Ausgabe 
17.7.1941
 
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Blut des Durchschnittsamerikaners begann zu wal­len. Washington stellte an Spanien das Ultimatum vom 19. April 1898, die Unabhängigkeit Kubas an­zuerkennen und die Inseln sofort zu räumen. Man muß blind sein, wenn man nicht oie Analogien zu unserer Zeit sehen will. Der jetzige Roosevelt läuft genau so dem Kriege nach wie die durchtriebenen Hankee-Politiker 1898, die den Konflikt mit Spa­nien wollten, das doch damals wahrhaftig in einer politisch-militärischen Verfassung war, die ihm den Wunsch nach Ruhe und Frieden nahelegte.

In den großen Ereignissen des Weltkrieges ist übersehen woroen, daß schon 1914 Woodrow Wil­son unter Einsatz amerikanischer Truppen in die mexikanische Politik eingriff und den Rück­tritt des Präsidenten Huerta erzwang. Mexiko be­kam also zweimal auf das empfindlichste dieAera des guten Einvernehmens" oder derguten Nach­barschaft" zu kosten. Außerdem verschafften sich die USA. während des Weltkriegs durch die militäri­sche Intervention die tatsächliche Schutzherrschaft üoer die beiden Republiken der Insel Haiti und über Nicaragua. Auch nach dem Weltkrieg lan­deten sie wiederholt Truppen in Nicaragua. Mit Mexiko gab es ewige Erdölkonflikte. DieUnab­hängigkeit" Kubas von Spanien wurde tatsächlich ein amerikanisches Protektorat. Immer aber haben die Amerikaner diesen nackten Dollar-Jmverialis- mus mit gefälligen, frommen Redensarten drapiert. Es gehört in diese alte Tradition, daß der ameri­kanische Rundfunksender , Boston erst dieser Tage feierlich erklärte, die Vereinigten Staaten handel­ten niemals aus egoistischen Gründen.

Hier kam es nur darauf an, die Beständigkeit und Zielsicherheit in der nackten Gewaltpolitik der USA. ebenso klar darzustellen wie in der Unsauber­keit der Gesinnung, die- diese Gewaltpolitik mit den Feigenblättern einer unglaubhaften Nächstenliebe garniert. Wie sollte es auch anders sein? Die tech­nisch bewunderungswürdige Entwicklung der USA. ist niemals eine bewunderungswürdige moralische Entwicklung gewesen. Nicht Morse und nicht Edison haben die eigenartige Größe der amerikanischen Wirtschaft begründet, so begnadete Erfinder sie ge­wesen sind. Die tollen Glücksritter vom Schlage eines Rockefeller, Herriman, Astor, Schiff und Loeb haben den technischen Erfindergeist ausgemünzt und selbstverständlich auch der Politik ihres Landes die­sen Stev^el der Geschäftspolitik aufgedrückt.

Dr. Ho.

3m Atlantik versenkt.

Lissabon, 16. Juli. (Europapreß.) In San Vicente auf den Kapverden traf der portugiesische AvisoBartolemeu Dias" mit 24 Ueberlebenden des englischen DampfersAuditor" (5444 BRT.) an Bord ein, die er in der Nähe von Tarrafal aus­genommen hatte. DieAuditor" ist am 4. Juli im Atlantischen Ozean von einem deutschen U-Boot versenkt worden. Der portugiesische Dampfer Santa Pricesa", der am Dienstag von den Fisch­bänken Neusandlands nach Oporto zurückgekehrt ist, hatte sieben Mitglieder der Besatzung des englischen DampfersDesigner" (5945 BRT.) an Bord, die er etwa 300 Meilen westlich der Azoren in einem treibenden Rettungsboot angetroffen hatte. DieDesigner" war am 8. Juli ebenfalls von einem deutschen U-Boot versenkt worden. 80 Mann werden noch vermißt.Daily Mail" bestätigt die Versenkung der englischen HandelsdampferTrafalgar (4530 BRT.) undR a b a u l" (5618 BRT.) durch deutsche Ueberwasserstreitkräfte im Atlantik. Beide Schiffe waren auf der F a h r t n a ch Südafrika torpediert und versenkt worden. Von den Besatzungs­mitgliedern, die in einem englischen Hafen gelandet wurden, wird mitgeteilt, daß die Deutschen sie mit Zigaretten, Schokolade und Frankfurter Würstchen versorgt hätten.

Churchills Blutschuld.

Berlin, 16. Juli. (DNB.) In einer offiziellen Erklärung wurden heute, nach dem Londoner Nach­richtendienst, die V e r l u st e, die durch deutsche Angriffe in England verursacht wurden, be­kanntgegeben. Von Anfang Januar bis Ende, Juni sind danach in England 41 900 Personen geöt« und 52500 Personen verwundet worden.

Bier Todesurteile

im Sofioter Spionageprozeß.

Sofia, 16. Juli. (DNB.) Im hiesigen englischen Spionageprozeh verkündete das Militärgericht unter Vorsitz des Obersten Auditors und früheren Poli­zeipräsidenten Panteff das Todesurteil gegen die vier ehemaligen Sowjet­offiziere, die als Agenten im Dienste des englischen Nachrichtendien st es ge­standen haben. Der fünfte Angeklagte, ebenfalls ein Emigrant der Sowjetunion, hat inzwischen im Ge­fängnis Selbstmord verübt. In der Anklage wurde besonders die moralische Seite der Schuld hervor­gehoben, daß Emigranten, die in Bulgarien Asyl­recht und Gastfreundschaft genommen hätten, in dieser schmählichen Weise Vergeltung übten.

Kleine politische Nachrichten.

gliederten Ostgebieten, der in diesem Jahr mit ver­stärkten Kräften zur Durchführung gelangt, wurde von Posen aus eröffnet. 450 Jungmannen aus elf Anstalten hatten sich zusammen mit ihren Erziehern zu einem Treffen versammelt, um von der poli­tischen und bäuetlichen Führung die Weisungen für ihren Arbeitseinsatz zu empfangen, für den vorwie­gend die neuen Ansiedlungsgebiete des Warthe­ia n de s ausersehen worden sind.

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Der Staatssekretär für Fremdenverkehr Esser empfing in München den neuernannten General­direktor für Tourismus im Kgh italienischen Mini- terium für Volksschule, Teffano, der zur Be- ichtigung der italienischen Dienststellen des Frern- lenverkehrs im Reich nach^Dentschlond gekommen ist.

Der Führer hat dem Leitenden Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, Pfundtner, zu seinem 60. Geburtstag ein herzliches Glückwunsch­

telegramm zugehen und sein Bild mit Widmung überreichen lassen. Auch Reichsmarschall ® Öring lieh ihm sein Bild zugeben. Re-ichsmirrister Dr. muck hat in einem Glückwunschschreiben der großen Ver­dienste Pfundtners gedacht.

Der Führer hat dem o. Professor em. Hofrat Dr. Rudolf Jaksch Ritter von Warten­horst in Prag aus Anlaß der Vollendung seines 86. Lebensjahres in Würdigung seiner Verdienste um die medizinische Wissenschaft und um das Deutschtum im Sudetengau die Goethe-Me­daille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Der Führer hat bem o. Professor Dr. Karl Bräuer in Leipzig aus Anlaß der Vollendung seines 60. Lebensjahres in Anerkennung seiner Ver­dienste um die deutsche Wirtschafts- und Finanz- wissenschaft die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Weiterhin günstiger Verlauf im Osten.

Oer Wehrmachtbericht.

DNB. Ausdem Führerhauplquartler, 16. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Osten nehmen die Operationen weiterhin ihren günstigen Verlauf. An mehreren Stel­len wurden verzweifelte sowjetische Gegen­angriffe unter blutigen Verlusten für den Feind zurückgeschlagen.

3m Kampf gegen Großbritannien beschä­digte die Luftwaffe ostwärts Newcastle zwei große Frachtschiffe schwer. Kampfflugzeuge bombar­dierten in der letzten Nacht die Hafenanlagen von Margate.

Der Feind warf in der letzten Nacht mit schwachen Kräften eine geringe Zahl von Spreng- und Brand­bomben in Westdeutschland. Nachtjäger schos­sen drei der angreifenden britischen Kampfflug­zeuge ab.

Wie bereits durch Sondermeldung bekanntge­geben, schoß Oberstleutnant Mölders, Kommo­dore eines 3agdgeschwaders, gestern fünf weitere Sowjetflugzeuge ab und errang damit in diesem Kriege seinen 101. Luftsieg.

Die Verleihung der höchsten militärischen Aus­zeichnung an Oberstleutnant Mölders nach fünf neuen Lustsiegen an der Ostfront deutet auf die Heftigkeit der Lustkämpfe in diesen Tagen, in denen der deutsche Wehrmachtbericht seine karge Zurück­haltung in den Mitteilungen beibehält. Immerhin lesen wir in dem Wehrmachtbericht vom 16. Juli, daß die Operationen weiterhin ihren günstigen Ver­lauf nehmen. Und dann folgt ein Satz, der befon- ders beachtet werden muß. Er lautet:An meh­reren , Stellen wurden verzweifelte sowjetische Gegenangriffe unter blutigen Verlusten für den Feind zurückgeschlagen." Damit nimmt der Wehr­machtbericht die Mitteiluna auf, die am Dienstag­abend über die Sender lief: daß die Reste der zwi­schen Schitomir und Berditschew geworfenen Bol­

schewisten, verstärkt durch rasch zusammengestellte gemischte Sowjeteinheiten versuchen, die deutschen Truppen anzugreifen, die wie ein Keil in Richtung Kiew vorgestoßen waren. Außerdem aber haben weiter westlich eingeschlossene starke Sowjetver­bände" verzweifelte Ausbruchsversuche unternom­men, wurden aber vernichtet oder gefangen. Hier wiederholt sich also dieselbe Verzweiflungstaktik, mit der Ende Mai 1940 Weygand vom Süden und die in Flandern eingeschlossenen französisch-eng­lischen Truppen vom Norden gegen den deutschen Keil auf Abböoille vorzuprellen versucht hatten. Man darf vielleicht annehmen, daß solche verzwei­felte sowjetische Gegenangriffe auch an anderen Brennpunkten der Ostfronten etwa an der Düna erfolgt sind, um die gefürchteten deutschen Sensenschnitte aufzuhalten. In diesem Zusammen­hang gewinnt die angeführte Bemerkung des deut­schen Wehrmachtberichts vom 16. Juli ihr volles Gewicht. Zu den bezeichnenden Einzelheiten gehört ferner, daß die Hilferufe der Bolschewiki an die (schon an sich sehr bedrängten) Kriegsmaterialliefe- ranten in London und Washington immer dringen­der werden.

Waldstellungen bei Gorodischtsche erobert.

Berlin, 16. Juli. (DNB.) Dem starken deut- schen Vorstoß nach Osten ausweichend, hatten sich mehrere tausend Bolschewisten im Wald west ° l i ch von Gorodischtsche festgesetzt. Während die deutschen Stoßtrupps links und rechts am Wald vorbeistießen, umzingelten andere deutsche Kräfte die Sowjets. Am 15. Juli drangen rückwär­tige deutsche Truppen konzentrisch in die Wald­stellung ein und brachten den bolschewistischen Ein­heiten schwerste Verluste bet. Zahlreiche G e - schütze und beträchtliche Mengen an Muni­tion, Handwaffen und Ausrüstungen fielen in deutsche Hände. Es wurden 5 00 be­fangene eingebracht, die restlichen Kräfte blie­ben auf dem Kampffeld liegen. Die deutschen Trup- pen, die keine nennenswerten Verluste hatten, schlossen rasch nach Osten auf und sind im weiteren Vordringen.

Eine sowjetischeStraße erster Ordnung".

Auf solchen Straßen, deren Zustand jeder Beschreibung spottet, vollzieht sich der Vormarsch unserer Truppen. Wenn man bedenkt, welche riesigen Entfernungen innerhalb kurzer Zeit von ihnen kämpfend zurückgelegt worden sind, kommt einem die Einmaligkeit ihrer Leistungen ganz besonders zum Be­wußtsein. (PK.-Bieling-Scherl-M.)

General Weygand ist unter Beibehaltung fei­nes Postens als Generaldelegierter der französischen Regierung für Nordafrika zum Generalgouverneur von Algier ernannt worden als Nachfolger von Admiral Abrial.

Der französische Staatschef Marschall PLtain hat an oie Levantetruppen uno die Bevölke­rung der Levante Botschaften erlassen, in denen er darauf hinweist, daß Frankreich infolge eines un­gerechtfertigten Angriffs und nach einem erbitterten aber zu unglichen Kampfe einen Fehlschlag er­litten habe. Frankreich bleibe jedoch der Levante auf das tiefste verbunden und versichere seine Dankbar­keit und Treue.

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Der Gesandte Irans in London hat in einer Erklärung die strikte Neutralität seines Landes unterstrichen. Seit Ausbruch des Krieges habe sein Land die Neutralität gewahrt, und die Regierung sei mehr denn je entschlossen, diese Haltung aufrecht­zuerhalten.

Das kubanische Kabinett ist zurückqetre- ten. Die Regierungsneubildung durch Präsident Batista wird für Mittwoch nachmittag erwartet.

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Aus Quito wird ein neuer Grenzzwischenfall zwi­schen Peru und Ecuador gemeldet. Peruanische Truppen sollen versucht haben, im Abschnitt von Ungato den Fluß Zagramilla zu durchqueren. Dabei sei auf die energisch Widerstand leistenden ecuaöora- nischen Streitkräfte geschossen worden.

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Der Landdiensteinsatz der N a t i o n a l p o.l i t i- scheu Erziehungsanstalten in den eilige-

Deutsche Flak gegen Sowjetpanzer.

Von Kriegsberichter Joachim Schulz.

DNB......16. Juli. (PK.) Gegen Abend erhält

unsere Batterie, die bereits Tage heißer Kämpfe und großer Strapazen hinter sich hat, den ^Befehl, eine schwere Flakkanone a l s Sturmgeschütz zur Vorhut einer auf Minsk vorstoßenden Panzer­division zu stellen. Der feindliche Widerstand ist da­bei mit allen Mitteln zu brechen. Die Spitze kommt nicht weiter. Ein Kradfahrer meldet starkes feind­liches Artillerie-, Pak- und MG.-Feuer. Also Flak nach vorn!

Unter starkem feindlichen Feuer gehen die Kano­niere in Stellung, arbeiten in der Dunkelheit wie auf dem Exerzierplatz, obgleich einige von ihnen bereits beim Instellunggehen verwundet werden. Im eigenen Abschußfeuer wird ein Sowjetpan- zer erkannt und mit zwei direkten Schüssen ver­nichtet. Dann geht es auf die feindlichen Pakge - schütze, die den Angriff auf ihren Panzer be­nutzen, um uns die Zugmaschine zu zerschießen. Nach sechs wohlgezielten Schüssen schweigen sie. Nun heran an die MG. - Nester! Während wir sie unter Feuer nehmen, gehen rechts der Straße wei­tere sowjetische Pakgeschütze in Stellung, vereinigen ihr ganzes Feuer auf das Flaksturmgeschütz und ver­wunden den leitenden Offizier. Da die eigene In­fanterie zurückgeht, um unnütze Verluste zu sparen, in der Dunkelheit nichts zu erkennen ist, und nur noch vier Mann am Geschütz einsatzbereit sind, zieht der den Kampf leitende Flakunteroffizier seine Män­ner zurück, springt selbst mit einigen Kameraden hinter einem leichten Panzer wieder zum Geschütz

vor und zieht es unter stärkstem feindlichen Feuer mit dem hilfsbereiten Panzer in Deckung.

Inzwischen ist die Batterie mit den übrigen Ge­schützen, alle anderen Kolonnen überholend, heran­geeilt und nimmt sofort die Sowjetstellungen unter Feuer. Mitten auf der Straße auffahrend, beginnen die Kanoniere beim ersten Morgenlicht den Kampf. In fünfstündigem Feuergefecht schießen sie zwei sowjetrussische Panzer, mehrere Lastwagen und ein schweres Geschütz zusammen, trommeln auf die Pak- und MG.-Nester, bis sie schweigen, immer unter dem Feuer der Sowjetartillerie, deren Ein­schläge neben und hinter uns gurgelnd in den Wald sausen. Unsere Männer achten nicht darauf, auch als an einem leichten Flakgeschütz zwei Kanoniere durch Sprengstücke verwundet werden, schießen die Kameraden weiter, verbissen und ganz ihrer Auf­gabe hingegeden. Gegen Mittag ist der Kampf be­endet, der Feind geschlagen. Weiter geht der Vor­marsch an der Spitze der Division, ohne Rast, ohne Schlaf ...

Nach kaum einer Stunde fährt schon wieder ein Kradmelder vor:Flak nach vorn!" Sowjetische Panzerabwehrgeschütze und Maschinengewehre liegen vor uns im Dorf und an einem Waldstück über­schütten sie unsere Vorhut mit einem Hagel von Geschossen. Wieder gehen unsere Kanoniere ran, schießen auf 800 Meter Entfernung zuerst die Widerstandsnester im Dorf zusammen, arbeiten sich dann noch weiter vor und nehmen das Waldstück

aufs Korn, in dem noch Panzer vermutet werden. Dabei reißt die Hubkette an dem schweren Geschütz. Verdammter Mist! Da macht sich der Waffenwart, ein Obergefreiter, unter dem Feuer der feindlichen Baumschützen an die Arbeit, behebt den Schaden in zehn Minuten, und kommt wie durch, ein Wunder unverletzt davon.

Jetzt in seiner neuen Stellung liegt unser Geschütz in der Strichbahn der Sowjetmaschinengewehre, die bei dem unübersichtlichen Gelände mcht auszu­machen sind. Die Lage wird bitterernst! In diesen entscheidenden Minuten lernen viele Kanoniere ihren Batteriechef erst richtig kennen. Seine Person nicht achtend, schickt er alle entbehrlichen Leute vom Geschütz in Deckung, feuert selbst mit wenigen Leuten weiter, schießt einen Panzer und mehrere Pakgeschütze zusammen. Da geht, mit­ten im härtesten Feuerwechsel, die Munition zu Ende! Kanoniere wollen neue heranschleppen, wer­den aber von MG.-Salven verwundet. So geht es nicht weiter! Den letzten Schuß im Rohr läßt der Oberleutnant herausjagen, um in der vom Ab­schuß aufge wirbelten Staubwolke seinen verwun- Seien Leutnant zu bergen. Nun steht der Batterie­chef nur noch mit zwei Mann am Geschütz, ihre Bewaffnung besteht aus zwei Handgranaten. Kurz entschlossen wirft der Batteriechef die Handgranaten vor dem Geschütz auf die Straße und schickt in der Aufschlagwolke die Männer zurück. Er selbst bleibt allein am Geschütz. Da arbeitet sich derselbe tapfere Obergefreite von vorhin heran und wirft seinem Oberleutnant eine Handgranate zu. Mit ihr kann sich dieser auf die gleiche Art in Sicherheit bringen.

Doch er kennt keine Ruhe. Die Sorge um feine verwundeten Kanoniere reißt den Batteriechef wie­der aus der Deckung, obwohl er selbst durch einen Streifschuß am Knie verletzt ist. Im Schutz einer Nebelhandgranate birgt er mit einem Unteroffizier Auf am men seine Männer und schleppt sie in den deckenden Straßengraben. Noch eine Nebelhand­granate ist da, mit ihr muß es gelingen, das Ge­schütz aus dem Feuerbereich der Maschinengewehre herauszuziehen! Also geworfen, dann mit sämtlichen Männern ran an das Geschütz. Schweißtriefend und mit keuchenden Lungen ziehen sie cs 20 Meter zu­rück, dann ist es aus. Hoher Sand und die wieder klarer werdende Sicht sind unüberwindliche Hinder­nisse. Die Zugmaschine muß her. Der Batteriechef setzt sich ans Steuer, fährt sie selbst an fein Ge­schütz heran und zieht es in Deckung.

Gerade als wir zu neuem" Sturm vorgehen wol­len, räumen die Bolschewiken ihre Stellungen und gehen fluchtarttg rückwärts. Wir atmen auf und sammeln uns. Unsere erste Sorge gilt den verwun­deten Kameraden. Mit liebevoller Sorgfalt bringen die Kanoniere sie zurück. Dann greifen wir zu den Spaten und begraben unseren Toten, einen tapferen jungen Flakartilleristen, und schmücken sein Grab mit frifchen Feldblumen und einem Kreuz aus Birkenholz. Wir hängen seinen Stahlhelm darüber. Der Batteriechef spricht ein Vaterunser, wir stehen schweigend ...

Minuten später sitzen wir bereits wieder auf den anrollenden Zugmaschinen, die Maschinenpistolen in der Hand, die Augen auf die Waldränder zu bei­den Seiten unserer endlos scheinenden Straße ge­richtet, aus denen es uns jeden Augenblick entgegen- blitzen kann. Wir kämpfen gegen den Schlaf, der bei uns schon tagelang ein höchst seltener Gast ist, und sind doch unsagbar glücklich, als Flak­artilleristen hier vorne mit dabei sein zu können!

Oie ersten spanischen Frei­willigen im besetzten Frankreich

Von Kriegsberichter Fritz Lehmann.

DNB. ..., 16. Juli. (PK.) Auf dem großen Um- ladebahnhof im besetzten Frankreich wehen die rot­gelbroten Fahnen Spaniens neben denen des Reiches. Ein großes Transparent mit der spanischen Aufschrift:Wir grüßen unsere Mitkämpfer für ein neues Europa!" Ist das äußere Zeichen dafür, daß hier das erste Bataillon der zurBlauen Division" gehörenden spanischen Freiwil­ligen für den Feldzug gegen die Bolschewiken erwartet wird. In dem einfahrenden - Zug stehen die spanischen Soldaten an den Fenstern, die Köpfe mit den knallroten Mützen wie zu dichten Trau­ben zusammengedrängt. Die Arme zum deutschen Gruß erhoben, begrüßen sie die Vertreter der deut­schen Wehrmacht mit begeistertenArriba Alle- mania! Der Führer, ein Oberstleutnant, ist ein verdienter Offizier aus dem spanischen Bürgerkrieg, mit demCruz Laureana de San Fernando" aus­gezeichnet. 19 Verwundungen hat er erlitten. Nun roiU er. mit seinen Freiwilligen, von denen ein gro« feer Teil schon im Bürgerkrieg unter seinem Kom- manbo gestanden hat, den gleichen Feind im eigenen Lande bekämpfen. Der weitaus größte Teil sind ganz junge Soldaten, doch haben fast alle schon am Spanienkrieg teilgenommen. Ein 15jäh- riger hat im Bürgerkrieg seinen Vater und zwei Brüder verloren. Damals war er noch zu jung, um zu kämpfen, heute will er auch gegen die Bol­schewisten seinen Mann stehen. Ehemalige Offiziere aus dem Spanienkrieg, reihten sich, weil innerhalb der Freiwilliaenverbände nicht so viel Offiziers­stellen vorhanden waren, wieder als einfache Sol- baten ein.

Das Ritterkreuz für erfolgreiche Nachtjäger.

Berlin, 16. Juli. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vor. schlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen: dem Generalmajor Kammhuber, Leutnant Hahn und Oberfeldwebel 0 i l b n e r. Generalmajor Kammhuber war im Frankreich-Feldzug Kommo­dore eines Kampfgeschwaders und hat an dessen Spitze viele erfolgreiche Angriffe durchgeführt. Bel einem Angriffsflug gegen Paris mußte er mit dem Fallschirm abspringen und geriet in französische Ge­fangenschaft. Aus der Gefangenschaft zurückge­kehrt, übernahm er das Kommando über eine Nachtjagddivision. Er ist heute der beste Kenner und erfolgreichste Organisator der Nacht­jagd.

Leutnant Hahn gehört zu den erfolgreichsten Nacht jägern. Mit seiner ganzen Persönlichkeit hat er sich auf bem Neuland der Nachtiagd einge­setzt und durch seine zähe Ausdauer bahnbrechende Erfolge erzielt. Auch Oberfeldwebel Gildner gehört zu den hervorragenden Flugzeugführern eines Nachtjagdgescywaders. Ihm ist es gelun- gen, als erster einen Nachtjagdabschuß zu erzielen. In der Nacht zum 12./13. 3. gelangen ihm, hintereinander zwei Abschüsse und in der Nacht vom 19./20. 6. hintereinander drei Abschüsse.