Ausgabe 
13.1.1941
 
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ner Treue zur Wandersache und zum Dienst für die Heimat in den Reihen des DHC wurde ihm im Mai vorigen Jahres von dem Reichswanderführer, dem früheren hessischen Ministerpräsidenten Prof. Dr. Werner, die goldene Ehrennadel des VHC. verliehen. Reben der Wandersache erfreuten sich auch alle Bestrebungen zur Förderung und Erstar- lung der Heranwachsenden Jugend jederzeit des stärksten Interesses des Jubilars, wie er überhaupt für alle unter dem Gesichtspunkt des Gerneinschafts- dienstes stehenden Arbeiten und Bestrebungen im- mer verständnisvoll und hilfreich zur tätigen Mit­arbeit bereit war und heute noch ist. Der Wander­sache des DHC. und damit seinem angestammten Vogelsberg hat er neben mancherlei anderen Versen für andere ideelle Zwecke das nachfol­gende Gedicht gewidmet, das in den Kreisen der VHCer immer wieder gern gesungen wird.

Blau. Silber, Grünt

(Melodie: Frischauf, Kameraden!) Wohlauf, Kameraden, den Bergstock herbei! Zum Vogelsberg wandern wir wieder. Uns grüßet des jagenden Falken Schrei, Uns grüßen der Vöglein Lieder.

Hoch flattert die Fahne: Blau, Silber und Im Frührot droben die Berge erglühn.

Der Himmel zeigt leuchtend fein herrlichstes Blau, Grün schimmern die Wiesen am Hange, Das silberne Bächlein eilet zur Au, Talwärts in stürmischem Drange.

Blau, Silber und Grün, das Banner voran! So wandern wir fröhlich die Höhen hinan.

Wohlan, in den herrlichen Wald nun hinein. In der Buchen grünwogendes Meer, Wo dunkle Tannen mitten darein. Hoch raaen zum Himmel fo hehr.

Im Felsengeröll von blauem Gestein, Weißblühende Sträucher erglänzen im Hain. Frischauf, Kameraden, auf luftigen Höh'n, Den Taunus seht ihr dort winken, Das hessische Bergland, die nahe Rhön, Das Auge kann satt sich nicht trinken.

O Heimat, o Heimat, mögst immer du blühn, Dich grüßen die Farben Blau, Silber und Grün

Wie ist doch die Heimat so wunderschön. Nie werd' ich sie jemals vergessen, Ihr lieblichen Täler, ihr herrlichen Höh'n, Du Land meiner Väter, mein Hessen.

Blau, Silber und Grün, du prächtiges Band

Vom Vogelsberg, Kleinod im Hessenland.

Dem Jubilar gelten zu feinem morgigen 80. Ge- vurtstage und für einen weiteren schönen Lebens­abend auch unsere herzlichen Glückwünsche. B.

Zugend und Buch.

Es ist eine alte Erfahrungstatsache, daß wir die Dinge, die uns leicht zugänglich sind, weniger schätzen, als jene, die für uns hart zu erkämpfen waren. Was Bücher für die Entwicklung eines Menschen zu sein vermögen, erfahren wir daher am besten bei den Menschen, denen äußere Gründe den leichten Zugang zu dem Wissen, das im guten Buche beschlossen ist, versperrt haben. Dies werden meistens die Selbstlerner sein, die nicht das Glück einer geistigen Führung an sich kennenlernten. Adolf Hitler sagt selbst üb?r die Zeit,da er viel und gründlich las", aus, daß sie half, fein Welt­bild zu formen, und die Grundlagen zu einem Wissen legte, von dem er heute noch zehre. So liegt das Urteil vieler Männer über das Buch vor. Es gab Bücher, die das Gesicht ganzer Jahrzehnte be- stimmt haben. (Man denke an GoethesWerther".) Welche Bedeutung das Buch für junge Menschen besitzt, geht daraus hervor, daß die Jugendbewegung Adolf Hitlers in engster Fühlungnahme mit den zu­ständigen Reichsministerien schon seit Jahren die geistige Erziehung der jungen Generation auch in der Art Überwacht und maßgebend beeinflußt, daß Büchertitel angegeben und Werke besprochen wer­den, die den einzelnen Junggenossen etwas zu sagen haben. Verbilligte Buchanschafsungen für HJ.-Mit- glieder und eigene HJ.-Büchereien sollen dem Jugendlichen die Suche nach einem geistigen Be­gleiter erleichtern. Auf diese Weise wird es dem Jugendlichen leichter gemacht, zu wirklich tiefen, guten und seinem Alter zugemessenen Quellen vor- zustohen. Dies ist wesentlich, gerade im Kriege. Die Kriegsbücherei der Deutschen Jugend, die Aktion zur geistigen Betreuung, dies alles läßt die Sorge erkennen, die man dem Wachsen der Jugend auf dem Boden des nationalsozialistischen Geistes zuteil werden läßt.

1940, auf die wir Hinweisen.

** D i e Lohn- und Wehriteuerbelege, tische in Streit geraten waren, von diesen auf dem Die Finanzämter veröffentlichen im heutigen An- Heimweg angefallen. Im Verlaufe der Keilerei zeigenteil eine Aufforderung zur Einsendung der wurde einer oer angefaUenen beiden Männer in Lohn- und Wehrsteuerbelege für das Kalenderjahr eine Schaufensterauslage an der Ecke Bahnhofstraße

hineingeworfen, wobei das Schaufenster in Scher­ben ging, dem Manne aber glücklicherweise nichts

** E i n e S ch l ä g e r e i spielte sich am Samstag L... ----- -------- , . ,

gegen 22 Uhr in der Neustadt bis zur Ecke Bohn-1 weiter passierte. Die Polizei war rasch zur Stelle yofstraße ab. Dort wurden zwei Männer, die vor-: und sorgte für Ruhe, gleichzeitig stellte sie die Per- Her in einer Gastwirtschaft beim Bier saßen und sonalien der vier Angreifer fest, denen das Nach- dabei mit vier anderen Zechern an einem Neben-1 spiel noch zuteil? werden wird.

fireiegetiüfleiaueiteiiung in Großenchnden

Großen-Linden, 12. Jan. Die Ärei&auß» sicht das ausgestellte Material von fehr gut*

sicht das ausgestellte Material von sehr guter Be­schaffenheit war. Am Samstagnachmittag fand dann

D Großen-Linden, 12. Jan. Die Kreisaus- stellung der Kreisfachgruppe Gießen der Ausstel­lungsgeflügelzüchter, die am Samstag und Sonntag im Saalbau Schaum, dahier, ftattfano, war ein vol­ler Erfolg für den hiesigen Geflügelzüchterverein, der diese Ausstellung übernommen hatte. Die Aus­stellung erfreute sich eines guten Besuches aus un­serer Gemeinde und den Nachbarorten. Sie hat dem für unferJßoIt so wichtigen Zweig der Hühnerzucht neue FrAnbe zugeführt; in der Hauptsache aber fya|<fle aMlärend bei allen ländlichen Geflügelhal­tern gewirkt.

Die Ausstellungsleitung lag in Händen des^Der- einsführers Alfred Jung und seiner cAg«e"vWl^' arbeiter, seines Stellvertreters Wilhein^SW« - merlad, des einstigen Gründers des hiesigen Vereins im Jahr 1907, ferner des Schriftführers

der Ausstellung Wilhelm Jung und des Ausstel­lungsrechners Albert Weinandt. Diese Männer haben neben weiteren Mitarbeitern aus dem hiesi­gen Verein die Hauptarbeiten geleistet und damit zum Hauptgelingen der Ausstellung beigetragen. Man denke allein an die vielen Bemühungen, um 40 Ehren- und 30 Zuschlagspreise aufzubringen. Unter diesen Preisen, die alle zur Verteilung an die Aussteller gelangten, befanden sich 6 Reichsfach- gruppenehrenpreife, 6 der Landesfachgruppe Hessen- Nassau, 4 des Organs der Geflügelzüchter und 10 der Kreisfachgruppe Gießen. Die Krelstachgruppe hatte außer diesen noch 10 Zuschlags preise gestiftet. Diele weitere Kreise waren von befreundeter Seite, von den angeschlossenen Kreisvereinen, von Körper- schäften und Behörden gestiftet worden. Auch die hiesige Gemeindeverwaltung hatte dem Ehrenpreis- fonds 20 RM. überwiesen.

Am Samstagvormittag land die Bewertung der Tiere statt. Infolge der hohen Nummerzahl von 284, nämlich 8 Stämme, 151 Hühner, 47 Zwerg­hühner, 66 Tauben und 1 Stamm Ziergeflügel, mußten drei Preisrichter zur Arbeit herangezogen werden: es waren dies Fritz Frick (Wiesbaden- Biebrich), N. Lehr (Mainz-Kostheim) und Karl Philipp (Watzenborn-Steinberg), nach deren An-

die Eröffnung der Ausstellung

statt. Ausstellungsleiter Alfred Jung sprach herz­liche Worte der Begrüßung zu den Züchtern und Ausstellern. Sein besonderer Gruß galt dem stell- oertretenben Bürgermeister, dem Ortsbauern führ er Karl Volk. Im Auftrag der Kreisfachgruppe über­brachte das Vorstandsmitglied der Kreisfachgruppe, Züchter May (Lang-Göns), die Grüße des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Kreisfach­gruppenvorsitzenden Heß (Watzenborn-Steinberg). Der Redner betonte, der Kreis Gießen stehe in be­zug auf Qualität mit an der Spitze aller Geflügel­züchter im Gau-Hessen-Nassau. Er dankte dem Ver­ein von Großen-Linden für feine mühevolle Arbeit, ferner ddnkte er den Stiftern der vielen Preise und den Preisrichtern. Preisrichter Lehr gab für sich und feine Kameraden feiner Freude Ausdruck über das ausgezeichnete zur Schau gebrachte Tier- material.

Ein Gang durch Me Ausstellung

zeigte im vorderen Saal und am Eingang zum Hauvtsaal die gut aufgebaute Lehrschau. Sie brachte in der Hauptsache Anschauungstafeln über Rassezucht, Aufzucht der Jungttere, Stallbauten und Anleitungen über die Selbsterzeugung von Futter. Besondere Tafeln waren der Aufklärung über Tier- fütterung gewidmet. Hier konnte man sehen, daß man den größten Teil der zur Fütterung notwendi­gen Körner durch anderes Futter ersetzen kann. Einige Tafeln dienten der Werbung für die von der Reichsfachgruppe anerkannten Wirtschaftsrassen, der weißen Leghorn, der roten Rhodeländer, der reb» huhnfarbigen Italiener und der weißen Wyandotten. Am Saaleingang fielen die 8 Stämme, bestehend aus ie einem Hayn und zwei Hennen, dem Besucher ins Auge. In drei langen Reihen standen die übri­gen Tiere. Eine Voliere auf der Saalbühne diente als Aufenthaltsraum eines "Paares in herrlicher Färbung stehenden Goldfasanen.

öJ.Jport

Ergebnisse der Bezirksklasse.

Dahenborn-Slelnberg Naunheim 7:1 Sportfreunde Wehlar VfB-Reichsbahn 1:6 Luftwaffe Biffenberg 4:3

VfL. Warburg Burgsolms 4:4.

In Steinberg siegten die Teutonen mtt Klasien- unterschied. Bei Halbzeit lagen sie 3:1 in Führung und schraubten bas Ergebnis durch weitere vier Tore auf 7:1. Die Steinberger boten eine über­zeugende Leistung.

Die Sportfreunde konnten trotz allem Eifer die spielerische Überlegenheit der Gießener nicht aus­gleichen und verloren auch in dieser Höhe.

Nach einem sehr harten Spiel siegte die Luftwaffe knapp, obwohl die Bissenberger technisch durchaus auf der Höhe waren. Die Luftwaffe mußte jedoch ihren Sieg insofern teuer bezahlen, als ihr rechter Verteidiger, der mit zu den Besten auf dem Platze zählte, herausgestellt wurde.

In Marburg lagen die Platzbesitzer mit 3:1 in Führung, als ihre bekannte Schwächeperiode ein- etzte. Die Burgsolmser nutzten diese Gelegenheit ofort aus und zogen auf 4:3 davon. Erst im End- purt konnten die Marburger ausgleichen.

Dadurch haben sich besondere Verschiedenheiten der Tabelle ergeben. /

Hoher Sieg des VfB.-Reichsbahn In Wehlar.

In letzter Minute waren die Reichsbahner ge­zwungen, ihre Mannschaft umzuändern, da Fleisch­hauer, Heß, Kraft und Lepper nicht zur Verfügung standen. Der Ersatz bewährte sich jedoch und er­

füllte die ihm gestellte Aufgabe zur Zufriedenheit. Da der angesetzte Schiedsrichter statt in Wetzlar in Gießen erschienen war, einigte man sich aus einen anderen bestätigten Schiedsrichter. Die Wetzlarer Mannschaft lieferte ein sehr eifriges Spiel und kämpfte unverdrossen. Sie hatte allerdings den Nachteil, ebenfalls auf zwei ihrer Besten verzichten zu müssen. Hervorzuheben.ist.dabei bie äußerst an­ständige Spielweise beider Mannschaften. Bei der Gießener Mannschaft hatte besonoers die Läufer­reihe einen großen Anteil an dem Sieg, da sie sich für den Ausbau des Spieles voll einsetzen konnte.

Spielverlauf: Das Spiel begann für die VfB.er nicht sehr verheißungsvoll. Nach einem Mißver- ständnis der rechten Deckungsseite konnte der Halb­linke der Wetzlarer überraschend zur l:O-Führung einschjeßen. Dieser Erfolg spornte die Wetzlarer gewaltig an, sie konnten jedoch die Gießener Hin­termannschaft nicht überwinden. Als Hofmann zur Mitte flankte, war es Leutheuser III, der durch Kopfball den Ausgleich erzwang. Kurze Zeit später war es der gleiche Spieler, der zur 2:1-Füyrung einschieben konnte. Als Leutheuser IV den Ball durch die Verteidigung legte, war es Hofmann, der aus einem spitzen Winkel ein weiteres Tor erzielen konnte. Die Angriffe der Wetzlarer waren zu durch- sichtigt, um zu einem Erfolg führen zu können. War die erste Halbzeit für die Gießener leicht feldüber- legen, fo änderte sich in der zweiten Halbzeit das Bild vollkommen zu Gunsten der Gießener. Es war nur noch die Frage, wie oft die massierte Deckung der Wetzlarer überwunden werden konnte.

Drei weitere Tore, wobei Ehmann durch einen Schuß aus 18 Meter das schönste Tor des Tages erzielte, bedeuteten die Lösung. Dieser Sieg brachte den Gießenern den dritten Platz in der Tabelle ein.

Tabelle:

Verein

Spiele

Gew.

Unentsch. Verl.

Pkte.

FC. Wetzlar

9

7

1

1

15:3

W -Steinberg

10

7

1

2

15:5

VsB.-Reichsbahn

10

7

0

3

14:6

Naunheim

9

6

0

3

12:6

Burgsolms

9

4

2

3

10:8

1900

9

4

1

4

9:9

Marburg

7

2

1

4

5:9

Luftwaffe

9

2

0

7

4:14

Bissenberg

6

1

0

5

2:10

Sportft. Wetzlar

8

0

0

8

0:16

«urze (Sportnotizen

Hessischer S ch i m e i st e r in der nordischen Kombination wurde in Kassel der Kasseler Seuring. Den Langlauf gewann Rübeling (Kassel), im Sprunglauf siegte Volke (Willingen) und die 4 X 10=km=StaffA **mann Hessen-Preußen Kassel.

Schi-Welt rft er Sepp Bradl war beim Springen in Oberammergau der beste Mann. Er siegte mit Note 226,0 und Sprüngen von 59 und 63 Meter vor Sepp Weiler (Oberstdorf) mit Note 220,7 (54 und 62) und Franz Mayr (Innsbruck) mit Note 220,6 (54 und 62).

Der TSV. 18&0 München hat sich durch einen 2:1- (00) SieMber den 1. FE. Nürnberg die Tabellenführung imHWMrischen Fußball-Bereichs- klasse zurückerobert. Denr Treffen wohnten rund 10 000 Besucher bei.

Das große HI.-Fechtturnier in Nürn­berg wurde zu einem schönen Erfolg. Bei der HI. siegte Franken mit 4 Mannschaftssiegen vor Würt­temberg (3), Schwaben (22), Tirol (1) und Bayrische Ostmark (0), während beim BDM. Württemberg mit 3 Mannschaftssiegen vor Schwaben (2), Franken (1) und Tirol (0) erfolgreich war.

Frankfurter Börse.

Still, doch freundlich.

Frankfurt a. M, 10. Jan. An den Aktien, m ä r k t e n war die kurz nach der Jahreswende eingetretene Belebung nur von kurzer Dauer. Die Kundschaft und auch der Berufshandel verhielten sich stark zurückhaltend, andererseits kam aber auch nur geringes Material heraus, so daß die Grund- stimmung freundlich blieb. Die Marktenae bewirkte jedoch, daß hier und da für einzelne Werte auf­tretende Nachfrage nur zu höheren Kursen befrist digt werden konnte, während anderseits locker ge­wordene Posten nur zu niedrigerem Niveau Ab­nahme fanden. So zeigte das Kursbild in der Be- richtszeit eine nicht ganz einheitliche Linie, wenn auch mehrprozenttge Kurssteigerungen übermogen. Irgendwelche Sonderb^wegungen waren selten. Me- tallgesellschaft erreichten mit 182 einen Höchststand, den sie aber nicht voll hielten, auch in VDM. und Scheldeanstalt waren mehrprozenttge Einbußen zu verzeichnen. IG. Farbenind. notierten zwischen 202 und 205. Montane lagen durchweg freundlich. Don den nur per Kasse gehandelten Aktten sttegen zu­nächst Brauereiwerte stärker, die Kurse waren meist rein Geld oder es kamen feilte Notierungen man­gels Materials zustande. Don Banken waren Reichs­bankanteile bis 129 gesteigert, wie überhaupt Bank» aftien sich stärkeren Interesses erfreuten.

Am Rentenmarkt hat die Ausgabe der 3V2°/oigen Reichsschätze von 1941 Folge 1 eine starke Entlastung gebracht. Daneben zeigten auch die an. deren Reich spapiere Nachfrage und Kurserhöhun­gen. Altbesitzanleihe des Reiches stiegen bis 159, auch Dekosama starker gehoben. Jndustrieobligatio- nen wurden weniger umgesetzt, hier zeigte sich teil­weise uneinheitliche Kursgestaltung, so bei 5 v H. Gelsenberg, die auf 102,75 nach rund 104 v. H. zu­rückgingen. Stadtanleihen ohne Aenderungen. In Pfandbriefen hielt die Nachfrage an und die Notie- rungen haben sich ohne Unterschied, ob sofort ober später kündbar wieder auf 102,50 erhöht, die Zu­teilungen mußten durchweg stark beschränkt roer­ben, Da kaum nennenswertes Material heraus- kommt.

Im Freiverkehr zeigte sich laufendes Inter- effe bei langsamen, aber stetigen Kursbesserungen. Im Telephonverkehr erfreuten sich Kleinbahnaktten befonberer Beachtung. Tagesgeld, das einige Tage lang auf 2 v. H. gehalten würbe, erfuhr im Laufe der Berichtszeit eine Ermäßigung auf ben alten Stand von 1,75 v^H. Schn.

AnWchllingaufKorftll

Vornan von gelnz Lorenz-Lambrecht

40. Fortsetzung. (Nachbruck verboten.)

Beate lächelt. Es ist ein durch viele Regungen be­hindertes Lächeln. In ihren Augen liegt ein Stau­nen, sie muß wohl Enzios Erscheinen wie ein Wun­der in sich aufnehmen. Sie fühlt, daß Viktor sie ansieht. Da geht ein kleines Erschrecken über sie hin. Sie wendet ihm scheu den Blick zu und senkt dann, wie schuldbewußt, den, Kopf.

Viktor aber ist voll heimlicher Freude, einer Freude der Erlösung, wieder zu sich selbst zurück- zukehren. Enzio war in letzter Stunde als sein Retter erschienen. Enzio, der ihm mit Anna Mana zusammen stets wie eine unlösliche Zweieinigkeit vorgekommen ist, hat ihm mit einem Schlag Ancia Maria wieder ganz nah gebracht. Enzio, den er liebt wie einen Sohn, sitzt jetzt Beate gegenüber, die ihm in den wenigen Tagen so sehr oertraut gewor­den ist. Er sieht, wie sich die Augen der beiden suchen und meiden.

War bas der geheimnisvolle Sinn, der ihn zu dieser Reise trieb, daß er diese beiden jungen Men­schen zueinanderführte? Das zarte, eben erwachende deutsche Mädchen, die Tochter seiner großen Liebe aus einem früheren Leben, und Enzio, den Sohn der Frau, die ihm den Boden bereitete für fein heutiges Leben! Welch wundersame Verkettung!

Enzio deutet Beates Bedrücktheit falsch. Er glaubt, sie mit seinen Worten verletzt zu haben und wendet sich Viktor zu:Ich habe sie wohl beleidigt, Viktor? Es tut mir so leid. Sage ihr das. Ich kann es nicht so recht ausdrücken. Sie ist so bezaubernd, und ich mußte sagen, was ich fühlte."

Beate hob sei seinen ersten Worten ben Kopf. Jetzt sieht sie Viktor an. Er übersetzt ihr. was Enzio sagte und fügt hinzu:Ich werde ihm sagen, daß er dich nicht beleidigt hat, Beate, sondern daß du dich gefreut hast über seine Worte, nicht wahr?"

Sie sieht ihn mit einem unbeschreivlichen Aus­druck an. Sie wünscht sicher aus ganzem Herzen,

daß Viktor Enzio das sagen möge, aber wie kann sie das offen zugeben, ohne sich als treulose Ab­trünnige Viktor gegenüber vorzukommen. Leise stößt sie hervor:Nein, nein, das sollen Sie ihm nicht sagen, bitte, nicht!"

Enzio hat ben Zusammenhang zwischen Viktors unb ihren Worten nicht recht verstanden. Ungedul­dig fragt er:Was hat das Fräulein gesagt, Vik­tor V

Viktor lächelt:Es sagt, daß es noch reichlich jung sei. Für wie alt hältst du Fräulein Beate?"

Für achtzehn", sagt Enzio, nachdem er Beate einen Augenblick angesehen hat.

Sie ist erst sechzehn, mein Junge. Also verlange nicht zu viel. Es wäre vielleicht auch gar nicht so unangebracht, wenn du nicht vergessen wolltest, daß Beates Mutter bei uns sitzt." Es ist eine lieoevolle Zurechtweisung.

Enzio bekommt einen roten Kopf. Er macht eine Verbeugung gegen Thea.Ich bitte um Entschuldi- S, Signora", murmelt er und hält fein rückhalt- Stürmen auf.

Diese wenigen Minuten, die seit Enzios Auftreten verstrichen sinv, waren so inhaltsvoll wie offen. Sie enthielten für alle vier eine bedeutsame Entschei­dung für die Zukunft, und alle vier erkennen ober fühlen das auch schon. Am klarsten natürlich Viktor, der am meisten mit den verschlungenen Fäden ver­strickt, aber auch vertraut war.

2lls aus dem großen Saal eine neue Tanzweise erklingt, bitte Enzio Thea höflich, mit ihrer Tochter tanzen zu dürfen.

Beate erschrickt und fleht Viktor geradezu an, Enzio zu sagen, daß sie doch noch gar nicht tanzen könne. Noch sträubt sie sich gegen ihren Abfall von Viktor, der doch schon besiegelt ist.

Zu ihrem Glück zeigt sich Diktor erbarmungslos gegen ihr Flehen. Er sagt:Aber du tan^eft wun- dervoll, Beate. Davon habe ich mich überzeugt, und davon konnte sich auch Enzio schon überzeugen, als er uns tanzen sah. Du kannst ihm den Tanz nicht gut abschlagen Beate wird sehr gern mit dir tanzen, Enzio."

Enzio steht schon. Da erhebt sich auch Beate, um bedrückt zu tun, was sie aus ganzem Herzen wünscht.

Als die beiden verschwunden sind, sehen sich Thea und Viktor bedeutsam an.

Dann sagt Viktor heiter:Nun, Thea? Was habe ich dir prophezeit. Es wird sich geben mit Beates Schwarm. Es hat sich schon gegeben."

Offenbar. Ich bin erstaunt."

,Hch nicht. Diese beiden sind doch wie geschaffen für einander." v

Nana. Das kannst du nicht so genau wissen."

Doch. Das weiß ich sehr genau, Thea", sagt Viktor mit einer so frohen und starken Ueberzeugung, daß sie ihn überrascht ansieht. Er fährt fort:Es mußte so kommen. Ich mußte dir unb Beate in Genua folgen, damit deine Tochter hier Enzio kennen­lernen konnte und ich wieder meinen Weg sah."

Seine letzten Worte müssen für Thea rätselhaft sein.Da mußt du mir erklären."

Er sieht sie ruhig an:Ja. Das muß ich wohl, Thea. Ich hätte dir schon manches ftüher erklären sollen. Ist dir bei dem Namen Ansaldi nichts auf- gefallen?"

Natürlich. Es ist der Name, den auch die Firma trägt, in der du tätig bist. Ansaldi ...

Der Name tjat einen auten Klang in ganz Ita­lien. Du könntest in dieser Hinsicht also sehr be­ruhigt fein, wenn Enzio und Beate heiraten wür­den."

Thea machte eine abwehrende Geste.

Viktor fährt fort:Ich weiß, was du sagen willst. Daß du so weit noch nicht denkst. Nun war­ten wir es ruhig ab. Für mich selbst hat der Name Ansaldi eine tiefere Bedeutung. Enzios Mutter, Maria Ansaldi, ist eine Dechsche, eine Verwandte des Kameraden, mit dem ich damals die Flucht unternahm, um nach Deutschland äu dir zurück- zukommen. Maria Ansaldi war es. Die mich vom ersten Tag ab, als ich schwer krank in Genua lag, wie eine Mutter betreut hat. Sie hat mir geholfen es mir überhaupt ermöglicht, mir ein neues Leben aufzubauen. Enzio kenn ich seit seinem neunten Jahr. Er hat noch eine Schwester. Ancia Maria. Ich bin mit chr verlobt, ich werde fit hei­raten.-

Jetzt muß sich auch Thea endgülttg über ihr Ver­hältnis zu Viktor klar sein. Sie wendet langsam die Augen von ihm ab und sieht vor sich hin. Nichts in ihrem Gesicht verrät, was jetzt in ihr vorgeht. Nichts läßt darauf schließen, daß eben eine Hoff­nung, die erst vor wenigen Tagen neu auflebte, vernichtet wurde.

,Lchea ...!" Viktor mahnt leise.

Sie hebt den Kopf:Warum hast du es mir nicht schon früher gesagt?" Ihre Stimme ist ein menig klanglos und müde.

Ich weiß nicht, Thea. Ich war in einem fo schrecklichen Zustand. Als ich Beate in Genua sah, überfiel mich ein Bann, von dem ich erst vorhin durch Enzios Erscheinen befreit worden bin. Ich kämpfte täglich mit dem Entschluß, es dir zu sagen und nach Genua zurückzufahren. Nein, es war kein rechter Kampf. Ich lieh mich treiben. Zwischen Ancia Maria unb Beate unb dir hin und her. Jetzt erst erkenne ich den Sinn dieser Reise."

Enzio und Beate?"

$a. Enzio und Beate!" Viktor sieht mit abwe­sendem Blick in den Saal, in dem das Wogen der Tanzenden in lichten Farben schimmert. Dann sagt er leise:Ist es nicht ein schöner Gedanke, daß Enzio, den ich wie ein Sohn schätze, und Beate, deine Tochter, einmal einander angehören werden? Sie werden zum Bindeglied meiner beiden Lebens- abschnitte." Er lächelt versonnen, wird bann ernst: Es ist wie ein Symbol. Ich bin wie ein gespal- tener Mensch, Thea. Wir alle, die wir in der glück- seligen Zeit vor dem Krieg aufgewachsen sind, wir olle sind wie gespaltene Menschen. Die heutige neue Generation erst kann diese Kluft heilen und selbst wieder zu einem Ganzen werben. Könnte man nicht sogar sagen, das Zusammengehen zwei solch junger, unbeschwerter und neuer Menschen ist wie ein Symbol für die Vereinigung unserer Völker, die durch die Kraft ihrer Wiedergeburt ein neuer Zeitalter einleiten?"

Viktor schweigt und sieht mit glänzenden Augen vor sich hin.

(Fortsetzung folgt)