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Rubens und Helene Fourment Don Ernst von Aiebelschüh.

Die 300. Wiederkehr des Tages, der die füb- lichen Niederlande ihres bis heute größten Künst­lers beraubte, weckt auch die Erinnerung an die holde Gestalt, die seine letzten Jahre oegleitete: Helene Fourment, seine Zweite Gattin.

Die neuere Malerei hqt den Weg Aur Frau erst spät gefunden. Zumal das Porträt hat die eben- mäßige weibliche Schönheit eher gemieden als ge­sucht und den schärferen und ausdrucksvolleren Zügen des männlichen Modells entschieden den Vorzug gegeben. Erst im 17. Jahrhundert ist das Gleichgewicht annähernd hergestellt, wiewohl es auf- fällt, daß die Frau noch immer Mühe hat, sich als Charakter neben dem Manne au behaupten.

Bezeichnend dafür ist die umfangreiche Porträt­galerie des Peter Paul Rubens. Er hat sehr viele unverwechselbare Männer gemalt, vor seinen Frauenbildnissen aber hat man leicht den Eindruck, als seien sie alle nach einer gemeinsamen idealen Vorstellung entstanden. Es ist der Typus des üppigen, gebärtüchtigen Weibes, es ist die müt­terliche Fülle und Spendekraft der voll erblühten Frau, bei deren Anblick man an alle guten Gaben der Erde, an wogende Kornfelder und herbstliche Trauben erinnert wird. Flandern und Brabant mit ihren fetten Poldern und wohlgenährten Städten sind noch heute reich an solchen Gestalten. Unter ihnen ist Rubens ausgewachsen, und wir dürfen glauben, daß sich in seiner Phantasie ein Ideal­bild weiblicher Schönheit schon frühzeitig gebildet hat, tonne vor jener Sternenstunde, wo es in der Gestalt der Helene Fourment in sein Leben trat.

Eine Sternenstunde muß es gewesen sein, als der 53jährige, bereits von der todbringenden Gicht bedrohte Mann «diesem noch nicht siebzehnjährigen Mädchen begegnete, das von der Vorsehung be- stimmt war, unter ein ruhmgekröntes, an innerem Glück und äußeren Erfolgen überreiches Leben das Siegel der Bestätigung zu setzen. Seit vier Jahren fehlte dem Antwerpener Paläste des Rubens die Hausfrau: 1626 hatte ihm der Tod feine Isabella Brandt genommen, die Gattin seiner Jugend und Mutter seiner beiden Knaben. Seine Klage über ihre?» Heimgang klingt nicht nach einer leiden­schaftlichen Liebe. So viel ist gewiß: man könnte sich die erste Gattin zur Not aus Rubens Leben yinwegdenken, die zweite nicht. Denn als Helene

in feinen Gesichtskreis trat, war es wie ein Finger­zeig des Schicksals: diese soll dir eine zweite Jugend schenken, in der Spanne eines Jahrzehnts wird sie dich segnen und deinem Werke die Vollendung ge­ben!

Von den Lebensumständen Helene Fourments ist nicht viel zu berichten. Ihr Vater war ein ange­sehener Bürger in Antwerpen, sie selbst die jüngste von sieben Schwestern. Noch bevor Rubens daran denken konnte, Helene heimzuführen, war er häufig Gast der Familie. Erst zu Beginn des Jahres 1630 warb er um die eben dem Kindheitsalter entwach­sene Helene und im Dezember fand die Hochzeit statt.

lieber das Aeußere der jugendlichen Gattin be­lehren zahlreiche Bildnisse. Anmut und Liebens­würdigkeit verbinden sich in ihnen mit jener frühen körperlichen Formenreife, die unseren heutigen An- schauungen vonLinie" so wenig entspricht, daß wir Mühe haben, das hundertfach bezeugte Wohl­gefallen der damaligen Zeit an Ueppigkeit des Rubenfchen Frauenideals ganz zu verstehen. In dem Brabant des 17. Jahrhunderts galt Helene nach dem Urteil eines so erfahrenen Frauenkenners wie des Kardinal-Jnfanten Ferdinand fürdie schönste von allen Damen Antwerpens".

In Rubens Spätwerk ist Helene alles in einem: Gattin und Gelebte, die Mutter feiner Kinder und in jeder dieser Eigenschaften das immer wie­derkehrende und im Grunde einzige Modell in den Bildern dieses fruchtbaren Jahrzehnts von 1630 bis 1640. Aus allen Bildnissen Helenes spricht das wiedergefundene Glück des Mannes und des Künst- lers. Er malt sie allein oder mit den Kindern, meist in großem Format und in ganzer Figur, er faßt sie wie ein Juwel in kostbare Stoffe, ober er schildert die Freude am Gedeihen von Haus und Hof in dem herrlichenSpaziergang" in München, wo sie zusammen mit dem Knaben aus Rubens erster Ehe sich in der edlen Gepflegtheit eines selbstgeschaffenen Anwesens ergehen.

Wir stolz er auf ihren Besitz ist, lassen neben den Porträts auch die zahlreichen Bilder biblischen und mythologischen Inhalts ahnen, in denen sie mit der ganzen herrlichen Unbefangenheit des Wei- des, das feinen Preis kennt, nun all die Glanz­rollen spielt, um die sich doi ihrem Triumph die berühmten Kurtisanen von Mantua, Paris und Antwerpen gerissen hatten. War sie gestern die Mutter Gottes, so ist sie heute Batyseba oder Su° fanna, und mit der gleichen Selbstverständlichkeit

Italienische Stimmen zur Kriegslage

gicns bedeutendster Kanalhafen Ostende in deut­scher Hand. Brügge hat durch die Versandung sei-

!nes Seehafens feine Stellung als bedeutendste Han- * als die Westmächte Polen, Norwegen und Holland

Nicht die Weltmächte, sondern Belgien sei ver­raten worden, so schreibtPiccolo", nicht anders

Hölze, dichte Hecken, Teiche und Moore. So sieht das Schlachtfeld aus, auf dem wiederum deutsche Truppen den Engländern gegenübergetreten sind und ihnen diesmal die vernichtende Niederlage an- getragen haben. Das gleiche Schlachtfeld, der gleiche heldenmütige Einsatz deutscher Soldaten in Fich- rund und Truvpe, und doch, welch ein Unterschied zwischen damals und heute. Im Herbst 1914 wogte die Ypernschlacht vier lange Wochen hin und her, ohne eine Entscheidung zu bringen, und versackte schließlich in jahrelangem, unendlich opferreichem Stellungskrieg, ohne strategisch einen Ausweg aus der Verkrampfung zu bieten, denn weder die Flan- dernschlacht 1917 noch die Frühjahrsoffensive 1918 vermochten die Erstarrung der Fronten zu lösen und den Bewegungskrieg erneut zu entfesseln. Heute ist in wenigen Tagen die strategische Ent­scheidung gefallen, erzwungen durch eine geniale deutsche Kriegführung im vorbildlichen Zusammen­wirken aller Waffen, die Briten und Franzosen voneinander trennte und jeden für sich in engem Raum einzukesseln vermochte. Nimmt man einmal den Zirkel zur Hand, um zu versuchen, sich auf der Karte ein Bild von der Begrenztheit dieses Rau­mes zu machen, so ergeben sich nur wenige Qua­dratkilometer, südlich von Lille mögen es etwa 15 bis 20 Quadratkilometer fein, auf denen die französischen Armeen aufgerieben wurden, an der Yser sind es wenig mehr, auf denen das britische Expedittonsheer dem gleichen Schicksal unausweich­lich entgegensieht. Dr. Fr. W. Lange.

Oie ozeanische Front.

DonFiegattenkapita'na.O.Hanopochhammer

Die Zerschmetterung Polens war eine kon­tinentale Angelegenheit, wenn auch die Kriegs, marine auf der Seeflanke helfend eingriff unb jede Störung durch England ausschloß.Rücken- sicherung im Osten" bildete die strategische Auf. gäbe. Der Feldzug in Norwegen war schon inso. fern maritim bestimmt, als für die Masse des Heeres der Kriegsschauplatz nur über See zu er­reichen war. Flotte und Luftwaffe schützten die Uebersiihrung wie den Nachschub gegen Angriffe durch den sehr viel seestärkeren Feind; eine unbe- dingte Voraussetzung für die Sicherung unterer nördlichen Flanke und die Bedrohung der britischen Inseln aus der nördlichen Nordsee.

Mit dem Antritt nach Westen wenden wir uns nun dem Hauptgegner England unmittelbar zu, dem Urheber auch dieses Krieges. Innerhalb von 5 Tagen wurde dieFestung Holland" bezwungen und damit die Seefront aufgeriebtet. Frank, reich, in erweitertem Maße einVorfeld" für Eng. land, öffnet sich im Zuge gewaltiger Land- unb Luftkämpfe unserem Griff. In Keilform, der alten germanischen Schlachtordnung, durchbrechen wir den feindlichen Wall. Die Seefront wird sich nach Süb. west hin verlängern und Britannien näherrücken. Namen klingen auf, die aus dem engen Nordwest, europa in die weite Welt hinausführen: das minen. gefährdete Kapstadt bietet der Königin der Nieder, lande Asylrecht an; Cura^ao, Aruga, die hollänbi. schen Kolonien vor dem Ostausgang des Panama. Kanals, werden von englischen und französischen Truppen besetzt. Die Monroe-Doktrin, die den Neu. erwerb erdteilfremder Mächte im amerikanischen Raum verbietet, tritt ins Bewußtsein. Den gleichen Vorgang in Südostasien befürchtet Japan. Es

Hafen- und Kaianlagen die Eisenbahnverbindungen, Kraftwerke und Fabriken zu vernichten und alles in die Luft zu sprengen, was irgendwie ~ ch den Einsatz der deut. Zerstörungsarbeit behln- vorrückenden deutschen Panzer.

delsstadt im nordwestlichen Europa, die es im Mit- teltalter gehabt hat, längst eingebüht. Nur seine schönen Bauten zeugen von alter Größe, heute ist es eine Stadt von rund 50 000 Einwohnern, die nur noch wenig wirtschaftliche Bedeutung hat. Dix- muiden, an der Kreuzung der Bahnstrecke BrüggeDünkirchen mit dem Yser-Kanal, hat in den Ypern-Schlachten als wichtiges Schulterstück der französisch-britischen Stellung eine große Rolle ge­spielt, wahrend das 12 Kilometer nördlich gelegene Städtchen Nieuport den nördlichsten Brücken- köpf bildete. Hier an dem zum Yser-Kanal parallel lausenden Bahndamm verteidigte im Oktober 1914 König Albert mit den Resten der belgischen Armee, von Briten und Franzosen genau so im Stich ge­lassen wie heute fein Sohn Leopold,, den letzten Streifen belgischen Landes und rief schließlich das Meer zu Hilfe gegen den deutschen Ansturm. Her- mann Stegemann, der Historiker des Weltkrieges, schildert das Land an der Yser, das nun wiederum Schauplatz erbitterten Ringens geworden ist, wobei freilich diesmal vor dem deutschen Ansturm den Engländern keine Zeit blieb, sich an dem leicht zu verteidigenden Kanalsystem festzuklammern, als eine behäbige, von fetter Fruchtbarkeit strotzende Niederung, die sich an manchen Stellen kaum über den Meeresspiegel erhebt. Die Ortschaften liegen als geschlossene Häusergruppen an erhöhten Stellen. Als verzweigtes Adernsystem durchschleichen unzäh­lige kleine Wasserläufe das Gelände, sogar einzeln stehende Gehöfte und Herrenhäuser mit Gräben um­ziehend. Das wellige Land zeigt überall kleine Ge-

R o m, 30. Mai. (Europapreß.) Die römische Presse steht völlig unter dem Eindruck der Waffen­streckung des belgischen Heeres. Die Blätter weisen erneut auf die verzweifelte Lage der eingeschlosse- nen französischen und englischen Truppen hin und verteidigen mit Nachdruck König Leopold von Bel­gien gegen die ungerechtfertigten Angriffe von Mi­nistern, Presse und Rundfunk der Westmächte. König Leopold, der durch seinen Entschluß einen großen persönlichen Mut oewiesen hat, so schreibtMessag- gero", sowie sein Volk oerbienten die hohe Achtung der Welt. Sie hätten wie die Löwen gekämpft. Die Anerkennung, die der Führer ihrer Tapferkeit ge­zollt habe, werde ein Grund Aum Stolz für fie fein. Reynaud und Churchill und jene anderen Minister, die feinerAeit beschlossen hätten, heldenmütig bis nach Kanada zurückzuweichen, beleidigten heute den König, der bis zuletzt an der Spitze seiner Truppen auf dem Schlachtfeld geblieben fei. Churchill könne nicht begreifen, daß die Belgier auf Beseh! ihres Königs sich weigerten, noch weitere 400 000 Tote herzugeben, nicht etwa zur Verteidigung ihres eige­nen Bodens, sondern der Schwelle Englands. Groß­britannien finde jetzt keine fremden Sol­daten mehr, die bereit seien, für England zu kämpfen und zu sterben. Das bedeute, daß die große Stunde nahe fei. In roenigeh Tagen werde Deutsch­land in der Lage fein, wieder seine gesamte Streit- macht einzusetzen, um den entscheidenden Schlag gegen das französische Heer zu führen und von dem großen Sprungbrett am Aermelkanal aus Groß­britannien zu bedrohen.

Corriere della Sera" schreibt, die Kapitulation des ganzen belgischen Heeres sei nicht das unvor- aussehbare Ereignis gewesen, wie Ministerpräsident Reynaud mit seiner zornigen Rundfunkrede es habe glauben machen wollen. Vielmehr sei sie die lo­gische Folge einer verhängnisvollen politischen und militärischen Lage, in die Belgien durch die ausschließliche Schuld der Franzosen und Englän­der und ihrer Komplicen in der Regierung von Brüssel gekommen sei. In Belgien uno außerhalb wisse man, daß der junge König Leopold nie für die Vereinbarungen gewesen sei, die mit England unb Frankreich eingegangen worden seien und die nur verschleierte und kompromittierende Bündnisse darstellten. Die Ehre Belgiens sei gerettet; jeder englisch-französische Versuch, die Verantwortung für die unfehlbare Katastrophe der Armeen der West- möchte in Französisch- und Belgisch-Flandern dem kleinen und tapferen belgischen Heere zuzuschreiben, sei zwecklos.

verraten hätten. Gleichzettig buche das deutsche Heer einen neuen gewaltigen Sieg, dem in wenigen Tagen ein zweiter folgen werde, da die Schlacht in Flandern zu Ende gehe. Ein Hebel nach dem an> dem, deren fick die Westmächte zur Aufrechterhal­tung ihrer Vorherrschaft in Europa zu bev lenen und mit Hilfe welcher sie der neuen Ordnung in der Welt den Weg zu verlegen gedächten, sei ihren Händen entglitten. Südlich der Somme und der Aisne könnten nun wohl die restlichen französischen Heeresmasssn Gegenoffensiven unternehmen, aber die Aussichten feien nichts weniger als rosig. Paris und das Herz Frankreichs solle vor allem gedeckt werden. Die Vorbedingungen hierfür seien aber grundverschieden von denen der Jahxe 1914 bis 1918. Aus dem von den Westmächten beabsichtigten Kriegvon langer Dauer" sei nichts geworden. Ein entscheidenderBlitzkrieg" sei den Westmächten von Deutschland aufgezwungen worden, dem sie sich nicht gewachsen zeigten. Der Wirtschafts­krieg sei zu Ende, stelltGiornale d'Jtalia" fest. Die Herrschaft der Weltmächte auf den Meeren sei zufammengebrochen, eoenso auch die Blockierung Deutschlands. Die Lebensmittelversorgung Deutsch­lands sei gefichert, dagegen beginne die Lebens­rnittel krife in Frankreich und noch mehr in England. Das Kriegsmaterial der Schlachtfelder liefere Deutsch­land große Materialreserven. Durch die Besetzung Hollands und Belgiens seien reiche Kohlen- und Eisenerzgruben in die Hände Deutschlands gefallen, sowie Mittelpunkte der Stahl- und Textilindustrie.

Wie die britischen Freunde in Boulogne hausten.

Stockholm, 29. Mai. (Europapreß.) Die eng­lische Presse veröffentlicht Schilderungen bri­tischer Marineoffiziere, in denen diese bestätigen, daß alle militärisch wichtigen Anlagen der französischen Hafen- und Kanalstadt Boulogne kurz vor der Räumung durch die englischen Truppen und vor der Besetzung durch deutsche Panzerabtei­lungen von einemVernichtungskorps" rück­sichtslos zerstört worden sind. Roch wenige Stunde vor dem Einmarsch der Deutschen sei in aller Hast ein englischer Zerstörer nach Boulogne geschickt morden, um Truppen an Land zu setzen, die mit Sprengstoffen und anderen Vernich­tungsmitteln ausgerüstet waren. Gleich­zeitig fei die Stadt von Schiffsgefcbützen unter Feuer genommen worden, wooei man es offensichtlich in erster Linie auf die Hafenanlagen abgesehen gehabt hätte.

Die Engländer hätten Befehl gehabt, neben den

kriegswichtig erschien. Dun schen Luftwaffe wurde die bert, während die vorrück ,

abteilungen die Engländer zum AbAUg zwangen. Sie hatten sich darauf beschränken müssen, den über­stürzten Rückzug durch Barrikaden zu decken, btt jedoch von den deutschen Panzerwagen überwunden wurden. Die Einschiffung der Engländer sei in einer panikartigen H a st und im stärksten deutschen Kugelregen erfolgt. Die noch manövrier­fähigen Zerstörer hätten den Hafen Achtern voraus verlassen, um auf diese Art das deutsche Feuer so gut wie möglich beantworten zu können.

ffestung Lille hat im Weltkrieg dem Ansturm der deutschen 6. Armee nicht lange standhalten können. In der Schlacht bei Lille Ende Oktober 1914 konnte die damals von den deutschen Truppen erreichte Linie westlich und nordwestlich der Stadt gegen starke französische und englische Angriffe gehalten und teilweise noch vorgeschoben werden. So blieb Lille während des ganzen Krieges als wichtiger Etappenort in deutscher Hand. Durch die Erreichung Lilles von Osten und Westen sind Briten und Fran- zosen getrennt und letztere in dem engen Raum südlich der Stadt, nach Süden vermutlich durch die schon genannte Linie DouaiOrchies begrenzt, ein- gekesselt. Der Wehrmachtsbericht stellt fest, daß hier der WiderstarÄ) zusammengebrochen ist.

Die englische Armee sieht sich im Raum Llrmentteres Ballleul Bergues Dixmuiden zusammengedrängt. Im Vorgehen von Westen her wurde Armentieres erreicht. Wir haben hier früher schon daran erinnert, daß Armentieres, ein reges Jndustriestädtchen nur 15 Kilometer nordwest­lich Lille, einst Mittelpunkt des Ueberganges über die Lys zu Beginn des ,Hagen-Unternehmens" im Verlauf der Frühjahrsoffensive 1918 war. Damals wurden auch die schon im Wehrmachtsbericht vom Dienstag genannten Lys-Orte Merv11 le und Estaires im Sturm genommen, während vor dem 10 Kilometer nördlich der Lys gelegenen Hazebrouck, einem flämischen Jndustrlestädt- chen von 15 000 Einwohnern, der Angriff stecken blieb. Diesmal find die deutschen Truppen von Westen gekommen und haben hier den Keil zwi­schen britische und französische Armeen getrieben. Mit welcher Überlegenheit die ungemein bewege liche und entschlossene deutsche Kriegführung dem Gegner das Gesetz des Handelns abgenommen hat unb Ihn vor ständig neue Lagen stellt, ersieht man auch aus dem Durchbruch der befertigten Grenz­stellung ostwärts Cassel, die der Feind mit ver- tehrter Front, also gegen Osten zu verteidigen ge­zwungen war. Hier erheben sich Ausläufer des flan­drischen Höhenrückens in einzelnen Kuppen bis 157 Meter. Eine solche Hohe, die die ganze Lys-Niede- rung beherrscht, ist auch der berühmte Kemme 1- (berg, etwa 10 Kilometer nordöstlich Bailleul. Ihn haben unsere deutschen Truppen in fortschreitendem Angriff auf die ihrer Vernichtung entgegensehenden britischen Armee im Sturm genommen. Der Kem­me! war im Weltkrieg ein Hauptstützpunkt der eng­lischen Stellungen in der flandrischen Ebene und wegen seiner flankierenden Lage zu den deuffchen Stellungen ein wichtiges strategisches Ziel der Früh- jahrsoffensioe 1918. Trotz der Schwierigkeiten des Geländes und hefttgsten Widerstandes der Fran­zosen und Engländer wurde das Kemmelmcffsiv am 25. April vom Deuffchen Alpenkorps gestürmt, das bayerische Leibregiment warf den Feind über den Nord- und Westhang herunter und drang mit ihm in das Barackenlager von Bruloose durch. Auch wütende Gegenangriffe prallten ab, der Kemme! blieb bis zum Herbst 1918' in deutscher Hand. Die deutschen Sturmbataillone, die gestern den Englän­dern den Äcmmelberg entrissen, haben sich der gro­ßen Ueberlieferung der Frontkämpfer des Welt- trieges würdig gezeigt.

Wie der Kemme! nach Südwesten die Lysniede- rung flankiert, so nach Norden die Yser und den Yser-Kanal, jenen Abschnitt der großen Front des Weltkrieges, der für den Einsatz der deutschen Ju­gend im Schicksalskampf ihres Volkes in besonderer Weise Symbol geworden ist. lieber dem Mahn­mal der deutschen Jugend bei ßangemarcf, er­richtet auf dem Schlachtfeld, über das im Novem­ber 19^4 die Freiwilligenregimenter dreier deutscher Neservekorps mit dem Deutschland-Lied auf den Lippen todesmutig hinwegstürmten, weht heute die Nteichskrlegsflagge. Ypern, 1914 das Mittelstück der britisch-französischen Verteidigungsstellung am Yser^Kanal, ist von deutschen Truppen im Sturm genommen und 20 Kilometer weiter nördlich dem Meere zu wurde^D i xm u i d e n erreicht. Dün­kirchen ist von unserer schweren Artillerie unter Feuer genommen, Bergues, 10 Kilometer südlich Dünkirchen, und Wormschoudt, 20 Kilometer südlich Hazebrouck, bezeichnen die Linie, die unsere Truppen von Westen her erreicht haben. Von Osten her wurde bei Thourout, auf halbem Wege zwischen Ypern unb Brügge, gestern noch gekämpft. Brügge selbst ist ebenso wie Bel-

Britische Agenten an Bord desPresident Roosevelt".

Neuyort, 29. Mai. (Europapreß.) Die Mel- düngen über britische Attentatspläne auf das USA.- SchiffPresident Roosevelt" werden bestätigt. Der Präsident des Seemannsverbandes, Curran, er- hielt am Montag ein Telegramm aus Flushing bei Neuyork, das besagte, drei britische Agen­ten, die die Sprengung des Schisses geplant hät­ten, seien an Bord desPresident Roosevelt" entdeckt worden. Das Justizdepartement in Washing­ton hat sofort eine Untersuchung eingeleitet. Die Neuyorker Polizeibehörden richten ihre besondere Aufmerksamkeit darauf, den. Absender dieses Telegramms zu ermitteln, um auf diesem Weg wei­tere Einzelheiten über den britischen Attentatsan­schlag, an dessen Planung kein Zweifel mehr be­stehen kann, zu erfahren.*

Wie dieNew York Times" aus London meldet, ist die Tochter des Londoner U8A.-Dotschafters Kennedy nach Lissabon geflogen, um von dort mit einem Klipper-Flugzeug heimzukehren. Bis vor zwei Tagen hatte sie die Absicht, an Bord des USA.-DampfersPresident Roosevelt", der die USA.-Bürger aus England abholen soll, nach den Vereinigten Staaten zu fahren. Aber nach der deuffchen Warnung vor brittschen Attentats- plänen scheint dem Botschafter Kennedy, der seine pluto krati sch en Freunde in London wohl zu genau kennt, um ihnen auch dieses Verbrechen zuzuttauen, die Sicherheit des Schiffes nicht groß genug, um ihm seine Tochter anzuvertrauen.

der allen Lagen gewachsenen Frau wird sie mor­gen als Venus vor Paris stehen. Ihr Ruhm fliegt mit dem seinen über halb Europa, an allen Höfen spricht man von den Grübchen ihrer Knie wie von Dingen, über die es eine bestimmte Uebereinfunft gibt, ihr Körper wird zu einem Kanon der Schön- heltspflege, und bei alledem bleibt sie die große Dame.- Sie besitzt das Geheimnis der wahren Frau, sich einem ganz zu geben und allen übrigen ein Gegenstand des Respektes und der Verehrung zu sein. Mit ihm lebt fie, mit ihm stirbt fie. Denn als er fie mit erst 26 Jahren zur Witwe macht, ist es, als wäre fie nie gewesen. Wir erfahren weder, wie fie seitdem gelebt hat, noch wie sie ge­storben ist. Was tuts? Wissen wir doch, sie ist in das ewige Leben der Kunst eingegangen.

suchen. Nebenbei würde es sich ja auch Herausstel­len, ob die Gegenseite musikalisch ebenso fest im Sattel faß wie er.

Also ging er kühn zu Mozart und zum Angriff über:Dies Bildnis ist bezaubernd schön ..." flötete er mit seinem süßesten Schmelz in das undurch­dringliche Dunkel hinein. Doch wie zum Hohn klang es aus demZupfgeigenhansl" zurück:Ade zur guten Nacht ...' Er sah noch das Aufblitzen einer Taschenlampe und in ihrem Schein die Umriffe einer jungen Dame, dann fiel ein Haustor ins Schloß.

Einem abgewiesenen Freier gleich stand er noch eine Weile wie angewurzelt, mit einem Brumm­schädel obendrein, den ihm die unliebsame Bekannt­schaft mit einem Laternenpfahl verursacht hatte. So endete also sein Abenteuer, so pfiffig es auch angelegt war, mit einer Niederlage. Fürs erste wenigstens versuchte er sich zu trösten, als er den 'Heimweg, diesmal von der anderen, ihm bisher unbefanntgebfiebenen Seite antrat. Immerhin hatte er jetzt einen Anhaltspunkt, wo und wie er seiner Heimgepfiffenen ein andermal wieder begegnen könne.

Aber so viel Mühe er sich auch in den nächsten Tagen gab, es einem Pirol an zärtlichen ßieoes- weisen gleichzutun niemand als höchstens ein Gassenjunge gab ihm spöttisch Antwort. Und bann war es, als habe die Unbekannte nur auf ihre Lieb­ling sarie gewartet, daß sie sich erstmals wieder zu erkennen gab:Reich' mir die Hand fürs Leben, komm' auf mein Schloß mit mir ...!" Gestern abend erst hatte er MozartsDon.Juan" in der Oper gesehen, und er war noch trunken von der Fülle göttlichen Wohllauts. Schlagfertig kam die Antwort aus demVogelhändler", die sich mit den Worten der Briefchrlste! zwar hinhaltend, aber durchaus nicht hoffnungslos erteilte:Doch nicht sogleich auf der Stell' ...!" Dann blitzte wiederum eine Taschenlampe auf, schwankte vorsichtig über den Fahrdamm und ließ ihr mildes Licht auf ein und derselben Stelle noch eine Weite leuchten, bis, von ihren Lippen angestimmt, der zweiseitige Psiff aus demEvangelimann" ertönte:Wir haben uns gefunden ..." Aber damit hatte das Pfeift konzert zunächst ein Ende. Denn nun mußten sich beide ausschütten vor Lachen über den Svah, den sie sich geleistet, obwohl sie im gleichen Augenblick fühlten, daß fie dem Ernst des Lebens wenn man Liebe aus den erstenPsiff" fo nennen tonn ins Auge blickten.

i

Musik ohne Worte.

Don H. A. Berger.

Nicht mehr als fünf Minuten brauchte er fftr bte Wegstrecke, die er, von der Haltestelle der Elektri­schen an gerechnet, zu Fuß bis vor sein Haus au- rückzulegen hatte. Aber wenn man rechtschaffen müde und hungrig dazu ist, kommt einem selbst ein Katzensprung wie, eine endlose Wanderung vor. Zu­mal jetzt, da die abendlich verdunkelte Straße noch einmal seine volle, tagwache Aufmerksamkeit er­forderte.

Aber schließlich fand Hans Siewers ein Mittel, sich den Weg auf angenehme Weife zu verkürzen. Er pfiff pfiff wie ein Junge vergnügt vor sich hin, was ihm von seinem reichen Schatz an Melo­dien gerade durch den Kops ging. Manchmal griff jemand blitzschnell die eben angefangene Melodie aus der Luft und pfiff sie seinerseits ein Stück Weges weiter, um wiederum das Ende dem Vor­dermann zu überlassen.

An einem dieser kühlen Dorfrühlingsabende er­klang es auf einmal zeitgemäß wie gefühlvoll von Hans Siewers' gespitzten Sippen:

Wie eiskalt ist dies Händchen ..."

Man nennt mich nur Mimi ...!" pfiff es, ob­zwar ein wenig zaghaft, von der anderen Strasien- eite zurück. Einen Augenblick oder vielmehr einen reubigen Herzschlag stutzte Hans Siewers: Wenn ein sehr musikempsindliches Ohr ihn nicht täuschte, lehorte der pftffige Mund einem weiblichen Wesen! Aber die nicht völlig gelösten Zweifel reizten,ihn, es. noch einmal mit seinem neckischen Spiel zu ver-