yo. Jahrgang Ur. 284
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Gietzener Anzeiger
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vrüdlsche Untoerfttätsönideret B. tauge General-Anzeiger für Oberheffen eiefttnfsdiKlftraftt 7-9
Samstag, 30. Nov. / Sonntag, 1. Dez. 1940
flnnabmr von Anzeige«
Die Verwandlung Belgiens.
Don unserem Or. P.-Korrefpondenten.
Brüssel, 14. November 1940.
Gegenwärtig spielt sich in dem Lande der Maas lind der Schelde eine Umwandlung ab. Zugleich mit len deutschen Truppen ist an dem strahlenden Sonnentag des 10. Mai eine neue Zeit in Belgien lingezogen, die gebieterisä) verlangt, daß auch dieses Her Ordnung und Einordnung so abholde Land ch dem disziplinierten Neuausbau anpaßt. Wer eute durch die Straßen Brüssels geht, in den asseehäusern belgische Familien mit deutschen Soldaten ihr Bier trinken sieht, wer an den Kiosken te reichhaltigen Zeitungen sich kaust, die zum großen Teil von früheren Redaktionsmitgliedern dieser Rätter geschrieben sind, der muß seststellen, daß die age völlig anders ist als im vergangenen Zeltkrieg. Diese Erkenntnis schasst nicht nur bei enen, die sich selbst schon früher hier im Lande ls die Repräsentanten einer neuen Zeit empfanden, je Basis für eine bereitwillige, der gemeinsamen Zukunft dienenden Zusammenarbeit.
Trotzdem, diese Verwandlung Belgiens k o st e t Arbeit. Denn, wenn man davon ausgeht, daß iese den Bedürfnissen der breiten Volksmassen ge- >chtwerdende'Neuordnung ein unabwendbares Er- wdernis ist, dann ist sie besonders heikel einzu- ihren in einem Lande, in dem der Liberalismus is zur freien Willkür des einzelnen fo exemplarisch usgebildet war, wie in Belgien. In Belgien baute nan — wenn es einem gerade einfiel — Wolken- rafoer in einem Villenvorort, und es kümmerte den cuf sein Eigentumsrecht pochenden Besitzer gar licht, daß er damit das Gesicht dieses Villenvorortes frstörte. In Belgien war es üblich, daß- jeder sich ine Geschäftsstunden nach eigenem Belieben ein- jichtete. In Belgien schütteten Jndustrieunterneh- f.ungen eine Dividende von 30 bis 40 o. S). aus, röhrend in der Arbeitersiedlung des Werkes noch tzine Wasserleitung in die Häuser gelegt war. In Belgien dachte man christlich oder freisinnig-.sozia- kstisch oder konservativ, flämisch oder wallonisch, tnb nur darin war man sich einig, um Gottes wollen [eine Einigkeit in irgendeiner Beziehung aufkommen L lasten. In einem solchen Staat, in dem jede lbrigkeit als der Feind schlechthin angesehen wurdtz, ind von dem man zu dem Coburger Leopold vor jiiner Thronbesteigung gesagt hatte. „Sire, Sie erhalten ein regierungsunfähiges Land!", ist es nicht ,infach, „Ordnung" zu schaffen. -
Wenn diese Bemühungen zur Vereinheitlichung ^rtschreiten, so ist das u. a. aud) dem grauenhaften 1 Schauspiel zu bauten, das die entthronte Obrigkeit Ind ihr Verwaltungsapparat dem Volke in den agen nach dem 10. Mai gegeben hatte. Seit Be- inn des Krieges hatte Herr P i e r l o t und die einen dem Volke versichert, Belgien fei so aus- iszeichnet vorbereitet und organisiert, daß es in [tbern Augenblick die ernstesten Proben zu bestehen lermöchte. Als es dann wirklich zu der Probe, die man so leichtfertig heraufbeschworen hatte, kam, -j*2Ute sich heraus, daß nichts, aber auch gar mchts funktionierte. Für die Verwaltungsstellen, die Ile Aufgabe hatten,, die Zivilbevölkerung in Ruhe psammenzufassen, war der belgische Kriegsausbruch rur ein verzweifeltes „Rette sich, wer kann", wobei h der gewissenlosesten Weise von den besonderen kröglichkeiten der bevorzugten Stellung zum per-- snlichen Vorteil Gebrauch gemacht wurde.
Heute werden diese Fälle von den Gerichten ein- pi)enb untersucht und die Schuldigen, soweit man i'rer habhaft werden konnte, ihrer Strafe zuge- fihrt Alles Bestrafen kann aber nicht über die Schöben binroeqbetfen, die diese Schuldigen ange- rditet haben Vielmehr gilt es, durch eigene Tctt- Iraft und Initjative wiederautzumachen. Denkt \ hon daran zurück, daß es in Belgien noch im Juli mcht weniger als 600 000 Arbeitslose gab, daß die Nullen der insgesamt 1% Millionen Flüchtlinge litriiefftromten, die Fabriken leerstanden, d» Brücken inb Eisenbahnanlagen gesprengt waren, bann muß trän zugeben, baß in ber kurzen Zeit Erstaun- Ich es geleistet worden ist. Bereits an die
v H der Telephonanschlüsse sind wieder in Gang gesetzt worden, das Eisenbabnneß ist soweit trieberhergeftetlt, daß ein täglicher Fahrnlan nach o'Ien Teilen des Landes eingeboren werden kann, bie Arbeitslofenzahl ist auf 300 000 herabqefunfen eft alle Industrien haben ihre Tätigkeit wieder auf= jinommen die Bergwerke arbeiten weit stärker als ( zuvor Auch der sonstige Wiederaufbau der zer- tirfort Gebiete macht stetige Fortschritte. Die not- lk-ndiqen Baumaterialien w"rden durch Eingreifen bir Misi^ärverwaltuna beschafft
Natürlich waren diese Erfolge nur mit Maßnahmen zu erreichen, die den liberalen Gepflogen- b-^ten des Landes ein Ende machten Ein ftraffe \ 5 arftorbnunq wurde zur Sicherstellung der Ernäh- nng einaeführf Die Indnstrien und Gewerbe wur- bm in ein Korparatinsystem einaebaut bei dem stratliche Stellen für eine gleichmäßige Verteilung bir Rohstoffe, entsprechend- Ab^atzreqelung und ttmaue Festsetzung von .Höchstpreisen sorgen. Doch bii alledem bleibt es nicht. B-lgien soll, wie das md) non breiten Schichten seiner B-mobner oe-- v inscht wird, die neue Zeit und ihre Erfordernisse cm Grund auf begreifen und sich zu eigen machen Ku diesem Zweck wurde ein flämischer und th wallonischer Arbeitsdienst eingerichtet, in ! bim sich di- jungen Leute aller Stände in qemein- , ältlicher Werk- und Erüedungsarbeit kennen und oirftehen lernen können. Eine her Juden gesetz- IC* b u n g im Reich anaepaßte Verordnung des !s isitapbakeblshab-rs die die Juden aus d-ui öffent- liihen Leben ausichattet und sie in d-r Wirtschaft dier scharfen Kontrolle untersteht, führt den Bel- ?'*rn den praktischen Wert des Rastegedankens vor tilgen
Da die deutsche Militärverwaltung bemüht ist, stich in den Universitäten wieder einen geebneten A^beit-b-trieb etn3uf"'hren und gleichzeitig birt eine Atmosphäre zu schaffen, in der hie Stu
denten zum Denken in einer neuen europäischen Gemeinschaft erzogen werden, sind der Universität Brüssel, in der ebenso wie in den Universitäten von Gent, Lüttich und Löwen deutsche Professoren im kommenden Wintersemester Gastvorlesungen halten werden, ein deutscher Kommissar und Kurator beigegeben worden. Dieser kulturelle und. geistige Austausch zwischen Belgien und dem Reich ist keineswegs einseitig. Vielmehr.werden auch belgische Uni- versitätsprofestoren für Gastvorträge in Deutschland herangezogen. Belgische Schriftsteller, Journalisten und bildende Künstler unternehmen in Gruppen Studienreisen nach Deutschland, um sich von den dortigen Verhältnissen und der in den letzten Jahren geleisteten Arbeit mit eigenen Augen zu überzeugen Alle diese Einrichtungen, bie Berichte der aus Deutschland heimkehrenden Kriegsgefangenen, die Briefe der in Deutschland zur Zeit arbeitenden 70 000 belgischen Arbeiter, die Gastspiele deutscher Bühnen und Orchester in Belgien tragen dazu bei, die Beziehungen zwischen den beiden Nach-
Berlin, 29. Rov. (DJIB.) Nach beim Oberkommando der Wehrmacht vorliegenden INeldungen griffen in der Nacht zum 29. November deutsche Kampfgeschwader militärische Ziele in der roeffeng- lischen Hafenstadt Liverpool und in den benachbarten Dockanlagen von Birkenhead an. Die Angriffe erstreckten sich über mehrere Stunden. Die abgeworfenen Domren halten zahlreiche Explosionen und Brände zur Folge. (Ein deutsches Flugzeug wird vermißt.
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Der Angriff der deutschen Luftwaffe auf Liverpool hat mit dieser Stadt ein hervorragend wichtiges Zentrum der englischen Wirtschaft getroffen. Liverpool ist mit seinen 850 000 Einwohnern d i e viertgrößte Stadt Englands. Sein Hasen ist der zweitgrößte der britischen Insel und deshalb von lebenswichtiger Bsde-utung für England, weil über ihn die Versorgung des englischen Industriegebietes der Midlands erfolgt. Damit ist Liverpool die Houptversorgungsquelle für ein hochindustrialisiertes Gebiet, in dem rund zehn Millionen Menschen leben. Deshalb kommt über den Hafen von Liverpool ein Sechstel der gesamten englischen Einfuhr. Im Jahre 1937 wurden über Liverpool rund 11—12 Millionen Tonnen Güter bei einer Gesamteinfuhr Englands von rund 70 Millionen Tonnen importiert. Dabei standen Lebensmittel, Getreide, Genußmittel und Futtermittel
borvölkern zu festigen und Belgien, das in so vielen Dingen noch m der Gedankenwelt des 19 Jahrhunderts befangen war, in die Zeit zu versetzen, in der wir uns heute befinden.
Neu» dnung der belgischen Gemeindeverwallung.
B r ü s s e l, 29. Nov. (Europapreß.) In der „Brüs- feier Zeitung" veröffentlicht der der Militärverwaltung in Brüssel angehörende Ministerialrat Dr Jung einen Artikel über das Problem der belgischen Gemeindeverwaltung, bei der eine durchgreifende Neuordnung im Gange ist. Die Neuordnung bezieht sich vor allem auf eine gebietliche Neugliederung der großen Städte, die in Belgien feine Großgemeinden, sondern sog. Agglomerationen bilden. Beispielsweise bestehen im Raum von Groß-Brüssel 18 völlig selbständige Gemeindeverwaltungen nebeneinander Ministerialrat Jung weist darauf hin, daß eine großzügige kommunale Zusammenfassung ein dringendes Erfordernis fei. Auch die Ueberalterung der Gemeindeverwaltung müsse beseitigt werden. Es gehe nicht an, daß weiter eine so große Zahl 70- und 80jähriger Bürgermeister im Amt bleibe.
Angriff deutscher Kampfgeschwader auf Liverpool
Zahlreiche Explosionen und Brände auch in den Docks um Birkenhead.
Erfolgreiches Seegefecht am Westausgang des Kanals.
Der Wehrmachtbericht vomMttag.
Berlin, 29. Nov. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Deutsche Zerstörer unternahmen einen Vorstoß in den De st ausgang des Kanals bis dicht unter die englische Küste, hierbei kam es zu einem Gefecht mit englischen Zerstörern. Es gelang, zwei feindliche Zerstörer zu torpedieren. Andere deutsche Zerstörer versenkten an der englischen Südküste zwei Dampfer von 9000 und 3000 BRT. und zwei weitere kleine feindliche Fahrzeuge.
Die Luftwaffe fehle in der vacht zum 28. November und im Laufe des 28. November ihre Vergeltungsangriffe gegen kriegswichtige Ziele im Stadtgebiet von Loudon fort. Neue Brände und starke Detonationen wurden beobachtet.
Der Sieg unserer Zersiörer.
Zu dem Vorstoß deutscher Zerstörer gegen bie englische Küste erfahrt das DNB. folgende Einzelheiten: \
Der Gegner hat bie langen und unsichtigen No- vembernächte dazu benutzt, den Verkehr unter der englischen S ü d k ü st e in größerem Umfange wieder aufzunehmen. Aus diesem Grunde entschloß sich der Marine-Gruppenbefehlshaber West, Zerstörer gegen die wiederbelebten feindlichen Verkehrswege einzusetzen. Aehnliche Ueberlegungen führten bereits früher zu einem Vorstoß in bie f ü b = west englischen Seegebiete, bei dem — wie der OKW.-Bericht vor einigen Wochen meldete — ein feindlicher Kreuzer durch ein Torpedo getroffen wurde. Bei einem neuen Dor - st o ß einiger unserer Zerstörer unter dem Führer ber Zerstörer gelang es den Angreifern in ber Nacht zum 25. November, zwei vollbelabene feinbliche Dampfer von 9000 bzw 3000 BRT. zu versenken. Außerbem würben in der gleichen Nacht drei Bewachungsfahrzeuge vernichtet.
Durch diesen kühnen Vorstoß sowie'vurch frühere Unternehmungen gewarnt, zog der Gegner starke Streitkräfte am Westaus gang des
an erster Stelle. Liverpool ist auch ein wichtiger Einfuhrhafen für Erdöl. Die Jahreseinfuhr an Erdöl stellt sich auf fast 1 Millionen Tonnen, ferner war Liverpool früher als Holzeinfuhr- Hafen von größter Bedeutung.
Im Hafen- und Stadtgebiet sind charakteristisch die riesigen Getreidesilos und Lagerhäu- s e r. lieber ein Viertel der gesamten Lagerkapazität Englands für Getreide ist in Liverpool konzentriert. In den Speziallagerhäusern von Liverpool können 150 000 Ballen Wolle und 200 000 Fässer Tabak gelagert werden. Von großer wehrwirtschaftlicher Bedeutung sind bie Erböllager von 12 Hektar Größe.
Wichtig für bie Versorgung ist auch die im Gebiet von Liverpool beheimatete Margarine- i n b u ft r i e , rund ein Drittel ber gesamten englischen Friebenskapazität. In ber Nähe von Liverpool befindet sich bie größte englische Glas- s d) e i b e n f a b r i f. England konnte schon im Fr' • = den seinen Glaöscheibenverbrauch nur zu 75 v. *. aus eigener Erzeugung decken. Der riesige Bedarf, der sich im Kriege durch die Luftangriffe ergeben hat, kann natürlich nur zu einem ganz geringen Bruchteil befriedigt werden. Im Stadtbezirk von Liverpool ist auch die Rüstun-qsindustrie mit einigen Werken vertreten. Am wichtigsten dürften die Montagewerke für Flugzeuge sein. In diesen Werken werden insbesondere die Lockhead- Bomber montiert.
Stärkere Kräfte griffen in ber Nacht zum 28. November wie bereits gemeldet, Stadt und hafen- anlageu von Plymouth konzentrisch an und verursachten mehrere starke Explosionen, sowie größere und kleinere Brände. Außerbem würben Bahn- unb Inbustrieanlagen einer anberen größeren Stabt in Schottlanb wirkungsvoll mit Bomben belegt.
Fernkampfbatterien des Heeres unb ber Kriegsmarine beschossen auch gestern feinbliche Schiffe unb anbere Ziele im Raum von Dover.
Ja ber Nacht zum 29. November warfen mehrere britische Flugzeuge in Norb- unb Destbeutsch- lanb Spreng- unb Branbbomben. An einigen Häusern würben erhebliche Sach'chäben verursacht. Dachstuhlbränbe konnten bald gelöscht werden. Eine Bombe traf ein Reservelazarett. Die Verluste des Gegners betrugen gestern insgesamt 13 Flugzeuge, davon 11 im Luftkampf und 2 durch Flak- und Marineartillerie. Bier eigene Flugzeuge werden vermißt.
Kanals zusammen und glaubte dadurch eine ausreichende Sicherung gegen eine Wiederholung solcher Zerstörer-Raids geschaffen zu haben. Don neuem liefen deutsche Zerstörer aus und vernichteten in der Nacht zum 29 11. einen Schlepp- 3 u g und einen Dampfer mittlerer Größe. Dieses nächtliche Vernichtungswerk wurde in gespenstischer Weise durch starke, von riesenhaften Stichflammen durchzuckte Brände, die von dem bombardierten Kriegshafen Plymouth herrührten, beleuchtet.
Meyrere Stunden spater tarnen unsere Zerstörer mit einem stark überlegenen feindlichen Verba n d großer englischer Zerstörer ins Gefecht. Der Gegner drehte zum laufenden Gefecht auf, das sich auf Nordkurs entwickelte. Der eigene und der Gegneroerband liefen höchste Fahrt. Unsere Zerstörer schossen Torpedos. Um 6.44 Uhr wurde ein feindlicher Zerstörer neue ft er Baüart von 1900 Tonnen Größe, mit acht 12-cm-Geschützen bewaffnet, von zwei Torpedos getroffen, brach unter gewaltiger Feuerentwicklung auseinander und versank sofort. Ein anderer Zerstörer erhielt mittschiffs einen Volltreffer unb tarn sinkend außer S i ch t des mit hoher
Ausblick nach Hilfe.
Die Propaganda der britishen Regierung hat, soweit sie wenigstens für das Ausland bestimmt ist, seit einigen Tagen sehr spürbar die Tonart gewechselt. Dom selbstoewußten Dur eines sehr überzeugt klingen sollenden Illusionismus hat man sich neuer« dings auf ein recht jämmerliches Moll verlegt. Die für die wirtschaftliche Rüstung Englands zuständigen britischen Minister überboten sich geradezu in pessimistischen Aeuherungen über die Versorgungslage der britischen Insel und über die Möglichkeiten ber Fortführung des Krieges. Auch die Zensurbehörden lassen die Zügel lockerer, srellich nur für die Korrespondenten der nordamerikanischen Presie, die über die Auswirkungen der deutschen Bombardements sich nach Belieben informieren und die düstersten Stimmungsbilder nach Hause kabeln dürfen, während den Korrespondenten schwedischer, spanischer und portugiesischer Blätter immer größere Schwierigketten gemacht werden und die englische Presse selbst sich über die Knebelung ihrer Berufsarbeit bitter beklagt. Diese radikale Umstellung des britischen Propagandaapparats von rosenrotem Opti* mismus, der alle Einwirkungen ber deutschen Kriegführung bagatellisierte oder schlechtweg abstritt, zu melancholischer Schwarzmalerei ist selbstverständlich sehr wohl überlegt und hat ihren ganz' bestimmten Zweck. Man möchte die Vereinigten, Staaten zu einer schnelleren, direkteren und umfassenderen Hilfe veranlassen und bequemt sich daher zu so peinlichen Eingeständnissen, wie sie noch vor wenigen Wochen den Illusionspolitikern des Kabinetts Churchill um keinen Preis über bie Lippen gekommen wären.
Dabei müßen sie mit in Kauf nehmen, daß auf diese Weise auch das englische Volk über seine wahre Lage und das langsame Dahinschwinden aller Siegeshoffnungen erheblich mehr erfährt, als man bislang zu sagen für gut befand. Solange die deutschen Luftangriffe sich noch im wesentlichen auf London und die südlichen Grafschaften beschränkten, mochte es noch möglich fein, einen großen Teil des englischen Volkes über die verheerenden Auswirkungen der deutschen Luftbombardements im Dunklen zu lassen. Aber seitdem die deutsche Luftwaffe auch die Häfen der Westküste, die großen Industriezentren der Midlands und sogar schottische Städte in ihren Aktionsradius einbezogen hat, yilft alles Leugnen und Dertuscheln nichts mehr. Tag für Tag und Nacht für Nacht spüren immer größere Teile des britischen Volkes am eigenen Leibe, daß dieser Krieg in seiner letzten entscheidenden Phase auf ihrer Insel selbst ausgesochten wird und daß sie bereits in vorderster Frönt stehen. Zertrümmerte Docks in London, Plymouch und Bristol verhindern has Ausladen der wenigen Schiffe, die mit lebensnotwendigen Frachten aus Ueberfee sich durch die deutsche Blockade gestohlen haben. Gähnende Bombenkrater unterbrechen Sttaßenzüge und Schienenwege. Schwarze Rauchwolken liegen tagelang
Fahri weiterlaufenden Verbandes. Ansckließend entwickelte sich ein Artilleriegefecht auf Südkurs, das um 7.05 Uhr infolge Außersichtkommens der englischen Zerstörer abgebrochen wurde. Am Frettag gegen Mittag liefen unsere Zerstörer nach dem siegreichen Gefecht mit gesetzten Toppflaggen unversehrt in ihren Stützpunkten ein.
Englands Tonnagemangel.
Bauauftrag für 60 Dampfer in USA.
Washington, 29. Nov. (Europapreß.) Die in den Vereinigten Staaten weilende, britische Einkauf skommiffion hat mit einer nord- amerikanischen Werftengruppe einen Auftrag zum sofortigen Bau von 60 Frachtdampfern von je 8500 BRT. abgeschlossen. Der Auftrag beläuft sich auf 60 Millionen Dollar, die von England ba r bezahlt werden müssen. Die Lieferzeit für die 60 Frachtdampfer, die als Motorschiffe gebaut werden sollen, beträgt a ch t Monate. Für den Bau' der Schiffe werden stillgelegte Weltkriegswerften herangezogen. England will damit die seiner Handelsschiffahrt durch die deutschen U-Boote zugefügten erheblichen Verluste wenigstens zu einem Teil wieder auszugleichen suchen.
Oie Auffassung in Argentinien Fühlbare Schwächung der englischen Position.
Buenos Aires, 29.Nov. (Europapreß.) Die zunehmende Gefährdung, der britischen Schiffahrt durch die deutsche Lust- und Seeblockade, die nunmehr durch den britischen Appell an die Vereinigten Staaten zur Lieferung von Schiffen und durch die Unterhausrede Hore-Belishas offen zugegeben wird, beschäftigt Argentinien im Hinblick auf die bevorstehenden Verhandlungen mit der Mission Lord Willi n gd o ns, der nach Südamerika gekommen ist, um über eine Erweiterung des argentinisch-englischen Handels zu verhandeln. Man ist sich darüber klar, daß erweiterte Vereinbarungen ohne eine gleichzeitige Vermehrung der England zur Verfügung stehenden Schiffstonnage in der Luft hängen. Man führt den englischen Wunsch nach einer Steigerung der amerikanischen Lieferungen und die Bemühungen um den Erwerb amerikanischer Schiffe vor allem auf die zunehmende Vernichtung der Leistungskraft der britischen Industrie durch tue systematischen deutschen Luftangriffe zurück. Auch Berichte aus den Vereinigten Staaten besagen, daß die amerikanische Industrie vorläufig die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit erreicht hat. Beachtung findet auch die Vertagung der Kongreß-Der- Handlungen über die Frage der Kreditgewährung und der Lieferung von Schiffen an England. Aus allen diesen Tatsache^ glaubt man den Schluß auf eine fühlbare Schwächung der englischen Position ziehen zu können.


