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Nr. 54 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesjen)

Mittwoch, 5. Mrz 1941

ß e n statt.

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CREME

Zu allen Zeiten haben deutsche Mädchen, beseelt von d«r Liebe zu ihrem Vaterland und voll weib­licher Hilfsbereitschaft, ihre Kräfte in den Dienst der Gemeinschast gestellt. Unermeßlich sind ihre Leistungen für die Nation, und nicht wenige haben sogar den ruhmvollen Weg in die Geschichte unseres

Aber nicht nur in der Gemeindepflege, sondern auch im Krankenhaus und in der privaten Kran­kenpflege, ganz besonders aber in der Säuglings­pflege, findet die NSV.-Schwefter einen Beruf, der den vollen Einsatz ihrer Person fordert. Für ein junges Mädel gibt es kaum einen schöneren Be­ruf, als Helferin der ihr blutsverwandten Menschen sein zu dürfen. Sie muß die Lebensbedingungen und -Verhältnisse derjenigen, die sie betreuen soll, genau erforschen und erkennen und muß stets wis­sen, wo ihre Arbeit einzusetzen hat, um Sorgen und Nöte zu beseitigen.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

völkerung.

Mädel, die sich für den Schwesternberuf Inter- essieren, wenden sich an die Gauamtsleitung der NSB., Darmstadt- Steubenplatz 17. Dort wird ihnen

Sprechstunde des Kreisleiters.

Die Sprechstunde des Kreisleiters findet am Don» nerstag, 6. März 1941, von 15 bis 17 Uhr in Gie»

Neue Wege zum Beruf.

Oie weibliche Jugend wird zum Ehrendienst gerufen.

Aus der Stadt Gießen

März.

Ein Beruf für das deutsche Mädel

Oie NSV.-Schwester - überall gern gesehen.

spruch:

Raben und Bäume schneid' im März,

Das Erdreich tu herummerstärz, gibt einen ganz summarischen Begriff von der Fülle und Mannigfaltigkeit dieser Arbeiten.

Die zweite Hälfte des Monats bringt auch die Störche und Schwalben zurück. Der Dolksmund bringt ihre Wiederkehr entweder mit dem Grego- riustage oder mit dem Tage Mariä Verkündigung zusammen. Die Behauptung, daß sie am Gregorius- tage ankämen, stammt offenbar aus der Zeit der alten Kalenderrechnung, als der Gregoriustag noch

der 21. März war, während er heute auf den 12 März fällt. Auch manche andere Bräuche dieses Tages, z. B. der festliche Umzug der Kinder, der sich an manchen Orten Deutschlands bis heute er­halten hat, hängt wohl mehr mit dem Frühlings­anfang zusammen als mit dem Kalenderheiligen. Wir finden auch sonst in diesem Monat eine reiche Zahl von Vorfrühlingsbräuchen, die je nach der Ueberlieferung in den verschiedenen Gegenden Deutschlands an verschiedenen Tagen gefeiert wer­den. So entfaltet sich in vielen Orten Schwabens, Bayerns, Tirols, Vorarlbergs und der deutschen Schweiz, aber auch in der Eifel am-ersten Fasten­sonntag festliches Leben und Treiben. Schon die verschiedenen volkstümlichen Namen dieses Sonn­tags, wie Freudensonntag, Weißer Sonntag, Hutzel­

Unsere Schwester kommt!", jubeln schon von weitem die Kleinen, wenn sie die behende Gestalt in der kleidsamen braunen oder blauen Schwestern­tracht erblicken. Und schnell geht die Kunde durch die Dorsstraße. Ueberall, tno sie hinkommt, gibt es eine freudige Begrüßung. Fast in jedem Hause ist die Gemeindeschwester eine vertraute Erscheinung. Allerhand gibt es täglich bei den Rundfahrten in ihren Gemeinden für die Schwester zu erledigen, denn nicht nur ein Dorf genießt meist die Für­sorge der stets bereiten Helferin; eine NSV.-Schwe­sterstation umfaßt meist mehrere Ortschaften, und so muß sie mitunter beschwerliche Wege zu Fuß, mit dem Rade oder gar mit Schneeschuhen zurück­legen, damit sie alle ihre Betreuten erreicht. Eine junge Wöchnerin wartet auf ihre Unterstützung; beim Müllerbuben, der sich beim Klettern verletzt hat, ist ein neuer Verband anzulegen. Der alte Bauer, den das Reißen plagt, muß von ihrer sorgsamen Hand gebettet werden. In allen Dingen weiß die Schwe­ster als verständnisvolle Helferin des Landarztes Rat. In ihren Beratungsstunden in der Gemeinde- schwesternstation herrscht lebhaftes Kommen und Gehen. Mit der Leiterin der HilfsstelleMutter und Kind" erteilt sie den Landfrauen manchen Rat in der Säuglings, und Kinderpflege und zeigt ihnen neue Wege zur Gesunderhaltung ihrer Kleinen. Auch im Kindergarten der NSV. läßt sie sich öfters w

sehen und gibt in von der Kindergartnerm zusam- Auskunft und Rat erteilt, menberufenen Mütterabenden Auskünfte über vor- ----

beugende Gesundheitspflege.

grauem Vorhang gleitet ein schwarzes Kohlenschist. Plötzlich prasselt Hagel mit wilden Speeren nie­der, Blitze durchzucken ihn, Gold in Silber, und der Donner des ersten Frühlingsgewitters kracht. Doch er sprengt ein flammendes Tor in den Abend, die Pfähle der Rebstöcke entzünden sich wie tausend Kerzen, und nun zerfließt und zerschimmert das Band des Stromes zu einem Perlmutterspregel blauen Himmels, gelber Lichtstteifen und rosafar­bener Wolken.

lien ein Schiff leihen, das der langen Fahrt und ihren Gefahren gewachsen war, die sardinische Pan- zerfregatteSan Michele". Im innerpolitischen Kampsjahre 1848 bewies unser Volk, daß es Sinn für die Seefahrt und genug Opserfreude besaß, solche zu ermöglichen. Es kam eine Marine-Nationalspende zusammen, die einen hohen Betrag als Grundstock zum Bau einer Kriegsflotte ergab. Gerade auch un- vermögende Leute und Bewohner des Binnenlandes, fern der Meeresküste, opferten froh und reichlich. Die badischen Flößer erboten sich, unengeltlich die stärk­sten Schwarzwaldtannen zu den Werften an dec See zu flößen. Schiffszimmerleute einer norddeut­schen Werft erklärten sich bereit, ohne Lohn ein Kriegsschiff zu erbauen, und die hamburgische Dor­stadt St. Pauli ließ aus einem Sammlungsbetrag innerhalb ihrer Bürgergemeinschaft ein Kanonen­boot als Geschenk für die neue deutsche Bundesslotte anfertigen. Admiräle vom Schlage B r o m m y s und Fachmanns zeigten, daß das weite Meer nicht ein privilegiertes Revier Albions allein sei, obwohl der englische Marineminister erklärt hatte, er werde die deutsche Flagge, wo immer seine Ka­pitäne sie auf dem Meere anträfen, als Piratenfahne behandeln lassen. Bald mußten aber die Engländer denBesen einholen"; denn die Flotte des Kaiser­reichs war entstanden.

Der März war nach dem alten römischen Ka­lender, der nur zehn Monate kannte, der erste Monat des Jahres. Dem sagenhaften König Numa , Pompilius wird die Verbesserung zugeschrieben, dem , Zehnmonatsjahr die beiden Monate Januar und ; Februar angehängt zu haben, aber erst durch die ; Kalenderreform Julius Cäsars wurde statt des März der Januar zum Neujahrsmonat. Doch hielt man noch in einigen Gegenden des Abendlandes das ganze Mittelalter über an dem 25. März als Iah- : resanfang fest, und da an diesem Tag von der Kirche das Fest Mariä Verkündigung gefeiert wird, hieß ein solches Jahr Marienjahr. Diese Zählung war z. B. im Erzbistum Trier vom 12. bis 17. Jahr­hundert, in Lausanne bis ins 16. Jahrhundert und in Florenz und anderen italienischen Staaten sogar bis ins 18. Jahrhundert in Gebrauch.

Für das natürliche Gefühl ist der Jahresbeginn Ende März durchaus einleuchtend, denn stärker als irgendeine andere trägt diese Jahreszeit den Cha­rakter des Neubeginns. Die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf, Pflanze und Tier erneuern sich, und auch der Mensch spürt in sich eine merkwürdige Unruhe, die durch das raschere Kreisen der Säfte verursacht wird, weshalb denn auch alle Frühjahrs­und Blutreinigungskuren in den März verlegt wer­den. Auch die in der modernen Medizin wieder zu hohen Ehren gekommenen Fastenkuren gehören hierher, die mit Vorliebe in dieser Jahreszeit durch- aeführt werden. In früheren Zeiten, als die Fasten^ Vorschriften der Kirche noch allgemein verbindlich waren und mehr oder weniger streng durchgeführt wurden, war ohnehin der März eine Zeit der ein- geschränkten Nahrungsaufnahme, und dieses Fasten diente nebenher auch der Reinigung des Blutes.

Vom Fasten hat auch die flämische Bezeichnung Dorremaend" für den März ihren Ursprung, die wir auch bei Fischart alsDörrmonat" finden. Eine Reihe anderer Namen verraten weitere bezeichnende Eigenarten unseres Monats. So hieß er in Süd­bayern Ackermonat, was etwa dem altnordischen Sadatith" (Saatzeit) entspricht. Die Schneeschmelze und der damit verbundene grundlose Morast trugen auf Sylt dem Monat den vielsagenden Namen Kätmuun" (Kotmonat) ein. Die Bezeichnung ''Lentzinmanoth" (Lenzmonat), die Karl der Große dem März gab, ist bei uns nie recht heimisch ge­worden. Gar zu rauh und stürmisch pflegte der Monat daherzukommen, als daß wir ihn als aus­gesprochenlenzlich" empfinden. So hat sich denn über alle landschaftlich verschiedenen Bezeichnungen hinweg der lateinische Name März, der dem römi­schen Kriegsgott Mars entlehnt ist, auch bei uns allgemein durchgeseht, und das Breslauer Monats- qedicht aus dem 15. Jahrhundert sagt:

Der dritte monde heyst der merze Und macht denne den phlug sterczin.

Der Bauer wünscht sich diesen Monat, den wich- ttasten für die Frühjahrsbestellung, trocken und son­nig Märzenstaub ist Goldes wert", sagt das Sprich- wort. Und umgekehrt:Ein feuchter fauler Marz ist des Bauern Schmerz." Und nicht nur die Sonne, auch der Wind, der uns im März gewöhnlich be- sonders reichlich beschieden ist, ist dem Landmann willkommen, denn auch er Hilst, die Feuchtigkeit, die sich von der langen Schneelast des Winters in der Erde gesammelt hat, aus dem Boden zu ziehen, die Scholle für das Hervorbrechen der Pflanzen, das Sprießen der jungen Saat aufzulockern. Bauer, Gärtner, Winzer, alle, die die Erde bebauen, müssen sich im März sputen, um mit allen Arbeiten fertig zu werden, die einander drängen. Der Bauern-

Volkes gefunden.

Auch in unseren Tagen hat die weibliche Jugend den Ruf der Zeit verstanden und freudig ausgenom­men. In dem ihr zufallenden vielfältigen Arbeits­gebiet nimmt der Frauenhilfsdienst eine be­sonders wichtige, für Gegenwart und Zukunft gleich wertvolle Stellung ein. Bereits vor mehreren Jah­ren aus der Erkenntnis entstanden, daß es ein Ge­bot der Stunde ist, die in der Kinder-, Kranken- und Wohlfahrtspflege tätigen Fachkräfte auf breiter Grundlage durch Beigabe von Hilfskräften zu un­terstützen, hat der Frauenhilfsdienst seinen Einzug in unseren Kinderhorten, Krankenhäusern und Lazaretten, in Fürsorgestellen und Altersheimen gehalten. Ueberall finden wir die Mädel in ihrer schmucken Tracht, in blauem Rock und weißer Schürze, zielbewuht an der Arbeit.

Der Eintritt in den Frauenhilfsdienst ist ohne be­stimmte Vorbildung nach Vollendung des 18. Le­bensjahres möglich und sieht eine Verpflichtung auf zwei Jahre vor. Ist die Ableistung des Arbeits-

Schon das schulentlassene Mädel kann mit der Vorbereitung für seinen zukünftigen Berus begin­nen, um nach und nach in feine künftige verant­wortungsvolle Arbeit hineinzuwachsen. Mit dem 18. Lebensjahr beginnt die eigentliche Ausbildung, die völlig kostenlos ist. Unterkunft, Verpflegung und Dienstkleidung werden gestellt und ein Taschen­geld wird gewährt. Mit umfassendem Wissen und praktischen Kenntnissen wird so die Schwester der NSV. zum wertvollen Glied der Volksgemeinschaft, zur vorbildlichen Helferin der Stadt- und Landbe-

baren Mondrand heran und verschwindet dann plötzlich, so plötzlich, daß man glauben könnte, ir­gend jemand hätte den Stern ausgewischt. Dieses plötzliche Verschwinden des Sternes ist ein Zeichen dafür, daß der Mond keinerlei Atmosphäre besitzt, sonst mühte der Stern langsam schwächer werden und dann erst verschwinden. In Wirklichkeit nähert

dienstes vorausgegangen, verkürzt sich die Arbeits- zeit im Frauenhilfsdienst auf V/z Jahr. Während der Ableistung der Dienstzeit zur Unterstützung der Schwestern, Volkspflegerinnen und Kindergärt­nerinnen haben die Angehörigen des Frauenhilfs­dienstes, soweit sie nicht bei ihren Angehörigen leben, Anspruch auf freie Wohnung und Verpfle­gung, auf Arbeitskleidung, Urlaub und ein tägliches Taschengeld. Ferner ist freie ärztliche Behandlung und Krankenpflege zugesichert. Nach Beendigung des zweijährigen Hilfsdienstes wird bewährten Mädeln eine Ehebeihilfe in Höhe von 500, RM. gewährt.

Viele Mädel werden an den ihnen obliegenden Pflichten soviel Freude und Befriedigung finden, daß sie sich entschließen werden, einen entsprechen­den Beruf zu ergreifen. Ihnen wird die freiwillige Dienstzeit in der Berufsausbildung als praktisches Halbjahr angerechnet. Ferner befreit der Ehren­dienst im Frauenhilfsdienst vom Pflichtjahr.

Wiederum ergeht der Ruf an junge, gesunde Mädel aller Volkskreise zur freiwilligen Verpflich­tung, zum Ehrendienst an der Volksgesundheit und damit für den Bestand und die Zukunft der Nation. Auskünfte erteilen die Kreisdienststellen des NS.- Frauenschaft, die auch jederzeit Meldungen ent­gegennehmen.

Stadttheater: 19 bis 21.15 UhrGötter auf Ur­laub". Gloria-Palast, Seltersweg:Sieg mr Westen". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Unser Heiner Junge". Gießener Vortragsring: 19.15 Uhr in der Großen Aula der Universität Hans Ca- rossa lieft aus eigenen Werken. Abendvorlesung der Universität: 20.15 Uhr im Hörsaal des Kunst­wissenschaftlichen Instituts, Ludwigstraße, Vortrag Professor Dr. Voll Hardt überDer Gestaltwan­del britischer Weltanschauung". Oberhessischer Kunstoerein: 17.30 bis 18.30 Uhr Ausstellungen im Stadttheater und im Turmhaus am Brandplatz.

Stadttheater Gießen.

Am heutigen Mittwoch wird zum erstenmal das Lustspiel von Paul HelwigGötter auf Urlaub" aufgeführt. Dieses originelle Lustspiel hat nach seiner Uraufführung in Berlin am Staatstheater seines glänzenden Erfolges wegen an mehr als zwanzig deutschen Bühnen Aufnahme gefunden und überall seine Erfolgsserie fortgesetzt. Spielleitung: Hans Albert Schswe. Bühnenbild: Karl Löffler. Es wirken mit: Hannelore Hinkel, Hans Caninenberg, Walter Erler, Hans Geißler, Karl Volck. 22. Mitt­woch-Miete.

Ortszeit für den 6. März.

Sonnenaufgang 8.03 Ulk, Sonnenuntergang 19.12 Uhr. Monduntergang 2.41 Uhr, Mondaufgang 11.58 Uhr.

Heute abend Sternbedeckung.

Bei seinem Umlauf bedeckt der Mond laufend die hinter ihm stehenden Sterne. Meist sind diese aber so lichtschwach, daß sie mit dem bloßen Auge über­haupt nicht oder doch in der Nähe des hellen Mon­des nicht gesehen werden können. Ein erheblicher Teil dieser Bedeckung findet außerdem am Tage statt, so daß man sagen kann, ohne ein Fernrohr ist im allgemeinen eine Sternbedeckung nicht zu beobachten. Nur in den ganz seltenen Fällen, daß einer der großen Sterne in der Nähe der Mond­bahn zu günstiger Zeit vom Mond bedeckt wird, ist eine Beobachtung mit dem bloßen Auge möglich. Eine solche Bedeckung findet heute abend statt. Sie ist die erste in einer Serie von 5 Bedeckungen des Hauptsterns des Stier, des Sternes 1. Größe Aldebaran, einer Sonne, die etwa 65 Lichtjahre von uns entfernt ist. Der Durchmesser dieser Sonne ist etwa 38 mal größer als der unserer Sonne, übertrifft also den Erddurchmesser um das 4150 fache. Die zu erwartende Bedeckung ist aber nicht nur die erste, sondern auch die günstigste dieser Serie, denn die übrigen Bedeckungen am 29. April, 20. Juli, 10. Oktober und 30. Dezember finden entweder am Tage statt und sind daher überhaupt unsichtbar, oder sie finden um die Vollmondszeit statt und sind daher wesentlich schwieriger zu beobachten als heute.

Bei uns in Gießen verläuft die Bedeckung fol­gendermaßen. Um 21 Uhr 29 Minuten tritt dec Stern an den dunklen und daher für uns unsicht­

Zeitschriften.

I nnen-Dekoration". Zeitschrift für be­hagliches Wohnen. 2,50 RM. Derlagsanstalt Alexan­der Koch G. m. b. H., Stuttgart. Der Architekt dec Gegenwart sieht sich häufig vor die Aufgabe gestellt, Wohnhausbauten aus älterer Zeit durch geschickten Um- und Ausbau für zeitgemäße Wohnzwecke nutz­bar zu machen. Eine überzeugende Lösung dieser Art bietet das letzte Heft mit dem landschaftlich reizvoll gelegenenWohnhaus in Württemberg", das dec Stuttgarter Architekt Paul Darius durch Erweite­rung eines alten Hauses geschaffen und mit neuer Inneneinrichtung versehen hat. Ein Bildbericht Mailänder Wohnräume und Einzelmöbel" gilt dem schaffen des Mailänder Architekten Paolo Buffa, das mit seiner Formreife und seiner Vorliebe für wertvolle Werkstoffe für die junge italienische Raum- und Möbelgestaltung bezeichnend ist. Eine weitere Bildfolge bringt neue Erzeugnisse derDeut­schen Werkstätten" München, darunter bemalte Landl Hausmöbel und schöne Gebrauchskeramik.

Mainlandschast.

Bon Hans Brandenburg.

Aus den silbernen Hochburgen des Alpenwinters bin ich der Landschaft des Mains ans Herz gestürzt. Auch sie hat diesmal durch Wochen und Monate die ganze Strenge des Schnees und Frostes tragen müssen, so wenig angemessen das gerade ihr er= scheinen will nun befreit sie sich und befreit auch uns. Wir hatten vergessen, was Erde, was Luft und was Farbe ist. Den Boden drosselte die weiße Decke, der Himmel hing als Last hernieder oder klärte sich höchstens zum starren Gewölbe. Nun ist die Erde endlich nackt, sie ist wieder Leib, und wir öffnen mit ihr unsere Poren. Sie vermähtt sich wie­der der Atmospäre, das Unten und das Oben brauen ineinander und wer will über schlechtes Wetter klagen, wenn der Boden in seiner Blöße dampft und brodelt, wenn Licht und Schatten wie­der stieben, wenn Wolken und Regen wieder ihre Schleier weben und alles endlich neu zu feiner fruchtbaren und zusammengehörigen, zusammenklin­genden Tonigkeit verschwimmt?

Wo kaum der Schnee gewichen ist, da weiden schon Schafe. Wo kaum das Eis zerschmilzt, da tummeln sich Gänse. Und ergreifend wirkt auf dem so lange verlassen gewesenen Gebreite der Felder und Aecker die erste, die noch einsame und verein­zelte menschliche Gestalt, die wieder das Werkzeug erhebt, der geöffneten Scholle zu helfen. Und in­mitten dieser langsam erwachenden Kreaturen zieht das breite Band des Mains dahin wie aus braun- grauer Seide. Dieser Strom ist mild und stark zu- gleich. In unendlich harmonischem Verhältnis ent­spricht seiner geahnten Tiefe die ruhige und gelinde Höhe seiner Ufer, in die sich die alten Nester schmie­gen und die mit Weinbergen, mit Wald und mit kindlichen Reihen und Rudeln noch kahler Obst- bäume waagrecht dahinstreichen.

Die Wiesen sind zum Teil überschwemmt, Weiden- bäume stehen wie ertrinkend im Wasser, Kahne und Bretter überbrücken sonst trockene Stellen bis in Einfahrten und Hauseingänge hmem. Aber die überdrängende Fülle will das Land nur einmal gründlich tränten; sie tritt wieder zurück in den Laus des Flusses, der aus die Dauer nur seinen sanften Borden gehorcht. Dampfer und Schlepper kommen vorüber, Gewölk ergießt sich über sie, Bagger starren kaum noch heraus, und.hinter perl-

fonntag, Brot- und Käsesonntag, Funken- und . Scheibensonntag, erzählen uns etwas vom Charakter dieses Tages. Der vierte Fastensonntag, der Sonn­tag ßätare, heißt wiederum in manchen Gegenden Totensonntag, was nichts mit dem im Herbst ge­feierten Andenken an die Verstorbenen zu tun hat, sondern auf die Sitte des Todaustrages zurückgeht. Eine Strohpuppe, die den Winter darstellt, wird Unter allerhand Späßen und Scherzen herumgetra- gen und schließlich feierlich verbrannt. Das bedeutet zugleich eine Reinigung vom allem Morschen, Kran­ken, Stockigen, während eine andere Figur mit Buchsbaum und bunten Bändern, Aepfeln und Brezeln behangen, den sieghaften Neubeginn des jungen, starken, gesunden Lebens versinnbildlicht.

C. K.

Fürst die alte Marinetradition, indem er den roten Adler Brandenburgs nach Uebersee sandte und in Westafrika Kolonien erwarb. Nicht allzu bekannt dürfte es sein, daß dieser weitblickende Herrscher Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, mar es diese Pläne mit vorerst sehr bescheidenen Mitteln verwirklichen mußte. Sein Staat war durch den Dreißigjährigen Krieg verarmt, die Kriegskasse war leer, Die Schwedengefahr groß. Da kam der indige Fürst auf den Gedanken, eine Flotte zu mieten. Der niederländische Kaufherr Benjamm Raule setzte aus eigenem Schiffsbestande und unter Heranziehung von gleichgesinntenKompag­nons" eine Flotte zusammen, die vom Kurfürsten mit Kaperbriefen ausgestattet staatsrechtlich die Tätigkeit einer legitimen brandenburgischen Marine übernahm, in nur zwei Monaten 21 Feindschiffe abfing und dafür ansehnlicheProzente" alsGe­schäftsanteil" der Unternehmer einheimste. Diesen Vertrag erneuerte Friedrich Wilhelm, als er seine kolonialen Pläne durchführte; und er wie sein Schiffsdirektor" Raule kamen auf seine Kosten.

Des Großen Kurfürsten Enkel, der alsSoldaten­könig" in die Geschichte einging, hatte großes 23er- ständnis für Landheer und Wirtschaft, nicht aber für Seefahrt und Kolonialpolitik. Die Kriegsschiffe blieben im Hafen liegen und verfaulten buchstäblich. Sein Sohn aber der große Friedrich sah weiter. Er ließ neue Kriegsschiffe bauen, und der schwarze Aar auf weißem Grunde flog wiederum in die weite Welt. Damit sich aber diese Schiffe nicht nur politisch bewährten, sondern auch wirtschaftlich rentierten", mußten sienebenamtlich" Handels­ware nach und von Uebersee transportieren. Selbst das Flaggschiff ,König von Preußen" getauft, diente dem Handel. Als es in Kanton an der chinesischen Küste einlief, sagte ein Mandarin, der die Kriegs­flagge mit dem Preußenadler betrachtete:Wir haben dergleichen großen Vogel schon früher hier gesehen, aber ihm keine Dauer jugetraut, weil er unnatürlicherweise zwei Köpfe hatte. Dieser Vogel, der nur einen Kopf hat, wird es länger aushalten!" Tatsächlich hat der Preußenaar den Doppeladler Habsburgs überdauert.

Immerhin ging es langsam mit dem deutschen Flottenaufftieg, und die napoleonischen Jahre brach­ten verhängnisvolle Rückschläge. Noch der Gründer der neuzeitlichen Flotte Deutschlands, Prinz 21b dl b er g von Preußen, mußte sich anno 1842 für eine Informationsreise nach Brasilien aus Jta»

Aus der Krühzeit deutscher Geegeltung.

Von Werner Lenz.

Seefahrt ist not."

G o r ch F o ck.

Seltsamerweise ist der deuffche Anspruch auf See- qeltunq und Meerbeherrschung von den Deutschen leibst lange Zeit nicht recht verstanden worden. So sagte noch vor hundert Jahren ein preußischer Kriegsminister, daß Die deutsche Nationbekannt­lich" ein auf das Festland und auf fern Landheer angewiesenes Volk sei. Und doch bezeugt es die Ge­schichte Germaniens schon für die Zeit, ehe es em eigentliches Deuffches Reich gab, daß unser Volk mie überhaupt alle ihm verwandten Stämme -- zur Seefahrt hervorragend geeignet ist. Schon in vorgeschichtlicher Zeit blühte außer auf Den großen Flüssen Mittel- und NorDeuropas Die Schiffahrt an Den GestaDen Der Ost- und Nordsee, und germanische Seeleute waren es, Die vor tausend Jahren Island, Grönland und Amerika ansteuerten. Den Wikingern, Normannen und Friesen eiferten Die NieDersachsen halb nach, und Die Deutsche Hansa wurDe zu einer Marinemacht von hohem Ansehen in aller Welt.

Dann aber ging Die Ueberseepolitik und Damit Das militärische Seemannstum für IahrhunDerte rück­wärts; Das habsburgische Kaisertum kannte vor seinem Zusammenbruch als Zentralgewalt desHei- liqen römischen Reiches deutscher Nation" zwar noch Den Titel einesGenerals des Meeres", der bei­spielsweise an Wallenstein verliehen wurde; aber er war nur leere Dekoration, wie die Tatsache er­weist, daß besagter kaiserlicher Generalissimus nicht einmal mit Der kleinen SeestaDt Stralsund fertig werden konnte.

Bald Darauf jedoch erneuerte em hohenzollernscher