Ausgabe 
31.12.1940
 
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eine Reihe indirekter Steuern (Wertzuwachssteuer, Schankerlaubnissteuer usw.) in ihren Erträgen zu- rückgegangen.

Alles in allem kann gesagt werden, daß trotz der neuen Kriegsaufgaben und Belastungen die Fi­nanzen unserer Stadt gesichert sind. Die Stadtverwaltung wird auch weiter alles daran­setzen, um auch' im Rechnungsjahr 1940 unter An­wendung rücksichtsloser Einsparung bei allen nicht unbedingt lebensnotwendigen Ausgaben den Haus­halt ohne Fehlbetrag abzuschließen.

Die gesamte Gefolgschaft der Stadtverwaltung

Kurz nach Beginn des Krieges wurde vom Gau­leiter und Reichsstatthalter in Hessen das Rektorat in die Hände von Professor Dr. med. H. W. Kranz gelegt, der damals als Stabsarzt im Felde stand. Nach Gießen versetzt, konnte er das Amt des Rek­tors antreten, und unter seiner Führung stand die Universität im Kriegsjahr 1940. Traten durch den Krieg an sich neue Aufgaben an die Universität her­an, so stellte sie auch von sich aus in den Dienst von Führer und Vaterland, soweit ihre Kräfte und ihr Arbeitsbereich dies gestatteten.

Die Ludwigs-Universität hat ihren Unterrichts­und Forschungsbetrieb in drei Trimestern im Jahre 1940 vollständig und erfolgreich durchgeführt. Da­durch gab sie den aus dem Felde beurlaubten oder kommandierten Studierenden Gelegenheit, ihre Studien ordnungsgemäß zu erledigen Für die Stu­dierenden und alle Volksgenossen wurden Abend­vorträge veranstaltet, und zwar einmal k r i e g s - wissenschaftlicheVorträgeim herein, mit Partei und Wehrmacht, anderseits volkstüm­liche Abendvorträge. Die krieaswissenschaft- lichen Vorträge zeigten Gebiete auf, bei deinen die Wissenschaft mittel- und unmittelbar Bezug nehmen konnte auf Fragen, die mit dem Kriege und der Kriegführung in mehr oder weniger engem Zu­sammenhang stehen. Die Volkstümlichen Vorträge gaben dem Laien Einblick in die Forschungen und

teilt sich zur höchsten Aufgabe, unter vollstem Ein- atz ihrer Arbeitskraft nicht nur den Anforderungen rerecht zu werden, die der Heimatfront gestellt sind, andern darüber hinaus mit begeisterter Vater­landsliebe die Leistungen zu steigern, um damit auch in der Heimat zum endgültigen Siege beizu­tragen. Daß bei dem überaus stark geminderten Personalstand alle diese Aufgaben geleistet werden konnten, war nur durch diese innere Haltung der Gesamtgefolgschaft möglich.

Ritter, Oberbürgermeister.

Ergebnisse 4er einzelnen Wissensgebiete. Es wur­den im ganzen über hundert Vortragsabende ver­anstaltet, die sich eines regen Besuches von Partei und Wehrmacht, sowie aller Volksgenossen erfreuten.

Auch äußerlich trat das Leben der Universität in Erscheinung. Durch das Entgegenkommen des Oberbürgermeisters der Stadt Gießen, Ehrensena- tors Ritter, konnte ein innerer Umbau des Vor­lesungsgebäudes vorgenommen werden, wodurch die Eingangshalle umgestaltet wurde, ein Empfangs­saal, eine Frühstücksstube für die Studierenden und eine Skulpturenhalle geschaffen wurden. Die Neu­weihe dieser Räume nahm der ' Gauleiter und Reichsstatthalter persönlich vor im Rahmen einer Universitätswoche, bei der Redner der Partei, Wehr­macht und Wissenschaft zum Vorttag kamen. Als wichtiges Ereignis für die Universität innerhalb dieser Veranstaltung ist die Gründung einer Aka­demie des NSD.-Dozentenbundes an bdr Univer­sität durch den Reichsdozentenbundführer, Mini- fterialrat Professor Dr. Schultze (München) zu nennen. Eine Ausstellung des NSD.-Dozentenbun- des über landschaftsgebundene Wissenschaft zeigte Arbeitsergebnisse von 25 Instituten und erfreute sich regen Besuches (5000 Besucher).

Die wissenschaftlichen Aufgaben, die sich die Uni- versität selbst als Kriegsforschungsarbei- ten stellte, oder auf Wunsch von anderen Stellen

übernahm, könnens hier begreiflicherweise nicht alle besprochen werden. Es muß dies der Zeit nach dem Kriege Vorbehalten bleiben, denn viele der behan­delten Probleme sind nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt.

Die Dozenten der Medizinischen Fakultät haben, soweit sie nicht in Felde stehen, neben der ärztlichen Betreuung der Zivilbevölkerung in den Kliniken, die Leitung und Mitarbeit an Lazaretten übernom­men. Nebenbei laufen aber an einzelnen Instituten noch Forschungsaufträge. Auch die Veterinärmedi­zinische Fakultät hat ihren Kliniks-, Lehr- und For­schungsbetrieb voll ausgenommen und auch hier haben wichtige Forschungsarbeiten ihre Lösung ge­funden, wie die Herstellung eines Schutz- und Impf­stoffes gegen den ansteckenden Katarrh der Pferde durch Stabsveterinär Professor Dr. Beller. In der naturwissenschaftlichen Fakultät sind eine ganze Reihe von Forschungsarbeiten im Gange, so in der Physik, Chemie, Zoologie. In der Botanik werden z B. die heimischen Heilpflanzen elier Untersuchung unterzogen. In der Wirtschaftswissenschaft und in der Geographie werden Fragen der Siedlung im Osten und Westen behandelt, sowie Untersuchungen über die Wirtschaft Osteuropas durchgeführt. Vor allem sind hier die Facher der Landbauwissenschaf­ten zu nennen, die die Fülle von Fragen und durch umfassende Versuche Untersuchungen, die für die Lösung unserer Volksernährung nötig sind, behan­deln. Es sei damit nur angedeutet und auf spätere Veröffentlichungen hingewiesen, daß die Ludwigs- Universität nicht allein der Lehre im Kriegsjahr 1940 gedient hat, sondern in vielleicht stärkerem Maße, wenn auch in nicht so sichtbarer Weise an den Forschungsäufgaben mitgearbeitet hat, die zum Besten des Vaterlandes in dem uns aufgezwun- genen Kriege dienen.

Mit der Front ist die Universität in steter Der- bindung. Gegen 1000 Studierende und Angehörige der Universität, die im Felde stehen, erhalten durch Feldpostbrief regelmäßig Nachricht von der alma mater Ludoviciana.

Professor Dr. F. Klute, Prorektor.

Kriegsiahr 1940.

Der Landkreis Gießen im Kriegsjahr 4940.

Wenn einmal die Geschichte des gegenwärtigen großen Kampfes um die Freiheit und Größe Deutschlands unter Führung Adolf Hillers geschrie­ben wird, dann wird das Jahr 1940 als ein Jahr großer Entscheidungen gewürdigt werden müssen. So groß die Entscheidungen waren, so groß waren auch die Aufgaben, die dieses Jahr dem deutschen Volke gestellt hat. Nicht nur die Wehrmacht zu Lande, zu Wasftr und in der Luft, sondern auch die gesamte Bevölkerung war eingefpannt in den großen Pflichtenkreis, den uns der totale Krieg aufgezwungen hat. Dies ist selbstverständlich auch nicht ohne Einfluß auf das Leben und die Tätigkeit des Landkreises Gießen geblieben. Wenn man aber von dem Landkreis Gießen und feiner Ver- maltung spricht, so darf man nicht Übersehen, daß darunter nicht nur die Tätigkeit des Landratsamts allein, sondern vor allem auch die Zusammenarbeit zwischen dem Landrat und seinen Bürger- meistern verstanden werden muß, denn Land­ratsamt und Gemeinden zusammen,repräsentieren erst den Landkreis. Mag auch das Geschehen des Landkreises, gemessen an all den Ereignissen und Erfolgen, die wir im vergangenen Jahre erlebt haben, als klein und geringfügig erscheinen, ohne diese Tätigkeit im kleinen wäre das Große doch nicht möglich gewesen.

Ebenso wie aus dem Landratsamt viele Beamte und Angestellte dem Rufe des Führers zu den Fahnen gerne Folge geleistet haben, so holte der Krieg auch aus vielen Gemeinden den Bürger­meister, den Gemeinderechner und andere Gemeinde- bedienstete, und immer wieder mußte die schwer zu schließende Lücke durch einen Ersatzmann ausgefüllt werden. Mit Stolz kann heute am Ende des Jahres behauptet werden, daß sowohl die alterprobte Schar der Beamten, Angestellten, Bürgermeister und Ge­meindebeamten, als . auch die Ersatzleute bei ihrem Einsatz ihre volle Pflicht und Schuldigkeit getan haben. Don alledem, was an diesem vergangenen Jahr von dem Landratsamt und den Gemeinden geleistet worden ist, mag im folgenden nur das wesentlichste und für die Allgemeinheit Interessan­teste einer rückblickenden kurzen Betrachtung unter­zogen werden

Es ist selbstverständlich, daß die allgemeine Ver- waltung und die Aufsicht über die Gemeindeverwal­tungen trotz vieler zwangsläufiger Einschränkungen weiterlaufen und das gemeindliche Leben und oas Leben des Landkreises gewährleisten mußten. Es handelt sich aber bei diesen Aufgabengebieten wenn sie auch, wie z. B auf dem Gebiete der Finanzen, von dem Krieg stark (Kriegsbeitrag) beeinflußt wur­den, mehr um altgewohnte, denn um Kriegsaus- gaben. Nur von den letzten soll hier die Rede sein.

Eine ganz besondere Bedeutung kommt zweifel­los der Bearbeitung aller Fragen auf dem Gebiete der Kriegs- und Ernährungswirtfchast zu. Zu die­sem Zwecke wurden bei jedem Landratsamt ein be­sonderes Ernährungsamt und ein Wirtfchaftsamt gebildet. Das Ernährungsamt zerfällt wie­derum in zwei Abteilungen. Eine Abteilung A unter Leitung des Bezirksbauernführers, die in der Haupt- fache die Versorgung der Wehrmacht, die Verpflegung von Kriegsgefangenlagem und Arbeitsgemeinschafts­lagern, der Reservelazarette, die Treibstoffausgabe an die Landwirtschaft und überhaupt alle mit der Sicherstellung der Ernährung beim Erzeuger zusam­menhängenden Fragen, weiterhin die letzte Entschei­dung über alle Ausnahmegenehmigungen für Haus- schlachtungen zu bearbeiten hat, und eine Abtei­lung B unter Leitung eines Beamten des Landrats» amts, der die Fürsorge für die Versorgung des Letzt­verbrauchers (dazu gehören auch die Krankenhäuser und die besonders zu behandelnden Schwer- und Schwerstarbeiter), also in der Hauptsache die Be­arbeitung aller mit der Kartenausgabe' zusammen­hängenden Fragen obliegt. Für den Laien ist es im ersten Augenblick schwer erkennbar, welche Fülle von Arbeit allein mit der Einrichtung dieser Aemter verbunden war, insbesondere wenn man bedenkt, daß ausgebildetes und geschultes Personal zunächst überhaupt nicht zur Verfügung stand Dazu kam auf der anderen Seite die Fülle der neuen Be­stimmungen, die nun von diesen Aemtern zur Be­arbeitung weiterzugeben waren. Hier auf diesen so überaus wichtigen Gebieten der Ernährungs» und Kriegswirtschaft hat sich die schon seit Jahren auf das beste erprobte Zusammenarbeit zwischen dem Landrat und seinen Bürgermeistern hervorragend bewährt und die Möglichkeit gegeben, alle Hinder­nisse schnellstens zu überwinden. Um sich einen Be­griff von dem Umfang der zu bewältigenden Ar­beit machen zu können, muß man wissen, daß bei­spielsweise rund 70 000 Einwohner des Kreises mo­

natlich mit den ihnen zustehenden Karten versorgt werden. Die Fülle der sich sowohl für das Ernäh- rungsamt und das Wirtscl)aftsamt, als auch für die Bürgermeistereien hier ergebenden Belastung läßt sich einigermaßen ermessen, wenn man weiß, daß es zur Zeit 32 verschiedene Lebensmittelkarten gibt. Dank der tätigen Mitarbeit aller beteiligten Stel­len und insbesondere auch der zahllosen freiwilligen Helfer, denen auch an dieser Stelle besonderer Dank ausgesprochen werden muß, wurde diese oeranf» wortungsvolle Arbeit ohne größere Anstände be­wältigt.

Dem Wirtschaftsamt oblag die Bewirtschaf­tung des lebenswichtigen Bedarfs der Spinnstoffe und Schuhwaren, der Seifenerzeugnisse und Wasch­mittel und der festen Brennstoffe. Alle diese Rege- lungen waren für den Kriegsfall bereits weitgehend vorbereitet. Sie wurden aber im Laufe des Jahres 1940 entsprechend den Erfahrungen der Praxis so­wohl im Verfahren, als auch in der Zuteilung mehrmals geändert und durchweg verbesiert. So ist die Wiederbeschaffung der von den Einzelhandels- geschäften an die Verbraucher verkauften Spinn- stofftvaren durch die sogen. Punktverrechnung bis ins einzelne geregelt worden. Das gleiche gilt auch für die Wiederbefchafiung von Seife und Wafch- mitteln durch Einzelhandelsgeschäfte, Apotheken, Drogerien, Friseurgefchäfte usw. Eine umfassende Neuregelung auf vollständig veränderter Grundlage ist anfangs April 1940 in der K o h l e n o e r s o r - gung mit der Anordnung 5 der Reichsstelle für Kohle geschaffen worden. An die Stelle der Haus­brandlieferscheine trat das auf Kundenlisten aufge­baute Verfahren. Im wesentlichen hat dieses Ver­fahren zu einer weit besseren und im großen und ganzen reibungslosen Verteilung der verfügbaren Kohlenmengen geführt. Gewisse Härten sollen im nächsten Kohlenwirtschaftsjahr beseitigt werden. Mit

der Bevorratung an Kohlen für diesen Winter kann der Landkreis Gießen zuftieden sein.

Die Kraftfahrzeugzulassungs stelle hatte Aufgaben zu erfüllen, die weit über ihren friedensmäßigen Tätigkeitsbereich hinausgehen, zu- mal sie auf dem Gebiete der Treibstoff- und Reifen- bewirtschaftung die Aufgaben des Wirtschaftsamts wahrnahm. Wohl eine der verantwortungsvollsten Kriegsaufgaben der Verwaltung, die für die Er­haltung des Wirtschaftslebens in der Heimat im ab= gelaufenen Jahr ausschlaggebend war, stellte die Entscheidung über die Weiterverwendung von Kraft- fahrzeugen dar. Hand in Hand damit vollzog sich die Ausgabe der Tankausweiskarten und der Mine- ralölbezugfcheine, wobei die Notwendigkeit einer einzelnen Fahrt stets auf das sorgfältigste geprüft werden mußte. Aehnlich lagen die Verhältnisse bei der Ausgabe der Bezugscheine für die Bereifung der Fahrräder. Mit einer starken Mehrbelastung an Arbeit war auch die Einführung der Haftpflicht­versicherung für Kraftfahrzeughalter im Großdeut­schen Reich verknüpft. Auch andere Neuerungen im Straßenverkehrsrecht, wie die Einführung der Tarn­scheinwerfer für Kraftfahrzeuge, des roten Schluß- lichts für Fahrräder, stellten die Zulaffungsstelle vor stets neue Aufgaben. Ganz besondere Sorgfalt wurde auch der Erhaltung des volks- und wehr- wirtschaftlich äußerst wertvollen Bestandes an Kraft­fahrzeugen, insbesondere an Nutzfahrzeugen ge- widmet.

Ein neues Tätigkeitsfeld erhielt der Landrat auch durch die Abglieoerung eines Fahr-B ereit- schaftsleiters, der die Aufgabe hat, die noch dem Zivilsektor zur Verfügung stehenden Nutzfahr» zeuge planvoll für die Wirtschaft nath der Dring­lichkeit einzufetzen. Diese Einrichtung hat sich zwei­fellos sehr bewährt.

Unüeränherler Fortgang der Verwallungsarveit.

Durch Abordnung nach den besetzten Gebieten zur Feldgendarmerie und zu Sonderausgaben haben sich die Reihen der friedensmäßig im Landkreis Gießen eingesetzten Gendarmeriebeamten stark gelichtet. Die entstandenen Lücken wurden teil­weise durch Polizeireservisten ausgefüllt. Diese Män» ner, die im Frieden ihrem erlernten Berufe nach­gingen oder als Landwirte tätig waren, versehen heute als Gendarmeriewachtmeister der Reserve Schulter an Schulter mit den aktiven Gendarmerie­beamten den verantwortungsvollen und mit vielen Gefahren verbundenen Gendarmeriedienst. Die Auf­gaben der Gendarmerie sind im Kriege zwangsläu­fig größer geworden. Der einzelne Beamte wird weit mehr in Anspruch genommen, und fein Dienst ist schon im Hinblick auf die Verdunkelung und den ausgedehnten Dienstbezirk viel anstrengender als in Friedenszeiten. Eine besondere Aufgabe wurde mitten im Kriege der Gendarmerie noch auf dem Gebiete des Jugendschutzes zuteil.

Auf dem Gebiete des Feuerlöschwesens bewährte sich die in den letzten Jahren durchgeführte Neuorganisation im Landkreis Gießen, insbesondere die Einrichtung der Bezirksmotorspritzen und der Alarmanlagen. Die in der Heimat zurückgebliebenen Führer und Männer der Freiwilligen und Pflicht­feuerwehren wurden dabei tatkräftig unterstützt von der HI. und vielen Volksgenossen, die sich einer Ausbildung im Feuerwehrdienst unterzogen.

Auf dem Gebiete der Preisüberwachung, der wesentlichen Grundlage nationalsozialistischer Wirtschaft, galt es mehr denn je, für die Erhaltung des bestehenden Preisgefüges zu sorgen und jedem Versuch einzelner uneinsichtiger Volksgenossen, aus den durch den Krieg bedingten besonderen Verhält­nissen ungerechtfertigte Vorteile zu ziehen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenzu­treten. Die Arbeit der Kreisbehörde und der Gen­darmerie auf diesem Gebiete gestaltet sich besonders schwierig. Obwohl im Landkreis Gießen insgesamt die Preisdisziplin gewahrt wurde, mußten von dem Landrat als Preisbehörde im abgelaufenen Jahr doch 135 Ordnungsstrafen bis zum Höchstbetrag von 500 RM. verhängt werden. In einigen schwereren Fällen wurden höhere Strafen durch den Reichs­statthalter in Hessen Landesregierung Stelle für Preisbildung, verhängt

Der Bezirksfürsorge stelle lag neben ihren friedensmäßigen Aufgaben als Abteilung für Familienunterhalt die Durchführung des Einsatz- familienunterhaltsgesetzes vom 26. Juni 1940 und der Räumungsfamilienunterhaltsverordnung vom

1. September 1939 ob. Besonders schwierig wurden die zu bewältigenden Arbeiten durch die begreiflich große Anzahl der Anträge von Angehörigen Ein­berufener und von Rückgeführten. Ferner dadurch, daß die einschlägigen Bestimmungen wiederholt ge­ändert wurden und die Anträge zum Teil mehrfach einer Nachprüfung unterzogen werden mußten. Im Hinblick auf die große Anzahl von Familienunter­haltsanträgen ist die Feststellung erfreulich, daß in nur verschwindend wenigen Fällen und in diesen überwiegend unbegründet Beschwerde erhoben wurde, wohl ein Beweis für die großzügige Hand­habung der den Bedürfnissen der Familienunter­haltsberechtigten ebenso großzügig Rechnung tragen­den gesetzlichen Bestimmungen.

Bei der Jugendhilfe und der Jugendfürsorge ar­beiteten das Kreisjugendamt mit der NS.- Jugendhilfe kameradschaftlich und vertrauensvoll zu­sammen.

Die Tätigkeit des Amtes auf dem Gebiete des Gewerberechts war feit Kriegsausbruch ver­hältnismäßig gering. Nur das ambulante Gewerbe, dessen Träger jeweilig nur auf ein Jahr Erlaubnis erhalten, nahm die Behörde in gewohntem Umfange in Anspruch.

Die Entsudung von Handel und gewerblichen Betrieben ist abgeschlossen, nicht dagegen die Ent- judung des Grund und Bodens. Das Landratsamt ist mit diesen Fragen nur insoweit befaßt, als es sich um Hausgrundstücke handelt. Die Veräußerung landwirtschaftlicher Grundstücke wird von der Hessi­schen Landesregierung Abteilung VI bear­beitet.

Die Arbeiten, die eine Ertragssteigerung des land­wirtschaftlich genutzten Bodens durch Instandhal­tung von Entwässerungsgräben und Dränage» anlägen usw. bezweckten, wurden, soweit der Man­gel an Arbeitskräften es zuließ, weitergeführt. Teil­weise konnten Kriegsgefangene mit Erfolg eingesetzt werden.

Das Abdeckereiwesen im Landkreis wird be­stimmt durch den Betrieb der im Eigentum des Krei­ses stehenden Tierkörperbeseitigungsanstalt in Garben­teich. Der Anfallbezirk der Anstalt bat hier im letzten Jahr eine erhebliche Erweiterung erfahren, indem er auf den Kreis Wetzlar ausgedehnt worden ist, nach­dem der nördliche Teil des Kreises Friedberg schon seit einigen Jahren angeschlossen ist Die Vergröße­rung des Bezirkes macht naturgemäß auch eine Ver­stärkung und Vergrößerung der maschinellen An­lagen erforderlich. Die Bekämpfung der Tier­seuchen wurde in enger Zusammenarbeit mit dem

Zum Jahreswechsel.

iwn ®g. Heß, Leihgestern.

MitGlück auf" ins neue Jahr!

Vergiß, was schlecht im alten war, Schau aufsGute" nur zurück! War dir auch nicht alles Glück, Was du dir ersehnst, beschieden. Halte still und sei zufrieden, Wenn du an des Jahres Wende Regen barfft noch deine Hände, Weil dein Gott dir hat gegeben Kraft zum Schaffen und zum Leben.

Viele deutsche Volksgenossen, Sie sind froh 4inö unverdrossen Als vorm Jahr die Glocken klangen Mit uns auf den Weg gegangen, Mitzukämpfen, mitzuringen. Das Begonn'ne zu vollbringen. Voller Hoffen und Vertrauen, Unser Deutschland aufzubauen.

Lang war diese Jahresstrecke Mancher fiel manch' alter Recke, Der uns lieb und teuer mar. Ruhte auf der Totenbahr'. Wir standen eine Weile still ... Wir klagten, doch wie Gott es will! -i Vorwärts, vorwärts drängt die Zeit. Wo ist das Ziel? Wo Ewigkeit? Es ist nicht Zeit zum Stillestehn, Wir sehenKommen" undVergehn*. Das ist und bleibt der Weltenlauf. Bleibe stark, die Augen auf, Werd' nicht müh' im Hoffen, Glauben, Laß deinWollen" dir nicht rauben, Pflichterfüllend dort zu stehen. Wozu dich's Schicksal ausersehen.

Schaff' und kämpfe tapfer weiter!

Froher Mut fei dein Begleiter, Fern fei Sorge und Gefahr. MitGlück auf" ins,neue Jahr!

Kreisveterinäramt weitergeführt. Während dis Maul- und Klauenseuche nur ganz vereinzelt auf­trat, riß in einem Teil des Kreises die Schweinepest leider empfindliche Lücken in die Schweinebestünde.

Die Pflege der heimatlichen Naturschönheiten als Aufgabe des Naturschutzes wurde während des Krieges weitergeführt. Ein Gebiet in der Gemar­kung Birklar wurde unter Naturschutz gestellt, be­züglich eines anderen Gebietes in der Gemeinde Lollar läuft noch ein Antrag.

Einschneidende Änderungen brachte und bringt das Reichshebammengesetz auch für den Landkreis Gießen. Seither hatte fast jede Gemeinde, ohne Rücksicht auf ihre Größe, ihre eigene Heb­amme. Die Folge war, daß die Hebamme verhält­nismäßig selten in die Lage versetzt wurde, ihren Beruf auszuüben. Ihre Einnahmen waren ent­sprechend gering. Nun sind jeweilig mehrere Ge­meinden bezirksweise zusammengescylossen worden, soweit nicht die Größe der Gemeinde die Beschäfti­gung nur einer Hebamme rechtfertigt. Die Bezirke sollen möglichst so gestaltet werden, daß eine Heb­amme höchstens 30 bis 40 Geburten im Jahr zu besorgen hat, wodurch ihr die Möglichkeit geboten wird, Erfahrungen zu sammeln und sich ganz dem Beruf zu widmen.

Durch die Einstellung der Bautätigkeit während des Krieges hat sich in mehreren Gemeinden, ins­besondere in der vorwiegend industriell ausgerich­teten, ein Mangel an Wohnungen herausgestellt, der nach der Heimkehr der Krieger sich noch emp­findlicher auswirken wird. Dieser Not wird der Erlaß der Reichsregierung vom 15. September sicher steuern. Um die sofortige Inangriffnahme eines oiefen Grundsätzen des Erlasses entsprechenden Wohnungsbau Programms nach dem Kriege zu gewährleisten, werden schon jetzt im Landkreis Gießen vorbereitende Maßnahmen ge­troffen.

Während in früheren Jahren die Holzabfuhr eine lohnende Winterbefchäftigung der Landwirte war, die keiner amtlichen Regelung bedurfte, tonen die Verhältnisse im Kriege anders. Zahlreiche Holz­fuhrleute waren zum Heeresdienst eingezogen, an­deren Landwirten, die zu Hause waren, fehlten die Pferde, weil diese eingezogen waren. Andererseits mußte bas Holz ein kriegswichtiger Rohstoff das durch zu langes Lagern im Wald dem Ver­derb ausgesetzt war, irgendwie abgefahren werden. Diesem Uebelstand hatte der unter dem Vorsitz des Landrats gebildete Holzabfuhrring unter Be­teiligung des Kreisleiters, der Forstümter und des Fuhrgewerbes, sowie der Mitarbeit des Reichsnähr­standes abzuhelfen und die Holzabfuhr reibungs­los zu gestalten. Viel wertvolles Dolksvermögen konnte auf diese Weise erhalten bleiben und der Kriegswirtschaft zugeführt werden. Auch die private Holzzuteilung bedurfte, um eine gerechte Holzver­teilung zu gewährleisten, der amtlichen lieber« wachung. Durch zentrale Erfassung des anfallen­den Brennholzes und Ausarbeitung eines Vertei­lungsschlüssels wurde eine gleichmäßige Belieferung der Gemeinden mit Brennholz ermöglicht.

Was das Schulwesen des Kreises anbelangt, so wurde es durch die Kriegsverhältnisse insofern stark beeinflußt, als ein erheblicher Teil der Lehrer zum Heeresdienst einberufen ist. Zeitweise stand ein Drittel aller männlichen Lehrkräfte unter den Fahnen. Trotzdem konnte der Unterricht sowohl in der Volks-, als auch in der Berufsschule überall aufrechterhalten werden, wenn sich auch mancher­orts gewisse Einschränkungen nicht vermeiden ließen Jedenfalls ist die Beschulung der Jugend so, daß man damit durchaus zufrieden fein kann.

Damit ist auf dem Gebiete der wesentlichen Kriegsaufgaben, die den Landkreis Gießen berühren, ein wenn auch kurzer Ueberblick über die Tätigkeit' des Landrats, seiner Dienststellen und der Ge­meindeverwaltungen gegeben. Das ganze schöne vielgestaltige und verantwortungsvolle Tätigkeits­gebiet der Verwaltung eines Landkreises in einem kurzen Ueberblick aufzuzeigen, ist nicht möalich^ aber auch hier nicht nötig. Dem aufmerksamen L°fer wird das Vorgetragene genügen, um sich ein Dilo> und Urteil über die Leistungen und die Bedeutung! dieser Leistungen für die Durchführung des Krieges- 3ii machen. Es darf aber gerechterweffe und jur Abrundung des Bildes nicht vergessen werden, da« auch die anderen, für den Landkreis tätigen Stelle« staatlicher, kommunaler oder sonst öffentlich-recht­licher Art ihr unbestrittenes Verdienst an der Ver­wirklichung der Aufgaben haben und daß ohne btt- harmonische und verständnisvolle Zusammenarbeit: aller dieser Dienststellen es nicht möglich wäre, von. einem befriedigenden Jahre sverwaltungsergebnis- zu reden. Nicht zu vergessen ist vor allem auch die verantwortungsvolle und kameradschaftliche Zu* sammenarbeit mit den Dienststellen der Partei un» des Reichsnährstandes. . .

Dr. Lots, LandrM,