Ausgabe 
30.11.1940
 
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Der Ausverkauf -es Empire

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Hoorn herum einen Flottenstützpunkt zu sichern. Ar. sind heute nach Mitteilung des OKW. 7,2 Millianen gentinien hat auf diese Inselgruppe, deren Name BRT. versenkt, etwa soviel wie im Weltkrieg Mitte TI l»* HMrt *71 a 1111 a Init t ll ntt v- fix n am IIm^awa am a 1 *7 A ff« 2. ! ft _ < . r * * « # . < .

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Liverpool im deuischeu Bombenregen

Don Kriegsberichter A Rlchardi.

(PK.).....30. Noo. (DNB. Funkspruch.) Eine

klare Sternennacht breitet ihren blause.denen Schleier über das stille Land, als Masch.ne auf Ma­schine über die zitternde Grasnarbe eines Einlatz- flug-hafens in Frankreich hinwegfegt zu neuen An- griften gegen England. Staffel auf Staffel und Gruppe auf Gruppe startet, volldeladen mit der töd­lichen Fracht. Höher und höher schrauben sich die Maschinen. Gleichmäßig donnern d e Mytoren ihr Lied in die Nacht. Angespannt sitzt dis Besatzung des Bombers an ihren Instrumenten. Sie fühlt kaum die 25 Grad Kälte, die bissig in die Maschine hereintritt.

An Southampton vorbei wird Kurs nordwärts genommen. Der Tommy scheint heute zu schlafen. Nur an vereinzelten Stellen tupft die Flak stärker ihre feurigen Sprengwölkchen in Den nächtlichen Himmel. Die Sicht wird langsam schlechter, Wolkenvorhänge schieben sich zwilchen Maschine und Boden.

Da leuchtet schon von weitem der W i d e r s ch e i n eines riesigen Brandherdes auf.Das muß Manchester sein", meint der Bombenschütz«, wo vor zwei Tagen die Unserigen hineingehauen h:ben." Die Feuerwolke wird größer und größer. Wie ein roter Mantel liegt sie um die Stadt, ausgezeichneter Orientierungspunkt für die anflie­genden Maschinen. Doch diesmal gilt ihr Besuch einem anderen Ziel: Liverpool, Englands wich­tigster Einfuhr- und Umschlaghafen mit seinem aus­gedehnten Industriegebiet soll diesmal die Wirkung deutscher Bomber spüren!

Flackernder Feuerschein aus der Tiefe, und die Instrumente lassen keinen Zweifel, die Maschi­nen sind über Der Stadt. Die Maschine liegt setzt in der für den Bombenabwurf richtigen Höhe. Noch einmal überprüft der Bombenschutze fcFn Bombenvisier alles in Ordnung. Mit einem Griff öffnet er die Bombenschächte, und befreit von den stählernen Klammern rauscht die Fracht nach unten. Wild trudeln die Bomben durch die Luft, torkeln in die Tiefe.

Nach Bruchteilen von Sekunden blitzen kleine Lichtfünkchen auf. Und dann steigt eine Feuer* fontäne nach der anderen gegen den Him­mel. Serienweise werden die ausgemachten Ziele mit Bomben schweren und schwersten Kalibers zu­gedeckt. Serienweise pflanzt sich der Feuerorkan der explodierenden Bomben durch die langen Zeilen der Fabrik- und Hallenanlagen fort. Volltreffer auf Volltreffer in Englands wichtige Dersorgungsbe- triebe!

Die Flak unten scheint nervös geworden zu sein, aus allen Rohren jagt sie einen Hagel von Ge-

1917, also nach drei Jahren Kriegführung. D bei fällt diesmal erschwerend ins Gewicht, daß Eng- land nun weder die italienische noch die japa­nische ober amerikanische Handelsflotte zur 23en fiigung steht und daß es, da die nahegelegenen Der- forgungsgebiete wie Norweaen Dänemark und Hol­land nach der Besetzung dieser Gebiete, die rund ein Drittel des britischen Bedarfs an Lebensmitteln und einen nicht viel gerngeren Prozentsatz an in» dustrieilen Rohstoffen lieferten, ausfallen, nun auf die Zufuhren aus Ueberfee angewiesen ist, für die es ein Vielfaches an Schiffsraum, Zeit und Fracht­kosten aufwenden muß. Auch das System der Ge- leitzüge, auf das Enaland wie einst im Weltkrieg seine ganze Hoffnung setzte, hat sich gegen die deut- schen U-Boote und Bomber als ein nur unzuläng. kicher Schutz erwiesen. Es leidet daran, daß immer erst eine hinreichend große Zahl von Handelsdamp- fern Zusammenkommen mutz, um die Begleitung durch Kriegsschiffe zu rechtfertigen. Bei dem gro- tzen Verlust an Zerstörern müssen immer umfang­reichere Geleitzüge ju^ntmengefteUt werden. Solche mit 70 Schiffen statt der normalen 20 bis 30 sind heute keine Seltenheit mehr, wobei bann das lang- fam'te das Tempo angibt, nach Mitteilung des Ma- rinesachverständigen desManchester Guardian" nur etwa 8 Knoten in der Stunde. So ist dieser Konvoi ein überaus schwerfälliger Apparat, der gegen Angriffe von U Booten und Bombern äußerst empfindlich ist, zumal immer weniger Zerstörer und Hilfskreuzer zu seinem Schutz zur Verfügung stehen.

Deshalb ist es für die britische Schiffahrt em b^onbers harter Schlag, baß die deutsche Seekrieg- führung ihren Aktionsrad.us a' f ber meist b-fa^re» ncn Norbatlanti-kroute in die Gewässer weit west« sich Irland ausdehnte und daß e nzeln fahrende brb ti che Schiffe sowohl tm Südattantik wie sogar im Indischen Ozean aus ihrer beschaulichen Rahe durch schneidige deutsche Krisgs'chifte unsanft aufgeschreckt wurden. Mit dem 9430 BRT großen Frachter Port Hobart" der Dort-Sinie, Der mitten im Atlantischen Ozean, 500 Meilen von Puerto Rico, von einem deutschen Handelsstörer angehalten unM

versenkt wurde, ber 10 612 BRT faffenbenPort Brisbane" und dem etwas kleineren Dampfer Maimoa", die im Indischen Ozean, schon in austra­lischen Gewässern, das gleiche Los ereilte, ist den deutschen Seeleuten, die hier Tausende von Meilen von der Heimat entfernt die stolze Flagge ber deut­schen KriHsmarine zeigen, ein besonders lohnender Fang gelungen, denn alle drei gehören zu den Empire food Ships", besonders wertvollen Kühl- sch.ffen zur Beförderung von Lebensmitteln aus dem Empi-ke nach England, einer Fracht also, nach der man auf ber blockierten englischen Insel heute von Tag zu Tag sehnsüchtiger ausschaut. So reicht der Arm ber beutschen Seekriegführung weit hinaus auf bie Weite ber Ozeane und kein Geleitsystem vermag die Meerstraßen für d e Zufuhren Eng­lands aus Ueberfee offen zu halten. Damit lockert ich auch der Zu'ammenhalt des Empire. Die Äon» erenz ber um den Indischen Ozean gelegenen briti- chen Dominions und Besitzungen in Delhi zeinte chon, wie sehr die Telle des Empire diese Verein- amunq Spüren und das GeMhl haben, auHl-h 'elbst angewiesen zu sein, wenn sie sich nicht Amerika in di« Arm« werfen wollen.

, Dr Fr. W. Lange.

Zerschlagener Flottennimbus.

Die Voraussage des bekannten englischen Mili» tarichriftstellers Liddel Hart, im Kriege habe England gegenzwei erstklaffige gfotten ju kämpfen, war auf Grund der Tatsache «»nacht worden, daß der Nimbus der Unuberwinolichkeit feit Skagerrak von ber englische Flotte gewichen Di« Briten verloren in jener Schlacht gegenüber ber beutschen Kriegsflotte doppelt so viel Schiffe und Mannschaften, di« englische Armada zog sich bann nach Scapa Flow zurück, wurde dort gewisser» maßen eingekapselt und blieb alsk eet in bemg** weit vom rvchuß. Dor dem Weltkriege halte Eng» lanb eine Flottenoerständigung mit Deut'chlanb auf der Grundlage 16:10 abgelepnt, nach dem Welt- kriege mußte es auf der^Wa/hingtoner Flottenkon» ferenz den Vereinigten Staaten die Gleichberechti» gung zuerkennen. Damit war ein Axiom Der bri­tischen Seeherrschaft zertrümmert

Als dieser Krieg ausbrach, floh die englisch- Flotte hn Mittelmeer hastig von Malta nach Ale- ranbrien, bie englisch« Heimatflotte erlitt in Scapa Flow durch deutsche Flieger starke Derkuste. Die Besetzung Norwegens war eine direkte Folge der englischen Flottenschwäche, bie bie deutschen Trup. pentransporte nicht hindern konnte. Churchill mußte einen namhaften Verlust nach dem andern ver» buchen. Mit der Beherrschung ber Küsten vom Nordkap bis zum Golf von Biskaya burch Deutsch­land und der Gefährdung ber englischen Ssepofiton im Mittelmeer ist auch bie Seelage für bie Briten äußerst gefährdet worden. Neben der deutschen Luftwaffe beherrscht jetzt die deutsche Kriegs­marine durch ihre U-Boote den Raum um Eng­land bis tief in den Atlantik hinein, und die ehe­dem so stolze englische Flott/ muß sich in vergeb- liehen Versuchen erschöpf en, bie Hanbelsdampser gegen beutsche U-Bootangrisse unb Attacken an­der Luft zu verteidigen.

Die Seegefechte der letzten Tage zeugen davon, daß die Secstrei-tkräfte der Achsenmächte den Kampf nicht nur nicht fürchten, sondern ihn geradezu sucyen unb siegreich bestehen. Am Westausgang des Kanals find d e u t s ch e Z e r st ö r e r auf den Feind gestoßen und haben zwei englische Zerstörer tor­pediert, während an anderer Stelle mehrere eng­lische Dampfer versenkt wurden. Dabei sind unsere Zerstörer vollkommen unbeschädigt geblieben. Der Angriffsgeist unserer Blaujacken hat also einen weiteren Siegeswlmpel errungen, unb zwar wieder­um in einem Seegebiet, bas bcn beuffdkn lieber- wasserstreitkräften während des ganzen Weltkrieges verschlossen geblieben war! Das einst die Wogm beherrschende Albion wird diesen neuesten Kummer zu den übrigen Fehlschlägen legen müssen, die sein ehedem so arrogantes Gesicht in tiefe Sorgenfalten gelegt Hadem

Die Unzulänglichkeiten der englischen Taktik zur See können durch Prahlereien der englischen Presse nicht ersetzt roerö.n. Die geschwollenen und verloge­nen Auslassungen über di§ italienische Flotte bei- svielsweise, die angeblich immer vor den englischen Kriegsschiffen floh, konnten die Tatsachen nicht aus ber Wett schäften, daß die italienische See­macht bas Mittelmrer in zwei Teile zerschnitten und den Durchgangsverkehr Der Handelsschiffe un­terbunden hat. Vergeblich versuchten die Briten, einen Luftangriff auf Tarent zu einem großen englischen Flottensieg emporzuschwindeln. Die Antwort tarn schnell und für die Großmäulig­keit der Briten sehr überraschend. Italienische Kriegsschiffe griffen eine englische Armada b e i Sardinien an, unb im Zusammenwirken mit der Luftwaffe gelang es ihnen, den Engländern eine unzweifelhafte Niederlage beizubringen. Die Ita­liener verloren nur einen Zerstörer, ber schwer be» schäbigt abgeschleppt werden mußte, während die Briten Beschädigungen an zwei schweren Kreuzern erlitten, ferner durch Fliegerbomben schwere Hava­rien an einem Flugzeugträger, einem Schlachtsch ff und einem Kreuzer.

Dank ber Schnelligekit ihrer an Tonnenzahl un­terlegenen Schiffe und der Ueberlegenheit ihrer Vomier haben unsere Verbündeten einen Erfolg erzielt, ber Churchill gewiß schweren Kummer be­reiten wird. Er hatte noch vor einigen Wochen zu­sammen m t bem Ersten Lorb ber Admiralität Alexa-der geprahlt, Im Mittelmrer hätte bie eng­lische Flotte das Uebergewicht errungen, unb billge Mtzchen daran geknüpft. Daß d'e italienische Kriegs­flotte loszuschlagen weiß, den Feind zu stellen und zu schlagen Der mag, dafür ist das Gefecht bei Sar­dinien ein glänzenoer Beweis. E. S.

schossen hoch. Wie Gummibällchen umhupfen die berstenden Granaten bie Maschinen. Aber unbe­irrt steuert ber Flugzeugführer seinen Kurs, un­beirrt läßt der Bombenschütze feine Labung ab­wärts trudeln, Feuerschein lodert zu den Wolken empor. Blutrot leuchtet bas Fanal der Vernichtung am nächtlichen Himmel.

Noch einmal hebt bie Maschine eine Kurve über ber Stätte ber Vernichtung, bann dreht sie ab auf Kurs Heimat. Und während sie und alle geftarteten Maschinen wohlbehalten auf ihren Einsatzyäfen lan­den, sind schon andere Kameraden unterwegs, das begonnene Werk der Zerstörung fortzuführen, sind schon auf den Kommanbostellen die Einfatzbc,'?hle für den nächsten Angriff fix unb fertig ausgearbei» tet, sinb schon »ieber bie Männer des Bobenper» fonals an der Arbeit, neue Maschinen zu Überholen unb startfertig zu machen. Pausenlos rollen bie Vergeltungs- und Dernichtungsangrifte gegen Eng- lanb.

Londons Eingeständnis.

London, 29. Nov. (Europapreß.) Amtliche eng» lische Stellen bestätigen, daß Liverpool in der Nacht zum fireitag bas Ziel ununterbrochener unb stundenlgnger deutscher Angriffe gewesen fei. Zum erstenmal wurde unmittelbar nach Beendigung eines deutschen Großangriffs der N a m e ber angegriffenen Stabt genannt Im Falle Coventry, Birmingham unb Bristol bauerte es einige Tage, ehe sich bas Informationsministerium bereiterklärte, bie Namen für die Oeftenttichkeit frei- zugsben. Im Falle Liverpool geht man sogar so weit, einzuräumen, daß Welle über Welle deutscher Maschinen trotz heftigen Abwehr­feuers über bie Stadt erschien, und bafj überaus niele Brände entfacht wurden. Di« Brände tobten noch in den Morgenstunden des heutigen Tages. Die Zahl der abgeworfenen Spreng­bomben w'rd als ebenso groß bezeichnet wie die der ab-gemorfenen Brandbomben. Es w'rd er­klärt, daß die ersten deutschen Maschinen fast aus­schließlich Brandbomben abgeworfen hätten, wo­durch riefige Brände entstandm feien, d e den nach­folgenden Angreifern als Zielpunkte hätten dienen können. Außer Livervool sind zahlreiche andere Mersey-Städte angegriffen wor­den. Es wird erklärt, daß der Nordwesten des Lan­des in ber vergangenen Nacht außergewöhn­lich schwer gelitten hat. Der Luftalarm in London bauerte ebenfalls wieder mehrere Stundm. Deutsche Maschinen gingen erneut zu heftigen An­griffen über.

für uns Deutsche teuer ist durch den Untergang des Kreuzergeschwaders des Grafen Spee nach hel- denmüttgem Kampf gegen einen weit überlegenen Feind, niemals verzichtet, und es wird zweifellos in Washington ein sehr energisches Wort mitreben, wenn England jetzt, der Not gehorchend, daran­gehen sollte, auch die Falkland-Inseln abzustoßen, um von den Bereinigten Staaten ein paar alt« Kähne loszureißen. Aber fei bem, wie ihm wolle, mögen bie Amerikaner bie Notlage Englands für ein neues Schachergeschäft ausnützen ober trotz ber lehrreichen Erfahrungen, die sie im Weltkrieg haben machen müssen, ber Versuchung erliegen, ihr gutes Geld in ein schon verlorenes Unternehmen zu stecken, für uns ist bas Wesentliche an diesen Lamentationen Lord Lochians, daß sie, auch wenn man ihren Zweck in Rechnung stellt, doch ein über­aus bezeichnendes Schlaglicht auf bie wahre Lage Englands werfen, denn es muß schon wirklich bitter um England stehen, wenn die in London regierende Plutokratenkaste sich zu einer Propaganda ent­schließt, bie nicht nur Das eigene Volk zutiefst be­unruhigen muß, sondern auch möglicherweise in der amerikanischen Öffentlichkeit bi« gegenteilige Wirkung Hervorrufen kann, wie angeftrebt wird. So ist dieser Entschluß ber beste Beweis für bie Richttgkeit unserer Kriegführung, bie im Luftkampf w'.e mit ber Blockabe England dort trifft, wo es am verwundbarsten ist, in seiner eigenen Rüstungs- wirtschaft und in feiner Versorgung von Ueberfee.

über den zerstörten Oeltanks, Gespenstische Trüm­mer von Fabrikanlagen unb Wertstätten aller Zweige ber Rüstungsindustrie in Coventry und Birmingham find Zeugen der vernichtenden Durch, fchlagskrast deutscher Bomben. Aber nicht nur hier an den Hauptangriffspunkten ber deuftchen Luft­waffe ist mit ber Zerstörung der wichtigsten Pro- duktionsstätten je-be Arbeit lahmgelegt, wie bisher schon in London, so verbringt nun in einem immer größeren Teil des Landes, vor allem in den stark industrialisierten Grafschaften Mittelenglands bie Bevölkerung Tag für Tag und Nacht für Nacht viele Stunden in den Luftschutzkellern, so daß auch für sie eine geordnete und planmäßige Arbeit im­mer unmöglicher wird. Dazu kommt, daß die bri- tische Kriegswirtschaft nicht nur in bezug auf die Lebensmittelversorgung, sondern fast ebenso sehr in der Versorgung mit industriellen Rohstoffen in großem Ausmaße von den Zufuhren aus Ueberfee abhängig ist. Man hatte nach ber Vernichtung ber Dostanlagen in London unb den Kanalhäfen ver­sucht, diese Zufuhren aus Ueberfee zu den Häfen der britischen Westküste zu dirigieren. Aber die schweren 6d)läge auf Bristol und Liverpool-Bircken- head hoben gezeigt, daß auch die Westhäfen keines, roegsi unerreichbar für den Zugri', der deutschen Luftwaffe- sind, was für bie britische Kriegswirt­schaft doppelt schmerzlich ist, weil sie nicht nur nächst London die wichtigsten Ausgangspunkte für das Verteilersystem der Nahrungsmittelversorgung des Landes sind, sondern auch Sitz bedeutender Zu­behörindustrien für die Rüstungs^abrikation. So ist es verständlich, daß man in London immer sehn­süchtiger nach den Vereinigten Staaten Ausschau hält und daß grabe in diesen Tagen des Zusam­menbruchs einer neuen Illusion die britischen Plu. totraten immer dringendere Hilferufe über den Atlantik richttn.

Zu ihrem Dolmetsch hat sich vor allem ber bri- tische Botschafter in Washington, Lord Lothian, gemacht, ber nach Rückkehr von einer Informations­reise in die Heimat in gerabezu sensationellen Wen­dungen die kritische Lage ber belagerten Insel ge» schildert hat. Er hat besonders Englands Bebarf an Kriegsmaterial, Munition und vor allem an Schiffen heroorgehoben und babei mit überraschen» der Offenherzigkeit erklärt, die Bestände der eng» tischen Guthaben in den Vereinigten Staaten seien durch die umfangreichen Käufe von amerikanischem Kriegsmaterial so zusammengeschmolzen, daß Eng­land nun kein Geld mehr habe, weitere Käufe zu tätigen unb daher aiH die Gewährung von Kre­diten angewiesen sei. Nach Angaben des Londoner Daily Telegraph sollen Die englischen Dollargut­haben bei Kriegsbeginn 558 Millionen unb sonstige Guthaben 500 bis 600 Millionen Pfund betragen haben. Diesen insgesamt runb 1100 Millionen P'und sollen Kaufverträge über Lieferungen für mehr als eine Milliarbe Pfunb gegenüberstehen, die die brittsche Einkauiskommission mit amerika» Nischen Firmen abgeschlossen hat. Mögen diese Zah­len nun ihre Richttgkeit haben oder mag Lord Lokhian übertrieben haben, als er den amerikani­schen Journalisten erklärte, die britischen Guthaben in USA. seien erschöpft, der Zweck dieser allen bisherigen Jllusionsphrasen ber Churchillschen Pro- paganba ins Gesicht schlagenden Eingeständnisse ist klar. Man will Englands Freunden in USA. das Stichwort geben zu einem Sturm gegen die Hinder» nisfe, die heute noch einer Kreditgewährung für weitere amerikanische Lieferungen an England im Wege stehen. Das ist einmal Roosevelts Neutrali- tötsakte, die mit ihrer berühmt gewordenen cash and carr/.-Klausel Lieferungen an Kriegführend« nur gegen Barzahlung und bei Abholung auf eige­nen Schiffen gestattet, eine Klausel, die einst mit dem Hintergedanken formuliert worden war, daß zwar nicht Die autoritären Mächte, wohl aber die westlichen Demokratien und vor allem England dank seiner großen Guthaben in USA. unb dank feiner Riesenhandelsflotte sehr wohl in der Lage sein würden, diese Bedingung für amerikanische Kriegsmateriallieferungcn zu erfüllen. Daß dies schon nach einem Jahr deutscher Seekriegsührung nicht mehr zutreffen würde und England heute trotz des skrupellosen Raubes der norwegischen, hol­ländischen, belgischen, französischen und griechischen Handelsflotten nach den gewiß unverdächtigen An­gaben des britischen Schiffahrtsministers in bezug auf die ihm für feine überseeischen Zufuhren zur Verfügung stehende Tonnage so dasteht wie 1917, das hat man sich in Washington freilich niemals träumen lassen.

Zum andern steht einer Kreditgewährung die Johnson-Akte entgegen, die Kredite an solche Staa­ten verbietet, die ihre Schulden aus dem Weltkrieg noch nicht bezahlt haben. Das weckt höchst peinliche Erinnerungen an eine Episode der amerikanischen Außenpolitik, die in ihren verheerenden Auswir­kungen auf die amerikanische Wirtschaft bem ame­rikanischen Steuerzahler heute noch schwer im Magen liegt. Nach ben Angaben der Deutschen diplomatisch-politischen Korrespondenz kostete näm- lich bie^lBeteiligung der Vereinigten Staaten am Weltkrieg sie eine innere Verschuldung von runb 25,7 Milliarden Dollar. Dazu kamen unbezahlte Kriegsschulden der Alliierten in Höhe von runb 12,2 Milliarden und weitere 15,1 Milliarden an unbezahlten Schulden des Auslandes, bie in Aus­wirkung des Krieges eingegangen waren. Aber ba- mit nicht genug. Die großen Verluste durch die Wirtschaftskrisis im Herbst 1929, die Preisstürze von Rohstoffen und Nahrungsmitteln, die Agrar­krise, die heute noch unvermindert anbauert, die zahlreichen Zusammenbrüche wirtschaftlicher Unter­nehmungen, die gigantische Arbeitslosigkeit, die wachsenden Steuern, bas Darniederliegen des Außenhandels infolge des Zusammenbruchs des internationalen Währungs- und Kreditsystems haben der amerikanischen Wirtschaft Wunden geschlagen, an denen man heute noch herumdoktert, ohne sie heilen zu können. Die Wiederholung eines so kost- spieliaen Experiments sollt« die Johnson Akte ver- hindern, gegen die nun Englands Botschafter in Washington mit seiner Grau in Grau malenden Propaganda einen Feldzug entfesseln möchte.

D^ Widerhall, den die englischen Klagelieder in ber amerikanischen Oeftenttichkeit gefunden haben, ist freilich nicht gerade vielversprechend für die Wünsche der Londoner Plutokraten. Man hat an­scheinend in USA. an dem famosen Zerstörer­geschäft Geschmack gefunden und wirft begehrlich« Blicke auf weitere britische Besitzungen im Atlantik, die man im Tausch gegen veraltete Schilfe oder anderes ausrangiertes Kriegsmaterial aus der Kon­kursmasse des Empire an sich bringen möchte. Ja­maika, bie Perle ber britischen B.'sitzungen in West» indien unb eine ber ältesten Kolonien ber britischen K^one überhaupt, wird ebenso genannt wie die ber Südspitze des füdamerikanischen Kontinents vorge- lagerten Falklandinseln, die England 1333 troh ber wohlbegrünbeten Ansprüche Argentiniens in D sitz ' nahm, um sich auch Hier am Ausgang zum Süd» polarmeer unb an einer bamals noch oielbefahre- nen Schiffahrtsstraße um das berüchtigte Kap

Wie sehr bie Blockabe geeignet ist, bie Versorgung ber brit.schen Insel mit ben lebensnotwendigsten Dinaen empfindlich zu stören, zeigt eine verglei­chende Betrachtung, bie Konteradmiral Gabow über den Handelskrieg im Weltkrieg und heute an- stellt. England trat diesmal mit einem gegen 1914 um 1,2 Millionen BR.T geringeren egenen Be- stand an Handelstonnage in den Krieg ein. zu die­sen 15,8 Millionen BRT., von denen 12 Millionen für die Landesversorauna verfügbar waren, tarnen runb 20 Millionen BRT. Schiffsraum ber nor­dischen und Westeuropa schen Lanber sowie Grie­chenlands, den England sich angeeignet hat. Davon

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