Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Ev.

waren.

Aneinanderqefeffelt in die Tiefe.

Amsterdam, 29. März. (DNB.) Die englische und französische Regierung hielten am Donnerstag eine ihrer üblichen Propagandatagungen des Ober« sten Kriegsrates in London ab. Reynaud stellte sich seinem Schutzherrn Chamberlain vor. Der sogenannte Oberste Kriegsrat der Westmächte hielt es für notwendig, die Verpflichtung zu beschließen, während des gegenwärtigen Krieges-keinen Waffen­stillstand oder Friedensverttay abzuschließen, es sei denn auf Grund eines gemeinsamen Übereinkom­mens. Das gegenseitige Mißtrauen, das aus diesem Beschluß spricht, besteht jedoch weiter und führte zu

BriiischerGeleiizug zersprengt

Verstärkte Luftaufklärung mit wertvollen Erkundungsergebnissen.

Berlin, 29. März. (DNB.) Das Oberkom­mando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Westen keine besonderen Ereignisse.

Deutsche Kampfflugzeuge griffen in den Abend­stunden des 28. 3. unter schwierigsten Wetterbe­dingungen einen britischen Geteitzug im Zeegebiet der Shetlands erfolgreich an.

Der Geleitzug wurde zersprengt. Sechs große Handelsschiffe erhielten Treffer, ein Schiff geriet in Brand und ein Bewachungsfahr­zeug wurde versenkt. Alle eingesetzten Kampf­flugzeuge kehrten unversehrt zurück.

Tagsüber wurde im verstärkten Maße über der Nordsee, Großbritannien und Frankreich aufgeklärt. Die Flüge erstreckten sich bis nach den Orkney- und Shetlandsinseln. Sie erbrachten trotz heftiger Gegen­wehr wertvolle Erkundungsergeb­nis f e. Zwei Aufklärungsflugzeuge find vom Feind­flug nicht zurückgekehrl.

der Verpflichtung, die Gemeinsamkeit ihrer Hand­lungen nach der Wiederherstellung des Friedens auf allen Gebieten auftechtzuerhalten, soweit es not­wendig fein wird.

Deutsch-russische Freundschaft bewährt

Molotow gegen die Kriegshetze der plutokratien.

der Schuldigen. Wir sehen, wo die Draht­zieher des Krieges sitzen, wie sie im Hin- terarunde arbeiten und Hetzen, um endlich die euro­päischen Völker auf dem Altar ihres plutokratischen Egoismus opfern zu können. Wenn es überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, um die Blut­schuld der in den westlichen Hauptstädten regieren­den Kriegsverbrecher vor aller Welt sichtbar zu machen, so ist er durch die Geheimberichte der pol­nischen Diplomaten restlos erbracht. Es kann und wird den Chamb erlain, Churchill, Dala- dier, Reynaud und Cohnsorten niemals ge­lingen, diese Dokumente abzuschwächen oder totzu­schweigen. Das deutsche Weißbuch bleibt ein Fanal ihrer unermeßlichen Schuld, und es wirft darüber hinaus ein neues Licht auf Menschen, Triebkräfte und Mittel, die bisher hinter den Kulissen verborgen

Moskau, 29. März. (DRB.) Am Freitagabend fand im Großen Saal des Moskauer Kreml die Plenarsitzung des Obersten Sowjets statt, bei der der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare und Außenkommissar Molotow einen umfassen­den Bericht zur auswärtigen Politik der Sowjet­union abstattete.

Der erste Teil der Ausführungen Molotows, der sich mit der Haltuna der Sowjetunion im gegen­wärtigen Kriege befaßt, enthielt eine scharfe Verurteilung der e n g l i s ch - f r a n z ö s i - schen KriegspoliNk und ein neues klares Bekenntnis zu den Freundschaftsbeziehun­gen zwischen der Sowjetunion und dem Deutschen Reich. Die deutsch-sowjetischen Freundschaftsbeziehungen entwickeln sich wie Molotow betonte erfolgreich. Sie haben sich im Herbst des Jahres 1939 während des polnischen Feldzuges.bewährt und seien in der Folge ergänzt worden durch die Neuentwicklung des Güteraus­tausches zwischen den beiden Ländern, der sich zum Vorteil beider Staaten vermehre. Die Beziehungen der Sowjetunion zu England und Frankreich hätten sich dagegen auf Grund der feindseligen Haltung dieser Mächte gegenüber der Sowjetunion erheblich verschlechtert, insbesondere während des finnischen Konfliktes. Das feindselige Verhaltender W e st m ä ch t e bezeichnete der Redner als eine Art von Rache dafür, daß es England und Frankreich seinerzeit nicht gelungen sei, die Sowjetunion ihren imperialistischen Interessen im Kriege gegen Deutsch­land dienstbar zu machen. Trotz der Provokation der Westmächte werde die Sowjetunion jedoch an ihrer Neutralitätspolitik feschalten, ohne Rück­sicht darauf, ob diese Politik den Herren aus Lon­don und Paris,gefällt oder nicht.

Im zweiten Teil feiner Ausführungen beschäftigte sich Molotow mit einer ausführlichen Darstellung des finnischen Konfliktes, sowie seiner außenpolitischen Hintergründe. Im Ergebnis des Krieges in Finnland, der die Sowjetunion 48 745 Tote und 158 863 Verwundete gekostet - habe, habe die sowjetrussische Politik das ihr von Anfang an gesteckte Ziel voll und ganz erreicht: die Sicherung der nordwestlichen Grenzen der Sowjetunion und Leningrads, wobei Finnland als selbständiger Staat bestehen bleibe, dessen innere und äußere Dolitik völlig unabhängig bleibe. Dagegen äußerte sich Mo­lotow gegenüber dem Plan eines Verteidigungs­bündnisses der nordischen Länder absolut ablehnend. Die Sowjetunion wünsche mit den skandinavischen Staaten friedliche und freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten. Alle Gerüchte über angebliche

I

hielt Botschafter Bullitt in meiner Gegenwart von Botschafter Kennedy einen telephonischen Bericht über die Unterredung, die dieser mit ^Minister­präsident Chamberlain gehabt hat. Hierüber habe ich Herrn Minister in einem Telegramm Bericht erstattet, das sofort nach meinem Aufenthalt bei Botschafter Bullitt aufgegeben worden war.

Ich verstehe, daß Botschafter Bullitt die Be- \ deutung der Erklärungen, die von seinem Kollegen ! der englischen Regierung abgegeben wurden, sicher- i lich etwas übertrieben behandelt. Ich erachte es i jedoch als meine Pflicht, Herrn Minister über alles i odengefagte zu informieren, weil ich glaube, daß i die Mitarbeit Botschafters Bullitt in so schwierig gen und komplizierten Zeiten uns doch vielleicht gewisse Dienste erweisen kann. Es ist auf jeden ; Fall völlig sicher, daß er unseren Standpunkt re ft» ' los teilt und zu einer so weit wie möglichen loyalen freundschaftlichen Zusammenarbeit bereit ist.

Um übrigens die Aktion des amerikanischen Bot­schafters in London noch zu verstärken, machte ich Botschafter Bullitt darauf aufmerksam, es sei nicht ausgeschlossen, daß die Engländer den Schritt der Vereinigten Staaten von Nordamerika zwar mit gut verborgener, aber dennoch mit Geringschätzung behandeln.

Er antwortete mir, ich habe wahrscheinlich recht. Dennoch aber seien die Vereinigten Staaten im Besitz von Mitteln, mit denen sie einen wirklichen Zwang auf England ausüben könnten. An die Mobilisierung dieser Mittel werde er ernstlich den­ken.

Der Botschafter der Republik Polen, plutokmtische Kriegshetzer entlarvt.

Mit einer Verbissenheit sondergleichen haben die Westmächte seit Ausbruch des europäischen Konflik­tes immer wieder versucht, die Schuld an die­sem Kriege von sich abzuwälzen und der deut­schen Regierung in die Schuhe zu schieben. Vor allem sollten die diplomatischen Farbbücher, die in London und Paris veröffentlicht wurden, diesem Zwecke dienen. Allerdings fiel es dem deutschen Auswärtigen Amt nicht schwer, durch Herausgabe der eigenen Dokumente zur Vorgeschichte des Krie- ges jene plutokratischen Machwerke zu widerlegen, die trotz ihrer raffinierten Zusammenstellung, ihrer Fälschungen und Auslassungen die kriegstreiberische Tendenz der westlichen Diplomatie klar erkennen ließen. Immerhin vermochten England und Frank­reich damit in den ihrem Meinunasterror unter­worfenen Erdgegenden einen gewissen Schein der Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten.

Nun aber ist das ganze Lügengebäude, das die plutokratischen Politiker über ihrem Kriegsschuld- komplex errichtet hatten, wie ein Kartenhaus zu- sammengestiirzt. Denn die Zeugnisse der plutokra­tischen Kriegstreiberei, die wir von heute ab ver­öffentlichen, stammen nicht von deutschen Auslands­vertretern, sind auch nicht dem offiziellen Noten­wechsel oder Gedankenaustausch der verschiedenen Mächte entnommen, sondern kommen aus dem Feindlager f e I b ft Dank der blitzartigen Schnelligkeit, mit der das deutsche Schwert gegen Polen zurückschlug, hatten die ehemaligen War­schauer Machthaber nicht Zeit genug, alle ihre Ge­heimschätze und Archivsammlungen mit auf ihre Flucht ins Ausland zu nehmen. Wichtige Teile der Archive des früheren polnis ehe n Außen- ministeriums sind nach der Besetzung von Warschau in unsere Hände gefallen. Das Auswär- wärtige Amt hat mit der Durchsicht dieses sehr um­fangreichen Aktenbestandes begonnen und wird sei­nen sensationellen Inhalt, soweit er für die Vor­geschichte des Krieges von Bedeutung ober sonst von allgemeinem Interesse ist, in fortlaufenden Veröffentlichungen bekanntgeben. Die erste Folge dieses Dokumentenwerkes liegt nun in Form eines Weißbuches vor, weitere werden folgen.

Die Durchsicht dieser Dokumente zeigt auch dem einfachsten Verstände die ungeheure, wahrhaft um­wälzende Bedeutung, die sich daraus für die Be­urteilung der Kriegsursachen auch im neutralen Auslande ergeben muß. Wir erleben bei der Lek­türe der geheimen Aktenstücke, die den diplomati­schen Verkehr der Feindmächte untereinander, ihre Befürchtungen, Hoffnungen und Beklemmungen ge­treulich widerspiegeln, mit geradezu dramatischer Eindringlichkeit das verhängnisvolle Zusammenspiel

aggressive Absichten der Sowjetunion auf norwegi­sche Häfen usw. erklärte Molotow alswilden Un­sinn".

Im dritten Teil seiner Ausführungen gab Molo­tow einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand der politsichen Beziehungen der Sowjetunion zu den übrigen Ländern. Er betonte die positive Ent­wicklung, die im Verhältnis der Sowjetunion zu ihren drei baltischen Nachbarstaaten zu überaus befriedigenden Ergebnissen geführt habe. Was die Beziehungen der Sowjetunion zu ihren Nachbarn an der Südgrenze angehe, so sehe die Sowjetregierung keinerlei Anlaß zu einer Ver­schlechterung ihrer Beziehungen mit diesen Staaten. Dagegen könne sie nicht umhin, gewisseverdäch­tige Machenschaften" im Nahen Osten, so vor allem die Konzentrierung französischer und englischer Truppen in Syrien und anderen nahöstlichen Lan­dern, aufmerksam zu verfolgen. Die feindlichen Kräfte könnten überzeugt jein, daß jede Angriffs­maßnahme gegen die Sowjetunion sofort auf ener­gische Abwehr stoßen würde. Sie spiellen ein ge­fährliches Spiel. Das gelte insbesondere für die­jenigen Nachbarstaaten, die sich der aggressiven Politik gegen die Sowjetunion als Instrument zur Verfügung gestellt haben. Die Beziehungen der Sowjetunion zur Türkei und zum Iran feien im übrigen begründet auf der Basis der bestehen­den Verträge und Nichtangriffspakte.

Zwischen der Sowjetunion und Rumänien stehe die bessarabische Frage wie ein unentschiedenes und strittiges Problem. Trotzdem bestehe kein Grund zur Verschlechterung der Beziehungen zu Rumänien.

Was das Verhältnis der Sowjetunion zu I a p a n angehe, so bestünden wohl noch eine Reihe von Schwierigkeiten. Die Beziehungen der Sowjetunion zu den Vereinigten Staaten hätten sich in letzter Zeit weder verbessert noch verschlechtert mit Ausnahme desmoralischen Embargos" gegen die Sowjetunion.

Die grundsätzlichen Aufgaben der Sowjetpolitik kennzeichnete Molotow am Schlüsse seiner Rede fol­gendermaßen: 1. den Frieden zwischen den Völkern und die Sicherung des eigenen Staates zu gewähr­leisten. 2. In Verfolg dieser Politik im gegenwärtigen Krieg zwischen den größten Staaten Europas Neu­tralität zu wahren.

Die Sowjetunion könne, so schloß Molotow, auf stolze Erfolge während der letzten Monate zurück­blicken; sie werde auch in Zukunft fortfahren, ihre Außenpolitik in demselben Sinne unbeirrbar weiter­zuführen.

Schutz der Meiallfammlung.

Todesstrafe für Bereicherung an gesammeltem Metall.

Berlin, 29. März. (DNB.) Der Ministerrat für die Reichsverteidigung hat heute, am 29. März, eine Verordnung zum Schutz der Metall, sammlung des deutschen Volkes erlassen. Die Verordnung hat folgenden Wortlaut:

Der Ministerrat für die Reichsverteidigung ver­ordnet mit Gesetzeskraft:

Die Metallsammlung ist ein Opfer des deutschen Volkes für das Durchhalten in dem ihm aufge- zwungenen Lebenskampf.

Wer sich an gesammeltem oder vom Verfügungs. berechtigten zur Sammlung bestimmtem Metall be­reichert ober solches Metall sonst seiner Verwen- düng entzieht, schädigt den grohdeutschen Freiheits- kampf und wird daher mit dem Tode bestraft.

Diese Verordnung tritt mit der Verkündung durch Rundfunk in Kraft. Sie gilt auch in den eingeglie- derten Ostgebieten.

Berlin, den 29. März 1940. Der Vorsitzende des Ministerrates für die Reichsverteidigung gez. Goring, Generalfeldmarschall.

Der Reichsminister und Chef der Reichskanzlei gez. Dr. Lammers.

Ablieferungsfrist bis 20. April verlängert.

Die Frist zur Ablieferung kriegswichttger Metalle, zu deren Sammlung Generalfeldmarfchall Göring am 14. März aufgerufen hat, ist bis zum 2 0. April verlängert worden.

Englands Lustmarschall abgesagt.

Nach einer Bekanntgabe des britischen Luftfahrt- minifteriums ist der britische Luftmarschall Sir Ed- ward Ellington von seinem Posten als General­inspekteur der britischen Luftstreitkräfte zurückgetre­ten. Der Rücktritt dürfte unzweifelhaft im Zusam-

Kriimenlī

rnenhang mit dem aufsehenerregenden Selbstmord des Geschwaderführers Graham Blomfield stehen, der bekanntlich wegen falscherSiegesmel­dung" vor ein Kriegsgericht gestellt worden war. '

Der Luftrnarschall Sir Edward Ludlow-He- witt wird an seiner Stelle Generalinspekteur. Luft­marschall Portal wurde Oberkommandierender des Bombenkommandos und Luftrnarschall Gos­sa g e Mitglied des Luftpersonalrates.

Unveränderte Lebensmittelrationen.

Berlin, 29. März. (DNB.f Die dem Ver­braucher für die Zeit vom 8. April bis 5. Mai 1940 auf Karten zustehenden Lebensmittelmengen bleiben gegenüber den Rationen der Zuteilungs­periode vom 11. März bis 7. April 1940 bis auf den Fortfall der auf die Fleisch karte erfolgten Son­derzuteilung an Kunsthonig unverändert. Der Er­laß des Reichsministers für Ernährung und Land­wirtschaft weist darauf hin, daß es unzulässig und strafbar ist, wenn einzelne Bäckereien, Konditoreien oder Einzelhandelsgeschäfte bestimmte Back- und Süßwaren nur gegen Abgabe von Zucker oder Zuckerkarten verkaufen.

Die prämie von 500 000 B21L der Deutschen Reichslotterie gezogen.

Die Prämie mit 500 000 Reichsmark der Deut­schen Reichslotterie plus 40 000 Reichsmark fiel gestern auf die Nummer 65 606. Die Lose wurden in Achtelteilung ausgegeben.

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

Bismarck als Soldat.

Zu seinem 125.Geburtstag am1.APril194ü.

Das Beste in mir und in meiner Lebensbetäti­gung ist immer der preußische Offizier gewesen. Wäre ich der nicht gewesen, ich weiß nicht, ob ich ganj in dieselben richtigen Bahnen verfallen wäre", so hat Bismarck am 26. März 1895 an Kaiser Wil­helm geschrieben. Das Soldatische ist der Grundton im Wesen dieses Staatsmannes; es ist bas, was ihn von den genialen Diplomaten anderer Völker und Zeiten unterscheidet.

Bismarck wäre sicher Soldat geworden, wenn nicht die ehrgeizige Mutter aus ihm hätte einen Staatsbeamten machen wollen. Die uralte Tradition feines Geschlechtes, das stets zum Militäradel ge­hört hatte, war in ihm übermächtig. So fühlt er sich denn auch in dem Sturm und Drang feiner Jugend erst an der richtigen Stelle, als er fein Jahr abbient. ,Hch erinnere mich", hat er später erzählt, daß, als ich als Gardejäger in Reih und Glied ge­treten war, mich ein Gefühl der Sicherheit überkam." Oder ein andermal sagt er: ,Hch habe das selbst in meinem Privatleben ja durchgemacht, wie das Ge­fühl, in die Armee einzutreten, in Reih und Glied zu stehen, auf den einzelnen wirkt. Man gibt einen Teil der eigenen Freiheit auf, aber doch nur für den Preis, oaß man an dem Schutze, dem Gefühl der Sicherheit, kurz an allen Vorteilen der Waffen- genosfenfchaft teilnimmt." Später dient er bann zu seinem Vergnügen" als Landwehrleutnant bei den Ulanen. Während der Revolution von 1848 bildet er aus feinen Bauern eine kleine Garde, läßt die im ganzen Dorf vorhandenen Jagdgewehre zu- fammenbringen und will seinem König nach Berlin zu Hilfe eilen. Als fünfzigjähriger Mann macht er wieder zu seinem Vergnügen alle Manöver mit, jagt den halben Tagwie unsinnig über Stock und Block" und hat dannlange Zeit keinen so be­haglichen Tag erlebt Morgen muß ich leider wieder in die Tretmühle."

Sein ganzes Leben lang hat er dieSchreibge- schäfte" gehaßt wie ,hie Geheimräte", sich stets nach einem frisch-frei-fröhlichen Soldatenleben gesehnt und immer wieder geklagt, daß nicht bas Schwert, sondern die Feder sein Handwerkszeug geworden sei. ,Hch habe es jederzeit bedauert, schreibt der Fürst und Reichskanzler an seinen kaiserlichen Herrn,daß es mir nach dem Willen meiner Eltern nicht erlaubt war, lieber vor der Front als hinter dem Schreibtisch meine Anhänglichkeit an das ange­

stammte Königshaus und meine Begeisterung für den Ruhm und die Größe des Vaterlandes zu be­tätigen. Auch heut, nachdem Eurer Majestät Gnade mich zu den höchsten staatsmännischen Ehren erhoben hat, vermag ich das Bedauern, ähnliche Stufen mir als Soldat erftritten zu haben, nicht ganz zu unter­drücken. Verzechen Eure Majestät am Heiligen Abend einem Manne, der gewohnt ist, an christ­lich Gedenktagen auf seine Vergangenheit zurückzu­blicken, diese Aussprache persönlicher Empfindungen. Ich wäre vielleicht ein unbrauchbarer General ge­worden, aber nach meiner eigenen Neigung hätte ich lieber Schlachten für Eure Majestät gewonnen."

Dieses ihm tief innewohnende soldatische Gefühl hat ihm auch in militärischen Dingen bisweilen einen Scharfblick verliehen, der weiter sah als der der Berufsoffiziere. Zwar schließt er, als er im dänischen Krieg Roon einen sehr klugen militäri­schen Vorschlag macht, mit den bescheidenen Worten: Verzeihen Sie mir dieseMajorsbettachtungen", aber 1866 siegt,er im Kriegsrat von Czernabora über die Generalstäbler, als der Angriff auf die Florisdorfer Linien beim Marsch gegen Wien ver­handelt wird. Er fragt, ob denn diese schwer zu nehmenden Befestigungen überhaupt gestürmt wer­den müßten, und führt aus, daß mit einer Viertel­schwenkung links die Richtung auf Preßburg genom­men werden könnte. Dann würden die Oesterreicher entweder den Kampf in ungünstiger Lage mit der Front nach Osten südlich der Donau auf nehmen, oder vorher auf Ungarn abweichen; dann sei Wien ohne Schwertschlag zu nehmen. Der König läßt sich daraufhin eine Karte reichen, stimmt zu, und zum Aerger der Generale wird der Vorschlag des Mi­nisters in Ausführung genommen. Auch mit dem Drängen auf die Beschießung von Paris hat er schließlich der gegenteiligen Ansicht des General­stabs gegenüber recht begatten.

Und letzten Endes ist jenes wundervolle Verhält­nis zu dem alten Kaiser, das die notwendige Grund­lage für fein ganzes Wirken bildete, nur daher zu erklären, daß Wichelm I., der mit Leib und Seele Soldat war, in ihm stets den verwandten Geist fühlte. Am Sedantage 1884 schickte der Kaiser sei­nem Kanzler den Soldatenorden Pour le mSrite, weil er in ihmdas Herz und den Sinn eines Soldaten weiß". Bismarck fühlte sich auch als Mi­nister als Offizier. Immer wieder, wenn ihm die Bürde feines Amtes zu schwer werden wollte, hat er gesagt, es würde eine Feigheit von ihm sein, jetzt zurückzutreten, er könne nicht fahnenflüchtig Mecdeg unb ähnliches. Und es (er keine Redensart^

wenn er nach dem Kissinger Attentat, dem König für seine Teilnahme dankend, schreibt:Bei meiner Ernennung zum General sagte Eure Majestät ein huldreiches Wort, welches mein innerstes Gefühl wiedergab, nämlich daß ich Eurer Majestät auch als Minister im Sinne des Soldaten diente", und wenn er dann feine Verwundungeine Wunde im Dienste" nennt. Der Kampf war diesem Soldaten im Ministerrock das einzig natürliche Lebensele­ment, und im Kriege verehrte erbie große Ge­walt, die die Gefühle, auf denen die Staaten ruhen, entwickelt und zur Geltung bringt." C. K.

Veronika.

Don Felix Riemkasten.

Wie alt mag die Wett fein, und wie wenig Neues begibt sich in ihr? Wird nicht immer die gleiche Platte immer wieder neu aufgelegt? Diese jauch­zende Mitteilung an Veronika:Der Lenz ist da!" Uralt, uralt. Nun aber kommt der Dreh, das Ge­heimnis, der große Trick, der herrliche Zauber. Lenze hat es stets schon gegeben, für die Mensch­heit im ganzen ist es nicht neu, aber hier handelt es sich nicht um die Menschheit im ganzen, sondern einzig und allein um Veronika, und Veronika ist jung! Jung ist Veronika. Und folglich hebt es sich innerhalb ihrer duftig frischen, zarten Frühlings­bluse, als sie das hört, diese schmetternde Jubelbot- schaft an Veronika:Veronika, der Lenz ist da!"

Sie glaubt es, sie fühlt etwas dabei, sie ist fest davon überzeugt, dieser Lenz sei der Lenz, der Lenz aller Lenze, und noch nie ist die Welt so schön gewesen wie diesmal.

Es macht nichts aus, daß die Platte alt ist; die Hauptsache ist, daß die Hörer sie zum erstenmal hören.

Und so sitze ich, müde nach allerlei Stadtlauferei, ein mittlerer Herr, in einer Konditorei, eine Treppe hoch, und habe vor mir, unter mir den belebten Platz, auf dem es jetzt dämmern will. Die Büros haben geschlossen oder sind dabei, eben jetzt zu schließen. Veronika sitzt an einem kleinen Tischchen mit einer Tasse Kaffee und sieht sie sieht nicht sonderlich aus, durchaus nicht, sie sieht ganz nett aus, sie ist durchausein junges Mädchen" und sitzt in einer Konditorei und hat ihre Tasse Kaffee vor sich. Ich, ein mittlerer Herr, sitze an dem an­deren Tisch und habe die schöne Aussicht auf den so schön belebten kleinen Platz. Ich habe die weitere Aussicht auf das junge Mädchen Veronika, und ich

wünsche mir brennend, ich hätte Aussichten auf sie. Aber ich weiß genau, daß ich keine habe. Ve­ronika ist zwanzig, und ich bin etwas mehr als zwanzig. So noch gute zwanzig dazu, dann kommen wir hin. Also da komme ich n i e hin. Zu Veronika.

Ich darf sie mir aber angucken, das ist noch nicht verboten. Ich gucke sie an, Veronika, und bemerke ihr zuversichtliches Stupsnäschen, ihre munteren frischen Augen, die von Lachlust leicht zu reuen sind, sie schauen noch nicht gar zu intelligent, aber sie schauen munter, unternehmungslustig und ein bißchen kitzlig mißtrauisch, denn Veronika weiß schon, aus Erfahrung, wie man auf sie schaut. Ihre Bluse ist zart, fein, traumhaft hingegossen; vorn­weg hat sie ein Schleifchen aus blaßblauem Samt. Handtasche und Handschuhe liegen auf dem Tisch neben der Tasse Kaffee. Und so sitzt das gute Mäd­chen Veronika und ahnt nicht, was ein mittlerer Herr ihr zu geben hätte, wenn sie es nehmen wollte. Etwa ein riefendickes Stück Torte zu ihrem bitteren Kaffee. Und fünft noch was. Aberürs, Ve­ronika, könnten wir sogar ins Theater gehen. Möchte dich gern mal sehen im dunklen Abendkleid, ein bißchen stolz, ein bißchen Königinnenstil, und die Backen rot und heiß und die Augen ganz ent­schieden funkelnd, und nach dem Theater gehen wir fabelhaft aus, Veronika. Du bist die Jugend, die Frische, das explodierende gesunde Lachen um ein kleines Nichts. Veronika, du selbst bist der Lenz!

Aber das darf man gar nicht sagen. Einer dieser Blicke kann töten, und zwei davon, nach alter RegÄ, töten ein Pferd.

Und so sitzt sie, ich sitze ebenfalls, und auf dem Platz ist bie. städtische Normaluhr. Da kann man nur bitter lächeln. Und endlich kommte r" jetzt. So einer waren auch wir einmal. Er kommt und sttahtt, und Veronika sieht chn und sttahtt ebenfalls. Und plötzlich ist der Lenz da.

Fräulein", rufe ich,ich möchte zahlen!"

Am Mittwoch beginnen wir in den Gießener Familienblättern mit dem Abdruck eines neuen Romans:klick und der Goldschatz" von Friedrich Schnack. Er erzählt die lange erwarteten neuen Abenteuer des kleinen klick aus dem Spielzeugladen, der bei feinem ersten Auftreten sich auch unter den Cefem des Gießener Anzeigers fo viele Freunde bei jung und alt, groß und klein erworben halte.

-..... ......................