Aus der Siadi Gießen. |
"Her, Wetter im Juni zu sagen weiß. (Ein klein wenig JJ ^Öil«!!mißtrauisch dürfen wir freilich sein!) Gleich zu Be-
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es Naß dem Winzerfaß"; aber: „Wenn
kalt der Juni war, verdirbt er meist das
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Allerdings, mit andauernder Hitze und Trocken-
Verdunkelungszeit
4. Juni von 21.38 bis 5.03 Uhr.
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Dom Wetter im Juni.
Heute erinnern wir uns in verstärktem Maß der Wetterregeln, die alte Erfahrung des Landmanns geprägt haben. Der Meteorologe kündet uns das Wetter für höchstens zehn Ta>ge im voraus, die bäuerliche Wettervorhersage aber ist viel weit- blickender. Betrachten wir einmal, was sie vom
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Und, so schr man sich auch bei heißem Wetter I lach kühlendem himmlischen Naß sehnen mag, müllen wir sieben Wochen lang tagtäglich singen: „Es ■gnet, es regnet, es regnet seinen Laus", so wäre 15 das doch ganz und gar nicht recht. L. B.
Auch tüchtig donnern darsis in „eine Reihe von [Uten Tagen", dafür gibt es Belege gus- den Der- chiedensten Gegenden. Wir hören: „Biel Donner im uni bringt ein fruchtbares Jahr", oder „Wenn der
i brav Spektakel macht, dann gibt's ein Korn n voller Pracht", oder wir vernehmen: „Bläst rachmonat ins Donnerhorn, Bläst er ins Land as liebe Korn", oder aber: „Donnert's viel im unimond, Gott es am Getreide lohnt."
Auch tüchtig wehen darf es, denn: „Nordwinde im ni wehen Korn und Wein ins Land hinein", der: „Wenn im Juni Nordwind weht, das Korn
Ernte trefflich steht."
Einzig in ihrer Art iftr soweit ich sehen kann, eine sgel, wie die folgende: „Rosenmond feucht unb arm, kommt zu gute Reich und Arm."
Mit Freuden wird der Kohlenkommisfar eine egel vernehmen, die besagt: ,/Stellt der Juni mild ch ein, wird mild auch der Dezember sein."
Wie in allen anderen Monaten gibt es auch im uni ,Lostage", die für die Ernte, oas Wetter und nderes mehr ihre besondere Bedeutung haben. So eißt es z. B. vom 8. Juni:' „Wie's wettert am Me- ardustag, so bleibt's sechs Wochen lang danach." eiter heißt es vom Medardustag: „Was St. Me- art)us für Wetter hält, solch Wetter in die Ernte llt", und „Msdardi Regen, gibt der Ernte fein egen." Vom 10. Juni hören wir: ,Lat Margrit ^inen Sonnenschein, so kommt das Heu nicht trocken 'm", und vom 11.: „Regnet's auf St. Barnabas,
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Mheit ist dem Bauern auch nicht gedient, denn er liebt
Do*[!bine fein abgewogene Mischung, wie aus den foi- 'O^Mertszenden Wetterregeln hervorgeht: „Machfs der
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Sprechstunde des Kreisleiters.
Die Sprechstunde des Kreisleiters findet am Donnerstag, 5. 6. 41 nachmittags von 15 bis 17 Uhr ii Gießen statt.
sschlaggobend für das Wetter der Dachfolgenden Wochen ist nach Ansicht der ländlichen !3etterpropheten auch der 29. Juni, der S leben- V mläfertag, von dem es heißt: „Regnet's am Sieben- K chläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen
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Irr ^Ihinn hören wir: „Auf nasien Mai kommt trockener ‘to- Cri. Juni herbei."
n Unö den hat der Lanümann, scheint's, -nicht un- , Kessel, । gern, denn er sagt: ,Luni trocken mehr als naß,
’ gefallen Bismar.' ;
Lettern k Aus k aus defk gefallt^
hwimmen die Trauben bis ins Faß."
Um die Mitte des Monats tritt angeblich eine all- emeine Wendung ein: ,S<mkt Veit (15. Juni) Mert sich die Zeit, barm fängt das Laub zu stehen in, dann haben die Vögel das Legen getan."
• • Ein sehr wichtiger Tag im Kalender des Land- n e ■. foirts ist der 24. Juni, der Johannistag: vor allen 9 dingen ist regnerisches Wetter an diesem Tag sehr
M unbeliebt: „Regnet's am Johannistag, so regnet es
fach vierzehn Tag", oder: „Wasser zu Johannis ftiinein, nimmt das Brot und gibt keinen Wein"; x Wtrn«rner: «gom Dag Johannes der Regenguß, läßt die Haselnuß!" Oder ganz allgemein: ,Jo- [toniregeit — fein Segen." Ja, Regen an Sankt e., «Johann kann eine Landplage bedeuten: „Regnet's em znsar > ^g^nitag auch nur leise, dann regnet es Mäuse." » Die vier Tage vor und die vier Tage nach der I, ftw । fconnennDenbe zeigen das Wetter an, das bis rm. W lT>.tz<^rtc»r-Y hprrfifaprt wird.
Zrachmonat gut oder schlecht, so macht er*5 alle- nal nicht recht. Machts er's aber gut u n d schlecht, das ist gerade recht." Oder: „Brachmond warm, 3]l Katz, kühl und trocken, gibt was in die Milch zu un9- G» drocken."
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Nomon von Elisabeth jjolt
^ Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
Die Altistin fuhr auf, als habe man sie aus ihrem kehnftuhl herausgeschleudert. „Sie sind ja verrückt, lernen Sie mir s nicht übel, aber das ist doch dmplett verrückt, wenn Sie diesen Pelz ablehnen."
Aber Gerda sah bockbeinig geradeaus und spürte ehe Million Ameisen den Rücken hinauf- und roie- d-r hinunterlaufen. Sie ließ sich nicht in Debatten jin mit der praktischen und vernünftigen Sängerin, ■Ober sie wußte, daß sie den Pelz einfach nicht haben ! rollte. Monatelang ist sie Zeugin jener rätselhaften, unverständlichen Gier gewesen, mit der Pola den Faunen Bälgen nachhing, sie hat den Zobel gc- ; kpen, wie er marionettenhaft an gekrallt an der »jenen Tür des Liftschachtes hing, und sie hat ihn : nf Polas Leiche erblickt, hingestreckt über den toten i Körper, als wäre er eines Widersachers Herr geworben. Nein, sie fürchtet sich vor dem Pelz.--
Mitte Dezember zieht sich der Tag auf sieben !crge Lichtstunden zusammen. Als die große Uhr i vderhallend in der teppichlosen Diele vier schlug, hipfte Gerda schon ihre Schreibtischlampe an. Dor im beschlagenen Fensterscheiben trieb dünner, gelblicher Nebel zwischen dem Strauchwerk. Als Der Hausmeister, der noch draußen im Garten zu tun bette, wieder das Haus betrat, winkte ihn Gerda ' 'n ihr kleines Arbeitszimmer. „Wie ist das eigent- 1 lich mit dem Silberbesteck — es sind verstümmelte
Messer dabei, und wir müssen die Garnituren voll- ltcndig übergeben. Wahrscheinlich wird das Silber lud) Gewicht verkauft werden."
Er nickte, er wird es schon in Ordnung bringen, es ist alles da bis zum letzten Salzlöffel. Ein leer- trunkenes Wasserglas vom Schreibtisch fortneh- n>nd, glitt seine Hand, eine rotgefrorene, verarbeitete Hand unter einem schwarzen Rockärmel, : Ichräg in den Lichtkreis der Lampe. Gerda hörte kWtzlich auf, von fehlenden Mestern zu reden.
»Sie sind saß", jagte sie und tupfte mit ausge-
Heue Bestimmungen über Ehestandsdarlehen.
Erleichterte Tilgung bei Mitarbeit der Frau.
Der Reichsfinan^minister hat die Bestimimungen über Ehestandsdarlehen im Interesse der Förderung des Frauenärbeitseinsatzes in einigen Punkten geändert. So werden jetzt Ehestandsdarlehen auch gewährt, wenn die Ehefrau einen selbständigen Beruf ausaeübt hat. Ferner wird auch bei Mitarbeit der Ehefrau eine erleichterte Tilgung zugelassen.
Bisher war Voraussetzung für ein Ehestandsdarlehen, daß die künftige Ehefrau in den letzten zwei Jahren vor Stellung des Antrags mindestens neun Dionate lang in einem Arbeitsverhältnis gestanden hatte. Darunter wurde nur die unselbständige Ausübung einer Arbeitstätigkeit verstanden. Die Finanzämter sind jetzt angewiesen worden, Ehestandsdarlehen in allen Fällen zu gewähren, in denen die künftige Ehefrau selbständig einen Berus ausgeübt hat. Alle Unterscheidungen zwischen den verschiedenen Berufen fallen weg. Es ist lediglich erforderlich, daß die künftige Eheftau in den letzten zwei Jahren vor der Eheschließung ihre Arbeitskraft überhaupt dem deutschen Volke zur Verfügung gestellt hat.
Ehestandsdarlehen sind in der Regel mit 1 v. H. monatlich zu tilgen. Wenn die Ehefrau jedoch weiter arbeitet oder wieder eine Arbeitstätigkeit auf» nimmt, beträgt der Tilgungssatz 3 v. H. monatlich. Bei kleinem Verdienst der mitarbeitenden Eheftau bestand deshalb nur ein geringer Anreiz zur Ausübung einer Arbeitstätigkeit. Schon vor längerer Zeit wurde deshalb von einer Erhöhung der Tilgungsraten abgesehen, wenn die Eheftau in der Land- oder Forstwirtschaft arbeitet. Der Reichsfinanzminister hat nunmehr angeordnet, daß wäh
rend der Kriegsdauer Anträge auf Herabsetzung der Tilgungsraten von 3 auf 1 v. H. großzügig behandelt werden sollen. Während des Krieges wird jede Arbeitskraft gebraucht. Diele Frauen können nur Halbtagsarbeit leisten. Der Betrag, der den Frauen zur freien Verfügung bleibt, würde bei einem Tilgungssatz von 3 v. H. so klein sein, daß fast jeder Anreiz zur Arbeit verloren geht. Ohne Rücksicht auf die sonstigen wirtschaftlichen Verhältnisse der (Regatten ist deshalb der Tilgungssatz auf 1 v. H. herabzusetzen, wenn die (Refrauen Halbtagsarbeit leisten oder der Verdienst so klein ist, daß Tilgungsraten von 3 v. H. eine fühlbare Verminderung des freien Arbeitslohns bedeuten würden. Die Herabsetzung erfolgt auf Antrag.
Schpn im Jahre 1937 wurden die Finanzämter ermächtigt, Ehestandsdarlehen auch bann zu bewilligen, wenn die Voraussetzungen nicht voll erfüllt sind, aber einer der Antragsteller seinen Vater infolge des Krieges verloren hat. Diese Anordnung war ein Ausdruck des Dankes für die Opfer, die die Väter der Kriogswaisen im Weltkrieg gebracht haben. Wie in der „Deutschen Steuer-Zeitung" mitgeteilt wird, gilt diese Anordnung selbstverständlich auch für die Antragsteller, die ihren Vater infolge des gegenwärtigen Krieges verloren hab.en. Der begünstigte Perfonenkreis umfaßt die Kinder der Väter, die im Weltkriege auf deutscher ober österreichischer Seite ober im gegenwärtigen Krieg gefallen, nach Kampfhandlungen vermißt oder an den Folgen einer Verwundung ober einer hn Krieg zu- gezogenen Krankheit ober in Krisgsgefangenschäft gestorben sind.
Dornottze«
Tageskalender für Mittwoch.
Stadtcheater: 19.30 bis M.30 Uhr „Boccaccio". — Gloria-Palast, Seltersweg: „U-Boote westwärts". — Lichtspielhaus, Bahnhofttraße: Heimatland".
Professor Or. Wilhelm Zwick f.
Der ftühere Ordinarius der Veterinärbygiene, Bakteriologie, Deterinärpolizei und Tiorseuchenlehre an der Universität Gießen, Dr. sc. nat. Dr. Dr. med. vet. h. c. Wilhelm Zwick ist am 28. Mai im Alter von 70 Jahren in München gestorben. Zwick wurde am 15. März 1871 in Jebenhausen bei Göppingen (Württemberg) geboren. Nach Beendigung seiner Studien wirkte er zunächst von 1897 bis 1900 als Prosektor, dann bis 1908 als Professor an der Tierärztlichen Hochschule in Stuttgart. Von 1908 bis 1913 gehörte Professor Zwick als Regierungsrat dem Reichsgesundheitsamt in Berlin an. Im Oktober 1913 folgte er einem Rufe als Ordinarius an die Tierärzliche" Hochschule in Wien, wo er bis 1919 tätig war. Im Oktober jenes Jahres kam Professor Zwick als Ordinarius der Veterinärmedizin an die Unversität Gießen, wo er eine segensreiche Lehrtätigkeit entfaltete und u. a. auch das Rektorat bekleidete. Zwicks wissenschaftliche Arbeiten sind niedergelegt in den „Arbeiten aus dem Reichsgesundheitsamt", in tierärztlichen Fachzeitschriften und in einschlägigen Sammelwerken. Außerdem hat er von dem Lchrbuche Fröhner^Zwick, „Spezielle Pacho- logie und Therapie der Haustiere" den zweiten Band der achten und neunten Auflage über Seuchenlehre bearbeitet. Die Universität Gießen ernannte den Gelchrten, der sich in weiten Bevölkerung streif en großer Wertschätzung erfreute, zum (Ehrendoktor der Deterinärmedezin. Am 1. April 1936 trat er in den Ruhestand, den er zunächst in Gießen verlebte, bis er später nach München verzog. Das Andenken an den Verstorbenen wird in Gießen in bester Erinnerung bleiben.
Oie Straßenbahnlinie Bahnhof— Schützenbans ist stillgelegt.
Die sog. „Rote" Linie der Straßenbahn auf der Strecke Bahnhof—Marktplatz—Schützenhaus ist nun« mehr endgültig ftittgefegt morden. Mit der Entfernung des Schienen- und Leitungsmaterials ist in der Licher Straße begonnen worden. Einstweilen sind zur Befriedigung des Berufsverkehrs städtische Omnibusse je nach den Erfordernissen des Fahrgastzuspruchs bereitgestellt worden, die vor allem morgens und gegen Abend die Fahrten für den Berufsverkehr ausführen. Soweit die Raumverhält- niffe es zulassen, können bei diesen Berufsfahrten auch andere Fahrgäste den Omnibus benutzen. Dieser Notbehelf wird aber voraussichtlich nicht allzu
lange dauern, denn etwa von der Mitte dieses Monats ab dürfte der Obus den Derkehrsdienst aufnehmen.
Fettverbilligung für die minderbemittelte Bevölkeren;.
Die von der Reichsregierunb zur Derbilligung der Speisefette für die minderbemittelte Bevölkerung getroffenen Maßnahmen werden für die Monate Juli, August und September 1941 weitergeführt.
Zum drittenmal das Gaudiplom erhalten.
Die Zigarrenfabrik Joh. Balch. Noll in Gießen erhielt zum drittenmal das Gaudiplom für ihren Zweigbetrieb in Alten v er s. Ferner sprach der Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront der Firma für chre übrigen Betriebe in einer Urkunde Dank und Anerkennung aus.
Betreuung unserer Verwundeten.
Das Oberkommando der Wehrmacht veranstaltete durch die NSG. „Kraft durch Freude" in der vergangenen Woche mehrere Konzerte für unsere Verwundeten. Schüler und Lehrer der Justus-von- Liebig-Schule in Gießen musizierten in einem Lazarett unter Leitung von Musiklehrer Dietrich. Der Schülerchor sang verschiedene Lieder. Instrumentale Musik wurde durch Schüler mit Unterstützung von Lehrern geboten. Musiklehrer Dietrich sang, von Studienrat Kraus am Klavier begleitet, Lieder bon Schubert. Reger Beifall dankte für die schöne Unterhaltung. — Bei schönem Sonnenschein sang im Garten eines Lazarettes der Verein „Harmonie aus Watzenborn-Steinberg Volks- und Soldatenlieder unter Leitung feines Chormeisters Burger. Die Verwundeten und Kranken lauschten dankbar den schönen Liedern. Anschließend fang der Verein noch in einem anderen Lazarett ein Ständchen. — Durch Vermittlung der Kreisfrauenschaftsführerin, Frau Wrede, wurden von den Ortsfrauen- schaften in Großen-Linden, Langgöns und Allen- dorf an der Lahn für die Lazarette in Gießen eine große Zahl schöner Kuchen gestiftet.
Mit dem Auto tödlich verunglückt.
Am gestrigen Dienstag ereignete sich in der Nähe von Gambach ein schweres Autounglück, das leider ein Todesopfer zur Folge hatte. Ein Perfonenkraft- wagen aus Kastelnder sich auf der Reichsautobahn unterwegs nach Frankfurt a. M. befand, kam an der Ueberführung der Autobahn an der Straße Gambach—Holzheim plötzlich von der Fahrbahn ab und stürzte die Böschung hinunter. Dabei wurde von den beiden Insassen ein Oberbaurat aus Kassel so schwer am Kopfe verletzt, daß er in der Klinik
ftredtem Finger auf seinen Aermel. „Ihr Rock ist naß."
„Das schadet nichts", meinte er — „das Nebel- wetter draußen, das zieht sich in die Kleider."
Als der alte Mann hinausging, saß Gerda mit steif zurückgebogenem Kopf da und starrte auf einen Punkt an der Wand, wie ein Buddhist, der aus dem Nichts Erleuchtung erwartet.
Um fünf Uhr klingelte das Telephon. Es ist demütigend, daß man wie ein ertapptes Kind jäh und grundlos erschrickt, wenn diese Stimme unerwartet über den Draht kommt. „Guten Abend", sagte Dr. Kempf, „ich möchte Ihnen bloß zwei dringende Fragen vorlegen. Frage Nummer eins: Sind Sie von Ihrer Arbeit sehr in Anspruch genommen?"
„Meine Arbeit besteht augenblicklich in einer Reinschrift der Wäschelisten."
„Frage Nummer zwei: Wollen Sie heute abend mit mir zu Abend essen?"
„Ist das so dringend, Herr Doktor?"
Die Stimme schwieg eine Weile still und sagte dann beherrscht: „Sie wissen es doch!"
,Zch weiß gar nichts", murmelte Gerda und war schon wieder auf der Flucht.
„Wenn es Ihnen recht ist, hole ich Sie um acht Uhr ab."
„Es geht heute nicht — ich kann wirklich nicht, der Abend stt schon eingeteilt. Um halb neun muß ich zu Baron Birinsky wegen verschiedener Unterschriften, auch kommt Paul zum Tee." — Hier schluckte Gerda. Was sie nachher vorschlug, klang höflich, aber unecht. „Wollen Sie nicht gleichfalls kommen? Es würde mich freuen."
„Nein", sagte Clemens Kempf ohne Begründung. Wie gut sie sich ihn vorstellen konnte, wie er :n feinem Hotelzimmer neben dem Apparat stand — verdrießlich darüber nachdenkend, was er wohl nun mit dem Abend anfangen sollte. Und im Spiegel neben der Etagere erblickte sie sich selber — in ihrem alten blauen Bürokleid, das an den Ellenbogen gestopft ist, mit dem müden Gesicht und den lieblos zurückgesttichenen Haaren. Ihre Mundwinkel verzogen sich.
^Jch verdenke es Ihnen nicht, wenn Sie nicht
kommen. Es ist jetzt ziemlich trostlos im Hause Luckner."
„Begreiflich", fand Kempf, „aber neulich haben Sie ja schon angebeutet, daß Sie nicht mehr lange in dieser Trostlosigkeit bleiben werden."
„Es hängt von Verschiedenem ab", murmelte sie — aber was wußte sie, wohin sie bann gehen sollte!
„Von wem hängt es ab?" wollte der Mann am andern Ende des Drahtes wissen.
Ihr fiel etwas ein. „Ich glaube, von der Polizei. Sicher wird man mich jetzt wieder jeden zweiten Tag vorladen. Ich habe nämlich etwas entdeckt."
Das Telephon knisterte und knackte. „Entdeckt?" sagte Kempf. „Etwas Wichtiges?"
'„Ich weiß nicht, ob es wichtig ist, die Polizei wird sich schon einen Reim drauf machen. Ich bin nämlich draufgekommen, daß der Aermel, der schwarze Tuchärmel dieses Menschen, der mit Pola aus dem Saal hinausgegangen ist, naß war."
Es erfolgte keine Antwort. „Hallo", sagte Gerda befremdet, und wiederum kamen Geräusche aus dem Hörer, bevor sich Kempf meldete. Er meinte ärgerlich, es feien atmosphärische Störungen —. Vorhin hat er mit der Deutschen Lufthansa gesprochen und nur abgehackte Brocken als Antwort bekommen. „Weiß der Himmel, ob sie mir morgen einen Platz freihalten werden!" sagte er grimmig. „Wie war das vorhin? Der Aermel ist naß gewesen?"
„Ja." '
Pause. „Sind Sie sicher?" fragte Kempf.
„Ja. Ganz sicher!"
„Und wie erklären Sie es?"
Gerda suchte krampfhaft nach einer Erklärung — । bestürzt horchte sie auf ihr Herz, das wie von einem Stoß getroffen gegen die Rippen flatterte und ihr den Atem fortnahm. Er reift also! Es ist soweit, daß er reift — sie wird ihn nicht mehr sehen — sie hat seine Einladung zum Abendessen abgelehnt — sie wird bei Birinsky fitzen und Listen vorlegen und Rechnungen und eingelaufene Post. Der Mann, der im Hotel Bristol neben dem Apparat steht und dicke graue Rauchwolken aus feiner Zigarre fangt, ftürt nichts davon, daß er ihr in dieser Minute nahe ist wie nie zuvor, daß er ihr aus allen Winkeln des Zimmers entgegenkommt, ein großer, schlanker, eleganter Mensch, eine überlegene, etwas skeptische
zu Gießen, wohin man ihn gebracht hatte, verstarb. Der Kraftwagerrführer kam mit leichten Verletzungen davon.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmartt) in der Diehoersteige* rungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 48,5 bis 49, Bullen 47.5 bis 52, Kühe 29 bis 47,5, Färsen 43,5 bis 48,5, Kälber 38 bis 57, Schafe 32,5 bis 48 Rpf. je V- kg Lebendgewicht. Für Schweine wunden je kg Lebendgewicht folgende Preise erzielt: Klasse a (150 kg und mehr) 1L0, bl (135 bis 149,5 kg) 1,20, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,18, c (100 bis 119,5 kg) 1,14, d (80 bis 99,5 kg) 1,08, e—f (unter 80 kg) 1,04, gl (fette Specksauen) 1,20, i (Altschneider) 1,18, g2 (andere Sauen) 1,08, h (Eber) 1,08 RM. Markt* verlauf: regelmäßig, alles zugeteilt.
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** Ei n Siebzigjähriger. Seinen 70. Geburtstag beging der Reichsbahn-Lokomotivführer a. D. Friedrich Neumann, Tannenweg 32, Mitglied der Gießener Marinetameradfchaft. Neumann hat von 1892 bis 1895 auf dem früheren Linienschiff „Baden" gedient und trat später dem Marine- Bund bei. Für seine langjährige treue Zugshörigkeit wurde ihm das Ehrenzeichen in Gold verliehen. Außerdem ist er im Besitz des Verdiensttreuzes 2. Klasse. Neumann ist feit längerer Zeit Blockwart des Reichsluftschutzbundes. Dem Jubilar unsere herzlichen Glückwünsche.
** B e i der Arbeit verunglückt. Der 52jährige Johannes F a u l st i ch aus Kisselbach, Ge- folgschaftsmitglied der Firma Buderus in Lollar, erlitt bei der Arbeit einen Unfall und zog sich einen Oberfchenkelhalsbruch und innere Verletzungen zu. Der bedauernwerte Mann mußte von der Sanitätsbereitschaft Gießen in die Chirurgische Klinik gebracht werden.
** Städtis che Bücherei. Im Mai sind 1971 Bände ausgeliehen nZorden. Von diesen Bänden tarnen auf: Zeitschriften 14, Gedichte und Dramen 16, Erzählende Literatur 1125, Jugendschriften 327, Länder- und Völkerkunde 146, Kulturgeschichte 3, Geschichte und Biographien 181, Kunstgeschichte 5, Naturwissenschaft und Technologie 68, Heer* und Seewesen 31, Haus- und Landwirtschaft 4, Gesund- hettslehre 1, Religion und Philosophie 6, Staatswissenschaft 37. Sprachwissenschaft 1, Sport 6 Bände.
Aus der engeren Heimat.
Schweinemarkt in Lich.
* Lich, 3. Juni. Der heuttge Schweine- markt wies einen Auftrieb von 133 Ferkeln auf. Es kosteten bis 6 Wochen alte Tiere 20 bis 25, 6 bis 8 Wochen alte 25 bis 30 RM. pro Stück. Bei flottem Geschäft wurde der ganze Auftrieb verkauft.
Schweinemarkt in Schotten.
* Schotten, 3. Juni. Im Rahmen des Schot- tener Pfingstmarktes war der Schweinemarkt mit 320 Ferkeln beschickt. Man bezahlte für 6 bis 7 Wochen alte' Ferkel 30 bis 32, 8 bis 10 Wochen alte 35 bjs 45, 11 bis 13 Wochen alte 50 bis 61 RM. pro Stück. Das Geschäft verlief flott, so daß der Auiftrieb ausverkauft wurde.
Landkreis Gießen.
KSteinbach,4. Juni. Am heutigen Mittwoch, 4. Juni, kann unser Mtbürger Ludwig Pitz I., Landwirt und Fuhrmann, in guter Gesundheit seinen 7 0. Geburtstag feiern. — Am morgigen 5. Ium feiert Frau Katharina Gerhard, geb. Horn, Witwe des am 3L 1. 1928 verstorbenen Hein-
Oss - Kreuz ist das
Garantiezeichen für bewährte Arzneimittel, die sich die ganze Welt erobert haben, »Äoyet* - Arzneimittel werden von den Ärzten in aller Welt ver» .ordnet und von Millionen mit vertrauensvoller Zuversicht gebraucht.
<A > BAYER V E > XJLz
Persönlichkeit, hinter deren Oberfläche sich aber auch Gefühle verbergen, gewiß auch Gefühle, sorgsam gehütet zwar und gebändigt, aber dennoch spürbar und verwirrend. Wie lange braucht man, um zu vergessen, daß man van Clemens Kempf geliebt worden ist? — Nein — denkt Gerda, skeptisch noch im Chaos — er hat sie nie geliebt, er ist bloß irgendwie hängengeblieben. Damals im Ring- straßenhotel, als sie den Zobel durch die weitz» golbene Tiefe des Saales trug, hat sich das Bild einer wie im Tanz schwingenden schlanken Frau, fast nackt unter dem unerhört kostbaren Pelz, in ihm festgesetzt, und er hat eine Zeitlang versucht, die Seifenblase schwebend zu erhalten. Das :st wohl alles. Aber wenn sie ehrlich ist, dann muß sie es auch mit ihren eigenen Gefühlen sein. Es ist ihr unmöglich geworden, sich gegen ihn zu wehren, sie hat ihm ihr Herz ausgeliefert, und wenn er reift---.
Mit dem Telephon schien wirklich etwas los zu fein, eine ferne Stimme murmelte wie in einen Wollfack hinein, rückte dann wieder mit einem Schlag in beängstigende Nähe. Sie hörte ihn aufatmen — „sicherlich heute abend mit ihrem Detter besprechen!" meinte Dr. Kempf. Es klang abschließend. Dann räusperte er sich. ,Jetzt möchte ich Ihnen noch Adieu sagen, ich fahre morgen!"
(Oh, es ist soweit?!--)
„Bedauerlicherweise werde ich Sie nicht so rauf) vergessen können, wie ich möchte. Den letzten Abend habe ich mir auch anders vorgestellt. Man sagt, diese Stadt hat etwas vom Hörselberg an sich — früher habe ich darüber gelacht. Jetzt tue ich's nicht mehr "
„Leben Sie wohl, Herr Doktor, und gute Reifet" sagte Gerda lahm in den Hörer.
„Alles Gute, Gerda! Ich fahre nicht gerade gut gelaunt nach Brasilien." Ein dünnes Pfeifen kam aus dem Draht, und die Stimme löschte aus. Gerda Maurer preßte den Hörer ans Ohr — „Hallo — Hallo! —" Aber die Worte gingen schon unerreich- ' bar fern in einem knatternden Brausen unter- --und werde Ihnen Orchideen schicken", verstand sie noch. Dann war ein knisterndes Feuerwerk und Schluß.
(Fortsetzung folgt)


