Aus der Stadt Gießen.
Zahlen des Alltags.
Es ist wohl schon öfters die müßige Frage aufgeworfen worden, wieviel Haare der Mensch aus dem Kopfe hat. Ebenso gut könnte man fragen, wieviel Blätter wohl ein großer Baum tragt. Em sicheres Ergebnis festzustellen, wäre in beiden ^al- schwierig und zeitraubend. Aber es heißt: „Zcchlen beweisen", und es ist schon sehr vieles durch Zahlen bewiesen worden, ob immer richtig, blerbe dahingestellt. , _ L . c-
Wenn man hört, daß bei einem Vortrag 150 Menschen oder bei einer sportlichen Veranstaltung 5000 Menschen zugegen waren, kann man sich sofort ein anderes, und zwar richtigeres Bild davon machen, als ohne diese Zahlen. Der Wehrmachtbericht bringt täglich Zahlen, die für uns sehr eindrucksvoll sinh. Wir hören z. B., daß, in sieben Tagen über 100 000 BRT. versenkte, daß 22 englische Flugzeuge abgeschossen wurden oder daß ein Jagdgeschwader seinen 750. Luftsieg errang, daß aus Kreta 13 000 Briten und 5600 Griechen gefangen und bei Sollum 200 englische Panzer vernichtet wurden. Das sind Zahlen, die beweisen, nämlich die überrageride Tüchtigkeit unserer Wehrmacht, aber auch stolze Zahlen, die unsere Herzen höher schlagen lassen.
Man sagt „sprechende" Hahlen, und mir brauchen nur in vie Zeitung zu sehen, da finden wir diese sprechenden Zahlen. Wir lesen z. B., baß viele Frauen dem Aufruf gefolgt sind, chre Arbeitskraft im Kriege der Volksgemeinschaft zur Verfügung zu stellen: bei der Elektrizitätsversorgung sind es schon 12 000 Frauen, bei der Reichsbahn 69 000 und bei der Reichspost 120 000! Ferner lesen wir, daß unsere Unisersität ihren 334. Gründungstag feierte, daß sich Schulkinder 10 000 junge Fichten ae pflanzt haben, daß Henschel in Kassel seine 25000. Lokomotive abgeliefert hat, daß beim Speerwerfen fast 50 Meter erreicht wurden, daß in Aegypten Heu- schreckenschwärme in einer Ausdehnung von 4 Kilometer Breite und 1 Kilometer Diese eingefallen sind, und daß zwischen zwei japanischen Inseln der längste Meerestunnel der Welt — 8 Kilometer — vollendet wurde. Zahlen! Wohin wir sehen: Zahlen!
Aber auch in unserem Alltag spielt die Zahl eine große Rolle! Ein Landbriesträger, der viele Kilometer täglich zu laufen hat, ist nach einer längeren Dienstzeit mindestens einmal um den Erdball herumgewandert. Legt doch schon ein Arbeiter, der drei Kilometer von seiner Arbeitsstätte entfernt wohnt, täglich 6 Kilometer, im Laufe einer 30jährigen Arbeitszeit aber ungefähr 57 000 Kilometer zurück! Äne Hausfrau in einem Einfamilienhaus, in dem sie Treppen laufen muß, erklimmt täglich mindestens die Höhe eines Domes, und ein Kellner, der auch den ganzen Tag hin- und herlaufen muß, legt jepen Tag eine ansehnliche Strecke zurück, allerdings auf kleinem Raum. Eine Mutter, die für Mann und Kinder täglich 15 Brotschnitten schneidet, hat am Ende eines Jahres die stattliche Anzahl von fast 6000 Scheiben geschnitten! Man stelle sich diese einmal aufeinandergeschichtet vor. Ebenso das Geschirr, das eine Hausfrau im Laufe der Zeit zu spülen hatte, auf einen Haufen getürmt! Alle Jahrmärkte der Welt zusammen hätten auch nicht annähernd soviel an Vorrat. Erreicht man doch, wenn man nur 30 Stücke täglich annimmt, nach 30 Jah- •ren die phantastische Zahl von 328 000 Stücken! Wir haben uns z. B., wenn wir 70 Jahre alt sind — angenommen zweimal täglich — 50 OOOmal die Zähne geputzt, und ein Mann Hat sich bis zu seinem seligen Ende ungefähr 20000mal rasiert. (Wie oft er sich nicht rasiert hat, wollen wir nicht zählen!)
Man könnte noch viele Zahlen aus unserem Leben errechnen, die eine Rolle spielen, wie vor allem die Zahlen in unserem Haushaltungsbuch. Wieviel Briefe hat wohl ein Mensch erhalten und geschrieben? Wieviel Bücher besitzt er? Wieviel Meilen ist er gewandert? Wieviel Küsse hat eine Frau ... nein, ich will es den Lesern überlassen, diese Zahlen festzuftellen! E.L.St.
Möbelhaus ßuhl
daA fajdusvp/aAige Schaft
MazktAlHi/ie. 29/30 - ?JU.
Versuchsgüter im Dienste derWiffenschafi und Praxis Besuche auf den Ltniversitäts-Bersuchsgütern Unterer Hardthof und Rauischholzhausen.
Die Erfahrungen des Weltkrieges auf dem Gebiete der Ernährung haben unserem Volke überzeugend bewiesen, wie dringend notwendig es für Deutschland und seine Zukunft war und immer sein wird, sich hinsichllich der Ernährungswirtschaft vom Ausland unabhängig zu machen. Diese Zielsetzung fand in den Maßnahmen der Reichsregierung und des Reichsnährstandes zur Erlangung und Sicherung der deutschen Nahrungsfreihett chren klaren Ausdruck. Die weitreichende Umstellung in der gesamten deutschen Agrarpolitik und Agrarwirtschaft hat auch unserer Landwirtschaftswissenschaft und den auf diesem Gebiete arbeitenden Instituten und Versuchsgütern zahlreiche neue und große Aufgaben gestellt. Ueber das Arbeitsfeld unserer Gießener Universitäts-Versuchsgüter Unterer Hardthof und Rauischholzhausen (Kreis Marburg) haben wir uns mit dem Leiter der Betriebe, b. Dozenten Dr. Pfaff, unterhalten und unter feiner Führung die beiden Gutsbettiebe besichtigt.
Die Aufgabe, unser deutsches Volk in seiner Er- nährung soweit wie nur irgend möglich vom Auslande unabhängig zu machen, ist sofort nach der Machtübernahme durch den Führer mit größter Tatkraft und mit wettgesteckter Zielsetzung angepackt worden. Unsere nationalsozialistische Staatsführung kannte nur zu gut die schlimmen Erfahrungen des deutschen Volkes unter der englischen Blockade in den Jahren des Weltkrieges, und sie sagte sich mit Recht, daß England dei einem kriegerischen Konflikt bestimmt keinen Augenblick zögern werde, aufs neue den Hungerkrieg gegen unser Volk, vor allem gegen unsere Frauen und Kinder in Anwendung zu bringen. Wie richtig diese Ansicht war, hat der bisherige Verlauf des jetzigen Krieges klar erwiesen.
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Die grundsätzliche Umstellung der deutschen Agrarpolitik ergab zahlreiche Probleme von weittragender Bedeutung. Aus der Fülle der gewaltigen Aufgaben seien hier einige nur als Beispiele registrierend vermerkt: Unabhängigmachung von der ausländischen Kraftfuttereinfuhr und Verbreiterung der wirtschaftseigenen Futterbasis bei unveränderter Aufrechterhaltung, ja Steigerung unserer Getreideerzeugung. Intensivere Bewirtschaftung der vorhandenen Grünlandflächen mit dem Ziel größerer Futtergewinnung. Wettgehende Einführung des Zwischenfruchtbaues zwecks zusätzlicher Futtergewin- nung (auch Gärfutterbereitung), wo nötig aber auch Umbruch geringwertiger Grünlandflächen zu Ackerland, um auf diese Weise die Erttagsleistung je Flächeneinheit zu steigern. Ausdehnung des Hack- fruchtbaues, der bekanntlich je Flächeneinheit die höchsten Erträge an Nährstoffen und Kalorien sowohl für die menschliche als auch für die tierische Ernährung liefert und zugleich als gute Vorfrucht zu Getreide unmittelbar zu einer Steigerung der Ge- treibcerträge führt.
Daneben war von ausschlaggebender Bedeutung die Ergreifung verschiedenster Maßnahmen zur weitgehendsten Schließung der Fettlücke, um auch in dieser Hinsicht unser Volk vom Ausland möglichst unabhängig zu machen. Ein erstes Mittel hierzu war die verstärkte Wiedereinführung des Oelftucht- anbaues, ferner die Steigerung der Leistungsfähigkeit bisher angebauter und die Auswahl und züchterische Bearbeitung neuer Oelpflanzen. Weitere Mittel waren zu erblicken in der Steigerung der Erzeugung an tierischen Fetten durch rationellere Durchführung der Schweinemast, in der Steigerung der Erzeugung von Milch und Milchfett durch verbesserte Fütterungstechnik, in züchterischen Maßnahmen zur Erzielung von Leistungssteigerungen bei unseren Rindvieh- und Schweinebeständen.
Zur Steigerung der Wollerzeugung und gleichzeitig zur verstärkten Fleischversorgung war auch eine Ausdehnung der Schafhaltung mit dem Ziel der restlosen Ausnutzung auch solcher Futterflächen, die durch andere Tiere nicht genutzt werden können (z. B. Gras an Wege- und Straßenrändern, Hütungen, Winterweiden usw.), erforderlich.
Alle diese und die sich daraus ergebenden anderen bedeutungsvollen Aufgaben erfordern auch die Mitarbeit unserer Gießener landwirtschafttichen Institute und ihrer Versuchsgüter. Diese Gutsbetriebe sind ja ihrer ganzen Zweckbestimmung nach nicht etwa als reine landwirtschaftliche Betriebe mit dem ausschließlichen Endzweck der Schaffung von land- wirtschaftlichen Erzeugnissen wie alle anderen Betriebe anzusehen, sondern sie sind wichtige Stätten der Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Landwirtschaftswissenschaft. Und so stehen denn auch bei allen landwirtschaftlichen Arbeiten der Universitäts- Versuchsgüter die Ausgaben immer im Vordergrund, die von der wissenschaftlichen Seite her für die Forschung und Lehre gestellt sind. Unter diesem Gesichtspunkt werden auf den Versuchsgütern von den einzelnen landwirtschaftlichen Instituten unserer Universität Versuche der verschiedensten Art durchge- führt und deren Ergebnisse nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten für die Praxis ausgewertet und in den Betrieben der Versuchsgüter zur Anwendung gebracht.
Die Wissenschaftliche Akademie des NSD.-Dozen- tenbundes hatte ihre Mitglieder zu einem Vortragsabend eingeladen, an dem der Pathologe unserer Universität, Prof. Dr. Georg Herzog, über „Beobachtungen und Gedanken zum Wesen der Ge- schwülste" sprach. In Vertretung des Präsidenten der Akademie, Prof. Dr. Kranz, konnte der Leiter des Amtes Wissenschaft, Prof. Dr. Haag, zahlreiche Mitglieder und Gäste begrüßen und nach einleitenden Worten und dem Gedenken der gewaltigen Leistungen unserer int Osten siegreich vorwärts- stürmenden Truppen dem Redner das Wort erteilen.
Prof. Dr. Georg Herzog hatte eingehend die primären Knochengeschwülste bearbeitet und berichtete über allgemein gültige Beobachtungen, die sich dabei für die mesenchymalen Geschwülste ergaben. Ohne auf die Einzelheiten, die sich für einen kurzen Bericht nicht eignen, einzugehen, führte der Vortragende an Hand von zahlreichen Diapositiven und Aquarellbildern etwa folgendes aus: Beim Wachstum gutartiger und bösartiger mesenchymaler Geschwülste wuchert lausend primär indifferentzel- liges Geschwulstgewebe. Aus diesem differenziert sich, analog dem normalen Geschehen, das weitere Geschwulstgewebe in sog. Wachstumskomplexen aus. Die Blutgefäße bilden sich tumoreigen, im allgemeinen in der Peripherie der Wachstumskomplexe; in gutartigen, langsam wachsenden Tumoren können sie sich weiter zu Arterien und Venen entwickeln. Hämangiomatöse Wucherungen spielen in endostalen Geschwülsten, namentlich in den sog. solitären Kno- chenzysten eine große Rolle; dabei kommt es durch Konfluenz kavernöser Blutnetze, die sich immer wieder aus den primären indifferentzelligen mesenchymalen Eeschwulstwucherungen bilden, zur Entstehung von Blutzysten. Für die Uebergänge zwischen normalem und geschwulstmäßigem Wachstum ergeben sich weitere Belege im funktionell-reaktiven Geschehen, in der Speicherung von Hämosiderin und Cholestearin, der Bildung von Granulationsgewebe und Lymphozyten aus dem Geschwulstgewebe heraus u. ä.
Prof. Herzog bringt seine Beobachtungen gedanklich in Zusammenschluß mit den Spemannschen Entwicklungsgesetzen. Die zur Geschwulstentstehung führende Gewebserkrankung ist in das „induzierbare Reaktionssystem" zu verlegen, und zwar in die jeweiligen Keimlager; so besteht auch kein grundsätzlicher genetischer Unterschied zwischen fötalen und postfötalen Geschwülsten. Dabei darf nicht eine mechanische, sondern muß der Geschwulstentstehung
So konnten mir bei unserem Besuch auf dem Unteren Hardthof in Gießen vernehmen, daß dort in den letzten Jahren durch die Emfüh* rung des Zwischenfruchtbaues und die Errichtung von Gärfutterbehältern eine erhebliche Erweiterung der wirtschaftseigenen Futterbafis und zugleich auch eine Sicherung der Tierernahrung in futterarmen Jahren erzielt werden konnte. Wie richtig diese Maßnahme war, wird gerade jetzt im Krieae dadurch erwiesen, daß ttotz des Fehlens auslandiicher Kraftfuttermittel der Piehbestand nicht nur in vollem Umfange aufrechterhalten, sondern sogar teil- weise noch eine Steigerung der Milcherzeugung er« zielt werden konnte. Auch die Einschaltung des Oel» sruchtbaues ist in gewissem Umfange durchgeführt bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung her seitherigen Getreideerzeugung. Damit wurde an dieser Statte der Arbeit ein wesentlicher Beitrag zur Schließung der Fettlücke geleistet. Seit einigen Jahren ist her Schafhaltung Einlaß gewährt worden durch die Aufnahme einer großen Schafherde, und damtt ist auch hier hinsichttich der Woll- und der vermehrten Fleischerzeugung ein ansehnlicher Fortschritt erzielt
eine dynamische Auffassung zugrunde gelegt werden, um die mehr oder weniger festen Binbun* gen her Geschwulstanlagen an die Gewebe, die Der* chiedene Proliferationsfähigkeit mit dem Uebergang eines geringeren Grades in einen höheren, die Be* ziehungen zum Lebensalter und feinet Wachtums* Vorgängen, wie sie besonders bei den osteogenen Sarkomen und Ewingsarkomen zum Ausdruck kommen, il a. zu erfassen.
Keineswegs, so schloß Prof. Herzog seine Ausfüh* rungen, soll mit den vorgetragenen Beobachtungen und Gedanken die grundsätzliche Autonomie der Geschwülste angezweifelt werden. Das Geschwulstproblem ist ein Wachstumsproblem. Mit dieser un* verrückbaren Feststellung sind gewisse Uebergänge zwischen normalem und geschwulstmäßigem Wachstum erklärlich und ist das Gegebensein vererblicher Faktoren verständlich. Genaue Untersuchungen, die das Wachstum der Geschwülste betreffen, sind für ihre Erforschung und Bekämpfung wichtiger und notwendiger als kostspielige Virusspekulationen u. a.
Eine weise Weltwaltung erzeugt und muß er* zeugen auf der einen Sette ein Uebermaß von Le* ben, von Keimen und Geschöpfen, auf der anderen Seite Mittel, die dem übermäßigen Auftteten von Lebewesen entgegenwirken. Sollte nicht neben anderen Mitteln mit den Geschwülsten ein Wachstum berettgehallen werden, das Menschen und Tiere vor der physiologischen Zeit zu Tode bringt und damtt einer Ueberzahl von Leben und Lebewesen steuert?
In einer lebhaften Aussprache, die sich am den tiefgründigen, mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag anschloß, wurde von den Vertretern der verschiedensten Disziplinen zu den speziellen behandelten Problemen und dem gesamten akuten Fragenkomplex der Krebsentstehung eingehend Stellung genommen.
Kopfschmerz
der häufig nach Schnupfen, aber auch im Berufsleben und nach Aufenthalt in geschlossenen Räumen auftritt, kann man meist erfolgreich mit Klosterfrau* Schnupfpulver bekämpfen. Vielen, die lange Zeit an solchen Beschwerden litten, brachte es Erleichterung. Auch bei beginnendem oder andauerndem Katarrh und anderen Störungen im Nasenrachenraum sei ein Versuch empfohlen. Hergestellt wird es seit über hundert Jahren von der gleichen Firma, die den bekannt guten Klosterfrau-Melissengeist erzeugt.
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Menschastliche Akademie des ASD.-Dozenlenbundes der bmversilät.
Eine Taschenampe blinkte, hastig im Kreise geschwungen, — der Fahrer des in schnellstem Tempo daherkommenden Autos trat die Bremse durch. Der Wagen hielt.
„Was gibt es?" fragte Ricardo Calvo.
Ein Polizist unterhielt sich mit dem Chauffeur.
„Sie müssen hier halten! Die Straße ist polizeilich gesperrt!"
Calvo sprang aus dem Wagen. „In dieser Straße befindet sich doch die Villa Mantovani, nicht wahr?" ragte er aufgeregt ben Polizisten. „In dieses Haus will ich! Sie werden mir die Durchfahrt dazu freigeben!"
Der Polizist beleuchtete diskret das erregte Gesicht des Zuckerpflanzers. „Gerade dieses Haus ist es ja, dem die Sperre gilt!"
Neben Ricardo Calvo tauchte jetzt die Gestalt Elenas auf. „Unsere Tochter befindet sich in der Villa. Wir wollten sie gerade holen!"
„Wenn gegen Ihre Tochter nichts vorliegt, werden Sie sie wohl mttnehmen können, aber erst, wenn alles vorbei ist!" sagte der Polizist.
„Carajo! Was unterstehen Sie sich!" tobte Calvo.
Da gellte der Schrei einer Frauenstimme, ein Schrei höchster Angst und Entsetzens.
„Das war im Garten der Villa!" stieß der Polizist hervor.
Nun schrie auch Dona Elena. War es nicht Manuelas Stimme? O, es ist fein Zweifel! Unser Kind ist in Gefahr, Ricardo! Sie müssen uns durchlassen, lieber Herr!"
Aber der Polizist schüttelte ben Kopf. „Es ist unmöglich!" beharrte er. Ein zweiter Polizist kam eilig heran. „Hallo, Edwardo! Was gibt es hier? Du mußt gleich mitkommen! Wir brauchen alle Mann an ber Gartensette!"
Zugleich schrillte ein Pfiff, — bas Zeichen zum Angriff offenbar. Die Polizisten liefen. Calvo unb seine Frau sahen ihren Weg frei.
„Dornin!" schrie ber Pflanzer. „Wir bürfen keine Minute mehr verlieren! Unser Kinb —"
Das Ehepaar erreichte das Portal. Die Tür stand offen. Niemand war zu sehen. „Stehen bleiben! Niemand verläßt ben Platz!" erscholl eine befehlende Stimme.
Unwillkürlich blieben Ricardo unb Frau Elena stehen. Hinter ihnen kreischten in derselben Sekunde die Bremsen eines Autos, das bei ber Villa vorfuhr Zwei Herren fliegen aus. Ricarbo schrie: „Ah, — welch ein Glück. Der Herr Präsident selbst!"
Der Polizeichef von Buenos war mit einem seiner Sekretäre dem Auto entstiegen und lief jetzt, von dem jungen Mayne gefolgt, auf das Portal zu.
„Calvo?" rief er hastig. „Ich weiß bereits — Ihre Tochter ist auch in diesem Hexenkessel?"
Dann drang man in bas Haus ein. Die Vorhalle
war leer. „Weiter!" befahl ber Präsident. Man kam in einen großen Raum, ber alle Zeichen eines jäh unterbrochenen Festes trug.
Durch eine Seitentür kam eine junge Frau auf bie Einttetenben zu. „Hilfe!" schrie sie. „Meine Perlen! Ich bin beraubt worben! Er hat bas Licht ausgeschaltet unb ist hn Dunkeln über mich her- gefallen. Aber ich habe ihn hoch erkannt!"
„Wer ist es gewesen?" fragte ber Polizeichef.
„Einer vom Personal! Ich sah ihn vorher einige» mal burch die Zimmer gehen!" jammerte die Beraubte.
„Keine Aufregung!" rief ber Präsident. „Niemand kann das Haus verlassen!"
Lärm kam plötzlich aus dem nahen Garten. Signalpfeifen, gellten. Man horte wieder die befehlende Stimme. „Zurück hier!"
Das mochte den Menschen gelten, die wie eine geängftigie Hammelherde zusammengedränat auf einer kleinen Rasenfläche standen: die Gäste Marina Hallstroms. Eine Kette von Polizisten umgab sie.
Ein dicker Herr schrie unflätige Worte des Protestes. „Ich bin doch kein Zigeuner, Herr!" brüllte er einen Geheimpolizisten an. Ich werde mich bei ber amerikanischen Botschaft beschweren!"
Es war ber beleibte Herr, bem seine Oelfelder in Texas ein Millionenvermögen eingebracht hatten,— Marina Hallstroms Tänzer.
Weiter brinnen im Garten war wilbes Getümmel. Ein Polizist kam von hort herangestürmt. „Wir brauchen sofort einen Arzt! Es ist hohe Zeit! Sie verblutet! Der Stich hat sie in ben Hals getroffen!"
Man hörte ben Aufschrei einer Frauenstimme. „Es ist Manuela! Sie stirbt!" Eine Frau rüttelte unb schüttelte ben Polizisten. „Sprechen Sie doch!"
„Die Verletzte ist bie Besitzerin bieser Villa!" meldete er. „Irgend jemand muß Frau Hallström in den Garten gelockt haben. Man horte sie plötzlich schreien. Ein Unbekannter ist von den Nachbargärten her auf sie losgestürzt unb hat sie niebergestochen!"
Ein junger Mensch drängte heran. „Ich ging mit Madame Hallström durch den Park!" rief er. „Da geschah es plötzlich!" Es war der indische Student.
Ein heiserer Schrei kam plötzlich aus der Dunkelheit. Wieder gab es scharfe Kommandos und wildes Getümmel.
Dort in ber Finsternis mußte ein verzweifelter Kampf im Gange fein, Mann gegen Mann.
Endlich schnitten die Lichtstreifen zahlreicher Blendlaternen durch die unheimliche Dunkelheit.
Zwei Körper waren zu erkennen, bie sich auf dem Boden wälzten, die Körper zweier Männer.
Schüsse in Tucumün.
Roman von Heinrich Lang.
24. Fortsetzung.
Aba wehrte nur mit verzweifelten Handbewegungen ab. „Es ist zu spät! Die Polizei steht vor ber Tür!"
Da packle ben Dänen ber Zorn. „Zum Henker mit ber Polizei!" schrie er. „Ich habe sie nicht zu fürchten. Und wenn du mich für einen Schurken hältst, Ada, dann bin ich nicht ber rechte Mann für dich!"
Die Zofe richtete sich auf. „Geh noch nicht, Kaj!" sagte sie schluchzend. ,j)abe doch Mitleib! Ich weiß mir ja keinen Rat mehr!"
„S)ören Sie mir in Ruhe zu!" begann Droste zu vermitteln. „Unser Freund Jversen hat allerdings einen kleinen Leichtsinn begangen. Er hat in Tucu- män bie Tochter eines reichen Zuckerpflanzers ken- nengelernt. Das junge Ding ließ nicht mehr locker — unb so kam es, baß Kaj mit bem Mädchen — auf Reisen ging, ohne baß bie Ellern bamit einverstanden waren. Es ist nicht ausgeschlossen, bah die Leute bie Polizei aufgeboten haben, um ihre Tochter wieher zurückzuholen. Die Calvos sind reich und von Einfluß, unb bie kleine Manuela ist ihr einziges Kinb —"
Aba schien zu erstarren. „Calvo?" schrie sie. „Manuela? Aber — biese Manuela Calvo sitzt ja drunten bei Madame Hallström! Vor einer halben Stunde ist sie gekommen. Mit ihr Castillo, den du zu kennen glaubst, Kaj! Ich kenne mich nicht mehr aus!"
Droste und Jversen sahen sich an.
„Kommt!" schrie Ada. „Ich zeige euch diese Manuela! Unb bann — bann werde ich hinauslaufen zu den Polizisten unb werbe alles aufklären, solange noch Zett ist!"
Droste aber hielt sie lächelnb fest. „Nur keine Ueberslürzung! Das mtt der Polizei, — das werben Sie nicht tun! Unb nun zeigen Sie uns bie schöne Manuela!"
Man ging. Aber noch ehe man vor der Tür war, blieb Kaj zurück „Geh allein, Droste!" sagte er mit verlegenem Lächeln. „Ich bin auf das Fräulein Calvo nicht sehr neugierig!"
Da lachte Droste. Leise folgte er dann ber Zofe.
„Gib dir feine Mühe, alter Freund! Diesmal hat deine Stunde geschlagen!"
Die wenigsten verstanden diese Worte, bie da aus! bem Getümmel des tobenben Zweikampfes kamen, Es war nämlich deutsch, was ber Kämpfer sprach.
Ueber ben Rasen stürmten gleich darauf zwei Gestalten — Kaj Jversen unb Aba.
„Er ist es!" hörte man das Mäbchen schreien« „Herr Droste!"
Doch zugleich schien der Kampf schon zu Ende« Man vernahm wieher bie Stimme von zuvor. Diesmal sprach sie spanisch. ,^abt Ihr ihn fest, Männer?« Paßt gut auf, — ber Kerl ist wie ein Aal!"
Zahlreiche Laternen warfen weißes Licht. Man! erkannte ben Polizeipräsibenten inmitten seiner Leute vor einem bleichen, blutenden Manne bem zwei Polizisten eben bie Arme zusammenbanoen.
„Schafft ihn ins Haus!" befahl ber Prüsibent. Er muß sofort einem Verhör unterzogen werben. Wo ist die Novello?"
Droste trat ins Licht. Sein Atem ging noch heftia von den Anstrengungen des Kamofes. „Man wird sich um Frau Novello kümmern müssen!" sagte er. „Der Bursche hat sie böse getroffen."
„Es ist kein Arzt da! Wir müssen erst telephonieren!" meldete ein Polizist.
Irgendwo jammerte eine Mädchenstimme.
Ada kauerte vor einer Hellen Gestalt, die reglos auf einem Beet zertretener Blumen lag. Ohne das geringste Lebenszeichen lag Marina bleich zwischen den Blumen. Man trug die Leblose in bas Haus.
Der traurigen Prozession folgte em zweiter Zug. Von Polizisten umgeben kam ein hagerer, röllich» dlonber Mensch daher, blutend und zerfetzt: Everett Swann, der ehemalige Chefingenieur der Kupferminen in den Bergen des Aconquija.
Die Villa Mantovani glich einem aufgeftorten Ameisenhaufen. Man hatte nach allen Windrichtungen um Aerzte telephoniert. Jetzt tarnen fünf Hirz hintereinander, darunter auch ein deutscher.
Aber sie mußten feststellen, daß ber scyönen Frau Hallström nicht mehr zu helfen war.
„Das vereinfacht die Sache wesentlich!" flüsterte der Seketär des Polizeichefs kaltschnäuzig. „Die Personalien habe ich bereits festgestellt. Es handelt sich mit Sicherheit um die gesuchte Celina Novello. Hier sind Papiere aus ihrem Schreibtisch. Es sind auch bie Kontoauszüge einiger Banken darunter. Allem Anschein hat sie ihre Beute unter fingierten Namen att verschiedenen Stellen angelegt!"
(Schluß folgt!)


