seiner Jnterventionspolitik und weiß, daß sie völ­kerrechtlich unhaltbar ist, zumal es ja seine eigene Regierung gewesen ist, die unter dem Druck der öffentlichen Meinung gezwungen war, eine Reihe weiterer gesetzlicher Schranken zu errichten gegen die Wiederholung des Wilsonschen Experimentes einer Teilnahme der Vereinigten Staaten an über« seeischen Verwicklungen. Aber, wenn als Reaktion auf die katastrophale Wirtschaftskrise, die man als Folge der Teilnahme am Weltkrieg empfand, das strikte Waffenaussuhroerbot und die Johnson-Akte, die die Kredithergabe an säumige Schuldner unter­band, die USA. aus allen etwa möglichen außen­politischen Verstrickungen heraushalten sollten, wie sie sich im Weltkrieg durch den Einfluß des Rüstungskapitals und der Hochfinanz auf die Poli­tik ergeben hatten, fo wurde alhu bald schon in diese Schranken vom Präsidenten selbst eine Bresche nach der andern gelegt in dem Bestreben, in den sich in Europa anbahnenden Konflikten zwischen Demokratien und autoritären Staaten Partei zu nehmen, wobei freilich vorerst mit Rücksicht auf die durch die Erfahrungen des Weltkrieges kopfscheu gewordene öffentliche Meinung das Gesicht der Neu­tralität nach außen hin wenigstens zu wahren ge­sucht wurde. Diesem Streben nach Unterstützung der Demokratien hinter der Maske der Neutrali­tät diente vor allem die berüchtigte Klausel des cash and carry, die das Waffenausfuhrverbot zu Gunsten derjenigen Staaten beseitigte, die in der Lage waren, ihr in USA. gekauftes Kriegsmaterial bar zu bezahlen und auf eigenen Schiffen abzu­holen. Aber es sollte sich bald erweisen, daß selbst dem reichen England mit seiner größten Handels­flotte der Welt diese ganz auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Klausel nicht genügte, so wenig wie die vielen anderen Lockerungen, die Roosevelt auf Grund seiner weitgehenden Vollmachten, zu Gun­sten Englands eintreten ließ. So steh? an der Wende von der versteckten zur offenen Parteinahme das Englandhilfe-Gesetz Roosevelts. Diesen Schritt dem Volk der Vereinigten Staaten plausibel zu machen, genügen keine juristischen Spitzfindigkeiten und weitherzigen Gefetzesouslegungen mehr. Da mußte die Propagandamaschine der Hetze gegen die autoritären Mächte auf höchste Touren gebracht werden. Ein regelrechter Vernebelungsfeldzug gegen Vernunft und Logik mußte starten, um im ameri­kanischen Volk jenen Grad von Nervosität und Ge­reiztheit zu schaffen, den Roosevelt braucht, um unter dem Druck dieser künstlich/ entfachten Erre­gung im Kongreß seine Englandhilfe gegen die Feinde jeder Jnterventionspolitik so schnell wie möglich durchzubringen. Denn Eile hat man in Washington einmal, weil Englands Chancen, sich bis 3ur Aktivierung der amerikanischen Hilfe zu behaupten, nicht gerade hoch eingeschätzt werden, zum andern, weil die Rüstungen der Vereinigten Staa­ten selbst in kürzester Zeit auf den Höchststand ge­bracht werden müßten, um allen drohenden Gefah­ren begegnen zu können. Damit sind wir schon mitten in der ganzen abgrundtiefen Verlogenheit der Argumente, mit denen Roosevelt und fein Kreis dem Volk der Vereinigten Staaten die Englandhilfe unb das damit verkuppelte Ermächtigungsgesetz schmackhaft und dringend zu machen versuchen.

Roosevelt behauptet, 'es gelte durch Unterstützung Englands die Sicherheit der Vereinigten Staaten, ja der gesamtenwestlichen Hemisphäre" zu verbür­gen, die durch einen Sieg der autoritären Staaten auf das äußerste bedroht würde. Und Roosevelts Freund Laguardia, der Oberbürgermeister von Neu- nork, setzt bereits eine Derdunkelungsübung an, um seinen Mitbürgern die Gefahren einer solchen Be­drohung recht eindringlich vor Augen zu führen und mit solcher beispiellos dummen Hetze die Stimmung zu schaffen, die Roosevelt für fein Englandhilfe- Gesetz braucht. Aber es spricht vieles dafür, daß es Roosevelt und seinen Leuten keineswegs tn erster Linie daran gelegen ist, aus demokratischem Solida- ritätsgefühl England zu helfen, weil sie ernsthaft her Meinung wären, wenn erst einmal England, der letzte Hort der Demokratie in Europa, zertrümmert sei, ziehe die gleiche Gefahr für die westliche He­misphäre herauf. Das sind Argumente, die dazu herhalten muffen, die weitgesteckten eigenen imperia- listischen Pläne zu verschleiern, für deren Verwirk­lichung man den Augenblick des Zusammenbruchs des britischen Empire für gegeben ansieht. Weit davon entfernt, für dieFreiheit der Meere" zu kämpfen, die nach den Worten Roosevelts für die Sicherheit der USA. eine Lebensfrage ist, streckt man feine Fühler über Pazifik und Atlantik weithin aus, um beide Meere unter die Kontrolle der USA. zu brin­gen, bevor der Dreizack Neptuns den Händen Eng­lands entsinkt. Wie sehr sich Japan durch das Vor­rücken amerikanischer Flotten« und Flugzeugstütz« punkte, mit deren Hilfe die USA. die Weite des Pa­zifischen Ozeans zu Überbrücken trachten, in seinem eigensten Lebensraum bedroht fühlt, hat der ja­panische Außenminister M a t f u o k a erst in feiner letzten Rede vor dem Reichstag dargelegt. Washing­tons Aspirationen laufen nicht minder darauf hin­aus, in der Südsee Englands Erbe anzutreten, fo« bald sich dieses gezwungen sähe, hier seine strate­gischen Positionen, vor allem also Hongkong und Singapore, zu räumen und Australien sich selbst zu überlassen. Japan hat keinen Zweifel gelassen, daß es einer solchen Machtverschiebung innerhalb feiner Interessensphäre nicht ruhig zusehen könne, und es hat sich durch seinen Beitritt zum Dreimächtepakt jene Rückendeckung geschaffen, die es ihm gestatten würde, einer Beeinträchtigung seiner Interessen mit allen Mitteln entgegenzutreten. Die offene Animosi- tat, mit der die Vereinigten Staaten Japans Kampf um eine Neuordnung Ostasiens verfolgen, die wirt- fchaftlichen Boykottmaßnahmen und die Unterstützung Tschiangkaischeks sind vollkommen analog der poli- , tischen Linie, die Washington im europäischen Kon­flikt eingeschlagen hat. Matfuoka hat in seiner Reichstagsrede die Bereinigten Staaten noch einmal eindringlich gewarnt, ihre ftiedensfeindliche Politik auf die Spitze zu treiben. Er hat die Hoffnung auf eine Verständigung noch nicht aufgegeben. Aber auch

Rom, 24.Jan. (Europapreß.)Die vorgesehene Liquidierung des englischen Imperiums ist im schönsten Gange", bemerkt Gayda zur Abtretung der Inseln Tuckar und Morgan der Bermudas an die USA. Das englische Gold und die englischen Wert­papiere im Ausland seien nicht mehr ausreichend zur Bezahlung der Kriegsmateriallieferungen. Die Taten seien beredter als Worte. Auch durch die Erweiterung seines Besitzes und strategischer Stütz- punkte im Atlantik und im Stillen Ozean trete USA. an die Stelle Englands. Es folge den Spuren der von England drei Jahrhunderte lang betriebenen Politik. Je länger der Krieg dauere, je mehr werde er kosten und desto größere Stücke des britischen Imperiums könne USA. schlucken. Um eine Stützung der Gerechtigkeit, der Demokratie, des Christentums und so vieler anderer schöner Dinge handle es sich nicht, sondern nur dar­um, den mechanischen Zerbröckelungsprozeß des eng­lischen Imperiums vorwärtszutreiben, um dadurch die imperiale Macht der Vereinigten Staaten zu vergrößern.

Botschafter Nomuras Mission in Washington.

Yokohama. 24.Jan. (Europapreß.) Der neue japanische Botschafter für Washington, Admiral Nomura, hat am Donnerstag die Reise nach den Vereinigten Staaten angetreten. Vor seiner Abreise i betonte er noch einmal seinen Willen, die immer schlechter werdenden Beziehungen zwischen Japan und USA. nach Möglichkeit zu verbessern. In der japanischen Presse werden die Aussichten der Mist

Washington, 25. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Dor dem auswärtigen Ausschuß des Repräsentanten. Hauses betonte der amerikanische Flieger O b e r st Lindbergh, daß er nicht an die Gefahr einer Eroberung der Vereinigten Staaten glaube, solange die USA. gut gerü- tet seien, und sprach sich für einen beschleunig« tcn Ausbau vor allem der Luftflotte aus. Lindbergh wandte sich gegen den Leih« und Pachtvertrag, weil dieser die USA. näher zum Kriege führe und sie einen Schritt von der Demokratie entferne. Die Vereinig­ten Staaten verfügten über wenige Hundert mo- berne Kriegsflugzeuge. Es fei daher ein Fehler, im gegenwärtigen Augenblick noch Flugzeuge auszu­fuhren, während jede der kriegführenden Parteien in Europa Taufende von Flugzeugen besitze. Durch den Export trete eine direkte Schädigung der USA. ein.

Lindbergh unterstrich sodann, daß die Vereinig« ten Staaten England ermutigt hätten, den Krieg zu erklären, als es darauf nicht vorbereitet war. Wenn die USA. ihre ursprüngliche Neutra­lität und ein vollständiges Waffenembargo aufrecht­erhalten hätte, dann wäre es überhaupt zu keinem Kriege gekommen. Frankreich würde dann heute noch ebenso dastehen wie vor dem Kriege und auch England, wäre besser gefah« ren.Ich kann es mir sehr gut vorstellen, daß man in Europa zu einer friedlichen Einigung gekommen wäre. Der Krieg wäre auf diese Art hinausgezogen oder unnötig geworden." Auf die Frage des Abgeordneten Mundt, warum Lindbergh seine Meinung mit einer so großen Os- fenherzigkeit bekanntgebe, antwortete er:Ich bin der Ueberzeuaung, daß der Krieg für uns eine Katastrophe sein wird, wenn wir uns in den Konflikt.einmischen. Ich erwarte von keinem Krieg, den wir führen könnten, einen Erfolg, wenn er eine Invasion-des europäischen Kontinents vor­aussetzt."

keinen Zweifel darüber gelassen, daß Japan einen ihm aufgezwungenen Kampf nicht scheuen werde. Sollten die Vereinigten Staaten", so sagte Mat- suoka,in den europäischen Krieg verwickelt wer- oen und sollte Japan gezwungen sein, am Kriege teilzunehmen, so würde ein neuer Weltkrieg ent­stehen."

Wie also der hemmungslose Imperialismus der USA. auf der Jagd nach Sicherung des britischen Erbes eines der wesenllichsten Spannungsmomente im Raum des Pazifischen Ozeans ist, so sind die Vereinigten Staaten auch im Atlantik auf dem Vormarsch. Vorerst freilich sucht man diese Offen­sive des nordamerikanischen Imperialismus noch zu tarnen mit der Notwendigkeit der Unterstützung Englands,weil Englands Flotte", wie Roosevelt erklärte,das Bollwerk der Sicherheit unserer west­lichen Hemisphäre gegen die Angriffe der Diktatoren ist". Ader man traut der englischen Verteidigungs­kraft schon lange nicht mehr und wenn auch die sensationelle Behauptung derWashington Post" Der Sinn des Englandhilfe-Gesetzes bestehe darin, ,,im gegebenen Augenblick die englische Flotte zu kaufen und sie von kanadischen Häfen aus operieren zu lassen", von Kriegsminister Stimson dementiert wurde, so hat er doch durchblicken lassen, daß das Gesetz es britischen Kriegsschiffen gestatten würde, in amerikanischen Häsen Reparaturen vorzunehmen, was in der Sache auf das Gleiche hinausläuft, zu­mal man weiß, daß zwischen London und Washing- ton Verabredungen bestehen, nach denen die eng­lische Flotte im Falle eines Zusammenbruchs der Verteidigung der britischen Inseln nicht kapitulieren, sondern ihre Stützpunkte auf dem amerikanischen Kontinent suchen solle. Die Berechnungen, die Ma. rineminifter Knox in den Kongreßausschüssen über das Stärke Verhältnis der Flotten der drei autori­tären Mächte zu der Kriegsmarine der Vereinigten Staaten anstellte, sollten jeoenfalls den Abgeordneten die Notwendigkeit vor Augen führen, eine Nieder­lage Englands zu verhindern, weil sonst die USA. bei einer dann erforderlich werdenden Teilung ihrer Kriegsflotte auf Pazifik und Atlantik ins Hinter« treffen geraten werde. Aber ohne Rücksicht auf das ungewisse Schicksal der brittschen Flotte haben die Vereinigten Staaten im Atlantik ihre Vorkehrungen betroffen. Dazu rechnet einmal die Ueberlaffung von Flotten« und Flugzeugstützpunkten auf den britischen Besitzungen im Atlantik, die in weitem Bogen von Neufundland, der kanadischen Küste gegenüber, über die Bermudas und Bahamas zu den Kleinen An­tillen im Karibischen Meer bis nach Trinidad vor der südamerikanischen Nordostküste und Guayana auf dem südamerikanischen Kontinent selbst den west­lichen Atlantik sperren.

Aber Washingtons Aspirationen gehen weiter. Nicht umsonst spricht Roosevelt ständig von der westliche^ Hemisphäre" als einer Einheil, die es

vor dem Zugriff der Diktatoren zu schützen gelte. Die panamerikanische Union ist eine seiner politi­schen Lieblingsideen seit jeher, und er hat es sich viel kosten lassen, sie in Südamerika populär zu machen, um mit ihrer Hilfe sein volitisches Geschäft zu machen. Nach dem Weltkrieg, Der die europäische Konkurrenz in Südamerika weitgehend ausgeschaltet hatte, hatten die Vereinigten Staaten dort dank ihrer Finanzkraft eine Vorherrschaft gewonnen, die sie auch politisch weidlich ausnutzten. Es war die Zeit derDollardiplomatie", die erst endete, als die Wirtschaftskrisis auch der Prosperität in den Vereinigten Staaten selbst ein Ende machte. Roose­velt und sein Staatssekretär Hüll versuchten es dann auf den panamerikanischen Kongressen von Montevideo, Buenos Aires und Lima mit der Po­litik desguten Nachbarn", die eine enge wirtschaft­liche, politische und auch militärische Zusammen­arbeit zum Ziele hatte. Aber die iberoamerikanischen Nationen wünschten nicht nur ihre Unabhängigkeit zu wahren, sondern kamen auch wirtschaftlich nicht auf ihre Kosten, wenn sie sich auf Nordamerika einstellten, denn dieses hat selbst an all den Gütern Ueberfluß, auf deren Ausfuhr die iberoamerikani­schen Staaten angewiesen sind. Nur bolivianisches Zinn und brasilianischen Kaffee kann man in den Vereinigten Staaten gebrauchen, aber Weizen und Mais, Baumwolle, Kupfer und Erdöl gehören in den Vereinigten Staaten selbst zu den Massenous- suhrgütern. Der Ausfall des europäischen Marktes durch den Krieg hat die iberoamerikanische Wirt­schaft nun wieder in größte Schwierigkeiten ge­bracht. Die Vereinigten Staaten traten erneut als Kreditgeber auf und konnten an ihre Anleihen politische Bedingungen knüpfen, zumal England, das bisher eine maßgebende Rolle in der südame­rikanischen Industrie spielte, aus naheliegenden Gründen als Widerpart der nordamerikanischen Be.1 ftrebungen ausfiel. Wenn es nun auch Roosevelt auf den panamerikanischen Konferenzen von Pa­nama im Herbst 1939 und Havanna im Juli 1940 noch nicht gelungen ist, fein Ziel, einen gemein­samen Rüstungsplan selbstverständlich unter Wa­shingtons Führung, gegen den Widerstand nament­lich Argentiniens und Brasiliens durchzusetzen, so läßt er doch nicht locker, wenigstens in der Form der Einräumung von militärischen Stützpunkten seinen Bemühungen um eine einheitlicheDerlei- higung" der westlichen Hemisphäre zu einem Er­folg zu verhelfen. Im Vordergrund steht dabei die La-Plata-Mündung. Aber während die Regierung von Uruguay anfangs dem Verlangen Roosevelts nachgeben zu wollen schien, hat sie der Einspruch Argentiniens wankend gemacht, und nun wird eine Konferenz der Anliegerstaaten des La-Plata- Stromes in diesen Tagen zu dem Problem der 'Verteidigung der La-Plata-Mündung Stellung nehmen, wobei das Bestreben deutlich ist, Nord-

Eine neue Flagge für Marschall pstain

Darunter befinden sich sieben (Scherl-Dilderdienst-M.)

goldene Sterne.

Für Marschall P6 tarn, den Staatschef Frank« reichs, wurde eine neue Flagge geschaffen, die auf dem weißen Feld der Trikolore eine Doppelaxt zeigt, deren Schneiden ebenfalls die Farben Blau- Weiß-Rot tragen. Darunter befinden sich sieben

was eine Durchbrechung des Ottawa-Abkommen; bedeutet, es sei denn, daß England Delgisch-Kon^ schon als einen Teil des Empire betrachtet»

sowie Kokosnüsse und Palmöl beziehen. Die g e' f a m t e Gold Produktion des Kongo wird ge­gen eine Zahlung in Pfund Sterling an die Bank von England abgetreten. Die Kongoerzeugnisse wer­den nur mit den niedrigeren Empirezöllen belegt

England streckt die Hand nach Französisch-Kongo.

Nach einer Depesche derFrankfurter Zeitung" aus Neüyork, zögert man in London, aus Furcht - vor einem endgültigen Bruch mit Vichy, den Inhalt eines Wirtschaftsabkommens übel Kamerun zu veröffentlichen und den Ge­neral de Gaulle als Gegenzeichner zu nennen, da dieser nicht offiziell anerkannt wird, während ein ähnliches Abkommen über Belgisch-Kongk mit dem in London lebenden früheren belgischen , Finanzminister Camille (Butt unterzeichnet und veröffentlicht wurde. England will die gesamte Pro duktion Kameruns an Kakao, Palmöl und Nüssen, ! sowie einen Teil der Produktion an Kaffee und Bananen übernehmen.

Zu dem Kongo-Abkommen wird bezeichnender« weise betont, es seiauf freundschaftliche Weise" z«' j stände gekommen, was wohl heißen soll, daß e in beträchtlicher Druck angewendet wurde, bi» die belgischeRegierung" in London auf die meisten » Rechte über den Kongo verzichtete. England will im nächsten Jahre eine große Menge Kupfer

amerifa nach Möglichkeit auszuschalten. Wie skep­tisch man in unabhängigen Kreisen Südamerikas trotz der maßlosen Hetze, die auch hier von einer ganz unter dem Einfluß nordamerikanischer Dollars stehenden Presse gegen die autoritären Mächte be­trieben wird, über Die uneigennützige Politik Wa­shingtons denkt, zeigt eine Auslassung der brafilia- nischen ZeitungJmparcial", die schreibt, man sei des ewigen Geredes von einer Bedrohung der west­lichen Hemisphäre müde. Wenn der nordamerika- Nische Staatssekretär Hüll behaupte, Südamerika sei am allermeisten gefährdet, dann sei es doch eigentümlich, daß England ausgerechnet angesichts dieser größten Gefahren südamerikanische Rüstung- transporte verhindere und die Südatlantik-Schifs- fahrt vor den Toren Brasiliens unter die besondere Polizeikontrolle der englischen Flotte stelle,, wofür ja derMendoza"-Zwischenfall einen neuen Beweis bilde.

Derartige Ausführungen klingen wenig ermuti­gend für Roosevelts Pläne, und auch seine wirt- schaftspolitischen Projekte wird man in Süd­amerika, so schwierig die wirtschaftliche Lage Süd» amerikas augenblicklich auch sein mag, mit einiger Zurückhaltung aufnehmen Der Marineminister Knox hat schon von einer interamerikanischen Zollunion gesprochen als stärkste Waffe, um zu. verhindern, daß nach einer Niederlage Englands Südamerika als das reichste Rohstoffland der Well: einer Invasion billiger deutscher Jndustrieerzeug«- nisse ausgesetzt werde. Das Natürliche eines solchen: Tauschverkehrs, wie er bereits vor dem Kriege zwischen Deutschland und den südamerikanischen. Staaten zu beider Vorteil im Aufbau war, hat selbst Herr Knox nicht zu leugnen vermocht, man. wird also in Ruhe abwarten können, was man in. Südamerika selbst zu einer solchen Bevormundung. Washingtons in wirtschaftlichen Dingen zu sagen, hat Wie sehr aber die Vereinigten Staaten sich' anschicken, sich zur rechten Zeit und mit absoluter Kaltschnäuzigkeit Englands wirtschaftliches Erbe zu. sichern, zeigen nicht nur die Bemühungen um. Südamerika, sondern auch das Ausstrecken ihrer Fühler in den afrikanischen Raum In beit Verhandlungen Englands mit den USA über die- Lieferung von Material zur Aufrechterhaltung der unter den deutschen Bomben schwer leidenden bri­tischen Kriegsindustrie scheint der von Washinatm ausgehende Plan Der Errichtung amerikanischer Fabriken in Den englischen Kolonien Westafrikasi aufgetaucht zu [ein, Die der Montage von Flug­zeugen und her Vornahme von Reparaturen bienem sollen. Parallel damit lausen Bestrebungen dec Panamerican-Airways, neue Fluglinien von New Orleans über Puerto Rico nach Bolama in Por­tugiesisch-Guinea einzurichten. In Freetown, bem Hafen von Sierra Leone, der britischen Kolonie am der Küste Westafrikas, hak' sich neuerdings ein nordamerikanisches Konsulat etabliert. Man sieht, die Vereinigten Staaten fahren fort, sich für ihre Englandhilfe recht handgreifliche Vorteile zu sichern, die Roosevelts selbstlosen'Kampf für demo­eigenartigen, freilich ganz eindeutigen Licht zeigen.

Dr. Fr. W. Lange.