Ausgabe 
31.1.1940
 
Einzelbild herunterladen

Mittwoch, öl. Zanuar MO

ttr.2t» Swettes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

gebracht;

Hügellehne über verblühtem Heidekraut. In dem übersprühten, kristallblitzenden Schwarzdomgeftrüpp am Waldsaum stäubt der Schnee in Wölkchen auf, ein dunkler Schatten huscht durch das Gewirr, wir­belt hoch auf, schießt über die beschneite Bodenmulde und schwingt sich, hell und durchdringend schnalzend in die Vogelbeerbüsche ein, an denen noch dürre, blaurote Beerendolden hängen. Was von den Früch­ten, die im September in brennendem Purpurglanz zwischen spätem Grün leuchteten und glühten, in der herbstlichen Nässe noch nicht verfault ist, ver­schwindet in den Nimmersatten Drosselmagen. Dann hüpft und hopst der tiefschwarze Vogel mit dem orangegelben Schnabel durch den dünnen Schnee ein weites Stück den schmalen Waldpfad entlang; spannenlange Sprünge lassen ihn schnell zwischen geknickten Adlerfarn in den Fichten am Walde untertauchen ...

Weiter oben im Gebirge, wo dunkle Nadelgehölze an den Lehnen aufstreben und hohe Schwarzpap­peln wasserreiche Bäche beschatten, hatten sich im Frühling schön gezeichnete fremdartige Drosseln ein­gestellt; viele Nester standen weithin in dem dichten Gezweig. Das waren Misteldrosseln, oben, schiefergrau, mit weißlichem, gesprenkeltem Leib. In der Frühe und in der Abenddämmerung klang süßes melodisches Flöten herüber, doch von den Sängern war selten einer zu sehen. Denn die Schnarre", größer als andere Drosselarten, unge­sellig und unverträglich, liebt die Verborgenheit rau­mer Hochwaldgebiete. Wo aber, wie auf der Pap­pel, die schmarotzende Mistelstaude mit ihren wachs­farbenen Scheinfrüchten nistelt, deren Same den Darm in keimfähigem Zustand wieder verläßt und daher leicht verschleppt wird, dort weilt die Mistel­drossel gern. Die Vorliebe für die Mistelfrucht nur selten nimmt die Misteldrossel andere Beeren- früchte auf schützte diese Drosselart vor dem Schicksal, dem Wacholder-, Ring- und Sßein- drossel, häufig auch die Singdrossel, bis vor wenigen Jahrzehnten so leicht verfielen, ihr Leben unter Qualen in einer tückischen Hängedohne SU enden. Dieser Dogelmord kostete allein in Deutschland mehr als anderthalb Millionen Dros­seln aller Art das Leben. Gleichzeitig aber fingen sich in den Dohnen statistisch erwiesen gegen 50 000 andere Kleinvögel, darunter, wie Professor M. Braeß in seinemOrnithologischen Jahrbuch­berichtet, allein an 40 000 Rotkehlchen, einer unserer anmutigsten und vortrefflichsten Sänger, der, zu der Familie der Drosseln gehörig, dem gleichen Natur- : trieb folgte, wie seine größeren Verwandten. Erst : das Gesetz von 1911, das den Dohnenfang verbot» hat dem planmäßigen Dwfselmord ein Ende gemacht^

seine schier unbegrenzte Hilfsbereitschaft, mit der er jedermann seine reichen Erfahrungen und sein viel­seitiges Wissen zuteil werden ließ, sowie die feine Art seines Umgangs mit allen Volksgenossen ver­schafften ihm allenthalben nur Freunde. Im Kreise seiner Wissenschaft und in den Herzen aller derer, die ihn kannten, wird er unvergessen bleiben.

Haltet die Rinnsteine in Ordnung?

Kreisleiter Backhaus ruft alle Hausbesitzer auf, dafür Sorge zu tragen, daß die Rinnsteine von Schnee und Eis gesäubert und für die Zukunft offen gehalten werden, damit bei einem eintretenden Witterungsumschlag die Schmelzwasser schnell ab­fließen können.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Populärwissenschaftlicher Dortraa der Univer­sität: 20.15 Uhr im Hörsaal des Kunstwfisenfchaft- lichen Instituts, Professor Glöckner,Einführung in die Aesthetik der bildenden Künste". Stadt­theater: 19.30 bis 21.30 UhrKinder auf Zeit". Gloria - Palast (Seltersweg):Mutterliebe". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Che in Dosen".

Sladtthealer Gießen.

Am heutigen Mittwochabend wird das Lustspiel Kinder auf Zeit" von Kurt Bortfeld zum letzten-

Der Herbst hatte sonnenhelle Tage silberne Fäden wehten im leichten Nordwest über Hochwald und Heide. Das Rehwild hatte verfärbt, statt des hochroten Sommerkleides trug es die glänzend braune Winterdecke, und wenn ein Sprung flüchtig durch die kahlen Buchenheister wechselte, leuchteten die wippenden weißenSpiegel" wie Por­zellan. Die Wandervögel zogen fort; nur die kleinen Sänger, die auch im Winter bei uns aushalten, der Kernbeißer, die Schwarzamseln, der Grünling und die große Sippe der Meisen, die weder Frost noch Schnee vertreibt, blieben zurück.

Jetzt steht über den stillen Wäldern die'^bleiche Wintersonne wie eine große mattblinkende Scheibe. Der erste Schnee ist gefallen; noch drückt die weiße Last nicht schwer, doch der Frost gibt dem Schnee Dauer und Bestand: auf allen Reisern und Zwei­gen liegt es weich und flockig. Busch- und Herde­wald sind das Reich der Drossel, auch wenn er, tot und verödet, kaum noch etwas hergibt. Wo dicht verwachsene Weichselsträucher unter den Föhren ober schlanke Birkenbüsche zwischen immergrünen , Jungfichten stehen, dort hat die Drossel ihr Wesen, i Krähen quaken krächzend auf den weißen Brach­äckern, aus dem vergilbten Laub der Gräben steigt : leichter Moderduft, überzuckerte Wacholder mit schwarzen Quackelbeeren stehen säulengerade an der

Oer Westfälische Friede.

Hans Walther.

Man hört und liest jetzt allenthalben von der Zeit des Westfälischen Friedens, zu dem vor rund drei- hundert Jahren die Vorverhandlungen vorbereitet wurden; dieser Friedensschluh sollte die furchtbaren Jahrzehnte des Dreißigjährigen Krieges beenden. Der nationale Aufschwung in den Tagen der Re- naiffance und Reformation war von allzu kurzer Dauer gewesen und mußte, da er nicht von einer festen Hand geführt wurde, langem zerbröckeln. Während sich die anderen Völker Europas festigten, löste sich das deutsche Staatsgefüge auf. Im Süden und Osten stießen Türken und Slawen vor nn Westen drängten die Franzosen an den Rhein und Deutschland, so sagte 1640 der Dichter Georg Rudolf Weckherlin,liegt in des Schlafes und der Ohn­macht Banden", nur der Bruderhaß schürte seine satanischen Flammen und stürzte das Land m viele Jahre lang brennende Feuer .

Unterdessen organisierten sich die übrigen euro­päischen Staaten und begannen ihre Kraste anein ander zu messen. In England hatte Cromwell mit starker Hand alle Gegensätze im Innern des Landes beseitigt, Schweden und die Riederlande schwangen sich zu Großmächten auf, und Frankreich hatte sich unter Führung des Kardinals R^elleu zum ersten Nationalstaat Europas entwickelt; dieser Staats mann sah seine Hauptaufgabe dann das Haus Habsburg und damit die deutsche K°fierwurd! z vernichten und die vielen kleinen.deutschen Staaten unablässig gegeneinander auszuspielen. Immer wie­der verband er sich mit allen innereni unD-äußeren Feinden des Reiches, das sich nicht zuml Nation al floate entwickelt hatte; um diese Entwicklung nach Möglichkeit zu hemmen oder gar zu unterbinde wurde Deutschland zum Kriegsschauplatz der an deren Mächte erniedrigt.

Nachdem Deutschland verwüstet, die Bevölkerung verarmt und das Land ausgeplundert war. dachte man daran, Frieden zu machen, Im Jahre IM begannen die ersten Vorbereitungen. Die wirklichen Fnedensverhandlungen begannenaber ! Jahre 1644 und wurden zu v^abruck zwischen den kaiserlichen, reichsständischen und schw s 1 sandten zu Münster zwischen dem Kaiser, Frank reich und anderen Feindmächten gepsig 'q immer in gewisser Verbindung unterelnander Lang währende öde Rang- und Titelstrelttgkette , den fremden Mächten selbstverstand! ch gesorde wurden, verzögerten immer wieder die El! 8

In einer außerordentlichen Generalversammlung des Aliceschulvereins e. D. Gießen am morgigen Donnerstagnachmittag wird die Auf­lösung des Vereins beschlossen werden. Bei dieser Schlußversammlung handelt es sich nach Lage der Dinge nur noch um eine Formsache, da der Aliceschulverein als solcher seine Tätigkeit praktisch eingestellt hat und alle seine Einrichtungen bereits am 1. April 1939 nach einer Vereinbarung mit dem Oberbürgermeister auf die Stadt übergegangen waren. Die Stadt war in den letzten Jahren durch ihre ständigen Zuschußleistungen eigentlich die finan­zielle Hauptträgerin des Vereins geworden, so daß die seit 1. April vorigen Jahres in Kraft befindliche Regelung die formelle Feststellung einer natürlichen Entwicklung darstellt. Mit der morgigen Liquidie­rung des Aliceschulvereins wird ein Kapitel in der Ausbildung schulentlassener junger Mädchen aus Gießen und Umgegend abgeschlossen, aus dem reicher Segen für jene Schülerinnen entstanden ist, der heute, da jene Mädchen wohl meist Hausfrauen und Mütter geworden sind, auch deren Männern und Kindern zugutekommt.

Der Aliceschulverein Gießen war nach dem Vor­bild einer gleichartigen Einrichtung in Darmstadt im Jahre 1878 gegründet worden? Er sollte nach dem Millen seiner Gründerinnen und Gründer dem Zweck dienen, schulentlassenen jungen Mädchen durch entsprechende Ausbildung die hauswirtschaMche ober berufliche Tätigkeit zu ermöglichen. Die prak­tische Schularbeit in Form von Ausbildungskursen wurde am 1. Oktober 1878 in dem einstigen städti­schen Schulhaus am Asterweg ausgenommen, wo dem Verein einige Räume für die Unterrichtszwecke zur Verfügung gestellt wurden. Später würbe der Unterricht, der mittlerweile auch in feinen Ausbil­dungsformen erweitert worden war, in ein Schul- Haus am Oswaldsgarten verlegt, von wo die Schule im Jahre 1909 in bas Schulgebäude Steinstraße 10 übersiedelte, das einige Jahre später einen Erwei­terungsbau erhielt und sich heute noch im Eigen­tum des Vereins befindet. Viele Jahre lang nahm bie Entwicklung der Schule hier einen gedeihlichen Aufschwung, da stets eine große Anzahl Schülerin­nen vorhanden war und die wirtschaftlichen Mög­lichkeiten dem Verein eine gute Grundlage für sein Wirken gaben. In den drangvollen Jahren des ^Weltkrieges und der Inflationszeit hatte der Alice-

Neuordnung des Schulwesens, in deren Rahmen das damalige Lyzeum durch den Aufbau dreier Klassen zur Frauen-Oberschule entwickelt wurde.

Heute gehören zu den Einrichtungen des Alice- chulvereins folgende Ausbildungsstätten: Hauswirt- chastsfeminar, Handarbeitsseminar, Haushaltungs­chule, Fachschule (als Ersatz für die Berufsschule), Schneiberkurse, Weißnähkurse, außerbem zeitweise Handarbeitskurse, Kochkurse und Diätkurse; ferner bas Kindergärtnerinnenseminar mit Vorseminar, Kinderpflegerinnenschule, ein Hort und zwei Semi­narkindergärten, außerdem zeitweise Bastelkurse. Die alljährlichen Ausstellungen von Handarbeiten der Schülerinnen bewiesen die hohen und vielseiti<- gen Ausbildungsmöglichkeiten sowie bie großartigen Schulerfolge dieser Einrichtungen. Die Schülerinnen- zahl der Aliceschule und des Fröbelseminars beläuft sich gegenwärtig auf insgesamt 219, von denen H7 aus dem Stadtkreis Gießen, 45 aus dem Landkreis Gießen, 41 aus den übrigen Kreisen und 76 aus Preußen stammen. Ferner besuchen 51 Kinder den Mädchenhort, 55 Kinder den Kindergarten Walltor- straße und 65 Kinder den Kindergarten in der Gar­tenstraße. Es ist also, wie diese Zahlen beweisen, ein weites Arbeitsfeld, das von dem Aliceschuloer- ein gepflegt wirb.

Neuerdings find Bestrebungen im Gange, bttf Kinderbetreuungsarbeit des Fröbelseminars auf eine breitere Grundlage zu stellen. Zu diesem Zwecke find Verhandlungen mit der NSV. eingeleitet wor­den, die dem Ziele dienen, möglichst in jedem Stadt­teil einen Kindergarten zu errichten, damit gerade in der Gegenwart vielen Frauen und Müttern die Gelegenheit gegeben wird, sorglos ihrer Arbeit nach­gehen zu können.

Die Mitglieder und die bisherigen Leiter des Alice- schulvereins, an dessen Spitze seit einigen Jahren Oberstudiendirektor Schelhorn, der Leiter unte­rer Oberschule für Mädchen, steht, sowie alle Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter können mit Stolz und Befriedigung auf dieses Werk ihrer bisherigen Arbeit und Opferfreudigkeit zurückblicken, und sie können in dem Bewußtsein, eine für unsere Jugend und für die Volksgemeinschaft in unserer Heimat außerordenllich wertvolle Sache gepflegt zu haben dieses kostbare Gut nunmehr vertrauensvoll in die Obhut unserer Stadtverwaltung übergeben. B.

beit auf diesem Gebiete in Mainz erfolgreich durch- aeführt. Daneben konnte er aus ben Mitteln einer Stiftung eine reichhaltige Volkslesehalle einrichten. Unter dem gleichen Gesichtspunkt erteilte er ben reifsten Schülern ber Kunstgewerbeschule innerhalb her Bibliothek und des Museums jahrzehntelang ehrenamtlich den kunstgeschichtlichen Unterricht. Der Mainzer Gewerbeverein und die Mainzer Handels­kammer brachten Professor Dr. Velke ihre bankbare Anerkennung für bieses ehrenamtliche Wirken in künstlerischen Ehrengaben zum Ausbruck. Aus Ge­sundheitsrücksichten und zwecks Gewinnung von freier Zeit für wissenschaftliche Arbeiten trat er im Jahre 1907 in den Ruhestand; in Würdigung seiner großen und bleibenden Verdienste um die Stabt Mainz wurde ihm bei dem Scheiden aus dem Dienst der TitelBibliotheksdirektor" verliehen.

Professor Dr. Velke verlegte dann seinen Wohn­sitz nach Gießen, um hier ganz seinen Wissenschaft- lichen Neigungen leben zu können. Schon während seiner Amtszeit, aber auch im Ruhestand war seine Mitarbeit dem Hessischen Denkmalrat, der Kommis­sion für die Herausgabe der Kunstdenkmäler im Freistaat Hessen, dem Historischen Verein für Hes­sen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde, dem Oberhessischen Geschichtsverein, dem Oberhessi­schen Kunstverein in Gießen, dem Gießener Lese­halle-Verein und dem Kirchenvorstand der Johan- nesgemeinde gewidmet. Seine wissenschaftlichen Ar­beiten galten u. a. Abhandlungen vorwiegend zur Mainzer und rheinischen Geschichte und Altertums­kunde, Kunst- und Verkehrsgeschichte, der Fruhzett und ältesten Verbreitung ber Buchdruckerkunst (mit neuen Urkunden), dem ersten Buchdrucker und kri­tischen Literaturberichten über Mittelrhein und Hes­sen in den Jahresberichten der Geschichtswissenschaft usw. In Gießen konnte man seine wissenschaftlichen Arbeiten in den Veröffentlichungen des Oderhesst- schen Geschichtsvereins und auch des Historische

Das Werk des Aliceschulvereins in Gießen

Rückblick auf eine segensreiche Arbeit im Dienste der Jugend.

Aus der Stadt Gießen.

Professor Dr. Wilhelm Seife f.

Am vorigen Sonntag ist noch kurzer Krankheit ber Bibliotheksdirektor i. R Professor Dr. Wil­helm Velke, Ehrensenator ber Universität Gie­ßen, im 87. Lebensjahre gestorben.

Professor Dr. Velke stammte aus dem Braun­schweiger Lande, wo er am 21. Januar 1854 zu Lelpke geboren war. Nach dem Besuch der Volks­schule in Velpke und des Gymnasiums in Helmstedt studierte er in Leipzig und Marburg klassische Philo­logie und Geschichte. Zum Dr. phil. promovierte er ui Marburg mit einer Preisarbeit aus der griechi­schen Metrik, wo er im Jahre 1878 das Staats­examen bestand. In dieser Zeit war er auch als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an den Universitäts­bibliotheken in Marburg (von April 1876 bis Sep­tember 1877) und Göttingen (Oktober 1877 bis Ok­tober 1878) tätig. Danach wirkte er 1878/79 als Assistent am Institut für Altertumswissenschaft in Straßburg.

Dom September 1879 bis zum November 1907 war Prof. Dr. Velke Stadtbibliothekar in Mainz. Mit diesem Amt war die Betreuung des städtischen Archivs und Münzkabinetts verbunden. Ehrenamt­lich war er von 1888 bis 1890 zugleich Direktor der städtischen Sammlungen für Wissenschaft und Kunst. 3m Jahre 1891 erhielt er den Titel .^Oberbiblio- thekar" und im Jahre 1896 den Charakter als Pro- Ifessor. Im Anschluß an das Gutenberg-Fest im Jahre 1900 in Mainz, bei dessen Vorarbeiten, der großen Festschrift, der umfassenden typographischen Ausstellung und sonstigen Arbeiten Professor Velke mit in vorderster Reihe gestanden hatte, gründete er das Gutenberg-Museum in Mainz und in Verbindung mit dem von ihm eingerichteten und geleiteten Museum im Jahre 1901 eine inter­nationale Gutenberg-Gesellschaft, deren Veröffent­lichungen er in den ersten Jahren herausgegeben | hat.

Als den wichtigsten und vornehmsten Zweck einer Bibliochek sah er von jeher ihre Nutzbarmachung für das frisch pulsierende geistige Leben des Volkes an. Don diesem Grundsatz geleitet hat er seine Ar-

Vereins für Hessen lesen. Der geschichtswissenschaft­lichen Arbeit in unserer Stadt brachte er allezeit größtes Interesse entgegen. Unsere Universitäts­bibliothek, wie überhaupt die Universität, hatte in ihm einen warmherzigen Freund und Förderer. Am 21. Jarmar 1934 wurde er zum Ehrensenator unserer Lanoesuniversität ernannt; Rektor und De­kan überreichten ihm in feierlicher Form das Diplom. In langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeit als eifriges Vorstandsmitglied ließ er auch dem Gieße­ner Lesehalle-Verein seine Kraft zuteil werden.

Die Philosophische Fakultät der Universität Mar­burg, in deren Kreis Wilhelm Velke seine Studien­zeit verbrachte und zum Dr. phil. promovierte, er­neuerte ihm anläßlich seines goldenen Doktorjubi- (äums im Februar 1928 das Doktordiplom und ge­dachte dabeimit Anerkennung der hohen Ver­diente, die sich der Jubilar als Forscher auf dem Gebiete der Geschichte der Buchdruckerkunst und der rheinischen Geschichte, sowie als Begründer des Gutenberg-Museums und der Gutenberg-Gesellschaft erworben hat".

Nicht nur in Mainz, als der Statte feines frühe­ren Wirkens, sondern auch in Gießen und darüber hinaus in den Kreisen aller Freunde der heimat- aeschichtlichen Bestrebungen wurde Professor Dr. Velke große Wertschätzung dargebracht. Sein vor­nehmer Charakter, sein liebenswürdiges Wesen und

schulverein in Geheimrat Professor Dr. Fromme einen fürsorglichen und weitblickenden Leiter, der im Jahre 1925 den Vorsitz des Vereins an den da­maligen Stadtschulrat Professor Dr. Alles abgab.

Bis zum September 1931 wirkte Professor Dr. Alles an der Spitze des Vereins. Er konnte an­läßlich der Feier des 50jährigen Bestehens des Aliceschulvereins am 28. und 29. September 1928 die erfreuliche Feststellung machen, daß die Unter­richtsanstalten des Aliceschulvereins sich in der Zeit nach der Inflation in befriedigender Weise weiter­entwickelt hatten und der Verein schon damals mit Stolz auf sein blühendes Schulwesen blicken konnte. Im Jahre 1922 war dem Verein auch das Fröbel- Serninar, das vorher Fräulein Möser unterhalten hatte, angegliedert worden, ferner wurde er Träger des damaligen Bürger-Kindergartens. Im Jahre 1930, als der vor kurzem verstorbene Oberftudien- direktor Dr. Kalbfleisch nach dem Scheiden von Professor Dr. Alles den Vorsitz des Alicevereins führte, war es dem Verein möglich, seinen Einrich­tungen ein Seminar für die AusbiÜnmg von Turn­lehrerinnen anzugliedern, das während einer Reihe von Jahren bestand und Ersprießliches leistete, auf Anordnung der Landesregierung aber im Jahre 1935 wieder aufgegeben werden muhte. Unter den Auswirkungen des vor der Machtübernahme immer mehr um sich greifenden wirtschaftlichen Nieder­ganges hatte natürlich auch die Aliceschule immer stärker zu leiden, so daß sie schließlich mit ihren Einrichtungen und ihrer Schmerzahl arg in Be- drängnis kam.

Nach der Machtübernahme ergab sich auch für die Einrichtungen des Aliceschulvereins wieder ein er­freulicher Aufschwung. Allerdings hat mittlermeUe der Staat sich an den Kosten der Einrichtungen des Aliceschulvereins nicht mehr beteiligt, so daß die finanziellen Sorgen nicht verschwanden. In Anbe­tracht der hohen Bedeutung dieser Ausbildungsstätten entschloß sich die Stadtverwaltung im Frühjahr 1938, den gesamten Zuschußbedarf sowohl des Fröbelsemi­nars als auch des Horts und der Kindergärten zu übernehmen, während die Verwaltung weiterhin bei dem Aliceschulverein verblieb. Der Aliceschulverein hatte die Ausbildung der Mädchen während dreier Jahre in dem Sinne übernommen, wie sie den Schülerinnen durch eine Frauen-Oberschule vermittelt werden sollte. Diese Arbeit wurde abgelöst durch die

des Kongresses; erst im Herbst 1648 kam man mit den langwierigen Verhandlungen zu Ende, und am 24. Oktober 1648 wurde zu Münster, wohin auch die Bevollmächtigten von Osnabrück, die früher ab­geschlossen hatten, gekommen waren, endlich der Friede unterzeichnet.

Ein schwäbischer Chronist jubelte:Jetzt fit Fried auf Erden in unserem Teutschland und in dem gan­zen Römischen Reiche, unter dem Kaiser, Schweden, Franzo en und allen Königen, Fürsten, Grafen und Städten, wie auch Dörfern, Flecken, Weilern, Höfen und Einöden." Doch was für ein Friede war das?! Deutschland verlor nicht nur Länder an die Feinde, sondern mußte auch Besatzung erdulden und sich vieler Rechte im eigenen Lande begeben. Ferner setzte Richelieu es durch, daß nicht das Reich, son­dern die einzelnen Fürsten, und zwar jeder für sich, Frieden schlösse; dieser teuflische Plan fand noch in der erbärmlichen Ichsucht vieler kleiner und kleinster Fürsten Unterstützung. Sie waren jetzt selbstherrlich, konnten Bündnisse schließen ohne Das Reich, durften, wenn es ihrem Eigennutz dienlich schien, in den Ländern der Feinde den Trotz stärken gegen den Kaiser und bedachten kaum, daß sie so in fremden Auftrag die alte Reichsherrlichkeit un­tergruben und schließlich zerbrachen.

Doch die edlen Kräfte in unserem Volke blieben wach, und Männer standen auf mit dem Schwur Des Hauptmanns Daxelhofen im Herzen:Nimmer, nimmer gegens Reich. Man denke an die Opitz. Gryphius, Zincgref, Schottel, Leibniz, Moscherosch und andere, die in Liedern und Schriften bemüht waren Dem Volke deutsche Sprache und Sitte und vor allem Die Selbstachtung zurückzugebem Weckher­lin Der während des Dreißigjährigen Krieges m England und Frankreich als Vertreter deutscher Be­hörden viele Jahre gewirkt und die Denkweise der Feinde aus nächster Nähe kennen gelernt hatte, schrieb 1648 den MahnrufAn das Teutschland!

Zerbrich das schwere Joch, Darunter du gebunden, oTeutschland, wach doch auf, faß wieder einen Mu , gebrauch dein altes Herz, und widersteht der Wut, Du dich und die Freiheit durch dich selbst über­wunden.

Straf nun die Tyrannei, die dich schier gar ge­schunden,

, und lösch doch endlich aus die dich verzehrende Glut, nicht mit dein' eignem Schweiß, sondern dem dosen

Blut,

fliehend aus deiner Feind und falschen Bruder ; 1 D Wunden.

Verlassend dich auf Gott, folg denen Führern nach, die sein' gerechte Hand will so Du willst, be­wahren,

zu Der Getreuen Trost, zu der Treulofen Rach'.

So laß nun alle Furcht und nicht Die Zeit hin­fahren,

unD Gott wird aller Welt, Daß nichts als SchanD und Schmach

des Feinds Meineid und Stolz gezeuget, offenbaren!

Durch den Westfälischen Frieden sollte Der als Bruderkrieg begonnene und als Raubkrieg fremder Mächte weitergeführte Dreißigjährige Krieg be­endet werden, wenigstens nach außen hin, Riche­lieu sorgte dafür, daß Die Zwietracht unter Den vielen kleinen deutschen Fürsten unD üßürDenträgern nicht zur Ruhe kam, und wo sich welche einigen wollten, warf er balD wieder einen neuen Zank- apfel hin; er gab ihnen Freiheiten und Würden, hatte sie dann aber um so fester in der Hand. Und es hat noch lange gedauert, bis das alte Reichdas schwere Joch" wirklich zerbrechen konnte.

Drosseln.

Ton Karl Scherer.

mal ausgeführl. Spielleitung Karl Volck. Bühnen» bild Karl Löffler. 17. Vorstellung der Mittwoch- Miete.

Treudienst-Ehrenzelchen für Lehrerinnen und Lehrer.

Der Führer hat als Anerkennung für treue Dienste den nachstehenden Lehrerinnen und Lehrern Das Treudi e nsteh r e n z ei ch en verliehen.

Das goldene Treu dien st ehrenzeicheit

Sepso-Tinktur statt Jod-Tinktur

Bekanntlich verursacht Jodtinktur häufig Ausschläge, Jodschnupfen sowie allgemeines Unbehagen und kann sogar Die wichtigen Funktionen der Schilddrüse nach­teilig beeinflussen. Zudem muß Jod gegen Devisen aus dem Ausland eingeführt werden. Deshalb empfiehlt es sich, zur äußeren Desinfektion und Wundversorgung an Stelle von Jodtinktur die seit 1927 ärztlich erprobte jobfreie Sepso-Tinktur zu gebrauchen, die keine schäd­lichen Nebenwirkungen hervorruft und ausschließlich aus inländischen Rohstoffen zusammengesetzt ist.. Wie an staatlichen Untersuchungsanstalten und Kliniken fest- gestellt wurde, besitzt Sepso-Tinktur, die Sie in allen Apotheken und Drogerien in Flaschen zu fünfundfünfzig Pfennigen und in Tupfröhrchen zu neunundvierzig Pfennigen erhalten, die gleiche Desinfettionskraft rote Jodtinktur.