Ausgabe 
30.1.1940
 
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Nr. 25 Zweites Blatt

Dienstag, 50. Januar 1940

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien)

Winke zur Einkommensteuer-Erklärung

Gedeutet der hungernden Döael!

ich ganz dem Genuß hin, in Muße seine Zeitung von vorn bis hinten zu studieren. Ja, es ist dies > chon ein Genuß, wenn man in der Woche tagsüber vor lauter Arbeit kaum zum Lesen kommt und einem abends die Augen darüber zufallen. Indessen richten ich die anderen sonntäglich her: Bäuerin, Tochter und Magd, die bisher noch in Küche und Haus zu wirtschaften hatten, holen, wenn auch nicht das nur eierlichen Anlässen vorbehaltene Staatsgewand, so doch eines der guten Kleider aus dem Schrank, und auch die jungen Männer stehen keineswegs zurück m dem Bestreben, sich ihrem für den Nachmittag vor­gesehenen Unternehmen entsprechend fein zu machen, wobei Kragen und Schlips als die hervorragendsten Sonntagsattribute gelten dürfen. Dieser Gehoben- heit der äußeren Erscheinung entspricht es nur, wenn -um Kaffeetrinken eine Decke aufgelegt und das gute Geschirr aufgestellt wird. Sehr früh pflegt man im Dorf am Sonntag Kaffee zu trinken, um so einen möglichst langen Nachmittag zu gewinnen, und kaum ist der letzte Schluck getan, zerstreut sich die ganze Familie, und jeder geht seinen jeweiligen Sonn­tagnachmittagsgepflogenheiten nach.

Sonntagnachmittag im Dorf! Er ist die Zeit, wo jedermann guten Gewissens das tun darf, was ihm das liebste ist. Die Kinder spielen auf den Gassen und am Bach, sofern sie nicht an der fürsorglichen 5>and der Eltern höchst sittsam an dem Sonntags- spazierqanq in den Wald oder das Nachbardon teil- nehmen müssen. Ähre Spiele sind heute aber weniger laut und vor allem die der Buben weniger unge­bärdig als am Werktag, was aber seinen Grund nicht in einer Ahnung von der Weihe des Feier­tags hat sondern in der Rücksichtnahme auf die gute Sönntagshose, in der am Abend einen Riß nach Hause zu bringen nicht gerade zu den Annehmlich­keiten eines Äungenlebens gehören würde.

In langen, farbenfrohen Reihen ziehen die jungen Mädchen Arm in Arm auf der Landstraße vorrn Dorfe auf und nieder und singen in möglichst hoher Lage Lieder, die all» von einem Schatz und seiner Treue öfters noch seiner Untreue erzählen. Die Burschen sitzen unterdes im Wirtshaus, von wo das Gepolter der Kegel und das Nollen der Kugeln durch die Sonntagsstille weithin hallen. Am Abend erst geht man zu'zweien. ,

Es ist erstaunlich zu sehen, wie vielfältig die Lieb­habereien und damit die Fertigkeiten des Bauern sind, denen nachzugehen er am Sonntagnachmittag die Zeit hat: Er okuliert ein paar Rosenstocke, worum ihn die Tochter schon lange gebeten hat die gern ein zarteres Spiel der Farben an den alten hochstämmigen Samttosen, den tiefdunklen, haben möchte. Oder er geht durch den Grasgarten, an dessen Ende das Bienenhaus steht. Dort halt es ihn, bis die Dämmerung ihm die Sicht für Jem Hantieren nimmt. Dann erst trifft er sich mit den Nachbarn, und diese treffen sich wiederum mit ihren Nachbarn in dem Wirtshaus, so daß im Handumdrehen die Wirtsstube bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Es

Die Fleischrationierung gilt auch bei Hausschlachtungen

Wer darf ein eigenes Schwein mästen?

Bauernsonntag.

Von Ernst ORinf.

Daß er eine knappe Stunde länger unter der dicken Federdecke bleibt, mit Seife und warmem Wasser dem Schmutz der Woche gründlich zu Lewe rückt, ein frisches Hemd über den Kopf stülpt und die ungenagelten Schuhe anzieht, damit beginnt für den Bauern der Sonntag. Noch bevor Knecht und Magd, Sohn und Tochter aufgestanden sind, hat er schon einen Rundgang durch den Hof gemacht und mops ausgelassen, nicht die Räucherkammer und den Huh- nerstall, das Waschhaus und den Schüttboden^ wo er im Drange der Arbeit sonst die ganze Woche über nicht hinfindet. Nichts entgeht feinen scharfen Augen: hier hebt er ein Seil vom Boden auf, dort stellt er einen Rechen mit den Zinken nach oben. L'r geht durch die Ställe, wo die Kühe in einer Reihe liegen und sich bei seinem Eintritt mühsam erheben, und er klopft den Pferden den Hals. Dann erst setzt er sich zum Kaffeetisch, um den ^Zwischen die Familie und das Gesinde sich versammelt haben.

Je nach der Jahreszeit, dem Wetter und der Stim­mung schließt sich ein Marsch über die Felder, eine Stunde ungewohnter Arbeit mit Feder und Tintt oder ein Gang in die Kirche an. Der Marsch über die Felder geschieht zum geringsten des Marschierens oder des leuchtenden Frühsommermorgens wegen, denn Bewegung und Sonne und frische Luft hat der Bauer ja in einer Woche mehr als mancher im ganzen Jahr. Nein, er muß nachsehen, ob der Nacht- frost der Blüte nicht geschadet, ob der letzte heftige Gewitterregen das Korn nicht umgelegt hat. Bei schlechtem Wetter aber oder im Winter setzt sich der Bauer um diese Stunde hinter die Bucher und er­ledigt die Buchführung und seinen Briefwechsel -- mit dem Finanzamt. Denn persönliche Briefe er nur sehr selten oder gar nicht. Die wenigen Briefe, die zu schreiben sind an den Sohni im Felde oder die nach auswärts verheiratete Tochter sind Sache der Bäuerin. Es bleibt noch, daß er sich zum Kirchgang rüstet. Dann klemmt er em dickes Gesangbuch unter den Arm, m dem der Anfangs- buchstabe der ersten Strophe sich jedesmal über d.e halbe Seite hinzieht, und schreitet ern|t und ge­messen zur Kirche, wo er aber mehrmals gan sachte einzuschlafen und ebenso oft erjchreckt aufzufahren pflegt, um erst beim letzten dröhnenden Amen end­gültig aufzuwachen, was ihm aber der Herrgott selber am allerwenigsten verübeln wird well der genau weiß, daß dieser Sieg des Fleisches über den Geist nicht Andachtlosigkeit seinem Worte gegenüber bedeutet, sondern nur eine Folge der harten und mühevollen Arbeit der letzten Woche ist. Um halb zwölf trägt die Bäuerin das Eßen auf, und damit ist der Sonntaaoormittag zu Ende. .

Nach dem Mittagessen setzt sich der Bauer in den Lehnstuhl, stteckt die Fuße weit von sich und gibt

ger vor geschrieben.

Bei der Durchführung von Hausschlachtungen ist zu unterscheiden zwischen Schlachtungen, die von Er­zeugern (Bauern, Landwirten usw.) durchgeführt werden, und solchen, die von nichtlandwirtschattfichen Selbstversorgern durchgeführt werden. Landwirt­schaftlichen Selbstversorgern wird von der zustän­digen Kartenausgabestelle der Genehmigungsbescheid dann erteilt, wenn der Selbstversorger eine ange­messene Zeit hindurch Schweine, Rinder, Kälber und Schafe gehalten hat. Schweine müssen min - destens drei Monate im Betrieb gehal­ten und gefüttert worden fein. Nicht- landwirtschaftliche Selb st versorger dürfen Hausschlachtungen nur bann vornehmen, wenn sie bereits in der Hausschlachtungsze i t 19 3 8/39 Haus- schlachtungen in entsprechendem U m - fange vorgenommen haben. Soll ohne das Vorliegen dieser Voraussetzung eine Hausschlachtung durchgeführt werden, so bedarf der Anttagsteller der Zustimmung des Ernährungsamtes, Abteilung A. Die Zustimmung soll hier grundsätzlich dann gegeben werden, wenn die Tiere im wesentlichen mit Futter­mitteln gefüttert wurden, die dem Anttagsteller ohne Zukauf zur Verfügung standen. Als solche Futtermittel sind auch diejenigen anzusehen, die als Entgelt für geleistete Arbeit in der Landwirtschaft erworben wurden.

Wie verhält es sich nun mit dem Verbrauch der aus der Hausschlachtung gewonnenen Erzeugnisse? Vorausgeschickt werden muß, daß der Antragsteller Fleisch und Fleischwaren, die aus Hausschlachtun­gen stammen, in seinem Haushalt nicht beliebig ver­wenden darf, sondern daß sich der Verbrauch den für die übrige Bevölkerung gel­tenden Rationssätzen anpassen muß! Die lieb'rwachung erfolgt hierbei durch die Karten­ausgabestellen. Nach erfolgter Schlachtung und nach Eintragung des Schlachtgewichts in den Genehmi-

aungsbescheid ist dieser sofort der Kartenausgabe- ftelle zurückzugeben. Diese nimmt auf Grund des angegebenen Schlachtgewichts und her für die Selbstversorgung in Frage kommenden Personen­zahl oieAnrechnungder Hausschlachtung auf den Versorgungsanspruch des Selbst­versorgerhaushalts vor. Das Anrechnungsgewicht ergibt sich durch einen Abzug von 15 v H. von dem amtlich festgestellten Schlachtgewicht als Verarbei­tungsverlust Dann wird die dem Selbstversorger­haushalt wöchentlich zustehende Menge auf Grund der Zahl der in Selbstversorgung befindlichen Per­sonen und der Wochenrationen von 1060 g für Fleisch einschließlich Fett aller Art (außer Butter) ausgerechnet. Auf diese Weise ergibt sich die Zahl der Wochen, während derer der Selbstversorger­haushalt sich aus der Hausschlachtung selbst ver­sorgen muß. Während dieser Zeit erhält der Selbst­versorgerhaushalt feine Fleisch- und Fett­karten, mit Ausnahme der Butter- und Käse­karten, sofern der Betrieb hierin nicht auch Selbst­versorger ist. Befinden sich unter den Haushaltsan­gehörigen Schwer- und Schwerstarbeiter bzw. Lang- und Nachtarbeiter, so erhalten tziese die vorgeschrie­benen Zusatzkarten.

Landwirtschaftliche Selbstversorger die sich wäh­

rend des ganzen Jahres mit Fleisch und Fetten (außer Butter) selbst versorgen (Vollselbstversorger), können gleichzeittg mit dem Antrag zur ersten Hausschlachtung bei der Kartenausgabestelle die An­legung einer Schlachtkarte und die Ausgabe einer Anrechnungskarte beantragen, auf denen die ent­sprechenden (Eintragungen für den Haushalt des Selbstversorgers vorgenommen werden. Hierdurch ist dem Selbstversorger die Möglichkeit gegeben, laufend einen Ueberblitf über die ihm noch zu- stehenden Schlachtmenaen zu gewinnen. Um wäh­rend der Zeit der Versorgung aus der Haus­schlachtung auch Frischfleisch einkaufen zu können, können die Kartenausgabestellen Frisch- fleischberechtigungsscheine ausgeben. Die Fleischmengen, für die Frischfleischberechtigungs­scheine ausgegeben werden, sind von den auf der Anrechnungskarte vermerkten Mengen abzuziehen. Bei eintretenden Veränderungen in dem Personen­stand des Selbstversorgerhaushalts wird durch die Kartenstelle eine entsprechende Umrechnung vorge­nommen. Der Antragsteller erhält daraufhin einen Ergänzungsbescheid, aus dem sich ergibt, wie lange die noch vorhandenen Vorräte aus der Hausschlach­tung zu reichen haben.

Der Verkauf von Erzeugnissen aus Hausschlachtungen ist grundsätzlich verboten! Ausnahmen sind nur mit Genehmi­gung des Ernährungsamtes, Abteilung A, zulässig, und zwar nur in dringenden Fällen, wie z. B. dec Gefahr des Verderbs der Ware. Aber auch in die­sen Fällen darf der Verkauf nur gegen Abschnitte der Fleisch karte oder gegen sonsttge Bezugscheine erfolgen.

Oie französischen Spatzen.

Von Viktor von Levehow.

Es war im Weltkriege im Argonnenwald.

Bayern und Franzosen lagen sich nahe gegenüber. Für beide Teile war es so eine Art Ruhestellung. Sie taten sich gegenseitig nichts, wenngleich der Drahtverhau aus beiden Seiten nur spärlich war.

Die Bayern hatten sich ganz behaglich eingerich­tet. Der dicke Stabsarzt stellte mit Befriedigung fest, haß der Gesundheitszustand der Truppe hier besser sei als in der Heimat.

Ihr besonderer Stolz waren die gezähmten Spatzen. Wohl fünfzig bis sechzig hoppelten jeden Morgen den gesamten Graben ab und hotten sich ihr Futter. Einige waren so zahm, daß sie die Brotkrumen van den Händen nahmen. Selbst der gestrenge Herr General hatte sich bei einem Graben­besuch darüber gefreut und eine Sonder gäbe von Rauchzeug verteilen lassen. Aus der gegnerischen Seite dagegen kümmerte sich niemand um das ge­fiederte Völkchen.

Das wurde mit einem Schlage anders, als dort Ablösung kam. Heißblüttge Südfranzosen waren es, Männer aus der Gegend von Marseille und Toulon, deren seltsame Stimmen mit dem rollendenr* oft laut über das Blachfeld klangen.

Unwillig sahen die Bayern, daß auch sie bald begannen, die Sperlinge zu füttern und daß diese sich jetzt von den Franzosen füttern ließen. Natürlich war da nichts zu machen, schließlich waren es ja französische Spatzen, und da war es eigentlich nur selbstverständlich, daß ihnen das heimische Weißbrot mehr zusagte. Immerhin dauerte es geraume Zeit, bis sich der ganze Spatzenhausen dorthin gewöhnte. Ihre alten Freunde vergaßen sie darum aber nicht.

So ging es eine Zettlang. Dann geschah das Ent­setzliche.

Eines Tages wurde den geflügelten Gästen auy her französischen Seite ein Kuchen hingeworfen. Sie balgten sich darum, zirpten, piepten und flatterten aufgeregt in dichter Menge, lieber den Böschungen der Gräben standen lachende Gesichter. Da plötz­lich drüben ein geschwungener Arm, der Rufgard, der die Franzosengesichter jäh verschwinden ließ. Eine Handgranate sauste durch die Luft, ein be­täubender Knall, stiebende Federn und ein Haufen zuckender, blutender Dogelleiber.

Im bayrischen Graben war es sttll, grauenhaft sttll. Dann ein Brüllen, ein einziger Schrei:

Unsre Schpatzen habn's gemordet! Unsre Schpat« zen san hin!"

Und ehe die Franzosen sich noch besonnen, waren die Bayern schon in ihrem Graben, und er und die Franzmänner waren in chrer Hand.

Die Bayern ernteten reiches Lob. Es freute aber keinen so recht, und der Führer bat bald um Ver­wendung an einem anderen Kampfabschnitt.

Die Steuerpflichtigen erhalten in diesen Tagen von ihrem Finanzamt die Vordrucke für die Steuer­erklärungen, die ausgefüllt und unterschrieben bis zum 29. Februar beim Finanzamt einzureichen sind. Eine Verlängerung der Frist wird auf Antrag vom Finanzamt nur gewährt, wenn ein Steuei^flichtt- ger die Frist aus zwingenden Gründen nicht ein­halten kann. Ein Grund zur Verlängerung ist auch die Abwesenheit wegen Einberufung zlir Wehr­macht, wenn ohne den Steuerpflichtigen feine Ver­treter die ordnungsmäßige Ausfüllung der Steuer­erklärung nicht durchführen können.

Es empfiehlt sich, die Anleitungen zur Steuer­erklärung gründlich durchzulesen, da in diesem Jahre eine Reihe von Neuerungen ein getreten sind. So können als Sonderausgaben Kirchensteuern und Beträge für Hausgehilfinnen nicht mehr abgezogen werden. Buchführende Land- und Forstwirte und Gewerbetreibende dürfen jetzt ohne Einschränkung die Verluste aus den beiden vorangegangenen Wirt­schaftsjahren abziehen, soweit sie bei den letzten Ver­anlagungen noch nicht ausgeglichen worden sind. Der frühere Pauschbetrag von 200 RM. für Son­derausgaben wird bei der Einkommensteuerveran­lagung nicht mehr abgezogen. Der Steuerpflichtige muß deshalb feine Sonderausgaben (Schuldzinsen, Versicherungsbeiträge, Beiträge für Bausparkassen usw.) auf der zweiten Seite der Steuererklärung anführen, auch wenn sie niedriger als 200 RM. sind. Auch der Pauschbetrag für Werbungskosten bei nichtselbständiger Arbeit in Höhe von 200 RM. wird nicht mehr abgezogen. Die tatsächlich entstan­denen Werbungskosten (Beiträge zum Berufsver- banh und zur DAF., Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, für Arbeits­mittel usw.) sind deshalb unter Abschnitt II Ziffer 4 einzusetzen und auf einer Anlage zu erläutern. Es ist weiterhin notwendig, , daß im Interesse des Steuerpflichtigen die Angaben über Person und

Der Erzeuger deckt feinen Bedarf an Fleisch und Fleischwaren und zum Tell auch seinen Fettbedarf in der Regel durch Hausschlachtungen. Aber auch manch andere Familie hat ihren Fleisch- und Wurst­bedarf bisher dadurch gedeckt, daß im Jahre ein oder mehrere Male selbst geschlachtet wurde. Es handelt sich hierbei um die bekannten Hausschlach­tungen, unter denen wir die Schlachtungen von Schweinen, .Rindern, Kälbern und Schafen ver­stehen, die nicht von gewerblich Schlachtvieh schlach­tenden Betrieben, wie Metzgereien usw., vorgenom­men werden, sondern von Einzelhaushaltungen für den eigenen Bedarf. Da unsere Lebensmittelversor­gung aufgebaut ist auf dem Grundsatz der ge­rechten und gleichmäßigen Verteilung der vorhandenen Nahrungsgüter und jeder Volksgenosse teilhaben soll an den Verbrauchs­gütern, ganz gleich, ob er in der glücklichen Lage ist, sich ein Schwein zu kaufen und hauszuschlach­ten oder nicht, war es selbstverständlich, daß auch diese Seite unserer Bedarfsdeckung geregelt wurde. Da das Fleisch- und Fettproblem eines der wich­tigsten in unserer Nahrungsmittelversorgung dar­stellt, bedurften die Hausschlachtun tf e*h b e - r ei t 5 seit der Einführung der Markt­ordnung der Genehmigung. Der Reichs- minifter für Ernährung und Landwirtschaft hat in seinem Erlaß vom 14. November 1939 die Voraus­setzungen feftgelegt, unter denen Hausschlachtungen überhaupt durchgeführt werden können und zum anderen die Anrechnungssätze für den Selhstversor-

Familienstand genau gemacht werden, da auf die­sem Gebiete wichtige Neuerungen in Kraft getreten sind.

Das Gesetz unterscheidet jetzt vier Steuergruppen. Es muß -eindeutig zu ersehen sein, ob der Steuer­pflichtige ledig, verwitwet, geschieden oder verhei­ratet ist und ob aus der bestehenden oder einer früheren Ehe eines Ehegatten Kinder lebend her- vorgegangen sind. Für die richttge Einstufung ist auch von Bedeutung, wenn eine Frau ein unehe­liches Kind hat oder gehabt hat. Während Kinder­ermäßigung früher nur für eigene Abkömmlinge sowie für Stiefkinder, Adoptivkinder und Pflege-, kinder gewährt wurde, gibt es jetzt Kinderermäßi­gung auch für andere Angehörige des Steuerpflich­tigen oder seiner mit ihm zusammen veranlagten Ehefrau, z. B. für Neffen, Geschwister, Schwieger­kinder, uneheliche Kinder des Vaters, wenn die sonstigen Voraussetzungen gegeben 'find. Als außer­gewöhnliche Belastungen können unter bestimmten Voraussetzungen auch Aufwendungen für eine Hausgehilfin anerkannt werden.

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Populärwissenschaftliche Vorträae der Universität: 20.15 Uhr im Hörsaal des Kirnstwissenschaftlichen Instituts, Professor Gerber überMozarts Mei- fteropem". Stadttheater: 20 bis 22.45 UhrDie Entführung aus dem Serail". Gloria-Palast (Seltersweg):Mutterliebe". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Kongo-Expreß".

Stadttheater Gießen.

Am heutigen Dienstag wird zum letztenmal die komische Oper von Wolfgang Amadeus MozartDie Entführung aus dem Serail" aufgeführt. Musika­lische Leitung Paul Walter, Spielleitung Hans Geißler, Bühnenbild Karl Löffler. 17. Vorstellung der Dienstag-Miete.

Aus der Stadt Gießen.

3tn Winterwald am Schiffenverg.

Köfüiche Wintersonne strahlt vom Himmel, als wir das Haus verlassen, und läßt den Schnee glitzern und leuchten. Wir haben den Rodel mitgenommen und wollen den Schiffenberg besteigen.

Wie herrlich sieht der Wald aus! Düster steht er, in sanftem Blaugrün, nur leicht wie mit Puder über- : stäubt, hinter den weiten weißen Flächen. Ein paar 1 große, schwarze Krähen fliegen herzu und sitzen dann stierend und hungrig, wie verloren, mitten in dem Weiß. An einem Scyuppendach schillern Eis­zapfen in allen Farben in der Sonne. Die Baum­reihen am Schiffenberger Weg aber leuchten rot, als blühten sie, und wecken Sehnsucht nach Früh­ling und Blumen.

Im Walde duftet es herrlich! Die hohen Tannen haben die Schneedecke fast abgeworfen, nur noch hie und da liegen weiße Fetzen darauf. Ueberall lebt es und regt sich: dort rutscht noch eine letzte Schneelast ab: erlöst schüttelt sich der Baum. Aber unten, auf den Holzstößen, liegen nochweiße Tiere" mit dickem Schwanz und Kopf, und mit breiten Beinen umklammern sie die Stämmchen.

Zwei Pferdeschlitten überholen uns, lustig bim­meln die Glöckchen, der bunte Kopfputz der Pferde flattert vom Fahrwind. Am Forstgarten leuchten . die rostroten Blätter der jungen Hainbuchen.

Wir machen nun einen Bogen durch den Wald. Pustend durch dicken Schnee kommen wir an einen Wiesenabhang, wo man im Sommer mit ängstlich klopfendem Herzen an der Kuhherde mit dem Stier vorbeiging, der einen so merkwürdig ansah. Wun­dervoll steigt der weiße Hang auf.

Hier ist eine feine Rodel- und Schibahn und ein Riesengewimmel. Die Schiläufer haben .sich sogar eine Sprungschanze gebaut und üben eifrig.

Fahr mit mir in den Himmel hinein, in den siedenten Hirnmel der Liebäh!" singt das Kind, als wir abfahren. Komisch, das Ge­dicht für die Schule fitzt nie so fest wie ein Schla­ger, den Mutti noch nicht mal kennt, wie überlegen lächelnd festgestellt wird.

Jetzt starten drei aneinandergebundene Schlitten. DieMannschaft" ist überaus fidel, hei, geht's in die Tiefe. Der Schnee stäubt auf: ein schadenfrohes Gelächter der Obenstehenden zeigt das frühe Ende der lustigen Fahrt an, und merkwürdig viel Arme und Beine krabbeln sich hoch aus dem weichen Weiß.

Die jüngsten Semester, denen vor der Abfahrt' erst noch schnell mal die Nase geputzt oder die Hose richtig hochgezogen wird, sind die Allerunentwegte­sten im Ab fahren und Raufklettern. Etwas weiter drüben am Hang laufen die Großen; mit vorbild- ; lich schönen Schwüngen und feinem Stoppen be­weisen sie ihr überlegenes Können gegenüber dem Kraxeln der vielen Schihäschen, die noch nicht lange auf denBrettl'n" stehen, aber dafür um so reizen­der aussehen in ihren schicken Anzügen, mit der bunten Mütze und den leuchtenden Handschuhen.

Nach langer Zeit des frohen Abwärtsfausens und des mühsamen Hochkletterns haben wir uns einen Kaffee in der warmen Stube des Schiffenbergs red­lich verdient. Auch dort ist Hochbetrieb und kaum erwischt man einenMokka double", zu dem einige Brote gut schmecken. Ja, Luft und Bewegung machen Hunger, das müssen wir jetzt feststellen.

Schon dunkelt es, der Schnee leuchtet plötzlich noch bleicher, im Westen strahlt zwischen den Stäm­men ein rosaroter, dann messinggelber Schein der untergehenden Sonne. Nichts stört die feierliche Stille. E- L. St.

ist aber beileibe nicht dasselbe, in dem die Jugend einzukehren pflegt. Die Alten wollen ihr Glas Bier oder ihren Halben Wein in Ruhe trinken selbst der Lautsprecher muß abgestellt werden und da­bei in aller Bedachtsamkeit Rede und Gegenrede tauschen von dem, was sie jetzt alle gleichermaßen bewegt: dem Schicksalskampf chres Volkes. Alles andere steht dagegen zurück, die Kornpreise und die Feldbereinigung, der Mangel an Arbeitskräften und selbst das Wetter.

Der Bäuerin genügt es, sich an das Fenster zu fetzen und das Leben auf der Straße zu betrachten. Doch ist es ihr nicht gegeben, die Hände in den Schoß zu legen. Sie hat den Flickkorb neben sich gestellt der im Bauernhause nie leer wird. In früheren Jahren ist sie oft mit dem Bauern am Sonntagnachmittag zu ihren Eltern in das Nach­bardorf gegangen; doch seit diese nicht mehr leben und die eigenen Kinder erwachsen sind, ist es ihr bas liebste, diese stillen Stunden ganz für sich allein zu haben und ihren Gedanken nachhängen zu können. .. .

Vor dem Abendessen wird das Vieh gefuttert, und damit ist der Sonntag eigenllich schon zu Ende, zu­mindestens aber das von ihm, worauf sich der Bauer die Woche über freute, wenn er an den Sonntag dachte. Am Sonntagabend bleibt er daheim, und nur die jungen Leute gehen noch ihrem Vergnügen außer dem Hause nach. Er fetzt sich noch für eine Stunde auf die Bank neben der Tür und über­denkt zusammen mit der Bäuerin, was es in der neuen Woche alles zu schaffen gilt. Früh steigt er dann ins Bett, um am anderen Morgen ausgekuht dem Werktag und seinen mannigfachen und viel­fältigen Pflichten begegnen zu können.

Bückeriisch.

Worte für jeden Tag, gesammelt aus den Schriften NathanSöderdlomsvon Anna S ö d e r b l o m , ins Deutsche übertragen von Tona Baur 387 Seiten. Berlin. Verlag Alfred Toepel- nrann. 6, RM. Anna Söderblom hat aus den Schriften ihres Mannes, des weltbekannten Kirchen­mannes und Gelehrten Söderblom in Upsala, Worte von besonderem Wert zusammengestellt: so erschien das Büchlein:Ein Jahr." Eine Gießenerin, Tona Baur, hat dies Buch unter Verwendung weiterer Stücke aus dem Nachlaß ins Deutsche übersetzt. Für jeden Tag des Jahres ein Stück, etwa eine Druck- feite; keine systematische Gruppierung; den Inhalt deutet eine Ueberschrift an; das Tagesdatum wird öfter für die Anordnung bestimmend. Feine religiös- ethische Gedanken, ohne dogmatischen Charakter, ohne Schärfen und frei von Polemik, zur Besinnung anregend, oft ohne eigentliche Zuspitzung, nirgends trivial, nirgends wortreich. Die Uebersetzung vor­züglich, die Ausstattung schlicht-vornehm, das Bänd­chen haltbar und handlich, der Druck klar. Für viele Jahre eine sehr willkommene Gabe. M. Schian.