sich natürlich nicht der Stern dem Mond, sondern der Mond geht über den Stern hinweg und gibt ihn erst um 22 Uhr 39 Min. am Hellen Rande wieder frei. Kurze Zeit darauf taucht der Stern dann aus den Mondstrahlen wieder auf. Das Interessante an dieser Bedeckung ist aber der Eintritt des Sternes, der durch die Unsichtbarkeit der dunklen Mondhälfte sehr überraschend wirkt. Diese Bedeckung ist eine der sehr seltenen Fälle, daß eine Sternbedeckung mit dem bloßen Auge zu einer günstigen Zeit beobachtet werden kann, weshalb niemand dieses schöne Schauspiel versäumen sollte.
Kießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtoieh-Berteilungsmarkt) in der Diehverstei- gerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 36,5 bis 45 Rpf., Bullen 39,5 bis 49,5, Kühe 28 bis 43,5, Färsen 40 bis 44,5, Kälber 34 bis 57, Schafe 42,5 Rpf. je Vi kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,13 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,13, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,11, c (90 bis 119,5 kg) 1,07, d (80 bis 89,5 kg) 1,01, e—f (unter 80 kg) 0,97, gl (fette Specksauen) 1,13, i (Altschneider) 1,11, g2 (andere Sauen) 1,01, h (Eber) 1,01 RM. Marktverlauf regelmäßig, alles zugeteilt.
Gießener Vochenmarktpreise. \ Nachstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sich für A-Ware Für 8-Ware oder abfallende Ware wwie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger
* Gießen, 5. Marz. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Wirsing, ¥i kg 11 bis 14, Weißkraut 8 bis 12, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 11 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Unterkohlrabi 6 bis Feldsalat 1 RM., 1Ito 10 Rpf., Schwarzwurzeln, Vi kg 26, Kartoffeln, 5 kg 45, Aepfel, % kg 28 bis 40, Lauch 24, Sellerie 23 Rpf.
** NS. -Frauenfchaft — Deutsches Frauenwerk, Ortsgruppe Gießen- Nord. Die Nähstube der Ortsgruppe ist montags und donnerstags von 9 bis ^12 Uhr und von 15 bis 11% Uhr im Ortsgruppenzimmer, Marburger Straße 20. Wir erwarten, daß sich recht viele Frauen dazu einfinden.
** Goldene Hochzeit. Am morgigen 6. März begehen die Eheleute Wilhelm K r a e m e r, Oberlokomotivführer a. D., Gießen, Glaubrechtstraße 5, und Frau Beate, geb. Schnell, das Fest der goldenen Hochzeit. Beide stehen im Alter von 73 Jahren. Die Jubilarin ist Trägerin des goldenen Mütter-Ebren- kreuzes. Dem Jubilar unseren herzlichen Glück- wünsch.
** Die Gewährung von Kinderbeihilfen. Der Oberfinanzpräsident Hesien bringt heute in einer Bekanntmachung die neue Regelung der Gewährung von Kinderbeihilfen durch den Reichsfinanzminister zur öffentlichen Kenntnis.
Strafkammer Gießen.
Her O. S. aus G.-F. hatte sich gestern wegen fahrlässiger Tötung und Fahrerflucht zu verantwor- ten. Er hatte am 19. November v. I. auf der Reichsstraß« Herbstein—Altenschlirf mit seinem Per- sonenkraftwagen einen Mann aus Metzlos-Gehag von hinten angefahren und zum Sturz gebracht, so daß der Tod des Mannes bald darauf eintrat. Noch dem Unfall war er davongefahren, ohne sich um den Verletzten zu kümmern.
Der Angeklagte bestritt, von dem Unfall etwas gewußt zu haben. Er habe lediglich einen Schlag gegen die Windschutzscheibe seines Wagens gemerkt, wobei diese zertrümmert wurde.
Der Angeklagte wurde allgemein als ein gutmütiger, hilfsbereiter, nüchterner Mensch geschildert, dem man Fahrerflucht nicht zutraut. Erst nach der Unglücksfahrt habe er erheblich Alkohol zu sich genommen, vorher nur in ganz geringen Mengen.
Der Sachverständige gab der Ansicht Ausdruck, daß der Angeklagte gerade in der Kurve, in der
lichen
Zur Wertung des Turnens
Für die Besucher des Turner-Großkampfes in Gießen.
das System der vier Kampfrichter bei entscheidenden am Main. Ersatzturner sind: Georg Führer- Sport- Kämpfen eingeführt. In der Erkenntnis, daß das gemeinde Neustadt und H. Henkel, Vogt u. Haeff- Richtige wohl in der Mitte liegt, läßt man dann die I ner, Frankfurt a. M.
Glückwünsche.
Gewaltverbrecher Mager viermal zum Tode verurteilt.
zweigten Familiennamens Leib auftrat. Jener also schon vor der Reformation lebende erste Namens- irägsr der Leibs, Henrich Leib, legte am 13. Januar 1548 zu Gleiberg mit einem anderen Krofdorfer, Bernhard Münnich, im Beisein von dem Vetzberger Adligen Magnus Holtzapfel und dem Superintendenten und Reformator unserer Gegend Kaspar Goltwurm die heute noch vorhandenen Kirchenbaurechnungen von 1544 bis 1547 vor. Das stattliche Wohnhaus Karl Leibs gehörte einstmals zu einem der Krofdorfer adligen Gehöfte im Besitz der Familie Lefch von Mühlheim. Es trägt die Jahreszahl 1696 nebst einer Inschrift über dem Türbalken. Die Haustür ist eine der beiden letzten im Dors vorhandenen zweiteiligen Türen mit einem eisengeschmiedeten Klopfer. Dem Jubilar gelten auch unsere herz-
Kampfrichter wurden Fehlurteile immer fetten .-f, da die Ausrichtung nach bestimmten Grundsätzen über Wert, Schwierigkeit und Schönheit einer Hebung immer straffer und bindender wurde. Sc> war jetzt der Kampfrichter auch in der Lage, für sein Urteil einzustehen. Und heute ist bei Meisterschaften der Wettkämpfer selbst verpflichtet, über seine Punktzahlen, die ihm nach jeder Hebung mitgeteilt werden, Buch zu führen, so daß Unstimmigkeiten, die den Rechnern unterlaufen könnten, sofort bereinigt werden können.
Die öffentliche Wertung.
Einen weiteren Schritt, um vor allem den Zuschauer enger an den Ablauf des Kampfes zu bin- oen, bedeutete die öffentliche Wertung, die lange diskutiert wurde, sich nun aber endgültig durchgesetzt haben dürfte. Voraussetzung hierfür war das Vorhandensein einer genügenden Zahl bestausgebildeter Kampfrichter, die mit ihrem Urteil auch vor der Oeffentlichkeit bestehen konnten. Hm auch die letzte Fehlerquelle zu verstopfen, daß nämlich doch eine gewollte ober ungewollte Heber« ober Unterwerfung ben Kampf entscheidend beeinflussen könnte, hat man
der Unfall passiert fei, den vor ihm fahrenden Rad- ahrer hätte sehen müssen. Der Zusammenstoß, wie er sich abspielte, hab« ihn zum Bewußtsein bringen müssen, daß etwas besonderes passiert sei, dem er hätte nachaehen müssen.
Der Angeklagte wurde der fahrlässigen Tötung schuldig erkannt und zu einer Gefängnis- ftrafe von neun Monaten, abzüglich drei Monate Untersuchungshaft, verurteilt, im übrigen aber freigesprochen. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, die Fahrlässigkeit sei darin zu erblicken, daß der Angeklagte mit Rücksicht auf feinen körperlichen Zustand — er hat nur ein Auge — ganz besonders vorsichtig hätte sein rnüsien. Die Absicht, sich der Verfolgung zu entziehen, könne dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden. Bei der Strafzumessung wurde einerseits der Umstand, daß der Angeklagte nicht vorbestraft, besonders als Verkehrsteilnehmer nicht vorbestraft ist, andererseits die Tatsache, daß ein für die Volksgemeinschaft wertvolles, junges Menschenleben als Opfer zu beklagen ist, in Betracht gezogen.
Aus der engeren Heimat.
Landkreis Gießen.
8 Alten-Bufeck, 5. März. Die älteste Ein- wohnerin unserer Gemeinde, Frau Marie Dötz, kann heute bei bester Gesundheit und erstaunlicher geistiger und körperlicher Frische ihr 9 0. Lebensjahr vollenden. Die Jubilarin betätigt sich noch während des ganzen Jahres an sämtlichen Hausund Gartenarbeiten. Allabendlich liest sie mit regem Interesse ihr langjähriges Heimatblatt und bespricht mit ihren Angehörigen verständnisvoll die Ereig- nisie des Weltgeschehens. Wir bringen der Jubilarin unsere herzlichsten Geburtstagswünsche dar und wünschen ihr einen weiteren gesunden und glücklichen Lebensabend.
Kreis Wetzlar.
(D Krofdorf, 5. März. Am heutigen 5. März wird unser Mitbürger Landwirt Karl Leib, Hmtergasse, 7 5 Jahre alt. Auf ein arbeitsreiches Leben zurückblickend, legt der Jubilar auch heute noch nach besten Kräften mit Hand an in Haus und Hof feines landwirtschaftlichen Betriebes, zumal fein einziger Sohn — die beiden ältesten Söhne gaben ihr Leben im großen Weltkrieg hin — einen großen Teil des Jahres als Waldarbeiter tätig ist. Lange Jahre versah Karl Leib das Amt des Kirchmeisters, gleich einem Vorfahr des Namens Henrich Leib, der 400 Jahre früher lebte und schon 1544 als Vertreter des im hiesigen Ort heute weitver-
Mit der Steigerung der Stiftungen im Gerät- turnen mußte auch eine Derftinerung der Wertung und ihrer Maßstäbe eintreten, wenn das Urteil der Kampfrichter einer solch künstlerischen Leistung, wie sie die Gerätübung der Meister heute darstellt, gerecht werden wollte.
Me war es früher?
Gehen wir ein Jahrzehnt zurück. Damals turnte man sozusagen „blind". Unter keinen Umständen wollte sich der Kampfrichter von dem Wettkämpfer in die Karten gucken lassen, der somit erst am Ende des Kampfes die Gesamtpunktzahl erfuhr. Psycho- logffch gesehen, war diese Geheimhaltung der Wertung ein Unfug, und man förderte damit bestimmt nicht die Anteilnahme des Wettkämpfers am Kampf selbst. Da zudem der Kampfrichter nicht offen für feine Wertung einzustehen brauchte, war das oft nur zu berechtigte Mißtrauen des Turners gegenüber der Wertung allgemein. Dazu kam, daß bei großen Kämpfen der Zuschauer über das Zustandekommen der Punktzahlen und den Stand des Kampfes selbst im unklaren blieb, mithin ein guter Teil der Spannung des Wettkampfes aus fiel.
Heule.
Das alles hat sich seit Jahren grundlegend geändert. Mit der sehr intensiven Schulung der
Tgm. Eintracht Frankfurt a. M. (W.-Heer), Walter Rosenberger, Vogt und Haeffner, Frankfurt am Main. Ersatzturner sind: Georg Führer- Sport-
LPD. Frankfurt a. M., 4. März. Das Sonder- gericht Frankfurt verurteilte am Dienstag den achtzehnjährigen Lothar Mager aus Heidelberg als Gewaltverbrecher wegen Mordversuchs in vier Fällen, davon in drei Fällen in Tateinheit mit Verbrechen gegen § 1 des Gesetzes zur Gewährleistung des Rechtsfriedens, in einem Fall auch als Volksschädling und in einem Fall des versuchten schweren Raubes viermal zum Tode und dauerndem Ehrverlust.
Der Angeklagte hatte die Verbrechen in der vergangenen Woche — wie gemeldet — in Heidelberg, Frankfurt und Wiesbaden begangen. Es gelang dem Zusammenwirken der Staatsanwaltschaft in Frankfurt a. M, die sofort drei Sachbearbeiter eingesetzt hatte, mit der Kriminalpolizei in wenigen Tagen, den Sachverhalt der Verbrechen und das Vorleben des Angeklagten durch Ermittlungen in Heidelberg, Frankfurt und Wiesbaden in allen Einzelheiten fest- zustellen. Daher konnte schon am sechsten Tage nach der Ergreifung des Verbrechers feine Aburteilung durch das Sondergericht erfolgen.
Bei feiner Verhaftung hatte Mager vier Pistolen und etwa 300 Schuß Munition neben einem scharf- geschliffenen Dolch in Besitz. In der UrteUsbegrü- bung wurde betont, daß der Angeklagte keine Reue zeige und mit voller Ueberlegung gehandelt habe. Er sei der Typ des Gewaltverbrechers. Der Angeklagte nahm das Urteil in vollkommener Ruhe hin. Für das Leben des Justizoberwachtmeisters in Heidelberg, auf den der Verbrecher geschossen hatte, besteht glücklicherweise keine Gefahr, obwohl der Beamte schwer verletzt ist.
höchste und niedrigste Wertung Wegfällen. Müler- weile wurde auch eine elektrische Anzeigevorrichtung konstruiert, die für jeden Kampfrichter in einem pultähnlichen Tischchen besteht, auf dessen durchsichtiger Vorderseite die Wertzahlen aufleuchten.
Der Bereichskampf In Gießen
am kommenden Sonntag wird als eine wichtige Veranstaltung des NSRL. (Reichsfachamt Turnen) ebenfalls die öffentliche Wertung anwenden, wodurch der Zuschauer den Kampf genau wird verfolgen können. Noch stets stellten bei solch großen sport- lichen Veranstaltungen, insbesondere im Turnen, die Fachleute aus den Vereinen die Hauptmasse der Zuschauer. Für sie wird es denn auch am Sonntag einen besonderen Reiz bedeuten, selbst mitzuwerten und ihr Urteil mit dem der Kampfrichter zu Dergleichen. Geturnt werden nur Kürübunaen, für deren Beurteilung Schönheit und Schwierigkeit ausschlaggebend sind. Die Schönheit der Hebung, die vor der Schwierigkeit den Vorrang hat, ist wieder bedingt durch den Ausbau sowie die Auswahl, Verbindung und Mannigfaltigkeit der Einzelformen. Da der Kampfrichter nicht nur von 1 bis 10, sondern auch noch mit Zehntelpunkten werten kann, ist eine sehr genaue Abstufung möglich. Trotzdem ist zu betonen, daß die Wertung von Gerätübungen kein« mache- mattsche Aufgabe ist, sondern ein persönliches Werturteil. Diese gefühlsmäßige Wertung hat ihre Vor- aussetzung in klarer Urteilsfähigkeit des Kampfrichters. Den Gießener Turnkampf werten- dis Männerturnwarte der vier beteiligten Bereiche. Die obigen Dorausfetzungen für eine einwandfreie Wertung und einen gerechten Ausgang dürften damit gegeben fein.
Die Mannschaften von Heften und Südwest im Gießener Turngroßkampf.
An der Spitze der Hessen-Sechs steht der hessische Bereichsmeister 1941 Otto Gergs, ACT. Kassel. Er hat neunmal an deutschen Gerätmeisterschaften teilgenommen, auch dieses Jahr in Karlsruhe; er war mehrere Male Sieger auf Deutschen Turn- und Sportfesten. Franz Sieger, CT. Hessen- Preußen Kassel, ist Gergs ebenbürtig; auch er war wiederholt Sieger auf Deutschen Turn- und Sportfesten und bei Deutschen Gerätemeisterfchaften. Adolf Fink von der CT. Hessen-Dreußen Kassel ist wohl der älteste der Turner, die oen Kampf am nächsten Sonntag bestreiten. Er ist aus derzeit des alten Hessengaues der DT. allen hessischen Turnern noch in bester Erinnerung. In der bekannten Hesien- riege des Ehrengauoberturnwarts Wilhelm Will war er einer der Besten, wurde mehrmals Bereichs (Gau-) meister, nahm an Deutschen Meisterschaften teil und gehörte auch der Deutschlandriege an. Anton Kaiser vom Tv. 1846 Gießen (Luftwaffe) zählt zu den Besten des deuffchen Nachwuchses. Er war mit Erfolg an den Reichswettkämpfen der Nachwuchsturner 1938 in Gera und 1941 in Kassel beteiligt, 1940 auch an den Deutschen Geratemeisterschaften in Berlin und an den Deutschen Zwölfkampfmeisterschaften in Chemnitz. Weiter stehen in der Hessen-Mannschaft Kurt Schöneich, Tv. Erbach (Westerwald), der mehrmals an Deutschen Zwölfkampfmeisterschaften und Deutschen Gerätemeisterschaften, zuletzt in Karlsruhe 1941, teilgenommen hat, und August Krack vom Tv. Bad Homburg-Kirdorf, der Bezirksmeister des Friedberger Bezirks ist. Als Ersatzmänner sind August Ederspächer, Tv. Biedenkopf und Kurt Wedekind, ACT. Staffel gemeldet.
Die Südwe st.-Mannschaft wurde von uns bereits kurz gewürdigt. Ihre endgültige Aufstellung sand sie erst am Sonntag nach den Sübwcst-Be- reichsrneisterschaften in Worms. Die Mannschaft tritt in folgender Ausstellung an: Richard Reuther, T. u. Spg. Oppau, Ludwig Metz, Tgm. Frank- surt-Bockenheim (W Heer), Emil Hlinetzky, Vogt und Haeffner, Frankfurt a. M. (W. Heer), Helmut B a n tz, VfL. Speyer, Albert Z e l l e k e n s.
WWWnsusSWlW.
Roman von Wo flcufdöL
5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Dort gab es zu dieser Stunde noch keinen einzigen Gast. Fräulein Lene, die Tochter des Hotelbesitzers, faß hinter dem Schanktisch und las in einem Buch, das einen grellbunten Schutzumschlag trug.
Lasard blieb neben ihr stehen und blickte über ihre Schulter. Verlegen klappte sie das Buch zu und erhob sich. Er wies mit dem Kopf auf die bunt schillernd« Reihe von Likörflaschen. „Nonne oder Landsknecht?" fragte sie.
Lasard hatte im Schlesischen Hof eine Menge neuer Bargetränke eingeführt, die alle merkwürdige Namen hatten, und die er selber am besten zu mischen verstand.
„Bleiben wir beim Landsknecht!" entschied er. „Für Sie eine Nonne?"
Das Fräulein lehnte ab. Er mischte sich seinen Zandskneckst und plauderte währenddesien mit dem Mädchen, vis ein Botenjunge kam, der einen Korb Büchsenkonserven ablieferte und die Rechnung dafür oorlegte. Sie muhte den Jungen ins Kontor begleiten und Lasard blieb einig« Minuten allein. Er nahm, als täte er das Selbstverständlichste von der Welt, aus einem Fach des Büfetts drei neue Paketchen mit Spielkarten und steckte sie in die Tasche. Als Fräulein Lena zurückkam, trank er den Rest seines .Landsknechts* aus und ging hinauf in sein Zimmer.
Dori nahm er die Kartenpäckchen hervor, öffnete behutsam die Hmhüllungen und begann, die Karten zu zeichnen, indem er mit einem scharfen Dtesser von den Rändern hier und da den Glanz weg- schabte. Er zeigte sich geübt darin, und es ging rard).
Was er da tat, war keineswegs die Vorbereitung zu einem großartigen Falschspiel. Der Erfolg hätte den Aufwand nicht gelohnt. Es war nur ein Zeitvertreib, eine angenehme Spielerei, an deren Gelingen er feine fachmännische Freude hatte. Er
fühlte sich wie ein Zauberkünstler, der aus reiner Lust art der Geschicklichkeit feine Tricks auch dann ausführt, wenn es sich nicht lohnte.
Als Herr Mesielmann, der Besitzer des Lichtspielhauses Konkordia' und einige seiner Stammtisch- freund« gegen acht zum Abendschoppen kamen, tagen die drei Karienpäckchen schon längst wieder und scheinbar unversehrt an ihrem Platz, ganz zu oderst selbstverständlich, damit Fräulein Lene nur eins von ihnen zu fassen bekam, wenn man sie um neue Karten bat
In einem harmlosen Spiel, das sich über Stunden ausdehnte, gewann Lasard etwa achtzig Mark. Mit Leichtigkeit hätte er das Doppelte und Dreifache gewinnen können. Aber diese ehrsamen Leut«, die jeder verlorenen Mark einen kummervollen Blick nachsandten, taten ihm leid. Die Bestätigung seiner unfehlbaren Geschicklichkeit befriedigte ihn mehr, als es die zwei- oder dreihundert Mark HÄ- ten tun können, die im günstigsten Falle zu erobern gewesen wären.
Als Charlotte auf dem Rückweg vom Schlesischen Hof in die Anlagen des Bürgergariens einbog, hörte sie hinter sich einen vertrauten Signalpfiff. Sie blieb stehen und erkannte Gert, der ihr mit langen Schritten nachgelaufen kam. Die letzte Strecke zum Mathesius-Haus gingen sie gemeinsam.
Gert war im Werk gewesen, hatte seinem Vater Bericht erstattet und ein ,Lob ins Buch' bekommen, weil er in Breslau so tüchtig gearbeitet hatte. Darüber sprach er zwar spöttisch, aber man merkte ihm dock an, wie stolz er war. „Na, und du?" fragte er dann.
Sie komme eben aus dem Schlesischen Hof, antwortete sie.
Er zog die Brauen hoch und sah sie von der Seite forschend an. Ihm entging nicht, wie verstört sie mar. „Ja, und weiter, Lvlott?"
,^)err Lasard wird morgen reifen."
Er atmete erleichtert auf. „Unb darüber bist du traurig. Kleines?" Sie zuckte die Achseln.
„Es ist doch am besten so. Lolott!" redete er ihr sanft zu »Herrgott. was hätte denn daraus werden sollen? Man stirbt nicht an unglücklicher Liebe! Unb bei bir scheint's mehr Trotz unb Auflehnung zu fein als Liebe. Soll ich bir einen Rat geben?
Laß ein paar Wochen vergehen, fei hübsch brav und du so, als sei gar nichts gewesen. Dann gehst du wieder mal zu dem ollen Sanitätsrat Meibner, läßt dir wieder bescheinigen, daß bir Luftoeränbe- rung not tut unb dann ... heidi! Wenn sich's so fügt, daß ich mich gerade auch frei machen kann, reisen wir zusammen im Wagen. Immer ins Blaue hinein! Ist das nicht ein herrlicher Einfall?"
„Gewiß Gert!"
Das klang ohne jede Begeisterung. Sie schien doch schrecklich zu leiden unter dem unglücklichen Ausgang dieser Geschichte. Er überlegte, womit er sie sonst noch ablenken konnte. Es seien für heute abend Gäste geladen, erzählte er. Es sei da irgend so ein Türke angekommen, der Traktoren bestellen wolle. Sie müßten sich also noch rasch ,fein' machen.
Charlotte gab einsilbige Antworten. Eigentlich hatte er noch eine Nachricht für sie, wagte sich aber nicht so recht damit heraus, weil sie nichts Gutes für sie verhieß. Er überlegt« jedoch, daß es besser sei, sie vorzubereiten.
„Hör' mal, Lolott", begann er schließlich, „ich habe da was läuten hören. Ick glaube, es betrifft dich."
„Was soll das heißen?"
„Der alte Herr hatte heute ein Gespräch mit Heiberskrug gehabt."
„Er hat Tante Sllice angerufen?"
„Richtig! Unb ich weiß natürlich nicht genau Wort für Wort, was er mit ihr zu besprechen hatte, aber es hanbelte sich um dich."
„Woher weißt du denn überhaupt davon?"
Er geriet ein bißchen in Verlegenheit. „Gott — man hat so feine Beziehungen und muß die Ohren offenhalten. Wenn man so auf Reisen geschickt wird wie ich, muß man jemand im Werk haben, der für einen die Ohren spitzt."
„Und was hast du nun also erfahren?"
„Es scheiitt, der alte Herr möchte dich nach Hei- derskrug schicken. Deinen Erholungsausenchalt in Arosa hast Du ja ziemlich früh abgebrochen, unb weil doch der olle ©anitätsrat sagte, du solltest mindestens fünf Wochen ausspannen ..."
„Ach was! Heiberskrug, das fft — Verbannung!"
Er stimmte ihr kleinlaut zu. „Darauf wirds wohl hinauslaufen. Ich wollte dich jedenfalls darauf vorbereiten."
Frau Alice Hesseler, Christoph Mathesius' einzige Schwester, war gefürchtet in der Familie, unb Herders trug, ihr aus gedehntes Gut in der Nähe von Hirschberg, war an sich zwar wunderbar gelegen, aber kein beliebter Aufenthalt. In den Kindheits- erinnerungen Gerts und Charlottes war es fo etwas wie Sibirien. Man wurde dorthin verbannt, wenn man sich zu Hause unbotmäßig aufgeführt hatte. Um mit widerspenstigen Sündern fertig zu werden, war die eigene Mutter zu schwach gewesen; ihre Erziehermängel glich dann Tante'Alice aus. Sie wurde mit jedem und allem fertig. Wer nickt sofort klein beigab, den zermürbte sie unfehlbar mit ihrem Drill und ihren unbeirrbar zähen Ermahnungsreden.
„Wenn der alte Herr dich nach Heiberskrug schicken will, würdest du gehen?" fragte Gert teil» nahmsvoll.
„Was tätest bu an meiner Stelle?"
„Er zog ben Stopf zwischen bi« Schultern. ,4)u könntest ja natürlich .nein' sagen, aber hatte bas Zweck? Heiberskrug ist ja nicht gerade ein Bagno, es läßt sich ja leben dort, und hier herrscht augenblicklich ziemlich schwüle Luft für dich. Ich glaube, ich ginge an deiner Stelle. Mit heldenyaftem Widerstand kommt man nicht weit beim alten Herrn."
„Ach, was für Feiglinge ihr alle seid?" rief sie erbittert. „Euch ist es unvorstellbar, daß ihm jemand auch nur die Zähne zeigt."
„Du mußt gerecht sein, Lolott! Im Grunde meint er s doch gut mit uns — auf seine Weise freilich, aber er ist zu alt zum Umlernen. Wir sollen nach seiner Fasson selig werden. Das ist im Grunde genommen fein einziger Fehler. Ja, wenn er ein unberechenbarer Wüterich wäre, könnte man gegen ihn angehen, aber ich bring’s nicht über’s Herz, in jemandem meinen Feind zu sehen, der nur mein Bestes will. Wir leben von ihm und leben nicht schlecht. Ein bißchen Dank und Rücksicht sind mir ihm dafür schuldig, meine ich."
„3a, Gert! Eben deshalb! So lange man lebt, ist man gern dankbar. Man braucht sich seiner Dcmkesverpflichtung nicht zu schämen. Du arbeitest wenigstens für die Wohltaten, bi« er bir angebeihen läßt; ich stehe nur mit offenen Händen da."
„Dafür bist du ein Mädel!"
(Fortsetzung folgt.)
Die LIS.-Gchwefievuschast im Gau Men-Mau
Aufnahmebedingungen: Alter 18-28 Jahre, Nachweis d. arischen stelltz.l. April I pmcrhv/Pcfprn in folgend, staatl. Krankenpflege- Näh. Auskunftu Aufnahmepapiere durch die zuständige Gau- Abstammung, Nachweishauswirtsch.Tätigkeitod.Arbeitsdienst d. |s. noch II 5Chulen ein: Darmstadt, Worms amtsleit:Darmstadt, Steubenplatz 17,Femspr.Darmstadt7601


