Ausgabe 
29.7.1940
 
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murr Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Montag, 29. Juli (940

dem ersten Vortrag

SA. im Waldstreifendienst unterwegs

NLG. Wer eine Landschaft betreut, die von na­türlicher Schönheit erfüllt ist und einen ungewöhn­lichen Reichtum an kulturellen Schätzen besitzt, der kennt seine Verpflichtungen auch im Kriege. So baute der Landesfremdenverkehrsver­band Rhein-Main im Rahmen der von der N S.-G emsinfchaftKraft durchFreude" durchgeführten Wehrmachtsbetreuung im zeitigen Frühjahr einen Vortragsdienst auf, der für die in seinem Gebiet befindlichen mobilen Truppen be­stimmt war. Mit Lichtbildgerät und großen Bilder­serien waren neun Redner unterwegs und hielten vor den verschiedensten Einheiten nach Dienstschluß ihre Vorträge. Selbstverständlich waren es interes­sante Schilderungen einer Landschaft und ihrer Menschen, ihrer Sehenswürdigkeiten und Wirt­schaftsweise. Als am 10. Mai die Truppen aus dem Rhein-MaimGebiet nach Westen zogen, wurde die inzwischen bewährte 'Organisation auf die Laza­rette umgestellt. Auch diese Art öe<r Betreuung fand sogleich die Anerkennung der militärischen Kommandostellen und brachte in die zahlreichen La­zarette und Genesungsheime des Rhein-Main-Ge- bietes Freude und Abwechslung.

War es vorher für die in Bereitschaft liegenden Soldaten interessant, ihr, augenblickliches Gelände einmal in ruhiger Wanderung zu durchstreifen, so

können! Groß, blau und gelb, mit starken durch­sichtigen Flügeln, surrt die Reue dreimal in stolzem Flug über den braunen Schaft der Flinte, bis die zierliche Grüne davonzieht. Da hat die Stärkere das Reich, meint, es müsse etwas Besonderes an meinem Flintenlauf sein, und läßt die Flügel schwirren, daß sie wie gläserne Luft erscheinen.

Wäg, wäg", ruft der Bleßhahn vor der Schneise, wo bist du geblieben, Jägersmann?"

Wie schwarze Schlittschuhläufer jagen die Wasser­käfer über die stille Lache. Sie fangen kleine Ker­fen, die beim Flug niederfielen und sich vergeblich vom Wasser zu erheben suchten. Blitzschnell flitzen sie hin und her, bis sie selbst ein Größerer greift. Ein kluger Mann sagte mir einmal, die schlanken, gefälligen Tiere gehörten zum Geschlecht der Was­serwanzen; es hat lange gedauert, bis ich an ihrem entzückenden Spiel wieder Gefallen fand.

Wäg, wäg, geht es norm Schilf hin und her. Mein Hund hört es genau, er weiß, daß es uns gilt, und starrt nach draußen mit Augen, die zwi­schen schmalen Lidern vor Zorn glühen. Wäg, wäg, antworte ich, aber er sieht mich ernst an. Keine 3eit zum Scherzen! . v

Im Schilf gibts ein Keifen. Natürlich wieder der Erpel, der die paar Entenküken verteidigen muß. Der Hecht zog einige unter Wasser, der Fuchs holte zwei am Ufer, und was übrigblieb, jagt das Volk der Schwarzröcke aus dem Rohr. Deutlich hört man jetzt das aufgeregte Zäckzäckzäck des Wasserhahns und das traurige Quarten der Breitschnäbel. Em Gutes hat der Zank aber doch; der Warner drau­ßen schweigt, er ist wohl ins Schilf gegangen, um seinesgleichen beizustehen. Ich horche und scheuche zugleich die schlafmüde Teufelsnadel vom Flinten- schaft in schönem steilem Flug steigt sie auf.

Aber während ich auf die Schneise achthabe, zieht es wie ein Schatten über die Federähren des Röhrichts hinweg. Das Licht beginnt in einem mat­teren Glanz zu leuchten, es ist, als ob die Zett auf einmal um eine Stunde vorgesprungen sei, oder als ob vor der Sonne ein Wölkchen unsichtbar sich auflöse. Es ist indes noch etwas anderes! Ein un­endlicher Zug von Eintagsfliegen schwebt überm Wasser, so stark, daß der Wind sich unter ihm zu beugen scheint und der See aufhört zu glimmen und zu flimmern. Ein Jubeltanz von Namenlosen und'Unendlichen schwingt sich, wiegt sich, fallt und erhebt sich wieder. Zuweilen sinken Scharen, die

höher im Licht wandern, herab und wählen unter den Tänzerinnen und wirbeln und taumeln zum Wasser nieder.

Man sagt, diese Eintagsfliegen lebten drei Jahre in zahlreichen Verwandlungen, von denen eigent­lich jede ein selbständiges Leben sei und nichts um die anderen wisse, bis sie diese letzte Körpergestalt gewonnen hätten. Mer jetzt vermögen sie nicht mehr zu essen noch zu trinken, sie warten nur auf den Tag der Unzählbaren. Sie sind nur noch Emp­fängnis und Tod und sterben, wenn sie, die Tief- schwebenden, jebeine ihre tausendfache Frucht haben ins Wasser sinken lassen. So geht es feit, der Ur­zeit des Bernsteins und seitdem der Kalkstein wuchs. Wieder fand ein solcher Tag statt, wieder hebt sich das Wunder der schöpfenden Ueberfülle vor meinen Augen, die Sonne ist blaß hinter einem Schleier.

Als Knabe habe ich einmal gesehen, wie im Frühling eine Verwandte der Eintagsfliegen, ein Tier, das man die Wasserblüte nennt, ohne Zahl aufwuchs. Wie ein Sieden und Brausen war es, als eines Frühmorgens die Kerfen sich zu Tausen­den aus der Flut erhoben und unter Hinterlassung der Hülle mit wiegenden Flügeln zu Schilf ~unt> Halm schwebten. Diese Eintagsfliegen sind höher, leichter, sie haben einen Hochsommertag gewählt, um vor mir zu tanzen.

Sogar mein Hund ist aufmerksam geworden, das blassere Licht macht ihm wohl Unbehagen. Er kriecht auf dem Bauch ein wenig näher, wie er es zu tun pflegt, wenn ihm etwas Unheimliches begegnet.

Im nächsten Augenblick aber sind Herr und Hund nicht mehr bei dem Eintagsgewimmel, nicht bei Be­trachtung von Lichteinfall und Schmälerung. Der Jäger hat die Flinte an die Backe gerissen, wirft die Schulter zurück und auf der Schneise schlägt ein Bleßhahn wild mit den Flügeln.

Hab ich dich, alter Bursche, war's dir langweilig geworden mit deinem Wecken und Warnen? Woll­test einmal sehen, wo der Heger geblieben ist, der dir den Entenkampf verdirbt?

Der Hund schwimmt dunkel davon. Jetzt hat er den Bleßhahn und kommt schnaufend, in ungeheurer Wichtigkeit und im Bewußtsein seiner Dienste, vom ,See zurück. Die Sonne glänzt in der Wasserschleppe hinter ihm. Und sie glitzert in den springenden Tropfen, als der Wackere die Beute vor mir nieder - legt und sich schüttelt, alles Wasser über seinen armen Herrn schüttelt. .

Stabsarzt, wenn er daß Ihr auch später

Erfolgreiche Vortragsreihe des Landesfremdenverkehrsverbandes

Gedanken in der Nacht.

Don Karl Heinz Waggerl.

Schlafen kann ich nicht. Alle Fenster sind offen, vielerlei Geräusche bringen herein, die Stimmen der nächtigen Welt, und die Luft ist ftisch und bewegt, als läge man frei unter dem Himmel. Das Wasser rauscht unten im Tal, verebbend und wieder an­schwellend im sachten Wind. Einmal schlägt ein Hund an, etwas raschelt im Apfelbaum und fällt ins Gras, und manches ist gar nicht auszumachen, ein ungewisser Klang, vielleicht ein Ruf von ganz weit her. .

Eine Weile später stehe ich auf, schlüpfe tn den Mantel und setze mich unten vor die Tür, ohne reckten Grund, nur so, vielleicht bringt mir die Kmste den Schlaf.

Da lehne ich am harten Holz und schaue in das bewegte Gewölk am Himmel, ich bin nicht heiter und nicht traurig, nur ganz allein, und vor mir steht die Nacht, die dunkel gefiederte. Und wieder einmal geschieht es, daß ich mich allmählich aus mir selber löse. Ich fühle, erkenne mich gleichsam als ein Ding unter andern Dingen und bin mir zu­gleich unbeschreiblich fremd. Nie werde ich aus­drücken können, wie seltsam und beklemmend diese Empfindung ist, sie geht auch immer schnell vorüber. Aber genau erinnere ich mich der Stunde, in der mir das zum ersten Mal zustieß. Ich war im Bubenalter, saß in der Schulbank und die Kinder um mich, und alles war wie sonst. Und mit einem Male wurde mir bewußt, daß ich gewissermaßen doppelt vorhanden war. Ich hörte, wie ich laut auf­schrie, ich sah mich selber Hals über Kopf dem Leh­rer in die Arme rennen, und dann war es vorüber. Etwas löste sich in mir und verrieselte sacht.

Wie unbegreiflich ist das alles, denke ich, wie ge­brechlich das Triebwerk des Lebens hinter deiner Stirn, immerfort in Gefahr, von den ungeheuren Kräften überflutet zu werden, die im gewaltigen Ganzen wirken. Und vollends dein Herz, erfüllt vom Spiel der Empfindungen, eine andere Welt als die aus Geist und Stoff, aber gleich wunderbar in ihrer geheimen Ordnung und nicht weniger weit­räumig. In der bittersten Not, im Grausen der Feldschlacht überkamen dich Augenblicke einer Ver­zückung, die nicht mehr irdisch war. Und em ande-

fand man bei den Verwundeten und Kranken größte Aufnahmebereitschaft für diese Unterhaltung.Sie haben bei meinen Verwundeten", sagte ein Ober­feldarzt,in schönster Weise das Bewußtsein ver­tieft, daß sie für unsere unvergleichliche deutsche Heimat ihr Leben eingesetzt haben", und ähnlich äußerte sich ein weitgereister

LO-Kilometer-Marsch der Wehrmannlcbasten.

Die Wehrmannschaften des Standorts Gießen unternahmen gestern mit ihren Ausbildern, den Ka­meraden der SA., einen Marsch über eine Strecke von 20 Kilometer. Der Marsch führte zunächst nach Rödgen, von dort nach Trohe und Alten-Buseck. An­schließend wurde der Höhenzug des Hangelsteins am Daubringer Paß überquert. Auf dem Saubringer Paß wurde der Marsch für kurze Zeit unterbrochen und die Wehrmannschaften von ihren Ausbildern im Entfernungsschätzen, in der Geländebeobachtung und bei der Tarnung im Gelände überprüft. Dann wurde der Marsch nach Daubringen fortgesetzt und von dort aus nach Gießen zurück angetreten. An der Wellersburg fand sich Brigadeführer Schwarz ein, um die Meldung der Wehrmannschaften entgegen­zunehmen. Nach dem Wiedereintreffen in Gießen führte der Marsch um Werner- und Horst-Wessel- Wall und schließlich über den Seltersweg durch die Sonnenstraße zum Standartenhof. Brigadeführer Schwarz, der zur Zeit auf Urlaub in Gießen weilt, hielt hier eine kurze Ansprache an die Wehr­mannschaften, in der er insbesondere auf die hohe Bedeutung der vormilitärischen Erziehung hinwies. HHenieinW M W öurOeuöe

Im Monat August bieten wir siebentägigen Fe­rienaufenthalt jeweils von Samstag zu Samstag in den Kreisen Büdingen und Schotten. 3344D

Teilnehmerpreis 22, RM. (ohne Fahrt).

Erster Aufenthalt in der Zeit vom 3.8. bis 10.8. 1940. Anmeldungen bis spätestens Mittwochs in unserer Verkaufsstelle, Seltersweg 60.

$ür ein besseres Europa."

Die neue Filmwochenfchau.

Die neue Reihe der Bilddokumente unserer Zeit bringt diesmal einleitend Bilder von den italieni­schen Kriegsschauplätzen, vom Einsatz der italieni­schen Truppen in den Alpen, aber auch von dem Kampf unter den schwierigen Bedingungen in Afrika. Einige ausgezeichnete Aufnahmen zeigen den Brennpunkt des Interesses im Mittelmeer, Gibraltar. Auch Hongkong, Englands wunder Punkt im Fernen Osten, wird uns vor Augen geführt. Die deutsche nimmermüde ^nitiatiue läßt sich in ein­dringlichen Aufnahmen vorn Wiederaufbau im be­setzten Gebiet erkennen. Einige Bildszenen lassen noch einmal das Elend der Flüchtlinge ahnen, das die Staatsmänner der Plutokratien über das fran­zösische Volk heraufbeschworen haben.

Eine überaus freudige Note tragen aber jene Bil­der, die die Rückkehr der Volksgenossen von der Saar in ihre Heimatstädte schildern, wo sie mit Militärmusik empfangen wurden und mit überglück­lichen Gesichtern wieder die ihnen vertrauten Stra­ßen gingen, von denen unsere ruhmreiche Wehr­macht die Schrecknisse des modernen Krieges fern- gehalten hat.

Den Höhepunkt in dieser neuesten Bilderreihe stellt aber die Wiedergabe des Einzugs unserer Sol­daten in Berlin dar. In den Bildern lebt alle jene Begeisterung und Freude, die ganz Deutschland sei­nen siegreichen Soldaten entgegenbringt. Der Jubel der Berliner Bevölkerung findet in 'allen, die diese Bilder der' Wochenschau sehen, ein lebhaftes Echo und weckt den Wunsch, auch bald den Soldaten in den uns vertrauten Straßen zujubeln zu können. ; Die Wochenschau stellt «jeder eine Bereicherung . des Filmprogramms unserer Lichtspielhäuser dar, . ohne die man sich heute eine Filmvorstellung über- ( Haupt nicht mehr denken könnte. N.

i *

**Ausgezeichnetundbefördert. Maior , vonLachemair.der Kommandeur einer Kampf- : gruppe im Westen, wurde mit dem Eisernen Kreuz l. Klasse ausgezeichnet und gleichzeitig zum Oberst- , leutnant befördert. Dem Hauptmann Johannes : Nebeling (Musiklehrer, Thomastraße 37) wurde » für Tapferkeit vor dem Feind die Spange zum Eiser­

res Mal sangst du fröhlich mit den Freunden, oder du lagst bei der geliebten Frau, und plötzlich fiel dir das Herz in einen Abgrund schwarzer Traurig­keit. Nichts ist gewiß, und wo das Wissen anfängt, steht der Tod.

Wunder der Verschwendung

Don Hans Friedrich Blunck.

Der See hat abfallende Ufer. Nur im Norden, wo von weither ein wenig Wasser zu ihm nieder­sickert, bildet er eine von Binsen und Ret bestandene Bucht. Das ist der rechte Ort für die Wildenten, und sicherlich wäre manches junge Gelege dann hochgekommen, wenn sich nicht die Blehhühner alle Gewässer erkämpften und die Erpel vertrieben. Gs ist ein Elend, daß man sich mit dem Schwarzgesi^ der herumschlagen muß und mit den Schüssen auch noch die bunten Enten beunruhigt, die man doch gerade schützen möchte.

Eine Schneise im Schilf. Vielleicht haben sie die Fischer geschlagen, vielleicht hat das Ouellwasier Eisen geführt? Für mich ist's jedenfalls, gerade der rechte Platz, und wenn mich nicht einer der Schwarzröcke gesehen hatte, als ich bergab stieg, könnte ich unbemerkt auf das von der (Seemitte Heimkehr ende Gevögel warten. Aber ein verwünsch­ter Hahn warnt und quäkt unaufhörlich vor der Rohrkante. Und die Hühner weiterhin nehmen es auf, und sogar die wenigen Enten im Schilf schnat­tern und fragen erregt nach dem Grund der Un- rU9hm .ich muß warten. Behutsam lege ich die Flinte auf die Knie. ..

Eine Seejungfer schwirrt hm und her bis sie auf dem Zielkorn den rechten Platz gefunden hat. Fast eifersüchtig bin ich; diese neue Flinte ist mein Stolz, Freunde haben sie mir geschenkt, und ich gehe so behutsam mit ihr um, daß ich selbst den Libellen mißtraue. Aber diese wird ihr nichts tun; es ist ein wundergrünes Ding, em Weibchen also, und wartet vielleicht auf den dunkelblauen Ehe- herrn, der zu ihr gehört. Die Sonne blitzt aus chrem Leib die Flügel glänzen blatzbraunlch ft- tragen ein Schillern, daß man die Augen nicht abwenden kann Aber noch ehe der Eheherr nahekommt, will . die Teufelsnadel da sitzen wo meine grüne See- , jungfer sitzt. Daß Verwandt- einander nicht leiden

Die SA. der Standarte 116, die mit der Ausbil­dung der Wehrmannschaften in jüngster Zeit ein umfangreiches Arbeitsgebiet übertragen erhalten hat und in dieser Arbeit bereits sehr erhebliche Erfolge verzeichnen konnte, hat in den Besichtigungen der vergangenen Wochen, in den Appellen, bei den Hebungen uni) Märschen zeigen können, welche wert­volle Arbeit sie im Dienste der Wehrertüchtigung leistet. Diese Ausgabe stand in den vergangenen Wochen im Vordergrund. Die Wehrmannschaften treten seit wenigen Wochen auch äußerlich in schöner Geschlossenheit auf und sind, nach ihrer nunmehri­gen Uniformierung, ein neues Element im Bild unserer Stadt.

Neben diesen Aufgaben, die so im Dienst der Wehrertüchtigung geleistet wird, wird aber manche andere Aufgabe weitergepflegt, die nicht weniger wichtig ist. Eine dieser Aufgaben ist der Waldbrand- Streifendienst. Seit Monaten sind Sonntag für Sonntag Kameraden im braunen Ehrenkleid unter­wegs, in den heimischen Wäldern, in den ausge­dehnten Forsten zwischen Gießen und Annerod, im Schisfenberger Wald und im Bergwerkswald. Sie opfern die Stunden ihrer Freizeit, um einen Dienst zu tun, der, wohl nicht schwer, aber doch von großer Wichtigkeit ist. Wenn auch in unserer Volksgemein­schaft eine allgemeine Disziplin immer mehr erkenn­bar wird, wenn dank der intensiven Schulungs­arbeit der Partei und ihrer Gliederungen, der einzelnen immer mehr im Sinne der Volksgemein­schaft denkt und handelt, so muß doch befürchtet werden, daß es immer noch einzelne Menschen gibt, denen es schwer fällt, sich einzuordnen und sich so zu verhalten, wie es im höheren Interesse nun ein­mal notwendig ist.

Immer wieder werden einzelne Volksgenossen da­bei ertappt, die als leidenschaftliche Raucher sich, so wenig im Zaume haben und es nicht unterlassen können, auch im Walde zu rauchen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen.

Wenn auch nicht gerade im Augenblick, so ist doch in Sommerszeiten das Rauchen im Walde eine Gefahr für das wertvolle Volksgut, den deut­schen Wald. Aus diesem Grunde setzt die SA.- Standarte aus den verschiedensten Stürmen Sonn­tag für Sonntag ihre Männer ein, um einen Auf­sichtsdienst zu leisten, der im angedeuteten Sinne der Volksgemeinschaft dient. An jedem Sonntag­morgen melden sich bei verschiedenen Förstern der hiesigen Forstämter die Kameraden im Dienstanzug der SA., nehmen die Armbinden in Empfang, die sie äußerlich ausweisen, außerdem erhält aber je-

roirbt. Mit dem Spaziergang der Waldstreife aber ist für die Beteiligten immer auch das schöne Ge­fühl einer Pflichterfüllung der Allgemeinheit gegen­über verbunden. N.

sagte:Ich lege Wert darauf, noch wißt, in welcher Gegend Ihr als Verwundete gelegen habt".

Der klarste Beweis für die beifällige Aufnahme dieser Vorträge war es, daß jedes Lazarett (wie vorher jeder Truppenteil) nach dem ersten Vortrag alle anderen Vorträge ebenfalls belegte und nach dem Wechsel des Zuhörerkreises den gleichen Vor­trag oft zweimal ausbat. Unermüdlich reiften die Redner des Landes fremd en Verkehrs verband Rhein- Main nach allen Richtungen zu den Lazaretten und augenblicklich kann der Verband auf die hohe Zahl von 265 Vorträgen blicken, durch die er den Kameraden in Bereitschaft oder im Lazarett interes­sante Stunden bereitet hat. Mehr als einmal konn­ten die Redner hören, daß eine solche Unterhaltung, die Kulturgeschichte, Volkskunde, Wanderung und viel Humor brachte, den nachhaltigsten und lebendig­sten Eindruck hinterlassen Hal.

Aus der Wunschkonzertspende des NS.-Reichs- kriegerbundes wurden große Beträge für alle die Zwillinge zur Verfügung gestellt, deren Geburt im Rahmen der Wunschkonzerte des Deutschlandsen­ders den Vätern im Felde durch den Aether ver­kündet wurde. Viele hundert Soldatenfrauen in allen Gauen Grohdeutschlands haben in den letzten Wochen unb Monaten den Besuch von Kreiskrieger- füljrern und Kameradschaftsführern erhalten, die ihnen im Auftrage des NS.-Reichskriegerbundes Sparkassenbücher als Grundstock für die Erziehung ihrer Zwillingskinder überreichten. Für diesen Zweck wurden zunächst 2OOOORM. aus der Wunsch­konzertspende des NS.-RKB. für die Zwillings­spende zur Verfügung gestellt, weitere 50 000 RM. tarnen dann noch hinzu. Auch der Kreiskrieger- führer Regierungs-Oberveterinärrat Dr. M o n - narb konnte dieser Tage von der Reichskrieaer- führung eine solche Spende zur Heb ergäbe in Gie­ßen in Empfang nehmen.

Am Samstagnachmittag wurde an Frau Doro­thee Schaffner, Fröbelstraße 2, die Spende durch^den Propagandaobmann Polizeimeister Die­sel und den Geschäftsführer (Siebe mit einer kurzen Ansprache feierlich übergeben.

Der Vater der Zwillinge (zweier kräfttger Jun­gen) Oberingenieur Schaffner vom Elektrizitäts­werk Gießen steht zur Zeit als Unteroffizier in Norwegen. Frau Schaffner nahm die beiden Spar­kassenbücher mit dem eingezeichneten Wert von je 50 RM. mit herzlicher Freude entgegen.. Besonders groß war ihre Freude über das sichtbare Zeichen der kameradschaftlichen Verbundenheit des NS.- Reichskriegerbundes mit den Kameraden an der Front.

Aus der Stadt Gießen.

Schöne Stunden im Botanischen Garten.

Im Auftrag der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" fand gestern vormittag unter Leitung von Inspektor Nessel für eine stattliche Zahl von Be­suchern eine Führung durch den Botanischen Garten statt, die jedem Teilnehmer nachhaltige Eindrücke vermittelte.

Im Jahre 1609 wurde unser Botanischer Garten durch Schenkung eines Gartenstückes hinter dem Schloß begründet. Aus räumlichen Gründen mußte die forstbotanische Abteilung zunächst am Schiffen­berg untergebracht werden, bis nach mehreren Ge­ländeerwerbungen im Laufe von drei Jahrhunderten, unter verdienstvoller Aufbauarbeit verschiedener Pro­fessoren, der Botanische Garten in seiner heutigen Anlage mit etwa 15 000 Pflanzen zustande tarn. Daraus erklärt sich auch die Gliederung: die Baum- und Sträucherabteilung am Alten Schloß und den äußeren Rand entlang, etwas willkürlich und ohne Zusammenhang der einzelnen Baumfamilien ange­legt; die Pflanzen- und Blumenabteilung, systema­tisch gegliedert in Nutz- und Zierpflanzen, Heilpflan­zen, Giftpflanzen, Wasserpflanzen und in den Ge­wächshäusern die tropischen Pflanzen, Sträucher und Bäume; das Alpinum mit allen Alpenpflanzen vom Edelweiß bis zur Latschenkiefer.

Inspektor Nessel gab Erläuterungen über Namen und Herkunft der wichtigsten Pflanzen, über ihre Eigenarten und über ihre praktische Verwertbarkeit. Den Zuhörern wurde in großen Zügen ein anschau­liches Bild gegeben sowohl von der Mannigfaltigkeit unserer heimischen Pflanzenwelt mit besonderem Hin­weis auf die wichtigsten Nahrungsmittel- und Ge­spinstpflanzen, wie auch der subtropischen und tropi­schen Gewächse, von denen beispielsweise die Reis- pflanze, der Kakaobaum und der Kaffeebaum ganz besondere Aufmerksamkeit hervorriefen.

Den Dank aller Teilnehmer an den Vortragenden brachte ein Beauftragter der NS.-Gemeinschaft Kraft durch Freude" zum Ausdruck.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Bal pare". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Der rettende Engel".

Soldatenzwillingskinder erhalten Sparkassenbücher.

weils einer der beiden Kameraden, die sich auf Waldstreife begeben, einen Ausweis, in dem feine Berechtigungen Umrissen sind. Schließlich werden vom Förster auch einige Formulare ausgegeben, auf denen diejenigen notiert werden, die gegen die selbst­verständlichste Sorgfaltspflicht verstoßen. Die Män­ner der Waldstreife sind durch ihre Ausweise ohne weiteres berechtigt, Name und Wohnung derjenigen festzustellen, die im Wald rauchend oder unvorsich­tig mit Feuer umgehend angetroffen werden. Von zuständiger Stelle wird dann auf Grund der An­zeige die Strafanzeige erstattet. Die Kameraden von der Waldstreife dürfen es nicht bei bloßen Ver­warnungen belassen, denn nach den Erfahrungen, die man im Anfang dabei gemacht hatte, erschienen freundliche Warnungen als durchaus unzweckmäßig. Wer im Walde rauchend angetroffen wird, hat also Anzeige zu gewärtigen. Der Waldstreifendienst wird von der SA. während des ganzen Sonntags, also während der Zeiten des lebhaftesten Spazier- gängerverkehrs durchgeführt.

Der Dienst auf Waldstreife wird von den Kame­raden der SA. nicht ungern getan. In den Sturrn- und Truppabenden melden sich die meisten frei­willig hierzu. Der Dienst ist nicht schwer und führt zu längeren Spaziergängen in unsere schönen Wäl­der, zu Spaziergängen, die vielleicht nicht unter­nommen würden, wenn hier nicht gleichzeitig eine Pflicht erfüllt würde.

Besonders schön ist es am frühen Morgen im Walde. Auf allen Gräsern blitzt der Tau, der über Nacht gefallen ist. Das Licht der Sonne fällt schräg in den Wald und wenn gar noch leichte Morgen­nebel in den Bäumen liegen, dann ergibt sich für das wache Auge manches schöne Bild, das wie eine Freude mit in den Alltag hinübergenommen wird. Wie viele Kameraden der SA. haben auf diesen Waldstreifen das Wild gesehen, das auf Lichtungen und an Wegrändern äst, so mancher hat den herr­lichen Flug des Bussards in der Morgensonne ge­sehen, und so manche Waldstreife ist vom Eichelhäher mit Gekrächze begleitet worden, denn der Vogel fühlt sich verpflichtet, alles andere tierische Leben durch seinen Schrei aufmerksam zu machen, daß Menschen im Revier sind. Der gemeinsame geruhige Weg, den die Kameraden zu zweien unternehmen, hat die Ka­meradschaft gefördert, und in manchem Gespräch hat man sich näher tennengelernt. So mancher SA.- Kamerad hat vielleicht auch ein neues und stärkeres Gefühl für die Natur gewonnen, die ja auf solchen stundenlangen Wegen lebhaft anspricht und für sich