Hr. 6? Zweites Blatt
mehr . Heute liegen die Gefallenen von 1940 neben denen von 1914 Drüben im ehemaligen Polen ruhen Die von 1939 neben denen von 1915 und der übrigen Kriegsjahre Der Weg ist fortgesetzt worden, und mancher Sohn erreichte da und dort zum erstenmal das Grab des Vaters auf urn- kämpfter Erde unter dem Donnern der Geschütze und dfm Prasseln der Maschinengewehrstöhe
In einer solchen Zeit gedenken mir der Toten, der Helden, stiller, unpathetischer, als es irgend eine Friedenszeit gewöhnt war Wir besinnen uns auf Worte der Dichter des ersten Großen Krieges. Wie etwa Ern st Jünger einmal 1936 sagt: „lieber Haupt mehren sich die Anzeichen, daß der Elementargeist uns näher rückt. Die Gefahr wird -brennender. und damit vermindert sich notwendig die Schul- suchferei Wir treten in einen seltsamen Abschnitt ein, in dem man zugleich natürlicher und künst- lischer lebt auf jeden Fall aber gefährlicher, und die Visionen Hoffmanns gewinnen Realität . " Er verweist dann auf „unsere neuzeitlichen Denkmäler" die Werbezeichen des Luftschutzes, Nachbildungen ungeheurer Bomben, und er sagt dazu: „Diese naiven Sinnbilder, durch die wir die banalen Kunstwerke unserer Väter ersetzen, sind die 5pmbole eines Zustandes, in dem wir seit über zwanzig Jahren begriffen sind, und noch ist kein Ende abzusehen
Mit einer zugleich künstlichen, maschinellen, und i)od) auch natürlichen, elementaren Kraft tritt der Mensch dieses kriegerischen Zeitalters in die Sphäre !>es Todes, wird er in sie hineingerissen Unoergeß- ich wird das Heldentum der Fallschirmspringer jleiben, die diese Elementarform des modernen iriegers am reinsten darstellten Aber wie weit ist >er Weg von den Erstürmem umkämpfter Miuern,
Heldengedenken.
lieber Die Graber Der Toten des Krieges von 1914/18 sind die jungen Soldaten dieses Krieges vcrwärts gestürmt, um das Ziel der Väter zu erringen: die Küste des Kontinents und etwas
)ie mit dem Schwerte in der Hand das Banner ihres Königs auf die Zinne pflanzten — bis zu >en Männern, die von Der Tausendmeterhöhe aus 'er Maschine springen, um unten die mechanische Dafse zu montieren und Sprengstoff einzubauen! Der Sturzkampfflieger stürzt aus der Höhe herab md landet seine zermalmende Bombe im genau irredjneten Raum, und der Kameramann filmt das illes mit genau demselben Einsatz seines Lebens öie die anderen. Daheim sehen Arbeiter und Büro- nenschen diese Aufnahmen, und sie prägen sich zu- •or die Anordnungen ein, die für den Fall eines Fliegerangriffs auf die betreffende Stadt ergehen und auf Der LeinwanD sichtbar werben. Ertönt Die •Sirene, so weiß jeDer innerhalb und außerhalb ’iner Arbeitsstätte, was er zu tun hat, um Die Sicherheit zu erhöhen unD Die Wirkung Des Angriffs abzuschwächen.
SinD wir also nicht alle heute Den Toten, Die L’ir uns gefallen sind, innerlich näher, sind Vir ihnen nicht schicksalsmäßig inniger verbunden? — Der Einsatz ist ins Ungeheure gewachsen, die Möglichkeit der Vernichtung ist allenthalben groß, — mir ermessen jetzt erst, was die Technik als Schicksal unserer Zeit für uns alle bedeutet. Der IS$. impf, der Krieg, als die Nachbarschaft des Todes it für Generationen Erlebnis geworden Die zwischen zwei gigantischen Kriegen Den Kampf um Durchsetzung einer neuen Lebensstufe, ihrer Welt- mschauung. erlebten. Neben ihrem brennenden Ja! am Leben und seiner Fülle steht die Einsatzbereit- chatt. Die ineinsfällt mit Todesbereitschaft. Bei illen jungen, gesunden Völkern sehen wir dieses va! wachsen, Und Die Jugend ist ihm allenthalben icrpflichtet, wo Das Leben steigt. Es ist Der Weg i o m I ch zum Wir, Der Die Bereitschaft zum f insatz des Lebens steigert Clemenceau hat einmal lie wahre Quelle feines Hasses verraten, als er on der „satanischen Todessehnsucht" der Deutschen -'rach: — er konnte schon zu feiner Zeit nicht bereifen, daß der Deutsche als Soldat weiß: „Und
Goldaiengräber in Norwegen.
Von Heinrich Zerkauten.
Da liegt die schöne Kirche von Ringsaker, deren s^itz in* den Himmel sich bohrender Turm der höchste oller norwegischen Kirchtürme sein soll. Zwar nicht > d eses Turmes wegen kommen die Fremden alljährlich in großer Zahl nach Ringsaker. Sie wollen d elmehr den altflämischen Schnitzaltar sehen, der h er als kostbarer Besitz geborgen wird. Der luthe- r|d)e Pfarrer, am Sonntag mit langem, schwarzen 2ülar und dem weiß gekräuselten Halskragen an- (Han, erklärt gern Den Fremden von Ringsaker Itinen altflämischen Schnitzaltar.
Der Pfarrer scheint einer reichen Gemeinde Eeelenhüter Um Kirche und Friedhof läuft in roei- tun Bogen die niedrige Steinmauer, darin an der Stirnseite viel eiserne Ringe eingelasien sind. In dese Ringe schlingen am Sonntag die Bauern Die kchlaufe Der Zügel ihrer PferDe. wenn sie selber b:r Predigt ihres Pfarrer? Herz und Ohr leihen
Heute läuten Die Sonntagsglocken nicht Der iräd)tige Hof Des Pfarrherrn liegt ein wenig ver- ! Nüchtert am Ufer des Mjöfenfee Die Fremden, bic heute gekommen sind lassen die Kirche in Frie- ; bin und ihren altflämischen Schnitzaltar. Sie lassen hie Toten ruhen und klopfen 'nicht an des Pfarr- h.rrn verschlossene Tür. Wenn es nach ihnen ginge, marschierten sie ohne Aufenthalt weiter nach Lillehümmer Aber es geht ja nicht nach ihnen.
Auch des Pfarrherrn Sohn befindet sich unter den norwegischen Soldaten, von seinem geflüchteten ftinig gerufen, für England auf norwegischem ■ &?ben zu kämpfen Der Pfarrer hat so manches 9?al für seine Gemeinde gebetet Heute, da es um iin selber geht und um den Sohn, heute kann er ; Nicht beten Er zählt die Abschüsse Aber es werden sc viele, daß er das Zählen bald aufgeben muß
Hernach bringen sie die Gefallenen auf den Fried- hl f: deutsche Soldaten und norwegische Soldaten. Ere sind mit einer Zeltbahn zugedeckt Aus der Zeltbahn liegt gleich einem Orden eines jeden Ge- idienen Stahlhelm oder die noowegifche Feldmütze mit Litze und grüner Troddel
<£s bettet aber der Pfarrer von Ringsaker Die Rutschen, Die fallen mußten in ein gemeinsames Grab vergißt auch nicht, einen jeDen Hügel mit Birkenholz und Stahlhelm zu schmücken Derweilen ei einen Segen spricht wie sein Glaube es ihn ge= le^rt hat Dann bettet er auch die Norweger, die icllen mußten, in ein gemeinsames Grab, Dicht niben Dem deutschen, pflanzt das Birkenholz ein. ■legt ihnen die Feldmütze zu Füßen ipricht einen Gegen. Der Segensspruch währt nicht länger über
Gießener Anzeiger lGeneral-Anzetger für (Pbcrbenen,
setzet ihr nicht das Leben ein — nie wirD euch das Leben gewonnen fein!"
Aber nur aus diesem uns eingeborenen Ja zum Leben und zum Sterben konnten wir uns aus dem Abgrund erheben, in den uns die Niedertracht der sinkenden Welt gestoßen hatte Unsere Toten waren unsere Verpflichtung. Nur wenn wir gleich ihnen zum letzten Einsatz bereit waren, konnten wir wieder ihrer würdig werden
Mit elementarer Kraft hämmert dieses kriegerische Schicksal ein Volk zu einer harten Schicksalsgemeinschaft. Der Wandel des Denkens und Fühlens vom Ich zum Wir beantwortet zugleich die Frage nach Dem Wozu 7- Heute hat auch Der Letzte unter uns. Der am wenigsten „Ergriffene", begriffen, um was Dieser ungeheure Kampf geht. Das private Schicksal weicht zurück vor Diesem ungeheuren Wozu Es beDeutet das Umschmelzen des ganzen Menschen als Typus in die Gestalt eines neuen Zeitalters. Wir werden härter und einfacher aus diesem Kriege hervorgehen Wir empfinden heute, wie'uns der vorige Krieg auf dieses Schicksal bereiten half. Durch sein feuriges Tor mußten wir eingehen in diese neue Zeit, in der wir setzt die Bewährungsprobe ablegen. „Ich will nur eine Gleichheit: die welche Die äußerste Gefahr und der Pulverdamps um uns gibt Da haben wir alle einen Rang!" sagt Nietzsche, der diesen Zustand als den kommenden ansah. Er setzt hinzu:
„Im Kampf gibt man wohl sein Leben Dran, aber der Siegende ist versucht, sein Leben wegzuwersen In jedem Sieg ist Verachtung des Lebens." Daß wir das Große nicht mehr vom Furchtbaren trennen in unserer Vorstellung, gehört auch zu unserem guten Gewissen in dieser Zeit des Umbruchs aller Werte und Wünfchbarkeiten Und wie sind uns die Worte des einsamen Nietzsche heute klar und verständlich: „Es ist wohl so: da. was deutsch ist, hat sich noch nicht völlig klar herausgestellt. Durch Zurückschauen ist es nicht zu lernen: man muß Der eigenen Kraft vertrauen Das deutsche Wesen ist noch gar nicht da, es muß erst werden: es muß irgendwann einmal herausgeboren werden, Damit es vor allem sichtbar und ehrlich vor sich selber fei. Aber jede Geburt ist schmerzlich und gewaltsam .."
In dieser schmerzlichen Gewaltsamkeit stehen wir mitten Darin Wir erleiDen unD erkämpfen zugleich Durch Not unD ToD unseren WerDegang als Volk, als Reich, als Deutsche. „Die Umformung Der Welt, um es in ihr aushalten zu können — ist Das Trei- benDe: folglich als Voraussetzung ein ungeheures Gefühl Des Widerspruchs ", lesen wir bei Nietzsche. Und dazu Den tieisinnigen Satz, der alles Heldentum umfaßt: „Die Liebe zum Leben ist beinahe der Gegensatz der Liebe zum Langleben Alle Liebe denkt an den Augenblick und die Ewigkeit, — aber nie an ,die Länge*." Curt Hotzel.
Deutsche Soldatengräber in Norwegen.
t1
Hier ruhen deutsche Soldaten, die in den Kämpfen in Norwegen fielen. Das Grab befindet sich auf Dem Friedhof Eidsberg in VinDlos in Norwegen. — (Scherl-BilDerDienst-M.)
Leben und kämpfen wie sie.
Von Leutnant Herbert Staate.
Auf Dem kleinen.DorffrieDhof von Farebersville, gleich neben Der Feuerstellung Der Batterie, haben wir ihn beigefetzt, Den ersten Gefallenen unserer Einheit Jung war er noch, sehr jung — unD war uns Aelteren Doch schon vorangegangen auf einem Weg, von dem in jenen Tagen Des Feldzuges in Frankreich keiner wußte, ob unD wann er ihn vielleicht zu gehen hatte. Oben in einer stillen Ecke Des Friedhofs, gleich im Schatten Der nieDrigen Mauer hatten wir ihm sein Grab bereitet unD stanDen nun in einer Pause Des Kampfes vor ihm angetreten, um AbschieD zu nehmen. Durch Die Luft
orgelten hier unD Da französische Granaten, weiter vorn lederte irgenDroo ein Maschinengewehr — Das war sein Grabgesang. Die Worte Des Batteriechefs: „An Deinem Grabe geloben wir, f 0 z u kämpfen unD, wenn es fein muß, z u st erben wie Du" — sie waren seine GrabreDe.
Am AbenD vor Dem Angriff war er gefallen. (Störungsfeuer Des Gegners hatte Die Batteriestellung abgekämmt, nnh währenD Die anDern Kame- raDen schon in Den Deckungsgräben lagen, war er noch einmal herausgesprungen, um an seinem Geschütz schnell irgenD etwas roieDer in DrDnung zu
Dem Grab des eigenen Sohnes, der fallen mußte, als über Dem feiner Kameraden
Die Deutschen bleiben auch am schweren Tag von Ringsaker Sieger Sie grüßten die noch einmal, die ihren Sieg mit erfechten halfen. Die nun schlafen auf Dem FrieDhof zu Ringsaker im Anblick Des Mjöfen. Dann ziehen Die Deutschen weiter, Lillehammer entgegen.
■ * ,
Der Gegner hat sich gestellt, Der Gegner will bezwungen sein. Es haben Den Norwegern Die Straßensperren um Gjövik nichts genutzt, nichts Die sorgsam vorbereiteten Brückensprengungen Die Deutsche Infanterie Des Vormarsches von 1940 räumt Die Sperren unD bezwingt Die Schluchten Sie geht im Schutze Der Panzer vor unD faßt Den. Gegyer im Rücken, ehe er noch zur Besinnung finDet Infanteriegeschütze kämmen Den Waldhang ab, Flak holt Den norwegischen Aufklärungsflieger herunter, Daß er kopfüber in Den See stürzt.
Aber Gjövik selbst, Die von ihren Bewohnern verlassene StaDt, bleibt unversehrt. Nichts wirD in späteren Tagen Daran erinnern, Daß im Umkreis dieser Stadt Mann gegen Mann gekämpft wurde, daß die Luft durchschnitten war von Den Geschoßbahnen Der Infanteriesalven, daß Maschinengewehre bellten wie ausgehungerte und heisere Hunde aus der Suche nach ihrem Opfer.
Es wird dennoch ein Zeichen geben — bald schon — daran niemand vorübergehen wird, Die Deutschen nicht und nicht die Norweger, Die zaghaft heimkehren in ihre Stadt und wunderliche Augen machen, weil alles am alten Platze steht, weil ihnen nichts genommen wurde an Hab und an Gut
Es sind derweilen neue Bewohner in Gjövik, der verlassenen Stadt, eingezvgen Deutsche und Norweger Sie haben sich Den friedlichsten Platz ausgesucht" und den schönsten da,zu
Redet sie nicht an. denn sie geben euch keine Antwort Sie sprechen eine andere Sprache die wir Menschen dieser Welt nicht verstehen Ihr Blick ist weiter, als der unsrige, ihr Herz ist schon Erde geworden, daraus rote Erika blüht Sie wohnen still unter ihrem Holzdach, daraus das eiserne Kreuz gemalt ist oder die norwegische Flagge Ihre Häuser trennt kein Zaun Sind Soldaten geworden vom gleichen Regiment Vor ihnen senken sich die Fahnen aller Regimenter.
Denn sie fielen für ihr Vaterland *
Ein jedes dieser Gräber deutscher Soldaten in Norwegen hat seine Geschichte, ist Mahnung für die Gegenwart, ist Beispiel für die Zukunft Da ruht der unbekannte Matrose vorn Kreuzer „Blücher" auf Dem Soldatenfriedhof von Ekeberg, hoch zu
Häupten Oslos, Der StaDt mit ihrem FjorD zu Füßen.
Fast will es scheinen, als reiche Der Blick hinüber bis nach Oskarsborg, jenem feinDlichen Fort, Das am 9. April 1940 vom Kreuzer „Blücher" noch nieDergefämpft wurde, ehe Das Schiff selber mit wehender Flagge in Die Tiefe ging. Dicht Daneben liegt Askenholmen, Die kleine Inselgruppe, Darauf so viele sich schwimmenD retten konnten, bis sie von Deutschen Torpedobooten geborgen wurden.
Jo einem abschließenden Bericht des Oberkommandos Der Wehrmacht vom 13. Juni 1940 über die Operationen in Norwegen wird gesagt: „Die Heldentaten, die Dabei von Deutschen Führern unD ihren Einheiten sowie von einzelnen Soldaten vollbracht rourDen, bleiben einer späteren Berichterstattung vorbehalten. An ihrer Spitze wird für immer der heroische Kampf und Untergang des Kreuzers „Blücher* stehen."
Eine Ehrentafel auf Askenholmen, weithin sichtbar, erinnert an Den Kampf des Kreuzers, dessen Einsatz den nach ihm folgenden Einheiten Den Weg nach Oslo freimachte. Sie soll auch Den unbekannten Matrosen ehren. Der auf Dem schönsten Sol- datenfriedhof Norwegens, auf Ekeberg. ruht. An seinem Grab hat eine unbekannte Hand einen roten Ebereschenkranz nieDergelegt, ein Gruß Der Heimat für Die, Die im GeDächtnis ihres Volkes für immer weiterleben.
Vor einer weißlockierien Tür.
Von Erich Klaila.
Matthias wirD angerufen. Es ist soweit, Matthias! sagt Regina am Telephon Ich fahre jetzt zur Klinik hinaus .
In Gedanken sieht der Mann Regina in einer rotgestnchenen Fernsprechzelle stehen. Den Hörer fest an Das Ohr gepreßt. Die Frau empfindet Furcht vor dem KommenDen Es ist das erste Kind, das sie zur Welt bringen wird. Tut es sehr weh, etwas zur Welt zu bringen? Regina weiß es nicht Aber man hat ihr von Der Bäckersfrau an Der Ecke erzählt die bei Der Geburt eines Kindes gestorben ist
Du hast sie Doch gekannt, Matthias? Matthias! Horst Du mich überhaupt? Bist Du noch Da?
Es wirD schon gut gehen! tröstet Matthias Er spricht ruhig, obwohl Das Aufgeregte der Frau auf ihn übergesprungen ist. Er wird die Unruhe den ganzen Tag nicht los. Nach Feierabend fährt er gleich zur Klinik hinaus Vor einer weißlackierten Tür muß er warten. Gleich dürfen Sie hineingehen! sagt die Schwester. Ein paar Minuten noch! jagt sie und läuft weg.
„./tti.Mürz 1941
bringen Dabei hatte es ihn getroffen Fast hatte es ausgesehen, als fei er im Laufen beim Einschlag der Granate nur ein wenig gestolpert — als man zusprang, war er schon tot. Er war Der erste Gefallene unserer Batterie, — er blieb nicht der einzige. *
Unsere Gedanken wandern heute, am Helden- gedenktag, zurück zu den stillen Gräbern in Polen, in Norwegen und im Westen, die wir alleingelassen haben, die doch nicht allein sind, sondern umgeben von der Liebe einer Mutter, eines Vaters, einer trauernden Frau und dem ehrenden Gedächtnis der lebenden Kameraden der Gefallenen die um sie waren in den Stunden des Kampfes und des Todes Eingebettet und umgeben aber find sie auch von Der Liebe unD Der anDächtig stolzen Verehrung unseres ganzen Volkes, Das in seinen toten Soldaten Die besten Träger eines kämpserisch-helDischen Geistes erkennt. Der unsere Weltanschauung geformt und Den gegenwärtigen 'Kampf um Das Leben unseres Volkes zum Siege werben läßt
Leicht ist es. von Den hohen unD heiligen Dingen Des solDatischen Sterbens zu reDen, aber oft sehr schwer sie zu leben HelDenverehrung erschöpft sich geraDe heute für unser Volk nicht in Lobpreisungen und billigen Worten Aus den mutigen Kämpfen und dem bitteren Sterben unserer Toten wächst das Bekenntnis und der Opfermut zu gleichem kämpferischen Tun Wann jemals in unserer neueren Geschichte hätte unser Volk ein größeres Recht gehabt, in stiller Ehrfurcht feiner toten Helden zu gedenken, als heute, da die gesamte Nation zur Trägerin heldisch-kämpferischen Geistes geworden ist, eines Geistes, der unser Volk zu letzten, nie für möglich gehaltenen Anstrengungen im Kamvf um sein Lebensrecht und seinen ßebens- raum befähigt.
Das Wort von Clausewitz: „Stolz auf unsere großen Männer dürfen wir nur fein, solange sie sich ihrerseits unser nicht zu schämen brauchen" erfüllt Das Wesen der gesamten Nation. Und wahrlich die Gefallenen des gegenwärtigen Krieges wie die Toten des Weltkrieges und Die Toten De* Kampfes Der Partei für Das Reich, Deren Vermächtnis und Mahnung wir heute zu erfüllen bereit find, brauchen sich unser nicht zu schämen.
*
Es mag oft scheinen, als erschöpfe sich das Wesen des Heldentums in Der Tatsache Des Sterbens auf Dem weiten FelD Des Kampfes Der Männer. Held fein ist meh r. Es heißt kämpfen unD Kämpfen bringt Gefahr Diese Gefahr und Das Wissen um sie aber ist es, Die Den kämpfenden Soldaten zum Helden werden läßt, der — wenn notwendig — feinen kämpferischen Mut mit dem höchsten und letzten aller Siegel beglaubigt — dem Tode.
Glauben wir nicht, daß den Männern, die heute in ihren fernen Gräbern in Den ßänDern rings um unser Reich stille Wacht halten, ihr Sterben immer leicht geworden ist. Oft war es vielleicht erst der letzte Augenblick, schon an der Grenze des ßebens. Der ihnen Die Erfüllung ihres Daseins unD ihres Kampfes mit Dem klaren unD reinen Wissen um Den höheren Zweck ihres OpfertoDes brachte. Soldaten aus unserem Blut sind keine blassen, mark» unb blutlosen Verneiner bes ßebens ober auch nur Duckmäuser Nein^ gerabe sie, die aktivsten Kräfte des Volkes, wissen den Wert des ßebens und feinen Inhalt wohl zu schätzen. Um so größer und reiner ist daher bas Opfer ihres Seins, bas sie wohl wisienb um Gefahr unb bie Härte unb Unroiberruf- lichfeit bes Tobes betn Volke barbrachten.
Gewiß ist es schön unb erregenb, betn Kampfs entgegenzugehen, gepackt zu werben von dem Wir-
Bet Optiker am Bahnhof |
Lieferant auch Ihrer Kranken kaffe
Wo habe ich die schon gesehen! denkt Matthias nach. Ich habe sie bestimmt schon gesehen! beharrt er. Ob ich sie einfach fragen kann?
Schwester Berta? ruft jemand. Die Schwester bleibt stehen. Ja, ich komme! Ein wenig ungeduldig sagt sie das. Manchmal ist es aber ganz schlimm mit der Ruferei! denkt die Schwester vielleicht.
Schwester Berta?, überlegt Matthias: und bann ist alles roieber gegenwärtig: feine Verwundung, bas ßazarett in L. Der Bettnachbar heißt Water- borg. Er stammt aus Schleswig unD spricht vom Meer wie von etwas, bas ihm ganz allein gehört. Er soll aber nicht vom Meer sprechen! sagt Schwester Berta. Es strengt ihn zu sehr an, er muß Dank husten! Schwester Berta muß bann kommen Sie sollen sich nicht aufregen! sagt sie in ihrer geduldigen Art. Hörst du, Waterborg: Schwester Berta hat bas gesagt. Die Blonbe; bu weißt schon ...
Tu doch nicht so erstaunt, Menschenskind! Ich bin Doch kein Trottel! Ich habe doch Augen im Kopf! Meinst Du vielleicht, ich wüßte gar nichts? Alles weiß ich, Waterborg. Auch daß sie manchmal du zu dir sagt.
Was ich dir noch erzählen will, Kamerad Waterborg: als du so blaß dagelegen hast, da hat die Blonde geweint. Ich Dachte schon, ich hätte ihn über den Berg hinweg! hat sie gesagt Am nächsten Tage hat sie bann nicht mehr gemeint Ich wußte aber: jetzt weint sie nach innen.
Ich glaube, Waterborg, Die BlonDe hat dich sehr lieb gehabt. Du hattest ihr wohl, einmal ganz allein in deiner netten Art vom Meer erzählt? Saa?
Ja. unb bas muß ich bir eigentlich auch noch sagen: siehst bu, so komisch ist das! Meine Frau erwartet ein Kind. Das ist nun weiter nicht komisch. Das andere aber schon: als ich vorhin in Die Klinik komme unD Darauf warte, daß ich zu meiner Frau Darf, öffnet sich plötzlich eine weißlackierte Tür. und Schwester Berta kommt heraus!
Jetzt ist sie wieder bei meiner Frau. Der Arzt ist auch bei meiner Frau Jetzt schreit wer! Himmel, kann das schon schreien!
Die Tür wird wieder geöffnet. Schwester Berta kommt heraus unb sieht ben Mann warten In ihrem Geücht liegt es plötzlich wie Erkennen Wird sie den Mann etwas fragen? Sie waren doch im ßazarett m ß ? fragt sie vielleicht Matthias sucht schon tue Antwort zusammen
Doch bann wirb bas Gesicht ber Schwester roteber fremb unb abroeifenb. Nein! Bitte, nein! Rühren Sie nicht an Die Geschichte! bittet bas.
ßaut sagt sie aber: Ihre Frau hat entbunden Sie burien jetzt hineingehen. Es ist ein Junge; ich gratuliere!


