Juni 28, Juli 25, August 40, September 36, Oktober 36, November 36, Dezember 39.
An Geburten in Gießener Familien wurden im Jahre 1940 insgesamt 8 65 verzeichnet: davon waren 430 Knaben und 435 Mädchen. Auf die einzelnen Monate des Jahres entfallen (m — männlichen Geschlechts, w = weiblichen Geschlechts): Januar 35 m, 25 w; Februar 35 m, 40 ro; März 51 m, 40 w; April 38 m, 44 ro; Mai 44 m, 42 ro; Juni 36 m, 30 ro; Juli 27 m, 35 ro; August 31 m, 30 ro; September 36 m, 49 ro; Oktober 40 m, 37 ro; November 26 m, 26 ro; Dezember 31 m, 37 ro. — Ortsfremde Geburten, d. h. Kinder von auswärts wohnenden Familien in Gießener Kliniken oder Krankenhäusern geboren, wurden im verflossenen Jahre insgesamt 672 beim Gießener Standesamt beurkundet. Davon waren 352 Knaben und 320 Mädchen^Auf die einzelnen Monate des Iah? res entfallen: Januar 19 m, 30 ro; Februar 24 m, 31 ro; März 33 m, 27 ro; April 46 m, 40 ro; Mai 33 m, 27 ro; Juni 39 m, 21 ro; Juli 26 m, 21 ro; August 33 m, 26 ro; September 26 m, 34 ro; Oktober 24 m, 23 ro; November 23 m, 21 ro; Dezember 26 m, 19 ro.
Todesfälle von Gießener Einwohnern mürben im verflossenen Jahre 6 7 6 beurkundet. Davon entfallen auf die einzelnen Monate: Januar 80, Februar 64, März 67, April 80, Mai 62, Juni 52, Juli 49, August 48, September 41, Oktober 38, November 37, Dezember 58. — Ortsfremde Todesfälle solcher Personen, die auswärts ihren Wohnsitz haben, aber in Gießen gestorben sind, wurden insgesamt 8 63 beurkundet. Davon kommen auf die einzelnen Monate: Januar 76, Februar 72, März 90, April 77, Mai 76, Juni 82, Juli 61, August 67, September 69, Oktober 52, November 53, Dezember 88.
105 000 RM für das Kriegs-DHW.
Bei der ersten Straßensammlung dieses Jahres für das Kriegs-WHW., die am vorigen Samstag und Synntag durchgeführt wurde, gingen im Kreise Wetterau rund 105 000 RM. ein. Davon entfallen auf die Stadt Gießen allein rund 20 000 RM.
Vorsicht auf der Fahrbahn in der Dunkelheit.
Volksgenosse! Bei abgedunkelten Scheinwerfern kann der Fahrzeugführer den Fußgänger nur schwer erkennen. Denke immer daran, wenn du die Fahrbahn überschreiten mußt. Betritt die Fahrbahn erst, wenn sich kein Fahrzeug nähert; schaue dann erst nach links und dann nach rechts.
Gießen-Klein-Linden.
Die Ortsgruppe Klein-Linden der NS.-Frauen- schäft hatte am Jahresende eine Kuchen samnllung
für unsere verwundeten Soldaten in den Gießener Lazaretten durchgeführt. Kaum eine Familie hatte sich von dieser Sammlung ausgeschlossen, so daß über 300 Kuchen und viele sonstige Spenden, wie Apfelsaft, Wein unb bergl nach Gießen gebracht werden konnten. Die Freude der Soldaten über diese selbstverständliche Dankespflicht unserer Einwohnerschaft war groß. Nun traf ein Dankschreiben des Kreisführers der Kreisstelle Gießen des Deutschen Roten Kreuzes hier ein, worin dieser der Gemeinde Klein-Linden, besonders aber den Frauen, für die reichlichen Spenden und sonstigen Liebesgaben herzlichen Dank aussprach.
Unteroffizier Wilhelm Zörb von hier wurde zum Feldwebel befördert. Ferner wurden hier die Beförderungen des Gefreiten Erwin Kumpf zum Unteroffizier und des Gefreiten Walter Keil zum Obergefreiten bekannt.
Sie MW d MkilsWl
Die Deutsche Arbeitsfront, Kreiswaltung Wetterau, Gießen, Scha'nzenstraße 18, Fernsprecher 2141 teilt mit, daß 14tägig montags, von 10 bis 12 Uhr vormittags, Sprechstunden zur Erfinderberatung durchgeführt werden. Die Sprechstunden finden im ersten Vierteljahr des Jahres 1941 an folgenden Terminen statt:
13. Jan., 27. Jan., 10. Febr., 24. Febr., 10. März, 24. März. 5998V
HHeffletnW A KM W Me
K. d. J.-Sportamt.
Ausschneiden und aufbewahren!
Wiederbeginn unserer Sportkurse: 89D
Schwimmen für Männer und Frauen, auch für
Anfänger: Dienstags, 19 bis 20 Uhr und 20 bis 21 Uhr Freitags 20.30 bis 21.30 und 21.30 bis 22.30 Uhr.
Körperschule und Spiele für Männer und Frauen: Mittwochs, 20.30 bis 21.30 Uhr, Goetheschule, neben Hotel Schütz.
Fröhliche Gymnastik und Spiele für Frauen: Donnerstags, 20 bis 21 Uhr, Schillerschule, Schillerstraße.
Kindergymnaflik: Freitags, 16 bis 17 Uhr, Schillerschule.
Anmeldungen in den Kursen. ♦
** Beförderung. Zum Leutnant befördert wurde mit Wirkung ab 1. Oktober 1940 der Feldwebel Studienassessor Karl Schäfer, Tannen- roeg 34.
Kleiner Mann, - was tun?
Offene Kurse für Kleinkinder mit ,KdF.-
Ja, kjeiner Mann, wir Aelteren wünschten uns manchmal, noch einmal so jung wie du zu sein und das Konto unserer vielen Unterlassungssünden etwas abschreiben zu können! Jedesmal, wenn wir in der Deutschen Wochenschau einen Kindergarten oder frühlicye Kindergymnastik sehen, dann möchten wir auch noch mal gern als Knirps die Rutschbahn hinunter rutschen und mit den bunten Bällen spielen. Damals, bei uns, war alles anders, — ihr seid in einer glücklicheren Zeit geboren, ihr dürft das alles haben! Und wir wollen nun nicht in den Fehler verfallen, aus Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit etwas zu verpassen, was an vielen von uns selbst versäumt worden ist. Das Alter zwischen drei und sechs Jahren ist der erste Schritt ins selbständige Leben und die Grundsteinlegung für den später so bitter nötigen „Bizevs", d. h. für Kraft und Selbstbewußtsein. Wir dürfen daher nichts aus- lassen! Der kleine Mann und das kleine Mädelchen sollen, wenn sie später zur Hitler-Jugend kommen, nicht dastehen wie manche andere Kinder, die überhaupt noch nicht wissen, wie man seine gesunden Glieder bewegt.
Und noch etwas im Vertrauen: Wir sind sie mal für einige Stunden los, die kleinen Quälgeister, wir wissen sie in guter Obhut und haben einmal Zeit! Sehr viele Betriebe haben aus ähnlichen Gründen schon seit langem Kleinkindergärten und Stunden für Kleinkindergymnastik eingerichtet. Das Sportamt KdF. führt darüber hinaus aber auch offene Kurse in ganz Deutschland, zu denen die Mütter oder größeren Geschwister die Kinder bringen kön
nen, und wo fte unter fachmännischer Aussicht und Anleitung ihre ersten vorsichtigen und fröhlichen Gehversuche im Reiche des „Sports" unternehmen. Die Reinen 3—6jährigen spielen auf Rutschbahnen, mit Bällen und Seilen und treiben alle die vielen kleinen, körperstählenden Späße, die den Kindern so viel Vergnügen machen. Die Größeren, 6—10jäh- rigen, veranstalten Spiele und turnen an Geräten. Es geschieht alles mit Maß, niemand braucht zu fürchten, daß ein besonders zartes Kind überanstrengt wird. Oft können die Mütter, wenn sie wollen, selbst mitmachen oder Zusehen. Wir haben noch kein Kind gesehen, das nicht nachher mit hochroten Bäckchen und le-uchtenden Augen nach Hause gestampft ist!
Briefkasten -er Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
A. S. Nach § 536 BGB. hat der Vermieter die vermietete Sache in einem zu dem vertragsmäßigen Gebrauch geeigneten Zustande zu erhalten. Daraus ergibt sich die Verpflichtung des Vermieters zur Vornahme der erforderlichen Ausbesserungen bzw. Reparaturen auch bei den durch zufällige Ereignisse verursachten Schäden. Da in Jyrem Fall die eingetretene Beschädigung nach Ihrer Darstellung von Ihnen nicht verschuldet ist, wäre es Sache des Vermieters, für eine Behebung dieser Schäden zu sorgen, da nach Ihren Angaben eine Pflicht des Mieters hierzu auch nicht in dem Mietvertrag festgelegt ist.
SJl.-'fpOTt
Oer Handballsonntag.
Die Staffel Gießen der Bereichsklasse hat ihren ersten Abgang zu beklagen. Die Mannschaft des Tv. Hörnsheim mußte von der weiteren Teilnahme an den Spielen) ausgeschlossen werden, weil keine Möglichkeit bestand, sie zu einer ordnungsgemäßen Aufnahme des Spielbetriebes zu bewegen. So bedauerlich es ist, daß gerade Hörnsheim an den Endspielen nicht teilnehmen kann, so ist es zu begrüßen, daß gerade die höchste Klasse rein gehal- ten wird von allen, die sich außerhalb der Arbeit stellen. Es wäre sicherlich ein leichtes gewesen, die vorhandenen Lücken (ein Teil der besten Spieler steht nicht mehr zur Verfügung) auszufüllen und so den Betrieb in vollem Umfange aufrechtzuerhalten. Da aber keinerlei Anstalten gemacht wurden, sah sich die Spielleitung gezwungen, einzugreifen.
Das Ausscheiden von Hörnsheim hat auf den Betrieb selbst keinen Einfluß. Die Spiele nehmen am kommenden Sonntag ihren Fortgang, und zwar mit folgenden Paarungen:
Mtv. Gießen — Tv. Lützellinden
Tv. Hochelheim — Tv. Dornholzhausen Tv. Katzenfurt — Tv. Garbenheim.
Man darf gespannt sein, wie das Zusammentreffen auf dem Universitätssportplatz enden wird. Die Männerturner haben bis jetzt noch keine Gelegenheit gehabt, eine wirklich stabile Mannschaft zusammenzustellen. Dagegen verfügt Lützellinden über.eine Einheit, die zwar noch jung, dafür aber technisch in hervorragender Verfassung ist. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, baß die Gäste zu einem knappen Sieg kommen.
Hochelheim hat das Vorspiel in Dornholzhausen verloren. Es wird naturgemäß alles daransetzen, daß das Ergebnis diesmal umgekehrt lautet. Die Voraussetzungen sind diesmal allerdings nicht ganz so günstig, weil die Mannschaft eine Reihe guter Spieler ersetzen muß. Auf der anderen Seite ist Dornholzhausen als Kampfmannschaft bekannt und gefürchtet, zumal sie schon für manche Ueber= raschung gesorgt hat.
Leichter sollte es Garbenheim fallen, in Katzenfurt zu zwei weiteren Punkten zu kommen.
Spiele der Fugend.
Im Bann 116, bet mit seinen Spielen noch sehr
im Rückstand ist, gibt es am Sonntag eine Reihe interessanter Begegnungen. Es werden antreten:
Tv. Klein-Linden — Tv. Heuchelheim Sp.-G. Gr.-Buseck — Spvgg. 1900 Gießen Tv. Wieseck — Tv. Watzenborn-Steinberg To. Hausen — Tv. Lich.
Ueber die Aussichten gibt es nicht viel zu sagen, In Klein-Linden wird es ein ausgeglichenes Spiel geben. Auch in Großen-Buseck wird der Sieger erst nach Kampf zu ermitteln sein. Watzenborn-Stein, berg sollte Wieseck selbst auf eigenem Platz überlegen sein, und Hausen dürfte Lich kaum eine Gewinnchance lassen.
Hessens neue Boxmeister.
Die hessischen Bereichsmeisterschaften der Amateurboxer erfüllten in Kassel nicht alle Wünsche. Im Fliegengewicht fehlten die Bewerber völlig, Im Bantam- und Federaewicht kamen Werner und Petri (beide CT. Hessen/Preußen Kassel) kampflos zur Meisterschaft, da ihre Endrundengegner aus- blieben. Stärker besetzt war lediglich das Weltergewicht. Durch vorzeitige Siege tarnen Nickles (CT. Hessen Preußen), dessen Gegner Sonntag (Hanau) disqualifiziert wurde, und Malchus (FiessLer Kassel) in die Entscheidung, nachdem Keilbach (Hanau) auf-' gegeben hatte. Im Endkampf streckte Nickles vor Ablauf der Zeit die Waffen, so daß der Titel Malchus zufiel. Das fchönfte Gefecht gab es im Mittel- «zwischen Lehrrnoser (Hanau) und Schmidt csel), das nach drei kampfessreudigen Runden mit dem Punktspiel von Lehrmoser endete. Bemerkenswert ist noch der Sieg von Baumecker (CT. Hessen/Preußen Kassel) im Leichtgewicht, wo sich ein Nachwuchsmann gleich bei seinem ersten Start erfolgreich durchsetzte. Die Endkampfergebnisse:
Bantamgewicht: Werner (CT. Hessen/Pr. Kassel) kampflos Meister; Federgewicht: Petri (Kassel) kampflos Meister; Leichtgewicht: Baumecker (CT. Hessen/Pr. Kassel) bef. Hoffmann (Oberursel) 2 Rd. k. 0.; Weltergewicht: Malchus (Hanau) bef. Nickles (CT. Hesfen/Pr. Kassel) durch Ausgabe; Mittelgewicht: Leyrmoser (Hanau) bef. Schmidt (Oberursel) n. P.; Halbschwergewicht: Krüger (Hanau) bef. Hölscher (Fieseler Kassel) k. 0. 3. Rd.; Schwergewicht: Krämer (Fieseler Kassel) bef. Wittich (Hanau) n. P.
Das neue Mball-Mr.
Meisterschaft mit 20 Mannschaften.
An den Endspielen um die Deutsche Fußballmeisterschaft werden in diesem Jahr 20 Mannschaften teilnehmen, da erstmals die Meister der Bereiche Elsaß und Ostland (Danzig/Westpreußen, Warthe, land) in die Titelkämpfe eingreifen. Die Bereichs- meister spielen wiederum in vier Gruppen, von denen jedoch diesmal zwei unterteilt sind. Die
Gruppenelnteilung
lautet: Gruppe la: Pommern, Schlesien, Ost« land; Gruppe I b : Berlin/Brandenburg, Sachsen, Sudetenland; Gruppe 11 a : Ostpreußen, Mitte, Nordmark; Gruppe 11 b : Niedersachsen, Westfalen, Hessen; Gruppe III: Niederrhein, Mittelrhein, Südwest, Elsaß; Gruppe IV: Baden, Württemberg, Bayern, Ostmark.
Die Abteilungssieger der ©nippen I und II er- Mitteln in zwei Entscheidungsspielen (Hin- und Rückspiel) die Gruppensieger f und II, so daß bei Beendigung der Spiele, die am 6. April beginnen und am 25. Mai abgeschlossen werden, vier Gruppensieger feststehen. Diese vier Mannschaften Kämpfen am 8. Juni in der Vorschlußrunde um die Teilnahme am Endspiel, das für den 22. Juni in das Berliner Olympia-Stadion angesetzt wurde.
Tschammerpokal in sechs Gruppen.
sen. Gruppe III: Mitte, Nordmark, Niedersachsen. Gruppe IV: Westfalen, Niederrhein, Mittelrhein, Hessen. Gruppe V: Südwest, Baden,Elsaß,Württemberg. Gruppe VI: Bayern, Ostmark, Sudeten- land.
Die Spiele der drei Hauptrunden werden am 20. April, 18. Mai und am 8. Juni veranstaltet. Aus den Gruppen 1, 2, 3 und 6 treten je sieben, aus den Gruppen 4 und 5 je acht Mannschaften als Sieger der dritten Runde in die erste Schlußrunde ein. Zu diesen 44 Siegermannschaften gesellen sich die 20 Bereichsmeister, so daß wiederum 64 Mannschaften startbereit stehen. Die Schlußrunden werden wie folgt abgewickelt:
Erste Schlußrunde am 6. Juli, zweite Schlußrunde am 3. August, dritte Schlußrunde am 24. August, vierte Schlußrunde am 21. September, 5. Schlußrunde am 12. Oktober und das Endspiel am 2. November. Es tritt also nach den Pflichtspielen um den Meistertitel keine Sommerpause ein; diese Maßnahme hat sich bereits im letzten Kriegsjahr bewährt. Gleichzeitig konnte dadurch das Endspiel auf einen günstigeren Termin verlegt werden.
Drei Länderspiele vereinbart.
Für den Dereinswettbewerb des Großdeutschen Fußballsports um den Ehrenpreis des Reichssport- führers wird von der ersten Hauptrunde ab der Bereichsrahmen gesprengt. Es treten zu den verbliebenen Mannschaften die Bereichsklassenmannschaften. Um die Durchführung der Kämpfe wirtschaftlich zu sichern, mußten die Bereiche erstmalig auch im Tschammerpokalkampf zu Gruppen zusackmengefaßt werden, die folgendes Aussehen haben:
Gruppe I: Ostpreußen, Pommern, Ostland. Gruppe II: Berlin-Brandenburg, Schlesien, Sach-
In dem reichhaltigen Terminkalender sind weiterhin drei fest abgeschlossene Länderspiele aufgeführt. Der 6. April ist der Tag des 17. Länderkampfes mit Ungarn in einer noch zu bestimmenden deutschen Stadt, wobei die Nennung von Stuttgart der end- gültigen Entscheidung umgreifen würde. Das Länderspiel des Jahres ist am 18. Mai im Olympiastadion zu Berlin die 10. Begegnung zwischen Deutsckland und Italien. Das vierte ßänbertreffen Deutschland — Rumänien steht am 1. Juni in Bukarest zur Entscheidung an.
Äer Mchkling aus Korsika
Roman von kjelnz Lorenz-Lambrecht
37. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Beate steht dabei und sieht Viktor fast unverwandt an. Die italienische Küste hat für sie vorübergehend ihren Zauber verloren. Sie sind schon in der Nähe von Kapallo. Arn Kajütsaufbau vorbei sieht Viktor gerade noch die Gartenterrasse des Kurhauses. Da muß er an Ancia Maria denken.
Der Kapitän des Schiffes kommt von der Brücke herab und geht, Viktor respektvoll grüßend, an ihnen vorbei.
Beate betrachtet Viktor mit dem Blick des Kapi- täns und ist neugierig. Etwas stockend fragt sie: „Sie sind gewiß oer Direktor des Reisebüros, in dem ich die Karten abholte, nicht wahr?"
„So ungefähr, Fräulein Beate. Sie fahren gewissermaßen auf meinem Schiff."
„Du kannst noch ruhig du zu ihr sagen, Viktor."
Oh, aber sie ist in dem Alter, in dem du warst, als ich dich kennenlernte. Siebzehn oder achtzehn schätze ich.
Beate wächst um einen Zoll auf und errötet vor Vergnügen.
„Etwas jünger ist sie doch", lächelt Thea. „Sechzehn wird sie. Sie ist im Oktober siebzehn geboren."
„Natürlich", sagt Viktor rasch. „Daß ich das vergessen konnte. Am 28. Oktober."
„Woher weißt du nun das wieder?"
„Das geht zufällig ganz natürlich zu. Ich weiß es von Hans ßorring, der am gleichen Tag Geburtstag hat. Er kam damals gerade in die Gefangenschaft nach Bastia. Aber wahrhaftig, man könnte Beate für älter halten."
„In dem Alter wollen sie alle alter erscheinen. Sie hat mir keine Ruhe gelassen, bis ich ihr dieses Kostüm schneidern ließ. Genau wie meines sollte es sein. Na, wenn du sie in ihren Kleidern siehst, m.:rft du schon merken, daß sie noch ein Kind ist."
Beate ist wieder zu ihrer natürlichen Größe her- abgesunkei, Wie schade, daß nun Viktor — einen andern N^wen kennt sie nicht, da sie nicht vorgestellt wurde daß er nunmehr wußte, wie alt sie war.
Viktor denkt: Sechzehn Jahre, das ist noch sehr jung. Aber was geht mich im Grunde ihr Alter an! Und weiter denkt er: Merkwürdig, ich sage zu Thea du. In Mannheim haben wir doch noch nickt du zueinander gesagt. Jetzt tun wir es beide, als ob es ganz selbstverständlich wäre.
Und Thea denkt: Hans düorring hat mir vieles von ihm erzählt, als er aus der Gefangenschaft zurückkam. Er hat durchblicken lassen, daß Viktor immer noch an mich denkt. Jetzt steht er vor mir. Und mein Mann lebt nicht mehr, und auch er trägt keinen Ring.
Aber Viktor ist sich nock gar nicht bewußt geworden, daß er den Ring, der ihn an Ancia bindet ausgezogen und in die Tasche gesteckt hat. Er muß. es ganz automatisch getan haben, ohne eigenen Willen, als er sich anschickte, Thea und Beate zu suchen.
Beate geht wieder auf die andere Seite des Schiffes. Gleich darauf folgen ihr die andern beiden, als ob sie es vermeiden wollten, jetzt miteinander allein zu fein.
Es ist nicht so einfach für Viktor, mit Thea einmal längere Zeit allein zu sprechen. Gewiß sind sie den ganzen Tag beisammen, auf den Decks, in den Salons, bei Den Mahlzeiten und Landaus- flügen, die da und dort von der Küste aus unternommen werden. Aber immer ist Beate um sie, und es ist schwer, in deren Gegenwart über das zu reden, worüber sie einmal reden müsien.
Diel leichter findet sich die Gelegenheit zu einem Alleinsein mit Beate. Gleich am zweiten Tag ihrer Reise, als Thea nach dem Lunch eine Mittagsrast in ihrer Kabine hält, sitzen Viktor und Beate in ihren Bordstühlen oben auf dem Freideck nebeneinander. Beate sieht mit träumerischen Augen nach der Küste hinüber, die so nah vorübergleitet, daß man den Blütenschaum der Orangenhaine in der Sonne aufleuchten sieht. Das Schiff hat die Insel Elba hinter sich und nähert sich der Hauptstadt.
Beate sagt leise: „Wie ein Paradies ist das Land.
Hier mochte man leben."
„Ich glaube, du würdest bald die kühlen Wälder deiner Heimat vermissen, Beate. Ich glaubte einmal, es hier nicht aushalten zu können."
„Warum sind Sie bann nicht nach Deutschland zuriickgekehrt?" i
„Dafür gab es mehrere Gründe. Dor allem, ick hatte gar keine Heimat mehr, sie war französisch geworden."
Beate schweigt. Es ist nicht leicht, über schwerwiegende Dinge zu sprechen, wenn man noch- für ein halbes Kind gehalten wird. Ja, wenn Viktor noch im Glauben gewesen wäre, daß sie siebzehn oder achtzehn wäre, so hätte sie viel freier reden können, und er hätte wahrhaftig nicht heraushören sollen, daß sie noch nicht achtzehn war. Dazu kommt noch der Umstand, daß ihr die Mutter gestern abend, als sie zu Bett gingen, verschiedenes über Viktor erzählt hat, was ihr eine geschlagene Nachtstunde zu denken gab.
Nach einer Weile sagt sie: „Nicht wahr, ich sehe Mama doch sehr ähnlich?"
„Außerordentlich. Man kann euch beide für Schwestern halten."
Sie nickt eifrig. Es macht den Anschein, als bestätigten seine Worte einen Gedanken, der ihr auf- gestiegen ist, den sie indes nicht ausspricht. Sie sagt: „Sie müssen fa am besten beurteilen können, ob ich ihr ähnlich bin."
„Wieso gerade ich?"
„Weil Sie Mama nur als junges Mädchen gekannt und sie nur so in Erinnerung haben, wie sie damals war."
Er ist überrascht: „Du bist sehr klug, Beate."
„Und ich hatte schon Angst, etwas Dummes zu sagen. Es fällt mir fo schwer zu reden, weil Sie mich noch für ein Kind halten und nicht für ernst nehmen/
„Aber ich nehme dich vollkommen ernst, Beate. Ernster noch, als du wohl selbst denkst."
„Das ist lieb von Ihnen. Ueberhaupt glaube ich, daß Sie in mir nur Mama sehen."
„Ach?!" Jetzt ist er geradezu betroffen. „Woraus schließt du denn das?"
„Well ..." Sie stockt und kann nicht mit der Sprache heraus.
Er ermuntert sie: „Immerzu, Beate. Du brauchst doch keine Scheu vor mir zu haben. Ich kenne dich doch schon so lange."
„Ach, das ist Ünsinn "
„Es ist mein heiliger Ernst, Beate. Ich kenne dich. Ich werde dir noch erzählen, wie ich das meine. Aber zuerst mußt du mit der Sprache heraus."
„Aber Sie dürfen mir nicht büse sein."
„Gewiß nicht. Also?"
„Nun, Mama hat mir nämlich erzählt, daß Sie sie einmal lieb gehabt haben. So könnte es ganz gut möglich sein, daß Sie mein Vater geworden wären ..." Sie bricht ab und sieht ihn erschrocken an: „Ich darf das doch sagen? Vielleicht gehört es sich nicht?"
„Beate ..." sagt er leise. ,Du bist ein wundervolles Menschenkind, Beate. Möchtest du denn, daß ich dein Vater wäre?"
Sie denkt nach, dann sagt sie langsam und ernst: „Ja." Zögernd spricht sie weiter: „Aber wenn Sie in mir Mama sehen, bann müßten Sie doch auch mich lieben, und Sie könnten nicht mein 93ater fein."
Viktor verschlägt es den Atem. Woher hat diele» Kind solche Weisheit! Nein, es ist keine Weisheit, sondern nur einfache Wahrheit. Die verblüffend wirkt, weil sie sd schlicht und offen ausgesprochen wird. Nur ganz jungen Menschen, denen noch keine Enttäuschung die Kunst der Verstellung vorgeschrieben hat, können derart offen sein. Mit jedem Satz, den Beate spricht, trifft sie ihn ins Herz. So sicher, daß ihm fast Angst wird. Sie deckt seine tiefsten Gedanken viel rascher und klarer auf, als er selbst sie sich schon eingesteht. Er liebt in Beate seine erste Siebe.
Er muß von dem verfänglichen Gespräch loskommen. Ohne auf ihre Worte einzugehen, sagt er: „Ich will dir jetzt erzählen, wieso ich dich schon so lange kenne. Es wird dir vorkommen wie ein Märchen, und doch ist es wahr. Schon seit deiner Geburt kenne ich dich. Hör mir zu."
Er erzählt ihr den ganzen Abschnitt seiner Gefangenschaft bis zu seiner Ankunft in Genua und sryließt: „Als wir bann von hier aus hätten nach Hause kommen können, mein Kamerad Solterdeck und ich, da wurde ich krank. Nach meiner Genesung war der Krieg zu Ende, in Deutschland herrschte die Revolution, und die Franzosen standen am Rhein. Da war es denn schon besser, wenn ich in Italien blieb."
Beate erwachte nach seiner Erzählung wie aus einem Bann. Nach einer Pause sagt sie benom- imm: „Ja, Sie müssen Mama sehr lieb gehabt haben." Und wieder nach einer Pause sehr leise: „Ich kann Mama nicht begreifen."
(Fortsetzung folgt)


