inib das Verständnis unserer Jugend auf die grundlegenden Gedanken der Verbundenheit deutscher Menschen mit der Heimaterde und dem reichen Segen des Wirkens aus bäuerlicher Scholle hinge- lenkt werden. Die Einstudierung des Spiels und die Leitung der Aufführung hatte Dramaturg R e u- t e r vom Gießener Stadttheater trotz vielfältiger beruflicher Inanspruchnahme übernommen, und seine dankenswerte Mitarbeit in Verbindung mit dem vollen Einsatz der Mädels von der Arbeitsgemeinschaft „Spiel und Singen" und einiger Mädels aus den Spielscharen konnte den vollen Erfolg als schönes Ergebnis ihrer Gemeinschaftsarbeit verzeichnen. Das Orchester gab der Darstellung einen schönen Abschluß mit dem Marsch aus der festlichen Suite in A-dur von Telemann. Alle Darbietungen der mit ganzer Liebe und Hingabe ihren Aufgaben verbundenen Mädels fanden verdientermaßen herzlichen Beifall. Das BDM.-Werk „Glaube und Schönheit" kann mit Genugtuung auf den Erfolg der gestrigen Veranstaltung zurückblicken und darin einen neuen Ansporn zu weiterer schasfens- froher Arbeit auf den bewährten Wegen sehen.
Altmaterialsammlung in G»eßen-Eüi>.
Von der Ortsgruppe Gießen-Süd der NSDAP, wird uns mitgeteilt:
Montag und Dienstag, 17. und 18. März 1941, ob 14 Uhr, findet durch die HI. wieder eine Alt- Materialsammlung statt. Es wird gebeten, Papier und Lumpen gebündelt in den Hausfluren bereit- Anlegen, und zwar so, daß es von den Sammlern schnell entdeckt werden kann. Knochen, Metall und Alteisen wolle man ebenfalls in einen Behälter an gleicher Stelle bereitstellen.
Es wird noch gebeten, die HI. bei ihrem Sammelwerk überall zu unterstützen und der Aktion selbst die gebotene Aufmerksamkeit ßu widmen. Jeder einzelne hilft an seinem Teil hier mit, daß auch nicht eine Kleinigkeit wertvoller Rohmaterialien verloren tzeht.
Gleichzeitig, wird um Mitteilung an die zuständigen Dlockleiter der NSDAP, gebeten, ob und wo unbrauchbare eiserne Oefen vorhanden sind. Dieselben werden später durch den Althandel abgeholt. Die Wito d Wtslroif
Achtung! »
rNed.-technische Gehilfinnen und med.-lechvische Assistentinnen.
An der staatlich anerkannten Lehranstalt für medizinisch-technische Gehilfinnen und med.-techn. Assistentinnen, Frankfurt a. Main-Süd, Eschenbachstraße 14, werden letztmalig folgende Vorbereitungskurse mit abschließender staatlicher Anerkennung gern. § 26 Erste MGAV. vom 17. 2. 40 (RGBl. I S. 371) und Ziffer 9 des RdErl. v. 26.6. 40 (RMBliV. S. 1292) abgehalten.
1. Röntgen- und Strahlenschutzkursus vom 5. bis 10. 5. 41.
2. Laboratoriumsschutzkursus vom 12. bis 17.5.41.
Die Zulassung erfolgt durch den Leiter der Lehranstalt für med.-techn. Gehilfinnen und med.-techn. Assistentinnen in Frankfurt a. M., Eschenbachstr. 14.
Die Meldung ist 6 Wochen vor Beginn des Kursus an oben angegebene Anschrift einzureichen. Der Meldung sind beizufügen: 1338V
1. Ein polizeiliches Führungszeugnis;
2. ein eigenhändig geschriebener Lebenslauf;
3. die Zeugnisse über die Ausbildung als techn. Assistentin an medizinischen Instituten,
4. die Zeugnisse über die bisherige Berufstätigkeit der Bewerberin;
5. Versicherung der arischen Abstammung.
Frohe Stunden
' für unsere Verwundeten.
5m Auftrage des Oberkommandos der Wehrmacht bereitete die NSG. „Kraft durch Freude" den verwundeten Soldaten in einem Gießener Lazarett eine schöne Unterhaltung mit einer Veranstaltung „Virtuose Musik", bei der Max I a g s ch i tz (Violine) und Willi Renner (Klavier) durch die vortreffliche Abwicklung einer ausgezeichneten Vortragsfolge den Hörern einen erlesenen Kunstgenuß bereiteten. Namens der verwundeten Kameraden sprach Unteroffizier Appel den Künstlern herzlichen Dank aus.
Verdunkelungszeit
17. März von 19.29 bis 7.34 Uhr.
Ferner führte Lehrer Appelmann als Vertreter der Kreisfilmstelle Gießen den Verwundeten den Film „Gronlandsxpedttion mit Alfred Wegener" vor, den er in anschaulicher Weise erläuterte. Die Lazarettinsassen waren mit aller Aufmerksamkeit bei der lehrreichen Darbietung, für die sie'herzlich dankbar waren. — Auf Veranlassung der Kreisfrauenschaftsleiterin Meirich in Lauterbach haben die zu der Patenschaft der Gießener Lazarette gehörigen Orte Ober-Ohmen und Ruppertenrod den hiesigen Lazaretten eine ansehnliche, mit herzlichem Dank begrüßte Küchenspende übermittelt.
Oie Versorgungslage im Hhem-Main-Gebret.
Ueber die Versorgungslage im Rhein-Mcnn-Ge- biet berichtet das Landesernährungsamt Hessen, Frankfurt a. M., u. a.: Der Bedarf an Milch, Mllch- erzeugnissen, Deien und Fetten war weiterhin in ausreichendem Maße gedeckt. Zur Zeit werden noch die auf die Reichseierkarte Abschnitt c aufgerufenen Eier ausgegeben. Die Eierfassung beginnt sich in den verschiedenen Gebieten auszuwirken. Sie ist zur Zeit als günstig zu bezeichnen. Die Auftriebe auf den Viehmärkten und Verteilungsftellen haben sich gegenüber der Vorwoche kaum verändert. Die Voranmeldungen für Großvieh und Kälber, bei denen in der letzten Zeit starker Druck vorhanden war, haben nachgelassen, der Bedarf gleicht sich mit den Voranmeldungen immer mehr aus. Die Märkte und Verteilungsstellen wurden mit einer genügenden Anzahl Großvieh, Schweinen upd Kälbern zur Deckung ihres Bedarfes beliefert, so daß keinerlei Zufuhren von der Reichsstelle für Tiere und tierische Erzeugnisse notroenoig waren. Die Fleischqualitäten sind nach wie vor als befriedigend zu bezeichnen.
Generalversammlung der Dolksbank Gießen.
Am Samstagnachmittag hielt die Volksbank Gießen im „Frankfurter Hof^ ihre diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des Aufsich-ts- rates, Rechtsanwalt Zimmer, begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder. Er wies auf die großen Erfolge unserer Wehrmacht im letzten Jahr sowie die daraus sich ergebenden großen politischen Ereignisse hin, um dann kurz auf die der Wirtschaft gestellten Aufgaben einzugehen, zu der auch die Dolksbank rnikberufen sei. Sodann gedachte er der im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder, deren Gedenken die Versammlung in üblicher Weise ehrte.
Hieraus erstattete Direktor Hartmann den Jahresbericht, über dessen Inhalt wir bereits in unserer vorgestrigen Samstagsausgabe ausführlich berichteten. Den Vorschlägen des Vorstandes und Aufstchtsrettes stimmte die Generalversammlung zu, ebenso wurde dem Vorstand und Aussichtsrat Entlastung erteilt. Die aus Vorstand und Aufsichtsrat ausscheidenden Mitglieder wurden wiedergewählt, und für das nach Dem Osten abgewanderte Aufsichtsratsmitglied Karl Fritz wurde Bürgermeister und Ortsbauernführer Münch (Wetterfeld) als Stellvertreter bestimmt. Mit dem Gruß an den Führer schloß die Generalversammlung.
Gie^en-Mem-Lindell.
Der Turnverein Klein-Linden 1889 trat am Samstagabend ifh Saale des Gasthauses ,Zur deutschen Eiche" mit einer Veranstaltung zugunsten des Kriegswinterhilfswerks an üte Öffentlichkeit. Der Abend erfreute sich eines guten Besuches. Der stellvertr. Vereinsführer Karl Weiß eröffnete mit herzlichen Grußworten und grüßte besonders den Vertreter der Partei, Ortsgruppenpropagandaleiter Pg. Wilh. Germer, und die auf Urlaub weilenden Turnkameraden. Die sehr abwechslungsreiche Portragsfolge brachte u. a. Barren-, Pferd- und Bodenturnen der Schülerriege, geleitet von Turn- tamerab Otto Volkert, Keulenübungen der Turnerinnen und Barrenpflicht- und Kürturnen der Jugendturner, geleitet von Turner Hermann H inte r l a n g, dem ein großes Verdienst an der Wiederaufnahme der Turnardeit im Krieg gebührt. Sämtliche Hebungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Das Amt eines Ansagers lag in Händen von Turnkamerad Albert Henkel, W mit seinem Partner Ludwig Lenz für Unterhaltung in den Pausen sorgte. Heitere Szenen, ein Theaterstück und Konzertvorträge einer guten Musikkapelle füllten den wohlgelungenen Abend aus. Stellvertr. Vereinsführer W e i ß dankte zum Schluß allen Mitwirkenden, und Parteivertreter Pg. Wilhelm Germer schloß mit dem Gruß an den Führer den Abend, dessen Reinertrag dem WHW. überwiesen wurde.
Keine Anrechnung von Lebensversicherungen auf Genien.
Es ist noch viel zu wenig bekannt, daß z. B. bei dem Unfalltod eines Familienvaters die Hinterbliebenen iyre Ansprüche gegen den Schuldigen auf Schadenersatz auch dann voll geltend machen können, wenn zu ihren Gunsten eine Lebens- ober Unfallversicherung abgeschlossen worden ist. Dies hat das Reichsgericht erst jetzt wieder in der Entscheidung vom 30,10.1940 (RG. VI 43/40) bestätigt.
Ein selbständiger Klempnermeister verunglückte auf einer Autofahrt durch die Schuld des A. tödlich. Der Anspruch der Witwe auf angemessene Rente wurde trotz Bestehens einer Lebensversicherung über 60 000 RM. für berechtigt erklärt. Denn derartige Einkünfte fallen ja den Erben auf Grund von Aufwendungen zu, die der Verstorbene vor feinem Tode geleistet hat. Aber auch die Zinsen aus dem ausgezahlten Dersicherungskapital brauchen sich die Erben nicht auf ihre berechtigten Schadenersatz- cmsprüche anzurechnen lassen. Es widerspräche dem Sinn eines Versicherungsverhältnisses, so führt das Reichsgericht hierzu aus, wenn die Leistungen der Versicherungsgesellschaft „dem Schädiger zugute kommen würden, im Ergebnis also wie Wirkungen einer Haftpflichtversicherung zu Gunsten des Schädigers einträten, bei der ein anderer, ohne es zu wollen, die Prämien für den Schädiger bezahlt hätte." Diese Erwägungen mußten aber ebenso für das ausgezahlte Kapital, wie für die Zinsen, die aus ihm gewonnen werden, gelten. Die Lebensversicherungssumme und ihre Nutzungen verbleiben somit in jedem Fall in vollem Umfange denen, für die der
Erblasser sie bestimmt hat. Das gleiche gilt für die privaten Unfallversicherungen.
Aufschristslose Soldatenloffer.
' Bei der Deutschen Reichspost lagern noch zahlreiche aufschristslose Soldatenkoffer mit Wasche und Kleidungsstücken, deren Aushändigung an den Empfänger bisher nur deswegen nicht gelungen ist, well nach den Koffern noch keine Nachfrage gehalten wurde oder weil in den Anzeigen der Absender oder Empfänger der Inhalt des fehlenden Koffers un- vollständig und unrichtig angegeben worden ist. Sol- baten ober beren Angehörige, bie zur Post gegebene Koffer mit Zivilsachen noch nicht erhalten haben, werben aufgcforbert, beim Einlieferungs- ober Bestimmungspostamt die Anzeige über das fehlende Stück alsbald nachzuholen.
** R ichtigstellun g. In unserem Aufsatz „Die Elektrizität im Haus und bei der Arbeit" in unserer Ausgabe vom Samstag/Sonntag, 15./16. März, muß im vierten Absatz der erste Satz richtig wie folgt lauten: „Besondere Vorsicht erfordern Lettungs- schnüre, die zum Anschluß von elektrischen Geraten aller Art bienen."
*♦ Tod durch Verbrennung. In der letz, ten Nacht gegen Vz2 Uhr wurde ein 30 Jahre altes Mädchen C. H. aus der Kaplansaasse mit schweren Derbrennungswunden in die Chirurgische Klinik eingeliefert. Dort ist das bedauernswerte Mädchen heute früh an den schweren Brandwunden gestor- ben. Ueber den Hergang des Vorfalles ist bisher noch nichts bekannt geworden.
Ergebnisse des Fußball-Sonntags.
1900 — Sportfreunde Wetzlar 3:0. Watzenborn-Steinberg — Bissenberg
Letzterer nicht angetreten.
DsL. Marburg — VfB.-R. 3:0 Naunheim — Luftwaffe 4:4
Lei etwas mehr Glück hätten die Sportfreunde für bie Ueberraschung des Tages sorgen können, denn die 1900er lieferten stark ersatzgeschwächt ein mäßiges Spiel.
Die Bissenberger traten erneut nicht an. Da sie auch in Marburg nicht antreten wollen, sind sie satzungsgemäß im Falle der Aufrechterhaltung ihres Nichtantretens in Marbura auszuschließen. Es ist abzuwarten, ob die Bissenberger unter diesen Umständen ihren Antrag nicht zurückziehen.
Trotz einer überlegenen Halbzeit wurden die DsBer geschlagen. Da bei den Marburgern fünf Spieler ohne Gastspielgenehmigung mitwirkten, wird über bie Wertung des Spieles noch zu entscheiden sein.
Die Luftwaffe brachte verdient einen Punkt nach Hause. Nachdem sie den l:0-Vorsprung der Naunheimer sofort nach Halbzeit ausgeglichen hatte, zogen diese mit 3:1 Toren in Front. Der Luftwaffe gelang dann der Ausgleich. Als kurz vor Schluß Naunheim erneut in Führung ging, konnte die Luft- mqffe zwei Minuten vor Schluß aus einem Eckball, der verwandelt wurde, ein Unentschieden erzielen.
1900 — Sportfreunde Wetzlar 3:0.
Die Blau-Weißen taten sich wieder einmal schwer, bis der Sieg gegen bie Wetzlarer Vorstädter zustande gebracht war. Erft als gewisse Hemmnisse be- feitigt und alles mit oem nötigen Eifer bei der Sache war, ging es wie erforderlich, und da stellten sich auch die Erfolge ein. Gegen einen anderen Gegner wäre dies nicht möglich gewesen, denn dieser hätte bie Schwäche der Platzbesitzer besser auszunutzen gewußt, als bie Sportfreunde in der ersten Hälfte bie Möglichkeit hatten.
Einige rasche Vorstöße der Wetzlarer zu Beginn des Spieles schufen recht gefährliche Momente vor dem Tor der Platzbesitzer, da die Verteidigung sich nicht richtig ins Bild zu bringen vermochte ober wie es bei Kraft I. schien, nicht richtig wollte. Auf der Gegenseite war es gerade dieser Mannschaftsteil, der d»m blau-weißen Sturm immer und immer bie besten Erfolgsmöglichkeiten verdarb. So schleppte sich das Spiel bis zur Pause ohne nennenswerte Er- ereignisse hin. Lediglich ein Elfmeter, durch Kraft I. verschuldet, p)ar ein gefährlicher Moment für die Platzbesitzer. Wetzlar wußte diese Chance jedoch nicht zu nutzen, denn der Ball wurde verschossen. Nach der Pause waren bie Blau-Weißen plötzlich ba. Das Spiel lief, und ba blieben auch die Erfolge
nicht aus. Man konnte der Meinung sein, daß die Umstellung in der Halbzeit hierfür ausschlaagebend gewesen ist; zum Teil ja, in erster Linie aber bcr nunmehrige volle Einsatz einzelner Spieler. In der 50. Minute erhiett Schmelz eine planvolle Vorlage von Kraft II., unb gegen ben Schuß aus spitzem Winkel mußte der vorzügliche Wetzlarer Hüter zum ersten Male kapitulieren. Fünf Minuten später war es wiederum Schmelz, der auf fast dieselbe Art den zweiten Erfolg buchen konnte. Wenig später war es ein Strafstoß von Schmelz, der gefayrvoll aufs Tor schwirrte, doch diesmal gelang es dem Hüter, den Ball über die Latte zu boxen. Nach einigem wechselvollem Feldspiel war es Koch, der in der 75. Minute zum 3:0 einschoß, an dem sich bis zum Schluß nichts mehr änderte.
Wetzlar hatte in der Hintermannschaft seine besten Kräfte. 1900 hKtte bei vollem Einsatz von Anfang an ein weit höheres Ergebnis erzielen können.
DfV.-Reichsbahn in Marburg geschlagen.
Wenn auch die Gießener dieses Spiel verloren haben, so war, rein spielerisch gesehen, die Aufgabe nicht so schwer lösbar, wie man es sich auf der Gießener Seite vorgeftellt hatte. Die Marburger, durch weitere sechs Gastspieler verstärkt, zeigten nicht die Leistungen, die den 3:0-Sieg gerechtfertigt hätten. Zur allgemeinen Ueberraschuna waren bie Gießener im Felde tonangebend. Das 8:1-Eckenver- haltnis in der Halbzeit spricht hier eine eindeutige Sprache. Es beweist aber auch die Unfähigkeit des Sturmes, sog. totsichere Torgelegenheiten zu verwerten. Was Fröhlich und Wunderlich hier leisteten, war nicht zu überbieten. Dieser Ausfall lähmte die«. Aktivität des ganzen Sturmes. Hinzu kam, daß be-" sonders in der zweiten Halbzeit die Außenläufer aus der Defensive, die überhaupt nicht geboten war, auf bauen wollten^ Glänzend war trotz der drei Tore nur die Hintermannschaft.
Spielverlauf: Die erste Halbzeit stand vollkommen im Zeichen der Gießener. Alle Angriffe wurden jedoch durch die Schußunsicherheit und mit Glück abgeschlagen. Hinzu kam, daß der Schlußmann der Marburger eine gute Partie lieferte. Nack Halbzeit gingen die Marburger durch Wagner, den ßcut- Heuser im Strafraum vergeblich zu umspielen suchte, in Führung. Als die Gießener bei zwei Marburger Eckbällen, die von links getreten wurden, den Rechtsaußen vollkommen ungedeckt stehen ließen, war es diesem Spieler, dessen sonstige Leistungen in keiner Weise befriedigen konnten, vergönnt, die Marburger mit 3:0 in Führung zu bringen. Trotz aller Bemühungen änderte sich an diesem Resultat nichts mehr. Beim Schlußpfiff des gut amtierenden Schiedsrichters Gerhard (Annerod) hatten die VfB.er eine vermeidbare Niederlage erlitten.
tMäMfflOiifötrWL
Roman von Otto üaifclit.
15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten )
Er prüfte sich und fand, daß er durchaus korrekt und pflichtgetreu gehandelt habe. Er hatte sich von jeher demühf, Verständnis für seine Kinder zu haben und auf ihre Gedanken einzugehen, sofern sie nicht gewissen Grundsätzen widersprachen, die nicht erschüttert werden Durften. Einer dieser Grundsätze war das, was er die Intaktheit" der Familie nannte, und er begriff darunter die Gemeinsamkeit der Anschauungen, des Herkommens und der Ziele, sah aber nicht ein, daß er allein es war, der diese Grundsätze ausgestellt hatte. Er hatte gefürchtet, daß Stefans Frau diese „Intaktheit" zerstöre; er#roar glücklich, sich geirrt zu haben. Charlotte aber und dieser Abenteurer — unmöglich! Hatte sie sich tatsächlich um dieses Menschen willen losgesagt, so würde er der letzte sein, der sie je zurückriefe.
Als er an der Tür ein Geräusch hörte, wendete er fick um. Er hatte erwartet, seine Frau verstört und schuldbewußt zu sehen; stattdessen las er in ihrem Gesicht Widerstand und heimlichen Vorwurf.
Er küßte ihr die Stirn und entschied sich, ihre widerspenstige Haltung zu übersehen.
„Was ist mit Charlotte?" fragte er. „Die Triebsch behauptet, sie sei auf und davon. Ich möchte lieber glauben, sie sei Gert nachgefahren."
Frau Mathesius konnte daraus nicht antworten. Sie war selber völlig ahnungslos, deutete aber die Vermutung an, daß Frau Triebsch recht habe.
Mathesius biß sich auf die Lippen. Zum ersten Male überlegte er sich, welchen Eindruck es in der Stadt machen würde, wenn man erfuhr, daß feine Tochter das Weite gesucht habe.
„Wir sind uns hoffentlich darüber einig", sagte er, „daß wir diesen unüberlegten Streich so schnell wie möglich ungeschehen machen müssen, wenn dir Charlotte und uns selber nicht vor aller Welt lächerlich machen wollen."
„Was willst du jetzt noch ungeschehen machen, nachdem Charlotte weg ist?
Er bemühte sich, feiner Stimme einen spöttischen Ton zu geben. „Sie wird nicht allzulange wegbleiben."
„ Wenn du glaubst, kennst du sie nicht!" antwortete seine Frau leise.
„Wir wollen nicht darüber streiten, Helene", sagte er, „ob auf unserer Seite etwas versäumt worden ist. Sie hat sich blindlings in ein Abenteuer gestürzt und wird bald wieder zur Vernunft kommen. Hast du irgendeinen Anhalt dafür, wohin sie sich gewendet haben könnte?"
Frau Mathesius schüttelte den Kopf.
„Vielleicht läßt sich in ihrem Zimmer etwas ermitteln? Ich möchte vermeiden, fremde Leute um Auskunft zu bitten. Ich werde' alls diesem Grunde auch keineNachsorschungen anstellen.Charlotte magsich selbst überlassen bleiben, so lange sie daran Gefallen findet. Dars ich mich darauf verlassen, daß ich unterrichtet werde, wenn sie etwas von sich hören läßt?"
,^)abe ich dir je etwas verschwiegen?""
„Nein, und ich wäre dir dankbar, wenn es auch diesmal nicht geschähe. Ich möchte schon heute klarstellen, daß ich Charlotte die Rückkehr durch keine Vorbehalte und Bedingungen erschweren werde, vorausgesetzt natürlich, daß ähnliche Streiche küns- tig unterbleiben, und daß sie keinerlei Beziehungen mehr zu dem Menschen unterhält, der sie zu diesem Abenteuer überredet hat."
Seine Frau schwieg.
Er fuhr fort: ,Hch hoffe, daß Gert einiges zu gestehen haben wird. Und im übrigen: keine Jam- mermiene vor den Leuten! Das gäbe der ganzen Sache mehr Wichtigkeit als sie in Wirklichkeit hat. Ich werde Frau Triebsch Schweigen auferlegen. Bis wir Näheres wissen, werden wir sagen, haß Charlotte sich in Heiderskrug befinde."
Als Gert von feiner Sekretärin Fräulein Blümich erfuhr, daß aus dem Chefsekretariat angerufen worden sei, sein Vater wünsche ihn sofort bei sich. 3-u sehen, schlief er gerade mit offenen Augen über seinem Schreibtisch. Nach einer ziemlich anstrengenden Nacht fühlte es sich elend und sehnte sich nach Schlaf.
Fräulein Blümich war ein dürftiges ältliches Mädchen, hager, mager und pflichtgetreu, und gerade dieser Eigenschaften wegen hatte Mathesius sie feinem jüngsten Sohn als nächste Mitarbeiterin
gegeben. Sie betrachtete ihren jungen Chef mit tiefem Mitgefühl und der schweigenden Mahnung, sich zusammenzunehmen.
„Blümelein!" bat er. „Seien Sie nett! Rufen Sie den alten Herrn an und teilen Sie ihm mit, ich sei foebeji verschieden. Ich hab's im Gefühl, wir beide werden heute tinen Anpfiff bekommen, daß wir acht Tagö lang stumm und häßlich umherlaufen. Immer, wenn ich unvermutet 'rübergerufen werde, hat's faule Rückstände und Reklamationen gegeben. Was haben wir verbrochen? Haben Sie eine leise Ahnung?"
Fräulein Blümich versicherte ihm, er könne ein ganz reines Gewissen haben.
„Am besten ist es", seufzte er, „Sie kommen gleich mit, damit ich jemanden bei mir habe, auf den ich alle Schuld abwälzen kann."
Sie lachte, denn sie wußte genau, daß er niemals andere für seine eigenen Versehen büßen ließ. Mit bösen Ahnungen zog er ab. Ihr tröstender Zuspruch begleitete ihn bis zur Tür.
Dr. Neubauer, der Direktionsassistent, empfing Gert und machte kein heuchlerisch mitleidiges Gesicht wie sonst, wenn Gert hierherbefohlen wurde, um einen Rüffel entgegenzunehmen. Was aber eigentlich „los" sei, wußte er auch nicht. Da Mathesius im Augenblick noch eine Unterredung mit dem Verkaufsleiter hatte, mußte Gert warten und schlief beinahe im Stehen ein.
Als die gepolsterte Doppeltür sich endlich öffnete, richtete er sich auf, versuchte frisch und fröhlich auszusehen, wie sein Vater es liebte, und schüttelte auf der Schwelle noch dem Verkaufsleiter die Hand, der mit einem ganzen Briefstoß und sichtlich gestärkt durch die Unterredung mit dem Ches in fein Büro zurückkehrte. Dann trat Gert beklommen bei feinem Vater ein.
Der alte Herr grollte nicht! Gert hatte ein durch vielfältige Erfahrung geschärftes Ahnungsvermögen für die Stimmungen seines Vaters und erfaßte mit dem ersten Blick, daß chm kein Strafgericht bevorstand.
Mathesius blätterte noch in einigen Telegrammen, legte sie aber plötzlich beiseite uni) blickte Gert in die Augen.
»Du warst heute nacht auswärts, hörte ich?" begann er.
Nanu? dachte Gert Überrascht. Will er mich künftig in Ketten legen?
„3a, td> bin nachmittags zu den Metzdorffs nach Petersmühl hinaufbefahren. Du weißt ja, Metzdorff hat sich dort oben ein kleines Blockhaus gebraut, und Karl sieht von Zeit zu Zeit gerne ein paar Freunde ..."
„Du bist erst heute morgen zurückg-ekommen?" „Da. War es dir nicht recht?^
Gert hatte noch immer nicht die leiseste Ahnung, wohin dieses Verhör führen sollte.
Mathesius erkannte, daß auch er nichts von Charlottes Flucht wußte. „Darum handelt es sich nicht, mein Junge",' sagte er väterlich, „ich wollte nur wissen, ob du etwa deiner Schwester behilflich gewesen bist."
„Behilflich? Charlotte? Wobei denn?"
„Bei ihrer Flucht", antwortete Mathesius.
Eine Weile schwieg Gert mit offenem Munde. Die Denkverbindungen in feinem Kops waren heute morgen noch nicht in der gewohnten Ordnung und neigten zum Kurzschluß. „Flucht ...?" wiederholle er. „Charlotte ... Flucht ...?"
„5a, sie hat anscheinend in der letzten Nacht unser Haus verlassen."
Gert ließ sich in den Besuchersessel fallen. „Das hab' ich mir denken können!" rief er unbedacht.
„Was hast du dir denken können?" fragte Mathesius schnell.
Gert biß sich auf die Sippen. „Daß sie eines Tages durchbrennen würde."
„Sie hat also darüber mit dir gesprochen?"
Gert erkannt seinen Fehler. Mathesius beobachtete ihn genau und fühlte, daß Gert einen diplomatischen Rückzug vorbereitete. ,Zch hoffe, du bleibst bei der Wahrheit, mein Junge!" sagte er mahnend. „Kameradschaftliches Zusammenhalten zwischen Geschwistern schätze ich ebenso hoch ein wie du, aber dergleichen darf nicht zu einem kindischen Komplott werden. Worüber hat also Charlotte mit dir gesprochen?"
„Nicht über einen Fluchtplan! Wahrhaftig nicht! Das wäre zu viel gesagt. Von solchen Dummheiten hätte ich ihr natürlich abgeraten."
„Schön! Du wolltest mir aber erzählen, was sie dir anoertraut hat."
(Fortsetzung folgt)


