Ausgabe 
29.5.1940
 
Einzelbild herunterladen

' ÖÄ ÄjfÄ * deinem «MfaU. aug°°äne. war. Rücksicht auf die einschlägige Vorstrafe eine Gesang-1

Aus der engeren Heimat

Kind aus dem fahrenden Zug gefallen.

dem

SJL-'fpoit

2. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten!)

Die gestohlenen Autoresten.

6 Jahre Zuchthaus für den Haupttäter.

Lpd. Frankfurt a. M., 28. Mai. In Frank­furt und feiner weiteren Umgebung wurden seiner­zeit zahlreiche A utoreifendi eb stäh l e von einer Diebesgesellschaft begangen, die inzwischen ab- geurteilt worden ist. In gemieteten Autos fuhr man nach Pfungstadt, Bensheim, Darmstadt, Ludwigs­hafen, Hanau, Fulda, Mainz, Koblenz usw. und montierte nachts von in Nebenstraßen stehenden Autos die Ersatzreifen ab. Der Wert der erbeuteten Gegenstände ging in die Zehntausende. Die Mehr­zahl der Reifen wurde von dem in Frankfurt an­sässigen Josef Müller in Schwarzwaldorten ab­gesetzt. Müller hatte sich deswegen zweimal vor der Strafkammer in Frankfurt zu verantworten und wurde beide Male wegen gewerbsmäßiger Hehlerei verurteilt. Im ersten Fall erhielt er 3% Jahre, im zweiten Fall 2 Jahre Zuchthaus. ,

Gegen beide Urteile legte der Angeklagte Revi­sion ein. Die Revision in dem Prozeß, der zur Der- urteilung von 2 Jahren Zuchthaus geführt hatte, wurde als unbegründet verworfen, dagegen berich­tigte das Reichsgericht den Schuldspruch des anderen Urteils dahin, daß Müller nicht wegen Hehlerei in 19 Fällen, sondern wegen Diebstahls in 30 Fällen zu verurteilen sei. Das Urteil wurde im Strafausspruch aufgehoben und die Sache zu er­neuter Straffestsetzung an die Strafkammer Frank­furt zurückverwiesen. Diese erkannte nunmehr unter Einbeziehung der Strafe von 2 Jahren Zuchthaus auf eine Gesamtstrafe von 6 Jahren Zucht­haus und 5 Jahren Ehrverlust.

Der W. M. aus Bad-Nauheim war beschuldigt, im Januar in Bad-Nauheim an einem anderen Manne unzüchtige Handlungen vorgenommen und

Keine Spur von Hauck

Roman von Lharlotte Kaufmann.

bad) gebürtig. Wir beglückwünschen den alten Herrn herzlich zum 75. Geburtstag.

** Vom Umbau am Selterstor. Mit vielen Arbeitskräften wird gegenwärtig an der Urn- qestaltung des Selterstores gearbeitet. Die zweite Straßeninsel ist nunmehr fertiggestellt und mit Vlatten belegt. Die Arbeiten an den Fahrbahnen sind im Gange. Das Straßenstück des Horst-Wessel- Walls zwischen Selterstor und Bahnhofstraße wird jetzt geebnet und neu gepflastert. Auf der rechten Straßenseite sind auf dem ganzen Abschnitt Lmden- bäume angepflanzt worden. Ein schöner alter Baum an der Ecke Horst-Wessel-Wall/Dahnhofstrahe wurde mit einem Sockel von Stein umgeben und wird so erhalten. Mit der Abhebung des Mutterbodens! m den Gärten auf der rechten Seite des Horst-Wessel- Walls ist begonnen worden. Dort soll nach dem Bauplan der zweite Parkplatz entstehen. Straße und zukünftiger Parkplatz werden durch Strahen- zuführungen verbunden, im übrigen aber durch eine bereits gepflanzte Hecke getrennt sein. Das neue Bild das das Selterstor und die unmittehbar an­liegenden Straßen in Zukunft bieten werden, zeich­net sich bereits in seinen Linien ab.

(Strafkammer Gießen.

Er sah, wie sich ihre Knie durch den dünnen Stoff des Sommerkleides bohrten. Ihre rechte Hand hielt das Steuer. Sie war braun gebrannt, und nun sah er, daß sie keine (Strümpfe trug. Ihre Füße steckten barfuß in Sandalen.

Dann wohnen Sie aber verdammt einsam", meinte er und sah hinüber zu den weißen Dünen von Stein, die wie eine breite Borte das Meer be­gleiten.Sehr einsam."

Das mag wohl stimmen."

Sie fuhr langsam und vorsichtig, aber Joachim bezweifelte, daß sie das Segelboot bis ans Land bringen würden. Es war ihm jedoch jetzt gleich­gültig. Er hatte die Arme vor der Brust gekreuzt, weil er fror.

Praktisch, so ein Kahn mit Motor", lobte er bann, um etwas zu sagen.

Ja, ,Wassili' ist ein guter Freund", stimmte sie zu.

Heißt der Kahn ,Wassili'?"

Das tut er. Er ist ein so treuer, alter Diener. Der Motor heißt ,Barinja'. Die launische Herrin." Sie machte ein ernstes Gesicht, .während sie dies sagte, aber ihre Augen blitzten schalkhaft.

In diesem Augenblick war sie sehr hübsch, aber Joachim sah das nicht.

Langsam knatterte der Motor durch das Wasser. Wenn man über den Rand des Kahnes hinunter­blickte, dann war das Meer schwarz und hatte Linien wie Marmor. Hob man aber den Blick, bann war alles ringsherum blau, tiefblau wie ber Sommerhimmel.

Eine Möwe flog über ihnen. Sie schwebte auf unb nieber in weiten Bogen, ohne Flügelschlag.

Allmählich kam bas Ufer näher.

Sie halten zu weit nach links", sagte Joachim unb blickte geradeaus.Wenn wir nach Stein wollen, bann ..

Ich will nicht nach Stein", ermiberte bas Mäd- chen.

Wohin bann?"

Ich bente, wir halten bort auf bie Dünen zu. Da steht mein Haus. Sie können sich ba ein wenig aufwärmen unb warten, bis Ihr Anzug trocken ist."

Ich will Sie nicht belästigen unb Ihnen Arbeit machen ...", wehrte Joachim ab.Ich gehe eben­sogut in Stein an Lanb."

Sie lächelte,Und bann laufen Sie mit Ihren

Das geht schon", sagte sie, unb bann knatterte der KahnWassili" langsam und vorsichtig in Rich­tung Stein zurück.

Warum haben Sie kein Motorboot aeschickfr"" fragte Joachim, während er frierend auf Der Bank saß.Es sieht nicht so aus, als ob wir mssine Jacht bis an Lanb bringen würden. Der Kahn ist ziemlich klein."

In Stein gibt's keine Motorboote", erwiderte sie freundlich.Da sind nur ein paar Fischerewer. Unb nach Teek wollte ich nicht mehr zurückfahren. Das hätte zu lange gedauert. Zudem ist der Zollkutter, der dort liegt, heute unterwegs. Und ob sonst ein Motorboot in Teek hinter der Mole liegt, bezweifle ich. Uebrigens heiße ich Sibylle Hauck/

Joachim verbeugte sich.Seit", murmelte er.

Er war sehr dankbar, baß sie gekommen war, um ihm zu helfen, unb er betrachtete sie. Sie schien nicht mehr so jung zu sein, wie zum Beispiel Jnge- borg Petersen, sicher schon sechsundzwanzig. Ihr Haar war dunkel unb glatt. Das Kleid, das sie trug, kurz und eng. Es sah aus, als wäre es beim Waschen eingegangen. Ob sie hübsch war, wußte er nicht. Ihre Stimme schien ihm höflich und ein wenig kühl. Aber ihre Augen waren schön. Gelb­braun. Sie sahen aus wie Bernstein.

Es ist furchtbar nett von Ihnen, daß Sie sich die Mühe gemacht haben, mich zu retten", sagte er.

Sie antwortete:Es kommt manchmal vor, daß Segelboote hier draußen umkippen. Die Herren können ja nicht rasch genug übers Meer rasen, unb manchmal wird das Wetter plötzlich schlecht. Sie sind nicht ber erste, den ich an Lanb gezogen habe."

Sie wohnen wohl in Stein?"

Noch ein wenig weiter draußen."

Noch wetter draußen? Da sind doch nur noch Dünen."

Und mein Haus", erwiderte sie.

,^5hr Haus?"

^3at in dem ich rvohns^

Reichssportlehrer Tegethoff gina sehr systematisch vor. Er gab an den bisherigen Abenden mündliche theoretische Einführungen in die verschiedenen Schwimmarten unb ließ jeweils in klaren Vorfüh­rungen bie Praxis folgen. Selbstverstänblich waren damit auch viele Hinweise-verbunden, wie sich bie Materie, vom Pädagogischen her, an bie ßemenben heranbringen läßt. Auch mancher wertvolle Hin­weis für ben Wettkampfbetrieb würbe gegeben.

Währenb ber Uebungsstunden bot sich im Volks- bab bas Bilb einer schönen Lehr- unb Lernge­meinschaft. In mancher Gemeinschaftsübung wür­ben bie charakteristischen Schwimmbewegungen auf dem Lande durchaeführt. Dann wurde im Wasser geübt. Der erste Abend (am Montag) war insbe­sondere dem Brustschwimmen vorbehalten, ber zweite Abenb bem Kraulschwimmen. Der Kursus geht mit bem heutigen Mittwoch zu Enbe. Reichs­sportlehrer Tegethoff gab seiner Freube darüber

LPD. Marburg, 28. Mai. Auf der Bahnfahrt nach Marburg hatte ein Einwohner aus Hvlzhausen sein sechs Jahre altes Söhnchen einen Augenblick allein im Abteil gelassen. Als er zuruck - kehrte, war das Kind verschwunden. Beim Absuchen der Strecke fand der Vater das Kind mit schweren Kopfverletzungen auf, die seine sofortige Ueber- führung in die Marbutger Klinik erforderlich mach­ten. Der Junae hatte sich wahrscheinlich an ber Türe zu schaffen gemacht und war aus c: ... fahrenden Zug gefallen.

nassen Hosen eine Stunde lang bis nach Teek, warten dort eine weitere halbe Stunde lang auf den nächsten Dampfer, sitzen dort siebzig Minuten in ber Kajüte, weil es an Deck zu kalt ist, unb bann gehen sie triefnaß burch die Stadt nach Hause."

Oh, ich glaube, daß ich inzwischen trocken würde. Durch bie Stabt würbe ich zum minbeften nicht mehr triefnaß gehen müssen." Auch er lächelte.

Außerdem ist in Stein ber Stranb sehr schlecht", fuhr sie fort, ohne seinen Einwurf zu beachten. Alles grober Kies unb Steine. Wir könnten Ihr Boot ba nicht an Lanb ziehen, ohne baß es Schrammen bekäme. Bei mir drüben ist alles Sanb."

Das allerbings hat etwas für sich", gab Joachim zu.Ich hätte nur Wert barauf gelegt, möglichst halb nach Hause zu kommen. Meine Angehörigen wissen nicht, wo ich so lange stecke."

Das ist eine Kleinigkeit", bemerkte Sibylle.Ich werbe nach Stein fahren unb von dort aus tele­phonieren. Sie brauchen mir nur zu sagen wohin."

Telephonieren ist eine gute Idee, allerdings. An so etwas habe ich gar nicht gedacht." Joachim nickte bestätigend.

Das Land war nun nahe gekommen. Man konnte schon das Dach eines Hauses erkennen, das mitten zwischen den Dünen zu stehen schien, kaum zwei­hundert Meter hinter dem Strand.

Wohnen Sie dort?"

Ja, ein wenig klein das Haus, nicht wahr?"

Es, war eine Bauernkate, niedrig und mit Stroh gedeckt. Sie stand umgeben von spärlichem Strand- gras. Joachim betrachtete sie.

Das Manövrieren mit dem angehängten Boot wurde schwierig, als sie in seichtes Wasser kamen. Langsam schnurrte der MotorBarinja". Jetzt stand er still.

Ich denke, wir müssen nun ins Wasser", sagte Sibylle, und gleichzeitig zog sie ihre Sandalen aus, schürzte das Kleid unter dem Gürtel hoch, daß es ihr dis knapp zu den Knien ging, und schon stand sie zwischen ben eilig an ben Stranb taufenben Wellen.

Joachim war ohnebies naß. Er sprang ihr nach, unb gemeinsam zogen sie bas gekenterte Segelboot, so gut es ging, auf ben Stranb. Da lag es nun wie ein an Lanb gespülter toter Fisch, unb kleine spie­lerische Wellen leckten daran.

Abend.

Oie Vertretung des Luftschutzwarts.

Gegenüber Zweifeln, die hinsichtlich der Vertre­tung des Luftschutzwarts in der Oesfentlichkeit auf» getaucht find, stelltDie Sirene" klar, daß nach einem Erlaß des Reichsluftfahrtministeriums der Luftschutzwart für die Zeit seiner Abwesenheit eine Person mit seiner Vertretung zu beauftragen hat. Der Vertreter des Luftschutzwarts soll nicht eine be­sonders für diesen Zweck ausgebildete Selbstschutz­kraft sein, vielmehr ist aus den vorhandenen aus­gebildeten Selbstschutzkräften eine geeignete Persön­lichkeit als Vertreter oder Vertreterin zu bestim­men. Der Vertreter hat im Behinderungsfall des Luftschutzwartes für die Durchführung der diesem obliegenden Aufgaben zu sorgen. Zweckmäßiger­weise wird dazu eine Selbstschutzkraft ausgewählt, bie im allgemeinen ständig im Hause ist.

Gießener Schlachtviehmarkt.

Auf bem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Verteilungsmarkt) in der Diehver- steigerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 41,5 bis 45,5, Bullen 39,5 bis 49,5, Kühe 14 bis 46,5, Färsen 35 bis 44,5, Kälber 35 bis 63, Schafe, Ham­mel 48 Rpf. je Vs kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise be­zahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,10, bl (134,5 bis 149,5 kg) 1,10, b2 120 bis 134 kg) 1,10, c (90 bis 119,5 kg) 1,08, d (80 bis 89,5 kg) 1,02, ef (60 bis 79,5 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,10, i (Altschneider) 1,10, g2 (andere Sauen) 1,02, h (Eber) 1,02 RM. Marktverlauf: Auftrieb gut, alles zu geteilt.

** Ein Fünfundsiebzigjähriger. Am kommenden Freitag, 31. Mai, kann unser Mitbür­ger Karl Heinrich Haas, Frankfurter Straße, sei­nen 75. Geburtstag begehen. Der Jubilar ist der Begründer des Kalkwerkes Großen-Linden, das im Jahre 1898 den Betrieb aufnahm und von ihm bis 1917 geführt wurde. Der Jubilar ist aus Stein-

Ausdruck, baß er in Gießen für diesen Lehrgang eine so stattliche Anzahl von Kursusteilnehmern an- getroffen habe. Dankbar mürbigte er bie rege Ar. beit bes Bezirksfachwartes im Schwimmen, Franz Sauer unb bas Wirken bes Gießener Schwimm. Vereins. Für bie Gießener Schwimmer unb ins. befonbere für ben Nachwuchs ist es ein Vorteil, baß gegenwärtig einige Magdeburger Schwimmer in Gießen weilen, regen Anteil an den Uebungsstun- ben nehmen unb ihr Können in ben Dienst ber schwimmerischen Ausbildung stellen.

Handball im Bezirk Gießen.

Zwischen den verantwortlichen Bezirkssachwarten ber Bezirke Gießen unb Friebberg schweben im Augenblick Verhanblungen über bie Austragung eines Freunbschaftsspieles zwischen ben beiberfei» Ligen Auswahleinheiten. Es handelt sich dabei um den Rückkampf, der fällig geworden ist. Das Vor- spiel konnten unsere Männer f. Z. hoch gewinnen.

Die Lahnpokalspiele gehen weiter. Noch zwei Sonntage und bie Staffelsieger werben überall fest, stehen, wenn nicht Entscheidungsspiele notwenbig finb. Diesmal stoßen aufeinanber

Tv. Lützellinben Tv. Hörnsheim Tv. Grüninaen Tv. Holzheim To. Garbenheim Tv. Atzbach Tv. Münchholzhausen Tv. Dutenhofen Mtv. Gießen Tv. Launsdach Tv. Katzenfurt Tv. Dornholzhausen

Hörnsheim ist nicht stark genug, um bie äugen- blicklich in großer Fahrt befinblichen Platzbesitzer schagen zu können. Ein ehrenvolles Ergebnis ist aber schon ein Erfolg. Mit 13:9 hat Grüningen bas Vorspiel verloren. Ein knappes Ergebnis, bas sich vielleicht noch reoibieren läßt. Garbenheim wirb Atzbach ebensowenig zu Worte kommen lassen, wie im Vorspiel, bas mit 11:5 gewonnen würbe. Auch Dutenhofen weiß, worum es geht. Es hat seinen Vorspielsieg von 11:4, ber feiner Zett sehr überraschenb kam, zu oerteibigen. Der Mtv. Gießen sollte an sich leichtes Spiel Haden, nachdem er erst am Sonntag wieder so gut gefallen konnte. Immerhin: Ein Spiel ist erst mit dem Schlußpfiff entschieden! In Katzenfurt steigt das noch rück­ständige Spiel aus der Pflichtrunde um die Knegs- Meisterschaft.

Kurze Sportnotizen.

Zur Großdeutschen Alpenfahrt vom 28. bis 30. Juni mit Start unb Ziel in München werden nach den neueren Dispositionen 20 unserer besten Radsportler zugelassen.

Der frühere Weltmeister Rütt erhielt zwei ehrenvolle Aufträge. Er wird vom 17. bis 23. Juni in Frankfurt a. M. einen Radsportlehrgang für die HI. und vom 25. Juni bis 4. Juli in München bas letzte Training unserer Mannschaft für den Rad- länbertampf Deutschland Italien leiten.

nisftrafe von neun Monaten. Der Angeklagte wurde zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.

Der W. K. aus Löcknitz war durch Urteil des Amtsgerichts Nidda vom 5. April 1940 wegen Bet­telns und Landstreicherei zu einer Haftstrafe von sechs Wochen verurteilt und seine Unterbringung in einem Arbeitshaus angeordnet worden. Gegen das Urteil legte der Angeklagte Berufung ein, und zwar wegen der Unterbringung in einem Arbeits­haus. Der Anklagevertreter beantragte, die Be­rufung zu verwerfen. Der Angeklagte sei 32mal, darunter 25mal wegen Bettelns vorbestraft. Die Unterbringung in einem Arbeitshaus biete die ein­zige Möglichkeit, ben Angeklagten auf eine andere Bahn zu bringen. Die Berufung des Angeklagten wurde antragsgemäß verworfen.

Der F. F. aus Bautzen war durch Urteil des Amtsgerichts Friedberg vom 23. April wegen Bet­telns und Landstreicherei zu einer Haftstrafe von echs Wochen verurteilt, seine Unterbringung m einem Arbeitshaus ist ebenfalls angeordnet worden. Gegen das Urteil legte er Berufung ein, und zwar ebenfalls wegen der Unterbringung in einem Ar­beitshaus. Der Anklagevertreter beantragte, bie Be­rufung zu verwerfen. Der Angeklagte fei wiederholt wegen Bettelns bestraft worden. Nur die Unter­bringung in einem Arbeitshaus könne ben Ange­klagten auf eine andere Bahn bringen. Das Urteil des Amtsgerichts Friedberg wurde insoweit aufge­hoben, als darin die Unterbringung des Ange- I floaten in einem Arbeitshaus angeordnet war.

Sibylle öffnete die Tür des niedrigen strohgedeck- ten Hauses. Sie klinkte nur auf, das Haus war nicht verschlossen.

Kommen Sie herein", sagte sie. .

,Lch mache Ihnen soviel Arbeit", entschuldigte sich Joachim von neuem, während er über die Schwelle trat.

Ich habe Zeit", sagte Sibylle.

Ein kleiner Vorraum tat sich auf, von bem aus eine Treppe nach oben führte. Ein Kleiberstänber war an ber Wanb, unb vor einem schmalen Fenster ftanb ein Blumentopf. Mehr als zwei Menschen konnten hier nicht stehen.

Kommen Sie herein", sagte bas Mäbchen noch einmal unb öffnete bie einzige Tür, bie zu sehen war.

Joachim kam in ein Zimmer, viereckig, niebrig, mit einem großen breiten Fenster. Das Sims hin­ter bem cremefarbigen Vorhang war voll von Blu- men unb Kakteen. Nebenan ging eine schmale Tür in bie Küche. Sie stand offen, uno man konnte einen kleinen Herd erkennen. Es war eine Vitrine im Zimmer, in der ein paar Vasen, ein Götzenbild aus Holz unb zwei balinesische Teufelsmasken zu sehen waren. Eine Couch, Regale mit Büchern und vor bem Tisch brei niedrige, mit Samt bezogene Hocker vervollständigten die Einrichtung.

Hier kann es einem wohl gefallen", lobte Joa­chim anerkennend und sah zu dem Fenster hinüber, durch das man einen weiten Blick ins Land hinein hatte über grüne Marschwiesen und Sieder.

Da gewahrte er geradeaus noch eine Tür, die in den anschließenden Raum führte. Sie war einen Spalt weit geöffnet, wie die Küchentür, unb er konnte einen Raum erkennen, ber ein noch größe­res Fenster haben mußte, benn es war sehr hell ba brüben. Er erkannte Silber unb Skizzen. Nun merkte er auch, baß es nach Farben roch.

Malen Sie?" fragte er unb roanbte sich um.

Ja", ermiberte sie,ich habe Malen gelernt Unb nun werbe ich Ihnen etwas zum Anziehen bringen." Sie ging. Er hörte, wie sie braußen bie Treppe hinauflief, unb bann kam sie zurück mit einem weiten unb langen Morgenrock aus Flausch, ber so aussah, als gehörte er einem Manne,

(Fortsetzung folgt}

Singabenb. Um auch in ernster Zeit Ausgleich unb 1 Freude zu finden, wird dieses öffentliche Singen veranstaltet. Jedermann ist dazu herzlich willkom­men. Es gilt nicht erst ein langweiliges Einstudie­ren und kunstvolles Singen, sondern an Ort und Stelle werden die Lieder geübt, und unsere schönen Volkslieder erklingen schon nach einigem ^lieben fröhlich in den Abend. Alles hat Freude am Lernen; das sah man so recht, denn, wenn erst auch zögernd mitgesungen wurde, gar bald war diese Scheu überwunden und voll Frohsinn sang jedes mit. Wir möchten nur wünschen, daß noch viel mehr Menschen sich diese köslliche Erholung unb ben frohen Genuß verschaffen, benn Freube gibt Ar­beitskraft.

Am fommenben Montag, 3. Ium, fmbet das Singen wieder statt, und zwar Ecke Leihgesterner Weg/Fichtestraße, in der Nähe ber Gummifabrik. Frauen unb Mäbel kommt alle unb singt mit!

Gfs.

Schlageterfeier und Verpflichtung.

Die KameradschaftAdmiral Scheer" im Natio­nalsozialistischen Deutschen Studentenbund an un­serer Universität vereinigte am gestrigen Dienstag­abend ihre Angehörigen, einige Gäste und Alte Herren zu einer schlichten Feier. Kameradschafts­führer T r a n s ch e l hieß die Gäste und Kameraden willkommen und sprach kurz über den Sinn der Feierstunde. Ein Führer-Wort leitete über zu einer eindringlichen Erinnerung an den Weg des Kamp­fers für Deutschland, an Albert Leo Schlag et er , der gegen alle Schmach, die dem deutschen Volke nach dem Weltkrieg von England unb Frankreich angetan wurde, sich mit aller Kraft aufbäumte, in aller damaligen Hoffnungslosigkeit den Glauben an Deutschland in sich aufrechterhielt und so der kämp­fenden Jugend ein Vorbild wurde. SeinTod in der Golzheimer Heide durch die Brutalität ber Franzosen sei eine Erinnerung und Verpflichtung für alle Deutschen, das Vaterland über alles zu stellen. 2m Anschluß an das Gedenken Albert Leo Schlageters wurde zur Verpflichtung einiger Kame­raden geschritten. Nachdem die Gesetze des deutschen Studenten verlesen worden waren, die ein Bekennt­nis zu Führer, Volk unb Vaterland darstellen, und nachdem die Derpflichtungsformel durch den Kame­radschaftsführer gesprochen war, wurden die neuen Kameraden durch Handschlag verpflichtet und in die KameradschaftAdmiral Scheer" ausgenommen. Die Feier schloß mit bem Gruß an den Führer. Kameradschaftliches Beisammensein beschloß den

chens hielt. Die Zucht des Angora-Kamnche^, des­sen Wolle von größtem Wert ist, soll nach Kräften gefördert werden. Ein Angora-Kaninchen kann bei fachgemäßer Haltung bis zu 400 Gramm Wolle im Jahre liefern. In ber Landesfachgruppe Hessen- Nassau finb über 5600 Kaninchenzüchter in an­nähernd 300 Vereinen zusammengeschlossen. Der Landesfachgruppenvorsitzende dankte vor allem dem Landesbauemsührer und der Landesbauernschaft Hessen-Nassau für die tatkräftige Förderung der Kleintierzucht. Im vergangenen Jahre konnten un­gefähr 50 Lehr- unb Werbeschauen in den ver­schiedensten Teilen der Landesfachgruppe durchge­führt werden.

Schlaftabletten in Kindeshänden.

Lpd. Gelnhausen, 28. Mai. Dem hiesigen Jakob- Sprenger-Krankenhaus wurde das dreijährige Töchterchen der Familie Horn in Wächters­bach zugeführt. Das Kind hatte int elterlichen Hofe eine unverständlicherweise fortgeworfene Dosis Schlaftabletten gefunden und einige davon genommen. Bald darauf war es ohnmächtig zu­sammengebrochen.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 29. Mm. (Vorbericht.) Der Hauptmarkt für Kälber und Schweine nahm bei ausreichender Beschickung einen regen Verlauf. Das gesamte Vieh wurde zu etwa folgenden Preisen zu- geteilt: Kälber 25 bis 65 RM., Hämmel 30 bis 51, Schafe 25 bis 44, Schweine 50 bis 56 RM.

Aeichssportlehrer Tegethoff in Gießen.

Lehrwarleausbilbung Im Volksbad.

Der Gießener Schwimmverein hat in diesen Tagen ben Reichssportlehrer Tegethoff zu Gast. Aus biefem Grunbe fanben an brei Aben- ben biefer Woche Schwimmabenbe statt, bie einer sorgfältigen Ausbilbung, insbefonberc ber Schwimm- Lehrwarte unb Lehrwartinnen gewidmet waren. Eine erfreulich stattliche Anzahl von Schwimmern unb Schwimmerinnen nahm baran teil. Der Gie­ßener Schwimmverein war stark vertreten, bie Wehrmacht hatte aus verschiebenen Formationen Schwimmlehrwarte entfanbt, bie Hitler-Jugenb, wie auch ber BDM. nahmen mit mehreren Angehörigen teil, bie Turnvereine hatten ebenfalls Mitglieder entfanbt, bie bann jeweils in ihrem Kreis bafür sorgen sollen, bas Schwimmen auf eine breitere Basis zu bringen.

Landkreis Gießen.

z S t e i n d a ch, 29. Mai. Am kommenden Frei­tag, 31. Mai, kann Frau Marie Krämer, geb. Haas, in körperlicher und geistiger Frische ihren 7 0. Geburtstag feiern. Wir beglückwünschen die Jubilarin herzlich.

Tagung der heffen-nassauischen Kaninchenzüchter.

LPD. Darmstadt, 28. Mai. An Stelle der in diesem Jahre aus Zweckmäßigkeitsgründen ausge­fallenen großen Landestagung fand am Sonntag in Darmstadt eine Dienstbesprechuna der Landes­fachgruppe der hessischen und hessen-nassauischen Kaninchenzüchter im Reichsverband der Deutschen Kleintierzüchter statt. Den Vorsitz führte iLandesfachgruppenleiter Georg Krauß (Darm­stadt), der einen Lichtbildervortrag über Die Bedeu­tung, die Pflege und Haltung bes Angora-Kanin-