Zum neuen Lahre.
Von Hans Brandenburg
Der Beginn eines aufsteigenden Jahres ist zunächst immer ein Rückblick auf das versinkende Jahr. Dieser Rückblick muß uns diesmal mit unendlichem Dank erfüllen. Taten sind geschehen von einer so sagenhaften Größe, wie sie sich bei der letzten Jahreswende auch der phantasievollste, kühnste und zuversichtlichste Sinn nicht träumen lassen konnte. Es scheint wirklich der Welt alter Heldenbücher anzugehören, daß in Erfüllung ging, was auf dem Stein des Münchner Kriegerdenkmals steht.- „Sie werden auferstehen", daß aus den Knochen der Gefallenen der Racher erstand und schon der neue Friede zu erwachsen beginnt, daß mir vorstießen über alle Grenzen, um unsre Grenzen neu zu ziehen und endgültig zu sichern, daß die legendenhaften Schauplätze und Namen unserer glorreichsten Niederlagen zu Schauplätzen und Namen unserer glorreichsten Siege wurden^ von Vätern und Söhnen zugleich errungen.
Ja, alles Kleine und Persönliche tritt diesmal mehr,denn je zurück, und unsere Neujahrswünsche gelten nur noch dem Volksganzen und dem Siege; die Wünsche werden zu dem einzigen Wunsche, daß dieser Sieg heraufsteigen möge wie das neue Jahr und mit dem neuen Jahr, wie das große Gestirn und mit ihm, das aus Winternacht seinen triumphalen Lauf antritt. Wir berauschen uns jedpch nicht an diesem Wunsche, wir sind von gewappneter und entschloßener Nüchternheit, und wir vergessen auch die schweren Opfer nicht, mit denen wir unsere 'Erfolge bezahlen mußten. Aber es sind der Zahl nach geringere Opfer, als sie sonst ein so großes Völkerringen für uns ols Siegespreis verlangte. Dennoch: den einzelnen trifft fein Verlust darum nicht minder hart. Der Blick auf das vergangene Jahr ist auch ein Blick auf Gräber. Unsere Toten, die des Heeres und der Heimat, stehen um Uns im tagenden Zwielicht dieses Silvesters, wir danken ihnen heißen Herzens und mit dem Versprechen, daß sie nicht umsonst gestorben sind. Man muß an den achtzigjährigen G o e t h e denken, der als Ueberlebender aller seiner Nächsten und selbst schon an der Schwelle des Gra
bes ein Wort fand, welches ein siegreiches Volk an der zweiten Jahreswende seines Krieges mit noch größerem und frommerem Rechte wiederholen kann, das Wort: „Heber Gräber vorwärts!"
Oie Fahrt ins neue Lahr.
23 on Otto Anthes.
In dem vergrasten Nebengeleis eines kleinen Bahnhofs stieg der Hahn des Bahnhofsvorstehers mit seiner Lieblingshenne umher und suchte das Gelände nach Freßbarem ab.
,cheu-t ist Silvester", sagte er unter dein Picken.
„Was du nicht sagst! Was du nicht sagst!" kakelte die Henne. Solche Sprüche fügten sich ihrer Stimmlage am besten und entsprachen außerdem ihrem Geistesstand.
„Ja", unterbrach der Hahn mit Nachdruck das Gekakel, „und morgen fängt ein neues Jahr an. Ich habe gesehen, daß der Vorsteher sich eine Buddel Rum hinter den Strank bereitgestellt hat. Mir ist, als ob wir heut auch etwas Besonderes finden müßten. Schließlich fängt für uns auch ein neues Jahr an."
„Das ist auch wahr! Das ist auch wahr! stimmte die Henne bei.
Darüber tarnen sie zu einem Güterwagen, der auf dem Nebengeleis vor einem Schuppen stand. Der Hahn flog auf die Rampe, die Henne folgte ihm nach. Die Schiebetür des Wagens stand ein wenig offen, und da eine dünne Spur von Körnern in das Innere wies, so stiegen beide, der Hahn voran, in die Dämmerung hinein. Kaum aber hatten sie ein paar Körner aufgepickt, da kam ein Mann aus dem Schuppen, schlug die Wagentür zu und rasselte mit dem Schloß.
„Was hob ich gesagt! Was hab ich gesagt!" fuhr die Henne auf. „Nun sitzen wir fest."
„Gesagt hast du, soviel ich weiß, gar nichts", stellte der Hahn mit nachsichtiger Würde feft „Und Ich würde dir auch raten, weiterhin den Schnabel zu halten. Wenn die Körnerspur nicht trügt, muß es fiir uns hier drinnen allerlei geben. Wenn aber mit deinem Gekakel den Mann aufmerksam machst, wird er uns gleich wieder rausjagen."
,Llch aber gar! Ach aber gar!" knuckerte die Henne getränkt.
Es standen nun allerdings mehrere Sacke tm Wagen, die sich sehr -hoffnungsvoll anfühlten, Aber soviel sie auch daran herumhackten, die Leinwand war so stark, daß sie nicht das kleinste Loch hineinzubohren vermochten.
„Siehst du", sagte der Hahn, „so ist das Leben. Es ist alles da, was das Herz begehrt, aber du kannst nicht dran. Das nennt man die Weltwirtschaft."
„Wie du das sagst! Wie du das sagst!" schüttelte die Henne bewundernd den Kopf.
Im selben Augenblick gab es einen Stoß, ein kurzes Hin und Her, und dann setzte sich der Wagen ruckend und rumpelnd in Bewegung. Die beiden erschraken so sehr, daß sie sich, dicht aneinder gedrängt, stumm bei der Tür niederhockten.
„Siehst du", faßte sich der Hahn zuerst wieder, „so ist das Leben. Du steigst ein, ohne dir etwas Böses zu denken, und ehe du dichs versiehst, geht die Fahrt los. Du weißt nicht warum, du weißt nicht wohin. Jedenfalls fahren wir nun ins neue Jahr."
Eine Fahrt im Güterwagen hat etwas ungemein Beruhigendes. Es geht nicht zu schnell, die Wagen rumpeln ordentlich gemütlich dahin. Wenn der Zug hält, gibts kein großes Geschrei mit „Aussteigen! und „Einstei-gen: Kein Gerenne und Gewimmer, daß man nur rechtzeitig noch einen Platz bekommt. Es geht alles still vor sich, fast wie im Traum. Nur einen schlürfenden Schritt hört man wohl einmal, es rasselt einmal eine Kuppelung, eine Wagentür rollt und fällt wieder zu — und bann geht's ohne Aufsehen weiter. Auch unsere Reisenden kamen so allmählich in die geruhsame Besinnlichkeit, wo man ins Erzählen gerät.
„Als mein Vater noch das Geschäft versah", sagte der Hahn, „lag einst jeden Morgen ein Huhn tot im Stall. Die Vorsteherin war außer sich und wußte sich das Unheil nicht zu erklären. Bis eine alte böse Frau sagte: Das tut Ihr Hahn. Solche alten Burschen werden kollerig, und statt die Hennen zärtlich ein bißchen zu rupfen, hacken sie ihnen in den Kopf hinein, daß sie sterben. Die Vorsteherin rief: Ja, das hab ich auch schon gesehen — rannte in den Stall, fing den Alten, rein in die Küche, Kopf ab, und mittags fraßen sie ihn mit Rachegefühlen auf.
Am andern Morgen lag wieder ein Huhn tot hn Stall. Da war ers gar nicht gewesen, sondern sie hatten den Stall mit giftiger Farbe gestrichen. So ist das Leben."
„Das ist auch wahr! Das ist auch wahr!" pflich. tete die Henne bei. Und erzählte dann ihrerseits: „Ehe ich zum Vorsteher kam,' war ich bei einer allen Dame, die setzte uns Hennen immer wieder zum Brüten, aber es kroch nie etwas aus. Fuchs- teufelswild war die Alte. Und als eine Freundin sagte: Vielleicht liegts am Hahn! — da antwortete sie: Am Hahn kanns nicht liegen. Ich hab gar keinen."
Unter solchen Gesprächen verging die Zell. Mit einem Male hielt der Zug polternd an. Und zu- gleich hörten sie Glockengeläut, ein paar Schüsse und vielfältige Rufe: „Prosit Neujahr!"
„Was ist denn das? Was ist d-enn das? fragte die Henne besorgt.
„Neujahr ist!" schrie der Hahn. Fuhr hoch, schlug mächtig mit den Flügeln und krähte: „Viel Glück in der Früh! Viel Glück in der Früh!"
Und „Prosit Neujahr! Profit Neujahr!" fiel die Henne ein.
Da wurde die Tür geöffnet, und die beiden schauten auf einen taghell erleuchteten Bahnsteig und in die vergnügten Gesichter mehrerer Eisenbahner. Denn der Vorsteher hatte schon um seine Ausreißer telephoniert. Sie wurden auf den Arm genommen und in eine warme Stube gebracht, wo noch mehr Eisenbahner um eine dampfende Terrine saßen, bekamen Butterbrot und zerschnittene Wurstpelle und schliefen schließlich glückselig am Ofen ein. Andern Tags wurden sie in eine Kiste mit Luftlöchern gesteckt und reisten nach Hause zurück. Und nachmit» tags stiegen sie schon wieder in dem vergrasten Nebengeleis herum.
„Siehst du", sagte der Hahn, „so ist das Leben. Diese Nacht sind wir mit Glockengeläut und Butterbrot ins neue Jahr getreten, und heute ist wieder alles wie vorher. Und das ist gut so. Sich besinnen und erinnern in der Dämmerung, feiern, wo es am Platz ist, und dann wieder seine Pflicht tun — das ist das rechte Leben."
„Das ist auch wahr! Das ist auch wahr!" kakelte die Henne und pickte um so emsiger zwischen den Schienen umher. .
Silvefterfeier im !!♦€♦
Allen Gästen und Bekannten „Prosit Neujahr!“
Im großen Saal: TANZ
Im Cafe*
Konzert und Unterhaltung
Ihre Verlobung geben bekannt
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Emil Abert
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Gießen, den 1. Ianuar 1941
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Ihre.Verlobung geben bekannt
Hedwig Evertz
Hans Oeukec, Bäckermeister
Solingen Steinbach/Gießen
Neujahr 1941
6104 D
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Liselotte Reppert Erwin Franz Obj. einer Fallschirmtruppe
Wiesbaden Gießen
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Silvester 1940
1 \ ■ ' .
04365
Ihre Verlobung geben bekannt
' Liselotte Pfaff Kari Orihold
Wiesbaden z.Z. Görlitz
Adelheidstraße 521 t
1. Ianuar 1941
612^ D
Statt Karlen ,
Ihre Vermählung geben bekannt
Bertold Schmidt
z.Z. Kriegsmarine
Mariechen Schmidt, geb. Keil
Gießen, 31. Dezember 1940
Glaubrechtstrabe 14 Bahnhofstraße 50
04367
Für die upef zu unserer Vermählung er- wiesen"n Aufmerksamkeiten sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank
llffz Ernst Moosmayer
und Frau Irma, geb. Braun
Gießen«Wieseck, den 31. Dezember 1940
6110 D
Ihre Verlobung geben bekannt
Emmy Kröck
Georg Oberhäuser
Postinspettor apl., z.Z. Soldat
Seuchelheim-Gießen Frankfurt-Niederrad
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Silvester 1940
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Gießen, Wernerwal) 11/15
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Als Verlobte grüßen
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