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Brandwolken an den Vormarschwegen im Osten.
Brennende Siedlungen und Dörfer, die von den flüchtenden Bolschewisten in sinnloser Zerstörungswut anqezündet wurden. Auch hier an diesem Flußübergang, über den soeben eine Panzerbrücke von unfern Pionieren gebaut wird, steht ein Dorf in Hellen Flammen. — (PK.-Hochscheid-Scherl-M.)
menen in der Vergangenheit. Heute schon' ist klar erwiesen, daß es sich bei der Sowjetunion nicht im geringsten um einen sozialen Staat handelt, sondern im Gegenteil, daß man es hier mit dem in der Geschichte einmaligen Vorgang der Vergewaltigung von fast 200 Millionen Menschen zugunsten einer kleinen ausbeuterischen Schicht, die zum großen Teile aus Juden besteht und zweifellos von ihnen beherrscht wird, zu tun hat.
Der Nimbus des Sozialstaates ist bereits, setzt für immer zerstört. Das sogenannte bolschewistische Sozialexperiment war ja aber mindestens ebenso sehr auch ein wirtschaftliches Experiment, und es wäre durchaus denkbar, daß das rücksichtslose Ausbeutungssystem wenigstens wirtschaftlich zu einigermaßen nennenswerten Leistungen geführt hätte. Auch hier kann wohl jetzt bereits gefaxt werden, daß das Gegenteil der Fall ist. Von einer nach europäischen Maßstäben zu messenden Wirtschaft kann in der Sowjetunion überhaupt nicht die Rede sein. Alle Phantastereien über den Erfolg der gigantischen Fünfjahrespläne könneu nicht mehr über das Hinwegtäuschen, was der Augenschein lehrt, daß nämlich in der Sowjetunion ein b e isvie l l o se s wirtschaftliches Elend herrscht. Wenn überhaupt von einer Leistung gesprochen werden kann, so höchstens auf dem Gebiete der Wehrwirtschaft. Aber auch hier beweisen die gewaltigen Verlustziffern der Sowjets im bisherigen Kampfe, daß nur eine Massenproduttton erreicht wurde, daß aber die Qualität bei weitem nicht den Stand der deutschen ÜB affen erreichte. Wenn also Woroschilow 1936 klagte, daß man nicht zufrieden sein könne mit der Qualität der Produktion, die der Sowjetarmee geliefert werde, so hat er durchaus Recht behalten. Beziffert man doch in der Sowjetpresse den Anteil der Ausschußfabrikatton auf weit über ein Drittel der gesamten Produktion, und Molotow erklärte im Jahre 1936 zur Rechtfertigung der hohen Preise, daß in Amerika der Ertrag Der Produktion 3,5 und oft zehnmal so hoch sei, als in der Sowjetunion. 1935 wurden auf den Kopf der Bevölkerung noch nicht 50 cm Wollstoff fabriziert. Für die Person wurden im Jahre (7,5 Paar Schuhe hergestellt. Es ist also kein Wunder, wenn der überwiegende Teil der russischen Bevölkerung in Lumpen gehüllt einhergeht, zumal ja immer berücksichtigt werden muß, daß die bevorzugte herrschende Klasse, die insgesamt etwa 10 bis 15 v. S). der Gesamtbevölkerung ausmacht, den Löwenanteil dieser Produktton für sich beansprucht. Eine weitere Ziffer, die nicht nur für die Produktion, sondern auch für den kulturellen Zustand in der Sowjetunion bezeichnend ist, ist die Papiererzeugung. Sie betrug im Jahre 1935 mit 4 Kilogramm je Kopf der Bevölkerung noch nicht ein Zehntel der deutschen Erzeugung von 47 Kilogramm je Kopf. 1936 befanden sich 81 v. H. der in der Landwirtschaft eine so große Rolle spielenden Traktoren in Reparatur. Viele andere lagen unbenutzt auf den Feldern. Don 100 Autos waren 45 in Reparatur oder warteten darauf.
Völlig unkontrollierbar ist die Preisbildung. Der Staat ist ja nicht nur der einzige Arbeitgeber und Produzent, er ist auch der einziae Verkäufer von Waren. Gerade damit hat er die Arbeiterschaft vollkommen in der Hand, denn jede Lohnerhöhung kann sofort durch entsprechende Preiserhöhungen null und nichtig gemacht werden. Von einem festen Wert des Geldes hat infolgedessen der Sowjetarbeiter überhaupt keine Vorstellung. Er weiß nie, was er für sein Geld kaufen kann. Das gleiche liebel gilt aber auch für die Wirtschaft. Auch die Produktionsgüter, die in einem Betriebe zur Herstellung von anderen Waren gebraucht werden, müssen ja gekauft werden. Welche Rolle die Preisgestaltung bei Investitionsgütern 'besitzt, ist ja bekannt. Man kann sich also ungefähr ein Bild machen, was es bedeutet, wenn veifpielsweise das Karl-Marx-Werk für eine Seidenzwirnmaschine, deren Herstellungskosten sich auf 14 575 Rubel beliefen, nicht weniger als 53 286 Rubel verlangte (Sa Jndustrialisaziju vom 18.12.1937). Dieselbe Zeitung berichtete am 14. April 1937, daß die Werkzeugmaschinenfabrik „Krassnyj Proletarij" für ein Ersatzteil zu einer von ihr selbst gelieferten Hori- zontalbohrmaschine, dessen Anfertigungskosten 120 Rubel betragen, 7500 Rubel verlangte. Daß bei einer solchen Preisgestaltung von einer wirtschaftlichen Betriebsführung (hier nicht etwa im Sinne von. rentabler Betriehsführung, sondern von einer Betriebsführung nach wirtschaftlichen Grundsätzen überhaupt gemeint) nicht die Rede sein kann, dürfte einleuchten. In der sogenannten bolschewistischen Wirtschaft sind alle ökonomischen Grundsätze restlos über den Haufen geworfen. An ihrer Stelle herrscht
die unbeschränkte Willkür einer wildgewordenen Wirtschaftsbürokratte, die keine Grenzen kennt, nicht einmal die Grenze der menschlichen Existenzfähigkeit. Wie rücksichtslos man sich notfalls auch darüber hinwegsetzt, zeigt ein Artikel in der Jswesttja anläßlich der Erschießung von 18 000 Bauern in Charkow, die es gewagt hatten, sich dem Abtransport von Weizen nach Odessa zu widersetzen, weil sie selbst vor dem Hungertode standen. Die Zeitung schreibt dazu: „Woher nahmen sich die Arbeiter das Recht, den Obersten Rat der Volkskommissare daran zu hindern, den Weizen zu exportieren? Wenn der nicht stichhaltige Einwand erhoben wird, daß die Bevölkerung vor Hunger sterbe, so ist darauf zu erwidern, daß die kommunistische Politik sich nicht von Sentimentalitäten leiten lassen kann. Wir verlangen vom Volk, daß es sich nicht mehr zu solchen konterrevoluttonären Handlungen hergrbt, denn sonst wird die Bestrafung noch viel strenger sein als die in Charkow." Wer hier noch von Wirtschaft und von Wirtschaftspolitik oder gar von einer wirtschaftlichen Leistung zu sprechen wagt, muß freilich das Gemüt eines Sowjetfunktionärs oder eines Juden besitzen. V. A.
Das Eichenlaub zum Ritterkreuz.
Für heldenmütigen Einsatz im Dstfeldzug.
DNB. Aus dem Führer Hauptquartier, 17. Juli. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh heute für ihren heldenmütigen Einsatz im Ostfeldzuge folgenden Offizieren des Heeres und der Luftwaffe das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes:
Dem Befehlshaber einer Panzergruppe, Generaloberst Guderian;
dem Befehlshaber einer Panzergruppe, Generaloberst Hoth,
dem Kommandierenden General eines Fliegerkorps, General der Flieger Freiherr von Richt- Hofen.
Die tapferen Befehlshaber erhielten die Mitteilung über die erfolgte Verleihung durch ein per- fönttches Telegramm auf ihre Gefechtsstände.
Göring an Mölders.
Berlin, 17. Juli. (DNB.) Reichsmarschall Göring richtete an Oberstleutnant Rlölders folgenden Glückwunsch:
Lieber Rlölders! Ihnen, meinem kühnsten und siegreichsten Jagdflieger, herzliche Glückwünsche zu der höchsten Tapferkeltsauszeichnung. Ich bin unendlich stolz auf Sie, und ich
beglückwünsche auch Ihr herrliches Jagdgeschwader, das in allen Luftkämpfen unter Ihrer kühnen Führung hervorragendes leistet. Möge Ihnen, lieber Mölders, das Soldatenglück auch weiterhin treu sein.
Ihr Göring, Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches und Oberbefehlshaber der Luftwaffe.
Empfang beim Reichsaußenmimster.
Königsberg, 17. Juli. (DNB.) Der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop hatte für heute die Botschafter, Gesandten, Pressereferenten und Kulturrefetenten der deutschen Missionen in Europa nach Königsberg berufen. Der Reichsaußenminister gab bei dieser Zusammenkunft den Missionschefs, die im europäischen Ausland das Großdeutsche Reich vertreten, einen umfassenden Ueberblick über die außenpolitische Gesamtlage sowie über die Ziele der deutschen Außenpolitik.
Anschließend gab der Reichsaußenminister den Pressereferenten und Kulturreferenten der deutschen Auslandsmissionen, die die Aufgabe haben, die Beziehungen zu der Presse und dem Rundfunk der fremden Länder sowie zu ihren kulturellen Einrichtungen zu gestalten, die Richtlinien für die Durchführung ihrer Arbeit.
London sieht schwarz.
Rom, 17. Juli. (Europapreß.) Die optimistische Beurteilung der Lage der Sowjetarmee in den letzten Tagen ist in London rasch geschwunden. Die Berichte des englischen Nachrichtendienstes von der Ostfront sind sogar von tiefer Besorgnis durchsetzt. Auch der militärische Mitarbeiter der „Time s" spricht von einer Periode schwerer Prüfungen, in die das Sowjetheer eingetreten sei. "Die Erhaltung des Angriffsgeistes der Bolschewisten sei jetzt am wichtigsten. Alles werde vor allem von der Entwicklung der Nachschubfrage abhängen. Die Hauptsache sei in diesem Krieg, der Sowjetfront den Nachschub von Munition nach den am meisten bedrohten Frontteilen zu sichern. Auch dieser englische Fachmann fordere die Sowjets auf, bis zum letzten Bolschewisten Widerstand zu leisten.
Schnellbootvorstoß in Sowjetgewäffer.
$ er! in, 17. Juli. (DNB.) Deutsche Schnellboote stießen am 15. 7. in die sowjetischen Gewässer der östlichen Ostsee vor und stellten einen Verband bolschewistischer Seestreitkräfte. Trotz starker Abwehr erzielten die Schnellboote einen Torpedotreffer auf dem sowjetischen Torpedokreuzer „T a s ch k e n t".
Dieser Kreuzer wurde im Jahre 1937 erbaut, hat
2800 Tonnen, ist bestückt mit sechs 13,6-cw-Geschützen, vier 5-ew-Flak, sechs Maschinengewehren und beM neun Torpedorohre. Die Tatsache, daß die „Tasch. kent" bis zum Jahre 1940 im Schwarzen Meer stationiert war und erst vor einigen Monaten in die Ostsee übergeführt wurde, ist ein weiterer Be. weis für die Absicht der Bolschewisten, in Mittel, europa einzufallen.
Erfolgreicher Einsatz der finnischen Lustwaffe.
Helsinki, 17.3uli. (DNB.) Wie die finnisch, amtliche Nachrichtenstelle bekanntgibt, Hut die fin. Nische Luftwaffe die Tätigkeit der Landttuppen wirk, sam unterstützt. Feindliche Eisenbahnverbindungen, Transport- und Panzerzüge, marschierende Trup. pen, Autokolonnen, Lager und Konvois wurden kräftig bombardiert und beschossen. Durch Doll- treffet wurden Bahnanlagen zerstört, Züge zum Entgleisen gebracht, Kolonnen zersprengt und Autos, Züge und Panzerwagen in Brand geschos. sen. Sturzbomberangrisse erzielten Volltreffer aus feindlichen Artilleriestellungen. Auch die Murman. Bahn wurde bombardiert. In zahlreichen ßufe kämpfen blieben die finnischen Flieger fast aus. nahmslos siegreich. Seit Beginn des Krieges bis zum Donnerstag wurden von den Luftstreitkrästen und Flakabteilungen 136 feindliche Flugzeuge abgt- schossen, zahlreiche andere beschädigt. Demgegen. über kehrten seit Beginn des Krieges 11 eigene Flugzeuge nicht zu ihren Stützpunkten zurück. Die Mannschaft eines Flugzeuges konnte sich durch Fallschirm retten.
Oer italienische Bericht.
Rom, 17. Juli. (DNB.) Der italienische Wehr» Machtbericht vom Donnerstag hat folgenden Wortlaut:
In der Nacht zum 16. haben Verbände unserer Luftwaffe die Flugstützpunkte von Malta bombardiert.
In Nordafrika wurde an der Tobruk- Front ein Aufklärungsvorstoß feindlicher Straßen- Panzerwagen abgetpiejen. Unsere Flugzeuge haben befestigte Stellungen von Tobruk und feindlich« Flugzeugstützpunkte in Aegypten angegriffen. 3n der Nähe von S i w a wurden britische Abteilungen und Kraftfahrzeuge mit Bomben und Maschinen- gewehrfeuer belegt. Sturzbomber haben zwei Dampfer vor M a r f a Luch angegriffen. Ein 1500-Ton- nen-Dampfer wurde getroffen und kann als versenk angesehen werden.
Der Feind unternahm erneut Einfluae auf Bengasi und Tripolis und verursachte leicht« Schäden.
In O st a f r i k a lebhafte Artillerietättgkeit int Abschnitt von Uolchesit .
Eines unserer im Atlantik eingesetzten Unterseeboote unter Befehl von Korvettenkapitän Ferdi- nando C a l d a hat einen 8000-Tonnen-Tanker versenkt.
Maffenflucht aus Alexandria.
Istanbul, 17. Juli. (DNB.) Die Massenflucht aus Alexandria, eine Folge der Luftangriffe, hält unvermindert an. Don der Polizeibehörde wurden 1113 Arbeiter und Handwerker, dir ihre Arbeiten im Stich gelassen und sich den Flüchtlingen angeschlossen hatten, zwangsweise in dir Stadt zurückbesördert.
Im Flüchtlingslager von Bender Bersuk im westlichen Nildelta sind, wie das ägyptische Gesundheitsamt bekanntgibt, infolge des Massenandranges Krankheiten ausgebrochen. Es sind Maßnahmen zur Isolierung des Lagers getroffen worden.
Fürst Konoye übernimmt die Neubildung des Kabinetts.
Tokio, 17.Juli. (DNB.) FürstKonoyehat den Auftrag zur Neubildung des Kabinetts angenommen und sich eine gewisse Zett dafür ausbedungen.
Im Zusammenhang mit dem gesamten Rücktritt gab das Kabinett folgende Erklärung ab: „Das Konoye-Kabinett war äußerst bemüht, die verschiedensten Fragen der inneren und äußeren Politik zu lösen. Das Kabinett erkannte jedoch, daß zur erfolgreichen Durchführung der als notwendig erkannten Maßnahmen im Zusammenhang mtt der ständig wechselnden internationalen Lage einr Stärkung und Erneuerung der gesamten inneren Staats st ruktur notwendig ist. Das Kabinett ist deshalb gezwungen gewesen, feinen
Die Dominiks.
Roman von Hellmuth M. Böttcher. .
33. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Ich will den Herren gleich sagen, daß wir auch mit der Norddeutschen Werft in Verbindung stehen", meint er dann. „Herr Lind gibt sich viel Mähe um das Geschäft. Der Vorschlag, wie wir ihn Ihnen heute machen, wiederholt in jedem Punkt das, was mit Herrn Lind besprochen worden ist."
„Und Herr Lind will den Auftrag in dieser Form annehmen?" fragt Nissen..
Der Besucher Herr de Castro überhört die Frage. Aber er lächelt vielsagend.
„Mit der Lösung der Transportfrage wird für meinen Auftraggeber eine der wichtigsten Ausgaben erfüllt, und Südamerika ist groß. Die Produktionsgebiete sind für deutsche Anschauungen, Gewohnheiten — ich möchte sagen — unvorstellbar. Der Bau von Eisenbahnen ist teurer und langwieriger als die Jndienstnahme von Schiffen. Außerdem — wie soll man Eisenbahnen durch den Urwald bauen."
Dominik dankt für die Ausführungen mit einer Handbewegung und beschäftigt sich wieder mit dem Vertragsentwurf.
„Dauer der Lieferungen vorläufig vier Jahre, das las ich wohl schon vor? — Preise sind tragbar, wenn auch nicht üppig. Zahlung nach Abnahme jedes Schiffes mit Sechsmonatsakzept, das dreimal um je ein halbes Jahr prolongiert wird. Spesen in Höhe des Reichsbankdiskonts trägt der Käufer." Er sieht von dem Papier auf und zu seinem Sohne hinüber. „Was sagst du dazu?"
Nissen muß sich die Antwort erst überlegen.
„Herr Lind muß einen starken Atem haben", sagt er dann. „Wenn monatlich drei Schiffe abgenommen werden, dann sind das bei einem Durchschnittspreis von dreißigtausend Mark — warte mal, zwei Mil- lioneneinhundertsechzigtausend Mark, ehe das erste Akzept eingelöst wird."
„Tja — wenn Sie da nicht mitkönnen —", meint Herr de Castro und lächelt vielsagend.
„Von Mitkönnen ist keine Rede!" fährt Dominik auf. „Aber weiß denn ein Mensch, wie es in der
Welt aussieht, wenn der Vertrag schließlich abge- wickelt ist? Das sind sechs Jahre.
Er schreitet im Raum auf und ab. Seine Schritte werden immer länger und schneller.
Plötzlich bleibt er stehen.
„Ich will Ihnen nichts vormachen. Neunzigtausend Mark Monat aus, Monat ein, — das geht über meine Kräfte. Das können die drüben auch nicht. Sie mögen mir das glauben; denn ich kenne die Verhältnisse so einigermaßen hüben wie drüben."
„Die Wechsel werden in Berlin von der Südamerikabank diskontiert", hilft der Besucher nach.
„Wenn man Glück hat! Ich weiß — jeweils für drei Monate mit Vorschußprovision und weiteren Provisionen! — Aber unterbrechen Sie mich nicht. Also, wo war ich stehengeblieben? Was nützt es Ihren Herren, wenn die Lieferungen nach kurzer Zeit stocken?"
„Das wäre recht verdrießlich — und bedingt Vertragsstrafen."
„Na, sehen Sie!" Dominik setzt sich wieder und denkt scharf, während er spricht: „Ich will mit Ihnen auf folgender Grundlage verhandeln: Vertragsdauer zwei Jahre. Wir liefern alle zwei Monate drei Dampfer."
„Das ist zu wenig."
„Dann lassen wir das Geschäft. Ich kann nicht mehr versprechen, als ich zu halten in der Lage bin. Ueberlegen Sie sich die Sache.
Der Gast kramt seine Papiere in die Aktentasche. „Ist das Ihr letztes Wort, Herr Direktor?"
„Ich habe nur ein einziges. Mein erstes und mein letztes Wort sind stets dieselben.
„Das ist schade, dann müssen wir mit der Norddeutschen Werft das Geschäft machen. Ich hätte es gern Ihnen zugeführt."
„Danke bestens! Aber was nicht geht, geht nicht!" Friedrich Dominiks Gesicht verrät nichts von dem, was in seinem Hirn vorgeht. Jetzt nur keine Schwäche zeigen.
Der Südamerikaner druckst. Dabei schiebt er seine Brille zwischen die auf dem Tisch liegenden Papiere. Er macht das sehr geschickt. Man spürt dem Trick die Hebung an.
Friedrich Dominik blickt schnell nach der anderen Seite. Es ist nicht nötig, daß man alles sieht!
Dem Besucher bleibt nichts anderes übrig, als
sich zu verabschieden. In der Tür dreht er sich noch- mals fragend um.
Dominiks Blick begegnet dem seinen. Er ist bedauernd und kühl.
„Also dann auf Wiedersehen!" Der Südamerikaner verneigt sich.
„Auf Wiedersehen!"
Auch die Zurückbleibenden senken die Köpfe.
„Schade!" sagt Dominik, als der Gast hinaus ist. Lietzendorf knabbert an seiner Lippe.
Nissen ist sehr blaß geworden. Es hatte alles fo schön ausgesehen! Nun war auch diese Hoffnung zum Teufel! Es war schon ein Leid!
Nur Friedrich Dominik, den der Fehlschlag am meisten treffen müßte, tut völlig unberührt. Er lächelt sogar — ein kluges, überlegenes Lächeln.
Da klopft es wieder. Don Bautista de Castro!
„Verzeihung! Ich habe wohl meine Brille vergessen?"
„Keine Ahnung! Wir können ja mal nachsehen."
Ein halbes Dutzend Hände beginnen in Papieren zu wühlen.
„Vielleicht ein Zeichen, daß ich nochmals umkehren und verhandeln sollte?" fragt sich Don Bautista.
Theater! Theater!
Dominik hilft mitspielen. —
„Sind Sie abergläubisch?" fragt er.
Don de Castro nickt ernsthaft.
„Etwas, Herr Direktor!" gibt er zu, und man weiß nicht, ist das nun auch gespielt ober ehrlich empfunden. „Für uns Südländer sieht die Welt wohl überhaupt ein bißchen anders aus als für den Nord- europäer. Wir glauben mitunter gern einmal an einen Wink des Schicksals. Das Leben wird bunter und voller davon."
Dominik nickt nachdenklich vor sich hin. Warum soll er dem Besucher zeigen, wie er über ihn denkt? Aber als er einen Blick seines Sohnes erhascht, da blinzelt er ihm mit seinen hellen, klugen Augen zu.
„Das Schicksal hat seine eigenen Gesetze, Don de Castro", sagt er dabei. „Sie haben ganz recht."
Der Gast hat wieder Platz genommen. Und wäh- renb er seine Mappe erneut aufschlägt, meint er:
„Ich werde meinen Auftraggebern berichten, daß ich jedenfalls mein Aeußerstes versucht habe."
Er sagt das mit einer so bestrickenden Liebens
würdigkeit, als sei das Spiel eben die natürlichst« Sache von der Welt gewesen!
„Dann fahren wir also fort, wo wir vorhin stehengeblieben sind", schlägt Dominik vor.
De Castto hat nichts daaegen. Und bald kann et' sich zum zweitenmal verabschieden.
Diesmal vergißt er auch nicht seine Brille. Der Vertrag ist in großen Zügen durchgesprochen. Er fehlt nur noch, daß er von Buenos Aires fanktio« niert wird. Aber das ist nach Don Bautistas Lliv sicht nur eine Formsache.
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Frinzka hat noch immer nichts von sich Hörer lassen. Die vier Wochen Bedenkzeit sind um. Friedrich Dominik hat inzwischen den Rat seines Anwalt* eingeholt, der zwar grundsätzlich die gleiche Auffassung für vertretbar hält, die Dominik Frinzka: gegenüber vorgetragen hatte. Aber er hat einer Prozeß gegen Frinzka doch als immerhin bedenklich« bezeichnet, allein schon im Hinblick auf die Koster dieses Rechtsverfahrens. Mochte also die Sach« ir der Schwebe bleiben? Die Aktien liefen ja nicht weg-
Auch die Südamerikaner rühren sich trotz bef Abmachungen mit Don Bautista de Castro wieder nicht mehr.
Das einzige, was vorangeht, ist die Sache Birk & Co., mit dem man etwas anfangen kann, und bas, was besonders wichtig ist, im Rahmen dec flüssigen Mittel der Dominik-Werft liegt.
Nach dem Gesellschaftsstatut der Werft darf dec Direktor Erweiterungen nur mit Zustimmung der Aufsichtsrates vornehmen. Der Kauf von Birk & Co. ist solch eine Erweiterung. Also müßte Dominik de» Auffichtsrat um seine Meinung befragen. Das abec ist ein Unding. Denn die Motive des Kaufes müßte» dabei vorgetragen werden, und da zum Auffichtsrat Herr Mattheus Lind gehört, der zugleich fern Konkurrent ist, so würde er selbstverständlich seine Zustimmung versagen, und Dominik hätte also bloß die Norddeutsche Werft schlau gemacht.
Eine verfluchte Geschichte ist das, die wieder zeigt, daß man die Frinzkaschen Aktiett doch braucht, eben die Aktien, die man nicht kriegen kann und die man, wenn man sie kriegen könnte, zu bezahlen nicht die Mittel hätte.
Eine ganz verfluchte Geschichte.
(Fortsetzung folgt)


