lr.85 Zweites Statt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 8. Aprils
Aus der Stadt Gießen.
Oer Korb.
Ts ist bas schönste Möbel in unserer Wohnung. H stehe jetzt oft versunken davor. Es ist keine kost« t re Renaissancetruhe, fein auf einer Auktion teuer chandener Barocksessel. Es ist eigentlich nur ein k iner, billiger Korh. Früher wurde darin Wäsche frtgetragen. Jetzt hat man ihn mit duftigem, bun- tm Kreton dragiert und erwartungsvoll, festlich- f erlich steht er in der Ecke. Aus dem ganz ge- Ähnlichen Wäschekorb ist ein Babykörbchen ge- tnrDen. Und ich bleibe dabei: es ist das schönste jiöbel in unserer Wohnung.
Weil es für mich noch so neu ist, zieht es mich »imchmal hin. Einmal beobachtete mich meine Frau, tri) sie lachte wie über etwas ganz Komisches. Ich |iD sie verdutzt an. „Warum gehst du denn auf Ehenspitzen?" fragte sie.
.Ich — auf Zehenspitzen?" entfuhr es mir. Es gar kein Grund vor, auf Zehenspitzen zu gehen.
J15 Babykörbchen ist nämlich noch leer. Erst in tjem Monat wird ein Menschlein drin liegen.
Wenn wir jetzt Besuch bekommen, kommt mit der s azision einer Weckeruhr der Augenblick, wo rin« Frau die Geschichte von den Zehenspitzen zu
Verdunkelungszeit
8. April von 20.08 bis 6.41 Uhr.
eahlen beginnt. Es ist zugleich die Geschichte einer Handlung. Wer hätte gedacht, daß ich einmal auf Hhenspitzen zu einem noch leeren Babykorb schlei- jit würde.
3a, er hat eine geheime Anziehungskraft, dieser Lib. Er zieht mich vom Schreibtisch weg in das ft'ire Zimmer, wo er seit einigen Tagen steht. Un- li Mrlich dämpft man den Schritt, wenn man sich ih nähert. Früher wäre man sich dabei komisch vT-gekommen, aber werdende Väter gleichen Kim kn zu Weihnachtszeit. Man ist aufgeregt und er- ^wrtungsvoll. Man möchte schon durchs Schlüssel- ItD schauen. Und wenn man auch kein Gedicht strit, das man dem Weihnachtsmann aufsagen muß, Erlernt man doch viele gute Vorsätze als Ehemann, '-Iler und Erzieher und prägt sie sich gut ins Ge- d^tnis.
F Der Storb ist noch leer, aber schon die Vorstellung, kl hier bald ein neues Leben liegen wird, ver- vncht ein leises Beben im Herzen. Ein Beben vor V ude und Stolz. Aber auch ein großes, warmes Meid ist in einem vor der Hilflosigkeit und dem Aisgeltefertsein des Werdenden. Hier wird es T' en, hungrig nach dem Leben, aber noch unfähig, lld selber das Leben zu erhalten, wenn nicht un- fn Liebe und taufend Handreichungen der Mutter j»7en. So hilflos und ausgeliefert haben einst auch Mnner gelegen, die später- die Welt aus den ; t"uln hoben.
I Die von einem Wunder raunt es um den noch Mr-en Korb. Wenn man länger hin ein schaut, glaubt Mi in den Kissen plötzlich ein rosiges Etwas zu sri-n, mit niedlichen Händen, es atmet und schläft, M man möchte, daß es die Augen auf schlägt, und Ml hält doch den Atem an, um es nicht zu wecken. MM* wenn man bann fortgeht, tut man es sicher Mtder auf Zehenspitzen ... K. R. N.
Bo-noiizen.
Tageskalender für Dienstag.
I Stadttheater: 19 bis 22 Uhr „Das Land des Adelns". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Späh-
Hallgarten". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ^Petersburger Nächte".
Sladllhealer Gießen.
.heutigen Dienstag findet eine Wiederholung fr: erfolgreichen Neuinszenierung von Lehärs Ope- pe „Das Land des Lächelns" statt. Musikalische $rung: Arthur Avelt. Spielleitung: Harry Grü- Bühnenbild: Karl Löffler. Tanzleitung: Jrm- Mid Trömel. 27. Dienstag-Miete.
Ortszeit für den 9. April.
Sonnenaufgang 6.43 Uhr, Sonnenuntergang 20.13 Ml. — Monduntergang 5.24 Uhr, Mondaufgang
Uhr.
Tanzgastspiel Höpsner.
Mit KdF. im Gloria-Palast.
b Schwestern Hedi und Margot Höpsner, At Solotänzerinnen am Deutschen Opernhaus in ItCin, gaben gestern abend im vollbesetzten Gloria- Idift ein Gastspiel. Das Gastspiel war kennzeich- Ifür Stil und Eigenart des auch in der Pro- bekannt gewordenen Schwesternpaares, dessen ingsmäßiger Ähnlichkeit eine tänzerische Dop« gabung entspricht: ihre Aeußerung wirkt wie ikkurate Wiederholung einer solistifchen Erfin- und Erscheinung, allenfalls differenziert durch l wahrnehmbare, geringe Temperamentsunter, e; bemerkenswert ist überdies die Beziehung Tanzes zum Theater, die Herkunft des Schwe- paares von der Bühne und die Bindung ihrer iltungen an die Bühnenform. Besonders bei» )aft dafür war in dem hier vorgeführten ramm ein Tanz „Kolo — an der dalmatinischen ", fast aktuell im Thema, folkloristisch betont, r und locker, technisch durch einen kurzen Trip- P"reritt charakterisiert, der in der Verdoppelung N Figurenspieles sehr reizvoll wirkte; ferner der Hielte und sehr wirksame Feuertanz von de Falla, jfladrig, trotzdem straff akzentuiert im Doppel- WQto, dessen „Talon" an den spanischen Natio- Wtcnz erinnert; endlich der grellbunte, raumfül- M und lustige Dorfklatsch (Bullerian), wo der Ipirgang vom Tänzerifchen zum Pantomimischen f deutlichsten wird; fast schon jenseits des Tän- flhen, im Bezirk des grotesken, rein mimisch ge- rrn Varietä-Sketschs: die beiden Skizzen „Er- Rendezvous" (Margot) und „Letztes Rendez- fi* (Hedi), ein ausgesprochener Publikumserfolg, pie individuelle Eigenart der beiden Schwestern '^i fen die lyrischen Intermezzi: Arabeske von 1 Sjimann (Margot) und Sonatine von Grieg W); beide bezeichnet durch eine weiche, fließende -Einführung. Dies waren, vergleichsweise, die ■ treffendsten Beispiele für sogenannten reinen •ux. der im Gesamtbilde indessen hier ziemlich Iberisch erscheint, während die funktionelle Der-
Ng zur theatralischen Schwesterkunst allent- htxi\ unverkennbar ist. Als wiederum typisch ist Diesem Sinne die sehr präzis entwickelte, m
Ktfumen raum füllende Oestliche Tanzimprefsion 'l2'l»char) zu nennen. ~ , ,
•Mi: technischen Grundlagen der Tanzubung bet«
^chres-HauplversammIung des Schützenvereins.
Im Schützenhaus fand am gestrigen Montagabend die diesjährige Jahreshauptversammlung des Schützenvereins e. V. Gießen statt, die Dercins- !>>hrer Willi Georg mit Worten der Verbundenheit mit den wieder zum Kampf angetretenen deut- fd^n Soldaten und dem Treugruß an den Führer eröffnete^ In feinem Geschäftsbericht gedachte der Vercinssührer der unter den Fahnen stehenden Schützenkameraden. Wie er berichtete, konnte der Schükenverein trotz des Krieges auch im ab gelaufenen Jahr gute Erfolge erzielen, so daß mit Stolz fcftgeftellt werden kann, daß er seiner Pflicht nach« gekommen ist. Im abgelaufenen Jahr hat sich der Verkauf des Schützenhauses an die Stadt auch si,nanziell aUsgewirkt. Die Beteiligung an den Schießwettkämpfen war gut, die am Zimmerstutzen- schießen sogar sehr gut. Den verstorbenen Kamera- den, Beiratsmitglied Karl Allendörfer und Beiratsund Ehrenmitglied Heinrich Noll, der ein Stück Geschichte des Vereins verkörperte, wurde ein stilles Gedenken gewidmet. Zu Ehrenmitgliedern wurden im abgelaufenen Jahr die Kameraden Fr. Groß, Hammermann und Fritz Jung ernannt. Besonderer Dank wurde dem bewährten Schießwart Schönau für die vortreffliche Führung der Jungschützengruppe ausgesprochen. Der Vereinsführer dankte allen Mitarbeitern und überreichte dem Schießwart, Bäckermeister Gg. Schil- l i n g, das ihm' vom Bereich Hessen des NSRL. übermittelte Diplom als Gaumeister mit der Scheibenpistole.'
Schießwart Gg. Schilling gab hieraus den Bericht über den Schießbetrieb im ersten Kriegsjahr, das dem Verein neue Meisterehren eintrüg. 3n dem Bericht wurde festgestellt, daß die daheim- gebliebenen Kameraden mit noch größerem Eifer den Schießsport ausgeübt haben. Meisterschasts- kämpfe im Großkaliber wurden nicht ausgetragen. Das WHW.-Schießen brachte einen namhaften Betrag ein. Bei dem Fernwettkampf erzielte eine Mannschaft (Gg. Schilling 308. Hch. Appel 306, K. Mootz 297, W. Georg 294, W. Schneid 275 N.) im Kleinkaliberschießen mit militärifdym Anschlag 1480 Ringe, die Mannschaft (Gg. Schilling 309, Hch. Appel 307, W. Georg 298, K. Mootz 297, Joh. Wessels 290 R.) im Kleinkaliber beliebigen Anschlag 1501 Ringe. Die Dereinsmeisterschaft in. Klein- kaliber militärischem Anschlag errang Hch. Appel
mit 163, im Kleinkakiber beliebigem Anschlag Gg. Schilli ng mit 159 und mit der Scheiben pistole W. Georg mit 442 Ringen. Die Werner-Legler- Plakette schoß Hch. Appel. Die Unterkreismeisterschaft errang in der Klasse A im militärischen An- schlag die Mannschaft W. Georg 149, G Schilling 148, Hch. Appel 145 und W. Schwirrn 146 Ringe, zusammen 579 Ringe. Die Unterkreismeifterschaft in der Klasse A mit beliebigem Anschlag errang die Mannschaft Hch. Appel 157, Gg. Schilling 152, W. Schwinn 146, W. Georg 144 Ringe, zusammen 599 Ringe. Einzelmeister wurde Hch. Appel mit 157 Ringen. Die Kreismcisterschaft wurde nicht aus- gesckrossen. Die Gaumeisterschaft errang in der Klasse A im militärischen Anschlag die Mannschaft Hch. Appel 155, Gg. Schilling 146, W. Georg 135 irnb W. Schwinn 130 Ringe. Im beliebigen Anschlag schossen in der Klasse A: G. Schilling 152, Hch. Appel 151, W. Georg 132 und W. Schwinn 130 Ringe, zusammen 565 Ringe. Ein guter Erfolg war das Schießen mit der Scheibenpistole um die Gaumeisterschaft. Die Mannschaft Gg. Schilling 455, Hch. Appel 448, W. Georg 446 und I. Kuhnert 394, zusammen 1743 Ringe, wurde Gaumeister und stand mit ihrer Leistung an 9. Stelle im Deutschen Schützenverband. Gaumeister mit der Scheibenpistole wurde Gg. Schilling mit 455 Ringen.
Schießwart Schönau berichtete über die Jung- schützengruppe, die im Winterfchießen gute Erfolge erzielte und sich gut entwickelte.
Aus dem vom Kassenwart Willi Schumann erstatteten Kassenbericht war zu entnehmen, daß die Mitgttederzahl sich nicht verändert hat. Den einberufenen Kameraden wurde der Beitrag, erlassen, außerdem wurden ihnen Feldpostpäckchen 'ins Feld gesandt.
Kassenbericht und Vora-nschlag wurden einstimmig angenommen und dem Vereinsführer einstimmig Entlastung' erteilt. Kamerad Georg Schilling sprach dem Vere'insftihrer W. Georg für seine vorbildliche Führung und seine große Mühe, bi6 vor allem auch dem Nachwuchs galt, Dank aus.
Nachdem die Fernwettkämpfe bereits begonnen haben, werden zu Ostern die Ehrenscheiben ausqe- schofsen. Nachdem noch organisatorische Fragen be- sprachen worden waren, schloß der Berein'sführer die Hauptversammlung in üblicher Weise.
Arbeit an Feiertagen.
Lpd. Der 1. Mai, der Karfreitag, Ostermontag, Himmelfahrttag und Pfingstmontag behalten auch in diesem Jahre den Charakter eines Feiertages. Die Gewerbeaufsichtsämter sind befugt, die Beschäf-. tigung von G^solgschaftsmitgliedern an Sonn- und Feiertagen zuzulassen. Um jedoch die zusätzliche Er- holung der Volksgenossen sicherzustellen, dürfen der« artige Genehmigungen nur in solchen Fällen erteilt werden, in denen ein Arbeiten an Feiertagen mit Rücksicht auf die Erzeugung kriegs- und lebenswich- tiger Güter, zur Fertigstellung kriegswichtiger Bau- ten ober aus ähnlichem Anlaß unvermeidlich ist. Für die im Rahmen dieser Feiertagsarbeit geleisteten Stunden erhaUen die Gefolgschaftsmitglieder die in den Tarifordnungen bzw. Anordnungen vorgesehe- nen Feiertagszuschläge.
Eröffnung -es Obus-Betriebes Ende dieses Monats.
Nachdem die Arbeiten zur Herstellung der Strom- Zuleitungen für den Obus-Betrieb in unserer Stadt, als Ersatz für die Straßenbahn, im Verlaufe der letzten Wochen gut vorangekommen, besonders auf einer Strecke das Setzen der Masten und Spannen der Leitungsdrähte schon fast beendet sind, ist mit der Inbetriebnahme der ersten Linie des Obus- Verkehrs für Ende dieses Monats zu rechnen. Von den bis jetzt im Depot des Elektrizitätswerks eingetroffenen sechs Obus-Wagen werden die ersten von Ende April ab auf der Linie Bahnhof—Bahnhofstraße—Selterstor—Hindenburgwall—StadAhea- ter—Ludwigsplatz—Kaiferallee hinaus zur Röd« gener Straße und umgekehrt fahren. Die anderen
Linien sollen jeweils nach der Fertigstellung sofort in das Betriebsnetz eingegliedert und da,ür die weiteren bereits vorhandenen bzw. die in den näch- ften Wochen zll erwartenden Obus-Wagen eingesetzt werden. Voraussichtlich um die Mitte des Sommers dürfte der gesamte Obus-Betrieb im Gange fein.
Ruderer-Auftakt auf der Lahn.
Der „Tag des deutschen Rudersportes" war auch für die beiden Gießener Ruderoereine der Anlaß, ihre Boote auf die Lahn zu bringen. Der Gießener Ruderklub „Hassia" konnte nur " wenige Boote zu Wasser bringen. Um den Vereinsführer Fr. Sch ü ß- ler versammelten sich die Sportkameraden, um die Uebertragung anzuhören, die Flagge zu hissen und dem Startbesehl des Reichssportsührers Folge zu leisten.
Die Gießener Rudergesellschaft 1877 veranstaltete am Vorabend einen Kameradschaftsabend unter Leitung des Vereinsführers Studienrat Scharmann, bei dem Sportkamerad Becker zwei Filme vorführte. Der erste Film zeigte eine Ruderfahrt auf der Donau, der zweite vermittelte technische Einzelheiten des Rudersportes.
Die GNG., die im Vorjahr einem Rudersportverein im befreiten Osten ein Boot, das den Namen der Stadt „Gießen" trägt, zum Geschenk machte und das am „Tag des deutschen Pudersportes" seine Taufe erhielt, konnte auch in diesem Jahre wieder ein Boot in Betrieb nehmen. Es handelt sich um einen Gigvierer, den die Frouenwartin Frl. Kim- m e l auf den Namen „Adolf Sudheimer", des verstorbenen Gießener Beigeordneten, taufte, dessen Verdienste Vereinsführer Scharmann in einer
Ansprache würdigte. Im Anschluß an den Taufakt fand die Uebertragung der Eröffnung des 105. Ru« dersportjahres statt. Als um 12 Uhr der Reichssportführer das Startkommando für alle deutschen Ruderer gab, gingen auch auf der Lahn die ersten Boote aufs Wasser.
Im unteren Bootshaus der GRG. nahm später der Vereinsführer die Ehrung verdienter Kameraden vor. Vereinsführer Sch a r m a n n entbot zunächst den einberufenen Kameraden den Gruß der Heimat und widmete den Gefallenen ein stilles Gedenken. Für 50jährige treue Mitgliedschaft wurden dis Sportkameraden Ernst C h a l l i e r, für 40jährige Karl Zülch, für 25jährige Mitgliedschaft Dr. Goerres und Hans Schmoll und außerdem der Bankbeamte 2v!lli M ü ll e r geehrt. Der stellvertretende Bezirksführer des NSRL., Stein, überreichte dem Sportkameraden Fr. L e v ermann, der einige Jahre Vereinsführer des in der GNG. aufgegangenen Vereins für Rudersport mar und sich jetzt während des Krieges bcrcitgefunbert hat, die Führung des Lahn-Regatta-Vereins wieder zu übernehmen, Den Ehrenbrief des Bereiches Hessen des NSRL.
Lehrgangsarbeit im NGRL., Bezirk Gießen.
Zur Schulung der besten Turnerinnen des Kreises Gießen führte Bezirksfrauenturnwart Schneider (Wetzlar) am Sonntag in der Schillerschule in Gießen einen Lehrgang durch. In anschaulicher und lebendiger Art lehrte er die gymnastische Form des Laufens, Federns und Springens. Weiter folgte Gymnastik mit besonderer Betonung der Haltungsund Kräftigungsübungen. Mit großem Eifer und viel Freude wurden dann leichte und schwierige Auf- und Abgänge und Uebungsocrbinbungcn am Barren durchgeturnt. Es beteiligten sich Turnerinnen aus Gießen, Gießen-Wieseck, Heuchelheim, Großen-Lin» ben und Butzbach am Lehrgang.
Zu gleicher Zeit wurde in der Turnhalle von 1846 am Oswaldsgarten ein Lehrgang für geübtere Turner unter Leitung von Bezirksmännerturnwart Reuter durchgeführt, zu dem die erfolgreichsten Teilnehmer aus den Lehrgängen für Jugend- und Nachwuchsturner zugelassen waren. Hier wurde hauptsächlich das Turnen an den Ringen gefördert
Gießener Dochenmarktpreije.
Nachstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sich für A-Ware Für L-Ware oder abfallende Ware sowie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger.
* Gießen, 8. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 NM., Matte 30 Npf., Käse, das Stück 7 bis 9, Kartoffeln, 5 kg 45, Weißkraut, % kg 10 bis 12, Rotkraut 13 bis 14, gelbe Rüben 12, rote Rüben 10, Spinat 29 bis 32, Unterkohlrabi 5 bis 8, Meerrettich 40 bis 65, Schwarzwurzeln 20, Feldsalat, Mio 10, Aepsel, % kg 30 bis 40, Lauch 24, Sellerie 21 bis 23, Blumenkohl, das Stück 45 bis 70, Endivien 15 bis 20, Salat, Mio 15 Npf.
Dieses Jahr mehr Wandertage.
Gerade während des Krieges kommt dem Wandern eine besondere Bedeutung zu, denn es ist die einfachste und beste Art der Erholung, die wir kennen. Die NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude" beabsichtigt daher im Gau Hessen-Nassau nicht nur die Wandertage im bisherigen Umfang aufrechtzuerhalten, sondern ihre Zahl noch zu vermehren. In allen Kreisen werden wieder Wandertreffen, Betriebswanderungen und sonstige gemeinschaftliche Wanderungen durchgeführt.
Wer seine Zähne immer richtig pflegt, erhält sie gesund und dadurch schön.
Ch lorodont
weist den Weg zur richtigen Zahnpflege
der Schwestern, auf dem klassischen Ballett auf« bauend, sind bezeichnet durch die Spanne vom Walzer (Tschaikowski, Strauß) bis zum Step (Wol- kenkratzermelodie), dessen selbständig gewordener scharfer Rhythmus fast schon der musikalischen Untermalung und Akzentuierung entraten kann. Am Flügel wirkte korrekt und zuverlässig Hans K e ß - ner vom Deutschen Opernhaus, Berlin, der auch mit solistischen Einlagen (Brahms, Semprini) vielen Anklang fand. Choreographie und Kostümentwürfe: Hedi und Margot Höpsner; Kolo: Originalkostüm. — Großer Beifall; mehrere Wiederholungen. Hans Thyriot.
Der Wecker im Gehirn.
Von Dr. H. Schütte.
Ein Mann träumt: Er ist wieder ein kleiner Junge und geht in feines Großvaters Garten zwischen den Gemüsebeeten hin und her. Da kommt plötzlich hinter einem Stachelbeerbusch ein großer Hund heroorgeschossen, stürzt mit wütendem Gebell auf ihn los und schnappt nach seiner Hand. — Der Träumer verspürt einen stechenden Schmerz im kleinen Finger der rechten Hand, und plötzlich ist er wach. Mit einem Ruck fährt er im Bett hoch, und siehe da, der kleine Finger der rechten Hand tut ihm wirklich weh. Als er ihn sich besteht, muß er eine kleine Quetschung feftftellen, und nach einigem Nachdenken findet er auch die Ursache. Er hatte sich im Schlaf etwas zu weit auf die rechte Seite gedreht und war dabei mit dem Finger zwischen Bettkante und Nachtschränkchen geraten. Das Gehirn hatte den Schmerz wohl ausgenommen, da das Bewußt- sein aber im Schlaf „feinen Betrieb einstellt", wußte es nichts besseres zu tun, als mit Hilfe des Unter- bewußtfeins einen solchen Wecktraum zu erfinden, der keine andere Aufgabe hatte, als dem Schläfer den Tatbestand an feinem rechten Finger zur Kenntnis zu bringen. —
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Solche Weckträume haben eine wichtige Aufgabe. Sie sorgen dafür, daß dem Körper auch im Schlaf nichts Ernstliches passiert. Der Schlafende verliert nämlich mit dem Bewußtsein auch die Energie. Wir empfinden das sehr deutlich morgens beim Er- wachen. Es dauert fast immer eine bestimmte Zeit, bis man sich aufraffen kann, etwa nach der Uhr
zu sehen oder das elektrische Licht einzuschalten. Meist muß man sich zunächst eine ganze Zeitlang vornehmen, eine bestimmte Handlung auszuführen, bis schließlich der gesammelte Wille ausreicht, die Augenlider zu öffnen und der Hand bestimmte Befehle zu erteilen. Wie es Überhaupt kommt, daß das im Schlaf entflohene Bewußtsein wieder zurückkehrt und die körperlich und geistigen Kräfte in Gang bringt, das ist ein interessantes, aber wissenschaftlich durchaus nicht einfaches Problem. Wie Professor L. R. M Ü l l er in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift mitteilt, hat man nach Anregungen des Jenaer Psychiaters Professor B e r ge r bie elektrischen Spannungen in der Großhirnrinde gemessen und dabei feftgeftellt, daß die starken wellenförmig verlausenden Schwankungen, die während des Wachseins auf lebhafte Tätigkeit der Hirnzellen hindeuten, beim Einschlafen allmählich immer ausgeglichener werden. Die Wellen werden flacher, bis schließlich im festen Schlaf die starken Zacken der Wachkurve nahezu vollständig verschwunden find. Erst mit dem Aufwachen nehmen die elektrischen Spannungsschwankungen wieder zu, um dann nach einiger Zeit in der Tageskurve überzuleiten. Wenn die Versuchspersonen, an denen die Messungen durchgeführt wurden, stark ermüdet waren, dann sah man deutlich flachere Wellenschwingungen zwischen die normalen eingeschaltet. Ein Zeichen, daß die winzigen Akkumulatoren, die — wie jede Zelle auch die Hirnzelle darstellen, erschöpft find und wieder aufgeladen werden müssen. Wenn man auch noch keine Vorstellung davon hat, welche chemischelektrischen Erscheinungen sich dabei abfpieten, so haben diese Messungen doch immerhin einiges Licht in die Fragen um Den Schlaf gebracht.
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Diese Kurve der Tätigkeit der „bioelektrischen Hirnmotoren", wie Professor Müller diese leben- dige Kraftzentrale im Gehirn genannt hat, verläuft natürlich bei jedem Menschen anders. Es gibt bekanntlich Menschen, die leicht aufwachen und sofort völlig munter sind, die sozusagen in einem Ruck aus dem Bett springen und gleich in der Lage sind, sich in ihrer Umwelt zu orientieren, und andere, die nur mühsam zu sich kommen und selbst beim Rasieren noch ganz dösig und benommen sind. Das läßt sich Daraus erklären, daß bei Den einen Die elektrischen Vorgänge im Gehirn sehr rasch wie- Der in Gang kommen, während bei den anderen die Hirnmotoren eine ycmz zum Anlaufen brauchen. Das sind an sich ganz natürliche, mit der kör
perlichen Konstitutton zusammenhängende Erscheinungen. Ein Mensch, der morgens nur schwer zu wecken ist, der bis in Den hellen Sonnenschein hinein schläft, wenn ihn nicht ein Wecker nachDrücklich zu sich ruft, ist keineswegs faul. Erst wenn Der Schläfer, auch nachdem er völlig wach geworden ist, nicht Den Entschluß zum Aufstehen findet, sondern den Schlaf künstlich fortzusetzen trachtet, obwohl er seiner gar nicht mehr bedarf, kann man von Faulheit sprechen. Im übrigen soll man Menschm, die schwer munter werden, nicht schelten, wenn sie oft noch eine Weile verdrossen sind, sie fömien nichts dafür.
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So interessant diese Beobachtungen find, manches ist doch noch immer ungeklärt. Z. B. die Frage, weshalb alte Leute oder Kranke oft mitten in Der Nacht aufwachen, ohne schon völlig ausgeschlafen zu haben, und sich wirklich erholt fühlen. Sie find dann meistens geistig ganz munter, können lesen odersich mit irgendwelchen Problemen beschäftigen, und schlafen Dann nur schwer wieder ein. Im Un- terbewußtsein herumspukende Sorgen oder körperliche Beschwerden, wie Fieberzustande, mögen bei diesem vorzeitigen Aufwachen beteiligt fein. Pro- feffor Müller nimmt auch an, daß im Alter die Aufladung Der Hirnzellen mit bioelektrischer (Energie nicht mehr so lebhaft erfolgt, wie in der Jugend, wo der Schlaf meist mit tiefer Bewußtlosigkeit verknüpft ist. Die meisten Kinder schlafen weiter beim größten Lärm, der einen Erwachsenen ohne weiteres aufwecken würde. Erst wenn Die Lebenserfahrungen in die seelischen Vorgänge eingreifen, ändert sich Das. Es ist eine ziemlich bekannte Beobachtung, daß Menschen, Die zu einer bestimmten Zeit an ihrem Arbeitsplatz sein müssen, meist auch zu einer bestimmten Zeit aufwachen. Es ist die „Pllichtuhr", die sie weckt. Es gibt Künstler auf diesem Gebiet, Die imstande sind, sozusagen auf Die Minute mad) zu werden. Sie brauchen sich am Abend nur vorzunehmen „ich will um 6 Uhr wach sein": mit dem Glockenschlag 6 Uhr kehrt dann das Bewußtsein zurück. Auch der Schuljunge, Der vom Lärm des vor- beidonnernden Lastwagens nicht geweckt wird, ist sofort munter, wenn Der morgendlich weckende Vater Die Hand auf Die Türklinke legt. Das leise Klicken setzt die Pflichtuhr in Tätigkeit. Wie es ihr allerdings gelingt, Die kleine elektrische Anlage im Gehirn so rasch in Schwung zu bringen, Das ist vor« läufig noch ein Geheimnis.


