düng liegt Rostow, mit mehr als einer halben Million Einwohnern eine der bedeutendsten Handelsund Industriestädte der Sowjetunion und wirtschaftlicher Mittelpunkt der großen Senke, die sich nördlich des gewaltigen Gebirgsmassivs des Kaukasus zwischen Kaspischem und Asowschem Meer erstreckt. Es ist begreiflich, daß gerade diese Erfolge der deutschen und rumänischen Waffen an der Küste des Asowschen Meeres in ihren weiteren Perspek- tiven die Londoner Militärsachoerständigen zu sehr ernsten Ueberlegungen veranlassen, denn dem Kaukasus ist in den britisch-amerikanischen Hilfsplänen für die Sowjets anscheinend eine besondere Rolle zugedacht. Man sprach in London von der Wavell- Linie, offenbar ohne Schrecken vor der schleckten Vorbedeutung eines solchen Mannes, und Cyur- chill selbst meinte in einer Botschaft an den indischen Verteidigungsrat in Simla, die entscheidende Front im Osten werde sich vom Kaspischen Meer bis zum Nil erstrecken, englische und sowjetische Truppen würden dort Schulter an Schulter kämpfen. Churchill ist in Zukunstsmachereien niemals kleinlich gewesen, wenn es ihm galt, eine seiner vielen militärischen Fehlspekulationen durch eine neue zu ver- tuschen. Die angelsächsische Hilfe für die Sowjets, die Churchill und Roosevelt bei ihrem Atlantiktreffen als wichtigsten Punkt auf ihr Aktionsprogramm fetzten, ist über das Stadium weiterer Beratungen von Vertrauensleuten und Sachverständigen der beiden Kriegsmacher mit Stalin in Moskau noch nicht hinausgekommen, obwohl die deutschen Waffen bereits an den äußeren Verteidigungsgürtel oer Sowjethauptstadt hämmern, die letzten aktionsfähigen sowjetischen Feldarmeen zerschlagen sind und auch die wichtigsten Industriegebiete der Sowjetunion diesseits des Ural dem deutschen Zugriff offen» liegen. Das einzige Ergebnis militärischer Zusammenarbeit zwischen England und den Sowjets ist der Ueberfall dieser sonderbaren Verbündeten auf das hilflose Iran, aber seine Auswertung als Nachfchub- basis für die Sowjets kommt jedenfalls zu spät für jede Art der Hilfe, wie die Sowjets sie im Augenblick nötig haben und nach der sie schreien wie in der Wüste der Verdurstende nach Wasser.
Die Entscheidung über das Schicksal des Bolschewismus ist gefallen. Daran ändern auch keine britischen Zukunftsphantastereien etwas, mögen sie sich an eine Wavell-Linie im Nahen Osten knüpfen, mögen sie von sowjetischen Reserven in Ostsibirien übertriebene Vorstellungen hegen, mögen sie schließlich sich an eigenen Jnvafionsplänen hochranken, obwohl die Spuren von Andalsnes, Dünkirchen und Griechenland die Engländer schrecken sollten, wiederum mit schweren Verlusten an Soldaten und Kriegsgerät ein Abenteuer zu bezahlen, das ihren Freunden keine Hilfe bringen konnte und sie selbst dem Gespött der Welt aussetzte. Im Eismeerhafen Archangelsk sollen nach ausländischen Blättermeldungen Engländer gelandet sein, aber was anfangs als groß angelegter Entlastungsversuch aufgeputzt worden war, stellt sich bei Licht besehen als Bodenpersonal für einige den Sowjets zur Verfügung gestellte Fluastaffeln heraus. Ueberhaupt ist es über die in der britischen Oeffentlichkeit mit wachsender Tonstärke geforderte Entlastungsoffensive im amtlichen England mit den sich fast überstürzenden Ereignissen auf dem östlichen Kriegsschauplatz immer stiller geworden. Besonders von Labourseite ist man gegen die Regierung Sturm gelaufen, daß sie nicht dafür gesorgt habe, durch Aufrichtung einer „zweiten Front" den Sowjets die ihnen so dringend nötige Entlastung zu verschaffen. Lord Halifax, der britische Botschafter in Washington, dem in seiner Heimat wie im Land seiner Tätigkeit noch immer die enge Freundschaft mit Neville Chamberlain nachhängt und dem man hüben wie drüben nachsagt, nur mit halbem Herzen bei der Sache zu sein, hat als erste britische Persönlichkeit von amtlichem Charakter erklärt, England sei zu einer Entlastungsoffensive im Westen nicht in der Lage. Man hat ihm diese Bemerkung, obwohl sie sich mit der Auffassung der Regierung vollauf deckt, in London sehr übelgenommen, und ein Abgeordneter der Labour- partei fragte im Unterhaus, ob es denn von einem Mitglied des Kriegskabinetts — das ist Lord Halifax auch nach seiner Ernennung zum Botschafter geblieben — klug gewesen sei, durch leichtfertige öffentliche Aeußerungen dem Feinde eine förmliche Versicherung zu geben, daß er nicht angegriffen werde. Die Regierung schwieg/ aber Churchill war es gewiß nicht unlieb, in Halifax einen Sündenbock gefunden zu haben, auf dessen Haupt er den Unwillen der über die Untätigkeit der Regierung enttäuschten brittschen Oeffentlichkeit abzuleiten vermochte.
Wir sagten schon, daß die Erregung über das Schweigen Churchills und die Unentschlossenheit, die die britische Kriegführung macht, besonders auf der
Karin Grunelius
Roman von GuiöoK.vran-
4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Pst!" macht Escherich. „Einer von euch fahrt los. Nein, zwei. Du, Heinz, und du, Gustl. Ihr Mädchen bleibt zurück! Ein zertrümmerter Wagen und ein paar Leichen sind nichts für euch!" Er glaubt, durch einen grausamen Scherz die Stimmung zu verscheuchen, die sich wie ein Alpdruck auf sie legt. Dera Ramlow bedeckt die Augen mit beiden Händen und sängt an zu meinen, worauf Escherich, der sich jetzt verantwortlich fühlt, ihr den Vorwurf macht, sie habe zu viel Alkohol getrunken und könne eben nichts vertragen.
Irgendwo entdeckt er ein Kriketspiel. Nur nicht zurückkehren auf die Veranda und Rede und Antwort stehen müssen! Horst hat sofort begriffen und lacht ohne jeden Grund laut. Mit weitaufgerissenen Augen und blassen Gesichtern lassen sich die Mädchen auf den Rasen drängen, den die heiße Sonne ausgedörrt hat. Jetzt fallen Schatten darüber und man könnte schon spielen, wenn sich das, Herz nicht zusammenkrampfte bei dem Gedanken, daß Gunther und Karin verunglückt sein könnten.
Fast werden Heinz Wengeroth Vorwürfe gemacht, daß er den Vorschlag mit dem Autorennen brachte.
„Ich glaub's erst, wenn ich die beiden tot sehe!" Escherich kann seinen Zynismus nicht lassen und schickt Ngaba, der die Stöcke trägt, in das Haus zurück. Kwikuru möge einen Tisch unter die Palmen bringen und etwas für die durstigen Kehlen besorgen. Merkwürdigerweise summt er dann das Lied: „Schier dreißig Jahre bist du alt ..." vor sich hin.
Er achtet gar nicht der wütenden Blicke, mit denen die Mädchen seiner wahnsinnigen Gleichgültigkeit folgen. Nur so sind diese dummen Dinger zu beherrschen, denkt er und befiehlt, Bettina möge den ersten Schlag ausführen.
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General Tojo mit -er Kabinettsbildung in Japan beauftragt.
Tokio, 17. Okt. (DNB.) Der Tenno hat den bisherigen Kriegsminister General Tojo mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt. Nach der Audienz Tojos beim Tenno wurde auch der bisherige Marineminister, Admiral Koshiro O i k o w a, in den Kaiserpalast gerufen. — Generalleutnant Einki Tojo ist 57 Jahre alt. Er besuchte die Militärakademie, wurde dann Adjutant des Kriegsministers und 1919 nack> Deutschland kommandiert. Später wurde er Leyrer der Kriegsakademie, Regimentskommandeur und Abteilungschef im General- stab. 1939 wurde er Kommandeur der Gendarmerie der Kwantungarmee und zwei Jahre später Chef des Generalstabes der Kwantungarmee. 1938/39 war Tojo stellvertretender Kriegsminister, anschließend Inspekteur der Militärluftfahrt. Seit Juli 1940 amtierte General Tojo als Kriegsminister im zweiten und dritten Konoye-Kabinett.
In ihren Kommentaren zu Konoyes Rücktrttt drücken die Blätter das Bedauern aus, daß in einer ernsten außenpolitischen Situation die Krise unvermeidlich geworden sei, um dann zu betonen, daß nun unbedingt ein starkes, einiges und aktionsfähiges Kabinett geschaffen werden müsse. „Nicht Nichi" führt aus: „Japan steht einer ernsten Zeit gegenüber, in der jede Anstrengung für die rasche Herstellung einer kriegst; ereilen Struktur erforderlich ist. Daher ist es natürlich, daß der Wunsch nach Bil
dung eines stärkstmoglichen Kabinetts besteht." Das Blatt fügt hinzu, daß die Beziehungen Japans zu dem Ausland so kritisch seien wie noch nie und folgert daraus, daß der Zustand der Uneinigkeit innerhalb des Kabinetts keine 24 Stunden dauern dürfe. Gleichzeitm tritt „Nichi Nichi" den anglo-nord- amerikanifchen Versuchen entgegen, die Krisis auszunutzen, um eine Entfremdung zwischen Japan und den Achsenmächten herbeizuführen. Das werde nur zu einer noch kräftigeren und aufrichtigeren Zusammenarbeit mit den Achsenmächten führen. „Japan steht am Scheidewege zwischen Aufstieg und Fall" schließt das Blatt. Auch der Armeekreisen nahestehende „Kokumin Shimbun" sagt, daß die Lage nach außen und innen zunehmend bedenklich geworden sei. Das Blatt weist besonders hin auf den zeitlichen Zusammenhang der Japan bedrohenden Verlegung des Schwerpunktes des Sowjet-Regimes nach dem Osten mit den Besttebungen der ABCD-Front, auf Japan einen Druck auszuüben. „Das wesentliche Erfordernis für Japan ist heute ein starkes, einiges Kriegskabinett." „Asahi Shimbun" fordert, daß das nächste Kabinett von einem Manne geführt werde, der an die Aufgabe der Schaffung der nationalen Einheit gläubig und opferbereit herangeh. Aus Aeußerungen des scheidenden Außenministers T o y o d a schließt man, daß er nicht nur vorübergehend, sondern überhaupt aus dem Kabinett auszuscheiden gedenkt.
petains Llrteilssprnch über die Kriegsveranttvortlichen.
Vichy, 17. Okt. (Europapreß.) Marschall P e - ta in hat im Rundfunk eine Ansprache gehalten, in der er sagte: „Franzosen! Der aus hervorragenden alten Frontsoldaten und aus Männern zusammengesetzte Politische Rat hat sich einstimmig dahin geäußert, daß die Inhaftierung in einer F e st u n g auf Daladier, Leon Blum und General G a m e i i n angewendet werden soll. Diese Bestrafung ist die schärfste, die in dem konstitutionellen Akt Nummer 7 vorgesehen ist. Ich ordne daher die Feschaltung dieser drei Personen im Fort von Pourtalet an. Bezüglich Guy I a Chambre und des Generalkontrölleurs I a c o - m e t, deren Verantwortung weniger schwer scheint, war die Meinung des Rates abweichend. Guy la Chambre und Iacomet bleiben daher in Bourrafsol inhaftiert. Der Politische Rat hat mich aber auch gebeten, die juristische Funktion von Uebergriffen durch die politische Gewalt zu schützen. Die Achtung vor der Trennung der Gewalten bildet einen Teil unseres Rechtes. Infolgedessen bleibt der G e - richtshof von Riom zuständig. Die für unsere Niederlage verantwortlich aemachten Vorwürfe erscheinen tatsächlich derart schwer, daß sie nicht durch einfache politische Sanktionen gerichtet werden können. Was schließlich Paul Reynaud und George Mandel betrifft, die vor dem Gerichtshof von Riom Gegenstand einer ersten Untersuchung gewesen sind, so war jd? der Ansicht, daß
die schwerwiegenden Vorwürfe, die auf ihnen lasten, ab sofort ihre Inhaftierung in einer Festuna rechtfertigen. Ein Land, das sich verraten fühlt, hat ein Anrecht auf die volle Wahrheit. Das Urteil, das den Prozeß von Riom ab» schließen wird, wird die Personen, aber auch die Methoden, die Sitten und das Regime treffen. Es wird keine Berufung geben. Es wird den Schlußpunkt einer der schmerzlichsten Epochen im Leben Frankreichs bilden. Darum habe ich den Justiz- minister gebeten, einen schnelleren Ablauf der Verhandlungen vor dem Gerichtshof von Riom zu sichern. Ohne Zweifel hätte ein einfacher Ablauf der gerichtlichen Prozedur mich dazu verführt, den konstitutionellen Akt Nummer 7 nicht anzuwenden, da ja die Hauptoerantwortlichen, die heute eine erste Bestrafung erleiden, am Schlüsse dieses Prozesses die Strafe ebenfalls in eine gerichtliche Strafe verwandelt sehen werden. Aber ich habe gespürt, daß die juristische Prozedur mit chrer Vorsicht und Langsamkeit das Unbehagen im Lande verstärkte. Dieses Unbehagen wollte ich durch meine heutige schwerwiegende Entscheidung erleichtern. Ich gebe Ihnen damit die Gewißheit, daß, wenn Sie auch verraten worden sind, Sie nicht mehr betrogen werden. Erhalten Sie mir Ihr Vertrauen, bewahren Sie mir Ihren Glauben in die Bestimmung unseres Landes."
Linken sich in heftigster Kritik und in der Erörterung der phantastischsten Jnvasionspläne in Frankreich, Italien ober Libyen Luft machte, deshalb fah sich auch wohl der Führer der ßabourpartei im Unter- Hause, Staatsminister A11lee, zu der Erklärung bewogen, daß die Regierung die Sorge der britischen Oeffentlichkeit über die Entwicklung im Osten teile, nicht nur aus Snmpathie für die Sowjets, sondern auch aus der Ueberzeugung, daß die Erhaltung der sowjetischen Streitkraft unerläßlich für den britischen Krieg sei. Damit ist auch auf britischer Seite von jemandem, der als Mitglied des britischen Kriegskabinetts es am besten wissen muß, ohne alle Umschweife zugegeben worden, welche wesentliche Rolle das Kriegspotential der Sowjets in den Berechnungen der britischen Kriegführung gespielt hat, das gleiche, das heute unter den harten Schlägen der deutschen Wehrmacht seiner völligen Auflösung entgegengeht. Der britische Regierungsoptimismus, der freilich der britischen Oeffentlichkeit schon lange auf die Nerven ging, hat sich nun also zu einem wertvollen Eingeständnis durchgerungen. Die britische Rechnung mit den Riesenmassen der Sowjetheere und der gigantischen Aus- rüstung mit modernstem Kriegsgerät ist nicht auf
gegangen. Englands stärkster und letzter Festlandsdegen liegt zerbrochen am Boden. Auch er hat so wenig wie der französische gehalten, was man in London sich von ihm versprach. Wie immer sich auch nach den letzten großen Entscheidungsschlachten der Feldzug im Osten weiter entwickeln mag, auch die letzten aus der Verzweiflung geborenen Anstrengungen, dem Kamps noch eine Wendung zu ihren Gunsten zu geben, werden den Sowjets nichts nützen, lieber sie ist der Stab gebrochen. Der britische Verbündete hat sie in seinem Herzen als vollwertige Kriegsmacht bereits endgültig abgeschrieben und sinnt schon über den Einsatz der Reste b'er Sowjetarmeen als Hilfskräfte an einer neuen Front nach. Das war das Schicksal aller Verbündeten Britanniens.
Aber wiederum ersteht vor den Kriegsmackem in London die Frage, wie sie ihren Krieg weiter- führen sollen. Noch bleibt die Hoffnung auf Roosevelt und die amerikanischen Lieferungen, die zwar zu spät kamen, um den Sowjets zu gestatten, auch nur einen Tag länger Widerstand zu leisten, die aber den Engländern die Schlacht im Atlantik und den Kampf um die Insel gewinnen helfen sollen. Aber es gibt selbst in England schon Leute, die
„Was hattest du eigentlich vor?" fragte Karin, als sie Günther mit einem maßlos traurigen Gesicht über den Motor gebeugt stehen sieht. Hinter der aufgeflappten Haube klingt das helle Hämmern. Aber eine Antwort bekommt sie nicht. Sie kann verstehen, daß er schweigt. Was sie jetzt mit ihm erlebt, ist eine Niederlage. Ein Mensch wie Günther läßt nicht gern in sich hineinsehen. Das weiß sie und deshalb geht sie langsam in den Busch hinein. Sie kann ihm weder am Wagen eine Hilfe fein, noch wird sie ihn aufrichten können, weil im Augenblick viel zu viel Trotz in ihm ist.
Unendlich hoch spannt sich der Himmel über die endlose Wüste. Irgendwo gehen, sie ineinander über, verschwimmend am Rand eines violetten Schattens, der sich in die Ewigkeit verliert. Nichts ist da als eine grenzenlose Verlorenheit, in der man nicht mehr ist, als was der Stand oder jeder Baum bedeutet. Schritt für Schritt geht sie weiter, als müsse sie sich über irgend etwas klar werden.
Sie hört ihn noch einige Zeit am Wagen hämmern und klopfen und wartet, bis er sie ruft. Aus dem Busch weht heiß die Luft, die schattenlos über den Sand gestrichen war. Karin hat das Gefühl, als wäre sie zum erstenmal in dieser Einsamkeit. Tot scheint alles zu sein, ausgestorben und verbrannt von der Glut. Nachdenklich setzt sie sich auf einen uralten, von Wind und Sand zerfressenen Sttunk eines Tamaxiskenbaumes, ohne Rücksicht darauf, ob ihr schönes weißes Kleid darunter leidet ober nicht.
Das Gespräch mit ihrem Vater, die oberflächliche Unterhaltung mit den jungen Menschen auf dem Merckhof, der Zwischenfall jetzt, der sie zwingt, mit Günther allein zu sein, Minuten zu verleben, die zu nichts führen, all das geht ihr durch den Sinn. Soll ... nein, darf sie nachgeben? Muß nicht vielmehr jeder Mensch den Weg gehen, dessen Richtung und Ziel aus seinem Innersten heraus bestimmt wird? Muß sie ihre Liebe zu ihrem Beruf, ihre Leidenschaft für die Geheimnisse des Lebens, denen die Wissenschaft durch die Bakteriologie beizukommen trachtet, begraben, weil andere wollen, daß sie heiratet? Ja, darf man denn das, ohne einen Verrat zu begehen an sich selbst?
Darüber wird sie sich wohl klar werden müssen in diesen Tagen. Aus all dem, was sich heute zwischen ihr und Günther abspielte, von ihm aus mit robuster Naturhastigkeit und reichlicher Betonung seines Jchs, von ihr in abwartender Haltung und doch mädchenhafter Bereitschaft ausgenommen, hat sich noch nicht jene kristallklare Entscheidung entwickelt, die ihr das Ja ober Nein erleichtert hätte.
Mit einem Blick, als erhoffe sie etwas von ber Ferne, schaut sie auf. Aber wie von einem Blitz gerührt, fühlt sie eine jähe furchtbare Angst in sich auffteiaen; das Blut hämmert wild in den Schläfen. Mit weitaufgerissenen Augen starrt sie in bas Steppengras, über dem sich langsam, immer wieder sichernd, den majestätischen Kops vorgestreckt, der gewaltige Leib eines Riesenlöwen auf sie zu bewegt. Zentnerschwere Gewichte hängen an ihren Füßen, ihre Arme sind wie gelähmt, die Hände liegen verkrampft auf den «Schenkeln, lieber ihr Gehirn senkt sich plötzlich ein Vorhang, hinter dem verzerrt, ins Uebernatürlidje vergrößert, bas Tier sich zum Sprung duckt, die Dorderpranken wild fauchend in die Luft schlägt.
Ein Schrei schlägt gellend an ihr Ohr. Sie weiß nicht einmal, ob sie ihn ausgestoßen hat oder ob er vom Himmel herabfiel. Als müsse sie sich vor ihrem Schlag schützen, wirft sie den Oberkörper vor und kauert sich ganz zusammen. In ber gleichen Sekunbe zersplittert bie unheimliche Stille von einem Knall, als zerberste bie Welt. Dann ist es ganz buntel in ihr.
Mit langen Sätzen springt Günther auf sie zu, nachdem er mit unfehlbarer Sicherheit den Löwen mitten im Anlauf erlegte. Zufällig hat er hochgeblickt, hat Karin auf dem morschen Holz sitzen sehen, sich ein wenig gewundert, daß sie keinen besseren Platz ausgesucht hat, und schaute sich in ber Nunbe um. Durch bie hohen Gräser, verdeckt noch durch einen am Boden kriechenden Busch, sah er den Löwen auf Karin zuschleichen. Wie gut, daß er niemals ohne seinen Karabiner fährt, der außen an ber Tür festgemacht ist. In blitzschneller Heben legung, aber jebes Geräusch oermeibenb, riß er bie Büchse aus ben Haltespangen und schoß das drohenbe Tier nieber.
fürchten, es werbe vielleicht einst ben Engländern mit den amerikanischen Lieferungen so gehen, wie es heute den Sowjets gegangen ist. So mahnt ein großes englisches Blatt, bie „Daily Mail", feine Leser, endlich aufzuhören, auf Wunderlieferungsn aus ben Vereinigten Staaten zu hoffen. Bald werde ber Zeitpunkt kommen, da England möglicherweise auf sich selb st angewiesen sein werde. Des Blatt denkt wohl an d e Methoden aller Erpresser, die ihr Opfer in dem Augenblick fallen Iaffen, wo nichts mehr aus ihm herauszuholen ist. Roosevelt hat auf eine Frage im Senat, wie sich England eigentlich bie Rückzahlung ber gewaltigen Schulden aus bem Leih- und Pachtgesetz denke, geantroorlet, daß darüber ein Plan in London vorgelegt worden sei. Was man darüber hört, entsprecht durchaus der Verquickung von Politik und Geschäft, ber bie Pankees ihre größten Erfolge zu verdanken haben. Die Engländer sollen den USA. alle ihre Stutz, punkte zwischen Gibraltar und Singapur zu gleich, berechtigter Benutzung öffnen und dies Kondominium soll auch über ben Krieg hinaus in Kraft bleiben. Die Engländer sollen aber auch auf ihre Vorzugszollbehanblung bes Warenaustausckes innerhalb bes Empire verzichten, eine Wirtschaft- und Zollunion zwischen ben USA. und dem Empire soll vielmehr der amerikanischen Industrie die Märkte des Empire öffnen. So wird England
ausgepreßt wie eine Zitrone, Roosevelt begnügt sich nicht mit dem Testament, er will England schon bei Lebzeiten beerben, weil er einem britischen Sieg mißtraut und sich deshalb rechtzeitig ben überseeischen Besitz Britanniens sichern mochte. Das ist bas wahre Gesicht von Englands letztem Verbün- beten und man begreift bie Warnung ber „Daily
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Dr. Fr. W. Lange.
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»Nicht ein einziger Panzerwagen.''
Lissabon, 18. Okt. (Europapreß.) „Nicht ein einzige r-nordamerikanischerPon- 3 e r n) a g en hat England bis zum 1. September dieses Jahres erreicht." Diesen Ausspruch des norb. amerikanischen Senators Bird macht „Daily Mail" zum Anlaß, über bie nordamerikanische Hilfe cti England zu schreiben: Die Nordamerikaner feien in der Panzerwagenproduktion ft art zurück und hätten am 15. Juli selbst nur 123 leicht^ einen mittelschweren und keinen schweren Panzerwagen besessen. Als Grund für die unzureichend Rüstungsproduktion in den USA. werden angeführt Streiks, Streikdrohungen und Materialmangel. Zum Schluß wird darauf hingewiesei, die englisch-nordamerikanische Hilfe für bie Sowjetunion fei gleich Null. Die wenigen
Sendungen müßten sogar eingestellt werden, roetn sich bie Lage im Pazifik zuspitzt. „Das britische Talk muß sich, bevor es zu spät ist, oergegenroärtige'i die Sowjetunion England nicht retten toirb4
Oer frühere Schah von Iran nach Mauritius geschickt.
Stockholm, 17. Okt. (DNB.) Amtlich wird in London bekanntgegeben, daß es „infolge dcr Kriegslage" wünschenswert erschienen ist, daß fiif) der 'Exschah von Iran zeitweilig nach Mauritiis begibt, wo er bereits eingetroffen ist. Derjenige, bet sein Volk vor dem britischen Einfall schützen wollte,
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Verbände ber italienischen Luftwaffe bombardier« ten den Flottenstützpunkt von La Valetta. Feindlich« Flugzeuge führten einen Angriff auf Neapel durch. Es wurden einige Wohnhäuser getroffen, wobei, zwölf Personen getötet und 37 verletzt wurden. Di« Abwurf von Brandbomben löste in ber Stadt au
Karin ist langsam vom Baumstumpf herunter- geglitten. Dann spürt sie noch, wie zwei starke 2Inrt sie hochheben; sie fühlt ein leichtes Schweben, ein« unheimliche Stille und Geborgenheit, ohne zu wissen woher sie kommt. Ihr ist, als sei sie in einer Narkose, bie wie ein Meer vor einem liegt, über das mal ohne alle Schwere hinschreiten kann. Wunderschön ist dieses Gleiten, das willenlose Vorwärtsschieben der Füße. Vielleicht geht es in die Ewigkeit, inj Endlose.
Günther hckt Karin in den Wagen zurückgetrageitt und hat sie dort behutsam abgesetzt. Sie ist schrecklihl blaß, und er denkt, es wird wohl nur eine Ohr« macht fein, als ihn eine plötzlich erwachte Jagdleidenschaft in den Busch hineintreibt. Langsoin nähert er sich dem toten Tier, schaut suchend die Gegend ab, das entsicherte Gewehr halb im 2lr*| schlag.
Wenn sich ber Löwe so weit vorwagte, muß ihn ber Hunger getrieben haben, muß bie Löwin hinter ihm her sein in seiner Spur. Ein Baumstumpf gittj ihm den Blick in die Steppe frei ... in weiten Sprüngen setzt in der Ferne die gelbe Katze al), | jagt aufgescheucht in den schützenden Busch zurück.
Erst nachdem Günther aus reiner Lust und iin j Aufprall feiner geweckten und unbefriedigten Jagd' 4 gefühle einen völlig zwecklosen Schuß abgegeben hat, | kehrt er an den Wagen zurück, lieber den Abschah | des Löwen hat er das Autorennen und feine | Niederlage völlig vergessen. Er kann es noch gar] nicht begreifen, daß ihn ber Zufall so überreich 4 entschädigte. In aufwallenber Freude und jähen i Glück legt er feine Hand zitternd auf Karins Amu 1 Im gleichen Augenblick knirschen die Bremsen eines] Wagens in der Nähe. Die von Escherich ausgc schickten Freunde springen mit erhitzten Gesichtern] und ängsllich glühenden Augen über den Sand auf i ihn zu und rütteln ihn aus seiner Versunkenheit.
„Was machst du denn da?" brüllt ihn Heini | Wengeroth an. „Bist du wahnsinnnig, uns uid ber ganzen Geburtstagsgesellschaft einen solche« Schrecken einzujagen?"
Günther zeigt, ohne ein Wort zu sagen, in den Busch hinein und macht die Bewegung des Schie' ßens. (Fortsetzung folgt)
wird jetzt von den „Befreiern" nach Mauritius, eine 500 Meilen östlich Madagaskar gelegene, durch verheerende Orkane berüchtigte Insel im südinbischenH Ozean geschickt. Reuter begründet diese Verschickur^ folgendermaßen: „Obgleich keineswegs die Rede davon ist, den Schah als Gefangenen zu behandeln, so bestanden angesichts der Umstände, die zu seiner Abdankung führten, doch offensichtliche Einwendur- gen gegen die Gewährung vollständiger Bewegungsfreiheit." Reuter meint unverfroren, daß das Klima au*f Mauritius hervorragend fei und nennt all weiteren Grund* für die Wahl dieser Insel, daß s « „weit von Schauplätzen des Konflikts entfernt fei', woraus ^rvorgeht, in welcher Sorge man in London ist, Wß der Schah wieder in feinem ßanti auftauchen konnte.
Kleine politische Nachrichten.
Im Mittelmeer wurde ein weiteres U-Boot von einem, italienischen Torpedoboot versenkt.


