„Kanalarbeiter" am Werk.
Deutsche Stukas zersprengen britischen Geleitzug. Von Kriegsberichter Zrih Mittler.
PK. (DNB.) Unter dem Zelt auf unserem Staf- fel-Liegeplatz haben wir es uns bequem gemacht. Skat spielen, Zeitung lesen, Briefe schreiben, das alles scheint bei jedem die Zeit auszufüllen, aber keiner ist recht bei der Sache. „Es liegt was an" — so orakelt mein Flugzeugführer, mit dem ich soeben einen prächtigen vkat dresche. Damit meint er auf gut deutsch, daß ein Angriff in der Luft liegt. Das Wetter ist ja auch wie geschaffen dazu. Gute Sicht, herrliche Wolken, mehr braucht ein Stukaverband nicht.
Und es liegt auch was an. Mitten in den Grand hinein ertönt das Alarmsignal. Ein Geleit- zua von 21 Kähnen schwimmt im Kanal. Schwimmwesten, Kombinationen und Kopfhaube werden auf- gestülpt, der Angriffsplan vom Staffelkapitän entgegengenommen, und dann rollen unsere braven Ju 87 auch schon zum Start.. Wie ein Hornissenschwarm erheben sich die Maschinen vom Boden. Bald haben alle Ketten in Marschformation aufgeschlossen. Zwei Mann sind wir in jeder Maschine, Flugzeugführer und Fliegerschütze. Jungens von der Waterkant, die das Meer kennen und wissen, wie man ein Schiff angreift Höher und höher klettern wir. Auf dem Weg zur Küste wird der Jagdverband ausgenommen, der unseren Schutz gegen englische Säger übernimmt.
Noch haben wir nicht die Küste bei Palais erreicht, da sehen wir auch schon unserAnariffs« z i e LSoeben passiert der Geleitzug die Höhe oes Hafens von Dover, etwa 4 bis 6 Kilometer von den Hafenanlagen entfernt Als letzte Staffel des Verbandes greifen wir an. Für wenige Augenblicke kann das Auge die englische Küste entlangschweifen, wo die Häfen Eastbourne, Asting, Dungenes, Litt-
letown und unter uns Dover deutlich zu erkennen sind. Da, wo London liegen muß, ist nur ein großes graues Etwas zrr erkennen, die Peripherie der im Dunst liegenden Millionenstadt
So schnell sind wir erschienen, daß die Flak erst anfängt zu bellen, als wir uns bereits im Absturz befinden. Zuerst fingen die schweren Flakgeschütze von Dover an, in deren Schußbereich wir gerade noch liegen, aber auch unter uns auf dem Wasser blitzt es auf. Kleine Frachter und Boote scheint man dort mit Abwehrkanonen und Zwillings-MGs ausgerüstet zu haben.
Mit rasender Geschwindigkeit geht es den Zielen entgegen. Vor uns haben bereits die beiden Staffeln unserer Gruppe geworfen. Auf zwei Schiffen kann ich eben noch im Stur^flug Rauchwellen feststellen, dann hat auch mein Flugzeugführer geworfen und reißt die Maschine nur wenige hundert Meter über dem Meere wieder nach oben. Aber doch genügt dieser Moment des Abfangens, um seitwärts die Wirkung unserer Bomben zu erkennen. Einem 5000- IonnerJ)aben wir unsere ganze Ladung aufs Heck gesetzt. Während des Hochziehens behalte ich ihn für einige Sekunden noch in den Augen. Aus der großen Qualm- und Rauchwolke, die über dem Schiff lagert, blitzt es auf. Feuer. Der Kasten brennt. Nur wenige Minuten noch, und er wird absaufen.
.Acht Schiffe haben wir insgesamt mit Volltreffern belegt, einen 5000-Tonner mittschiffs, einen weiteren am Heck, drei Kähne mit je etwa 4000 Tonnen am Heck und mittschiffs und einen mit etwa 3000 Tonnen auf dem Vorschiff getroffen. Die britische Handelsflotte schmilzt täglich zusammen. Stukas sind auf der Wacht und verdienen sich jeden Tag in hartem Einsatz ihren Ehrennamen als „Kanalarbeiter".
Heimkehr der Fallschirmjäger ans dem hoheii Norden.
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Deutsche Fallschirmjäger, die sich in Narvik tapfer geschlagen haben, verlassen nach der Beendigung der Kämpfe auf einem deutschen Transporter den Hafen von Narvik. — (PK.-Trapp-Atlantic-M.)
Neue italienische Erfolge im Sudan.
Der Flottenstützpunkt Alexandrien bombardiert.
Der italienische Wehrmachtsbericht • vom Sonntag.
Rom, 28. Juli. (DRV.) Der italienische Wehr- Machtsbericht vom Sonntag hat folgenden Wortlaut:
Der Flottenstützpunkt von Alexandrien ist bombardiert worden. In Rordafrika haben erfolgreich jenseits der Cyrenaika-Grenze gegen englische Panzerabteilungen durchgeführte Angriffe dem Feind schwere Verluste zugefügt. Es sind vier Panzerwagen erbeutet und weitere sechs schwer beschädigt worden. Außerdem wurden einige Gefangene gemacht, darunter der englische Abteilungskommandant.
Unsere Luftgeschwader haben gestern lm östlichen Wittelmeer auf große Einheiten der englischen Flotte wiederholte und außerordentlich wirkungsvolle Bombenangriffe nusgeführt.
In B u m b a d e, der Ausfallpforte des Blauen Rite, an der Grenze von Jtalienifch-Oftafrika, hat ein italienischer Eingeborenenverband eine starke feindliche Abteilung verfolgt und ihr schwere Verluste zugefügt.
Die Einnahme von Ghezan.
Emfallspforte in den Sudan.
Rom, 28. Juli. (DNB.) Zu der im heutigen italienischen Wehrmachtsbericht bekanntgegebenen Aktion der italienischen Truppen ander Einfallspforte des Blauen Nils nach dem englisch-ägyptischen Sudan meldet ein Sonderberichterstatter der Stefani-Agentur aus Addis Abeba die Einnahme von Ghezan (am Zusammenfluß der beiden Flüsse Tumat und Surin), einem wichtigen Punkt, dessen sich die Engländer seinerzeit zum Schaden Abessiniens bemächtigt hatten. Ghezan stelle einen vorzüglichen Ausgangspunkt für weitere Aktionen Italiens dar und fei vom Feind mit einer starken Garnison hartnäckig verteidigt worden, auch die Höhen um den Ort herum seien durch Verteidigungsanlagen verstärkt worden. Nachdem die feindlichen Schützengräben mit automatischen Waffen und Handgranaten sturmreif gemacht worden seien, hätten die italienischen Kolonialtruppen im Sturmangriff die Engländer geworfen und sie noch eine weite Strecke auf der nach Roseires führenden Straße verfolgt. Als auf dem Fort von Ghezan die englische Fahne, die die britischen Soldaten auf ihrer Flucht miriu- nehmen vergessen hatten, eingezogen und an ihre Stelle die italienische Flagge gehißt wurde, brach bei der Bevölkerung heller Jubel aus. Sie veran
staltete zu Ehren des italienischen Kommandanten ein großartiges Reiterspiel. In wenigen Tagen, so erklärt die Agentur Stefani, haben die Italiener durch die Einnahme der wichtigen Knotenpunkte von Cassala, Galadat, Britisch-Moyale und Ghezan vier glänzende Siege an den Grenzen des Sudan und des Kenia errungen.
Die Einnahme von Knrmnk im Sudan.
Rom, 27. Juli. (Europapreß.) Zu der im italienischen Wehrmachtsbericht gemeldeten Einnahme von Kurmuk im Sudan durch die italienischen Kolonialtruppen berichten die Blätter ergänzende Einzelheiten. Danach erfolgte der Angriff beim Morgengrauen unter starker Vorbereitung durch Luft- ftreitkräfte. Die italienischen Flieger hätten durch wohlgezielte Bombenabwürfe das Fort von Kur- muk vollständia zerstört, während die Askaris und Dubais zum Angriff vorgingen. Die Engländer feien aus der Ortschaft hinausgeworfen worden und hätten die Flucht ergriffen. Ein Maschinengewehrnest, das dem Angreifer schwer zu schaffen machte, wurde durch einen Handstreich eingeborener Soldaten unter Führung eines italienischen Offiziers mit auf gepflanztem Seitengewehr gestürmt und unschädlich gemacht. Den italienischen Truppen fielen bedeutende Kriegsmaterialvorräte, darunter zahlreiche Maschinengewehre und Schnellfeuergewehre, in die Hände. Die Eingedorenen-Führer von Kurmuk erschienen sofort nach der Besetzung des Ortes bei dem Befehlshaber der italienischen Truppen und erklärten sich bereit, unter italienischer Flagge gegen die Engländer zu kämpfen.
Die AuSlandspreffe beim Duce.
Rom, 27. Juli. (Europapreß.) Der Duce empfing in den frühen Morgenstunden des Samstags im Park feiner Privatwohnung, der Villa Tor lo n ia , die römischen Vertreter der Auslandspresse, um gewissen von der englischen Lügenpropaganda und amerikanischen Sensationsblättern verbreiteten Märchen über seinen angeblich unbefriedigenden Gesundheitszustand den Bcäien zu entziehen.
Mussolini, der, mit einer ärmellosen leichten Jacke bekleidet war, seine Hannoveraner Stute Thiene ritt, ließ sich am Eingang zur Reitbahn die ausländischen Pressevertreter durch den Volkskulturminister P a v o l i n i und den Generaldirektor der Auslandspreise, Gesandten Rocco, vorstellen, wobei er jeden einzelnen durch Kopfnicken oder eine Handbewegung begrüßte. Dann konnten sich die Pressevertreter durch persönlichen Augenschein von dem ausgezeichneten Gesundheitszustand des Duce überzeugen. Denn er führte ihnen etwa zwanzig Minuten lang ein anstrengendes
Galopp- und Hindernisreiten vor, bei dem er die Hindernisse bis zu 1,55 Meter Höhe in glänzendster Form nahm. Bei der Verabschiedung richtete Mussolini an die anwesenden deutschen Schriftleiter in. deutscher Sprache mit ironischem Lächeln die Frage: „Nun, bin ich krank, schwach, müde?" Diese Frage löste allgemein Heiterkeit aus.
Darauf zog sich der Duce in sein Arbeitszimmer zurück, und die ausländischen Pressevertreter verließen die Villa Torlonia in der Ueberzeugung, daß die körperliche Gesundheit und geistige Spannkraft Mussolinis, der am 29. Juli sein 57. Lebensjahr vollendet, nicht nur nichts zu wünschen übrig lassen, sondern frischer denn je sind.
Oer italienische Wehrmachtsbericht vom Samstag.
Rom, 27. Juli. (DJ1B.) Der Il-lienische wehr- machlsbericht hat folgenden Wortlaut: Der Flotten- siühpunkt von Malta ist im Lauf der Rächt heftig bombardiert worden. Außer dem bereits gestern in Rordafrika als abgeschossen gemeldeten Gloucester-Flugzeug ist ein zweites Flugzeug des gleichen Typs ebenfalls vernichtet worden. Von den anderen Fronten ist nichts Wesentliches zu berichten.
Wachsende Spannung im britischen Kabinett.
Oie Kriegsfinanzierung erregt Unzufriedenheit.
Stockholm, 28. Juli. (Europapreß.) Die Nervosität in England und die Angst vor einer Invasion deutscher Truppen und der Landung von Fallschirmtruppen greift weiter um sich. „Afionbladet" gibt eine englische Verordnung wieder, wonach sämtliche Namenschilder von Städten, Dörfern und anderen Ortschaften sofort zu vernichten oder zu übermalen sind. Nicht nur allein Schilder von Eisenbahnstationen und die Derkehrsschilder an den großen Autostraßen, sondern auch die Anschläge an den Kirchentüren und die großen Verkaufsschklder der Hausmakler, soweit sich auf ihnen Ortsnamen befinden. — In England hat die Zeit des Cocktailtrinkens aufgehört. „Sunday Expreß" teilt mit, daß die Vorräte an italienischem und französischem Wermut aufgebraucht seien. THt großem Bedauern stellt das Blatt fest, daß umfangreiche Mengen von Bordeaux, Buraunder und Cognac in den Kanal- Häfen zum Versand nach England bereit lagen, als die französische Kapitulation erfolgte. Die Weine und Spirituosen seien nun Deutschland in die Hände gefallen.
Bisher hatte man die Rationierungsmaßnahmen in Deutschland mit Hohn bedacht und von einer Lebensmittelknappheit im Reich gefaselt. Jetzt stehen in London die Frauen in endlosen Schlangen vor den Lebensmittelgeschäften, da jeder noch vor dem Inkrafttreten der hohen Umsatzsteuer seine Einkäufe tätigen will. Besonders die Artikel, die als Luxuswaren mit 33*/, Prozent Steuer belegt werden, werden lebhaft gefragt. In den Tabakläden ist das Gedränge nicht geringer, weil die Männer vor Jn- traftttreten der neuen Zigarettenverteuerung sich einen Vorrat an Rauchwaren hamstern. Die Sparaktion der Regierung, mit deren Hilfe ein Teil des riesigen Fehlbetrages im Staatshaushalt ausgeglichen werden soll, wird durch diese Kaufwut der Bevölkerung zu einem großen Teil zunichte gemacht, weil auch die breiten Massen immer mehr befürchten, daß man in kurzem sehr viele Artikel in England überhaupt nicht mehr wird kaufen können.
Weitere Berichte aus London sprechen von einer neuen Spannung innerhalb der Regierung. Das von Schatzkanzler Sir Kingsley Wood verkündete K r i e g s b u ö g e t hat in den Kreisen der ärmeren Bevölkerung größte Entrüstung hervorgerufen. Die Finanzmaßnahmen der Regierung zur Deckung der Rüftungskosten belasten die kleinen Steuerzahler unverhältnismäßig schwerer als die großen Kapitalien. Die in der Regierung vertretenen Minister der Arbeiterpartei werden mit Protestzuschriften aus ihrer Wählerschaft überschwemmt. In den Zuschriften wird eine Abgabe von allen Kapitalvermögen zur Kriegsfinanzierung gefordert. Die Spannungen innerhalb der Regierung werden noch vermehrt durch die Besorgnisse, die von konservativen Kreisen hinsichtlich der L o h n v o l i t i k der Labourminister geäußert werden. Heftig kritisiert werden von, konservativer Seite besonders Arbeitsminister Ernest B e v i n und Beschaffungsminister Herbert Morrison.
„Daily Mail" schreibt: Durch die jetzige Finanzierungspolitik werden wir in eine unabsehbare I n - f l a t i o n hineingezogen. Die Lebenshaltungskosten in England sind bisher um 30 v. H. gestiegen. Weitere Preissteigerungen sind unvermeidlich, wenn die
anarchische Lohnpolitik ihren Fortgang nimmt. Niemand mißgönnt den Rüstungsarbeitern ihre Sondervergütungen. Aber die Vorteile, so meint das Blatt, welche die Arbeiter von den ständigen Lohnerhöhungen ableiteten, gingen auf Kosten eines zunächst unsichtbaren, aber ernsten Schadens für die nationalen Interessen des Landes. Die Lohnpolittk der Labourminister erhöhe nicht nur die Gestehungskosten des Kriegsmaterials, sondern auch di^ Exportindustrie würde zu Lohnerhöhungen gezwungen, um Mht ihre guten Arbeiter zu verlieren. Die britische Regierung hänge aber von diesen Export- inbuftrien ab um ausländische Devisen zu erlangen für die Beschaffung der Rohstoffe zur Munitionsherstellung. Der Verkauf von in England befind- liehen amerikanischen Wertpapieren sei nur schleppend Mglich, sofern man nicht große Kursverluste hinnehmen wolle.
Nach den Rennpferden die Windhunde.
Neuyork, 29. Juli. (DNB. Funkspruch.) Wäh- rend der Plan der Evakuieruna englischer Kinder nach Ueberfee — soweit es sich nicht um Pluto- kratensprößlinge handelt — anscheinend an unüberwindlichen Hindernissen scheitert, bestehen offensichtlich keinerlei Schwierigkeiten für die Verschiffung von 3 0 0 englischen Windhunden nach den Bermudasinseln. Die London Greyhound Racing Association hat diese „sehr dringliche" Evakuierung durchgesetzt und finanziert, „damit der beliebte Sport der Hunderennen sowie die Züchtung von Rennhunden durch die Kriegsereignisse nicht gefährdet wird". Es wird dem englischen Arbeiter, für dessen Kinder kein Schiffsraum mehr vorhanden ist, gewiß ein großer Trost sein, daß diese kostbaren Spielzeuge der Plutokraten ihre edle Rasse ungestört von Dem Krachen der Bomben werden fortpflanzen können. Eebenso begeistert werden die Eltern „gewöhnlicher" Kinder sicherlich darüber sein, daß trotz des immer knapper werdenden Schiffsraums 110 führende englische Modehäuser eine große Musterschau zusammengestellt haben, die in Begleitung zahlreicher Mannequins nach den Vereinigten Staaten gebracht und im ganzen Lande zur Schau gestellt werden soll, weil man davon eine Steigerung des Anfalls von Dollardevisen erwartet, was bei den bekannten britischen Währungsnöten durchaus verständlich ist.
Oie Hot
der ägyptischen Baumwollhändler.
Rom, 27. Juli. (Europapreß.) Die ägyptischen Baumwollhändler haben einen Aufruf veröffentlicht, in dem auf die schwere Schädigung des ägyptischen Baumwollhandels durch die Engländer hin- gewiesen wird. In den Lagerhäusern faule die Baumwolle, von der Wohl und Wehe der ägyptischen Nation abhänge. Der kürzeste und wirtschaftlichste Weg für die Baumwollausfuhr nach Dftafien über Port Sudan sei von England unterbunden worden. Die Transporte müßten jetzt den Weg über Basra am Persischen Golf nehmen, was außerordentliche Verspätungen und eine starke Erhöhung der Transportkosten zur Folge habe.
Die USA. an der Zeitenwende.
Von unserem Or.
Washington, im Juli.
In der „großen Politik" der Vereinigten Staaten kann der ernsthafte Beobachter gegenwärtig Anzeichen bedeutungsvoller Ereignisse spüren. Das eine: Präsident Roosevelt rief einen nationalen Verteidigungsausschuß ins Leben, der eine Aufgabe ähnlich der des deutschen Vierjahresplans zu erfüllen hat. Damit hat sich Roosevelt bewußt von den New Deal-Beyörden, die einst zur Neuordnung der Wirtschaft der USA. geschaffen waren, losgesagt und sich traditionellen, ja konservativen Wirtschaftlern, wie Herrn Knudsen, Generaldirektor von General Motors, und Herrn S t e 11 i n i u s anvertraut, der einen gleichen Posten beim großen amerikanischen Stahltrust hat.
Das andere: Präsident Roosevelt hat vor nicht langer Zeit eine Schwenkung seiner Wirtschaftspolitik vorgenommen, indem er Vorarbeiten zur Gründung eines panamerikanischen Export- Kartells anregte.
Dabei handelt es sich bei dem Export-Kartell- Plan um ein gemeinsames Verkaufsbüro der 22 amerikanischen Republiken mit Einschluß von Kanada, die ihre Produktionsüberschüsse auf diese Weise' an Europa und die übrige Welt verkaufen wollen. Damit gibt Präsident Roosevelt und noch mehr sein engster Mitarbeiter Cordell H u l ( — wohl nicht ohne bestimmte Hintergedanken — die Meistbegünstigungspolitik und die Hoffnung auf eine baldige Wiederherstellung eines freiverkehren- den Welthandels auf. Der Plan, der sich die Prinzipien staatlich gelenkter Wirtschaft und darüber hinaus einer panamerikanischen Großraumwirt- schaft verschreiben möchte, verfolgt offenbar zwei Ziele: Einmal soll er für den Absatz von Warenüberschüssen sorgen, anderseits möchten USA. eine große kontinentale Wirtschaft treiben. Dem Plan werden aber wohl die harten Tatsachen praktische Hindernisse in den Weg stellen. Er ist auf absehbare Zeit schon deshalb nicht zu verwirklichen, ober wenigstens nicht ohne Aufopferung wichtigster Sektoren sowohl der nord- als auch der füdamerika- nifchen Wirtschaft, weil Nord- ebenso wie Südamerika landwirtschaftliche Ueberschuß- I ä n b e r sinb. Das geplante Kartell müßte natürlich gegen seine landwirtschaftlichen Ueberschüsse Jndustrieerzeugnisse eintauschen, vor allem auch deutsche.
Den Vereinigten Staaten geht es aber heute schon darum, die sogenannte wirtschaflliche Derteidi- gung der wesllichen Halbkugel auch durch eine m i -
Hck.-Korrespondenien.
litäri sche zu ergänzen. Monatelange Verhandlungen um Stützpunkte und gemeinsame Flugplätze sind fehlgeschlagen. Uruguay, die kleine Republik, die sich immer als Zankapfel der beiden großen Nachbarn Brasilien und Argentinien vorkam, ist bereit, mit den Vereinigten Staaten auch „militärisch" zusammenzuarbeiten. Erfahrene Kenner Latein- Amerikas versichern immer wieder, daß Latein- Amerika ein tief eingewurzeltes Mißtrauen gegen den Yankee-Imperialismus fjabe und daß es südlich des Rio Grande, des nördlichen Grenzflusses Mexikos, keine Demokratien im angelsächsischen Sinne gebe. Die Vereinigten Staaten schauen auch auf den Fernen Osten und eine einflußreiche Senatsminderheit verschafft sich immer wieder Gehör, die auf die von dort den Vereinigten Staaten drohenden Verwicklungsmöglichkeiten verweist, die ungleich größer seien als die jenseits des Atlantik. Die amerikanische Flotte hält sich auch nach den Manöoern immer noch im Pazifik auf, eine Folge des Alpdrucks, das Ende des europäischen Krieges könnte im Fernen Osten Veränderungen auslösen, die den Amerikanern unerwünscht wären.
Jnnerpolitisch gesehen, hat die Entwicklung des europäischen Krieges einsichtigen Amerikanern die- Augen darüber geöffnet, daß das Land mit demokratischen Phrasen, mit Träumen von internatio- naler Moral und ähnlichen müden Floskeln aus der Wilson-Aera es ja nicht einmal zu einem ausgesprochenen Nationalgefühl gebracht hat, daß man wehr denn je davon entfernt ist, eine Nation im modernen Sinne darzustellen.
Vor wenigen Tagen stritten sich namhafte Publi- zisten am Radio um die Stärke des amerikanischen Heeres. Einer meinte, es zählte 75 000 Mann, ein anderer ergänzte, es feien doch^ 250 0 00 Mann Schließlich meinte ein dritter, die besagten 75 000 Mann sei der Teil, welcher im Sinne eines europäischen Krieges bewaffnet ist und wenn es fein wußte, nach Europa geschickt werden könnte. Die Meldungen der Wehrmacht laufen nur verhältnismäßig spärlich ein. Vor allem interessieren sich die jungen Leute für den Beruf des technischen Soldaten als Funker, Elektriker, Kraftfahrer und der. gleichen, weil sie dann eine Ausbildung erhalten, die sie später im Zivilberuf anwenden können. Eine Umfrage in der Neuyorker Abendzeitung „Daily Mirror" ergab neulich, daß sämtliche befragten jungen Leute aus diesen Gründen zur Armee gingen, nicht jedoch aus vaterländischen Erwägungen. Das Amerika, welches sich einbildete, durch Ozeane voy


