Samstag. 29. /Sonntag, 30. Juni 1940
Gießener Anzeiger
(90. Jahrgang Nr. (52
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vrühlsche UniverMtsdruckereiR. Qmge General-Anzeiger für Oberhessen .k6«.gs.eiero6.t-»
SiebessarabischeFragegeW Rumänien tritt Bessarabien und die nördliche Bukowina an Rußland ab.
2H o 5 f a u, 28.6. (DRV.) Die TASS gibt am Freitag bekannt, daß am 26. Juni die Sowjetunion dem rumänischen Gesandten in Moskau, Davidescu, ein Ultimatum überreicht habe, in dem die Sowjetunion die jofortigeRückgllederqng bernürdlichenBukowinasowieVessara- irlens verlangt. Am 27. 3uni hat die rumänische Regierung dem Auhenkommissar Molotow eine Anl- ivort überreicht, in der es heißt, daß die rumänische Regierung bereit fei, über die fraglichen Gebiete zu verhandeln. Der Auhenkommissar fragte den yotfchafter Davidescu, ob Rumänien prinzipiell mit frer Abtretung der besagten Gebiete einverstanden lei, da die Rote der rumänischen Regierung diese Zusage nicht enthält. Der rumänische Botschafter erklärte, die rumänische Regierung sei mit den Vor- chlägen der Sowjetregierung einverstanden.
Daraufhin richtete die Sowjetunion am 27. 3uni rine zweite Rote an Rumänien, in der es heiht, ixifo die Sowjetunion die Räumung der beugten Gebiete innerhalb von vier Lagen, angefangen am 28.3uni, 12 Uhr Ortszeit, und die sofortige Besetzung der Städte Akkerman, Czernowitz und Aischinew fordert. Die rumänische Regierung erklärte sich damit einverstanden, bat jedoch i»ie Sorvjetregierung, die Räumungsfrist zu verlängern. Sie erklärte sich sofort bereit, Vertreter ifir eine Kommission zu ernennen, die die Räu- nungs- und Abtretungsfragen bereinigen sott. Die Sowjetunion hat ihrerseits General Koslow und ben General Boldin zu Vertretern in Vieser Kommission ernannt. Die Verhandlungen sotten in Odessa geführt werden. Ab 28. 3uni, um 14 Uhr Ortszeit, haben sich die sowjetrussischen Truppen in Richtung der Städte Czernowitz, Kischinew und Ufterman in Bewegung gesetzt.
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Daß die besfarabische Frage aus die jetzt erfolgte Weise gelöst worden ist, hat sich Rumänien zum iberwiegenden Teil selbst zuzuschreiben. Es hat im vergangenen Jahr ohne weiteres die englische Garantie", deren tatsächlichen Wert es hätte leimen müssen, gern angenommen. Das ist insofern vesentlich, als sich die englische Garantie für Ru- -nänien in ihrer Tendenz gegen Deutschland rich- :ete, während Rumänien von Deutschland nicht das geringste zu befürchten hatte. Im Verlauf des Krieges hat sich Rumänien dann zu einer klaren, eindeutigen Haltung gegenüber den großen europäischen Problemen nicht rechtzeitig entschließen können. Eine gewisse Klärung trat erst ein, als sich die Seutschen Waffen auf einem Kriegsschauplatz nach iem andern durchgesetzt hatten. Die nun erfolgende Schwenkung Rumäniens war jedoch nur noch eine Selbstverständlichkeit ' gegenüber vollzogenen Tat- ächen, nicht aber ein Ausdruck selbständiger poli- r.scher Dispositionen.. Die Folge des von Rumänien verfolgten schwankenden Kurses war eine Zuspitzung n der stets offen gebliebenen bessarabischen Frage. Sowjetrußland hat ja die willkürliche Zuweisung 3essarabiens '1919 an Rumänien durch die West- riächte niemals anerkannt, auch nicht in dem rus- 'sch-rumänischen Nichtangriffsvertrag. Als Molotow Anfang April in seiner Rede vor dem Obersten Sowjet die öffentliche Aufmerksamkeit auf die 3essarabien-Frage als auf ein strittiges Problem Unlenkte, glaubte Rumänien noch immer, auswei- ifrenb antworten zu können. So kam es schließlich Lazu, daß Sowjetrußland sich zu einer kurzfristigen Regelung dieser alten Streitfrage entschloß.
~ Der ganze Vorgang ist wiederum eine typische folge jener Politik, mit der England solche Staaten zu beglücken pflegt, die mehr oder weniger offen s ine Partei nehmen. Inzwischen hat Rumänien tenn auch offiziell die Bestätigung dafür bekommen, daß England nicht im Traume daran denkt, ms seiner an Rumänien gegebenen Garantie irgendwelche Konsequenzen zu ziehen; denn das halbamtliche englische Reuterbüro versichert eilig, »aß „jetzt Operationen gemäß der englischen Garan- le an Rumänien nicht in Frage kommen", daraus mag Rumänien die Folgerung ziehen, daß er von England gegebenenfalls genau so geopfert vorden märe,mie schon vor ihm andere Staaten. Cs hat also zweifellos gut daran getan, sich mit ter von Rußland geforderten Regelung einverstan- ten zu erklären.
Bei Besfdrabien und der nördlichen Bukowina hindelt es sich um ein Gebiet von rund 45 700 Lvadratkilometer mit über drei Millionen Men- syen, das zwischen Pruch, Dnjestr, der unteren Jcnau und dem Schwarzen Meer liegt. Die Bevvl- k-rung ist. stark gemischt aus Rumänen, Russen, Bulgaren, Deutschen, Ukrainern, Tartaren und einer sehr hohen Zahl von Juden, die vor allem u den Städten stark überwiegen. Hauptstadt ist kischinew mit etwa 110 000 Einwohnern. Das Gebiet ist bekannt für seine außerordentliche Fruchtetest besonders an Getreide, Wein, Obst, Hirse mb nicht zuletzt an Sojabohne, mit denen bereits i » 000 Hektar bestellt sind. (6000 Waggons Bohnen in Jahr.) Der Name Bessarabien hat mit Arabien ^chts zu tun, er geht vielmehr zurück auf Bassarab wat Großen, der 1310 dort die „Tara Romaneasca", eilt rumänisches Reich gründete.
. Bessarabien, im Altertum von Skythen bewohnt, m 3. Jahrhundert von Goten besetzt, seit 1367 zum Moldau-Fürstentum gehörig und mit ihm unter «bischer Herrschaft, kam nach fünf Befreiungs- '^egen im Frieden von Bukarest 1812 aus türkiser in russische Hand. 1814 bis 1842 erfolgte die TTiwanderung zahlreicher deutscher Kolonisten. Nach ■tom Krimkriege gehörte Bessarabien von 1856 bis zu Rumänien, dann wieder zu Rußland. Schon l-24 hat Rußland auf einer russisch-rumänischen Rmfereng in Wien vergeblich eine Volksabstim
mung für Bessarabien gefordert, in dessen Städten wie im Großgrundbesitz und in einem beträchtlichen Teil der bäuerlichen Bevölkerung auch heute noch Russisch gesprochen wird. Neben zwei rumänischen und zwei jiddischen erschienen fünf russische Zeitungen, die aber gegen Ende 1938 verboten wurden. Da Rumänien die Sowjetunion nicht anerkannt
hatte, bestand auch keinerlei Verkehr über den Grenzfluß Dnjestr, dessen sämtliche Brücken abgebrochen worden waren; erst vor zwei Jahren wurde eine einzige wiederhergestellt, über die dann eine Eisenbahnlinie führte. Die starke Annäherung Rumäniens an das frühere Polen war seinerzeit in erster Linie durch die besfarabische Frage begründet.
Wohnhäuser, wurden Bomben geworfen, wobei mehrere Personen getötet oder verletzt wurden. Unsere Nachtjäger schossen drei feindliche Flugzeuge ab.
Bei einem Angriffsversuch auf den Flugplatz Stavanger-Sola wurde ein britisches Flugzeug noch während des Anfluges über See abge- fcho-sen.
Die Flak-Artillerie der Kriegsmarine schoß zwei feindliche Fleugzeuge ab.
Insgesamt verlor der Gegner am 27.3uni 12 Flugzeuge in Luftkämpfen und 4durchFlak- Abschuß. Ein eigenes Flugzeug wird vermißt.
Kapitänleutnant Prien versenkte wieder 40100 BRT. - Rüstungswerke und Hafenanlagen in Süd- und Mittelengland erfolgreich mit Bomben belegt. - 16 Jeindflugzeuge vernichtet.
Lebhafte Aktionen der italienischen Luftwaffe.
Rom, 28. 3unl (DRB.) Der italienische Heeresbericht Rr. 17 laufet:
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Lebhafte und glänzende Aktionen der Luftwaffe in Rordafrika und 0 ft a f r i f a.
Feindliche rückwärtige Verbindungen und motorisierte englische Abteilungen sind an der Lyre- naika-Grenze wirksam mit Bomben belegt worden, wobei beträchtlicher Schaden angerichtet wurde.
3n Luftkämpfen ist ein englisches Flugzeug über Asmara zur Landung gezwungen worden. Die unversehrt gebliebene Besatzung wurde gefangen genommen. Heber Asfab wurde ein Flugzeug ab- geschossen, zwei weitere wurden schwer beschädigt.
Die Kanal- und Atlantikküste Frankreichs fest in deutschem Besitz.
Die französischen Truppen in Nordafrika legen die Waffen nieder.
Einstellung der Feindseligkeiten in Syrien.
Der Wehmachtsbericht vom Mitag.
Führerhauptquartier. 28. 3uni. (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Wie im Waffenstillstandsoertrag vorgesehen, erreichten unsere im Lüstenstreifen vorgehenden Schnellen Abteilungen gestern abend südlich Bayonne die spanische Grenze. Damit ist die gesamte Kanal - und Atlantik-Küste Frankreichs in unserem sicheren Besitz.
Kapitänleutnant Prien meldet die Versenkung von 40 100 BRT. feindlichen Handelsschiffsraumes.
Kampfverbände der Luftwaffe griffen auch in der Rächt zum 28. Juni Rüstungswerke sowie Hafenanlagen in Süd- und Mittel- England erfolgreich mit Bomben an. Explosionen und ft arte Brände wurden teilweise noch lange nach den Angriffen beobachtet.
Am 27. Juni flogen tagsüber an verschiedenen Stellen der niederländisch-belgischen Küste britische Flugzeuge ein. Sie wurden von unseren Jagdflugzeugen angegriffen, wobei an einer Stelle alle 6 eingeflogenen Flugzeuge abgeschos- s e n wurden. Zwei anderen Flugzeugen gelang es, im Schuhe tiefhängender, durchbrochener Wolkenfelder bis in die Gegend von Hannover vorzusiohen und Bomben abzuwerfen. Mehrere Tote und Verletzte, sowie einiger Sachschaden sind zu verzeichnen.
Auch in der Rächt zum 28. 3uni flogen wiederum britische Flugzeuge nach West- und Rorddeutschland I ein. An verschiedenen Stellen, darunter auch auf |
Rom, 29. 3uni. (DRB. Funkspruch.) 3n wohlunterrichteten italienischen Kreisen wird die Rach- richt bestätigt, daß der Oberkommandierende der französischen Streitkräfte in Rordafrika, General Rogues, in Ausführung des Befehls des Generalissimus Deyqand seinen französischen Truppen in Marokko, Tunis und Algeri en angeordnet habe, die Waffen niederzulegen. Ferner hat General Mittelhauser die Einstellung der Feindseligkeiten in Syrien angekündigt. General G o u r a n d , der ehemalige Gouverneur von Paris, der am Donnerstag auf dem Wege nach Französisch-Marokko Tanger passierte, soll nach Ansicht spanischer Kreise den Auftrag haben, die führenden französischen Beamten in Rordafrika, die mit dem von der französischen Regierung gerichtlich verfolgten ehemaligen General d e G a n 11 e in London in Verbindung gestanden. haben, abzusehen.
Die französische Waffenstillstandskommission in Wiesbaden.
Wiesbaden, 28. 3 uni. (Lpd.) Die Mitglieder der französischen Daffenstillstandskommission sind am Freitagabend um 20.30 Hhr auf dem Flugplatz Wiesbaden-Erbenheim eingetroffen und haben sich sofort in Autos in i h r Standquartier „Hotel Rose" begeben. Vor dem holet, das die Reichskriegsflagge gehißt hat, ist ein Doppelposten aufgezogen.
Keine Grenzübertritte nach Spanien mehr.
Madrid, 29. Juni. (Europapreß.) In der spanischen Hauptstadt herrscht große Begeisterung über die Ankunft deutscher Truppen an der französisch-spanischen Grenze. Sämtliche Zeitungen widmen dem Ereignis große Berichte. Das Blatt „Jnformaciones" hatte seinen Direktor Viktor de la Serna an die Grenze entsandt. Die Zeitung „Madrid" schreibt, nun könnten sich die deutschen und spanischen Soldaten von Angesicht zu Angesicht sehen. Wie aus Jrun gemeldet wird, hat die panikartige Flucht gewisser Elemente von Frankreich nach Spanien infolge der von deutscher und spanischer Seite eingeführten strengen Grenzkontrolle in den Pyrenäen am Freitag fastvöllig aufgehört. Die deutsche Besetzung und die Grenzkommandos haben mit sofortiger Wirkung die Ausreise von Juden deutscher Herkunft aus Frankreich verboten. Kapitalverschiebung und Verschleppung von Werten dürfte hierzu der Anlaß gewesen jein. Typisch für diese
Verschiebungen ist der Versuch eines Juden, der noch am Donnerstag 30 Kilogramm Gold von Portbou über die Grenze nach Spanien bringen wollte.
Umbesetzungen
in der Regierung petain.
Rom, 28. Juni. (Europapreß.) Innerhalb der französischen Regierung sind, wie aus Bordeaux berichtet wird, einige Umbesetzungen vorgenommen worden. Der Staatsminister M a r q u e t f)at bas Innenministerium übernommen. Der bisherige Innenminister P o m a r e t erhielt das A r - beits Ministerium. Das Informations- Ministerium, das bisher von dem Minister für öffentliche Arbeiten, Frofsard, mitverwaltet wurde, übernahm der frühere Arbeitsminister F e v r i e r. Die in Bordeaux weilenden Senatoren und Abgeordneten hielten eine Sitzung ab, in der sie Berichte Lavals und Marquets über die dringlichsten Derwaltungs- und Wirtschaftsfragen anhörten. Die Regierung hat gegen französische Staatsangehörige, die ins Ausland geflüchtet sind und von dort aus Intrigen gegen Frankreich spinnen, ein Verfahren wegen Verschwörung gegen die Staatssicherheit eingeleitet.
Verbündete unter sich.
Berlin, 28. Juni. (DNB.) Nach Aussagen französischer Kriegsgefangener über die Kämpfe d e r bei St. Valery an der Kanalküste ein» ge schlossenen englisch-französischen Truppen verhinderten die Engländer mit allen Mitteln die Franzosen an der Einschiffung oder sie zwangen sie zum Wiederaussteigen, wobei ihre Aufforderung durch Drohungen mit der Handgranate bekräftigt wurde. Ein französischer Hauptmann bat einen englischen Kommandanten, er möge 30 Verwundete an Bord nehmen. Die Antwort war: „Erst kommen die Engländer, dann die Franzosen und zuletzt^ die Verwundeten." Die französischen Soldaten wurden wiederholt von den englischen Offizieren darauf aufmerksam gemacht, daß sie die Front zu halten hätten. So wollte man sie am Betreten der Häuser und an der Verpflegung durch die Ortseinwohner verhindern. Zwei Franzosen, die dieser Anordnung zuwiderhandelten, wurden von den Engländern mit Revolverschüssen niedergestreckt. In den Leuchtturm bei Boules les Roses hatten sich Franzosen geflüchtet, aber auf Aufforderung traten sie wieder ins Freie, unter ihnen auch eine Frau, die Mutter eines Kindes. Kaum zeigten sich jedoch die ersten Franzosen, da eröffneten die Engländer aus einer Schaluppe aus 200 Meter Entfernung das Feuer. Unter den Opfern dieses unmenschlichen Feuerüberfalls be and sich auch die Französin. - ----
Nach -em Sieg.
Noch regiert Mars die Stunde! Und wenn auch Waffenruhe auf dem ganzen Kontinent herrscht, so bestimmt doch Mars bie Bedingungen, unter denen die Waffenruhe eingetreten ist und aufrechterhalten werden kann. Für die deutsche Wehrmacht, die in Frankreich den glorreichsten Sieg aller Zeiten errungen hat, gilt mehr denn je die Parole: Nach der Schlacht bindet den Helm fester! Die geroaltige Schlußphase des Krieges, der Endkamps gegen das plutokratische England, fordert täglich neue Opfer von unseren Soldaten und auch vom Volk in der Heimat. Deshalb waren auch die Konventionen, die um die letzte Wochenwende in Compiegne und Rom zwischen Deutschland und Italien einerseits und Frankreich andererseits abgeschlossen wurden, keine Friedensverträge, sondern Waffenstillstandsoerträge. Das heißt, oaß ihr Inhalt ausschließlich durch militärische Notwendigkeiten für die Weiterführung des Krieges bestimmt wird. Die große Schlußabrechnung mit Frankreich, in der das neue Europa geformt wird, steht noch bevor! Sie wird erst erfolgen, sobald auch die britische Plutokratenherrschaft niedergerungen ist.
Es kann jedoch nicht ausbleiben, daß schon heute der Zusammenbruch der französischen Militärmacht und der französischen Zivilisationsidee die größten Wirkungen auf die übrige Staatenwelt des europäischen Festlandes ausübt. Plötzlich will es niemand gewesen sein, der bisher die Stange der pluto- krotischen Westmächte gehalten hat und der hinter der Nebelwand einer sogenannten „Neutralität" die wüsteste Kriegshetze gegen das nationalsozialistische Deutschland betrieb. Alle diese Elemente, deren dunkle Vergangenheit wir nicht vergessen werden,
Oer Führer in Straßburg.
Besuch der alten deutschen Reichsstadt und der Kampfstätten in den Bogesen. Führerhauplquartter, 29. 3uni. (DRB. Funkfpruch.) Am 3ahreslage der Unterzeichnung des Versailler Vertrages besuchte der Führer die alte deutsche Reichsstadt Straßburg. Auf dem elsässischen Ufer des Rheinüberganges von kehl nach Straßburg begrüßte der Oberbefehlshaber der Armee, die den Durchbruch durch die Maginok-Linie im Elsaß erzwang, General der Artillerie D o 11 m a n n den Führer. Rach einer Rundfahrt weilte der Führer längere Feit i m Straßburger Münster, diesem herrlichen deutschen Bauwerk, auf dem feit dem 19. 3uni wieder die Flagge des Reiches weht.
Von Straßburg aus begab sich der Führer über S ch l e t t st o d t zu den Kampf st ätten in den V o g e f e n und besuchte anschließend die Rhein- niederung bei Breisach, wo der entscheidende Vorstoß über den Strom geführt wurde. Britische Flieger bombardieren holländische Stabte.
Große Erbitterung über das Verhalten der ehemaligen Verbündeten.
Amsterdam, 28.Juni. (DNB.) In der Nacht zum Donnerstag haben britische Flieger wieder in weitem Ausmaß holländische Städte und Ortschaften bombardiert, was leider viele Opfer an Toten und Verletzten unter der holländischen Zivilbevölkerung verursacht hat. So sind z. B. allein in Den Heller 43 Tote zu beklagen. Diese nächtlichen Bombardements haben in Holland große Erbitterung hervorgerufen. Die Bevölkerung fragt, mit welcher Begründung denn eigentlich die ehemaligen Bundesgenossen diese Angriffe auf die Zivilbevölkerung rechtfertigen wollen. Besondere Anerkennung findet die erfolgreiche Abwehr der deutschen Flak und der deutschen Jagdflieger. Der gestrige Erfolg der deutschen Jagdflieger, die einen Verband von sechs britischen Flugzeugen über holländischem Gebiet abgeschossen haben, hat große Befriedigung ausgelöft. Man ist der Auffassung, daß bei Tage' die britischen Bombenflieger gegen eine derartige Abwehr nichts ausrichten können.
Englands Evakuiernngsforgen.
Stockholm, 29. Juni. (Europapreß.) Die englischen Pläne zur Evakuierung gewisser Grafschaf- ten müssen wiederum geändert werden. Dies ist dis dritte Aenderuna seit Ausbruch des Krieges. Das englische Gesundheitsministerium gab bekannt: Man muß damit rechnen, daß auf Grund der militärischen Entwicklung größere Teile Englands von der Zivilbevölkerung geräumt werden müßten, a l s man bisher angenommen habe. Die Registrierung von Schulkindern für die Evakuierung soll wie bisher in allen evakuierten Distrikten fortgesetzt werden. Darüber hinaus denke man jedoch auch an die Fortbringung anderer Zivilisten. Nach dem im Februar dieses Jahres aufgestellten Plan scheint man davon auszugehen, daß in den besonders bedrohten Gebieten 560 000 Kinder fortgeschafft werden sollten. Etwa 240 000 Kinder find bereits für die Evakuierung registriert worden. Als Folge der militärischen Lage sind nun weitere Gebiete Englands in die Evakuierungsliste auf- genommen worden. Mit der Evakuierung- dieser Ge- biete soll unmittelbar begonnen werden.
Die Regierung von Kanada hat ihre Einwilligung dazu gegeben, daß mehr als zehntausend Kinder noch Kanada geschickt werden. Es heißt auch, Stu- deuten der Universitäten London, Oxford und Manchester seien eingeladen worden, sich nach Kanada zu begeben, wo sie ihre Studien fortsetzen könnten. In London wird zu allen diesen Plänen Vorschlägen und Einladungen hinzugefügt, daß die Tonnagesrage nach wie vor ungeklärt sei, und daß es vorerst schwerfalle, mehr als achttausend Kmder monatlich nach Uebeche zu bejmtefc


