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8./Y. November

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

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Ewige Mahnmale deutschen Heldentums

Oie deutschen Kriegerfriedhöfe an den Stätten des Kampfes und Sieges.

Zum- Heldengedenktag 1941 hat der Führer die Vorbereitungen zur Errichtung wür­diger Kriegerfriedhöfe angeordnet und mit der Durchführung den Chef des Ober­kommandos der Wehrmacht beauftragt. Er hat ferner den Berliner Architekten Prof. Dr. W. Kreis zum Generalbaurat für die Gestaltung der deutschen Kriegerfriedhöfe ernannt, um insbesondere die mit der Gestaltung der Ehren­friedhöfe zusammenhängenden künstlerischen Aufgaben zu bearbeiten. Unverzüglich hat oer Generalbaurat seine Arbeit ausgenommen, die vom Oberkommando der Wehrmacht an den Stätten der deutschen Siege geplanten und an mehreren Stellen bereits errichteten Krieger­friedhöfe zu ewigen Mahnmalen deut­schen Heldentums zu gestalten. Wir hat­ten Gelegenheit) uns mit Prof. Dr. Kreis über die bisher schon geleistete Arbeit und seine vielseitigen Pläne zu unterhalten.

Wieder steht in diesen Tagen nicht allein das gesamte deutsche Volk, sondern die ganze Welt im Banne der gewaltigen Taten der deutschen Wehr­macht. Von Tag zu Tag und Stunde zu Stunde fiebert jedes deutsche Herz den Sondermeldungen aus dem Führerhauptquartier entgegen, und mit Stolz und Ehrfurcht blickt das ganze Volk zu sei­nem Führer und der von ihm geschaffenen Wehr­macht auf. Alles heiße Wünschen und Gedenken der ganzen Nation ist bei denen, die unter höchstem Einsatz die deutsche Freiheit und die Neuordnung Europas erkämpfen. Jeder Sieg läßt unser Herz höher schlagen, aber jeder Sieg kostet Opfer, und in stolzer Trauer senken sich die Fahnen vor denen, die im größten Freiheitsringen der Welt für das Vaterland ihr Leben ließen. Ein Volk, das zu siegen weiß, weiß auch seine Helden zu ehren. Keine Mühe und kein Einsatz wird zu groß sein, um das Heldentum derer, die ihr Höchstes ließen, zu ehren und ihr Gedenken für alle Zeiten im deutschen Volk zu verankern.

ftampffläffen bleiben Stätten des Gedenkens.

Sturmwege sind immer Opferwege, und die Stra­ßen unserer Siege sind oft weite Strecken lange Sturmwege gewesen. In diesen heiß umstrittenen Bezirken, deren Erde der deutsche Soldat mit seinem Blut getränkt und erkämpft hat, soll er auch zur Ruhe gebettet werden. Daher werden die Krieger­friedhöfe dieses Krieges nach den Wünschen der Truppe an wenigen Stellen dort, wo die Truppe besonders hart gekämpft hat, zusammengefaßt, da­mit nicht die oft verstreut liegenden zahlreichen kleinen Soldatenfriedhöfe der Betreuung, wie auch dem Besuch Schwierigkeiten bereiten. Die Krieger­friedhöfe sollen leicht erreichbar sein, daß heißt, sie sollen möglichst nahe an den Verkehrswegen liegen. Auch sollen die zum Besuch dieser Ehrenstätten kom­menden Angehörigen in der Nähe leicht Unterkunft finden können. Bei diesen sehr eingehend zu prüfen­den Fragen konnten naturgemäß noch nicht überall endgültige Vorschläge gemacht werden. Es liegt aber dem Oberkommando der Wehrmacht und dem Generalbaurat viel daran, dem Wunsch des Füh­rers entsprechend die Ausführungs-Planungen bald zur Genehmigung unterbreiten zu können, wenn die allgemeine Lage dies gestattet. Die vorläufigen

Kri'egerfriedhöfe werden sorgfältig gepflegt, so daß sie, sobald der Besuch freigegeben wird, einen wür­digen Eindruck machen. Eine große Anzahl schöner Kriegerfriedhofsanlagen ist bereits vorhanden.

Der Lhrenfriedhof in Oslo.

Eine der schönsten Kriegerfriedhofsanlagen wird die von Oslo werden, die unter Förderung des Wehrmachtbefehlshabers in Norwegen entstanden ist. Nachdem viele führende Persönlichkeiten diesen Friedhof besichtigt haben und dort auch die Frage nach der endgültigen Gestaltung der Lösung sich nähert, kann bald mit der Fertigstellung begonnen werden. Die provisorische Gestaltung dieses Krieger­friedhofes wird an der Stelle verbleiben, wo er sich jetzt befindet, an der Höhe des Ekeberges mit einem weithin reichenden Blick über den Fjord und das Land, um das jene kämpften, die hier ruhen. Die Planung und Ausgestaltung weiterer Kriegerfried­höfe in Bergen, Narvik und Drontheim wird eifrig betrieben.

kleinere Kriegerfriedhöfe in den wieder zu Deutschland heimgekehrten Gebieten.

Von dem Grundsatz ausgehend, die Kriegerfried- höse nur an wenigen Stellen zu sammeln, wird ausnahmsweise aus besonderen Gründen in den wieder zu Deutschland gekommenen Gebieten, wie im Korridor, Elsaß und Lothringen, abgewichen. Es wird erwogen, in diesen Gebieten auch kleinere bestehende und gut gepflegte Kriegerfriedhöfe zu erhalten und nicht in größeren zu sammeln, weil die dortige deutsche Bevölkerung aus dem Gefühl heimatlicher dankbarer Verbundenheit mit den Opfern, die zu ihrer Befreiung gebracht wurden, die Auflösung dieser Kriegerfriedhöfe nur sehr un­gern sehen würde und um die Erhaltung gebeten hat.

Die Kriegerfriedhöfe Vielih und ZUlaroa.

Die beiden Kriegerfriedhöfe Bielitz an den Beskiden und M l a w a in Ostpreußen sind schon in der endgültigen Gestaltung begriffen. Bei diesen beiden Einlagen handelt es sich insofern um Aus­nahmen, weil diejenigen zurückgeholt wurden, die in dem nach Abschluß des Polenfeldzuges zum sow- jetrussischen Interessengebiet erklärten Gelände ge­fallen sind. Auch diejenigen, die in den Grenzkämp­fen in Ostpreußen und Ostoberschlesien gefallen sind, wurden hierin gebettet. Der Kriegerfriedhof unweit Mlawa liegt auf einem teilweise bewalde­ten, hügeligen Gelände. Dieser Landschaft wurde die-Gestältung angepaßt; ein weiter runder Platz mit einer Mauer umwehrt, so daß eine schöne und be­deutende Wirkung in der Landschaft erreicht ryird. Für die Gestaltung eines Ehrenmales sind gegen­wärtig vier Künstler mit der Ausarbeitung von Ideen beschäftigt, unter denen die Wahl zu treffen fein wird.

Auch die Gestaltung des Kriegerfriedhofes in Bielitz ist seit einiger Zeit im Werden. Die An­lage des Friedhofes ist bereits in der Ausführung begriffen, die Gestaltung des Ehrenmales ist noch in Vorbereitung. Es ist auf einer Anhöhe über dem Kriegerfriedhof als starkes Bollwerk gedacht. Im allgemeinen sollen die Kriegerfriedhöfe des Welt­krieges dort bleiben, wo sie jetzt sind und wo die Truppe damals gekämpft hqt, zumal es untunlich erscheint, nach so langer Zeit noch Umbettungen vor­zunehmen.

Lrinnerungssieine für die vom polnischen 2Nob gemordeten Deutschen.

Die feige Ermordung Volksdeutscher durch den polnischen Mob soll für alle Zeiten angeprangert

werden. Deshalb so versichert Professor Kreis werden an vielen Stellen, an denen Volksdeutsche verfolgt und ermordet wurden, Gedenksteine ausge­stellt werden, damit niemals die Erinnerung daran verloren geht. Diese Male werden durch Anpflan­zung von Eichen oder anderen gut gedeihenden Bäumen landschaftlich hervorgehoben werden.

Slelnkreuz mit demEisernen kreuz" für alle.

Was die Gestaltung der Kriegerfriedhöfe und Denkmale im großen und ganzen betrifft, so ist es der Wunsch des Führers, daß sie in würdiger Weise der großen Taten des Krieges entsprechen. Sie sollen so faßt Professor Dr. Kreis zusammen ewige Mahnmale deutschen Heldentums sein, sie sollen aller Welt von der Tapferkeit deutscher Söhne künden. Nicht in großsprecherischen und riesenhaften Bauwerken wird man dem beispiellosen Heldenmut deutscher Soldaten in diesem größten Ringen aller Zeiten Ausdruck verleihen, sondern in schlichter und doch kraftvoller, aber verhaltener Weise Gestaltun­gen schaffen, die durch die Idee für sich selbst spre­chen. Grundsätzlich soll jeder Kriegerfriedhof ein

Ehrenmal erhalten. Auch in der Gestaltung dieser Ehrenmale wird man ausfallenden Prunk und archi­tektonische Anhäufungen vermeiden. Sie sollen wie schlichte Volksweisen dem deutschen Herz und Sinn sich einprägen und in Erinnerung bleiben.

Die jetzt überall angebrachten Holzkreuze in Form desEisernen Kreuzes" werden später in Stein hergestellt, jeder Stein wird also das gleiche Ehrenzeichen, dasEiserne Kreuz" erhalten, lieber» all wird man sich bei der Anlage der Kriegerfried­höfe den Gegebenheiten der Landschaft anpassen, wird bei der gärtnerischen Gestaltung bodenstän­dige Pflanzen und Bäume verwenden, das Ehren­mal aus möglichst dort vorkommenden Steinen errichten und es in seiner ganzen Anlage der Land­schaft eingliedern. Zahlreiche Gartengestalter, Bild­hauer und Architekten sind bereits als Mitarbeiter gewonnen, immer mehr treten hinzu. In der Ge­staltung der deutschen Kriegerfriedhöfe wird keine Monotonie, sondern Vielgestaltigkeit sein, da überall mit neuen Kräften und in bodenständiger Gestal­tung gearbeitet werden wird. Adolph Meurer.

Aus der Stadt Gießen.

Oes Lebens gedenken.

Besitz stirbt, Sippen sterben, du selbst stirbst, wie sie; eins weiß ich, das ewig bleibt: des Toten Tatenruhm. (Aus der Edda.) Herbststürme gehen über das Land; das bunte Leben in Feld und Wald erstirbt. Unter der har­ten grauen Erde aber ruhen schon die Keime für neues Leben. Das ist so gewiß wie die tägliche Wiederkehr der Sonne. Das Leben Um uns in der Natur stirbt zwar, wenn es sich in seiner Daseins­form erfüllt hat, aber es vergeht nicht. Es ver­sinkt nur. Es kehrt dahin zurück, woher es kam, um dann mit dem steigenden Licht neu zu erstehen. In dieser Zeit der Lebensneige gedenken wir der Toten der Toten unseres Volkes und in der Familie. Was heißt eigentlich: der Toten geben»

DerdunkelungszeU

8.11. von 17.39 bis 8.28 Uhr.

9.11. von 17.37 bis 8.30 Uhr.

fen? Der einst Lebenden gedenken, wäre richtiger gesagt, denn wir rufen uns alle Erinnerungen aus dem gemeinsamen Leben mit ihnen ins Gedächtnis, wir erleben das Gewesene noch einmal. Es gibt Stunden, in denen diese Erinnerung fast greifbar lebenswirklich wird und für Augenblicke das Ge­fühl gibt, die Entschlafenen säßen noch wie da­mals neben uns. Mit besonderer Gewissenhaftigkeit würdigen wir dann ihre Leistung, die sie vollbrach­ten, ehe ihr Schicksal sich vollendete. Dabei 'entdecken wir immer wieder Neues, was uns bei den Leben­den nicht bewußt geworden war. Ja, wir über­sehen jetzt erst, was sie schafften, wie groß der Raum war, den sie ausfüllten, und wieviel sie in ihrer Umgebung durch ihr Wirken hinterlassen haben.

So gelten unsere Gedanken an die Toten in Wirklichkeit dem Leben, und wir ahnen, wie eng beides miteinander verbunden ist. Man kann auch nicht ernsthaft über das Leben nachdenken, ohne den Tod miteinzubeziehen. Wo Leben ist, lauert als Schicksal der Tod, und den Tod können wir nur be­greifen, weil er uns ein Leben nahm..

Für viele Frauen und Mütter unter uns hat der Tod in dieser Zeit ein grausames Antlitz. Die bange, drückende Furcht langer Nächte ohne Schlaf ist nun doch Gewißheit geworden. Frauen und Mütter, Schwestern'und Geliebte, in dumpfem Sinnen ho.r-

chen sie der Frage nach: Warum? Warum mein Sohn, mein einziger? Warum mein geliebter Mann, der Vater meiner Kinder? Warum? Warum er? Und sie ergründen es nicht. Es gibt keine Antwort auf diese Frage, keine Antwort, die das so schwer gtroffene liebende Herz wieder auf­richten kann, wie es auch keinen Trost gibt, der den Verlust verringern könnte. Ohnmächtig erhebt sich aus dem gequälten Herzen die Anklage gegen das Schicksal, daß seine vernichtende Faust zu früh traf, bevor ein blühendes, viel verheißendes.Leben sich erfüllen konnte. Und es bleibt nur der Schmerz, der ganz still und unbemerkt in der Seele sich einen Platz sucht für immer, von dorther zur Wohltat wird und heilt.

Aber auch dieses gehört zu den Gesetzen des Le­bens: es läßt den Leidtragenden nicht am Wege zurück. Wenn sich sein Schritt unter der Schwere des Erlebten auch verlangsamt hat, der Strom des Alltäglichen führt ihn weiter mit, und eines Tages muß auch der Schmerzgebeugte wieder Schritt hal­ten und fein Schiff steuern, das wohl fortan eine unsichtbare Last trägt, die Leid heißt. Dann finden wir ein Gleichnis für das immer noch Unbegreif­liche draußen auf den herbstlich kahlen Fluren, die unter der harten Kruste das Neue bergen. Dio ewige Wiederkehr, die Unendlichkeit des Lebens im weiten All, sie allein vermag den unwiderbring­lichen Verlust zu verklären. Wohl starben die ge­liebten Menschen, aber das Leben dieser Toten blüht neu auf in ihren Kindern und Kindeskindern und es wirkt ewig fort durch ihre Tat, durch ihr Opfer und ihr Mitschaffen am großen Werk der Zukunft. L. R.

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Stadttheater: 18 Uhr Veranstaltungsring der Hit­ler-JugendPrinz Friedrich von Homburg". Gloria-Palast, Seltersweg:Kameraden". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Dorf im roten Sturm". Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Aus­stellung im Foyer des Stadttheaters.

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 10.30 Uhr HeldenEhrungsfeier, Feierstunde der NSDAP, und ihrer Gliederungen, ejy das altbewährte

Hustenbonbon

« nur im Orangebeutel

Karin Grunelius

Roman von Guiöo R. Brand

22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Die rote Mauer des Nordfriedhofs lief wie ein steifes Band neben ihr her, das kein Ende nehmen wollte. Dann kamen die großen Häuser mit den hohen Fenstern, fremdklingende Straßennamen und endlich die Hausnummer an einem grauen, wie aus- gestorbenen Gebäude. Am Eingang hing eine Ta­belle, auf der die Einwohner verzeichnet standen. Grunelius" hieß es an dem zweiten Täfelchen von oben.

Als sie mit dem Zeigefinger die Glocke berührte, überkam sie eine leichte Verwirrung. Erst nach eini­ger Zeit schnarrte der Deffner und Karin fiel bei­nahe in den Flur, weil sie sich an die Tür gelehnt hatte. Langsam nahm sie Stufe um Stufe, weniger um sich den Empfang auszumalen, dessen sie in ihrer Phantasie fähig gewesen märe, sondern mehr, um sich irgendwie auf ein Entweder-Oder vorzube­reiten. Schließlich mußte sie alles dem Schicksal überlassen.

Was sich ein paar Sekunden später im Korridor der Wohnung abspielte, übertraf allerdings ihre sämtlichen Erwartungen. Das Gesicht, das die Haus­hälterin, eine rundliche, schon etwas verrunzelte Fünfzigerin machte, als Karin sich als Nichte des Geheimrats bezeichnete, ließ sämtliche menschlichen Merkmale hinter sich und verzerrte sich zu einer gro­tesken Maske, die einem Negertotem nicht unähn­lich sah. Dann lief sie schreiend den Gang hinab, riß eine Tür auf, worauf in dem Zimmer ein stür­misches Gepolter entstand, ein paar Stimmen durch­einanderriefen, aus dem Karin mit Deutlichkeit nur den Ausdruck:Jesiasmariandjoseph" heraushörte, ohne zu wissen, um was es sich handelte.

Auf alles gefaßt denn nun war es ja ge­wiß, daß der geheimrättiche Onkel zu Haufe war, stand sie im Flur und schaute sich die Bilder an. An den Motiven und der Auswahl glaubte sie kon­statieren zu können, daß der Besitzer immerhin kein amusischer Mensch sein konnte. Der Gedanke be­ruhigte sie einigermaßen, besonders als die Haus­hälterin wieder zurückkam, mit einem freundlichen

Lächeln auf ihrem ebenso runden Gesicht, sich An- nerl nannte und abzulegen bat.

Bitt schön, in den Salon... meiner Seel, so was... entschuldigns, FräulÄn, daß i so aufgeregt bin, aber Sie ham ja keine Ahnung, was sich seit vorgestern getan hat, seitdem der Herr Geheimrat das Telegramm bekommen hat!" begleitete sie Ka­rin in ein Zimmer und forderte sie zum Sitzen auf.

Ja, was für ein Telegramm denn? Ich habe doch Feins geschickt!" verteidigte sich Karin.

Im gleichen Augenblick, als Annerl antworten wollte, 'trat, das Gesicht in strenge Falten gelegt, die Karin sofort auf künstlich taxierte, Geheimrat Grunelius, ein gelbes Papier in der Hand schwin­gend, ein, ging einige Schritte vorwärts und blieb dann, die Arme auf dem Rücken verschränkt, plötz­lich stehen. Während Karin bei sich dachte: Also so sieht ein Geheimrat aus, der ein Bruder meines Vaters ist! erhob sie sich und schaute ihn mit zurück­haltendem, aber doch prüfendem Blick an, dem nichts entgehen sollte.

Der Geheimrat dagegen fühlte eine magische Kraft auf sich zukommen, gegen die er seit zwei Tagen schon darauf vorbereitet wie auf einen Zusammen­stoß sich mit jener Haltung wehrte, die er sich auf dem Katheder der Universität zugelegt hatte. Er warf die Schultern etwas zurück, schob die linke Augenbraue hoch und drückte das Kinn an die Brust wie jemand, der sich räuspern will.

Er tat es auch, ehe er anfing zu sprechen. Die Haushälterin faßte es als Zeichen auf, das Zim­mer zu verlassen. Gleichzeitig öffnete sich eine zweite Tür und die Frau Geheimrätin, eine zierliche, in ihrem Alter durch eine merkwürdige Blässe ver­schönte Dame, näherte sich mit vor der Brust ge­falteten Händen und begrüßte Karin mit einer et­was pathetischen, hohen Stimme.

Aber das ist ja ein wahres W,under, daß Sie ohne Unfall zu uns gekommen sind. Ich freue-mich ja so unendlich, Sie einmal kennenzulernen. Mein Sott, wie sind Sie gewachsen. Wie lange ist es her, Gottfried, daß wir deinen Bruder zum letztenmal' gesehen haben? Wie die Zeit vergeht! Was macht er denn in Afrika? Wo ist er? In Arusha? Mein Sott, wo liegt denn das? Setzen Sie sich doch! Warum stehen wir denn überhaupt? Annerl! An­nerl! Bringen Sie mir doch einen Samos! Ich trinke nämlich immer so ein Släschen am Morgen. Sie

trinken doch auch eins mit? Nein, wie Sie aus­sehen! Wunderbar! Ich habe mir vorgestellt, daß Sie ganz schwarz wie ein Neger ausschauen, und jetzt sind Sie ja genau so blaß wie wir auch. Was sagst du dazu, Sottfrieb ...?"

Karin hajte sich gesetzt und schaute abwechselnd den Geheimrat an und dann dessen Frau. Weder ihr noch dem Onkel hatte sie bis jetzt die Hand ge­ben können noch überhaupt ein Wort eigentlicher Begrüßung gehört. Sie erwartete zwar, daß nun auch der Geheimrat ein Wort sagen würde, aber er kam noch nicht dazu, denn, ohne sich darum zu kümmern, nahm die Tante ihre Rede wieder auf, wie einen Faden aus einem Wollknäuel.

Ach, wir haben solche Angst um Sie gehabt, ob Sie auch den weiten Weg überstehen würden. War. es schön in Sizilien? Weißt du noch, Gottfried, wie du einmal den Aetna besuchen wolltest und ich un­ten in Messina saß?"

Diese plötzlich auftauchende romantische Erinne­rung legte eine Pause in ihren Monolog, die der Geheimrat sofort benutzte, um endlich zu Worte zu kommen.

Meine liebe Cornelia, gestattest du, daß ich zu­erst einmal meine Nichte Karin begrüße. Sie sind zwar ein großes Mädchen schon, aber ich sage trotz­dem du, da Sie die Tochter meines leibhaftigen Bruders sind."Wie? Ihr kennt euch noch nicht?" tat Frau Grunelius über die Maßen er­staunt.Oh, ich dachte ..."

Nein!" betonte der Geheimrat ziemlich barsch, drehte mit zwei Fingern an seinem weißen Spitz- bärtchen, in das sich Karin auf der Stelle verliebt hatte. Dann streckte er seine Hand über zwei Sessel­lehnen und schüttelte ihren Arm mit einer Kraft, die sie gar nicht an ihm vermutet hatte. Ohne nun unterbrochen zu werden denn Annerl hatte unterdessen den Samos gebracht, berichtete der Datei* von dem Telegramm, dessen Absender Gün­ther gewesen war. Es enthielt eine ziemlich undurch­sichtige Aufforderung, Karin wieder nach Spacca- form) zurückzuschicken, überließ aber die Entschei­dung dem Onkel. Der Tert war unklar und ohne Kenntnis der Zusammenhänge sinnlos.

In großen Umrissen berichtete nun Karin über die Umstände, die sie zur Reise im Flugzeug nach Deutschland veranlaßt hatten. Sie sprach auch da­von, wie es zu dem Unglück über Sampieri kam,

und wie sie den Entschluß faßte, nach München zu fahren. Sie konnte es tun, ohne daß sie auch nur einmal gestört wurde. Die Augen der Tante wa­ren immer größer geworden. Sie raffte sich zu einer Antwort auf.

Kind! Was haben Sie alles durchgemacht! Na­türlich bleiben Sie bei uns. Annerl kann Ihre Kof­fer aus dem Hotel holen! Mein Gott, wie tapfer ist die heutige Jugend!" lobte sie mit eingestreuten Fisteltönen das Abenteuer Karins. Erst als sie sich belehren lassen mußte, daß die üblichen Koffer auf dem Meeresgrund bei Sampieri lagen, schien sie be­griffen zu haben, daß der Tod über dem Leben ihrer Nichte geschwebt hatte. Sie wurde ganz ruhig und überließ die Unterhaltung ihrem Mann unt> Karin.

Es war dann alles rasch erledigt. Ein Telegramm an Günther bedeutete ihm, daß Karin in München blieb und bat, nach seiner Gesundung erst zu ihr zu kommen. Alles Weitere sollte und mußte sich aus den Dinaen selbst entwickeln. Die Haushälterin erhielt den Aufttag, in das Hotel zu fahren, den kleinen Koffer zu holen und die Rechnung zu be­gleichen.

Ich danke dir, Onkel, und Ihnen, liebe Tante ..

Du sagst auch ,du' zu Cornelia! Das wäre ja noch schöner!" dekretierte der Geheimrat. Karin schluckte ein paarmal, schätzte das etwas zu spitze Gesicht der Seheimrätin ab und überwand sich. Dar­aufhin durfte sie Tante Cornelia einen Kuß auf die zartlederne Wange geben und schien damit eubgül­tig in die Familie aufgenommen zu fein. Daß die Geheirnrätin keinen bayerischen Dialekt sprach, son- dern aus dem Hannoverschen stammte, wo sie Gru­nelius vor mehr als vierzig Jahren kennengelernt und geheiratet hatte, versöhnte Karin mit der etwas überbetonten grazilen Atmosphäre.

Der Geheimrat dagegen hatte sich im Laute der Jahre, die er als Lehrer für physikalische Chemie an der Technischen Hochsch-ule verbrachte, so sehr an die heimische Ausdrucksweise gewöhnt und die Hei­terkeit der süddeutschen Landschaft eingeatmet, daß man ihn kaum von einem seßhaften Münchener unterscheiden konnte. Als er jedoch merkte, daß sich Karin nur mühsam in der volltönenden Umgangs­sprache orientieren konnte, unterhielt er sich nur noch hochdeutsch.

(Fortsetzung folgt.)

Weitere Auskunft durch das Amt für Volkswohlfahrt. Gauleitung Hessen-Nassau, Darmstadt, Steubenplatz 17

43S3V

Ausbildung: l1/,jährige Lernzeit, ilautliche Prüfung, praktische! Jahr.

Fortbildung: Operation»-, Diät- Säuglingsschwester usw.

Aufstiegsmöglichkeiten: JuDgschwesterolührerin. Oberschwester, Oberin.

Gehalt nach neuem Tarif.

Einsatz der Reichsbund-Schwester: ,

Krankenhäuser, Sanatorien, Kinderkliniken. Mütter». Säuglings- und Kinderheime und Krippen, vorbeu­gende Familienhilfe aut dem Lande, krankenpflege- rische Tätigkeit im Ausland. Werkschwestern.

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... . . Ao.» Froipn SchwARtprn nnd Pflegerinnen e. V. stellen laufend junge Mädel und Frauen im Alter von 18 bis 88 Jahren als Lernschwestern in den staatlich an-

Die N S. - S ch w e s t ern s ch$aft^urnield) sb^ Ganes ein- _ Weitere Ausbildungsslätten im übrigen Reichsgebiet werden durch die Eeichsdienstotellen der Schwesternschaften Berlin W 62. Kurfürstenstraße 110. vermittelt

Einsatz der NS.-Sdiwestert

Krankenhäuser. Kinderkliniken. Gemeinden, SS-Laza- rettc. SS-Mütter- und Säuglingsheime. Schulen der NSDAP, und Ordensburgen.