Hr. 200 Zweites Blatt ________Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberWen)6./7. Dezember Ml
Aus der Stadt Gießen.
Nikolaustag.
Von gar mancherlei Art sind die Bräuche, die den t. Dezember, den Tag des Nikolaus von Myra, lennzcichncn. Dieser Tag spielte früher eine besonders große Rolle als allgemeines Bescherfest. Allerlei Luchen und Gebildbrote wurden in Menge gebacken, Märkte wurden abgehalten, die Dienstboten erhielten gaben, und die Kinder wurden von ihren Paten teschenkt, allerlei Nikolausspiele wurden veranstaltet, besondere Bedeutung hatte der Tag naturgemäß lür die Hafenplätze, ist doch Sankt Nikolaus der tzatron der Seefahrer.
Allmählich blieben von den Nikolausspielen nur f,och die Umzüge am Abend des 6. Dezember übrig, lie bis vor kurzem häufig waren und auch heute noch vielfach üblich finb; so erschienen in der Uckermark die drei „Witten" oder „Vorspöker" in den Häusern, vermummte Gestalten, die die Kinder lob»
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Tagung des NGLB. in Gießen
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6.12. von 17.08 bis 9.15 Uhr.
7.12. von 17.07 bis 9.16 Uhr.
umhäkelt.
Die Ausstattungen, die so in gemeinsamer Sir- beit hergestellt wurden, haben sie in freiwilliger, zusätzlicher Arbeit auf mannigfache Weise ergänzt. Zu Hause wurde gestrickt, gestickt und gehäkelt, und es entstanden wiederum eine Menge hübscher und nützlicher Sachen für die Allerjüngsten, die jetzt in den Grenzen des Großdeutschen Deiches ihre Heimat gefunden haben: winzige Jäckchen und noch winzigere Häubchen, Handschuhe und Mützchen, sauber gearbeitet, mit freundlichen Farben und allerlei lustigen Figuren verziert. Und weil die Kleinen nicht nur was zum Anziehen brauchen, sondern natürlich auch etwas zum Spielen wollen, so hatten die begabten Bastlerinnen unter den Mädels eine Menge guter Einfälle, deren Ausführung ihnen selber viel Spaß gemacht hat. Es wurde Spielzeug gebastelt, gesägt, geschnitzt und geklebt: Puppenbettchen und Puppenstubenmöbel waren besonders beliebt, auch allerlei Tiere aus Holz und zum Ziehen: dazu zierliche Wand- figuren in Laubsägearbeit. Etwas ganz Reizendes sind die selbstaemachten Bilderbücher, bei deren Herstellung Geschicklichkeit und Dhantasie b-er Ma- dels ein überaus lohnendes Betätigungsfeld fanden. Wir haben uns selber davon überzeugt, was man aus einem simplen, billigen Zeichenblock machen kann, wenn man ihn mit Geschick und Geschmack beklebt, bemalt und mit eigener Hand nach der unübertrefflichen Vorlage der Brüder Grimm für Kinder leicht leserlich beschriftet: so wurden an manchem Nachmittag und Abend Rumpelstilzchen und Lumvengesindel, Frau Holle und das kluge Gretel mit Zeichenstift und Wasserfarben zu neuem Leben erweckt. Kein Zweifel, daß die Mädels bei diesen selbstgewählten Arbeiten viel Freude gehabt und auch allerlei gelernt haben. Alle die für die Ost- Kinder bestimmten Gaben werden in diesen Tagen im Uhlheim zusammengetragen und dann den Empfängern zugeleitet werden.
Eine andere, besonders schöne und außerdem zeitgemäße Arbeit für die Mädels war in den
was es beigesteuert hat zu dem Feldpostpackchen, einen netten Brief an einen meist unbekannten Soldaten geschrieben, dem das Päckchen zu Weihnachten beschert werden foU. Gepaut haben the Führerinnen, und es ist sowohl mit Liebe als auch mit Sachkenntnis und haltbarer Kordel geschehen. Jetzt sind die Päckchen schon unterwegs; sie werden hoffentlich allesamt vollzählig und wohlbehalten
Der letzte Opfersonntag im Jahre 1941 soll gleich den gewaltigen Taten unserer Wehrmacht eine Krönung unserer Bereitschaft fein.
Spende dem deutschen Soldaten einen Grammophonapparat ober einige Schallplatten! Du bereitest ihm damit schöne Stunden der Entspannung, die er für seinen schweren Dienst dringend braucht.
Klaubauf.
Von Karl Heinrich Waggerl.
letzten Wochen der Versand von Feldpo st Päckchen für unsere Soldaten an der Front zum Weihnachtsfest. Jede Jungmädel-Gruppe erhielt vom Untergau dafür die Anschriften zuge- wiesen. Eine Gruppe, also etwa 120 Mädels, harte dann beispielsweise zwei Leutnants, einen Unteroffizier und zwei Einheiten zu „versorgen". Je eine der vier Scharen packte gemeinschaftlich ein 2-Pfund-Päckchen. Dahinein kamen erstmal die Plätzchen, die daheim gebacken und in den Haushaltungen der verschiedenen Gruppen gesammelt wurden. Es wurden ferner hineingetan allerlei handliche Feldpostbücher, Ernstes, Heiteres, Unterhaltendes als Lesestoff an der Front, ferner Schreibblocks, Briefpapier und Bleistifte als nützliche Angebinde, endlich Kerzen und Kerzen- Außerdem hat jedes Jungmädel zu dem,
Tuch darstellen, und der höchst gefährlich nach allen Seiten schnappt oder gar die erschreckliche Himmelsziege".
Stets geht der Belohnung oder Bestrafung der Kinder eine Prüfung durch den Gestrengen voraus; meist sagen die Kinder bei dieser Gelegenheit Berschen auf.
Die Hauptsache bleibt aber der gute Nikolaus und all das Leckere, das er bringt. Und damit er euer nicht vergesse, rufet am Abend des 6. Dezember das folgende Sprüchlein zum Fenster hinaus:
„Komm, lieber Nickel, in unser Haus und leer dein Säcklein mit Nüssen aus!"
L. B.
GießenerMädel nähen,vafieln und singen
Weihnachtsgaben für Soldaten und Ost-Kinder.
ADvA Fotofilm
seien ein Soldatenvolk und sie hielten ihren Fah- neiwi'b, genau wie im Weltkrieg. Aber nach der englischen Niederlage, die eines Tages kommen werde, werde auch Schottland erlast fein unb em Wort auf der Insel mitzusprechen haben. Den Aus- führunqen des Redners, die sich auf eine 23sahrige Erfahrung in Schottland stützten, folgte lebhafter Beifall, der vom Amtsleiter mit Worten des Dankes unterstrichen wurde.
Im zweiten Teil der Tagung folgten eimge geschäftliche Mitteilungen, ebenso die Verkündigung und Verteilung der Preise von der A u s st e l l u n g „Seefahrt ist not". Drei Reich«-Sieger-Prelle kamen in unseren Kreis: davon erhielten die Gemeinschaftsarbeiten der Oberschule für Mädchen in Gießen zwei, die Volksschule tn Heuchelheim einen. Außerdem/gab es noch 13 Gaupreise, die in Diplomen, Geldpreisen und Büchern bestanden. Der Kreis Gießen marschiert hier mit an der Spitze. Unter anderem kamen Gaupreise nach Göbelnrod, Hungen, Heuchelheim und an die Justus-von-Liebig-Schule in Gießen.
Nach erläuternden Ausführungen von Lehrer Kimmel (Mendorf, Lahn) über den Anbau von Maulbeer st räuchern und über die Seidenraupenzucht schloß der stellvertretende Leiter des NSLB. die Versammlung mit einem Mahnwort an alle Erzieher, in diesen ernsten Zeiten die Jugend so zu erziehen, daß sie dereinst voll und ganz in dem großen geeinten Vaterlande ihren Mann stellen könnte. Er erinnerte weiter an die Ruhmestaten unserer Soldaten und betonte, daß dies nur möglich fei in einem Deutschland, das geschlossen und einig hinter dem Führer stehe. Die Tagung fand dann in der üblichen Weise chr Ende.
Bornofi^en.
Mozartseiec im Theater der Universitätsstadt.
Vom Dramaturgischen Büro wird gerieben : Die Morgenfeier zum 150. Todestage Mozarts i|t
halb des englischen Reiches gäbe es aber Gegensätze, die ost'nicht verstanden würden. Dazu gehöre u. a. der politische Gegensatz zwischen den Engländern und den Schotten. Der Vortragende ging darauf ausführlich auf die Geschichte des schottischen Volkes ein, erwähnte die vielen Berührungen, die das deutsche Volk in der Vergangenheit mit den Schotten hatte, erinnerte weiter an die vielen Namen, die noch davon erzählen usw. Ganz besonders ging er auch auf das Verdienst des Schotten (nicht des Engländers!) Thomas Carlyle ein, der einst (1874) den Pour le msrite für die Darstellung des Lebens Friedrichs des Großen (in einem achtbändigen Werke) erhielt. Weiter wurde daran erinnert, baß der Führer früher schon erklärt habe, Deutschland wolle mit dem englischen Volke überhaupt keinen Krieg führen. Das gelte auch für Schottland. Man solle sich aber keine falschen Vor- stellungen machen in diesem Krieg, der von einigen Drahtziehern>in London gewünscht wurde, daß die Schotten etwa abfielen von England. Die Schotten
gestrigen Freitagnachmittag versammelten sich die Mitglieder des NSLB. (Nationalsozialistischer Lehrerbund) von G i e ß e n - S t a d t und G i e ß e n - L a n d in der neuen Pestalozzischule. Nach Begrüßungsworten des stellvertretenden Amtsleiters, Oberstudiendirektor Dr.Wolkewitz, gedachte die Versammlung der Gefallenen und Der- ftorbenen und ehrte sie in der üblichen Weise.
Darauf nahm Universitätsprofessor Dr. Vollrath das Wort zu seinem Vortrag über das Thema „England und Schottland". Der Redner erinnerte zunächst daran, daß zur Zeit alle unsere Gedanken zu unseren Brüdern im Osten gingen, daß aber eines Tages unsere Blicke auch wieder nach England gerichtet sein würden. Inner-
Seit einigen Wochen — ungefähr Ende Oktober, Anfang November ging es los — herrscht in den Werkarbeitsstunden aller Gießener Jungmädel-Gruppen in Heimen und Schulräu- men geschäftiges Treiben. Die Zehn- bis Vierzehnjährigen sind mit Nähen, mit Handarbeiten und Bastelarbeiten mancher Art emsig beschäftigt. Die Aufgaben, die hier von geschickten und fleißigen Händen bewältigt werden, sind verschiedener Art. Zunächst einmal galt es, den Ost-Kindern, also den Kindern der aus den besetzten russischen Gebieten heimgekehrten und ins Reich zuruckgeführten deutschen Familien eine Freude zu machen und sie mit nützlichen und hübschen Weihnachtsgaben zu bedenken. Da sind vor allem die in den Werkarbeitsstunden angefertigten Baby-Ausstattung e n. Die Mädels haben für den guten Zweck vor allen Dingen die nötigen Punkte von ihren Kleiderkarten gestiftet und gesammelt; dafür haben die Führerinnen dann das Material gekauft: Hemdchen und Windeltücher entstanden für die Allerkleinsten; die Hemdchen wurden von den Mädels selber zugeschnitten und genäht, die Windeltücher sauber
und gibt gar nichts auf schone Reden, auf alle Würste und Zuckerstücke, die ihm David verspricht.
Darüber vergeht eine gute Zeit. Dann und wann unternimmt der Hund etwas gegen die Langeweile er springt und schnappt nach Davids Zehen, und David zieht die Beine noch ein wenig höher in das Astwerk hinauf. Die Finger frieren ihm ab, vielleicht muß er die ganze Nacht hier oben sitzen, und am Morgen ist er zu Eis erstarrt, em erfrorener Klaubauf im Birnbaum.
Aber schließlich kommt doch der Retter, und zwar in Gestalt des heiligen Nikolaus, der an feinem Tag durch das Dorf wandert, weißbärtig und würdevoll mit Stab und goldener Mütze. Erstaunt hebt er eine Laterne und betrachtet das zottige Gespenst auf dem Baum, dann hakt er seinen Krummstab m bas Halsband des Hundes, um ihn zum Schweigen zubringen.
Wer bist du? ruft er hinauf.
Aber David bleibt die Antwort schuldig. Blitzschnell wischt er herunter und verschwindet mit rasselnden Ketten in der Dunkelheit.
Der heilige Nikolaus und der Hund stehen da und schütteln die Köpfe und wundern sich sehr. War das etwa doch ein richtiger Teufel, der Leibhaftige, wie man sagt? Stinkt es nicht ein wenig nach Schwefel hinter ihm her?
Das neue Bild.
Von Werner Schumann.
Schön ist's, am äußersten Rande der GroßstM zu wohnen, halb schon auf dem Lande, und doch dem gewaltigen Räderwerk zugehörig. Hier draußen fing das helle Atelier eines Malers, der sich vor Jahren mit seiner Familie anstedelte, das Auf und Ab der Jahreszeiten ungebrochen em; leidenschaftlich rang fein herber Pinsel mit dem ürlaut der Erde. Bis auch ihn der Krieg rief unö er als Leutnant mit feiner Kompanie ms Feld ruckte, auf der verwaisten Staffelei unvollendet einen vielversprechenden „Dorfrühlingsmorgen" hinterlassend, den seine Frau wie ein Heiligtum hütete.
Nun saß der Leutnant vor der matt leuchtenden Kerze eines Bauernhauses im Osten unblas einen । Bries seiner Frau. Als er ihn zu Ende gelesen : hatte, lächelte er. Dieser erregt geschriebene Brief ' enthielt nämlich eine Beichte. Eigentlich wage sie : es kaum» zu gestehen. hatte Charlotte geschrieben,
die weite Reise nach Rußland oder nach Afrika überstehen und zu Weihnachten einem Landser das Gefühl geben, daß in der Heimat nicht nur seine nächsten Angehörigen an ihn denken und ihm etwas Liebes antun wollen.
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Dem gleichen Gedanken entspringt auch der Einsatz der Jungmädel in den Lazaretten. Er wird in den nächsten Wochen, um die Weihnachtszeit, stattfinden, und es werden gegenwärtig dazu in den Junamädelgruppen die nötigen Vorbereitungen getroffen. Es werden da die Weih- nachtslieder einaeübt, die — wo es sein_ kann, mit instrumentaler Begleitung, meist Blockflöte — den Verwundeten in den Gießener Lazaretten gelungen werden sollen; andere Jungmädel, die dafür begabt und geeignet .sind, werden Gedichte aufsagen und Geschichten erzählen, und olle, die in die Lazarette gehen, werden mit Feuereifer und freudigem Herzen bei der Sache fein, unseren verwundeten Soldaten eine Freude und eine Stunde fröhlicher Unterhaltung und schmerzlindernder Entspannung zu bereiten. —Y™
Und wenn er die unartigen Kinder auch nicht gleich in seinen Sack steckt, mit der Rute straft er sie doch; die artigen Kinder aber erhalten Nüsse und Lebkuchen. Auf dieselbe Weise beschenkt im Rheinland Sankt Nikolaus die Kinder, die schon lange dor -einem Tag ihre Gebete an ihn gerichtet haben, deren Zahl sorgfältig eingekerbt wurde in ein Stab- chm, das „Batholzli" (Betholz) oder „Kloseholz.
Schon am Vorabend des Nikolaustages stellen die Kinder Teller und Schüsseln vor die Tür oder ihre Schühchen vors Bett oder den Herd, sie hängen ihre Strümpflein vors Fenster und hoffen, daß er etwas hineinlege. Da findet das folgsame Kind am nächsten Tag Aepfel oder Nüsse, das böse aber wohl Kohlen oder gar eine Nute.
In mancherlei Gestalt erscheint der Nikolaus bald als gütiger weißbärtiger Alter (weit verbreitet) oder eher wie im Sudetenland, mit rußgeschwärztem Gesicht und struppigem Flachsbart, in rauhe Pelze xehüllt, wie auch anderwärts auf dem Nucken den Sack mit Aepfeln und Nüssen, in der Hand die Rute, tiie er drohend schwingt, so daß auch dem kecksten Buben der Mut vergeht, vor dem Gestrenoen selbst das unartige Sprüchlein laut werden zu lassen:
• „Ei, bu lieber Nickelsmann, was willst du denn bei mir? Ich fass' dich bei der Zippelmutz und schmeiß dich vor die Tür."
Zu Fuß kommt der Nikolaus ober auch wohl ge- Titten: in der Eifel auf einem Ochsen, irn Sudeten- land früher auf einem Esel oder einem Schimmel, woran noch der Nikolausspruch erinnert:
Wolle ins Gesicht. Die Horner kann er sich ersparen, wenn er seine Wollhaube aufsetzt und em paar Krähenfedern hineinsteckt, und was die Zunge betrifft, so braucht er nur feine eigene herauszustrecken, die ist lang genug.
Nun steht David also draußen in der Dämmerung, ein einsamer Teufel. Kein Mensch ist unterwegs das trifft sich gut, aber gewissermaßen ist es auch unheimlich, so still und so dunkel. Die Wahrheit zu aqen, es ist David nicht ganz wohl m ferner Haut, ein wenig graut ihm vor sich selber, vor dem scheust- lichen Gespenst, das er ist. Er hat eigentlich vor- gehabt vor einer bestimmten Tur so lange zu raffeln' und zu grunzen, bis da jemand auf den Knien lag und mit aufgehobenen Händen um Er-
^^Bist'du Agnes, wollte er fragen, die einen gewissen David immer kränkt?
Ja aber sie wolle es nie mehr tun.
Oh, das käme nun zu spät, die Tränen und das reumütige Gewinsel, sie hätte sich früher besinnen sollen Ohne Gnade müßte sie zur Holle fahren. Ja und da wurde sie an den Zöpfen aufgehangt und unter ihr stünde eine P,anne mit siedend h-chem Krapsenschmaiz, und jeden Tag risse em Haar nur ein einziges. So dick die Zopfe auch sind einmal hinge sie doch am letzten Härchen und fiele und müßte elend verbrennen.
Ach würde Agnes jammern, gibt es denn ferne Rettung mehr? Ich könnte von David joi den Ring annehmen, den er mir einmal kaufen will, und ihm ewig treu fein, immer und etpig.
Za dann! Dann würde David wohl doch ein letztes Mal gnädig fein, wenn Agnes fo gute Vorsätze hatte.
Wäre es nur schon fo weit. Es friert '.dn erbärm- lich an den Zehen Außerdem hort David schon. d,- nnn,, v,jt in der Nähe etwas knurren und schnauben^ und wenn das vielleicht der Forsterhund ist, si> wird es gut sein, sich nach dem Rückweg umzu- sehen, nach dem kürzesten Weg hinter eine chaustur.
Ja aber leider hat der Försterhund die Wildhaut schon' gewittert, plötzlich kommt er herangesturzt, und im nächsten Augenblick hockt der Hirschledern« Teufel auf dem Birnbaum.
Waldmann läuft im Kreis um den Baum und verbellt das Wild, wie es sich für einen guten Hund aehört Wahrscheinlich kommt es ihm em bißchen wunderlich vor, daß die Hirsche neuerdings au Bäume klettern. Aber einerlei, er tut jeme Wicht
Ich bin der Nickel aus dem Himmel, reit einen weißen Schimmel.
Ich komme aus dem Himmelreich, ich strafe bit Faulen alle gleich.
Wenn die Kinder nicht fleißig beten und fingen, wird ihnen die Rut auf dem Rücken rum springen." Nicht immer ist der Nikolaus allein, oft (z. B. im Sudetenland) begleitet ihn sein Knecht, der „Ruprecht" (in manchen Gegenden wird der Nikolaus selbst ' „Knecht Ruprecht" genannt), „Ruprich", „Zempa" ober „Krampus", der wohl auch ohne den Nikolaus mit mehreren Kameraden erscheint. Diese „Krampusse" führten dann öfters einen „Bären" (einen in Stroh gewickelten Burschen) mit sich ober den „Schnappesel", den zwei Buben unter einem
^Einmal wollt- der Bifchos Nikolaus einem armen Eseltreiber Mehl in die Truhe schütten, da sah der Teufel auf dem Deckel.
Hebe dich weg! sagte der Bischof.
Mit Nichten, jagte der Teufel, «S W*.1
Der Eseltreiber war nämlich tn feiner tag lung ausqcgangen, um einen Sack Mehl zu stehlen, und deshalb hockte der Teufel auf der Truhe, um ihm gleich den S)als umzudrehen, w-mi-rnach Haufe kam. Ach Gott, wie war dem Bischof um die arme Seele bang' Er be^ne und beschwor den Bosen, allein der wollte Nicht weichen. Er stanli nur jo sürchterlich, daß dem Nikolaus die Augen über ^Indessen kam der Eseltreiber heim, er hörte den Lärm im Hause und erschrak, weil er m° nie, es se schon die Wache hinter ihm her Eilig lies er UN brachte den gestohlenen Sack wieder an !°men Orü Aufdiese Weise hals der TeusA dazu, einenSünder zu bekehren, und das gefiel dem beit 9 feinen so wohl, daß er ihn fortan als Grausknecht in |cm
Alle Kinder kennen ihn, er ist em haariger namens Klaubauf. Er bleckt Zwar dieZ 9 rasselt mit Ketten, aber wenn man genauer hmpey, fo entdeckt man Mitunter Ha^awhren und ch stiefel unter feinem Pelz. 2m ®rutl^ A}I e,ne natürlich niemand, obwohl es von Vorteill tf, Bettstatt hinter sich zu haben unter der man^ schwinden kann, wenn er nut feiner ö «mäbAen- nahe kommt. Er ist nichts weiter als e schreck, ein Angsttraum für die ganz Klemen. B schen wie David sind seiner Rute schon^twach\ Mehr noch, David beschließt sogar, dresmal ven Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben und st«Y selbst als Klaubauf zu versuchen. Zu diesem Zweck entleiht er sich eine Hirschdecke beim der gelegentlich mit Fellen handelt, er g Suhlten um di« Hüsten und leimt M
aber da das Atelier doch nun so leer stunde, hatten sich die beiden Aeltesten dort tagsüber öfter em- genistet. Er wisse doch, wie wild die Bengels seien, und da sei es eben gestern passiert. Das Unglück, das ihm zu gestehen ihr schmerzlich genug ankomme: das unvollendete Bild, das letzte aus des liebsten Mannes Hand, fei zerstört, und cm böses Loch klaffe in der Leinwand ...
Er lächelte erstaunt und ergriffen, wahrend er die Augen zwischen dem Bries in der Hand und einem leuchtenden Aquarell an der Lehmwand hm und her wandern ließ. Welch seltsames Zusammentreffen der Ereignisse! Er hatte, vielleicht unbewußt angeregt durch auf dem Acker arbeitende Bauern und die Umstände feiner eigenen Behausung, Zeit und Kraft gesunden, jenes angefangene, ihn aber seelisch völlig beherrschende Motiv noch einmal ganz aus dem Gedanken heraus zu gestalten. Und siehe, es erschien ihm noch dichter m der Stimmung, noch lebendiger im Ausdruck, m einem höheren Sinne noch wahrhaftiger als jener Tor o daheim. Da flatterte wie auf dem zerstörten Bilde die Wäsche lustig im Winde, da krähte der alte, aufgeplusterte Hahn, hockte das Hühneroolk auf dem Zaun und lärmten die Sperlinge im auf- grünenden Gezweig der Walnuß. Im Hintergrund leuchtete fein Häuschen, und aus dem offenen Fenster sah eine hochgewachsene Frau, Märzsonne auf dem Scheitel, versonnen in den Garten hinaus, wo er so oft mit dem Skizzenblock gesessen und ihren verliebten Blick aufgefangen hatte.
Beglückt fühlte er, daß dies allein aus der inneren Vorstellung mitten im Kriegslärm entstandene Friedensbild sein schönstes und reifstes geworden sei, hatten doch die heimlichsten Gedanken daran mitgeroirtt. Hinter allem Sichtbaren vernahm er, er ganz allein, die Stimmen der kleinen Welt seines Hauses: Kinderlachen, Holzspalten und Fahrradgeklingel, Geräusche einer Laichsäge und den kräftig geschwungenen Teppichklopfer.
Einen Augenblick schwankte er, ob und wie er Charlotte dies alles berichten solle. Dann erinnerte er sich, daß ja fein braver Fahrer in vier Tagen seinen Heimaturlaub antreten wurde und Charlottes Geburtstag vor der Tür stand. Noch in selbiger Nacht packten die btiben, der Leutnant und fein Fahrer, das Bild umständlich ein, dies kostbare Stück Dertrautefter Heimat, das nun als Lision aus dem Osten den langen Weg zurück antreten und feine Stelle auf der Staffelei ttmteb» men würde.
len oder schalten. Ein nochmaliger Umzug fand am ILeihnachtsabend statt, vermehrt um die voranjchrei- iende „Stuten (Kuchen) frau" sowie „Schimmel und 3är", denen die drei „Witten" folgten. Den Schluß >es Zuges bildeten die drei „Swatten", die nach der Vorführung in den Häusern ausfegten. In Schwaben steht eine ganze Anzahl „Niklase" (Vermummte) unher und bringen den Kindern Geschenke.
Weit kommt er daher, der „Belznickel" oder ,Stappklos", weit aus dem kalten Rußland, um den Hunsrücker Kindern leckeres „Zuckerbackes" in die Stube zu bringen oder vors Fenster zu legen. In Her Pfalz führt sich der „Nickla" oder „Pelznickel" mit folgendem Spruch ein:
„Hier steh' ich mit Stiefel und Sporen, um die kleinen Kinder zu holen. Wenn sie nicht gehorsam [in, steck ich sie in den Sack enin, roerf sie in die Lauterbach, daß sie schwimmen nach Kreuzenach, nehm sie uff den Rücke, un schmeiß sie nach Saarbrücke."
Nikolaus war ein rechter Vater der Armen, Wohltäter im stillen, und well er dachte es sei besser, wenn die Leute dem Herrn danken, statt chm, der doch nur fein Knecht und Sachwalter war darum schlich er des Nachts m die Hauser, cmi »un berliner Einbrecher, der nicht raubte, sondern


