Donnerstag, II. September Ml
und
Berlin, 10. September. (DNB.) Die Briten
von ihrer N o n -
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DerGuez-Kanal unter deutschenBomben
Das Cnde der Wolgadeutschen
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geschehen, daß dieses fleißige ozher Kampf um Dn epr-Bruckenkopf.
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Der Wehrmachiberichi.
DRV. Aus dem Führerhauplquartier. 10. September. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3in Osten stetige Angriffserfolge.
3n Rordafrika griffen deutsche Kampfflugzeuge in der Rächt zum 9. September den Flugplatz Abu Sueir am Suezkanal an. 3n hallen und velrlebsstofflagern entstanden heftige Vrände. 3m Großen Bitter-See erhielt ein Frachter einen Bombenvolltreffer. 3m Golf von Suez wurde ein weiteres Handelsschiff schwer beschädigt. Weitere erfolgreiche Luftangriffe richteten sich gegen Hafenanlagen in Tobruk sowie gegen britische Flugplätze und Bahnanlagen in Rord-Aegypten. 3n der vergangenen Rächt griff ein stärkerer Verband deutscher Kampfflugzeuge den Flugplatz 3 s - mailia an.
Kampfhandlungen des.Feindes über dem Reichsgebiet fanden weder bei Tage noch bei Rächt statt.
Berlin, 10. September. (DNB.) In der zwei, ten Augusthälfte fügte am Unterlauf des Dnjepr ein Panzerkorps den Bolschewisten empfindliche Verluste zu. Die Sowjets hatten vergeblich versucht,
Englands gescheiterte Aon-Stop-Offensive
Seit dem 22. Juni mehr als 1200 britische Flugzeuge verloren.
haben mit Beginn des Kamvfes im Osten ständig S t o p - O f f e n s i v e am Ka-
bardiert und überall die Sowjets in der Luft am Boden vernichtet, wo sie sie traf. Nicht anders hat die deutsche Luftwaffe in Tobruk und am Suez-Kanal, Alexandria und über Malta ihre Wirkungskraft für den Erdkampf wie bei der Zerstörung von Anlagen und Schiffen Tag für Tag unter Beweis gestellt. Die letzten Wochen haben wieder einwandfrei die Ueberlegenheit der deutschen Luftwaffe über die britischen und sowjetischen Luft-
Oeuische Pioniere.
Berlin, 10. September. (DNB.) In harten Stratzenkämpfen räumten deutsche Pionierstotztrupps in der zweiten Augusthälfte sowjetische Wider st a n d s n e st e r in einer heitz umkämpften Stadt am Dnjepr aus. Die Bolschewisten hatten sich in den Kellern festgesetzt und leisteten unter Ein« satz von Maschinengewehren zähen Widerstand. 150 Meter vor einer Dnjepr-Brücke erhielt ein deutscher Pionier st otztrupp heftiges MG.° Feuer aus einer Panzerkuppel, die unmittelbar an der Brückenauffahrt eingebaut war. Gleichzeitig wurden die Pioniere aus sowjetischen Feldstellungen rechts und linfs der Brücke beschossen. Unter dem Feuerschutz ihrer Maschinengewehre arbeiteten sich die Pioniere mit Flammenwerfern, Handgranaten und geballten Ladungen bis nahe vor die Panzerkuppel und die Feldstellungen heran. Wenige Meter trennten die Pio- niere noch von dem sowjetischen Widerstandsnest, da sprang einer der Pioniere in kühnem Sprung a u f die Panzerkuppel und steckte Handgranaten in die Scharten. Zur gleichen Zeit bran- gen die anderen Stoßtrupps in die Feldstellungen ein und überwältigten die Bolschewisten im Nahkampf. Damit waren die letzten Widerstandsnester ausgeräumt. 40 Soldaten wurden gefangengenommen.
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Ein deutsches Jagdgeschwader unter Führung seines Kommodore, Major Handrick, hat an der Ostfront den 5 0 0. Gegner im Luftkampf abgeschossen. Major Handrick ist der bekannte deutsche Olympiasieger von 1936 im Modernen Fünfkampf.
anu erwähnt, daß der Sprecher im Rund-l f--------- —„ — —?-,r - - - . .
funk in' seinen Erläuterungen zum Wehrmachtbe- nalgebiets, abe» auch von Alexandrien und sogar richt hervorhob, daß die Resttruppen der Sowjets von Kairo lebhaft erörtert wird.
im Dorgelände von Leningrad einge-I
besitz, und so konnte es
Geschlecht endlich zu materiellem Wohlstand und kultureller Bedeutung kam. Aber die Mißernten vor etwa,60 Jahren vertrieben schon viele der Siedler nach Südamerika, Kanada und Australien.
Während des Weltkrieges fetzte eine brutale
streitkräfte bewiesen.
Der italienische Lustangriff auf Haifa.
Explosionen nnd Feuersbrünste in den Petroleumlagern.
Nach der Sondermeldung von dem Erreichen der Newa durch schnelle deutsche Divisionen begnügt sich der Wehrmachtbericht vom 10. September nut dem lakonischen Satz: „Im Osten stetige An- arif f serfolge." Immerhin jei in diesem Zusammenhang erwäs
nal ^mb gegen das Reich zur Entlastung .der Sowjets gesprochen. Ihre Angriffe wurden von Anfang an durch die deutsche Luftwaffe, Jäger und Flak, durch Seestreitkräfte und Marineartillerie mit schweren Verlusten für die Briten iurückgeschlagen, daß ihre Non-Stop-Offen- ive zur Nonsens-Offensive wurde. Verloren sie doch eit dem 22. Juni bis zum 9. September mehr Ia 15 1 2 0 0 Flugzeuge. Die Briten sehen ihre Non-Stop-Offensive selbst als kläglich gescheitert an, denn seit einer Reihe von Tagen haben sie ihre Eingriffe am Kanal und auf die besetzten Gebiete nicht mehr ausgenommen. Sie haben sich wieder in das Dunkel der Nacht zurückgezogen und greifen die deutsche Zivilbevölkerung an. Aber auch bei diesen Nachteinflügen in das Reich werden sie von der deutschen Abwehr schwer getroffen, wie sie selbst zugeben müssen, nachdem sie beim letzten Angriff auf Berlin 21 Flugzeuge v"erloren.
Die deutsche Luftwaffe dagegen hat ihre
Annahme von Anzeigen für die MittagSnummer bis 8'/.Uhr des Vormittags
Anzeig en-Preiie:
Anzeigenteil 7 Rpf. te mm bei 22 mm Zeüenlrreite, Tertteil 50 Rvf. le mm bet 70 mm Zeilenbrette
Nachlässe:
Wiederholung Malstaffell Abschlüsse Mengenstastel B Platzoorschritt (vorherige Vereinbarung) 25°/« mehr
haben.
Die Selbstbeschränkung, die sich der Wehrmachtbericht über die Ostfront auferlegt, steht in einem gewissen Gegensatz zu der Unterstreichung Der erfolgreichen Kampsfliegerangriffe auf die Flugplätze Abu Sueir und Jsmailia am Suezka - nal sowie auf Handelsschiffe im Suezkanal ober im Golf von Suez. Damit wird die Aufmerksamkeit auch breiter Kreise in Deutschland aus den Einsatz der Luftwaffe gelenkt, die immer wieder das Gebiet des Suezkanals zum Ziel nimmt. Vom 6. August bis 9. September find auf den Suezkanal 49 Angriffe geflogen worden gegen 40 Angriffe im Mai, Juni und Juli. Angesichts des Interesses an den Vorgängen im Osten mag dieser Einsatz von manchem aufmerksamen Leser der Wehrmachtberichte nicht in seiner ganzen Bedeutung sofort erfaßt wyrden sein. Die Angriffe machen aber ver- stündlich, daß in Aegypten die Räumung des Ka-
^Die Wolgadeutschen stellen eine Volksgruppe bar, die etwa im Jahre 1770 die Heimat in Westdeutsch- land verlieh, um dem Ruf der Zarin Katharina an die Wolga zu folgen. Später haben auch Mennoni- ten aus der Danziger Gegend den Weg dorthin ein- geschlagen. Die deutschen Bauern siedelten tn Den ehemaligen Gouvernements Saratow unb öotpuray ■,u beiben Seiten des Wolgastromes Die ekften u Generationen haben durch Ueberschwemmungen unb Seuchen große Entbehrungen auf sich genommen. Sie wären zugrundegegangen, wenn nicht ihr Bestand durch großen Kinderreichtum "NNffer neu gesichert worben wäre. Sie gründeten etwa 3UU Dörfer, jede Familie erhielt einen stattlicheii stano-
einen Brückenkopf auf dem Westufer des Dnjepr zu halten. Die zäh sich verteidigenden Bolschewisten wurden von dem Panzerkorps in dreitägigem Gefecht bis an den Strom zurückgeworfen. 9600 Bolschewisten wurden gefangen- aenommen, 98 Panzerkampfwagen sowie 108 Geschütze wurden erbeutet. Außerdem wurden sechs Flugzeuge erbeutet.
(91* Jahrgang Nr. 2(6
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Unter der persönlichen Leitung von Stalin wird die „Aussiedlung" d e r W o l g a d e u t s ch e n aus ihrer jetzigen Heimat erfolgen, die nach allen bisherigen Vorbildern einer Ausrottung gleichzu- setzen ist. Das erste Amt, das Stalin in der Sowjetrepublik übernahm, war dasjenige eines Volkskommissars für die Nationalitäten. Finnen und Wolgadeutsche haben im Laufe von zwei Iahrzehn- ren erfahren, was diese Einrichtung in der Sowjetunion zu bedeuten hak. Die Deutschen an der Wolga zählten einst 2,5* Millionen Köpfe, selbst nach sow- jetischen Eingaben zählt die Wolgarepublik jetzt nur noch 400 000 Einwohner. Das heißt, daß im Verlauf der letzten Jahrzehnte z w e i M i l l i o n e n deutscher Bauern „liquidiert worben sind, vertrieben, entrechtet und hn Elend verkom-
kesselt find, unb zwar im Gebiet des oft genannten Flusses Luga. PK.-Breichte gaben em anschauliches Bild davon, baß auch ber wichtige Bahnknotenpunkt am unteren Wolchow, von bem die Murrnan-Bahn abzweigt, in deutscher Hand ist. Arn mittleren Teil ber Front mürbe ein wichtiger Brückenkopf jenseits der Desna gebilbet, wobei an- greifenbe Sowjetflugzeuge abgeschossen ober zum Abbrehen gezwungen würben. Auch hier gaben PK.-Berichte eine beutliche Vorstellung ber Kampfe, die bie Sowjets unter bem Stichwort „Stalin- Offensive" zur Entlastung im Norben gestartet
erfolgreiche Angriffstaktik bei Tage unb bei Nacht stänbig fortgesetzt. Sie hat bei sehr geringen eigenen Verlusten bie Hafen- ' unb sonstigen militärischen Einlagen in Schottland und an der britischen Küste immer wieder wirkungsvoll bombardiert. Sie hat die Seefahrt um die britische Insel weiterhin täglich mit Versenkungen vieler wertvoller Frachter und Beschädigung' vieler Handelsschiffe zu einer Fahrt auf den Schifssfriebhof um die Insel gemacht. Sie ist auch in ihrer Wirkungskraft über unb um Britannien nicht durch ihren Kampf an der Ostfront beeinträchtigt. Die deutsche Luftwaffe hat an der Ostfront stets mitentscheidend in den Erdkampf eingegriffen, die Nachschubwege ber Sowjets bauernd zerstört, Schiffe in großer Zahl im Finnischen Meerbusen, im Ladogasee, im Schwarzen Meer versenkt, Moskau und Leningrad schwer dom-
Versolgung der Deutschen ein, von denen Zehn-, tausende nach Sibirien verschleppt mürben* DeV< Bolschewismus erklärte das Wohngebiet beut- scher Bauern an ber Wolga zu einer „autonomen Republik". In ihrem Raum siedeln etwa 65 v. H. deutscher Bauern, der Rest besteht aus Angehörigen anderer Nationen. Die Bolschewisten haben bie „Autonomie" lebiglich als ein Mittel angewandt, bfe fleißige deutsche Bauernbevölkerung politisch leichter terrorisieren zu können. Verschiedene Städte des Gebiets wurden mit marxistischen Namens- bezeichnungen versehen, so die Hauptstadt Engels, auch etn Ort namens Marxstadt ist vorhanden.
Die Wolgatzeutschen^sind trotzdem ihrer bäuerlichen Gesinnung treu geblieben und haben sich um die politischen Parolen Moskaus wenig gekümmert. Eine eigene Führerschicht haben sie aber nicht besessen, dafür hat ber Bolschewismus gesorgt. Da bie Deutschen zck ben größeren Besitzern („Kulaken") gezählt mürben, maren sie in besonberer Weise bem Terror unb ber wirtschaftlichen Vernichtung ausgeliefert. Stalins Absicht, ben Rest biefes Volkstums nach Sibirien zu vertreiben', bebeutet praktisch Mgsfenmorb. Selbst in Amerika und in Eng- twllv fuchp man nach plausiblen Gründen, um diese neue Schandtat des bolschewistischen Bundesgenossen zu entschuldigen. Sie ist eine deutliche Illustration vom Schuß des Privateigentums, vom Recht des einzelnen' und von der Erhaltung der kleinen Völker, also von Grundsätzen, von denen in .England unb USA. jeden Tag laut gesprochen wird.
Rom, 11. Sept. (DNB. Funkspruch.) lieber Luftangriff auf bie Petroleumanlagen in Haifa, bem der italienische Wehrmachtbericht vom Mittwoch sprach, meldet Elgentur Stefani, daß der Eingriff von einem starken italienischen Kampfverbanb burchgeführt wurde. Anflug unb Angriff spielte sich bei ausgezeichneter Sicht ab. Ein einer bestimmten Stelle des Anflugs trennten sich einige Flugzeuge von bem Verband, um bie Insel Cypern anzugreifen. Diese Kampfflugzeuge belegten, nachdem sie einen Angriff englischer Nachtjäger abgewiesen hatten, bie Hafenanlagen von Famagosta mit Bomben. Die Hauptformation überraschte bie Luftverteidigung von Haifa. Der Vollmond lieh die italienischen Piloten die P e t r o l e u m l a g e r sofort erkennen. Gleich bie ersten Spreng- und Brand- bomben waren Volltreffer. Mehrere Explo- fionen und riesige Feuerbrünste wurden beobachtet. Die vom Eingriff überraschte englische Abwehr blieb völlig wirkungslos. Die zuruckfliegenden Flugzeuge konnten noch auf weite Entfernung ausgedehnte Brände feststellen sowie neue Explosionen, die davon zeugten, daß sich die Brände auf weitere Petroleumlager ausgedehnt hatten.
Das pariser Milieu von heule
Bon unseren! Ste.-Berichterstatter.
Oie Murmanküste.
Bon Feldmarschalleutnant d. R.
Hugo Schäfer.
Die Sowjetunion ist ein Landkoloß, der sehr ungünstige Küstenverhältnisse hat. Im Fernen O st e n reicht die Sowjetunion bis an den Großen Ozean. Dort sind jedoch die Küsten im Winter monatelang zugefroren und bie Sowjetunion kann keine großen Kriegsschiffe borthin bringen. Die Sowjet-Kriegsschiffe im Pazifik sind besijalb nur kleinere Fahrzeuge (Torpebo- unb vor allem Unterseeboote), bie fast alle in zerlegtem Zustande mit ber Eisenbahn nach Wlabiwostok gebracht worben sinb. Die Pazifikhäfen konnten also weder nautisch noch strategisch als Hauptstützpunkte für eine Sowjet- Flotte in Betracht kommen. Im Schwarzen Meer finb hierfür die Verhältnisse schon günstiger. Die Häfen sinb bort ganzjährig eisfrei, haben große, erweiterungsfähige Arsenale unb sind strategisch gesichert Das große „Aber" bildet die El u s f a h r t ins Mittelmeer unb bie borkige operative Verwen- düng. Die Sowjetflotte wäre durch bie starken ita- lienischen Flotten, unb Fliegerkräfte ernsthaft bc- broht. Das Gros der Sowjetflotte befand sich im Baltischen Meer. Dort sind in Leningrad bie großen Arsenale. Das nahe K r o n ft a b t ist ber Hauptkriegshafen. Doch der Finnische Meerbusen ist im Winter vereist. In der anberen Jahres- zeit ist die operative Bewegungsfreiheit auf langer, schmaler unb gewundener 'Fahrt burch die Ostsee in bie Nordsee eingeengt unb gefährdet.
So bleibt noch bas vierte Kriegshafengebiet zu betrachten, bas der Sowjetunion gehört, die Mur- m a n k ü st e , wo die Kriegsmarine seit Jahren fieberhaft tätig war. Die Murmanküste liegt um fast 10. Breitengrabe bem Norbpol näher als Petersburg und liegt schon jenseits bes Polarkreises. Trotzdem ist dort am Eismeer das einzige Küstengebiet — abgesehen vom Schwarzen Meer — bas immer eisfrei bleibt. Diese klimatische Sonderheit verdanken die Dortigen Häfen dem warmen Golfstrom.
Als im Weltkrieg bas landgewaltige, aber inbu- striell schwache Rußland der Hilfe seiner Bundes-
tung ziehen können, da er aber nicht gegen Frauen Krieg führt, erteilte er ihr vor allen Mitreisenben bes Untergrundbahnwagens in ihrer Sprache eine Abfuhr, bie viel erzieherischer wirkte, weil unmittelbar gegeben: er erroibete nur: Ihr Mann hat im Weltkrieg meinen Vater getötet, also sinb wir, wenn wir schon so sprechen wollen, nur quitt! — Der angebotene Platz blieb leer, über bie Frau war vor allen ihren Lanbsleuten boch so beschämt worben, baß sie es vorzog, bei ber nächsten Haltestelle ben Wagen zu wechseln.
Spekulanten gab es in Krisenzeiten, wie Frankreich sie burchmacht, immer. Doch soll hier nicht vorn Schleichhandel bie Rede sein, fonbern von einer psychologischen Spekulation Der Bettler-Beruf ist schwieriger geworben: beim in Notzeiten verhärtet sich bas Herz der Menschen, bie keine nationale Gemeinschaft zu empfinben vermögen. Der Mut zur Tat, bie verboten ist und unter strenger Strafbrohung steht, ist nicht die Tugenb berer, bie noch etwas zu verlieren haben. Diese Ueberlegung machte sich ein Berufsbettler ber Großstadt Paris zunutze, ber früher an die Tränendrüsen seiner Mitmenschen appelliert hatte, um Almosen zu bekommen. Heutzutage würbe er ba in Paris nicht viel einsammeln können. Aber sein richtiger Trick ist, den betrunkenen be Gaulle-Anhänger zu spielen und lallend in ben bevölkerten Gängen ber Untergrundbahn, anscheinend an niemanden gerichtet, ein paar Ausrufe zu machen wie: „Die Englänber werden schon kommen ... wenn doch erst die Amerikaner landen wollten..." unb zwischen zwei Rülpsen murmelt er dann noch ein hörbares „Vive de Gaulle".
Die Vorübergehenden reagieren verschieben. Einige bekommen es mit ber Angst zu tun unb sagen, man müsse ben Mann schnell zum Schweigen bringen, denn wenn das die Deutschen horten...! Andere zucken mit ber Achsel unb sagen: der ist ja besoffen. Unb bann spricht eine würdige alte Dame mit einem unmürbigen Dogeihirn: aber der gute Mann hat boch eigentlich recht, denn wir haben alle nichts zu essen...! Noch ein anderer aber — unb auf diese Wirkung hat es ber gewiefte Bettler abgesehen — nimmt die Ausrufe für bare Münze, es sind feine eigenen Gedanken, die ber Zerlumpte ba ausspricht unb die er selbst nicht laut zu äußern wagte: als typischer Spießer lauft er sich für1 seine eigene Freiheit los, inbem er bem Radaubruder ein Gelbstück, vielleicht sogar eine Brotmarke in bie Hanb brückt, ihm ein Bravo ber Anerkennung zuflüstert und sich unerkannt aus dem Staube macht, sicher in ber Ueberzeugung, durch diese seine Tat ben Deutschen einen tollen Streich gespielt zu haben.
Was an ber französischen Bevölkerung nach diesem Kriege auffällt, ist eine typische Ermüdungs- und Alterserscheinung von Generationen, denen ohne zu viel Mühe ober Anstrengung zu viel Reichtum und Bequemlichkeit in den Schoß gefallen waren unb die ihr Leben verweichlicht hatte. Dieser Einstellung entspricht jene Abwartepolitik, die auf Den Sieg Englands wartet in der Auswirkung ähnlich wie bie, die die aktiven Beschlüsse für die Zeit bes Friedens, wenn also bie letzte Entscheidung und ber Ausgang des Krieges unwiderruflich vorliegen, Vorbehalten will —, bie zu möglichst wenig verpflichtet. Ob sie Frankreich vorwärtsbringt, ist zu bezweifeln, aber bas ist Sache der Franzosen. Diejenigen, die die nationale Revolution, die Marschall Pötain bejaht, in die Tat umsetzen wollen, sind über die nutzlos verstreichende, für Frankreich verlorengehenbe Zeit untröstlich und kennzeichnen bie nationale Revolution, so wie sie sich jetzt dar- stellt, als einen Tanz mit einem Schritt vorwärts und drei Schritten zurück.
(Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Paris, Einfang September 1941.
Nicht bie gesamte Bevölkerung Frankreichs steht geschlossen hinter Marschall Pötain, ber über .bie nationale Revolution, bie bie Mängel unb Fehler Der früheren Regierungsform bes bemokratischen Parlamentarismus jübisch-internationaler Prägung überroinben soll, bas neue Frankreich aufbauen will. Er bejaht zu diesem Zweck — und in dieser Hoffnung — bas neue Europa unb hat in feiner letzten Botschaft an bas französische Volk sich auch neuerlich roieber verpflichtend barauf festgelegt. Allerdings verweist er bie Verwirklichung auf bie Zeit nach ber Beerdigung bes Krieges, also auf ben Frieden, während Frankreich zur Zeit n u r unter einem Waffen st ill st and lebt. Die grundsätzliche Verpflichtung ist ba, die praktische Durchführung in Frankreich aber nicht- verwirk- %a5 Urteil des französischen Marschalls macht also bei ber Feststellung ber gegebenen Notwendigkeiten Halt unb sieht davon ab, sofort zur Tat überzugehen, solange bie Tat bas Risiko einer noch nicht ganz abgelaufenen Periode in sich schließt. Ob Frankreich mit dieser Abwartepolitik — soweit cs die Taten angeht —, mit einer nur grundsäßlichen Entscheidung zugunsten der neuen Europa-Gestaltung im Sinne Deutschlands recht hat oder nicht, wird sich später zeigen müssen. Denn wenn zwar gute Absichten gefaßt, aber vorläufig nicht in bie Tat umgesetzt weiden, so ist bas nur ein halber Entschluß, unb in ber Auswirkung unterscheidet er sich nicht sehr von der Abwartepolitik jener Fran- zosen, die insgeheim auf einen englischen Sieg hoffen, ber Frankreich erlösen könnte. Die französische Regierung bekämpft — im Sinne ihrer grundsätzlichen Festlegung kuf das neue Europa unb in Anbetracht der gegebenen Lvge — natürlich bie Inffroe HZwarteWlitik der ve Gaulle-Hörigen unb geht'gegen sie vor. Das ist sie auch ihrer eigenen Stellung schuldig.
Sie hat also innerpolitisck-e Gegner, auch wenn diese unter den gegenwärtigen Umständen nur im Verborgenen wühlen. Diese Gegner sind auch d i e Feinde Deutschlands, die die Niederlage Frankreichs nicht wahr haben wollen unb die ba glauben, einem aussichtslosen Widerstand ober einer Auflehnung bas Wort reben zu sollen. Die Aktivität dieser Feinde ist beschränkt, denn sie wissen, welche Sühne ihrer wartet, wenn sie erwischt werden. Immerhin summiert sich einiges, wenn man bedenkt, daß diese Kreise sowohl aus reaktionären de Gaulle-Anhängern als auch aus ben verbotenen kommunistischen Organisationen stammen, bie sich so wieder zusammenfinben. In der gleichen Absicht, Die Ruhe unb Drbnung ohne strengere Maßnahmen aufrechtzuerhalten, warnt ber Militärbefehlshaber in Frankreich ifn besetzten Gebiet vor Versuchen kommunistischer Propaganba unb Marschall P^tain verbietet im unbesetzten Gebiet jebe parteipolitische Betätigung. Warnung wie Verbot sind angebracht. Das zeigen kleine Vorfälle aus bem täglichen Leben, deren Bebeutung nicht übersck>ätzt werben soll, bie aber als Zeiterscheinungen doch erwähnenswert sind.
Bot ba neulich in der Untergrundbahn in Paris ein deutscher Soldat einer Frau von gewissem Alter seinen Sitzplatz.an: sie, die Zivilistin, bie schließlich nicht gegen die deutschen Truppen Krieg führen kann, verzog ihr Gesicht und ließ sich zu der Antwort hinreißen, sie wolle einen Sitzplatz nicht einem Manne verdanken, ber in biesem Kriege ihren Sohn getötet habe. Der junge beutsche Solbat, ber , französisch konnte, hätte die Frau zur Verantwor-
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oderhefsen rassg*“


