Ausgabe 
11.1.1941
 
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U./12. Januar 1941

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Blatt

eine tiefe und

eichsmarschalls mit

feiner Luftwaffe die er in wenigen Jahren aus

Arterienverkalkung

Einige Tage vor dem Ausbruch der Kampfhand­lungen zwischen deutschen und holländischen Trup­pen hat die seinerzeitige Haager Regierung noch auf

klopft, aus all diesen Bildern spricht herzliche Verbundenheit des Reichs

Mussert und die AGB.

Kampf und Ziel der niederländischen Nationalsozialisten.

ii.

Den Haag, im Januar 1941.

Allmählich wurde die Hetze gegen die NSB., die von allen anderen Parteien als derAnwalt Deutschlands und Italiens" bezeichnet und bekämpft wurde, so stark, daß sie sich zu einem allgemei­nen Terror und Wirtschaftsboykott auswuchs. Die Regierung gab dabei das Vorbild. Provinzen und Gemeinden folgten, danach auch die Gewerkschaften, zahlreiche Vereine und Wirt­schaftsunternehmungen und schließlich auch viele Privatleute. Die Verbreitung der NSB.-Presse wurde durch behördliche Verbote stark behindert und eingeschränkt, der Erlaß eines Uniformverbotes machte öffentliche Aufmärsche zur Unmöglichkeit, und allen Beamten und Offizieren wurde mit so­fortiger Entlassung gedroht, wenn sie sich zur NSB. bekennen würden. Langsam, aber sicher wurde jedes gute Wort, das man über Deutschland oder Italien zu sagen wagte, entweder unmöglich gemacht oder alsunniederländisch" verurteilt.

Während die Mitglieder der NSB., von ihrer Liebe zu Volk und Heimat getrieben, die Politik des Völkerbundes, das System der kollektiven Sicherheit und die einseitige Ausrichtung der nieder­ländischen Außenpolitik nach Westen bekämpften und als verhängnisvoll für das niederländische Volk be­zeichneten, wurden sie mit den schlimmsten Ver­leumdungen überschüttet und schließlich als Lan­desverräter beschimpft Dabei hat der hi­storische Gang der Entwicklung den häufigen ein­dringlichen Prophezeiungen und Warnungen Mus- serts vollkommen recht ge geben, und heute müßten eigentlich alle diejenigen als Landes­verräter am Pranger stehen, die damals eine ge­rechte Beurteilung des nationalsozialistischen Deutsch­lands verhindert und an der zunehmenden Verfrem­dung zwischen den stammesverwandten Völkern Deutschlands und der Niederlande die Schuld ge­tragen haben.

Hermann Göring.

Zum 4k. Geburtstag

des Reichsmarschalls Grotzdeutschlands.

Wir haben seit Kriegsbeginn sei es in der Wochenschau oder in den Zeitungen und Zeitschrif­ten viele Bilder des Reichsmarschalls Hermann ©Öring gesehen. Am eindrucksvollsten sind jedoch stets diejenigen, die ihn inmitten der Luftwaffe, i m Kreise seiner Flieger, zeigen. Ob er einem tapferen Offizier eine Auszeichnung überreicht, ob er einem einfachen Soldaten, der sich bei zahlreichen Feindflügen hervorgetan hat, auf die Schulter

Ianb hoher Blutdruck mit Herzunrube, Gchwindeigefuhi, Nervosität, Ohren­sausen, Hirkulaüonosiörungen werden durch Antisklerosin wirksam be­kämpft. Enthält u a.BlutsnIze und Mreielaufbormone. Greift die Beschwer- ven von verschiedenen JUd) hingen her an. Packung 60 Tabi. X 185 in Apotheken. Hochinteressante Aufklärungsschrift liegt ,eder Peikung bei'

1934 das preußische Innenministerium an den Reichsinnenministtr Dr. Frick ab. Im Juli 1934 ernannte ihn der Führer zum Reichsforst- und Jägermeister, im Frühjahr 1935 wurde er Ober­befehlshaber der von ihm neugeschaffenen Luft­waffe. Im April 1936 wurde Göring von Adolf Hitler mit der letzten Entscheidung in allen Fragen der Rohstoff- und Devisenbewirtschaftung betraut; im Oktober des gleichen Jahres wurde er Beauf­tragter des Führers für den zweiten Dierjahres- plan. Die Tätigkeit Görings, gerade im Dienste der deutschen Wirtschaft, hat ihren Ausdruck besonders in den Hermann-Göring-Werken, dem größten In­dustrieunternehmen Europas gefunden. So schufen die Tatkraft und der eiserne Wille Görings dem Reich binnen weniger Jahre die Grundlagen wirt­schaftlicher Selbständigkeit; er stutzte damit auch die erfolgreiche Außenpolitik des Führers und ermög­lichte den Aufbau der starken deutschen Wehrmacht, den er selbst auf dem Gebiet der Luftwaffe leitete.

Kurz vor Kriegsausbruch, am 30. August 1939, wurde er Vorsitzender des Ministerrats für die Reichsverteidigung. In feiner Reichstagrede vorn 1. September 1939 verkündete der Führer, daß- ring zu feinem ersten Nachfolger bestimmt sei. Wenn Deutschland in den 16 Monaten, die dieser Krieg währt, nicht nur militärisch, sondern auch politisch und wirtschaftlich so große Erfolge er­rungen hat, so hat der Reichsmarschall daran einen sehr wesentlichen Anteil. Das wird ihm der Füh­rer und das deutsche Volk niemals vergessen. Die Wünsche der gesamten Nation vereinigen sich darin, daß dem Reichsmarschall noch viele Jahre erfolg­reichen Wirkens im Dienste an Großdeutschland be- schieden sein mögen.

raffinierte Art und Weise den Versuch gemacht, dem gegen die NSB. gerichteten Vorwurf des Landes­verrats einen realen Hintergrund zu geben. Ohne eine stichhaltige juristische Begründung wurden ur­plötzlich führende Mitglieder der NSB., wie nament­lich Rost van Tonningen, verhaftet und abge- füyrt. Bereits in den Monaten davor hatte man hundertfache Haussuchungen bei NSB.-Mitgliedern vornehmen lassen, ohne daß jedoch dabei irgend­welche Waffen oder anderes belastendes Material aufgefunden werden konnte.

Am Morgen des 10. Mai und auch noch an den folgenden Tagen wurden dann erneut Taufende von namhaften NSB -Mitgliedern zugleich mit zahl­reichen reichsdeutschen Männern und Frauen ver­haftet und in Konzentrationslagern un­tergebracht, wo sie auf die unwürdigste Weise be­handelt, ja sogar mißhandelt wurden. Gleichzeitig wurde über den Rundfunk das tendenziöse Gerücht verbreitet, daß NSB.-Anhänger an verschiedenen Stellen des Landes auf holländische Truppen ge­schossen oder Ueberfülle auf öffentliche Gebäude ver­übt hätten. Dabei wußte man ganz genau, daß diese niederträchtige Anklage völlig grundlos war weil die NSB.-Anhänger bereits in den Gefäng­nissen schmachteten und daher schon aus diesem Grunde zu irgendwelcher Aktion gar nicht in der Lage waren.

Wenn trotzdem in manchen holländischen Städten und Ortschaften, vor allem zur Nachtzeit, erbit­terte Straßenkämpfe stattgefunden haben, so hatte dies seinen Grund darin, daß der hollän­dische Generalstab gleichfalls über den Rund­funk die lügnerische Behauptung hatte verbreiten lassen, daß deutsche Fallschirmjäger t n Zivilkleidung oder sogar in holländi­schen Uniformen abgesprungen seien Auf diese Weise wurde eine unbeschreibliche P a n i k st i m - m u n g erzeugt, so daß es häufig vorkam, daß hol­ländische Soldaten sich gegenseitig beschossen oder beim geringsten Verdacht auch das Feuer auf Harm lose Passanten eröffneten Obwohl dieser Vorwurf des Landesverrates völlig sinnlos war, hat diese gewissenlose Hetze doch dazu geführt, daß während der Maitage zehn Mitglieder der NSB

Liebe und Verehrung, die dem Reichsmarschall ent­gegengebracht wird, daher Worte wieUnser Her­mann^, die ein äußeres Zeichen der tiefen Wert­schätzung und Verbundenheit find.

Hermann Goring ist sein ganzes Leden be­weist es sich selbst immer treu geblieben. Seine ganze Person hat er rückhaltlos in den Dienst der Nation gestellt. So war es kein Wunder, daß der alte Kampfflieger des Weltkrieges, der mit dem Pour le mdrite ausgezeichnet worden war, in der Zeit nach dem Zusammenbruch nicht wie so viele abseits stand, sondern sich einreihte in die Front derer, die unter Adolf Hitlers Führung den Kampf für ein neues und besseres Deutschland aufnahmen 1922 trat Hermann Goring der NSDAP, bei und übernahm die Führung der eben gebildeten SA Bei der Münchener Erhebung vom 9. November 1923 wurde er vor der Feldherrnhalle fchwer ver­wundet. Da er daraufhin von den damaligen Macht­habern gerichtlich verfolgt wurde, lebte er bis zu seiner Amnestierung 1927 in Italien und Schwe­den. 1930 wurde er der politische Beauftragte Adolf Hitlers in Berlin. Gerade bei dieser Aufgabe hat Hermann Göring in systematischer Arbeit den Weg vorbereitet, der schließlich zum 30. Januar 1933 ge­führt hat.

Die . Machtübernahme stellte Hermann Göring vor eine Fülle gewaltigster Aufgaben. Am 30. Ja­nuar 1933 wurde er Reichskommissar für die Luft­fahrt und das preußische Innenministerium, im April des gleichen Jahres preußischer Ministerprä- sident und Innenminister, im Mai zugleich Reichs­lustfahrtminister. Er führte energisch die Säuberung "der preußischen Verwaltung von den Parteibuch­beamten des Weimarer Systems durch; um die Reichsreform voranzutreiben, gab er am 1. Mai

Der Reichsmarschall bei seinen Fliegern.

(PK.-Eitel-Lange-Scherl-M.)

dem Nichts geschaffen und darin liegt nicht zu­letzt das Geheimnis des Erfolges dieser Waffe mit seinem Geiste erfüllt hat. Es ist der Geist der alten Kampfflieger des Weltkrieges Hermann Göring war ja der letzte Kommandeur des Richt- hofen-Geschwaders, den der Reichsmarschall als stolzes Vermächtnis in die junge Luftwaffe des Grvßdeutfchen Reiches herübergebracht hat. In diesem Geist ist die Luftwaffe bei Beginn des Polen­feldzuges angetreten und in diesem Geist wird sie mithelfen, England niederzuzwingen

Des ganzen deutschen Volkes Gedanken sind am 12. Januar, da der Reichsmarschall 48 Jahre alt wird, auf die überragende Führerpersönlichkeit die­ses. engsten Mitarbeiters des Führers gerichtet. Keiner hat so wie er an dem gewaltigen Aufbau­werk des Führers teilgenommen, keiner ist mit so großen und verpflichtenden Aufgaben betraut wor­den wie Hermann Göring, der trotz allen Ehren und Auszeichnungen, die ihm im Laufe der Jahre zuteil wurden, immer der alte geblieben ist und stets mitten im Volke steht. Daher die große

3n den heute erscheinenden Familienblattern beginnen wir mit der Veröffentlichung einer flein-n Serie von Aufsätzen, in denen unser Vlusikreferent Dr. fj e r m a n n Hering die Entwicklung und Bedeutung der Orchester- instrumente beleuchtet. Den Musikfreunden wird die kleine Aufsahreihe in der Zeit der winterlichen Konzerte nicht unwillkommen sein.

und auch der Bruder Musserts, der M Oberstleutnant seine Pflicht im Felde erfüllte von aufgeputschten Soldaten und Polizisten meuchlings ermordet wurden.

Seit dem 15. Mai, d. h. seit Beendigung der Kampfhandlungen und nach der Besetzung der Nie- derlande durch deutsche Truppen, hat für die Mus- sert-Bewegung ein neues Entwicklungssta- b i u m begonnen. Die NSB.-Mitglieder waren von den deutschen Trupven aus den Gefängnissen be­freit worden, und der Reichskommissar Reichs- Minister Seyß-Jnquart forgte schon bald nach seinem Eintreffen im Haag dafür, daß alle dis­kriminierenden Bestimmungen, die im Laufe der vergangenen Jahre zuungunsten der NSB. erlas en worden waren, aufgehoben wurden, so daß sich die Bewegung nunmehr endlich frei entfalten konnte. Bald hatte dann die NSB. einen nie getonn­ten Austrieb zu verzeichnen, denn ein beträchtlicher Teil des niederländischen Volkes sieht nunmehr, nach­dem der Nebel der einseitigen Beeinflussung und tendenziösen Hetze zerronnen ist, durchaus, daß das von der NSB. immer befürwortete Zusammen­gehen mit dem artverwandten deutschen Volk und die Verbindung mit dem großdeutschen Wirtschafts­raum die einzig richtige Politik ist.

Besonders aus den Kreisen der Landwirt­schaft hat die Bewegung einen starken Zustrom erhalten. Der größte Teil der Bauern und Gärt- ner, die in den vergangenen Jahren auf Grund der völlig verfehlten Politik ihre Erzeugnisse auf den Misthaufen werfen mußten und sich nur auf Grund staatlicher Krisenzuschüsfe mühsam über Wasser hal­ten konnten, erkennt heute, welche großen Möglich­keiten sich ihnen bieten, wenn sie zukünftig auf dem von Deutschland neugeordneten europäischen Festland für ihre Produkte reichlichen Absatz stnden werden. Der kürzliche Eintritt einer der maßgeb­lichsten landwirtschaftlichen Organisationen in die Bauernstont der NSB. muß um fo erfreulicher stimmen, als sich gerade der Bauer fein germani­sches Blut am reinsten bewahrt hat.

Während die Demokraten verschiedenster Fär­bung verschiedentlich noch immer nicht glauben woll­ten, daß ihre Rolle ausgespielt ist und fo manche Leute in der Errichtung einer neuen Partei, der .Niederländischen Union", ein Mittel ge- funben zu haben glaubten, mit dem man sich dem neuen Zeitgeist noch entgegenstemmen kann, hat Mussert in den vergangenen Monaten mehrfach deutlich die Hoffnung ausgesprochen, daß die Niederländer zu einem wertvollen Bestandtei 1 der germa­nischen Völkerfamilie werden mögen, übri­gens ein Ideal, das erstmalig bereits im Jahre 1931 propagiert worden war. Nachdem der Alpdruck be­hördlicher Unterdrückung und privaten Terrors und Boykotts beseitigt worden ist, kämpft die NSB in diesen Tagen darum, die Herzen des Volkes davon zu durchdringen, daß die Ni"derländer mit ihrer bodenständigen germanischen Kultur, ihrer eigenen Sprache und Veranlagung und einem wichtigen Auf­gabenkreis in der Welt als artbewußtes Volk in einer unverbrüchlichen Geistes- und Arbeitsgemein­schaft mit den übrigen germanischen Völkern unter der Führung Adolf Hitlers zusammenstehen müssen. Dies ist die naturgegebene, nicht nur geographisch, sondern auch geschichttich fundierte Parole, die Mus­sert und seine Mitkämpfer als das erstrebenswerte große Ziel und als das einzige Mittel, sich hiermit zugleich ihre Freiheit zu bewahren, ihren Volksge- noffen vor Augen halten.

Goldatenheimkehr.

Von Friedrich Georg Hantzsch.

Mühelos entführte uns der Lastkraftwagen aus Frankreich, das wir Schritt für schritt erkämpft hatten. Alles erschien uns, da es glücklich und sieg­reich überstanden, wie ein Traum, so schnell, fast Unwirklich, hatte sich alles vollzogen.

Zurück! Ein Befehl, der uns aus öpn weiten, fruchtbaren Tal der Mosel riß, aus fchwerbehange- nen Obstgärten und der Romantik kleiner stanzösi- scher Städte. Nun verschwand alles mit dem Tempo, mit dem es auf uns zugekommen war.

Das Gewehr zwischen den Knien saßen wir hinten <ntf dem Brett des Wagens. Schaukelnd sausten mir über die Unebenheiten der Straße, stundenweise halb schlummernd und alles wie ein Abenteuer auf- assend, das man erlebt, ohne dabei beteiligt zu ein. Man fuhr durch verlassene und auch zerschos- ene Orte, über Berge und Höhen, die plötzlich, nur ür Augenblicke, einen Blick frei ließen nach Deutsch­land hinüber. Man wurde wach, hellwach, begann zu denken, näher zu sein und alles zu beobachten. Das mußten Häuser von uns fein, noch sah man feinen Namen. Aber erst viel später kam das fran­zösische Zollhaus, und dann das deutsche. Auf der grauen Brücke über der Saar drängte alles aus Dem Wagen.

Der Krieg ist ja noch nicht aus, fagte einer, denn das hatten sie alle vergeßen. Unsere Rückkehr war ' zwar ein Ende der Spannungen zwischen den Gren­zen, die wir durchfuhren, und bald würde in diesen leeren Häusern wieder em geschäftiges Leben be­ginnen, wir aber blieben Soldaten.

Trotzdem löste sich nun in uns ein Druck, eine Empfindung für das Land da draußen außerhalb des benzinstinkenden und rumpelnden Wagens. Wir hätten alles mit den Händen faßen mögen. Unsere Augen sahen stiller, als wollten sie unter dem Lärme der Fahrt eine Musik in der Landschaft er­kennen. Man fragte sich, was den Himmel so schon werden ließ und das Herz so leicht. Es hatte sich doch fast nichts geändert. Nur ein Zollhaus, ein hochgezogener Schlagbaum und ein trüber Fluß waren zwischen uns und Frankreich getreten. Dann kamen die ersten deutschen Orte, die ersten deutschen Ladenschilder, die ersten Straßenbahnen, die ersten deutschen Mädchen und Frauen. Alles schien uns zum ersten Mal zu begegnen, so war es uns fremd Beworben in der langen Zeit.

Einer brüllte plötzlichBäckerei!", er war Bäcker, als hätte er uns etwas ganz Neues zu erzählen Und so war es. Die Boulangerien, Boucherien mit ihren Madamen, Mademoisellen und Monsieurs waren schon halb vergessen, obgleich wir noch gestern ein gekauderwelschtesBon jour! mit ihnen tauschten. So wenig war von ihnen übriggeblieben

Wir saßen winkend und schon einige Blumen zwischen unseren Händen haltend, hinten im Wa­gen und dachten überhaupt nichts mehr. Ganz sorg­los rüttelte es uns auf unserem Brett durcheinander, wie in der Zeit, da wir Jungens waren und vom Ausflug kamen, den wir bis zum wirklichen Ende auf der letzten Plattform des in den langsam an- brechenden Abend fahrenden Zügleins genossen.

Da wurde die Weiche gestellt, und wir fuhren seitwärts, von der Sttaße einen Weg hinaus. Und dann lag vor uns ein Gutshof, ein Hof mit vielen Gebäuden daneben, breit und bestimmt, als wüßte er, dghin und nirgendwoanders gehöre ich. Als wäre eben ein Ludwig Richter um die Häuser ge­gangen und hätte schwarze, knorrige Eichen darum gemalt und an die Hügel blumenbestandene Wiesen. Männer arbeiteten in den offenen Scheunentoren, und Mädchen gingen über den Hof. Fröhlich fliegen mir den Hang hinauf, am Gemüsegarten vorbei, um abseits vom emsigen öagertreiben ein Zelt für die Nacht zu bauen. Wir wollten draußen fein, nicht mit Strohstaub in den Nasen in vollgestopften Scheunen versinken. Die Klarheit des Abends hatte es uns angetan, die sich wie wesenloses Glas über das friedliche Bild unter uns gelegt hatte. Mitten drin nur bewegte es der Qualm der Gulaschkanone, die schon wieder für uns sorgte.

Das Glas, mit dem alles bedeckt war, färbte sich unmerklich dunkler, aber alles wurde deutlicher, schärfer umrissen, als hätte sich das Unwesentliche abgesondert und wäre im Tag zurückgeblieben. Als hätte sich vom Himmel die Nacht gelöst und hätte ihn nun zu einem hellen Meer gemacht, auf dem der Mond herrisch wie ein Türkenschwert glänzte, um über die ihm anvertrauten fternenen Diaman­ten zu wachen, damit keiner verloren gehe. Aber sie trennten sich doch ab und zu wie von einem be­nähten Kissen, dessen Fäden zu schwach geworden waren für ihre gereifte Pracht. Dann standen wir unten und wollten sie am liebsten fangen, und da wir es nicht konnten, wünschten wir uns etwas, was jo fern war für uns wie jene fliegenden Sterne.

Dabei war für uns ein Wunsch in Erfüllung ge­gangen, der an Größe keinen Vergleich am Himmel hatte. Welcher Stern glänzte so wie die Bilder der Heimat, die sich uns draußen in unseren Gedanken malten? Und nun lagen wir nicht weit von schwer­duftenden Tannen, zwischen anderen Wiesen als drüben, fetteren, bunteren und weicheren, wie uns schien, und merkten an all den Veränderungen in uns, daß uns ein Wunsch in Erfüllung gegangen war, der so groß und voll Wärme und Pracht war wie die Sonne es nur fein konnte.

Wir waren daheim.

Lichtspielhaus:

Zwischen Hamburg und Haiti".

Die abenteuerlichsten Romane, so heißt es ein­mal in diesem Film, schreibt doch immer noch das Leben selbst, und wenn man ihn zu Ende gesehen hat, kann man solcher Bemerkung nur zustimmen, dieser Film ist ein ganz toller Roman, an dem ist, wir wir bei den Soldaten so schon zu sagen pfleg­ten, alles dran Ein deutscher Ueberfeetaufmann, der zwanzig Jahre lang in Haiti gute Geschäfte mit Baumwolle gemacht hat, merkt eines Tages, daß ihm zu feinem Glück nur die richtige Frau fehlt, fetzt sich, schnell von Entschlüssen, aufs Schiff, fährt heim nach Hamburg und holt sich eine. Das heißt, er findet gleich eine, und es ist auch, beider­seits, Liebe auf den ersten Blick, aber leider stellt sich sehr bald heraus, daß das hübsche Mädchen nicht das ist, was sie anfänglich zu fein oorgab, sie sieht nicht so aus, ist aber Animierfräulein in einer wüsten Kneipe in Sankt Pauli: nicht aus Spaß, sondern sie hat ein Kind, aber keinen Vater dazu, vielmehr Schulden, und sie muß Geld verdienen für sich und den kleinen Jungen. Dem Mann aus lieber« fee macht das nichts aus, er will sie trotzdem heiraten, aber das Mädchen Anna bekommt im letzten Augen­blick Angst, daß ihre Vergangenheit dem Ansehen des Geliebten drüben schaden könnte. Sie flieht, aber er hat einen dicken Schädel und reist ihr nach, sucht sie überall auf der Landkarte, findet sie schließlich in Mexiko als Sekretärin eines Schriftstellers, dem er gerade die abenteuerliche Geschichte seiner Liebe erzählt hat, und der sagt, das sei ein glänzender Romanstoff und diktiert alles der armen Anna brühwarm ins Stenogramm. Da bleibt kein Auge trocken. Aber es geht Gott fei Dank gut aus, und

der Empfang des jungen Paares in der neuen Heimat ist von herzlicher Heiterkeit bestrahlt. (Hof­fentlich holen sie den kleinen Jungen, von dem zu­letzt gar nicht mehr die Rede ist, noch nach ) Das Buch schrieb Josef Maria Frank für die Ufa; Erich Waschneck hat es in Szene gesetzt und mit lebhaften Kontrasten und heftigen Effekten nicht gespart. Darstellerisch ruht der Haupteindruck auf der wirkung vollen Gegenüberstellung der beiden ungleichen Liebesleute, der soliden, zuverlässigen Männlichkeit Gustav Knuths und der zarten Mädchenhaftigkeit der hübschen Gisela Uhlen. Die muntere Grethe Weiser und die Herren Flo. rath, Franck und Dohm sind vom Ensemble hervorzuheben.

Dazu die neue Wochenschau; aus ihrem Inhalt: Zerstörung einer riesigen Hängebrücke in USA.; Ueberführung der sterblichen Ueberrefte des Her- zogs von Reichstadt; Besuch in einer nationalpoliti- scheu Erziehungsanstalt: Geburtstag des Stabschefs Lutze; Bilder von Minensuchern, Torpedobooten, Aufklärern, Stukas und vom Regiment Groß­deutschland. Hans Thyriot

Ehrwürdiges Papier.

In Loulan in Chinesisch - Turkestan wurde eirt Stück Papier gefunden, das in chinesischen Schrift. Zeichen das Datum vom Jahre 264 n. Ehr. trägt. So weit bisher bekannt ist, handelt es sich hier um das früheste datierte Stück Noch weitere Be­weise für die Theorie, daß die Chinesen Papier und Druck eingeführt haben, werden in der Frank­furter WochenschriftDie Umschau" angeführt. Das erste gedruckte Buch, das bisher gefunden wurde, trägt das Datum von 868 n. Chr. und wurde 1907 in einem zugemauerten buddhistischen Höhlentem- pel entdeckt, der in der Nähe von Tun-Huang in der westchinesischen Provinz Kansu in den Felsen gehauen war. Papier wurde in China bereits vor dem Jahre 105 n. Chr. bekannt, und in der Zen­tralasiatischen Wüste an der alten Seidenstraße haben Archäologen Papier entdeckt, das mindestens tausend Jahre älter ist als die ersten Stücke, die in Europa gefunden wurden. Viele dieser Papiere fanden sich in den Ruinen von Wachtürmen oder anderen Befestigungen, die um 150 n. Chr. aufge­geben wurden, einige Reste tragen noch lesbare Daten und Schristzeichen.