übmoste. Bei
ohne oder nur mit wenig
stellten Fruchtsäfte und ihrer Herstellung ist unbedingt keimfreies Arbeiten notwendig, damit die Schimmelpilze nicht
gebend.
Besonders gefährdet durch Schimmelanfall sind die "ucker herge-
Oie 6 Gebote der Gtrumpfpflege.
Manche Frau würde heute mit ihren wenigen Paar Strümpfen weit länger reichen, wenn sie die folgenden Gebots kennen und sich nach ihnen richten würde:
1. Achten Sie beim Einkauf auf die richtige Grüße. Sie beeinflußt entscheidend die Haltbarkeit.
2. Ziehen Sie die Strümpfe so an: bis zur Ferse ausrollen, hineinschlüpfen und dann, erst über das Bein ziehen.
3. Befestigen Sie die Strumpfhalter nur am vex- stärkten Rand. Bier Strumpfhalter halten besser als zwei.
4. Sorgen Sie stets für einwandfreies Schuhwerk und benutzen Sie zum Anziehen einen Schuhlöffel.
5. Waschen Sie ihre Strümpfe regelmäßig und oft mit dem „Waschmittel für Feinwäsche" — legen Sie vorher die Fingerringe ab!
6. Trocknen Sie die Strümpfe durch Aufhängen an den Spitzen, und zwar niemals in der Sonüe oder in Ofennähe!
Großreinemachen im Kinderzimmer.
Reben dem täglichen und wöchentlichen Aufräumen und Säubern im Kinderzimmer ist zeitweise ein Großreinemachen nötig. Wenn es auch aus erzieherischen Gründen sehr angebracht ist, das Kind früh an das Aufräumen der eigenen Sachen zu gewöhnen, so ist es in diesem Falle besser, die Kinder möglichst weit von dem Kinderzimmer zu entfernen. Wieviel selbstgebastelte Schätze, die inzwischen den früheren Glanz verloren haben und bei neuen Spielen nicht mehr den Wert besitzen, haben sich angesammelt. Auch sind die Kinderzimmer auf die Dauer zu klein, um alle gesammelten Schätze an farbigen Papierschnitzeln, bunten Fäden und was ein Kinderherz noch erfreut, aufzunehmen. Es ist daher angebracht, daß hier die Mutter einmal ohne die tatkräftige Hilfe der kleinen Hände energisch anfräumt.
Zuerst einmal wird das Spielbort oder der Spielzeugschrank genau durchgesehen und sortiert. Entzwei gegangene Pappkästen werden zur Reparatur in den Abendstunden zur Seite gestellt, verlorengegangene Kärtchen nach Möglichkeit durch selbst- ?:e malte neue Bildchen ersetzt. Pappkästen von Dau- äst-en sind meistens nicht so lange haltbar wie der
lich völlig geschmacklos. Hat man dagegen den Salzzusatz zu reichlich bemessen, kommt es ebenfalls zu keiner Gärung, weil in zu kräftiger Salzlake die Bakterien nicht leben können. Da die im gesäuerten Kraut enthaltene Mllchsäure sehr bekömmlich ist, indem sie in erster Linie den Darm entgiftet, nimmt man dem Kraut seine besten Eigenschaften, wenn man es vor dem Kochen wäscht oder gar überbrüht oder den frischen Saft weggießt. Die Seeleute, die sich früher, ehe es aus weite Fahrt ging, während der die Versorgung mit Frischnahrung unterbunden war, reichlich mit Sauerkraut eindeckten, taten jedenfalls das beste, was sie tun konnten, weil sie damit dem gefürchteten Skorbut, der alljährlich so viele Todesopfer forderte, sicher vorbeugten.
Am beliebtesten ist Sauerkraut mit Schweinefleisch oder Blut- und Leberwürsten. Aber diese Einlage ist nicht unerläßlich. So paßt sich ber_ säuerliche Krautgeschmack recht günstig dem schwächer ausgeprägten Geschmack von Fischfleisch an, daher es sich sehr gut mit kleinzerteilten Stücken von Stockfisch vermengt, zubereiten läßt „Stockfisch mit Zettelkraut" — wie man das Sauerkraut früher in Süddeutschland nannte — und „gar vil gewürzt", steht schon im „Tegernseer Kochbüchlein", jenem handgeschriebenen Kochbuch, das heute fast 500 Jahre alt ist.
Wer das sauere Kraut süß kochen will, wird es auch nicht bereuen, denn mit Zucker und Fett an* gedünstet und dann braun eingebrannt, bekommt es ein besonders feines Aroma. Würzt man das Sauerkraut mit Dill ober Paprika oder mit in Scheiben zerschnittenen Aepfeln, kommt wieder ein anderes Aroma heraus, das, wenn es, wie etwa beim Paprika, für manchen Geschmack zu kräftig ausfiel, gemildert wird, wenn dem Kraut Kartoffel- klöße beigegeben werden, die überhaupt wie geschaffen sind als Sauerkraut-Ergänzung. Es braucht also nicht immer „ein Schweinchen durchs Sauerkraut zu laufen". Aus dem Sauerkraut, das wohl keiner ansieht, ohne daß ihn eine gesunde Eßlust überkommt, läßt sich alles mögliche machen, und ob es nun gedünstet, eingebrannt oder gebacken ist, in feiner Art ist es bestimmt ein gutes Gericht.
drein eine, wenn auch nicht starke, alkoholische Gärung Hervorrufen können. Sein unangenehmerer Bruder ist der am meisten verbreitete grüne Pinselschimmel, der seinen Ausgang gleichfalls aus kleinen, weißen, rasenähnlichen Gebilden nimmt. Daraus entsteht aber in Bälde ein sich grünlich verfärbender Pilzrasen, der, wenn wir ihn entfernen wollen, in Millionen feiner Stäubchen zerfällt. Auf diese Weise gelingt es nicht, das befallene Eingemachte zu retten, weil der häßliche Schimmelgeschmack sich so über das Ganze ausbreitet. Außerdem lassen die von jedem Luftzug weggetragenen Sporen sich gern aus anderem Eingemachten nieder, es io infizierend. Daher die übergroße Verbreitung dieser Schimmelart! Entwickelt sich aus dem anfänglich weißen Schimmelansatz ein blaugrünes, sich blasenförmig bildendes Gewebe, so handelt es sich um den sogenannten Kolbenschimmel, der nicht selten in Begleitung des vorgenannten Pinselschimmels auf tritt. Zuguterletzt wäre noch eine Schimmelart zu erwähnen, die sich auf Fruchtsäfte beschränkt und diese wie ein wolkig aussehendes Gebilde durchzieht, einen schimmeligen oder unangenehm bitterlichen Geschmack an den Saft ab
schon von vornherein mit in den Saft geraten. Von größtem Einfluß ist die Sauberkeit der Flaschen und ihrer Verschlüsse. Statt des früher üblichen umständlichen Ausschwefelns verwende man desinfizierende Lösungen, wie zweiprozentige schweflige Säure oder übermangansaures Kali. Außerdem hat man einen vorzüglichen Schutz gegen Schimmelansatz auf Säften, Marmeladen und Gelees durch Aufgießen von etwas Oel. Selbstverständlich wird man ein reinschmeckendes Speiseöl bzw. Paraffinöl nehmen, das auf Grund seines leichteren Gewichts stets obenauf schwimmt und sich auch beim späteren Gebrauch leicht abgießen läßt: gegebenenfalls entfernt man es mit einem sauberen Wattebausch. Wer seine Einmachoorräte auf diese Weise vor Schimmel schützt, bleibt vor ärgerlichen Verlusten verschont. Kn.
„Wenn's Sauerkraut regnet../'
Don M. A v. Lüiqendorff.
„Wenn's Sauerkraut regnet und Butterbrot schneit, bann ist das Schlaraffenland nimmer weit!" lagt ein schwäbisches Sprüche! und beweist damit, daß man im schwäbischen Land dem Sauerkraut reichlich Ehre antut. Anderswo auch Sei es in Franken, fei es in Berlin oder in Neuyork, wo sich vor zehn Jahren ein „Sauerkraut-Bund" bildete, dessen Mitglieder es sich zur Pflicht machten, für das Sauerkraut zu werben. Zu den in Kalifornien getrunkenen Cocktails gehört auch eine Mischung, zu der roher Sauerkrautsaft verwendet wird. Wie es heißt, soll durch den Genuß dieses Getränks die Arbeitsfähigkeit gesteigert werden, was glaubhaft ist, da der vitaminreiche Saft des Sauerkrauts, mit Obstsaft oder Zucker vermengt, wirklich einen sehr erquickenden Trank liefert. Daß frisches Sauerkraut, als Salat angemacht, ein sehr wohlschmeckendes Rohkostessen ist, dessen Nährwert nicht unterschätzt werden darf, ist ebenfalls längst bekannt.
Das Sauerkraut, dieses gute, deutsche Gericht, ist gar kein so altes deutsches Essen, da das Einsäuern des Krautes in Deutschland erst im späten Mittel» alter bekannt wurde. Der Nährwert des Sauerkrauts wird zum größten Teil durch seinen reichen Gehalt an Eiweiß, Fett, Kohlehydraten wie auch an Mineralsalzen und Pflanzensäuren bedingt. Die Krautfasern enthalten Zellulosebestandteile, und gerade diese scheinbar wertlosen Stoffe haben sich als besonders wichtig für den Verlauf der Veroauung erwiesen. So sonderbar es klingt: Sauerkraut ist unter allen Kohlarten die am leichtesten verdauliche Speise.
Das hängt allerdinas auch mit dem umständlichen chemischen Prozeß zusammen, der das feingehobelte, gewürzte und gesalzene Weißkraut in das angenehm säuerlich schmeckende Sauerkraut verwandelt. Kurz gesagt, besteht er darin, daß ungezählte Milliarden fcer winzigsten Organismen — Hefepilze und Sauer- kraut-Bakterien — sich vermehren und aus dem jm Kraut enthaltenen Zucker die fäulnisverhinderte Milchsäure erzeugen, die dann auch zur Gärung der Krautmasse führt. Unbedingt aber müssen dabei die beiden Kleinlebewesen „mitarbeiten". Kraut, das man ohne Hefepilze zu säuern versuchte, blieb näm»
Inhalt, daher haben mir für alle Bauklötze farbige Säckchen, auch für Holzperlen und Holzdorfer. Für alle Wollfäden, Falt- und Flechtblätter, Plasttlin und Buntstifte, die allen Bewohnern der Kinder» ftube zur Verfügung stehen, haben wir kleinere Kästchen, die durch Pröbchen oder Bildchen an der Vorderseite gleich ihren Inhalt angeben.
Unsere nächste Arbeit gilt den Puppenstuben, Pferdeställen, Puppenwagen und Puppenbettchen, auch hier werden alle Invaliden für den väterlichen Kleistertopf zur Seite gelegt. Holzttere, Wall- oder Plüschtiere, Teddybären bewahren wir entweder in einer Truhe, die gleichzeittg noch eine Sitzgelegenheit bildet oder in einer Kiste auf Rädern mit
vielseitiger Verwendungsmöglichkeit auf. Auch hier ist oft ein Scheuern, Benzinwäsche oder vorsichtiges Reinigen mit einer Seifenlauge angebracht.
Unsere nächste Sorge gilt dem Lampenschirm, wenn wir nicht einen abwaschbaren Beleuchtungskörper vorziehen. Wie ost kann ein gefalteter, geklebter oder genähter Schirm dem ganzen Zimmer ein freundliches Aussehen geben. Kinder pflegen im allgemeinen sehr konservativ zu sein und sind nicht immer mit den mütterlichen Verschönerungsversu- chen einverstanden. Mi der Ditte, einmal für längere Zeit Ordnung zu halten, übergeben wir den kleinen Trabanten das saubere und verschönte eigene Reich. A- Bu.
Aus der Stadt Gießen.
Oas Gebot der Pflicht.
Mitten in der Nacht tappt jemand vorsichtig die Stiegen des Sechsfamilienhauses hinunter. Es ist ein schwerer Schritt, der sofort verrät, daß jemand in derben Stiefeln geht. Dann hört man die Haus- tür knarren, und einen Augenblick sväter wird der Schlüssel von außen umgedreht. „Aha!", sagt sich der Nachbar, der durch-das Geräusch wach geworden ist, „das war 'unser Eisenbahner". „Beruhigt legt er sich auf die andere Seite und freut sich, daß er die Bettwärme noch genießen kann. Und während er bereits wieder in den Schlaf sinkt, strebt der Eisenbahner dem Bahnhof zu, wo er seinen Dienst anzutteten hat.
Der Bahnhof liegt im Dunkeln. Es herrscht empfindliche Kälte, so daß der Schnee unser den Füßen knirscht. Wer in solchen Nächten etwas sehen wollte
Derdunkelungszeil
17. Januar von 17.41 bis 9.24 Uhr.
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von unermüdlicher Pflichterfüllung und Einsatz, der brauchte nur unseren Eisenbahner ober einen seiner vielen Kameraden während des Dienstes zu begleiten. Er ist Zugführer, deshalb trägt er eine große Verantwortung. Aber die Verantwortung des Lokomotivführers ist nicht kleiner, und schließlich hat auch der Schaffner oder die Schaffnerin ein gerüttelt Maß von Verantwortung zu tragen. Im Grunde sind alle, einer wie der andere, einer großen Aufgabe dienstbar. Ihr oberstes Gebot ist die Pflicht. Unser Eisenbahner übernimmt einen Personenzug, den er eine Strecke weit zu bringen hat. Außerdem gibt es jedoch D-Züge und Güterzüge, die die Wintemackt durchjagen. Auf allen Zügen aber versehen pslichtgetreue Eisenbahner ihren Dienst.
Fauchend geht die Fahrt über die Schienen. Der kalte Wind haut mit scharfen Pranken gegen den aus Menschenkraft geschaffenen stählernen Zug. Unablässig hält der Lokomotivführer Ausschau, seine Augen versuchen immer wieder die Dunkelheit zu durchdringen. Unterdessen greift der Zugführer von Zeit zu Zeit zur Uhr. Werden sie die verhältnismäßig geringe Verspätung aufholen können? Vor der nächsten Station aber beginnt der Zug zu stop, pen. Aber der unbeugsame Wille und der bedingungslose Einsatz bleiben Sieger. Das Gebot der Pflicht triumphiert!
Und wie unser Eisenbahner gleich der großen Zähl feiner Kameraden immer wieder pünktlich und eifrig seine Tätigkeit versieht und dem Gebot der Pflicht folgt, ebenso zuverlässig und unbeirrt sind die Wagenführer und Schaffnerinnen der Straßenbahn auf ihrem Posten, der in diesen Winterwochen ganz besonderen Einsatz verlangt. Es ist in der Tat eine große Leistung, die sie vollbringen, und jeder sollte ihnen dankbare Anerkennung zollen, der in diesen Tagen von den Verkehrsmitteln ohne weiteres erwartet, daß sie ihn schnell und sicher ans Ziel bringen. H. W. Sch.
Lorkwtizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Kora Terry". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Pechmarie". — Gießener Radfahrer-Bereinigung: 20.30 Uhr im „Burghof" Hauptversammlung. - Oberhessischer Kunstverein: 17.30 bis 18.30 Uhr Ausstellung „Deut- .sche Graphik der Gegenwart" im Foyer des Stadttheaters.
Ortszeit für den 17. Januar.
Sonnenaufgang 9.28 Uhr, Sonnenuntergang 17.43 Uhr. — Monduntergang 11.11 Uhr, Mondaufgang 22.58 Uhr.
Kraftfahrer
in der Ounkelheit besonders vorsichtig, h
Volksgenosse! Wenn Du bei Dunkelheit ein Kraft» fahrzeug führst, sei besonders vorsichtig. Achte dar« ; auf, daß alle Lichtquellen vorschriftsmäßig abgedunkelt sind. Für das Hintere Kennzeichen mußt Du | jetzt abgedunkeltes blaues Licht verwenden. Hast Du keine Möglichkeit, Dein Fahrzeug außerhalb der Fahrbahn abzustellen, beleuchte es; beachte aber auch dabei die Verdunklungsvorschriften. An Stra» ßenkreuzungen mußt Du mit dem Erscheinen von g Fußgängern rechnen, die Du bei Verdunklung erst spät erkennen kannst. Gib deshalb mehr als bisher Warnzeichen.
Unser neuer Vornan.
Mr beginnen in der heutigen Ausgabe, im An» j
fchluß an den gestern zu Ende geführten Roman °
„Der Flüchtling auf Korsika" von Heinz Lorenz« s Lambrecht, mit dem Abdruck eines neuen Romans. Wir stellen mit dieser Veröffentlichung einen । Autor vor, dessen Name bei uns noch nicht genannt f wurde, aber wir glauben, daß es sich lohnt, feine z Bekanntschaft zu machen. Der Roman
„Nmwege des Herzens"
von H. G. Hansen (
vereinigt die Geschichte einer Ehe und eines er» » regenden Kriminalfalles mit einer Sicherheit bet Menschenbeobachtung und einer Folgerichtigkeit der . । Seelenschilderung, wie man sie im Unterhaltunas- j roman nicht häufig antrifft. Ganz außerordentlich , ist die Spannung, welche von der Entwicklung, 6td- । gerung und endlichen Lösung des Konfliktes ausgeht, für den es lange keine tragbare Lösung mehr zu geben scheint. Wir sind überzeugt, daß dieser neue Roman allen unseren Leserinnen und Lesern sehr gefallen wird. Das menschliche Problem, das hier bewegt wird im verzweifelten Kampfe eines Mannes um feine Ehre und feine Selbstbehauptung, 1. macht im Verein mit der Dramatik des Handlung-' ablaufes das Werk zu einer ungewöhnlich anziehenden und fesselnden Lektüre.
Auch die ärztliche Arbeitskraft hat Grenzen!
Man kann auch heute noch des öfteren die Beobachtung machen, daß bei leichter Bettlägerigkeit eines Erkrankten der Arzt einfach ins Haus ge- i rufen wird, ohne daß eine zwingende Notwendigkeit dazu vorliegt. Der derzeitige Bestand an Aerzten, die für die ärztliche Versorgung der Zivilbevölkerung zur Verfügung stehen, macht es indessen erforderlich, daß die Bevölkerung vom Arzt nur dann die Ausführung eines Krankenbesuches erbittet, wenn es sich um so ernste Fälle von Bettlägerigkeit handelt, wo dem Patienten das Aufsuchen des Arztes in der Sprechstunde nicht möglich ift Man darf nicht vergessen, daß bei den jetzigen Witterungsverhältnissen und der ebenfalls für den Arzt knapp bemessenen Benzinmenge die Ausführung der Praxis außerhalb der Sprechstunde mit einem erheblichen Aufwand an Zeit und Kraft verbunden ist, und daß letzten Endes gerade dem Arzt, als unserem gesundheitlichen Betreuer hierfür das
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Leben ans zweiter Hand.
Von Otto Robolsky.
Auf dem Absatz der zweiten Treppe blieb Dr. phil. Heinrich Kolbelot) heftig atmend stehen, um zu schnaufen. Mißmutig sah er an sich herab: es ließ sich nicht beichönigen, er hatte Fett angesetzt. Die drei Treppen zu seiner Wohnung fielen ihm in der letzten Zeit schwer. Eigentlich eine Schande bei feinen 38 Jahren, dachte er. Wenn er zudem, wie heute, außer der Aktentasche noch zwei dicke Wälzer mitschleppte, fühlte er sich dovpelt unbeholfen.
Zögernd nahm er die nächsten Stufen. Eine dumpfe Angst lahmte ihn. Sie kam nicht nur von der Anstrengung, schon den ganzen Vormittag hatte sie ihn gequält.
Seine iunge Frau war fort. Also doch! Er hatte geahnt, so würde es kommen, so sehr er sich auch gegen diese Furcht gesträubt hatte. Noch im Mantel, den Hut auf dem Kopf, ließ er sich schwer in den Schreibtischsessel fallen. Er stützte den Kopf in beide Hände und starrte vor sich hin. Zwischen den Bücher- bergen, die auf der Scyreibplatte kaum ein schmales grünes Tal freigaben, lag wie verflattert und verirrt, ein zartfarbiger Briefumschlag. In eigenwilligen Schriftzügen sah ihm fein Name entgegen. Ein Strich war darunter, von schneller Hand geführt, scharf und schneidend, ein Abschluß.
Seine Hand griff nach dem Brief und wog ihn wie liebkosend. Zärtlich zogen feine Blicke die kecken krausen Buchstaben nach. Ihm schien es, als ob aus ihnen Lotte selbst ihn anschaute mit all ihrem jugendlichen Mutwillen und ihrer Wandlungsfähigkeit, die den Weg von liebevoller Hingabe zu jäher Heftigkeit so schnell zu durchmessen vermochte. Erstaunt und erschreckt hatte er immer vor diesem Wechsel gestanden, der ihn bezauberte und der ihm doch so unfaßbar fremd blieb.
So war es immer in diesen drei Jahren gewesen, bis auf die letzte Zeit. Da hatte sich die ihm unver- stündliche Hefttgkeit gehäuft und mitunter ihn selbst ergriffen. Hatte er nicht ungeschlachte, rohe Worte gebraucht? Auch heute früh wieder? Doch, daß es so weit kommen würde, er hatte es nicht zu denken gewagt. Der Brief entglitt seiner Hand und fiel zurück in das enge grüne Schreibtischtal, in dem er
wie eine zarte Blume zwischen grauen Bücherfelsen blühte. Er wagte nicht den Umschlag zu öffnen, der jenes Wort bergen könnte, das er fürchtete, das Wort: Scheidung.
„Lo!" flüsterte er und erschrak über den heiseren Ton, in dem er den Kosennamen herausbrachte, mit der sie sich so gern nennen horte. „Lo!" sagte er noch zwei, oder dreimal vor sich hin, als er mit großen, schweren Schritten die vier Zimmer durchmaß.
Gedankenlos glitten seine Blicke über die Wände seines Arbeitszimmers, die von hohen Regalen umsäumt waren. Bücher, Bucher, Bücher. „Lu hättest dich mit deinen Büchern verheiraten sollen und nicht mit einer Frau, mit der du ja doch nichts anzu, fangen weißt", hatte sie ihm einmal gesagt, lachend und spottend. Jetzt fiel es ihm wieder ein. Damals hatte er gelacht. Nun grübelte er. Der Klang ihrer Worte erwachte wieder in seinem Ohr, und jetzt erst hörte er den bitteren Unterton heraus.
Seltsam: hatte ihm nicht heute sein Vorgesetzter, Geheimrat Professor Niendoro, etwas ähnliches ge- sagt? Ohne sichtliche 23eranlaffun-g hatte er auf dem Heimweg die Frage an ihn gerichtet: „Was ist mit Ihnen, lieber Kolbeloh? Sie gefallen mir gar nicht in der letzten Zett. Sie sollten ein bißchen« Vertrauen zu mir haHen."
„Aber, Herr Geheimrat ..."
„Es ist nicht der Vorgesetzte, der Sie fragt, sondern ein Mann, der Ihr Vater fein konnte und Ihr Freund sein möchte. Antworten Sie mir nicht gleich, ick will nicht in Sie bringen! Aber ich möchte Ihnen sagen, was mir manchmal durch den Kopf geht. Wir gehen in unserem Beruf auf, Sie und ich. Das ist gut so. Und doch birgt es eine Gefahr für uns Büchermenfchen. Es führt leicht dazu, daß wir über die Vergangenheit, in die mir uns versenken, die Gegenwart zu kurz kommen lassen. Wer sich viel mit dem Gewesenen beschäfttgi, kann leicht den Blick für das Lebendige verlieren Auch ich war einmal nahe daran. Und ich fürchte, daß Sie jetzt an dieser Grenze stehen. Bei mir bedurfte es eines Anstoßes, daß ich mich wieder auf das Leben selbst besann. Die Genesung war schmerzlich, doch sie schenkte mir eine neue Jugend. Sie dürfen ruhig lächeln: ja, ich fühle mich jung. Um Ihnen eine unangenehme Wahrheit nicht zu ersparen — jünger als Sie! Sie sind zu alt für Ihre
Jahre. Ich mochte Sie mahnen: Kapseln Sie sich nicht ab! Halten Sie Tuchfühlung mit der Gegenwart! Was mir erleben, ift lebendigste Geschichte. Nehmen Sie tatkräftigen Anteil an ihr! Sie sind es sich selbst schuldig und, vergessen Sie nicht, auch der Gesamtheit. Und damit Gott befohlen, lieber Kolbeloh!"
Die Worte des alten Herrn, sagten sie nickt im Grunde das gleiche wie die der jungen Frau? Unwillkürlich zog es Kolbeloh in das Schlafzimmer. Loh hatte es ganz nach ihren Neigungen und nach ihrem Geschmack eingerichtet, der ein wenig spielerisch und bei aller Unbekümmertheit doch so sicher war. Mit peinlicher Sauberkeit mar aufgeräumt. In diesem Augenolick haßte Kolbeloh bii Ordnung. Er hatte gewünscht, das Bett lasse noch den Ab- druck ihres Körpers erkennen, das Kopfkissen zeige noch die leichte Einbuchtung, in der das von Locken umfloffene Haupt ruhte, und das Nachtgewand liege noch über den Stuhl hingeworfen. In der Ordnung empfand Kolbeloh die ^Verlassenheit des Raumes, und der leise Dust, der noch darin schwebte, erregte sein Gefühl.
Wie im Fieber jagte im Hirn des einsamen Mannes ein Gedanke den anderen. Bilder aus feiner Ehe zogen an ihm vorüber wie in einem Film. Flüchtig hingeworfene Worte Los untermischten sich mit oer eindringlichen Mahnung des Geheimrats. Was tun? Wo war Lo? Bei ihrer Schwester? Nervös suchte er im Telephonbuch und drehte die Nummernscheibe. Niemand meldete sich — natürlich, die Fklmfirma, bei der die Schwägerin als Lektorin tätig mar, hatte längst geschlossen, und zu Hause hatte Gerda kein Telephon. Sollte er hinfahrtn? Aber vielleicht war Lo zu ihrer Mutter nach Thüringen gefahren? Oder aber ... nein, unmöglich, diesen Gedanken verwarf er, ohne ihn zu Ende zu denken.
Immer wieder nahm er den Brief zur Hand, und doch brachte er es nicht über sich, ihn zu öffnen. Wieder fielen seine Blicke auf die Bücher an der Wand. Eine Anklage gegen sie kam in seine Augen. Er empfand, wie wahr der alte Geheimrat gesprochen hatte: In diesen Büchern hatte-er, Dr. phil. Heinrich Kolbeloh, gelebt. Statt sie zu seinen Freunden zu machen, war er zu ihren Sklaven geworden. Ein Leven aus zwetter Hand war es gewesen.
Erzürnt ob dieser Verkennung, wandten ihm nun in seiner Not die Bücher stumm und fühllos den Rücken. Ohne sich zu entkleiden, warf sich Kolbeloh auf die Couch. In dem kurzen Augenblick vor dem Versinken in das Unbewußte durchzuckte es ihn: Dies alles ift nur ein Traum, ein böser Traum.
Wie träumend ging er auch am nächsten Morgen in das Arni. Es war ihm, als ob ein anderer als er auf Fragen Rede und Antwort stehe. Ein anderes Ich verrichtete mit peinlicher Sorgfalt und Ge- wissenhaftigkett alle amtlichen Obliegenheiten, und er selbst beobachtete diesen pflichtgetreuen Beamten und eifrigen Gelehrten mit stillem Erstaunen. Mechanisch machte er sich nach Dienstschluß auf den Heimweg. Als er in die stille Wohnstraße in Friedenau einbog, hätte er nicht zu sagen gewußt, ob er mit der 8-Bahn ober mit der Straßenbahn gefahren sei. In gleicher Unbewußtheit hob er den Blick zu dem Balkon im dritten Stock, von dem ihm Lo in guten Tagen einen Willkommengruß zu- gewinkt hatte.
War ein Wunder geschehen? Er wagte nicht daran zu glauben und rieb sich die Augen. Jäh fiel die Teilnahrnlosigkeit von ihm ab: Da stand Lo und winkte! Konnte es möglich Jein? Narrte ihn nicht wieder der Traum? Wie. mit beschwingten Füßen, jede Schwere abftreifenb, eilte er nach oben. Die Tür wurde ausgerissen. Lo tag in seinen Armen. Wortlos hielten sie sich umschlungen, lange, lange.
Bis endlich Gerda, die Schwägerin, lachend aus dem Speisezimmer kam: „Schluß mit der Großaufnahme! Langsam abblenden! Sonst wird die Suppe kalt!"
Sie sprachen nicht viel bei diesem Mahl. Los Hand suchte die ihres Gatten, und dieser gab sie nicht wieder frei.
„Wir wollen auf Gerdas Wohl trinken", sagte Lo. „ich bin ihr sehr viel Dank schuldig."
Gerda lehnte ab: „Trinkt lieber auf die Dor» sehung!"
„Das scheint mir in diesem Fall das gleiche", erwiderte Kolbeloh, und während er lächelte, fcfymang in seiner Stimme der Unterton des Ernstes.
Aus dem grünen Tal feines Schreibtisches war der ungelesene Bries verschwunden. Veilchen tagen jetzt hort


