daß ihre Bereitschaft in Zeiten des deutschen Schick- salskampfes bedingungslos ist.
Der Einsatz entspricht sowohl dem Geist unh Willen, als auch der Tradition der deutschen Frau an der Hochschule. Schon im Weltkrieg haben sich unter ungewöhnlich harten Umständen Studentinnen der deutschen Universitäten freiwillig für diesen ehrenvollsten und schwersten Dienst der Heimat- sront eingesetzt. Die Zahl war damals nicht groß. Aber ihr Fleiß war unermüdlich, die Güte ihrer Leistung vorbildlich und ihre Haltung durch alle zermürbenden Monate der letzten Weltkriegsjahre hindurch beispielhaft. So blieb die Erinnerung an ihren Einsatz lebendig und konnte auch nicht durch die Verwirrung der Nachkriegsjahre erstickt werden.
Das nationalsozialistische Studententum hat diesen Gedanken des Ehrendienstes, den die deutsche Studentin als deutsche Arbeiterin an der Maschine ableistet, wieder ausgenommen und bereits ein Jahr nach der Machtübernahme als feste Form der politischen Erziehung der Studentinnen eingeführt. Auch hier war der Anfang bescheiden Aber die Zahl derer, die während der Semesterferien freiwillig Fabrikarbeit für eine urlaubsbedürftige Arbeiterin leisteten, wuchs von Jahr zu Jahr. Die Einführung des einmaligen pflichtmäßigen Fabrikdienstes für die ersten bis dritten Semester bedeutete demnach nur den Abschluß einer Entwicklung, die der Geist und die Initiative der deutschen Studentinnen selbst herbeigeführt haben.
Der gegenwärtige Krieg hat nun einen erheblichen Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften in der Rüstungsindustrie hervorgerufen. Die deutsche Stu- dentin würde ihre ehrenvolle Tradition selbst verleugnen, wenn sie nicht gewillt wäre, diesem Umstand durch außerordentliche Maßnahmen ihrerseits Rechnung zu tragen. Es ist sicherlich viel und lobenswert, wenn 4 00 0 Studentinnen im letzten Jahr urlaubsbedürftige Mütter an der Maschine ablösten. Aber mehr und alles muß getan werden in einer Stunde, die geschichtliche Bedeutung hat. An den unvorstellbaren Leistungen unserer Wehrmacht hatten in der Heimat der deutsche Arbeiter und die deutsche Arbeiterin bisher den größten Anteil. Zu ihnen will die deutsche Studentin gehören, die jetzt und in Zukunft stets eine Krönung ihrer Arbeit und ihres Einsatzwillens darin sehen wird, in dieser geschichtlichen Entscheidung mithelfen zu können.
In dieser Erkenntnis, die heute Gesamtgut aller Studentinnen ist, liegt der enffcheidendste Erfolg der bisherigen studentischen Erziehung. Wenn alle deutschen Studentinnen sich jetzt in der vorlesungsfreien Zeit für viele Wochen geschlossen der deutschen Rüstungsindustrie als zusätzliche Arbeitskräfte zur Verfügung stellen, so tun sie dies auch in dem Bewußtsein ihrer vollen Verantwortung gegenüber der mit eigenem Willen gewählten geistigen und wissenschaftlichen Arbeit an der Hochschule. Diese Arbeit, über deren kriegswichtige Bedeutung heute von keiner Stelle mehr Erörterungen geführt werden, wird auch unter diesen außergewöhnlichen Umständen nicht vernachlässigt werden.
Zu diesem Willen bekennt sich die deutsche Studentin mit dem gesamten nationalsozialistischen Studententum. Sie bekennt sich zugleich auch zu den besonderen Bedingungen des Krieges, dessen siegreiche Beendigung nicht nur die Möglichkeit einer unbeschadeten Weiterführung des inneren deutschen Lebens auf allen Gebieten voraussetzt, sondern in erster Linie auch die Forderung, daß das deutsche Volk in der Rüstung vor unseren Feinden einen bestimmten Vorsprung hat und auf» rechterhalten muß.
An der Erfüllung dieser Forderung durch Der« sönlicheN Einsatz Anteil zu nehmen, ist der Studentin eine nationale Pflicht, der sie unter allen Umständen nachzukommen gewillt ist, auch wenn damit eine starke Mehrbelastung und der Verzicht auf Freizeit verbunden sind. Das Beispiel der Männer, die als Angehörige, der Wehrmacht auf Jahre hinaus auf ihre Ausbildung und ihr Berufsleben verzichten, und jener anderen Männer und Frauen, die diese unterstützen, indem sie in härtester Anstrengung ihrer körperlichen und geistigen Kräfte die nötigen Waffen schmieden, ist für sie zwingend.
Im Weltkrieg waren es wenige tapfere Studentinnen, die gleiches taten, als Deutschland in höchster Not war. Heute ist es eine geschlossene G e - meinschaft junger deutscher Frauen, die — von derselben glühenden Liebe für Deutschland beseelt — nun an die Maschine treten und ihre Arbeit aufnehmen.
Vornan von Elisabeth Holt.
35.Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
Nach einer Viertelstunde drehte sie die Schreibtischlampe aus und die Deckenbeleuchtung an. Es war das die erste bewußte Handlung feit fünfzehn Minuten. Noch immer trommelte das Herz einen fremden Taktschlag und lehnte sich unvernünftig gegen etwas Unvermeidbares, längst Erwartetes auf. Warum ist das fo, daß es immer die Männer sind, die fdrtreifen? Dort, wo Clemens Kempf jetzt hingeht, ist großer Betrieb. Dom Flughafen Fuhlsbüttel an wird er nicht mehr zur Ruhe kommen, er wird ein paar Ansichtskarten nach Wien schreiben, und vielleicht wird er sich sogar an die versprochenen Orchideen erinnern. Gerda wünschte, er möchte sich nicht erinnern und auch keine Ansichts«, karten schicken.
Sie holte sich ein paar Zigaretten, von den schweren englischen, die noch von Pola da waren, und rauchte, um sich zu beruhigen.
Auch Clemens Kempf hatte, nachdem seine eigene Stimme im Telephon verklungen war, ohne Gerda anscheinend noch einmal au erreichen, den Hörer auf die Gabel gelegt und stand nun in seinem Hotelzimmer, seltsam aufgeregt und unentschlossen.
Seine Unruhe wuchs von Minute zu Minute, aber er konnte keinen Grund für diese Erregung anaeben. Es war vielleicht das erste Mal in seinem Leben, daß er befürchten mußte, die Nerven zu verlieren.
Er wußte, daß er in der Hotelbar Bekannte treffen würde, also begann er sich umzuziehen, um wenigstens etwas zu tun. Seine Gedanken aber ließen Gerda und die immer stärker wachsende Sorge um sie nicht los. Wenn es für Dr. Kempf noch eines Beweises bedurft hätte, daß er diese junge Frau liebte, wie nicht zuvor, dann hatten diese Minuten im Hotelzimmer ihm den Beweis vollkommen erbracht. Er kam sich kindisch vor, als er, umgezogen, noch einmal zum Fernsprecher ging, um die Parkstraße aufzusuchen. Er hatte schon den Hörer in der Hand, und die Hotelzentrale meldete
Lieber 8000 Briten und 4000 Griechen auf Kreta gefangengenommen.
Industrieanlagen in Essex und Güdengland bombardiert.
Oer Wehrmachiberichi.
Berlin. 4. Juni. (D71B.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Bei den Kämpfen auf der Insel Kreta wurden nach bisherigen Feststellungen mehr als 8000 Briten und rund 4000 Griechen gefangengenommen. Zahlreiche Panzerkampfwagen und Geschütze sowie große Mengen an Munition. Bekleidung und Lebensmitteln konnten erbeutet werden.
Die Luftwaffe bombardierte am gestrigen Tage Industrieanlagen in der Grafschaft Essex und in Südengland. Nordostwärts der Orkney-Inseln versenkten Kampfflugzeuge in der letzten Nacht ein Handelsschiff von 4000 BRT. und beschädigten vor der Nordostküste Schottlands zwei große Frachtschiffe schwer. 3n der Nacht zum 3. Juni erzielten Torpedoflugzeuge zwei Treffer auf ein größeres britisches Kriegsschiff. Wirkfame Angriffe der Luftwaffe richteten sich in der letzten Nacht gegen den Bersor- sorgungshafen h u l l und gegen Hafenanlagen an der englischen Süd - und Ostküste.
In Nordafrika lebhafte beiderseitige Artillerietätigkeit vor Tobruk. Verbände deutscher Sturzkampf- und Zerstörerflugzeuge griffen am 2. Juni wiederholt Ziele um Tobruk an, vernichteten im Hafen ein Transportschiff und erzielten Treffer in einer britischen Flakstellung.
Der Feind flog weder bei Tage noch bei Nacht in das Reichsgebiet ein.
In der Zeit vom 29. Mai bis 3. Iuni verlor der Feind 20 Flugzeuge, hiervon wurden 14 Flugzeuge im Luftkampf, durch Nachtjäger und Flakartillerie, zwei durch Minensuchboote abgeschossen, der Rest am Boden zerstört. Mährend der gleichen Zeit gingen zehn eigene Flugzeuge verloren.
Oer italienische Bericht.
Rom, 4. Juni. (DNB.) Der italienische Wchr- machtbericht vom Mittwoch hat folgenden Wortlaut:
Unsere Flugzeuge bombardierten in der Nacht zum Mittwoch Flugplätze der Insel Malta.
In Nordafrika wurden die Luftangriffe auf Tobruk wiederholt und Batterien und vor Anker liegende Schiffe getroffen. Ein Dampfer wurde in Brand geworfen. Ein weiterer Dampfer wurde östlich von Tobruk angegriffen und in Brand geworfen. Im Luftraum von 6o I Ium schossen unsere Jäger zwei Hurricane ab. Ein feindlicher Bomber wurde von der Flak unserer Torpedoboote ab- geschossen.
In der Nacht zum 3. Juni hat der Feind einen Einflug auf Bengasi durchgeführt.
In Ostafrika hält der hartnäckige Widerstand und die unermüdliche Tätigkeit unserer Garnisonen und beweglichen Kolonnen allenthalben an. Im Gebiet von Galla und Sidamo Artillttietätigkeit am Omo-Bottego.
„Ein drittes Gallipoli."
Gedrückte Stimmung in Australien und Neuseeland nach der Niederlage aufKreta.
Stockholm, 5. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die schwere Niederlage Englands auf Kreta hat in 21 uftraIien und Neuseeland eine gedruckte Stimmung ausgelöst. Den Londoner Blättern zufolge hat Ministerpräsident Menzies in Melbourne erklärt, die durch die Besetzung Kretas entstandene Gefahr für das Empire sei sehr groß. Der stellvertretende Premierminister Neuseelands, Nash, so berichtet „Daily Herald", habe sich sogar veranlaßt gesehen das neuseeländische Abgeordnetenhaus für oen kommenden Dienstag zu einer Geheimsitzung einzuberufen, um ihm einen Bericht über die Lage des neuseeländischen Expeditionskorps nach der Niederlage auf Kreta vorzulegen. Bei der Bekanntgabe dieses Entschlusses habe Nash hinzugefügt, daß man mit schweren Verlusten für Neuseeland rechnen müsse. „Daily Expreß" berichtet, der australische Verteidigungsminister Spender habe mitgeteilt, daß die australischen Verluste bei der Verteidigung Kretas sehr umfangreich seien.
Das Sydneyer Blatt „News Daily Mirror" spricht bei der Niederlage auf Kreta von einem dritten Gallipoli, das sich nicht wiederholen dürfe, gleichgültig, welche Argumente englischerseits zugunsten eines Feldzugs angeführt werden, bei dem die kämpfenden Truppen nicht von der Luft aus unterstützt werden könnten. Die Engländer hätten sich sechs Monate auf Kreta befunden und hätten es nicht fertiggebracht, Kretas Flugplätze in Verteidigungszustand zu versetzen bzw. für einen geeigneten Schutz aus der Luft für Armee und Flotte zu sorgen. Dieses Blatt schreibt schließlich: „Was die Engländer in sechs Monaten zu tun versäumten, haben die Deutschen in sechs Minuten vollbracht."
Oie australischen Verluste.
Schanghai, 4. Juni. (Europapreß.) Die australischen Verluste auf Kreta gibt der australische Kriegsminister^ Spender am Mittwoch- morgen mit fast 4000 Mann an. Nach Mitteilung des Kriegsministers ist etwa 2500 Mann die Flucht von der Insel gelunaen. Vor dem deutschen Angriff standen nach Aussage Spenders rund 6500 australische Soldaten auf Kreta.
3m Mittelmeer abgeschnitten.
Englischer Luftpostverkehr
> nach Indien nur noch über die USA.
Gens, 5. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die englische Regierung hat sich für den Lustp ostver - kehr nach Indien zu einem neuen Weg entschließen müssen. Der englische Generalpostmeister kündigt an, daß Lustpost für Burma, Ceylon, Nie- derländisch-Jndien, Indien, Malaya und Thailand nunmehr über d i e Vereinigten Staaten geschickt werden wird. Der gleiche Weg sei auch für Luftpost nach Australien, Neuseeland, den Philippinen und Hongkong zu benutzen. Das heißt nichts anderes, als daß England von seinem Luftweg nach Indien durch ine Ereignisse im Mittelmeer ab geschnitten ist und keine Möglichkeit sieht, den unmittelbaren Jndiendienst in absehbarer Zeit wieder aufzunehmen.
Um 50 Prozent gestiegen.
Stockholm, 5. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die deutschen Erfolge im östlichen Mittelmeer haben bereits ihre Auswirkungen auf die Wirtschafts- Position Englands gehabt. Die Verschlechterung der Verhältnisse spiegelt sich deutlich in der Erhöhung der Frachtraten von Haifa nach Südafrika und anderen überseeischen Plätzen wider. Wie die englischen Wirtschaftszeitun- gen mitteilen, sind die Frachtsätze nach ber Eroberung von Kreta um fündig Prozent gestiegen. Eine Erhöhung der Versicherungsprämien für die von und nach Haifa führenden Linien ist bereits in der vorigen Woche vorgenommen worden.
Rückzugsorden.
Madrid., 4. Juni. (DNB.) „Für besondere Verdienste bei der Zurückziehung britischer Truppen von den Küsten Griechenlands" ist, wie der Londoner Nachrichtendienst meldet, Viceadmiral Pridham W i p p e l zum Ritter des Bath- Ordens ernannt worden. Was den „Heroen" von Andalsnes und Dünkirchen recht war, ist natürlich auch dem „siegreichen" griechischen Rückzügler billig. Jeder verdient sich seine Orden so gut er kann, und
die Briten können es eben nur mit ftehraM Wahrscheinlich wird das heiß erflohene Schmuckstu, stilvoll auf dem Heldenrücken getragen.
Churchill sott gestellt werden.
Neuyork, 4. Juni. (DNB.) „New York Herold Tribüne" meldet aus London, alle Anzeichen beuteten darauf hin, daß Churchill in der nächsten Sitzung des Parlaments scharfe Kritik über den Ausgang der Kreta-Schlacht zu er, warten habe. Die kritisierenden Parlamentsmitglie- der wollten wissen, so schreibt die „New York Herold Tribüne", wieso es möglich gewesen sei, daß di« deutschen Truppen Kreta hätten einnehmen könnens Churchill werde bei dieser Gelegenheit der schwersten Krittk gegenüberfteben, die er feit seiner Regierungsübernahme erlebt habe und sei gezwungen, eine umfassende Erklärung über die Schlacht auf Kreta, wie auch über die schweren britischen Der- lüste an Menschen und Schiffen zu geben. „New York Herald Tribüne" meldet, „es fei kaum anzunehmen, daß das Kreta-Fiasko die Stellung Churchills erschüttere, da wahrscheinlich wieder einigt Churchill-Unterlinge den Kopf Her- Halten müßten". „Daily Herald" berichtet, „die erste Reaktion in England nach der verlorenen Kreta-Schlacht sei die gewesen, daß die Engländer in Verwirrung gerieten. Nunmehr seien sie wü- te n d". „News Chro nicke" schreibt in ihrem Leitartikel, die britischen Versager teilten heut« dem englischen Volke die gleichen Beruhigungs. pillen über den Vermst von Kreta aus, wie seinerzeit nach der norwegischen Schlappe.
Eine neue Londoner Greuelgeschichte.
Berlin, 4. Juni. (DNB.) Nachdem England bi« Griechen in so schmählicher Weise im Stich gelassen hat, besteht seine ganze „Hilfe" für ben verratenen ehemaligen Verbündeten in der Verbreitung übel, [ter Greuel geschichten. So leistet sich Reuter jetzt wieder einen Fall infamer Völkerveraistung. Ist einer Meldung aus Kairo verbreitet bas ßügenbüro, Bronze st atuen würden aus ganz Griechenlack» nach Deutschland gebracht, um dort in der Kriegsindustrie verwendet zu werden.
Die Engländer dürften inzwischen längst gemerkt haben, daß Deutschlands Kriegsindustrie wirklich nicht darauf angewiesen ist, Kunstwerke besetzter Gebiete zu benutzen. Ganz abgesehen davon, baß fein Volk die Werke wahrer Kunst auch bei den anderen Völkern höher würdigt als das deutsche, steht für alle Klarblickenden einwandfrei fest, daß Deutsch- lands Metallvorräte für jede Möglichkeit ausreichen. Die unermeßliche Beute, die die verschiedenen erfolgreichen Feldzüge nicht zuletzt auch aus englischen Beständen gebracht haben, und die natürlichen Rohstoffquellen der europäischen Länder geben der deutschen Rüstungsindustrie ein Uebergewicht gegenüber England, deren lebensnotwendigste Zufuhren zum großen Teil in ben Fluten des Atlantik versinken
Kabinettskrise in Aegypten.
Stockholm, 5.Juni. (Europapreß.) In Aegypten ist eine Kabinettskrise ausgebrochen. Der ägyptische Ministerpräsident hat, wis in London amtlich mitgeteilt wird, am Mittwoch» flbenb feinen Rücktritt erklärt. Mit ihm haben eine Reihe anderer Kabinettsmitglieder ihre Aemter niedergelegt.
Ab nach paläffmo.
Beirut, 4. Juni. (Europapreß.)Beauftra gte des geflohenen griechischen Exkönigs Georg sind in Jerusalem eingetroffen, um die Heber- siedlung des Königs und seiner Flüchtlingsregierung von Kairo nach Palästina vorzubereiten.
Winant bei Roosevelt.
Washington, 4.Juni. (DNB.) Der USA.- Botschafter in London, Winant, wurde am Dienstag von Präsident Roosevelt zur Berichterstattung empfangen.
Selbstmord des Gehilfen des LlSA>Marineattach6s in London.
Stockholm, 4. Juni. (DNB.) Das Marineministerium der Vereinigten Staaten gab laut Reuter bekannt, daß der Gehilfe des Marine-! a t t a ch L s an der Botschaft der Vereinigten Staaten in London Selbstmord begangen hat. Die Umstände, die den Tod des Gehilfen des Marine- attachäs, Lieutenant Commandef Walter Raymond Jones, mit einem gewissen Geheimnis umgeben, sind, wie Reurer weiter meldet, noch Oegenftanb der Untersuchungen durch die amerikanische Bot- schäft.
sich, als er wieder abläutete. Clemens Kempf ging in die Halle hinab, später zum Essen mit ein paar Bekannten, die in Geschäften in Wien waren. Allen fiel auf, wie fahrig er war, wie wenig er der Unterhaltung folgte. Und eigentlich war niemand von den Menschen an Kempfs Tisch erstaunt, als er plötzlich mit einer gemurmelten Entschuldigung aufstand und zum Telephon eilte.
Um einhalb neun Uhr wollte Gerda bei Birinsky sein. Es war jetzt, kurz vor acht. Er mußte sie noch zu Hause treffen. Einer der Kellner, der an Kempfs Tisch bediente, hatte ihn plötzlich an den Architekten Bürger erinnert. Mit Paul Bürger war Gerda Maurer jetzt zusammen. Vielleicht drohte ihr von ihm, den Clemens einmal das Pokergesicht genannt hatte, Gefahr.
Kempf lief zur Telephonzelle und ließ die Villa Luckner anrufen. Niemand melde sich dort, gab das Fräulein an der Zentrale freundlich bekannt. Er bat, sie möge erneut läuten. Vergeblich.
Auf Dr. Kempfs Stirn erschienen Schweißtropfen, er trommelte mit den Fingern gegen die blankpolierte Holzverschalung der Telephonzelle. Immer wieder kam das Rufzeichen, ohne daß sich jemand meldete, dann blieb auch das mechanische Tuten fort.
Der Portier des Hotels sah dann noch, daß Dr. Clemens Kempf, der Inhaber der Motorenwerke Kempf Lc Pachoven, mit großen Sätzen die breite Treppe zu feinem Zimmer hinaufhastete, nach knapp fünf Minuten in Hut und Mantel wieder herabkam und durch die Drehtür verschwand ...
Gegen sieben Uhr kam Paul. Die Frau des Portiers nahm ihm in der Halle den Mantel ab und bewunderte seine Wettertüchtigkeit. Dann kündigte sie das baldig« Erscheinen des Tees an; „oder will der Herr Architekt lieber Kaffee haben?" Er wollte aber Tee — er fühlte sich frostig bis auf die Knochen, sagte er. Darauf sah ihn die dicke Frau eine Tür öffnen und zurückfahren.
„Um Gottes willen, brennt's da?"
,Zch habe geraucht."
„Du?"
--Sa — ich. Diese Arbeit", sagte Gerda und prustete, „frißt mir die Nerven ab — die ewigen Listen, das mechanische Geschreibsel. Schließlich bin
ich Pianistin und feine Maschinenschreiberin. Wenn das noch lange dauert, gehe ich durch."
Er schaute sie an. „War jemand da?"
„Nein. Warum denn? Nimm dir einen Sessel, Paul. Ich glaube, in mir steckt die Grippe."
„Alle Welt hat jetzt Grippe." Er meinte, es sei kein Wunder bei dem Sauwetter. Sie solle ein paar Tage daheim bleiben und sich zu Bett legen. Er holte sich den bequemen Lehnstuhl zum Tisch. Die Füße legte er auf einen lehnenlosen Hocker. "Laß dich nicht hetzen — laß dich niemals hetzen. Man muß vom Verstand her leben und nicht von den Nerven."
„Gott, wenn das alles ist, was du mir raten kannst —
Er warf ihr einen Seitenblick zu. „Es ist der beste Rat, den ich zu verschenken habe. Aber wenn's dich erleichtert, kannst du den Baron auch ohrfeigen. Wann gehst du wieder zu ihm?"
„Heute. Um halb acht Uhr muß ich dich hinauswerfen, Paul."
Er antwortete mit einem ergebenen Seufzen und hat um Erlaubnis, eine Pfeife rauchen zu dürfen. Genußvoll hantierte er mit einem abgewetzten Tabakbeutel cherum — — meifh man neben ihm steht und fein Gesicht von oben her anschaut, wirkt er müde, das schmale Kinn schlaff, dachte Gerda. Aber sie wußte genau, sowie er die Augen hebt, ist dieser Eindruck von Kraftlosigkeit weg, sein Blick ist kühl, undurchdringlich, fest.
Paul schaute zwar nicht auf, aber mit schein- heiligem Katergesicht erkundigt er sich, ob er ihr gefalle.
.-Sehr. Du schaust aus wie ein bewährter Ehemann."
„Immer diese Unfteundlichkeit!" Er fing an zu lochen. „Komme ich vielleicht zu oft?"
„Aber nein — so war es nicht gemeint", versicherte sie.
Dann sprang er auf und öffnete der Portiers- frau fcie Tür, half ihr das große Tablett abstellen. Die dicke Frau sagte, Frau Maurer müsse nachher Gummischuhe anziehen, es sei naß draußen, der Nebel zum Schneiden dick.
„Mußt du denn überhaupt heute abend hinaus? Kannst du nicht morgen zu Birinsky gehen?"
„Nein, es ist da allerhand zu besprechen. Gestern hat die Polizei endlich die Siegel von Polos Schlaf
zimmer abgenommen, das Gerichtsmedizinische Institut hat die Kleider zurückgeschickt, jetzt liegt alles oben und muß eingeordnet werden."
„Welche Kleider?"
„Nur Männer können so einfältig fragen." Gerda rührte in ihrer Tasse herum. Natürlich die Kleider, die Pola trug, als man sie umbrachte. Das grüne Kleid, den wunderbaren Zobelmantel und die Schuhe."
„Uebrigens, Paul" — Gerda war mit ihrer ersten Schale Tee fertig und verspürte schon wieder einen nervösen Hunger nach Tabak — „ich glaube, der Polizeirat wird sich freuen. Ich habe vorhin eine Entdeckung gemacht."
"Vorhin? Was? Wieso?" fragte der Architekt mit vollem Mund.
„Vorhin. Der Hausmeister war im Garten, während es geregnet hat. Er trägt doch jetzt immer nur feierliche, schwarze Bratenröcke, das weißt du ja — aus Trauer um Pola."
Paul fand es anerkennenswert. „Ein vietät« voller Mann."
„Nun — ich habe dir doch erzählt, wie hart» nackig mich die Polizei wegen dieses Menschen, der mit Pola aus dem Musikzimmer fortgeganqen ist, ausgefragt hat. Und ich habe nichts gewußt. Jetzt kann ich etwas Positives über ihn sagen — sein 2Iermel war nämlich naß."
Paul schaute sie über seine Pfeife hinweg an — er wollte wissen, wieso sie so plötzlich darauf ae- kommen sei.
„Sie haben mir so viele Aermel zur Begut- achtung vorgeführt, aber es war nie so wie damals. Immer war der Stoff anders — er war glanzend und glatt. Und der Aermel, der hinter der Tur hervorgekommen ist, der ist stumpf gewesen, beinahe aufgerauht. Genau so wie der nasse Rock des Portiers heute. Verstehst du?"
Ihm schien die Schlußfolgerung nicht einleuchtend, er sagte gedehnt: „Das willst du der Polizei erzählen?"
„Morgen erzähle ich es", sagte sie hitzig, „sie werden schon wissen, was sie damit anfangen."
„Was sagt der Portier?"
„Es ist mir nicht eingefallen, mit ihm darüber Zu reden. Du hältst nichts davon?" Gerda war ab« gekühlt und hatte eine eigensinnige Falte um den Mund. (Fortsetzung füfatj


