Dienstag, 29. Oktober 1940
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien)
Nr. 25b Zweites Blatt
Zahreshaupiversammlung des Gleiberg-Vereins
Der neue Voranschlag sieht in Einnahme und Aus-
„Der Barbier von SeüiUa“ im ötadtthealer.
Im Gießener Stadttheater findet heute abend 18.30 Uhr die Erstaufführung der zweiaktigen tomte schen Oper „Der Barbier von Sevilla" von Rossini statt. Auf Einladung des Intendanten Hans Walter Klein leitet die Inszenierung Dr. Paul Beckers, Oberspielleiter der Oper Remscheid-Solingen. Dr. Beckers ist Spielleiter und Musiker; nachdem er zunächst als Regieassistent an der Münchener Staatsopcr tätig gewesen war, ging er an das Landestheater Oldenburg und wurde dann Oberspielleiter am Städttheater in Ulm. Seit 1939 wirkt er in gleicher Eigenschaft an der Oper in Remscheid-Solingen. — Die musikalische Leitung hat Otto Söllner. Bühnenbild Karl Löffler. Er mir» 2 ~ .. r- * . Cl' t
und Volksbildung hat unter dem 4. Oktober 1940 dem Dr. med. vet. Albert Demnitz , Leiter der Behring-Werke, Marburg (Lahn), einen Lehrauftrag in der Veterinärmedizinischen Fakultät der Ludwigs-Universität zu Gießen für das Lehrgebiet „Tierseuchen-Therapie" erteilt.
Ehrung kinderreicher Familien.
Bei der Feier zu Ehren kinderreicher Familien am Sonntagnachmittag in der Aula der Universität — über deren Verlauf mir gestern bereits berichteten — mürben die nachgenannten Eltern mit dem Ehrenbuch für die deutsche kinderreiche Familie aus-
Bauern auf sein Feld, sein Weekend zu nennen, das große Wochenende des Jahres. Wenn ich ein Bauer märe, könnte ich vielleicht nicht dem Verlangen widerstehen, mich an einem solchen milden -Herbsttag beim Sonnenuntergang ganz einzuwühlen in die Ackererde, um darin den Winterschlaf zu halten und mich erst am großen Montagmorgen vom Gesang der Vögel wieder erwecken zu lassen zu neuem Leben.
Een mit Hella Henzky, Lisel Schröter-Beckers, Gustav Bley, Fritz Böhlig, Gustav Brunn, Christoph Reu-, land, Bernhard Schmitz, Max Schneider-Oest, Hans ^Seitz. 7. Dienstag-Miete.
Das Oberkommando der Wehrmacht veranstaltete durch die RS.^Gemeinschaft .Lraft durch Freude" für die Insassen verschiedener Gießener Lazarette einen Vortrag, den der Maler Wolf W i s s e n b a ch aus Frankfurt a. M. im Auftrage des Landes-, fremdenverkehrsverbandes Rhein-Main über das Thema „Natur- und Vogelschutzgebiete" hielt. An- Hand zahlreicher Schwarzmeiß-Bilder und farbiger Aufnahmen sprach der Vortragende zunächst über das Gebiet des Alt-Rheins bei Worms, sodann über den Vogelschutzbezirk bei Frankfurt-Bergen. Die interessanten Darlegungen in Gemeinschaft mit den schönen Bildern bereiteten den aufmerksamen Zuhörern eine gute und zugleich lehrreiche Unterhaltung. — Am Sonntagvormittag erfreute die Kreis- kapelle der NSDAP, unter Leitung des Kapellmeisters Schleuse die verwundeten Kameraden mit einem abwechslungsreichen Jnstrurnentalkonzert, das flotte Militärmärsche, Konzertstücke und Lied- kompositionen brachte. Die Soldaten und die übrigen Lazarettinsassen waren über die schöne musikalische Vormittagsgestaltung sehr erfreut ihren Dank und ihre Anerkennung brachte Feldwebel Stumpf der Kreiskapelle und ihreyr Leiter m treffenden Worten zum Ausdruck. — In einem anderen Lazarett bereitete der Gesangverein „Heiterkeit" Gießen unter/Leitung seines Ehrenchormeisters Wilhelm Schüttler den Verwundeten ein feines Erleben mit einem Gesangskonzert, das durch einige Soli bereichert wurde. Der Sängerchor brachte Lieder von Franz Schubert, Silcher, Kamm, Jsen- mann, Zöllner und Angerer zu Gehör, wahrend der Tenorist Karl F?ußer Lieder von Robert Stolz und Robert Schumann zur Bereicherung der Vorragsfolge beisteuerte. Die Soli begleitete Ehrenchormeister Schüttler am Klavier. Den sehr erfreuten Zuhörern war dieses Männergesangs- . konzert ein# vortreffliche Sonntagsfreude. Feldwebel Schäfer sprach den Sängern und ihrem Leiter den herzlichen Dank der Zuhörer aus.
Bei allen Veranstaltungen war starker Beifall die äußere Bekundung der Freude und Dankbarkeit der Hörer über den willkommenen Kunstgenuß. Vertreter der Kreisleitung, KdF. und NSKOV. wohnten den Veranstaltungen bei und betonten damit die Verbundenheit ihrer Dienststellen mit den verwundeten Soldaten.
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Das Oberkommando der Wehrmacht veranstaltete im Rahmen der Wehrmachtsbetreuung durch die NSG. ,Kraft durch Freude" weiter zwei Konzerte vor Soldaten, bei denen unter dem Motto ,.Klm- , gende Rhythmen" die Kapelle K l a u s aus Mainz, ferner Anni Brunner (Sopran), Frankfurt a. M..
, Otto Nothacker (Tenor), Frankfurt a. M., Ro- ; bert Bohn (Saxophon), Mainz, und das Streich- • quartett der Kapelle Klaus den dankbaren Zu- : Hörern ein sehr abwechslungsreiches Konzertpro- i gramm in feiner Weise darboten. Die Zuhörer be- ; kündeten ihren Dank für die gute Unterhaltung I durch lebhaften Beifall.
Giehen-Wieseck.
Am Sonntag wurde Heinrich Werner III. von hier zu Grabe getragen. Dekan Sattler würdigte in seiner Grabrede das Wesen und Wirken des Verstorbenen, der lange Jahre im Gemeinderat und als Feldgeschworener in unserer Gemeinde gewirkt hat. Für die Sängervereinigunq legte Alfred Oß- wald einen Kranz nieder. Kameradschaftsfuhrer Beil von der Kameradschaft ehemaliger 116er widmete dem verstorbenen Kameraden, der über vier Jahrzehnte der Kameradschaft angehört und als Soldat und Frontkämpfer des Weltkrieges stets seine Pflicht erfüllt hat, einen ehrenvollen Nachruf. Die Kriegerkameradschaft Wieseck ehrte ihr Mitglied durch einen Nachruf von Ludwig Weller V. und erwies ihm darauf den letzten militärischen Gruß durch eine Ehrensalve.
Dornolize«.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 18.30 bis 21 Uhr „Der Barbier von Sevilla". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Ein Leben lang". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Barbier von Sevilla".
chenbrücken; Wilhelm Hartweg, Schuhmachermeister in Friedberg; Dr. Friedrich Nicolai, Studienrat in Friedberg; Heinrich Schäfer, Reallehrer in Friedberg; Karl Weber, Kesselschmied in Friedberg; Oskar Welsch, Elektromonteur in Friedberg; Adolf Schäfer, Landwirt in Ossenheim; Franz Schon. Schuldiener in Heldenbergen; Wilhelm Wörner, Sck)losser in Klein-Karben; Tobias Beith, Schmied in Ober-Wöllstadt.
Gute Llnterhaltungsstunden für unsere Verwundeten.
Mißbrauchte Wohltätigkeit.
Beim alten Heim, einem Berliner Arzt, der ebenso wegen seiner Wohltätigkeit wie wegen f^ner Derbheit bekannt war, ließ sich einmal ein reicher Geizhals einen gebrochenen Arm heilen, und als ihm Heim dann die Rechnung schickte, erschien er höchst aufgeregt bei dem Arzt und erklärte, er brauche für seinen gebrochenen Arm keinen Pfennig zu zahlen, Heim habe ja ausdrücklich angefunbigt: Arme werden umsonst geheilt." Der alte Heim war zunächst völlig verblüfft, faßte sich aber schnell: „Ach richtig! Daran habe ich ja gar nicht gedacht. Nun machen Sie aber schleunigst mit dem umsonst ge- heilten Arm die Tür von draußen zul"
Wem man »aufs Dach flieg'.
Die sinnbildlichen Handlungen des alten deutschen Rechtes, die sich noch in unserem Sprachgebrauch erhalten haben, sind sehr zahlreich, und viele in ihrem Ursprung uns heute unverständlichen Redensarten sind daraus zu erklären. Zum Beispiel wurde das „aus Dach steigen" in1 einzelnen Fällen tatsächlich ausgeführt. So heißt es in den Blankenburgischen Statuten von 1594: „Ist ein Mann so weibisch, daß er sich von feinem eigenen Weibe raufen, schlagen und schelten läßt, der soll mit Gefängnis bestraft und ihm hierüber das Dach auf fernem Hause abgehoben werden." Die Redensart „etwas bemänteln" ist von der Bestimmung herzuleiten, die die nachträgliche Anerkennung der vor der Ehe erzeugten Kinder festsetzte. Die Kinder mußten nämlich während der Trauungsfeier unter den zur Festtracht der Frau gehörenden Mantel genommen werden und hießen daher Mantelkinder. „Diel Aufhebens machen" beruht auf der alten Sitte, nach der man vor dem Zweikampf die Waffen mit großer Feierlichkeit aufhob. „Fersengeld geben" ist wohl aus der alten gesetzlichen Bestimmung zu erklären, daß der, der seinen Genossen im Kampf verließ und dem Feind die Fersen zeigte, eine Strafe, bei den Alemannen zum Beispiel 100 Schillinge, zu zahlen hatte, .jemandem em Schnippchen schlagen" bedeutet ursprünglich den mit Daumen und Mittelfinger gegen einen anderen ausgeführten Schnalzer, eine Handbewegung, die von alters her ein Zeichen der Nichtachtung war. Die Sitte, dem Gast Wasser zu reichen, war im Mittelalter geläufig, wurde aber in der streng ständischen Gliederung des deutschen Volkslebens recht gering gewertet. Wer also nicht einmal diesen Dienfrfür einen anderen verrichten durfte, „reichte chm nicht das Wasser." C. K.
M-WnW M Stuft W Stenöe
k. b. A.-Sportamt.
Jeden Dienstag von 19 bis 20 Uhr und 20 bis 21 Uhr „Schwimmen", Volksbad, für Männer und Frauen. 4857D
Mittwochs von 20.30 bis 21.30 Uhr, Goetheschule, „Körperschule und Spieles für Männer und Frauen.
Don der Universität Gießen.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: w r .
Der ordentliche Professor für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Universität Gießen, Dr. Alfred Brüggemann» ist von der Kaiserl. Leopold. Carolin. Deutschen Akademie der Naturforscher in Halle, in Anerkennung seiner hervorragenden Forschungen auf zahlreichen Gebieten Der Oto-, Rhino- und Laryngologie zu ihrem Mitglied ernannt worden. _ . ,
Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung
ißt den Braten." Wenn der Hase nun verspeist wird, so liegt er im Pfeffer. Auch an dieses Schicksal knüpft eine Redensart an: „Da liegt der Hase im Pfeffer." lieber die Bedeutung dieser Wendung ist man sich indes noch nicht ganz einig. So wird behauptet, es werde damit auf ein Gericht, den sogenannten Hasenpfeffer angespielt, in dem sich zuweilen mehr Zutaten befänden als Hasenfletsch. Nach einer anderen Leseart besagt dieser Ausspruch, der Hase liegt bereits im Pfeffer, und es lohne sich nicht mehr, viele Worte darüber zu machen. Auch in einer anderen geläufigen Redewendung wird der Hase erwähnt, und zwar wird er darin ein Unglücksbote genannt. „Wenn der Hase läuft über den Weg — so ist Unglück schon auf dem Steg." Doch traut man dem Hasen auch gute Botschaften zu, und als Osterhase ist er ja jedermann willkommen.
Bei unseren Vorfahren war der Hase sehr geschätzt, er galt als ein treuer Begleiter der Halda, der Frau Holle. Wenn sie im Svätsahr und in den ersten Wintertagen über das Land streifte, dann liefen zwei Hasen voraus und leuchteten ihr, und zwei andere folgten ihr, getreulich die Schleppe tragend. Bekanntlich sehen manche Völker auch im Mond, in dem wir einen Mann mit einem Holz- bunfrei entdecken wollen, einen Hasen, und bald soll Meister Lampe zur Strafe, bald auch zur Belohnung dort hinauf versetzt worden fein. So finden sich ’ lguter Widersprüche in seiner Charakterzeich- nung, und selbst wenn er als Braten aufgetraaen wird, orakeln die Feinschmecker noch, ob sein Genuß heilsam oder abträglich'ist. So haben die römischen Aerzte im Altertum allen Ernstes behauptet, 'daß der Genuß von Hasenfleisch melancholisch mache. Da sie anderseits aber feststellten, daß Hasenbraten die Eigenschaft habe, jene, Die ihn verzehren mit besonderer Schönheit zu begaben, so entschieden sich viele römischen Feinschmecker, die Melancholie m Kauf zu nehmen und mit dem Wohlgeschmack Die Aussicht auf besondere Schönheit zu verbinden ...
Ortszeit für den 30. Oktober.
Sonnenaufgang 8.18 Uhr, Sonnenuntergang 17.59 Uhr. — Mondaufgang 7.12 Uhr. Monduntergang 18 01 Uhr. Neumond 0.03 Uhr. Mond m Erdnahe.
ein genußreiches Hervorziehen der Rüben und ein Abklopfen der Erde, das wie ein Stteicheln anmutet. Wo es nur angeht, setzt man sich nieder zur Arbeit, am besten auf einen weichen Haufen' von grünen Blättern, und banrt schneidet man die Rübe zu- • recht spaltet den Strunk mit den Wurzeln vom Krautkopf und nimmt die äußersten losen Blätter weg. Ach, es ist hier so wohlig — wie zu Hause am Herd. Das weite Gelände wird an den müden Herbsttagen zur traulichen Stube. Da und dort rauchen die brennenden Haufen von trockenem Kartoffelkraut und verbreiten über die ganze Landschaft hin einen häuslichen Geruch. Man wird tn die Glut unter der Asche- Kartoffeln zum Braten hineinlegen und wohl auch einige Aepfel. Und nie hat man soviel Lust gehabt zu fingen und einander zuzurusen von Feld zu Feld. In diesen Herbste tagen scheint in der ganzen Natur eine allgemeine Verbrüderung vor sich zu gehen; jedes Geschöpf und jedes Ding gibt es auf, abgesondert zu fein und schließt sich zusammen mit dem all. Was hat der Baum im Frühjahr und Sommer getan? Er hat geblüht und gegrünt, und ist in den Himmel gewachsen. Jetzt aber besinnt er sich seiner Zugehörigkeit zur Erde. Er macht sich der Färbung des Bodens ähnlich, und wenn man ihm Die Fruchte noch nicht abgenommen hat, fo läßt er fie nieDer= fallen, und auch Das Laub geht diesen Weg zur Erde, in Der Die Wurzeln festhalten.
Die schrägen Strahlen Der tiefen Sonne umweben alles mit Gold und schlagen leuchtende Stege über schattige Vertiefungen. An ihn-p gleiten vom Himmel herab die silbrigen Fäden des Altweibersommers und versuchen, alles aneinander zu binden, alles zu verspinnen. Sie schmiegen sich um die arbeitenden Finger, als wollten sie sie sachte zur Ruhe bringen und vor Mund und Augen legen sie sich manchmal, als wollten sie die Lippen zu langem Schweigen schließen und die Augen zum Schlaf.
Das Vieh, das auf den Acker mitgenommen ist, Kühe Ziegen, Schafe, das rupft da und dort Grünes das in diesem Jahr nicht mehr gemäht werden wird. Es ist mit solcher Inbrunst an dieser Arbeit, als wüßte es, daß bald jenes endlose Dasein im geschlossenen Stall beginnen wird, bei trockenem futter aus Heu und Stroh, das nur manchmal durch eine saftige Rüde versüßt werden wird.
Man ist versucht, diese letzten Ausfluge des
Aus der Stadt Gießen.
Meister Lampe.
„Menschen, Hunde, Wölfe, Lüchse, Katzen, Marder, Wiesel, Füchse, Adler, Uhu, Raben, Krähen, Jeder Habicht, den wir sehen, Elstern auch nicht zu vergessen, Alles, alles will chn fressen."
So hat ein Dichter das schwere Los der Hasen einmal besungen, von denen jetzt wieder so mancher sein Leben lassen muß. Nicht jeder Jägersmann hat in seinem Revier gleich Hirsche und Rehe, aber Hasen gibt es allerorten. Ein wenig leid tut uns der langohrige Geselle, Der uns von frühester Kinderzeit an als Osterhase oer traut ist, und von dem wir auch später nie etwas Böses hören. Nur seine Furchtsamkeit ist sprichwörtlich geworden, und wenn jemand die Flucht ergreift, ohne daß die Bedrohung allzu ernsthaft gewesen ist, dann heißt es spöttisch, er habe „bas Hasenpanier" ergriffen". Aber von dieser Furchtsamkeit, ist beim Hasen in Wirklichkeit nichts zu bemerken, ja, die Jäger wissen uns immer wieder Beispiele dafür zu bringen, daß Meister Lampe nicht weniger Mut und Entschlossenheit beweist als irgendein anderes Tier in Feld und Wald. Die Häsin verteidigt ihre Jungen mit äußerster Entschlossenheit, und wenn zwei Hasen sich um die Gunst eines Hasenmädchens streiten, bann sind sie recht streitbare Nebenbuhler. Daß Der Hase dem Jäger nicht gerade vor die Flinte läuft, sondern sich beizeiten aus dem Staube macht, das kann man ihm nicht Übelnehmen, Denn was sollte er denn anderes tun.
Dann hat man den Meister Lampe zu einem Sinnbild der Geschwindigkeit gemacht. So sagt man von einem eiligen Menschen, er habe feine Schuhe wohl mit Hafenfett geschmiert, da er fo rasch laufen könne. Aber auch wer es weniger eilig hat, kann sich mit einer Redewendung entschuldigen, in der des Hasen Geschwindigkeit verspottet wird. „Die Arbeit ist fein Hase", sagt der Faulpelz, „die läuft nicht fort". Und wer nun bas Lob der Fleißigen singt, kann noch eine andere Hafenantwort zu hören bekommen: „Der. eine fängt den Hasen, der andere
gäbe 2500,— RM. vor.
Im Bauvoranschlag, der von Burabaumeister Mohr erstattet und erläutert wurde, ist u. a. ein neuer Estrich im Buchner-Stübchen vorgesehen; ferner soll der Wilhelms-Balkon am Nassauer Bau ausgebeffert werden. Erneuerungsarbeiten sind weiter vorgesehen am Zwinger und an der Ober- burg. Hierfür, sowie für Unterhaltungsarbeiten und kleinere Reparaturen sind 1500 RM. eingesetzt. Burabaumeister Mohr sprach in diesem Zusammenhang auch über die notwendigen Umbaupläne, die infolge des Krieges bisher zurückgestellt werden muhten. Der Referent legte u. a. an Hand eigener Entwürfe einen Umbauvorschlag vor, der eine glückliche Neuordnung von Ausschank, Küche und Gastzimmer (dieses mit prachtvollem Ausblick auf Gießen) ergeben würde. Die frühere große Halle vor dem Treppenaufgang neben Der jetzigen Küche soll freigelegt werden. Die Wohnung des Wirtes würde bann einen Ausbau nach dem Dorfe Gleiberg hin erfahren. Die vorgelegten Baupläne wurden in einer regen Aussprache erörtert und sollen in der nächsten Versammlung, im Mai kommenden Jahres, erneut überprüft werden.
Was die Werbung für den Gleiberg betrifft, so äußerten alle Mitglieder die Ansicht, daß in Wort und Schrift immer wieder für Die alte Burg als ein charakteristisches Wahrzeichen frerHei- mattandschast eindringlich geworben werden müsse. Wenn anstatt der 320 Mitglieder, die gegenwärtig dem Verein angehören, 1000 und mehr mit einem Jahresbeitrag von 3 RM. sich in den Dienst der guten Sache stellten, würde es ein Leichtes sein.
gezeichnet: ' .....
Heinrich Clarius, Direktor der Universitätsbibliothek in Gießen; Gustav Rahn, Leitungsaufseher in Hungen; Wilhelm Michel, kaufmännischer Angestellter in Friedberg; Karl Seip, Arbeiter in Dortelweil; Heinrich Krug, Maurerpolier in Ober-Erlenbach; Wilhelm Schäfer, Schreiner in Dortelweil; Caroline Oberlies, Witwe des Kaufmanns Anton Oberlies in Gießen; Ottilie Seim, Witwe des Pfarrers Heinrich Äim in Gießen; Henny Zimmer, Witwe des Derwaltungsoberassistenten Karl Zimmer in Gießen; Anna Stein, Witwe des Maurers Wilhelm Stein in Hattenrod; Hermann Diehl, Zimmermann in Holzheim; Konrad Nach, Eiseridreher in Dortelweil; Heinrich Altensen, Gastwirt in Gießen; Kurt Beigang, Major in Gießen; Rudolf Bachmann, Arbeiter in Gießen; Dr. August Brüning, Universitätsprofessor in Gießen; Heinrich Dietz, Reichsbahnsekretär in Gießen; Dr. Hellmuth Deist, Oberstabsarzt und Dozent in Gießen; Karl Franzke, Polizeihauptwachtmeister in Gießen; Hermann Schirmer, kaufmännischer Angestellter in Gießen; Dr. Karl Hummel, Universitätsprofessor in Gie- ßen^ Heinrich Pfaff, städtischer Arbeiter in Gießen; Theodor Rohrbach, Arbeiter in Gießen; Wilhelm Philipp Damm, Kasernenarbeiter in Beuern; Ludwig Dirlam, Hilfsschrankenwärter in Rödgen; Heinrich Bellof XII., Landwirt in Rödgen; Karl Agel, Schlosser in Holzheim; Wilhelm Jäger, Schreiner- meister in Holzheim; Wilhelm Kropp, Zollsekretär in Lich; Willi Emmerich, Reichsbahn-Betriebswart in Dortelweil; Otto Langlitz, Reichsbahn-Betriebs- wart in Dortelweil; Karl Reibling, Schreiner m Dortelweil; Hermann Knodt, Pfarrer in Bad-Nau- heim; Adam Winkler, Lehrer in Bad-Nauheim; Johannes Grix, Reichsbahn-Betriebsarbeiter in Bru-
Dor den ersten Frösten.
Don Robert Michel.
Wenn man im Herbst über Land geht, fallt es auf, daß die Stecker und Wiesen belebter sind als je im Jahr. Selbst zur Zeit der GStreiderrcke sieht man nicht (o viele Menschen und Tiere im Gel°vde wie in den Wochen vor den ersten Frosten. Es ist, als gälte es, Abschied zu nehmen für bte lange Dauer des Winters. Nie vorher war der Bauer feinem Boden so innig verschwistert wie in den Herbsttagen Im Frühjahr und im Sommer, da Ast sein Tagewerk auf dem Felde eher den Eindruck hervor, als stünde er auf Feindlichem, dem er den Segen ab ringen muß. Dieses Säen im Früh- mH ir herrschen Gebärde, dieses hitzige Mähen in der Sonnenglut, dieses Zusammenrafsen her aefälUen Aehren und Garben und ihr Aus- sthELta ^u'spiehen der Ga^en au hie langen Gabeln und das Hochheben aus ore Leiterwagen; und ähnlich das Einbringen des H . auch da/Ackern der Stoppelfelder und das Egg , »tue hnt einen Zug von Unversöhnlichkeit.
Die Ä meist in aufrechter Haltung ver- Mtet, und das notwendige Niederbucken zur Erde wird der Bauer fonberbar zartl-ch A^°'ner Erde, nicht rote ^ftst z sch man wird auch
einem vergnüglichen Ausflug. Wagen
“Ähiw f^"A7°L—"und auf wird wohl -Uitp tuts v {ex,#« heimbrmqen.
ä»’sä zum Imbiß unter emen fen lassen;
und M) ban^^Uber Sam?f mieber in aufrechter fpater gingI im Sputberbst indessen scheint
U istÄn MUich-- Wühlen nach den Kartoffeln,
Der Gleiberg-Verein hielt dieser Tage auf der Burg Gleiberg feine Iahreshauptver- f a m m l u n g ab, der eine Vorstandssitzung vorausging. Der erste Vorsitzende des Vereins, Landrat Dr. Lotz (Gießen) wies in feiner Begrüßungsansprache daraus hin, daß der Gleiberg-Verein Vorsorge getroffen habe, die alte Burg als ein Wahrzeichen unserer engeren Heimat unter allen Umständen zu erhalten, zumal der Gedanke der Heimatpflege gerade durch den Krieg eine neue Be- lebüng erfahre. Die Versammlung gedachte in diesem Zusammenhang auch aller Soldaten aus dem Gleiberger Land, frie jetzt im Kampfe für Großdeutschlands Freiheit und Zukunft stehen.
Dem Tätigkeitsbericht des ersten Vorsitzenden war zu entnehmen, daß die Dereinstätig- feit im abgelaufenen Vereinsjahr, den Zeitumständen entsprechend, verhältnismäßig gering war. Das früher bereits in Angriff genommene Problem eines Ausbaues des Feldweges von Gießen nach Gleiberg über die Hardt harrt noch immer seiner Lösung. Der Mitgliederstand ist derselbe geblieben wie im Vorjahre. Wenn die durch den Tod alter Mitglieder entstehenden Lücken nicht im gleichen Verhältnis durch den Zugang neuer Mitglieder geschlossen werden, ist die Gefahr eines Rückganges im Mitgliederbestände nicht von der Hand zu weifen.
Aus dem von Lehrer Praß (Krofdorf) erstatteten Kassenbericht geht u. a. folgendes hervor. Die Einnahmen betrugen 2770,96 RM., die Ausgaben 1100,78 RM.; es ergibt sich somit ein bemerkenswerter Ueberschuß von 1670,18 RM., der der Baurücklage zustatten kommen und nach Beendigung des Krieges für Umbauarbeiten in den sr—-:—. „ ., „ - ra;..
Wirtschaftsräumen verwendet werden soll. Auf die schone tausendjährige Burg nut allen Gebau- Grund Der Kassenprüfung wurde Entlastung erteilt, den in einem vorzüglichen Baustande zu erhalten.
Oer Hahn und die perlen.
Die Schauspielerin Elena R. in San Sebastian hat einen Hahn „Clark", der auch auf der Bühne „als Schauspieler" tätig ist, daneben aber eine ganz besondere Vorliebe für Perlen an den Tag legt. Eines Tages fand die Schauspielerin im Ankleidezimmer des Theaters einen Ohrring mit einer koste , baren Perle nicht wieder, den fie kurz vorher ab« -gelegt hatte. Verdacht konnte gegen niemand erhoben werden, weil in der Zeit, in der die Perle verschwunden war, kein Mensch in das Zimmer gekommen war. Das einzige Lebewesen, das sich darin aufhielt, war „Clark", der in den Räumen kommen und gehen konnte, wie er wollte. Man konnte zu« nächst nicht glauben, daß der Hahn fich.hie Perle einoerleibt haben sollte, aber um alle Möglichkeiten ,w ergründen, wurde „Clark" einer Untersuchung mit T-Strahlen unterworfen, und dabei entdeckte man tatsächlich die kostbare Perle in dem Schlund des Tieres. Noch größer aber wurde die lieber« roschung, als die L-Strahlen das Vorhandensein von fünf Knöpfen mit Perlen enthüllten, tue Der Hahn in anderen Ankleidezimmern gesunden und verschluckt hatte. Um das für seine Herrin wertvolle Tier nicht zu töten, führte man eine Operation an ihm aus, durch die man die Perlen wiedererlangte. Der Hahn erholte sich schr schnell, und als er zum erstenmal auf der Bühne wieder erschien, wurde er mit lebhaftem Beifall begrüßt. C. K.


