Ausgabe 
29.11.1940
 
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Bestrafung von Preistreibern.

NSG. Der ReichsstatLhalter in Hessen nahm

die Firma Wilhelm Fuhr in Mümling-Crum­bach wegen grob sahrläjjiger unzulässiger Erhöhung der Herstellerpreise für Apfelwein im Unterwer- fungsversahren in eine Ordnungsstrafe von 35000 RM.;

den Kaufmann Ludwig Wehn er.in Offenbach a. M wegen grob fahrlässiger Zuwiderhandlungen gegen die Preisstop-Verordnung und das Verbot des Kettenhandels bei Spinnstoffen im Unterwer­fungsverfahren in eine Ordnungsstrafe von 17000 RM.;

Die Firma Johann und Hans Fischer in Hau­sen (Kreis Offenbach a. M.) wegen fahrlässiger Ver­fehlungen gegen die Lederpreis-Verordnung und bte Preisstop-Verordnung im Unterwerfungsverfahren in eine Ordnungsstrafe von 6000 R M.;

die Firma Löw & Grimm, Jügesheim (Kreis Offenbach a. M.) wegen fahrlässiger Nichtbeachtung der Ledervreis-Verordnung und der hierzu ergange­nen Aussührungs- und Preiserrechnungsoorschrif- ten im Unterwerfungsverfahren in eine Ord­nungsstrafe von 5000 RM.;

die Firma I o i st e n & Co., Seligenstadt a. M., wegen fahrlässiger Zuwiderhandlungen gegen die Lederpreis-Derordnung und' die Ausführungsbestim­mungen sowie Preiserrechnungsoorschriften im Un­terwerfungsverfahren sowie Preiserrechnungsvor- schriften im Unterwerfungsverfahren in eine Ord­nungsstrafe von 5000 R M.;

die Firma JungkSchroth, Offenbach a. M, wegen fahrlässiger Zuwiderhandlungen gegen die Lederpreis-Derordnung in Verbindung mit der dritten Ausführungs-Verordnung und den Preis­

errechnungsvorschriften sowie der Preisstop-Verord­nung im Unterwerfungsverfahren in eine Ord - nungsstrase von 3000 RM.

Gegen den Inhaber einer BijouteriewarenhanD- lun-g wurde wegen grob fahrlässiger Zuwiderhand­lungen gegen die Preisstop-Verordnung und die Spinnstoff-Verordnung vom 17. September 1939 im Unterwerfungsoerfahren eine Ordnungs- ftrafe von 2000 RM.;

gegen einen Fuhrunternehmer wurde wegen grob fahrlässiger Verfehlungen gegen die Nahoerkehrs- preis-Verordnung im Unterwerfungsverfahren eine Ordnungsstrafe von 2000 RM.;

gegen eine Lederfabrik wurde wegen grob fahr­lässiger Zuwiderhandlungen gegen die Lederpreis- Verordnung, die dritte Ausführungsverordnung und die Preiserrechnungsvorschriften im Unterwer­fungsverfahren eine Ordnungsstrafe von 1500 RM. und

gegen eine andere Lederwarenfabrik wegen fahr­lässiger Zuwiderhandlungen gegen die Lederpreis- Derordnung und die Preisstop-Verordnung wurde im Unterwerfungsverfahren eine Ordnungs­strafe von 1000 RM. verhängt.

*

♦♦ Bis zum 15. Dezember geschloffen. Das Lager der NSV. im früheren Hotel Einhorn ist, wie die Kreisamtsleitung der NSV. uns mit« teilt, bis zum 15. Dezember geschloffen worden, da alle Räume des Lagers zur Herrichtung der von der Partei vorgesehenen Feldpostpäckchen für unsere Soldaten zu Weihnachten in Anspruch genommen werden müssen. Aus diesem Grunde muß die Sachenausgabe der NSV. und des Kriegs-WHW. einschließlich der Ausgabe von Dolksgasmasken für die nächsten 14 Tage zurückgestellt werden.

Aus der engeren Heimat.

Auszeichnung für anerkennenswerte Leistung.

Beuern, 28. Nov. Dieser Tage wurde dem Schulleiter Müller durch die Reichsfachgruppe Seidenbauer eine Auszeichnungsurkunde für aner­kennenswerte Leistung auf dem Gebiete des Sei­denbaues für die hiesige Volksschule über­reicht. Die Schule Beuern bezog Anfang Juni zwei Gramm Seidenspinnerbrut, die Fütterung und Pflege übernahmen die Mädchen des 8. Schuljahres, während die Jungen das Futter für die überaus gefräßigen Raupen herbeifchafften. Im Abschluß der Zuchtperiode konnten der Seidenspinnansbalt 2506 Stuck Kokon mit einem Gewicht von 6,650 kg zuge­sandt werden. Um die Seidenraupenzuchten noch vermehren zu können, wurden im Frühjahr 1940 noch 1000 Maulbeerstöcke durch die Schule auf ge­meindeeigenem Gelände angepflanzt.

Bei der für unsere Volksgesundheit so wichtigen Aktion zur Heil - und Teepflanzensamm­lung setzten sich die Schüler und Schülerinnen un­serer Volksschule sehr eifrig ein. Auch die Kleinsten wollten nicht zurückstehen. Stolz auf ihre Arbeit lieferten sie jeden Tag, besonders in den Sommer­ferien, abends in dem Trockenraum in der Bürger­meisterei ihre gesammelten Kräuter ab. Ohne diesen Eifer wäre, rote schon berichtet, das hervorragende Ergebnis van 361,5 kg Trockenpflanzen und 62 kg Hagebutten nicht möglich gewesen. Folgende Drogen wurden gesammelt und einwandfrei getrocknet: Schafgarbe 99 kg, Waldhimbeerblätter 53, Haselnuß- blätter 45,5, Gartenhimbeerblätter 21,5, Odermennig 28,5, Erdrauch 16, Huflattichblätter 32,5, Johannis­kraut 25, Schachtelhalm (Zinnkraut) 21,6, Holunder- blätter 10, Gartenerdbeerblätter 5,5, Waldbrombeer­blatter 3,5, Kamillenblüten 3,5, Spitzwegerichblätter 2, Brennesselblätter 2, Walderdbeerblätter 0,5, Thy­mian 0,5, Maiblumenblätter 0,3, Mutterkorn 0,2 kg. Durch K nderfleiß wurden einige hundert Kilo un­serer wichtigen Heilpflanzen vor dem Verderben gerettet und unserer Heilmittelindustrie zugeführt.

Canbfreie Gießen

* Lich, 29. Nov. Die NSV. bittet alle Bewoh­ner unserer Stadt, die Küchenabfälle täglich auf die Bürger st eige zu stellen, damit sie dort von dem Ernährungshilfswerk abgeholt wer­den können. Für die Durchführung der großen Aus­gabe des EHW. ist diese Förderung durch alle Volks­genossen von besonderer Bedeutung.

)( Ruppertsburg, 28. Nov. Als Drittem aus unserer Gemeinde wurde dem Westwallarbeiter Wilhelm W i l l a das vom Führer verliehene W e st-

wallehrenzeichen durch unseren Ortsgrup­penleiter und Bürgermeister Lind überreicht.

Kreis Lauterbach.

* Ulrichstein, 29. Nov. Beim Stämmeschleifen im hiesigen Walde ereignete sich ein Unfall. Ein Holzsuhrmann von hier wurde von einem der ge­schleiften Stämme so unglücklich getroffen, daß er einen Beinbruch erlitt und nach Gießen in die Klinik eingeliefert werden mußte.

Kreis Wehlar.

* Wißmar, 29. Nov. Die Eheleiute Schmiede- meister Karl Wagner und Frau Katharine, geb. Mandler, Bahnhofstraße 200 wohnhaft, begehen am morg gen Samstag, 30. November, in körperlicher und geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist 73 Jahre, seine Frau ZI Jahre alt. Zu ihrer Freude können sie auf eine Nachkommenschaft von 6 Kindern, 15 Enkeln und 5 Urenkel blicken. Seit über 40 Jahren gehört das Jubelpaar zu dem treuen Bezieherkreis desGie­ßener Anzeigers". Zu ihrem morgigen Jubiläums­tage bringen auch wir den goldenen Hochzeitern un­seren herzlichen Glückwunsch dar.

Uneinheitliche Börse.

Frankfurt a. M., 28. Nov. Der verflossene Berichtszeitraum brachte für die Börse eine recht uneiicheitliche Tendenz. Zunächst setzten an den Aktienmärkten sprunghafte Steigerungen ein, die bei einigen Spezialwerten erhebliches Ausmaß annahmen, für die aber irgendwelche stichhaltige Gründe kaum erkennbar wurden. Nach der Locke­rung des Rentenmarktes, wo die Zinsdebatten die Loslösung namhaften Materials in 4,5proß. und 5proz. Werten zur Folge hatten, zeigte sich an den Aktienmärkten starkes Anlagebedürfnis, dem ander- seits unverändert enge Märkte gegenüberstanden, so daß schon bei kleineren Umsätzen anormale Kurs­steigerungen eintraten. Daneben wies man aber auch aus Kapitalerhöhungsmöglichkeiten, auf Aus- fuhraussichten, auf Ausdehnungsmöglichkeiten (Bau­markt!) hin. Als die Kurssteigerungen ein nur schwer erklärliches Ausmaß angenommen hatten, sah man sich veranlaßt, aufklärend einzuwirken, so daß der Börsenhandel vorübergehend realisiert und die Kurse wieder stärker nachgaben. Auch die Ban- kenkundschaft verhielt sich für eine kurze Zeitspanne abwartend, um aber bann wiederum mit Anlage- käufen hervorzutreten, die ein Wiederansteigen der Kurse in langsamerem Tempo nach sich zogen. Der Börsenindex stieg vom 18. 11. bis 23. 11. auf 141,33 gegen 138,53 in der Vorwoche, er dürfte heute bei

allen Schwankungen nicht viel niedriger sein, wenn auch die Höchstkurse bisher nicht mehr erreicht wurden. m

Das Lockerwerden von Positionen am Renten- markt äußert sich vor allem am Pfandbriefmarkt. Hier gaben vielfache Kündigungen 4,5prozentiger Serien Anlaß, das Kursniveau zu berichtigen, und in absehbarer Zeit kündbare Serien gaben starker nach, tellweise bis 101 nach 102,5, das gleiche gilt für die 4,5proz. Kommunalobligationen. Auch die höherverzinslichen Jndustrieobligationen gaben meist mehr ober weniger stark nach, soweit sie nicht mit den Dividenden Der Aktien verkoppelt sind. Bei Stadtanleihen ist fast allgemein der Stand von 100,50 erreicht. Unvermindert stark blieb jedoch die

Nachfrage nach 4proz. Werten an allen Einzels bieten, so auch nach Reichsschätzen. SteuerPitschein« l gaben von ihrem Höchststand bis auf 105,75 nach, zogen jedoch in den letzten Tagen wieder leicht an.

Demgegenüber ist der F r e i v e r k eh r recht still, von heimischen Werten tonnten Kupferberg Sektkellerei bis auf 153 Geld anziehen, doch zeigten die Kursbewegungen auch hier Schwankungen.

Der Kassa markt spiegelte die Entwicklung der führenden schweren Papiere wider, vor allein wurden vom Rückschlag die kleineren Werte mehr betroffen, während z. B. Brauaktien sich uiwermin- berter Beachtung erfreuten und mehrpro^entigk Steigerungen bis in die letzten Tage verzeichneten.

Lagendsport in den Betrieben.

Neben der allgemeinen Leibeserziehung der deut­schen Jugend in der Hitler-Jugend ist es erfor­derlich, daß alle berufstätigen Jugendlichen durch einen planvollen Ausgleichssport vor Schäden an der Gesundheit des Körpers, die durch einseitige Berufsarbeit entstehen können, geschützt werden. Aus diesem Grunde wurde zwischen dem Reichs- jugendführer und dem Leiter der DAF. Dr. Robert Ley folgende Vereinbarung getroffen:

1. Die Reichsjugendführung, Amt für Leibes­übungen, gibt die grundsätzlichen Richtlinien für die Durchführung der Leibesübungen der berufs­tätigen Jugend innerhalb der Arbeitszeit. Grund­lage dieser Leibesübungen ist das Ausbildungsbuch der Hitler-Jugend ,HJ. im Dienst" bzw.Mädel

Ull -U ICH|4 .

2. Dem Jugendamt der Deutschen Arbeitsfront mit seinen Nachgeordneten Dienststellen obliegt es, die Notwendigkeit Üer Leibesübungen der berufs­tätigen Jugend in der Öffentlichkeit und insbeson­dere bei den Betriebsführern herauszustellen. Die­ser Auftrag bedingt es, daß lediglich die Jugend- walter und Referentinnen in den Nachgeordneten Dienststellen des Jugendamtes der Deutschen Ar­beitsfront berechtigt sind, Verhandlungen über die Einführung der Leibesübungen der berufstätigen Jugend zu führen. Die Betriebsjugendwalter und Betriebsjugendwalterinnen haben dafür Sorge zu tragen, daß die junge Gefolgschaft ihres Betriebes pünktlich und regelmäßig zu den Leibesübungen in ihren Betrieben antritt.

3. Die Leibsübungen der berufstätigen Jugend werden grundsätzlich während der Arbeitszeit durch­geführt. Die Jugendlichen gehören n i d) t den Be- triebssportgemeinschaften an und beteiligen sich auch nicht an den von diesen veranstalteten Sportwett­kämpfen. Sie haben innerhalb der HI. Gelegen­heit zur Tellnahme an Meisterschaftsrunden und bei entsprechender Leistung an den Kampfspielen. Die Leibesübungen der berufstätigen Jugend sollen sich in der Regel auf mindestens eine Doppelstunde in der Woche erstrecken.

Der kommende Handballsonntag.

Nachdem der erste Spieltag der Rückrunde man­cherlei Wünsche übrig gelassen hat, wird angenom­men, daß die inzwischen getroffenen Maßnahmen ihren Teil zu einer anderen Auslegung der Bestim­mungen beigetragen haben. Denn die Pflichtspiele sollen auch im Geiste gegenseitiger Kameradschaft ausgetragen werden und nicht zu Kämpfen aus- arten, von denen keine der beiden Parteien etwas hat. Nicht zuletzt aber soll es in erster Linie auf das Spiel selbst ankommen und die Jagd nach den Punkten erst an letzter Stelle stehen. Diese Hinweise gelten mehr denn je für die Kämpfe des kommen- den Sonntags, weil es hier sehr wahrscheinlich knappe Ergebnisse und vor allem auch Ueberraschun- gen geben wird. Es sind angesetzt:

Tv. Lützellinden Tv. Hochelheim

Tv. Kirch-Göns Tv. Garbenheim Mto. Gießen Tv. Katzenfurt Tv. Hörnsheim Tv. Dornholzhausen.

Das Lokaltreffen in Lützellinden führt zwei Mannschaften zusammen, die sich, wenn man die Verstärkungen auf der einey Seite berücksichtigt, ungefähr gleichwertig sein dürften. Es fragt sich nur, welche der beiden Parteien einen Vorteil für sich herausarbeiten kann, und wem es gelingt, einen knappen Erfolg sicherzustellen.

Wenn sich Garbenheim zur Zeit auch in einer ausgezeichneten Verfassung befindet, so darf der

Gegner keineswegs unterschätzt werden; denn ht Kirch-Göns haben bis jetzt noch alle Mannschaften verloren. Ein Zeichen dafür, wie stark die Einheit auf eigenem Platze ist.

Wenn der Mto. die in den letzten Spielen gezeigte Form beibehalten hat, kann es auch diesmal wieder zu einem Sieg kommen. Es ist allerdings fragliche ob Katzenfurt das ohne weiteres hinnehmen wird. Denn die Mannschaft ist spielerisch auf der Hohe und gibt sich, wie die Erfahrung lehrt, erst nach, Kampf geschlagen.

Hörnsheim ist nut feinen Leistungen zweifellos zurückgegangen, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil Umstellungen vorgenommen wurden, die sich bis jetzt noch nicht bewährt haben. Die Mannschaft kann, nur Erfolge erzielen, wenn sie in ihrer bewährte» Aufstellung antritt und wenn sie nicht in den Fehler verfällt, anstatt zu spielen Entscheidungen bes Schiedsrichters zu kritisieren. Auf jeden Fall kam Dornholzhausen nur bezwungen werden, wenn ihm eine Einheit gegenübergestellt wird, die über ein noch größeres Können verfügt.

In der ersten Klasse ist am letzten Sonntag der Tv. Wetzlar als Sieger und damit aufsttegsberechtig. ter Verein ermittelt worden. Die Mannschaft fpidl also im kommenden Jahre in der Dereichsklaffe.

In der II. Klasse gibt es folaenbe Spiele: Tv. Nauborn Tv. Garbenheim N Tv. Ätzbach Tv. Lang-Göns.

Bezifksklaffe Gießen-Vehlar.

Durch die Hereinnahme von Bisienberg mußt« die Terminliste erneut geändert werden:

1.12.: VfL. Marburg 1900 Bissenberg Burgsolms DfB.-R. Naunheim Wetzlar 05 Watzenborn-Stetnbevg Sportfr. Wetzlar Luftwaffe.

8.12.: Sports. Wetzlar Durgfolms Watzenborn-Steinberg- DfB.-R. Wetzlar 05 VfL. Ärarburg Luftwaffe Naunheim

1900 Bisienberg.

15.12.: Burgsolms Watzenborn-Steinberg Naunheim Wetzlar 05 1900 Sportfr. Wetzlar VfL. Marburg Luftwaffe Bissenberg DfB.-R.

22.12.: Luftwaffe DfB.-R.

Naunheim 1900

Watz en b orn-Ste inbe vg VfL. Marburg Bisienberg Sportfr. Wetzlar.

29.12.: 1900 Burgsolms

Wetzlar 05 Bisienberg

VfL. Marburg Naunheim Sportfr. Wetzlar DfB.-R.

5.1.: Bissenberg Naunheim DfB.-R. Marburg Wetzlar 05 1900 Luftwaffe Watzenb.-Steinberg (Rückr.)

12.1.: VfL. Marburg Burgsolms Luftwaffe Bissenberg DfB.-R. Sportfr. Wetzlar (Ruckrunde) Watzenb.-Steinberg Naunheim (Rückr> 19.1.: Svortfr. Wetzlar VfL. Marburg

Bisienberg Watzenborn-Steinberg Burgsolms DfB.-R. (Rückrunde) Luftwaffe Wetzlar 05 (Rückrunoe) 1900 Naunheim (Rückrunde).

26.1.: VfL. Marburg Bisienberg

1900 Watzenborn-Steinberg (!Rürfruribtl Wetzlar 05 DfB.-R. (Rückrunde) Luftwaffe Burgsolms (Rückrunde)

Sportfr. Wetzlar Naunheim (Rückr.).

AerMchklmg auf Korsika

Noman von kfelnz Lorenz-Lambrecht

5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Es ist dunkel geworden. Vom Hof herauf klingt ein Hornsidnal. Zehn Uhr. Die Gefangenen haben in zehn Minuten das Licht zu löschen und im Bett zu fein. Der diensttuende Sergeant und ein Be­gleiter machen noch einmal die Runde durch die Kasernenräume, um flüchtig nachzusehen, ob alles in Ordnung ist. Kaum sind die beiden verschwunden, so blinkt da und dort über dem Kopfende des Bet­tes ein schwacher Lichtschein auf. Einer der Ge­fangenen hat diefeindwärts abgeblendete" Lese­lampe erfunden, höchst einfach konstruiert aus einer Konservenbüchse.

Viktor Gienant liegt mit überwachen Nerven. Der Traum hat ihn bis ins tiefste aufgewühlt. Das Stilliegen wird ihm zur fürchterlichen Dual. Wenn er jetzt hätte fortrennen können, in die Einsamkeit der Nacht hinein! Eine angestrengte körperliche Be­tätigung müßte jetzt eine Wohltat sein, man könnte die erregten Lebensaeffter damit zur Erschlaffung bringen. Aber wenigstens braucht er in der Dunkel­heit nicht mehr fein Gesicht zu beherrschen.

Wie außerordentlich klar dieser Traum gewesen ist! Das Erlebnis mit Thea und Dr. Mervinger teht wieder so lebendig vor ihm, als hätte es sich gestern ereignet Theas Nähe meint er fast körper- Ich zu spüren. Ein weißes Kleid trägt sie, ihr erstes großes Gesellschaftskleid. Hell und zart wachsen die Arme, wachsen Schullern und Hals hervor. Die blauen Augen haben traumhaften Glanz, sind er- füflt von der Sehnsucht des Mädchens, das an der Schwelle des Weibtums harrt. Kleine Sätze flüstert sie nah seinem Ohr. Verführerische, liebestolle Worte sind es, die Theas Mund in Wirklichkeit niemals laut werden ließ. Ganz deullich hört er das lockende Wispern, er spürt das Wehen ihres erregten Atems, fühlt das heiße Pochen ihres Herzens in der zart gespannten Brust ...

Viktor stöhnt unterdrückt auf. Er beißt die Zähne hart zusammen und krallt die Finger ins Bettzeug. Dierundzwanzig Jahre ist er, und er hat nur ein­mal geliebt. Mehr als drei Jahre führt er das

Scheinleben der Gefangenschaft. Seine Sinne sind gesund und kräftig und fordern hartnäckig chr Recht.

Er wendet den Kopf nach dem Fensterspalt. Hell vor Sternengeflimmer blinkt das schmale Rechteck. Er zwingt sich, ruhiger zu werden und anderes zu denken. Doch kommt er nicht los von der damaligen Begebenheit. /

Fünftausend Mark hat er von Dr. Mervinger an­genommen. Jawohl, das stimmt ganz genau, da ist nichts daran zu ändern. Den Fuchswallach und dreitausend Mark in bar, das kann man nicht weg­wischen. Viktor bekommt einen heißen Kopf, wenn er heute daran denkt. Heute würde er es sich drei­mal überlegen, ehe er sich auf so etwas einließe. Damals war er blutjunger Leutnant und voller Vertrauen und Unerfahrenheit. Gewiß kannte er auch damals schon recht gut den Ehrenkodex der Offiziere. Man bekam ihn beim Regiment und auf der Kriegsschule als Grundlage soldatischer Moral zuallererst eingehämmsrt, namentlich den ersten Satz.

Viktor spricht den Satz in Gedanken vor sich hin: Je mehr Luxus und Wohlleben um sich greifen, um so mehr tritt an den Osfiziersstand die Pflicht heran, nie zu vergessen, daß . es nicht materielle Güter sind, welche ihm die hochgeehrte Stellung in Staat und Gesellschaft erworben haben und er­halten werden ...

Ein ganz vortrefflicher Satz! Gemeißelt wie die Gebote Gottes. Wurden aber Gottes Gebote nicht übertreten? Warum sollten es Menfcdenqebote nicht werden? Man ist jung. Man steht als Leutnant in einem feudalen Regiment. Man liebt das hüb­scheste reichste Mädchen der ganzen Stadt. Man alaubt, vor ihm Staat machen, glänzen zu müs­sen. Man hat einen Monatswechsel von hundert Mark. Man kauft auf Pump ein Pferd und pumpt sich noch dreitausend Mark dazu. Von einem guten Bekannten, von seinesgleichen. Woher soll man Die Menschenkenntnis haben, den guten Bekannten zu durchschauen?

Natürlich hat Mervinger nicht die Taktlosigkeit besessen, das Geld bei jenem Ball zurückzüfordern, ihm die Pistole auf die Brust oder, wie es im Traum geschah, auf die Schläfe zu setzen. Gewiß nicht. Das war freie Erfindung des Traumgeistes

Mervinger ging viel geschickter vor und hielt sich korrekt. Er spielte bis zum Schluß den Mann hin­

ter der Kulisse. Eines Tages, im April vierzehn, er­schien in der Kasernenwohnung, die Viktor als einer der füngsten Leutnants innehatte, ein wenig vertrauenerweckendes Individuum. Es war schwarz gekleidet, trug einen Zwicker und hatte vor Rasie­ren bläuliche Backen. Die Haut dünstete einen schar- fen animalischen Geruch aus, der Viktor sofort und zuerst abstieß. Auch die schleimige Freundlichkeit des Besuchers stieß ihn bald ab. Dieser spielte sich als der wohlwollende Derqter eines jungen Offi­ziers auf, der in feinem Leichtsinn eine Dummheit begangen hatte.

Nach vielen Dorreden präsentierte er Viktor ein Papier, das dieser als den von Dr. Mervinger aus­gestellten Schuldschein erkannte.

Der Schuldschein is nämlich e Wechsel, ver­zeih ense gütigst, Herr Leutpant", sagte das In­dividuum.Den Wechsel hab ich in Zahlung ge­nommen für ... nu, is ja gleichgültig for was. Sagen wer for Antiquitäten und Bijouterien. Wo- dermit ich nämlich handel, wennse gestatten, Herr Leutnant, mit Antiquitäten und ... Der Wechsel is sozusagen fällig. Aber wenn Se ihn nicht können einlösen, ich kann warten, ich bin kein Halsabschnei­der, ich bin e Christ, Herr Leutnant. Wir werden ihn prolongieren, den Wechsel ..."

Es folgte die Erklärung, was prolongieren be­deute, daß es eine ganz harmlose und einfache Ge­schichte fei, die nur ein paar Mark Zinsen koste. Sagen wer fünf Perzent per Monat, versteht sich"

Viktor wußte wenigstens so viel von der Zins­rechnung, um sich an den fünf Fingern herzählcn zu können, daß er mit diesem Prolongieren erst recht in Teufels Krallen geraten würde. Er pro­longierte nicht.

Dann wolle nse mir also gleich bezahlen die ganze Sunnne?^ Das Individuum machte ein freuMiches und erfreutes Gesicht.

Nein, das wolle er nicht, well er es gar nicht könne.

Jetzt entfaltete das Individuum Wehmut und Bedauern. Es flüsterte etwas davon, daß es ihm gegen Herz und Gewissen gehe, dem verehrungs­würdigen Regimentskommandeur Meldung zu machen von der mißlichen Angelegenheit.

Da rief Viktor feinen Burschen aus der Kammer, und der Besucher verschwand.

Als er allein mar, wurde ihm sehr rasch klar, u» was es hier ging: Um feine Existenz, um fein" Ehre, um fein Lebensglück. Das Grauen umkroH ihn. Aber er war noch zu juna, als daß nicht fofpa auch ein viel stärkeres Gefühl auffchäumte.' Er D fein Vertrauen in der übelften Weise geschänW Und Das löste eine besinnungslose Gier aus, sich pu rächen. Er überlegte nicht lange, sondern fuhr w> der gleichen Stunde noch zu Dr. Mervinger.

Er war in seiner Fabrik, doch ließ er sich Damit entschuldigen, er habe eine wichtige Konferenz. Vil­lar wartete eine halbe Stunde, er wartete fast c'Nv ganze Stunde. Das Warten kühtte seine falle Ww nicht gerade ab. Schließlich ging er geradewegs rn Dr. Mervingers Prioatbüro. Mervinger saß allein drin?

Er begann sich natürlich sofort zu entschuDlgen Es sei selbstverständlich ein fatales Mißverständnis, er habe wohl Gienants Namen nicht recht verstmi' Den, er sei derart in Arbeit vertieft gewesen.

Viktor unterbrach ihn höhnisch:Dann ist da» mit Dem Schuldschein wohl auch nur ein Mißven« ständnis gewesen, Herr? Daß er in falsche Händr gekommen ist ..."

Wieso falsche Hände gekommen?" Mewiv" ger bekam runde Augen vor purem Staunen.Do« von weiß ich ja wirklich nichts ..."

Aber die Schleier waren bereits von Viktor? Augen gefallen. Hinter Der Maske sah er Mervi»' gers eigentliches Gesicht. Er verlor jede Selbstbe« herrschung und schlug seinem Todfeind mit dek Faust mitten ins Gesicht.

Jetzt war Der Skandal natürlich unvermeidliÄ Ehrenrat, Zweikampf, Ehrengericht, Festungshm, für Viktor, Der feinem Kontrahenten einen Str er- schuß am Arm beigebracht hatte, schlichter Abschier! Dr. Mervinger passierte weiter nichts. Er brache vor dem Ehrengericht sehr glaubwürdig vor, baß an der Weitergabe Des Schuldscheines beziehunH^ weise des Wechsels tatsächlich schuldlos sei. Er Hari ihn seinem Sekretär zur Aufbewahrung anoertrairt; und dieser habe ihn versehentlich aus Der Hank gegeben. Wenn der Leutnant Gienant bei seinein Besuch nicht gleich so erregt gewesen wäre, wo* übrigens er, Mervinger, ganz gut begreifen tonn?. so hätte er selbstverständlich Die Angelegenheit IJ geregelt, wie das unter xameraDen üblich unö selbstverständlich sei. (Fortsetzung folgt)