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die dar amtliche KommuniquL fo bedeutsame Mit­teilungen macht.

Das Programm des Besuches war ganz darauf abgeftellt, ein völlia zwangloses, vertrautes Bei- Gammensein des Führers mit dem Duce ebenso wie der führenden Persönlichkeiten der beckerseitigen militärischen und politischen Begleitung herbsizufüh- ren. Das kriegsmäßige Quartier, das mehrmalige aemeinsame Feldküchenessen und ähnliche besondere Umstände dieser Zusammenkunft brachten von der ersten Stunde an den eng st en persönlichen Kontakt mit sich, der eine besondere Erinnerung gerade an diese Tage des Zusammenseins gewor­den ist. Auch die Romantik kam zu Worte, als sich am Abend des ersten Tages zu einem kamerad­schaftlichen Zusammensein der italienischen Gäste mit den Angehörigen des Führerhauptquartiers, im Biwak auf einer Waldwiese Gelegenheit fand.

Seine besondere Note erhielt der Besuch des Duce durch die großen Frontfahrten, die ihm einen unmittelbaren Eindruck von dem Kampf im Osten vermittelten. Die Weite der Räume, die hier von unseren Truppen erobert wur­den, wird deutlich, wenn man bedenkt, daß es etwa 3000 Kilometer waren, die der Führer und der Duce bei diesen Fahrten mit Eisenbahn, Flugzeug und Kraftwagen zurückgelegt haben.

Der erste der Flüge führte zur Stätte eines entscheidenden Einzelkampfes, in dessen Verlauf eine wichtige Festung bezwungen wurde. Ein weiterer Frontflug führte tief hinein in altsowjetisches Gebiet und vermittelte, dem Duce einen erschütternden Einblick in das namenlose Massenelend, das der Bolschewismus auch über die Bevölkerung reichster und fruchtbar­ster Landstriche gebracht hat. Mit ganz besonderer Aufmerksamkeit nahm der Duce diese Eindrücke eines Landes auf, dessen verbrecherisches Regime er seit mehr als zwei Jahrzehnten klar durchschaut und unerbittlich bekämpft hat. Als erster europä­ischer Staatsmann hat der Duce schon im Jahre 1922 in Italien die Giftsaat der bolschewistischen Völkerverhetzung rücksichtslos ausgetreten. Die Er­innerung daran macht diesen Ducebesuch im Lande des Bolschewismus besonders eindrucksvoll?

Gerade in Gedanken an diesen seinen Kampf mag für den Duce die Stunde besonders unver- aeßlich gewesen sein, als er tief im Herzen der Ukraine eine der italienischen Divi­sionen, die hier fern der Heimat gegen den ge­meinsamen bolschewistischen Feind in den Kampf ziehen, begrüßen konnte. Es war freilich eine auch für die schweren geländegängigen Kraftwagen abenteuerliche Fahrt über grundlose Sowjetstra­ßen" bis zu der Stelle, an der die italienische Divi­sion auf ihrem Vormarsch kurz angehalten wurde, um den Besuch ihres Duce zu erwarten. Die Freude und Begeisterung war ebenso groß wie die lieber raschung, als hier mitten in Feindesland an den aufgestellten Einheiten die beiden Männer langsam vorübersuhren, die für sich in Anspruch nehmen können, der Menschheit die Augen geöffnet zu haben über ein System, das sich jetzt in seiner ganzen Verworfenheit und Brutalität vor den Augen der Soldaten Europas ausbreitet.

Wie eindrucksvoll waren auch die stundenlangen Flüge, die über Die Schlachtfeld er der letzten zwei Monate führten und die Größe der Entscheidungen deuttich machten, die hier für Europa gefallen sind! Manche Spuren harter Kämpfe, manche zerschossenen Sowjetpanzer und zusammengekrachten Sowjetjäger konnten vom Flugzeug aus beobachtet werden. Und die Ruinen niedergebrannter Städte und Dörfer erinnerten an das Schicksal, das die Länder Europas getroffen haben würde, wären unsere Soldaten nicht dem sowjetischen lieb erfüll zuvorgekommen, hätten sie nicht die zum Angriff angetretenen Armeen zusam­mengeschlagen und in die Ferne des Ostens gejagt.

Vorträge hoher deutscher Generale erläuterten auf den Zwischenstationen der Flüge diese großen Operationen des Feldzuges, Schilde­rungen tapferer Offiziere ließen an Ort und Stelle kühne Einzeltaten lebendig werden, auf allen Fahr­ten aber begleiteten uns die begeisterten Kund­gebungen der Soldaten und die freundlichen Grüße einer Bevölkerung, der das Glück über die endliche

Befreiung vom zwanzigjährigen Terror aus den Augen strahlte.

Dieser Jubel der Soldaten, die Zeichen spontaner Freude befreiter Völkerschaften ebenso wie die ge­wohnte Atmosphäre der Vertrautheit sind die äuße­ren Momente dieses Besuches gewesen schon da­durch praktisch unterschieden von den Umständen, unter denen sich in fernen finsteren 21fläntif buchten jene Politiker zusammenschleichen, die ein bolsche­wistisches Europa lieber sehen als die Befreiung dieses Kontinentes von ihrer plutokratischen Dikta­tur.

Die Helle Sonne des späten Nachmittags, in der der Führer am vierten Tage nach der Rückkehr von einem langen Fluge sich vorn Duce verabschiedete, schien uns demgegenüber ein rechtes Symbol der Welt zu sein, für die wir kämpfen: klar die Ziele, klar die Gedanken, weichin sichtbar die großen Männer, die entschlossen den Weg zum Siege beschreiten, und strahlend die Zukunft, die sie ihren und den Völkern Europas nach dem Siege über die Mächte der Zerstörung eröffnen werden!

Die Kampfe um Viipuri.

Berlin, 31.August. (DNB.) Finnischen Trup­pen war es im schnellen Vordringen in nordöstlicher Richtung bereits am 23. August gelungen, d i e Straße Vii p u r i R a u tu zu überschreiten. Gegen überaus heftigen sowjetischen Widerstand wurde am 25. August die Einschließung der kareli­schen Hauptstadt durch die finnischen Truppen voll­endet. Am gleichen Tage setzten finnische Stoß- trupps mit Motorbooten im Gebiet südwestlich von Viipuri auf das jenseitige Ufer der Viipuribucht über und besetzten die Halbinsel Lihanieve. Am 26. August wurde der Ring um Viipuri so weit verengt, daß die aus der Stadt herausführenden drei Eisenbahnlinien nach Petersburg und Kiven- napu unterbrochen wurden. In zahlreichen, mit äu­ßerster Zähigkeit vorgetragenen Gegenangriffen ver­suchten die in Viipuri eingeschlossenen Sowjetver- bände immer wieder, den Ring der finnischen Trup­pen zu durchbrechen. Alle Angriffe brachen unter schweren Verlusten für die Bolschewisten zusam­men. Am 28. Arlgust setzten sich die auf der Halb­insel Lihanieve gelandeten finnischen Truppen in den Besitz der von Viipuri nach Süden an der Küste entlangführenden Straße und nahmen Koislathi,

und Alasommee. Die an den Orten vorbei nach Sü­den führende Eisenbahnlinie wurde in einer Breite von acht Kilometern besetzt. Aus diesem Raume heraus wurde der Angriff nach Norden gegen Haoi vorgetragen. Bereits am 28. August war der Nord­rand des Sees nordwestlich Haeykki von den Finnen erreicht. Damit war den Bolschewisten die letzte Ausweichmöglichkeit aus der engen finnischen Um­klammerung genommen. Noch in den Abendstunden des 28. August erreichten finnische Stoßtrupps die ersten Häuser von Viipuri. Am 29. August drangen die finnischen Trupen weiter in Viipuri ein und nahmen in zähen Häuser- und Straßenkämpfen den Nordwestteil von Viipuri. In schweren und blutigen Gefechten wurde von hier aus Stadttell auf Stadt­teil erobert und von den Bolschewisten gesäubert. Am Nachmittag des 30. August war Kareliens Hauptstadt fest in finnischer Hand. Welche Bedeu­tung die Sowjets der Verteidigung von Viipuri zu- gemessen haben, geht schon daraus hervor, daß auf diesen kleinen Raum drei sowjetische Divi­sionen eingesetzt waren. Die Masse der drei Di­visionen wurde vernichtet.

Der Schlag gegen sowjetische Seeßreitkräste.

Oer Wehrmachtbericht vom Gamstag.

DNB. Aus dem Führerhauptquarller, 30. August. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Wie bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, hat die deutsche Kriegsmarine und Luftwaffe den sowjetischen Seeftreitkraften und Transportflolten imAinnifchenWeerbufen schwerste Verluste zugefügt. Bei Versuchen, ausReval auszubrechen und andere Hafen zu erreichen, sind durch 211 i- nenoperationen der Kriegsmarine zwei Zer­störer, neun Minensuchboote und drei Vorposlen- bcol der Sowjetmarine gesunken. Zwei weitere Zerstörer und ein Minensuchboot wurden durch Minentreffer schwer beschädigt. Kampf­flugzeuge versenkten in hartnäckigen An­griffen einen sowjetischen Kreuzer sowie zwei Zerstörer und beschädigten durch Bom­bentreffer drei weitere Zerstörer sowie einen Hilfs­kreuzer. Die Transportflotlen, die der Feind für den Abtransport von Truppen und Kriegsgerät aus Reval eingesetzt hatte, gerieten unter dem Geleit von Kriegsschiffen mitten in die deutschen Minensperren. Bisher sind 21 Transport­schiffe mit zusammen 48 200 VRT. gesunken. Acht Transporter wurden durch Minentreffer schwer be­schädigt.

Kampfflugzeuge vernichteten 22 Handelsschiffe, vorwiegend Truppentrans­porter, mit zusammen 74 000 VRT. und trafen 39 Schiffe so schwer, daß mit dem Verlust eines großen Teiles auch dieser Schiffe gerechnet werden kann.

3m Seegebiet um England erzielte die Luftwaffe bei Tage Volltreffer auf einem Tanker

südlich Irland und beschädigte ein großes Handels­schiff bei den Farörinseln. 3n der vergangenen Rächt erhielt ein Frachter ostwärts Tynemouth einen Bom­bentreffer schweren Kalibers. Kampfflugzeuge bom-

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bardierten militärische Anlagen an der britischen Ost- küste und griffen verschiedene englische Flugplätze erfolgreich an.

An der Sa n a l k ü st e verlor die britische Luft­waffe am gestrigen Tage 17 Flugzeuge, davon 13 in Luflkärnpfen, zwei durch Flakartillerie und zwei durch Minensuchboote und Marineartillerie. Bri­tische Flugzeuge griffen in der letzten Rächt mit geringer Wirkung das R h e i n - M a i n - G e b i e t an. Flakartillerie schoß drei feindliche Bomber ab.

Jtyie Erfolge an allen Abschnitten.

Berlin, 31.2Iug. (DNB.) Jrn nördliche» Frontabschnitt nahm ein deutscher Stoßtrupp in kühnem Handstreich ein wichtige Brücke. Drei sowjetische Flakgeschütze wurden nach kurzem Kampfe unbeschädigt erbeutet. Eine deutsche Flak­batterie vernichtete drei sowjetische Kanonenboote, ein Schnellboot, einen größeren und einen kleine« ren sowjetischen Dampfer. Ein weiteres sowjetisches Kanonenboot wurde durch Volltreffer schwer be­schädigt. linier dem Einsatz von Panzerkampfwagen versuchten die Bolschewisten im mittleren Frontabschnitt die Stellungen einer deutschen Infanterie-Division anzugreifen. Die Infanterie wehrte den Angriff ab und ging zum Gegenangriff über. Insgesamt wurden 30 owjettsche Panzer­kampfwagen vernichtet Die bol chewistifche Infan­terie erlitt schwere blutige Verluste. An einer anderen Stelle des gleichen Kampfabschnittes wurden nach heftigen Kämpfen 2170 Gefangene gemacht, sieben sowjetische Geschütze und große Mengen von In­fanteriewaffen und Munition erbeutet.

Im Raume südlich Kiew unternahmen die Sowjets am 30. 8. erneut einen erfolglosen Ver­such, auf das e ft u f er des Dnjepr überzu- jetzen. Es gelang den Bolschewisten jedoch nicht, das Westufer zu erreichen, deutsche Infanteristen nahmen die sowjetischen Boote auf dem Fluß er« folgreich unter Feuer und versenkten zahl­reiche vollbesetzt.' Schiffe. Ein Teil der Sowjetsoldaten konnte sich schwimmend retten, die Masse der sowjetischen Stoßtrupps ist i m D n j e p r ertrunken. Die Boote, die dem vernichtenden Feuer der deutschen MG s und Infanteriewaffen entkommen konnten, zogen sich eiligst auf das Ost­ufer zurück. Westlich Saporoshje unternahm am 30. August ein sowjetischer Stoßtrupp einen E r- kundungsvorstoß auf eine von deutschen Truppen besetzte Dnjepr-Jnsel. Die deutsche Insel« besatzung ließ die Bolschewisten auf der Insel lan­den. In überraschendem Vorstoß überwältigten die deutschen Soldaten den sowjetischen Spähtrupp nach kurzem Nahkampf und nahmen ihn gefangen. Die Luftwaffe griff wieder Eisenbahnlinien und Feldbefestigungen ostwärts des Dnjepr an. Sie brachte mehrere Güterzüge zum Entgleisen. Die Eisenbahnlinie Ko notop Brjansk Kursk Drei wurde an vielen Stellen unter­brochen.

Die Konoe-Botschast an Roosevelt.

Tokio, 31. Aug. (DNB.) Gesandter W a l a f u g von der japanischen Botschaft in Washington ckraf in Aokohama ein und hatte sofort eine Aussprache mit Außenminister Toyoda und Vizeaußenminister A m a u über die Lage. Gleichzeitig meldet Domei, daß Ministerpräsident K o n o e und Außenminister Toyoda den Geheimen Staatsrat über die Ko- noe-Botschaft an Roosevelt unterrichten würden.

Es kann noch nicht gesagt werden, wie sich die nordamerikanisch-japanischen Beziehungen nach der Botschaft Konoes an Roosevelt gestalten Werben", erklärte der Abteilungschef im Informationsbüro, Kifhi, in einem Rundfunkvortrag. Kifhi wies die Unterstellungen zurück, daß die friedliche Verständi­gung Japans mit Jndochina irgendwelche Bedrohun­gen fremder Interessen darstelle. Churchill unterstelle Japans Südpolittk Angriffsabsichten auf englische und novdamerikanische Interessen. Gleichzeitig er­klärte er aber auch, daß er auf den erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen Japans mit den U§A. hoffe. England solle aber wissen, daß es nur zu seinem Nachteil sein könne, wenn es sich in diesem Zusammenhänge Japan zum Feinde mache.

Oie USA.-Oeiegation für Moskau.

Washington, 30. Aug. (Europapreß.) Auf der Pressekonferenz lehnte Präsident Roosevelt jede Aeußerung über seine Unterredung mit dem japanischen Botschafter Nomura ab. Er erklärte.

Das Kind von Öland.

Bon Waldemar Augustiny.

Um Mittag hatte Timm den Rückweg von seines Vaters Hallig zur Insel Oland angetreten, den Weg, den er viele hundert Male gemacht hatte und der ungefährlich mar, so lange nur das Licht blieb. Und der Mittag war so Hel! gewesen, wie ein Win­tertag um die zwölfte Stunde sein kann: die Sonne hing buttergelb über dem Horizont, und das weiche Blau des Himmels wurde nicht vom Hauch einer Wolke getrübt.

Timm und der Vater kannten sich aus mit dem Wetter, und keiner von ihnen hatte für möglich gehalten, daß Nebel kommen würde.

Der Vater war noch bis über das grüne Vor­land der Hallig mitgegangen; er stand, von seinen Schafen umdrängt, an der Uferkante und rief seinem Sohn durch die hohle Hand nach, auf die Korallenkette achtzugeben, die ein Geschenk für Meta, Timms Frau, war. Dies war die einzige Sorge des Alten, der Junge könnte in die Tasche greifen und mit der Kette spielen; denn Timm trug auf der Brust, im Winkel seines Arms, Heino, seinen Sohn. Außerdem trug er einen Rucksack mit Geschenken; Heino, der kleine, hatte Geburtstag.

Anfangs hatte Timm rüftig Schritt vor Schritt getan auf dem feuchten Sandboden, der sich unab­sehbar weit erstreckte und auf dem die Inseln, kleine grüne Erdhügel wie fruchtbare, wohnliche Oasen lagen. Die Zeit der hohlen Ebbe war freilich vorbei, aber noch brandete draußen an fernen Bänken die See, und es würde Stunden dauern, bis die weite Sandfläche überspült und die grünen Erdhügel wie­der richtige Inseln mitten in grauen, schwer rollen­den Wellen sein würden. Um Diese Zeit aber würde Timm lange schon zu Hause und in der warmen Stube sein, denn der Weg nach Oland dauerte nicht viel länger als eine Stunde.

Timm war ja so froh gewesen, als er losmar­schierte. Die Stille ringsumher, die nur vom Seuf­zen der Watten, der Schrei einer Möve und dem Gurren und Jauchzen Heinos unterbrochen wurde, die gewaltige, donnerähnliche Stille über den wei­ten Watten, die et alltags nicht weiter wahrnahm, heutss hörte er sie; sie verkündete der Welt, daß Sonntag war.

Und Heino? Er griff nach seines Vaters Nase, er spielte mit dem Kaspar Verstecken, denn der Kaspar, der aus dem Rucksack heraussah, schlug ab und an den Koos zurück und meinte, jetzt könne Heino ihn nicht sehen; darüber jauchzte Heino, daß es klang wie das erste Aufjubeln einer Lerche. So fünften sie, der Vater mit dem Sohn auf dem Arm dahin, ein winziger Punkt im endlosen Grau­

braun, der Sandflächen, wohlgemut beide, und jetzt hob sich die Bockmühle von Oland, ein seiner Strich noch, aus dem Himmel; eine kleine halbe Stunde noch, und sie waren beide zu Hause.

Plötzlich aber trübte sich die Sonne, blaß und kühl stand sie über dem Horizont, und ein Schauer wehte über das Watt. Timm hob die Nase und ward besorgt: Es würde doch nicht Nebel kommen? Und Heino wollte meinen, als der Schauer ihn an­faßte, als die Sonne gar kein liebes Gefickt mehr zeigte, und als der Kaspar seins frohen Farben ver­lor. Aber, patsch, das war ja noch Vaters Nase, und hier fand sich gleich ein anderes Spiel. An Vaters Hals hing am Bindfaden eine Uhr, eine merkwürdige Uhr, die nicht Tik-tak sagte und nur einen Zeiger hatte, der aufgeregt wie ein kleiner Fisch zitterte; er fingerte so lange an der Uhr herum, bis sie seiner Hand entfiel. Da neigte er feinen Kopf ein bißchen gegen Vaters Arm, und die Augen fielen ihm zu.

Tmm indes beobachtete den südwestlichen Him­mel. Da wölkte und quirlte es grau herauf, unheim­lich rasch war der ganze Himmel iw kaltes Grau ge­taucht; freilich, freilich, noch war Oland zu sehen als ein feiner grauer Strich.

Timm ging rasch, er lief, so beschwerlich das war mit dem Pack auf dem Rücken und dem Jungen im Arm; er lief mit dem Nebel um die Wette. Dann aber kam der Augenblick, wo die Inseln alle von grauer Hand ^ortgewischt waren und die Welt sich auf ein paar schritte in die Länge und Breite ver­engt hatte und nur noch zwei atmende Menschen mit warmem Blut auf der Welt waren, Heino und er;

Jetzt mußte er nach dem Kompaß wandern. Er griff nach seiner Brust aber der Kompaß, lieber Gott, er hatte doch am Bindfaden an seinem Hals gehangen.Heino, wo ist Oer Kompaß?"

Der kleine Junge weinte, als in der lautlosen Stille die Stimme des Vaters aufschrie, aber Timm kümmerte sich nicht um das Weinen, er setzte das Kind einen Augenblick nieder, suchte in den Taschen die Korallenkette war da, aber der Kompaß ...

Jetzt wußte er, daß er verloren war. Kein Mensch, der ohne Kompaß vom Nebel überrascht war, hatte je heimgefunden. Timm fühlte Frost über seine Hallt rinnen, er fühlte eine feuchte, eiskalte Hand nach seinem Herzen greifen. Dann bückte er sich, um das Kind aufzuheben, und nun mußte er lachen. Wie warm der Junge sich anfühlte, wie hell das Blond­haar sich aus der Fellmütze ringelte nein, er war nicht verloren. Und siehe, das Kind lachte jetzt auch, denn eben hatte der Kaspar seinen Kopf nach vorn geklappt und wollte glauben, daß^Heino ihn nicht mehr sah.

Timm machte eine vernünftige Ueberlegung. Ihn

selber, den armen Halligbauern und P^rrensischer, würden die Mächte am Ende im Watt umkommen lassen, aber den Jungen, das süße Kind, würden sie wohlbehalten nach Hause geleiten. Und da er den Jungen trug, konnte es auch mit ihm nicht schlecht ausgehen ober war das etwa falsch ge­dacht?

Ueberhaupt war ja Sonntag heute geschahen Wunder, wenn es je welche gegeben hatte.

Er ging weiter und schaute oft zurück. Denn er wußte, daß, wer vom Nebel überrascht war, im Kreise ging; er paßte auf, daß seine Fußstapfen im­mer schön gerade Richtung hielten. Hier tauchte aus dem feuchten Grau Der Besenstrunk auf und kam näher, der Pfahl, der das Siel ankündete, gottlob, es war die gefährlichste Stelle. Aber jetzt schloß sich der Nebel so dicht, daß er kaum seine Füße sehen konnte, von den Fußspuren gar nicht zu reden.

Heino", rief Timm,gut, daß ich dich lieb habe!" Aber das Kind hörte nicht mehr; wohlig lag es in Vaters Arm gekuschelt und schlief.

Timm ging und giruh Färbte nicht der Abend schon den Nebel schwarz? Wie lange hätte er zu Hause fein müssen, und immer noch ging er, und immer die feuchte, kalte Wand um, ihn her. Jetzt tauchte ein dunkles Gespenst, der Besenstrunk vor ihm auf also war auch er im Kreise gelaufen; alle, die der Nebel im Watt überraschte, waren im Kreis ge­laufen, bis die Flut sie holte.

Timm ging weiter.Ich fytib dich ja im Arm", sagte er und beugte das Gesicht zu dem Kind herab, das in seinem Arm schlief, da sank ihm das eine Bein bis über den Stiefel in Wasser: der Priel! Er sprang zurück, machte eine Wendung, lief weiter, weiter ... Die Beine wurden ihm schwer, aber er sagte zu sich: Du trägst ja das Kind, um des Kindes willen mußt du aushalten, bis du angelangt bist. Weiter! Flache Wellen spülten um seine Füße, die Flut stieg, die Flut würde seine Hüften erreichen jetzt sah er es grün auf sich zuschwonken, gedun­sen das Gesicht, Tang und Muscheln im Haar, mit bleichen Händen das Haar raufend, Anna Bohle, die auch im Watt umgekommen war ...

Timm lief wieder, als säße das Gespenst ihm auf den Fersen. Jetzt! Griff es nicht mit kalter Hand nach seinem Gesicht? Eine Stimme zischte chm ins Ohr:Setz das Kind nieder, lauf! Rette dein Leben!" Timm entsetzte sich, daß so etwas gedacht werden konnte, dennoch leichter würde er sich retten, wenn er allein war und wenn er seine Glie­der frei gebrauchen konnte. Er riß das Kind hoch, das Kind aber, es patschte mit den Händen nach Vaters Wangen, es drückte sein Näschen nahe an seine Nase und lachte aus unschuldigen Augen. Wenn einer von uns heil nach Hause kommt, so bist du es", sagte Timm und drückte den Kleinen an sich.

Er wechselte den Arm, beide Arme waren steif und lahm geworden, denn das Kind, das süße, hatte sein Gewicht, aber gut, daß er es bei sich hatte. Er würde es heimbringen, und alle würden sich freuen, denn sie warteten auf das Kind, nicht nur Meta, auch Klaus und Nils,/ die Nachbarn und Oma Jette von der Mühle, sie warteten auf die süße Unschuld des Kindes.

Schon rauschte das Wasser um seine Knie, aber er ging weiter, so matt er sich fühlte. Ich bringe dich nach Hause, dachte er immerzu. Er hörte bas Keuchen und Pfeifen seiner Bruft, die Augen, fühlte er, quollen ihm aus dem Kopf, aber er trug ja das Kind, und sie warteten alle, Junge und Alte auf dieses Kind. War nicht gesagt worden, daß die Unschuld des Kindes Die Welt erlösen sollte? Er 9mg, und Das Wasser rauschte ihm an den Beinen herauf, er ging mit feiner letzten Kraft, und endlich hörte er Musik. Das war doch die Orgel Der Kirche ZU Oland? Ja, Orgel und Geige, Posaunen und Trommel jubelten, und sie standen beisammen und warteten auf Das Kind. Die Tür springt auf, alle treten zurück. Er geht an den Menschen vorbei auf Den Tisch zu; ein Disch mit glänzenden Früchten steht im Kreis der Menschen Vorsichtig schiebt er das Kind auf Den Tisch, und dann weiß er nichts mehr, als daß jubelnde Stimmen, Geige und Po­saune und Trommel wie Wellen über ihm zusam- menschlagen.

Das Kind, das sah er nicht mehr, wurde von Händen ausgenommen, die gehörten Meta, seiner Frau. Denn Meta war in ihrer Angst, als Mann und Sohn immer noch nicht kommen wollten, zum Anleger gelaufen, hatte gerufen und die Hande ge­rungen und hörte endlich nach wie langer Zeit eine keuchende Stimme, Die sagte:Das Kind, das Kind!" Und zugleich wurde ein Bündel auf die Brücke ge­schoben, darin lag, in Wolle gewickelt, Heino, der Junge. Da schrie Meta auf, und alle Männer auf Oland, Die getrommelt unD Trompete geblasen hat« ten, Dem Wattengänger die Richtung zu weisen, lie­fen herzu, sie tauchten in Der Flut mit Stangen und Forken, sie sprangen ms Wasser und holten endlich auch ihn, den Vater, Der bewußtlos zurück- gesunken war.

Zwei Kameraden, Porrenfischer, wie er einer war, trugen Timm, Der stumm wie ein Toter und schwer wie ein Toter war, sie trugen ihn ins Haus. Meta brachte den Jungen.

Als Meta den Jungen auswickelte, fiel der Kom­paß aus Der Decke.Gut, daß er Den Kompaß hatte", sagte sie.Ohne Kompaß hatte es ihn ge­holt", sagten die Männer von Oland

Aber Timm, aus seinem Schlaf erwachend, ffü* fierte:Den hatte ich verloren. Aber ich hatte ja das Kind... Und hier, von meinem Vctte^ die Ko- rallenkette," .