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3.9.1941
 
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Mittwoch, 3. September 1941

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Gietzener Anzeiger

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M. Jahrgang Nr. 209

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Die deutsche Kriegsmarine beherrscht den Ostseeraum.

Berlin, 2. Sept. (DNB.) Deutsche Seestreit- träfte sind in den vergangenen Wochen erfolgreich zur Sicherung der Nord flanke des deut­schen Vormarsches im Osten und zum Schutz des deutschen und neutralen Seeverkehrs in der Ostsee eingesetzt gewesen. Der auf dem Seewege durch­geführte Nachschub für das deutsche O st - h e e r konnte planmäßig und ohne nennenswerte Verluste erfolgen. Vom ersten Tage des Krieges an hat die deutsche Kriegsmarine d i e Sowjets in die Verteidigung gedrängt und den Ost­seeraum beherrscht. Zahlreiche Einheiten der sow­jetischen Kriegsmarine sind nicht mehr zum Einsatz gekomknen. Bei den Kämpfen um Reval ein­gebrachte Gefangene erklärten, daß in K r o n st a d t zahlreiche sowjetische U-Boote aufgelegt worden sind, deren Besatzungen zu Lande infante­ristisch kämpfen mußten.

Von den baltischen Häfen aus operierende deutsche Seestreitkräfte sind in deO letzten Tagen wiederholt tief in den Finnischen Meerbusen ein- oedrungen. Die Rigaer Bucht wurde von den letzten sowjetischen Seestreitkräften gesäubert. Vier sowjetische Schnellboote, die sich dem Südausgang der Rigaer Bucht zu nähern versuchten, wurden durch gutliegende Feuer einer deutschen Küsten­batterie vertrieben. Die von den deutschen und finnischen Seestreitkräften im Finnischen Meer­busen durchgeführten Minenoperationen haben zu sehr guten Erfolgen geführt. Die Siche­rung der Ostsee und der Ostseehäfen vor Vorstößen sowjetischer Seestreitkräfte ist in vollem Umfange erreicht worden. Darüber hinaus sind zahlreiche sowjetische Handels- und Kriegsschiffe vernichtet oder schwer beschädigt worden. Außer den schon genann­ten Verlusten sind der sowjetische Zerstörer Straschny" bei der Insel Oesel und ein sow- jettsches Minenboot bei Iuminda aus Minen gelau­fen und gesunken.

Die Ostsee ist insgesamt 422 300 Quadratkilo­meter, also fast ebenso groß wie das Rumpf­deutschland des Versailler Zwangsfriedens. Ihre Ausdehnung wird von dem Urlauber leicht unter­schätzt, der die Fährdampfer in Saßnitz sieht und hört, daß sie in wenigen Stunden in Südschweden landen. Zur Ostsee gehört eben auch ihr östlicher Teil, der Bottnische Meerbusen, der erst bei Stockholm beginnt und dis hart an den Nörd­lichen Polarkreis heranreicht. Gegenüber von Stock­holm zweigt der Finnische Meerbuseri nach Osten und der Rigaische Meerbusen nach Süden ab. Den östlichen Teil der Ostsee passieren die Dampfer, die Eisenerz, Holz und Zellulose aus Schweden oder Finnland holen. Ueber seine strate­gische Bedeutung braucht kein Wort verloren zu werden. Das haben auch die Sowjets gewußt. Sie haben daher keine überwältigende, aber doch eine respektable Ostfeeflotte gebaut: zuerst U-, Schnell- und Torpedoboote, dann Zerstörer und Leichte Kreuzer, schließlich auch die schweren Kreu­zer derKirow"-Klasse. Einige Schlachtschiffe der zaristischen Ostseeflotte wurden modernisiert, neue riesige Schlachtschiffe unter Assistenz amerikanischer Ingenieure auf den Kiel gelegt.

Was soll mit dieser sowjetischen Ostseeflotte ge­schehen? Vorzüglich die Londoner Presse zerbricht sich über dieses Thema heftig den Kopf. Die Lon­doner Admiralität hat Erbschaftsgelüste. Dor allem auf die kleinen Einheiten hat es London abgesehen. Dor Jahresfrist hat England für 50 alte amerika­nische Zerstörer seine Kolonien in der Neuen Welt verschachert. Die Furcht vor den U-Booten ist durch die Lieferung der 50 amerikanischen Zerstörer nicht geringer geworden. Daher diese heftigen Wünsche.

In London ist das Wort geprägt worden, ob denn die Sowjets ihre Ostseeflotteaustrocknen" lassen wollten. Es bleiben nur zwei Fluchtwege: nach Westen durch den Sund oder Belt und nach Osten über den Stalin-Kanal. Ein Ausbruchver­such durch den langen Ostseeschlauch vom Finnischen Meerbusen bis zum Sund oder Belt wäre heller Wahnsinn. Bleibt also nur der Stalin-Kanal, jene Wasserstraße, die unter Ausnutzung von Flüssen und Seen St. Petersburg mit dem Eismeer ver­bindet. Die Schleusen des Stalin-Kanals sind durch die deutsche Luftwaffe vorbeugend zerstört. Seine Durchfahrt erfordert auch eine geraume Zeit, da er nicht mit Volldampf befahren werden kann. Selbstverständlich ist er auch nur für kleinere Schiffe passierbar.

Hier liegt einer der seltenen Fälle vor, wo eine Flotte durch Landoperationen regelrechtumgan­gen" werden konnte... soweit sie nicht versenkt oder außer Gefecht gesetzt worden ist. Niemals ist die Sowjet-Flotte während des Ostfeldzugs im großen Sinn aktiv geworden. Sie blieb immer im Finni­schen Meerbusen eingeschlossen. Unsere Schnellboote und Minenleger haben ein wahrhaft bravouröses Werk vollbracht. Der Bestand der sowjetischen Ost­seeflotte ist dezimiert: Ein Kreuzer, vier Zerstörer, neun Minensuchboote und drei Dorpostenschisie wurden letzthin versenkt, fünf weitere zerstört, ein Hilfskreuzer und Minensuchboot beschädigt. Der erst 1938 von Stapel gelaufene KreuzerMaxim Gork:" war schon vorher erledigt worden. Durch das wage­mutige Legen großer Minenfelder sanken- 43 sow­jetische Transporter, 47 andere wurden schwer be­schädigt. Was übrigbleibt, kann entweder im Fin­nischen Meerbusen umherirren oder sich in einem der wenigen verbleibenden Häfen zu bergen suchen. Die deutsche Luftbedrvhung ist aber immer gegen­wärtig. Kronstadt und Petersburg sind keine sicheren Zufluchtorte mehr ganz zu schwei­gen von H a n g ö , dessen Abtretung die Sowjets im März 1940" von Finnland erzwangen. Hango liegt am Westeingang des Finnischen Meerbusens, etwa gegenüber den Inseln Oesel und Dag o , die noch von den Sowjetleuten besetzt sind. Hango bildet zusammen mit den Inseln noch ein gewisses Hindernis, ist aber doch isoliert. Petersburg selbst

ist viel zu sehr bedroht und selbst nachschubmäßig aufs Trockene gesetzt", als daß es diesem 400 km entfernten Vorposten wirksame Hilfe leisten könnte.

Dr. Ho.

Oie sowjetische Ostseeflotte heimatlos geworden.

Kopenhagen, 2. Sept. (Europapreß.)Ber- lingske Tidendes" Privatkorrespondent in Helsinki bezeichnet die Lage der sowjetischen Ostseeflotte als außerordentlich kritisch. Nach Vernich­tung der Hälfte der leichteren Seestreitkräfte werde das Schicksal der sowjetischen Flotteneinheiten, die mit dem Verlust von Reval, Baltisch-Port und der Wiborg-Bucht sozusagen heimatlos geworden eien, in Kürze besiegelt sein. Indessen sei nicht nur eine erstaunlich hohe Anzahl von Kriegsfahr­zeugen aller Kategorien mitvielen, vielen tausend Männern an Bord", darunter mehrere der wertvollsten Einheiten der Sowjetflotte gesun­ken, auch ein großer Teil der sowjetischen Han­delsflotte sei vernichtet. An eine reibungs­lose Räumung der letzten sowjetischen Stützpunkte Oesel, Dagö und Hangö könne unter diesen

Madrid, 2. Sept. (Europapreß.) Der Beginn des dritten Kriegsjahres wird von der gesamten spanischen Presse zum Anlaß genommen, in ein­gehenden Rückschauen noch einmal die Erfolge der deutschen Wehrmacht in den beiden ersten Kriegs­jahren zu würdigen. Vor zwei Jahren, meint das MadriderABC", habe niemand die geradezu unwahrscheinlichen Taten des deutschen Heeres voraussehen können. Vor zwei Jahren hätten die Feinde Deutschlands den Sieg in Polen noch als eine Episode betrachtet, die sich nicht wiederholen werde. Damals sei der Gedanke an eine Landung in Norwegen oder eine Besetzung Kretas noch als eine Wahnidee betrachtet worden.Aber", so fahrt das Blatt fort,die Soldaten des Führers haben die unglaublichsten Taten vollbracht. Jeder Feldzug war Anlaß zu neuem Staunen. Heute gehört Europa der Achse und ihren Freunden. Der Krieg ist noch nicht zu Ende, aber über seinen Ausgang bestehen keine Zweifel. Die Neuordnung der Welt, die endgültig Versailles und Genf überwinden wird, wird von Deutschland und Italien geleitet werden. Es darf aber nicht vergessen werden", fügtABC" hinzu,daß zu Beginn dieser ungeheuren Aufgabe Spanien das Vorhutgefecht übernah m." Die Zeitung meint abschließend:Nach 24 Kriegs- monaten glauben wir, wie wir es immer geglaubt haben, an den endgültigen Sieg der bewunderns­werten deutschen Wehrmacht, die der Führer ohne einen einzigen falschen Schritt zum Triumph führt, unterstützt von dem heroischen Geist und dem Mut eines Volkes, das wie kein anderes zum Siege vorbereitet ist." . .

Wer trägt die Schuld am europäischen Kriege? , fragt die Madrider ZeitungHola del Lundes" und schreibt:Das Werk der Politiker nach 1918 war das eines Flickschusters. Anstatt aus dem Erlebnis des Weltkrieges zu lernen und auf neuen Grundlagen aufzubauen, beschränkte man sich darauf, das alte, langst brüchig gewordene Gebäude politischer An­schauungen neu anzustreichen. Das Flickwerk von Versailles konnte daher auch nicht länger als 20 Jahre standhalten. Die unmittelbaren Grunde, die zu diesem neuen großen Kriege führten, waren zweifellos jene in Versailles begangenen Irrtümer, die soziale Ungerechtigkeit des Kapitalismus und die Unterdrückung der armen und fleißigen Völker durch die reichen und mächtigen: aber die tiefe Ursache lag in der Unfähigkeit der politischen Lehren, den geschichtlichen Forderungen der neuen

Verhältnissen kaum gedacht werden.Dem noch existierenden Teil der sowjetischen Ostseeflotte stehen nicht mehr viele Ausgänge offen", schreibt der Korrespondent.' Neben dem wenig aus­sichtsreichen Versuch, schwedische Gewässer ^zu. er­reichen, gebe es eigentlch nur noch die völlige Vernichtung für die Bolschewisten.

Wieder britische Bomben auf Wohnviertel.

Berlin, 3. Sept (DNB. Funkspruch.) In der Nacht zum 3. September flogen feindliche Flug­zeuge in Nord-, TD e ff - und S ü d w e si­tz e u t s ch l a n d ein. Einige britische Bombenflug­zeuge hatten die Reichshaupt st adt zum Ziel, wurden aber zum größten Teil am äußeren Flak­gürtel durch die starke Abwehr abgedrängt. Nur wenigen Flugzeugen gelang es, die Stadt Berlin selbst zu überfliegen. Durch die Wachsam­keit der Flak und ihre Wirksamkeit wurden die bri­tischen Bomber im Anflug auf kriegswichtige Ziele überall gehindert und kein Schaden an militä­rischen oder wehrwirtschaftlichen Objekten ver­ursacht. Durch Bombenabwurf auf Wohn­viertel sind geringe Opfer unter der Zivilbe­völkerung zu beklagen. Drei britische Bombenflug­zeuge wurden nach bisher vorliegenden Meldungen abgeschossen, davon zwei bei Berlin.

Zeit gerecht zu werden. Die deutschen Soldaten sind Werkzeuge der Geschichte. Es geht darum, ob Europa, so wie es seine Feinde wünschen, in alter Zwietracht und nach verstaubten Gesetzen dahin- siechen soll ober ob es auf völlig neuer Grundlage einer neuen und großen Zukunft entgegengehen will. Europa hat sich entschieden. Ueber die alten Ideen hinweg schreitet die.Idee des neuen Europas zum Sitzpe. Immer entschied sich das Ge­schick der Völker im Abendland. Auch jetzt wieder wird das alte, kulturerprobte Europa zum Träger einer neuen Zeit.

Heute und vor 25 Fahren.

Rom, 2. Sept. (Europapreß.) In einem Rück­blick auf die deutschen Erfolge während der ersten beiden Jahre in diesem Krieg vergleicht Senator General Bollati imPiccolo" diese mit den Er­eignissen der beiden ersten Jahre im Weltkrieg. D a- m a l s habe Deutschland d i e Zahl seiner Feinde ständig wachsen sehen. Nur das kleine Serbien sei zum größten Teil niedergekämpft gewesen. Die britische Blockade habe einen schweren Druck ausgeübt, während die britische Industrie auf vollen Touren gelaufen sei. Verdun, Somme und Isonzo-Schlachten hätten an Menschen und Material gezehrt. Damals hätte die deutsche,Rüstungsindustrie mit großen Schwierigkeiten kämpfen, wie auch dem österreichischen, ungarischen und bulgarischen Ver­bündeten beifprlngen müssen.

Heute stehe Deutschland zu Beginn des dritten Kriegsjahres ganz anders da: nicht ein einziger Fehlschlag sei zu verzeichnen. Dazu kämen eine Reihe glänzender Siege. Polen, Norwegen, Holland, Belgien, Frankreich, Jugoslawien! Die Streitkräfte der Achse ständen auf Kreta. Eine neue europäische Macht sei an Deutschlands Seite getreten, während seine Rüstung fast unbehindert habe wachsen kön­nen. Gewaltiges Rüstungsmaterial, ja ganze Heere, seien in deutsche Hand gefallen. Riesige Gebiete, reich an Rohstoffen und Fertigfabrikaten, machten die englische Blockade wirkungslos. Die deutschen Verluste an Menschen und Material hielten sich in engen Grenzen und seien ohne Bedeutung für den Fortgang der Operationen. Wie damals, so ständen auch heute die USA. noch nicht aktiv auf dem Schlachtfeld. Wenn ihr Eintritt aber erfolgen sollte, könnte er heute am endgültigen Ausgang des Krie­ges nichts wesentliches mehr ändern.

Untere Soldaten umjubeln Mm und Duce.

Der Führer mit dem Duce beim Besuch im Hauptquartier des Oberbefehlshabers des Heeres. (Preffe-Hoffmann-M.)

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Der Sieg des neuen Europa.

An -er Schwelle -es drillen Kriegsjahres

Am 3. September jährt sich zum zweiten Male der Tag des Kriegsbeginns. Angesichts der welt­weiten und grundsätzlichen Ausdehnung des Krie­ges ist es fast schon aus unserer Erinnerung ge- rückt, daß das Schicksal Danzigs und der Kor- ridor der unmittelbare Anlaß zu dem Konflikt waren. Diese letzten lleberbleibfel eines Systems, das keinen anderen Zweck hatte, als die politische und militärische Entmachtung Deutschlands, seine wirtschaftliche Verelendung und nationale Entwur­zelung, zu beseitigen und durch einen modus vivendi mit Polen erträgliche und dauerhafte Ver­hältnisse an Deutschlands Ostgrenze zu schaffen, hatte der Führer in jahrelangen Bemühungen auf friedlichem Wege versucht. Polnische Anmaßung und der Größenwahn eines Volkes, das niemals in feiner Geschichte gewußt hat, sein nationalpoli­tisches Wollen mit seinen realen Kräften in Ein­klang zu bringen, standen diesen Versuchen einer friedlichen Bereinigung der deutsch-polnischen Grenzprobleme ebenso im Wege wie der Wunsch der Mächte des Versailler Systems, in Polen einen Ansatzpunkt zu erhalten, von dem aus man der Wiedererhebung Deutschlands Paroli bieten könnte. Deutschland war unter nationalsozialistischer Füh­rung den westlichen Plutokratien zu groß gewor­den. Man hatte sich nicht stark genug gefühlt, der deutschen Wiederaufrüstung, der Wiedervereinigung der Dftmart mit dem Reich und der Lösung des Sudetenland - Problems mit Gewalt entgegenzu- treteri. Die Begegnung von München sollte noch einmal Zeit gewinnen helfen, die eigenen Rüstun­gen voranzutreiben und die politische Einkreisung zu vollenden, die wiederum wie 1914 neben der englischen Blockade die Hauptwaffe sein sollte, um Deutschland einzuschnüren und ihm den Atem abzu­pressen. In dem polnischen Chauvinismus, den man durch gegenstandslose Versprechungen und Einflüsterungen bis zur Siedehitze aufstachelte und ermunterte, alle deutschen Vorschläge, mochten sie so vernünftig und maßvoll fein wie sie wollten, rundweg abzulehnen, erhielt die britische Politik den ersten Arm, der sich gegen Deutschland miß­brauchen ließ. Das polnische Volk büßte die leicht­fertige Ueberheblichkeit seiner politischen und mili­tärischen Führung und das kurzsichtige Vertrauen auf britische Versprechungen mit dem Verlust seiner Eigenstaatlichkeit, nachdem die polnischen Armeen in einem Siegeszug ohnegleichen zerschlagen und vernichtet worden -waren. In diesen September­tagen 1939 feierte die neue deutsche Strategie, die die modernen Waffen, Flugzeuge und Panzer­wagen, mit ungeheurer Dynamik zum zweckmäßig­sten Einsatz brachte und in Durchbruch und Ein­kesselung operative Ideen von höchster Kühnheit und größter Schlagkraft anwandte, in der Schlacht von Kutno ihre ersten großen Triumphe. Deutsch­lands überlegene Kriegführung hat seitdem die militärische Initiative nicht mehr aus der Hand ge­geben. Der deutsche Offensivgedanke, der in dem selbst gewählten Augenblick dem Feind zuvor­kommt, sobald dieser als solcher erkannt wurde, hat sich allen Versuchen der Beharrung in festen Verteidigungslinien gegenüber bisher auf allen Kriegsschauplätzen mit größtem Erfolg durchgesetzt. Damit hat dieser Krieg seinen Charakter als Be­wegungskrieg, der eine Erstarrung der Fronten nicht zuläßt, bislang in keinem Augenblick verloren.

England und Frankreich hatten zwar am 3. September 1939 dem Reich den Krieg erklärt, aber dem Zusammenbruch Polens tatenlos zuge­sehen. Das sollte freilich keineswegs bedeuten, daß sie von ihrem Ziel Abstand nehmen wollten. Sie wollten nach wie vor den Vernichtungskrieg gegen Deutschland und lehnten deshalb nach Beendigung des Polenfeldzugs alle Friedensvorschläge des Füh­rers schroff ab, sie vertrauten weiter auf die Blok- kade und suchten neue Bundesgenossen, die sie un­ter Schonung ihrer eigenen Kräfte in die Feuer­linie schicken könnten. Schonung der eigenen Kräfte bis zur Entscheidungsstunde im europäischen Krieg war auch die Absicht Stalins, als er den Nicht­angriffspakt mit Deutschland schloß und aus der polnischen Katastrophe die ostpolnischen Provinzen für die Sowjetunion sicherte. Der Bolschewismus sollte der große Nutznießer des Streites der euro­päischen Völker sein und über ein im Kriege er­schöpftes Deutschland die Fahne der Revolution nach Europa hineintragen. Die deutsche Kriegführung hat aus dieser Politik Moskaus einen gar nicht hoch genug einzuschätzenden Vorteil gehabt. Sie behielt den Rücken frei, während sie im Frühjahr 1940 den britischen Anschlag auf Deutschlands nördliche Flanke abwehrte und durch die Besetzung Nor­wegens eine Gegenküste gewann, die für U-Boote und Flugzeuge die Entfernungen zur britischen In­sel erheblich verringerte und der.erste Schritt war aus dem berüchtigten nassen Dreieck der Deutschen Bucht hinaus aufs freie Meer. Die deutsche Krieg­führung behielt auch noch den Rücken frei während des Feldzuges im Westen, mit dessen blitzartiger Eröffnung gegen die britischen Satrapenstaaten Belgien und Holland sie wiederum den Stoß­plänen der britischen Kriegsmacher den Rang ab­lief. Nach fünf Tagen kapitulierte Holland, nach achtzehn Tagen Belgien. Der deutsche Angriff traf die französische Verteidigung an ihrer schwächsten Stelle, der Durchbruch durch die Maas- Linie trennte den französischen linken Flügel und das britische Expeditionskorps von den Hauptkräf- ten Frankreichs in der Maginotlinie. Unaufhaltsam stießen die deutschen Panzer bis zur Kanalküste vor, während deutsche Infanterie in zähen Kämpfen die Flanke des deutschen Vormarsches gegen Süden sicherte. Am 4. Juni war die Dernichtungsschlacht in Flandern und im Artois beendet. Das britische Ex­peditionskorps mußte von Dünkirchen aus feinen Rückzug auf die Schiffe antreten. Das französische Heer stellte sich noch einmal zum Kampf. Aber die schnell geschaffene neue Verteidigungslinie konnte dem deutschen Ansturm nicht lange widerstehen Tief drangen die deutschen Stoßkeile im Rücken der Ma-