Unser neuer Vornan.
Nachdem wir in der Samstag-Ausgabe unseres Blattes den Abdruck des Romans „Der rechte Mann für Birkenhof" zu Ende geführt haben, beginnen wir in der heute erscheinenden Nummer des Gießener Anzeigers mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes, von dem wir uns einen nicht geringeren Erfolg in allen Leserschichten versprechen dürfen, zudem wir dabei die Bekanntschaft mit einem Autor erneuern, der schon mehrfach in unseren Spalten zu Worte kam.
„Ein Mann, der nicht genannt fein wollte-, von Frank F. Braun,
ist ein Kriminalroman von ganz ungewöhnlicher Spannung, der uns vom ersten bis zum letzten Kapitel gefangennimmt. Frank F. Braun hat schon, wie viele unserer Leser sich mit Vergnügen erinnern werden, bei seinen früher hier erschienenen Romanen „Das Halsband", „Schattender Vergangenheit", „Geheimnis der Heide" und „Unbekannte Fracht" bewiesen, daß er fesselnd, dramatisch und spannend zu schreiben versteht. Wir sind gewiß, daß auch dieser neue Roman des beliebten Autors, der soeben erft in einer führenden Berliner Zeitung erschienen ist, allen unseren Lesern und Leserinnen in Stadt und Land eine höchst unterhaltsame, von Fortsetzung zu Fortsetzung mit freudiger Erwartung begrüßte Lektüre bieten wird.
Verleihung
-es Treudienst-Ehrenzeichens.
Der Führer hat dem Dermessungsobevinspektor Karl Steuernagel und dem Vermessungsinspektor Wilhelm G o n t r u m für mehr als 40jäh- rige treue Dienstzeit das goldene Treudienst-Ehrenzeichen, dem Vermessungsrat Wilhelm Dieter für mehr als 25jährige treue Dienstzeit das silberne Treudienst-Ehrenzeichen verliehen. Die mit dieser Auszeichnung geehrten Beamten sind beim Vermessungsamt Gießen-Land tätig.
Schulfeiern am 30. Januar.
Das Reichsministertum für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung gibt bekannt: Am 30. Januar, dem Tage der nationalen Erhebung, fällt der Schulunterricht nicht aus. In Schulfeiern, die gegebenenfalls auch im Klafsenverdand ab geh alten wer- den können, wird auf die Bedeutung des Tages hingewiesen werden.
Wie wir auf Anfrage beim Kreisschulamt Gießen hören, gilt die vorstehende ministerielle Anordnung nur für diejenigen Schulen, in denen gegenwärtig der Schulunterricht im Gange ist.
Betriebsjugendappell
bei Bänninger in Gießen.
Zu einem Betriebsfugerrdappell versammelte sich die Jugend der Firma Bänninger in der mit den Fahnen des Reiches geschmückten Kantine. Eine be- forrdere Note erhielt der Appell durch die Anwesenheit des Bannführers Kramer (Offenbach). Nach einem gemeinsam gesungenen Lied und einem Vorspruch, vorgetragen von einem Jugendlichen, eröffnete der Betriebsjugendwalter den Appell. Er konnte als Gäste «die Vertreter der Firma, den Kreisjugend- walter und den Bannführer begrüßen.
Nach einer Ansprache des Vertreters der Firma Dr. B u d e n f i ck sprach Bannführer Kramer zu der angetretenen Jugend. Er ging einleitend auf die Vorgeschichte des uns aufgezwungenen Krieges ein, stellte die Kräfte heraus, die einstmals in Deutschland ihr Unwesen trieben mrd dann in London und Paris nichts anderes taten, als zum Kriege gegen Deutschland zu Hetzen. Bannführer Kramer zeigte dann an Hand von Beispielen der Jugend, wie auch sie chre Pflicht tun kann und muß in und außerhalb ihres Berufes, genau wie der Soldat seine Pflicht bis zum letzten tut auf dem Platz, auf den er gestellt wird. So muß Front und Heimat ein feftgeschweihter Block sein. Alle müssen auf den Führer sehen, der uns in dem uns aufgezwungenen Kriege zum Siege führen wird.
Nach Dankesworten an den Bannführer schloß der Betrieb sjugendwalter den Appell Mit dem Gruß an den Führer und mit dem gemeinsam gesungenen Lied der Jugend.
kann. Er fährt zu dem Mädchen hin, sobald er Zeit findet und sich von uns unbeobachtet glaubt. Ich bin fest überzeugt, er unterhält sie und schleppt das Geld aus dem Haus."
,Jst denn genug da. gnädige Frau?"
„Was, genug da?" Sie verstand seinen Zwischenruf nicht ganz, denn chre Gedanken waren schon weiter.
„Eben Geld."
„Wahrscheinlich. Hungern tut deswegen natürlich keiner. Aber bedenken Sie doch, was sich daraus entwickeln kann!" Ihre Backen röteten sich. Wahrscheinlich sah sie ein Zukunftsbild, das ihr höchst ärgerlich war.
„Viel mehr kann sich nun eigentlich nicht noch daraus entwickeln", sagte Herr Johann Zacharias kenntnisreich in gerade dieser Materie. die Dame einen Beruf?"
,^Ja. Sie ist Künstlerin."
„Welcher Art? Vermutlich Tänzerin?"
„Wie kommen Sie auf Tänzerin?"
„Die Möglichkeit, eine Tänzerin kennenzulernen, beispielsweise in einem Ballhaus, ist für Herren, wie ich Ihren Sohn einschätze, eher einmal gegeben."
„Nein, Tänzerin ist sie nicht. Sie ist beim Theater und beim Film."
„Den Namen, bitte."
„Schreiben Sie ihn sich auf. Iwanka Gospik. Haben Sie? Gut. Wohnt in Wilmersdorf. Sie werden es herausfinden. Suchen Sie zu erfahren, wer sie ist, wo sie herkommt, der Name klingt nicht deutsch, wie oft mein Sohn zu ihr kommt, ob sie auf eine Trennung der Ehe hinarbeitet, ob sie gefährlich ist, ob sie ihn liebt, ob man sie mit Geld von ihm wegbekommen kann, — kurz, berichten Sie mir, was Sie in Erfahrung bringen können. Ich habe mir sagen lassen, so etwas besorgen Sie ausgezeichnet."
Herr Zacharias verneigte sich im Sitzen. „Sie dürfen sich vollkommen auf mich verlassen", sagte er. „Kann ich Sie anrufen, wenn etwas vorliegt? Kann ich Ihnen, ohne Absender versteht sich, ins Haus schreiben?"
„Schreiben Sie. Rufen Sie an. Wie Sie wollen. Nur achten Sie darauf, daß Sie wirklich mit m i r sprechen. Frau Henriette Carlotti. Meine Schwiegertochter — wir wohnen im selben Haus übereinander — heißt Julia mit Vornamen. Das kann man eigentlich nicht verwechseln. Wenn Sie schreiben, vermerken Sie recht deutlich, Nettelmann- straße 10, erster Stock."
„Weiß jemand in Ihrer Familie; von dem Auftrag, den Sie mir gaben?."
Vereinstagungen in Gießen.
Turner in froher Kameradschaft.
Bei guter Beteiligung fanden sich am Samstagabend die Altersturner, Turner und Turnerinnen des Turnvereins 18 4 6 Gieß en zu kameradschaftlicher Gemeinschaft im Hotel Kobel ein, um auch in der Gegenwart den Zusammenhalt zu pflegen, der im Interesse der Leibesübungen heute mehr denn je notwendig ist. Vereinsführer Wiegand hieß alle Teilnehmer willkommen, begrüßte die Altersturner und vor allem die Turner, die im Ehrenkleid des Soldaten teilnehmen konnten. Er wies darauf hin, daß sich die Turner in der Heimat jederzeit herzlich den Turnern an der Front verbunden fühlten und alles getan werde, um diese Verbindung zu pflegen und zu erhalten. Die Feldpostbriefe, die dem Verein zugehen, werden jeweils den Dereinsmitgliedern zur Kenntnis gegeben und so ein lebendiger Austausch herbeigeführt. Der Verein halte es dabei für eine Ehrensache, alle Wünsche, die aus dem Felde auf ihn zukommen, zu erfüllen. Den Turnern werde auch regelmäßig über das turnerische Leben in der Heimat berichtet werden. Darüber hinaus verspreche der Verein den Feldgrauen, daß alle Aufmerksamkeit auch weiterhin der Jugend und ihrer körperlichen Ertüchtigung zugewandt werde. Im Laufe des Abends wurden zahlreiche Feldpostkarten geschrieben, denn aus den Reihen des Vereins stehen 63 Kameraden unter den Fahnen.
Nachdem Kamerad Franz Sauer ein Wort des Generalfeldmarschalls Hindenburg verlesen hatte, nachdem er in Gedan-kenverbindung damit an die Reden Johann Gottlieb Fichtes an die deutsche Nation erinnert und auf Fichtes enge geistige Verbindung mit Friedrich Ludwig Jahn hingewiesen hatte, las er alle die seit Weihnachten eingegangenen Feldpostkarten und -briefe vor. Aus allen Briefen und Karten sprach die tiefe Freude der Turnkameraden an der Front, die zu Weihnachten mit einem Geschenkpäckchen bedacht worden waren. In immer wieder anderer Form betonten sie ihre Verbundenheit mit dem Verein und schrieben manches Wort eines felsenfesten Glaubens an den deutschen Sieg und baldigen Frieden.
Nachdem der Vereinsführer noch darauf hinge- wiesen hatte, daß demnächst die Turner unserer engeren Heimat (Gießen, Wieseck, Klein-Linden und Heuchelheim) sich in größerem Kreise treffen werden, erzählte Turnkamerad G l a g o w in vielen Einzelheiten von eigenen Erlebnissen während des Weltkrieges und trug damit zur Unterhaltung bei. Bei manchem gemeinsam gesungenen Lied, bei Musik einer Ziehharmonika und bei geselliger Unterhaltung blieb man noch geraume Zeit beisammen.
Jahreshauptversammlung des Oberhessischen Gebirgsvereins.
Der Zwetgverein Gießen des OberheMchen Gebirgsvereins hielt am gestrigen Sonntag im Hotel Hopfeld feine diesiährige Jahreshauptversammlung ab. Der Veretnsführer, PostiNspe'ktor a. D. Lucas, konnte hierzu zahlreiche Mitglieder begrüßen. Er gedachte des im letzten Jahre verstorbenen Wanderfreundes, Postinspektor Johannes Schad, zu dessen Ehren sich die Versammelten von chren Plätzen erhoben.
Hieraus legte der DereinsfÜhrer den Jahresbericht vor. Im abgelaufenen Jahre kormte das aufae- stellte Wanderprogramm fast restlos durchgesührt werden. Infolge des Krieges ist nur die Wanderung im September ausgefallen. Die dreizehn durchge
führten Wanderungen waren durchweg gut befuckst. An den Wanderungen nahmen 304 Personen teil. Im April fand auf der Badenburg ein Treffen mit Marburger Wanderfreunden vom Zweigverein, im Juni ein solches in Gladenbach mit den Freunden vom Marburger Wanderverein 07 statt. Die Sternwanderung zum Frauenberg bei Marburg wird allen in guter Erinnerung bleiben, auch die Beteiligung an der Hauptversammlung in Homberg an der Ohm im Juli brachte schöne Erlebnisse. Die Wanderungen führten in die engere und weitere Heimat und brachten den Teilnehmern manch schönes Stück Heimaterde nahe. Neben den Wanderungen brachten auch die Monatsoersammlungen, die gleichfalls gut besucht waren, wertvolle Anregungen. Sechzehn Wanderfreunden konnte das silberne und einem, Fritz Geldmacher, das goldene Wanderabzeichen überreicht werden. Die Mitgliederzahl hat sich nicht verändert, eine Anzahl Mitglieder steht unter den Fahnen.
Auch der Kassenbericht ergab günstige Verhältnisse. Wanderfreund Steinhäuser als Rechnungsprüfer sprach der Vereinsführung Dank und Anerkennung aus. Der Vereinsfuhrer dankte allen seinen Mitarbeitern. Wie der Vereinsführer mitteilte, wird dem Kriegs-WHW. ein namhafter Betrag zugeführt. Anschließend wurden weitere Vereinsangelegenheiten behandelt.
Sodann gab der Vereinsführer dem Abscheu über das fluchwürdige Verbrechen des englischen Geheimdienstes gegen den Führer in München Ausdruck. Mit innerster Bewegung gedenken Deutschlands Wanderer des Führers in Treue, und sind voll tiefster Dankbarkeit gegen die Vorsehung, die ihn in seinen Schutz genommen hat. Mit dem Sieg Heil auf den Führer wurde der geschäftliche Teil beschlossen. In froher Runde saßen die Wanderfreunde dann nach einige Zeit beisammen.
Bon den Fünfzigern -1890/1940.
Am Samstag kamen im „Burghof" die 50er des Jahrgangs 1890/1940 zu einer ersten Besprechung zusammen. Man war sich darüber einig, daß man auch im Krieg die alte Gießener Tradition fortsetzen müsse, die die in Gießen geborenen und die in Gießen wohnenden Fünfziger zu einer Kameradschaft vereinigt. Im Laufe der vielen Jahre, durch die diese Fünfzigervereinigungen schon bestehen, haben sie sich als erfreulicher Mittelpunkt echter Heimat- und Freundschaftspflege erwiesen. Die frohen Feste gesunder Lebensfreude, die im Rahmen der Fünfzigerfeiern seither abrollten, werden allerdings in diesem Jahre eine kriegsbedingte Einschränkung erfahren, aber deshalb sollen doch die diesjährigen Fünfziger eine heimatverbundene Kriegskameradschaft aufgiehen, an der insbesondere auch die zu den Waffen einberufenen Kameraden ihre Freude haben sollen. Wer aus Familienbeziehungen weiß, welche Werte für die Gießener mit den Fünfzigervereinigungen verbunden sind, wird diesen Grundsatz nur begrüßen. Die Einladung an die auswärts wohnenden Gießener des Jahrgangs 1890/1940 sollen demnächst hinausgehen. Die diesjährigen Fünfziger hoffen, daß sie ebenso starken Anklang finden wie in vergangenen Jahrzehnten. Gerade die lange von der Heimat abwesenden Gießener haben die Fünfzigerfeier schon immer zum Anlaß genommen, ihr geliebtes Gießen einmal wiederzusehen. Immer sind sie von weither gekommen, ja sogar schon über den Ozean haben sie sich eingefunden, um im Kreise der Jugendfreunde erinnerungsreiche frohe Stunden zu verleben. H, R.
Verkehr nicht mehr gewachsen mar, ist durch b-h Verlängerung der Wilhelmstraße vom Aulweg bi, zum Ohlenbergweg und von hier ab durch di, Schaffung eines • neuen Bahnüberganges an bet Gelnhaufener Strecke eine neue übersichtliche Um« leitungsstraße mit Zufahrt nach dem Schiffenberget Weg entstanden.
Landkreis Gießen.
+ Grünberg, 28. Jan. Dieser Tage verstarb der älteste Mann unserer Stadt, Rech nungsrat Ludwig Schmidt, im Alter von neunzi« Jahren. Er stammte aus Bad Kösen (Thüringens und kam im Jahre 1903 als Postmeister an bas hiesige Postamt, das er bis zu seiner Ruhestands- Versetzung im Jahre 1915 verwaltete.
Wirtschaft.
Rhein-Mainische Börse.
Tendenz fest.
Frankfurt a. M., 27. Januar. Aus dem Pub- likum setzten sich auch zum Wochenende kleine An- lagefäufe fort; daneben wollte man auch Anschaf, tun gen von Großanlegern beobachtet haben. Die Börse verkehrte daher am Aktienmarkt in un« vermindert fester Haltung und brachte zu den ersten Kursen bei verhältnismäßig regen Umsätzen durch schnittliche Befestigungen von 0,50 bis 1 v. H. Darüber hinaus stiegen Scheideanstalt bei voller Zu- teilung um 2,50 v. H. auf 242,50. Im Vordergrundes Interesses standen erneut JG.-Farben mit 175,25 (174,50) sowie Montanaktien: Verein. Stahl 106,90 (106,75), Mannesmann 116,40 (115,50), Deutsche Erdöl 151,50 (151), Buderus 101 (100,75), Ilse Genuß 164,75 (164). Im übrigen kamen vorerst mir noch Daimler Motoren mit 129 (128) und Eßlinger Maschinen mit 116 (115,50) zur Notiz. Weiter vernachlässigt schienen Elektropapiere, wenngleich auch hier etwas höhere Kurse genannt wurden.
Am Rentenmarkt konzentrierte sich die Nach frage weiterhin auf Pfandbriefe, Reichsschatzamvet«: sangen, Industrie - Obligationen und Steuergutscheine II, in letzteren war die Nachfrage fedoch stiller als am Vortag. Serie I ruhig und wenig verändert 5prozentige Industrie-Anleihen ließen teilweise etwas nach. Liqui-Pfandbriefe und Stadt« anleihen wenig verändert. Reichsaltbesitzanleib, 0,40 v. H. fester mit 140,75, aber ReichSvahn-DA. 0,65 v. H. gedrückt auf 126,50.
Im Verlaufe war die Entwicklung bei absolut fester Grundstimmung etwas uneinheitlich, da einige Mattstellungen des Berufshandels erfolgten. Die Kurse wurden aber nur ganz vereinzelt und nut geringfügig davon berührt. Das Geschäft ließ aller- dings merklich nach. Deutsche Erdöl 152 nach 151,50, Verein. Stahl 106,75 nach 106,90, JG.-Farben schwankten zwischen 175 bis 175,25. Von später notierten Werten Harpener 166 (164,50), dagegen Demag 146,50 (147,50), Rheinstahl 139,50 (140).
Der Freiv er kehr war ruhig bei fester Grund- stimmung. Tagesgeld unv. 1,75 v. H.
** Ein Achtzigjähriger. Am morgigen Dienstag kann der Privatier und frühere (Saftnrirt Robert Meufer, Wernerwall 1, in geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag feiern. Dem alten Herrn unseren herzlichen Glückwunsch.
** 75 Jahre alt. Arn heutigen Montag wird der Bierbrauer i. R. Heinrich Weber, Riegel- Pfad 90 wohnhaft, in bester geistiger und körperlicher Frische 75 Jahre alt. Dem alten Herrn, einem langjährigen, treuen Leser des Gießener Anzeigers, gilt auch urtfer herzlicher Glückwunsch.
„Niemand bis jetzt. Meinem Sohn Gerhart werde ich gelegentlich, wenn ich Ihr Material habe, Mitteilung machen und ihn zu Rate ziehen. Im Augenblick weiß er noch nichts."
,Jhr Herr Sohn Gerhart wohnt auch bei Ihnen im Haufe?"
„Nein. Er wohnt zwar manchmal ein paar Tage ober auch Wochen bei mir, aber im allgemeinen ist er nicht in Berlin. Er ist Ingenieur und baut an den Reichsautobahnen."
„Aber wenn er in Berlin ist, wohnt er bei Ihnen?"
„Ich sagte es ja eben. Er hat bei mir noch sein Junggesellenzimmer. Es ist eine Fünf-Zimmer- Wohnung, die ich habe. Sein Zimmer ist immer bereit, auch wenn er überaschend kommt."
„Sie sagten, Sie wohnen im selben Haus wie Ihr Sohn Ludwig?"
„Ja. Können Sie das mcht fassen? Ludwig ist mit Julia verheiratet und wohnt im Erdgeschoß. Ich wohne im ersten Stock. Klar? Adresse Nettelmann- straße 10. Im Vorderhaus ist der Laden, im Hinterhaus, »Gartenhaus^ sagt der Berliner, sind die Wohnungen. Verstanden?" Sie sah ihn mitleidig an. .
,Zetzt ist alles ganz klar. Danke vielmals", sagte Herr Zacharias. Er schob ihr einen weißen bedruckten Bogen hin. „Möchten Sie hier bitte unterschreiben. Ihren Namen und die Adresse. Nein, nicht für mich", er wehrte ihren Blick ab, „ich habe alles behalten. Aber es muß sein, eine Formsache." Er reichte ihr den Füllfederhalter.
„Also dann", sagte Frau Carlotti, und sie unterschrieb nochmals mit ihrem Namen und der Adresse. Dann stand sie auf. Herr Johann Zacharias öffnete ihr die Tür und stand stramm, als erkenne er die Tochter seines Obersten in ihr. Dann ließ er den Fahrstuhl aus dem vierten Stock kommen und fuhr sie hinunter. Als er allein wieder hinauffuhr, rieb er sich die Hände, obgleich es ein ausgesprochen warmer Tag zu werden versprach.
Fräulein Iwanka Gospik wohnte in einem der hübschen Neubauten in der Nähe des Kurfiirsten- damms. Das Haus enthielt zur Hauptsache kleine Wohnungen, sehr kleine sogar. Iwanka Gospik wohnte im Erdgeschoß. Die beiden Parterrewohnungen hatten zusammen nur 5 Zimmer und 2 Küchen. Iwanka Gospik bewohnte ihre beiden Zimmer allein. Morgens kam ein junges Mädchen, kaufte einiges in den Geschäften ein, besorgte die Zimmer und kochte das Mittagessen. Nachdem das Geschirr ge- 1 säubert und die Küche wieder aufgeräumt war, blieb Iwanka Gospik allein.
Zum Nachmittagskaffee kam dann meist Otto-
*♦ Schließung der verlängerten L i e- bigstraße zwischen Aul- und Erdkauterweg. Dieser Straßenzug, der Eigentum der anliegenden Jnduftriefirmen ist und bisher als Privatstrahe diente, ist seit kurzer Zeit durch eine Einfriedigung im Zuge des Aulwergs geschlossen. Dadurch ist das hinter dieser Einfriedigung liegende Jndustriegelände ein in sich geschlossenes Grundstück geworden, dem nunmehr weitere Ausbaumöglichkeiten gegeben sind. An Stelle des weggefallenen Straßenzugs, der dem dort eingetretenen starken
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
$. $t in G. Die Frage, wer die Treppe zu beleuchten hat, ist im allgemeinen im Mietvertrag ober in der Hausordnung geregelt. Ist dies nicht der Fall, fo ist zu sagen, daß grundsätzlich der Der. Mieter nicht verpflichtet ist, für die Treppenbeleuchtung zu sorgen, es sei denn, daß ein anderweitiger Ortsgebrauch besteht. Ein solcher Ortsgebrauch dürfte für Gießen nicht anzunehmen fein, so daß der Mieter die zu seiner Wohnung gehörende Treppe zu beleuchten hätte, und zwar üblicherweise bis um 9 Uhr im Winter, im Sommer bis um 10 Uhr abends. Verletzt der Mieter die ihm obliegende Pflicht, so kann er sich unter Umständen schadensersatzpflichtig machen, jedoch kann außerdem der Vermieter haftbar fein, wenn er es unterläßt, darüber zu wachen, daß der Mieter seiner Pflicht nachkommt. Da der Mieter an sich zur Beleuchtung verpflichtet ist, kann er mit einem angemessenen Betrag zu den Kosten der Beleuchtung herangezogen werden.
Erich Hegg, brachte viel zu viel Kuchen mit, kochte mit ihr zusammen den Kaffee und dann redeten sie. Otto-Erich Hegg von Liebe, Iwanka Gospik von ihren Nöten, von ihren Aussichten und von der Kunst im allgemeinon. Dabei verstanden sie sich ganz gut. Er war Schauspieler. Keine Größe am Bühnenhimmel, kein strahlender Stern, aber brauchbar und verwendungsfähig für jeden Direktor. Er war gut angezogen. Sein Vater, ein pensionierter Stadtrat, konnte ihm dann und wann etwas zu- stecken. Otto-Erich war verliebt Iwanka fand ihn nett. Daß er sie ganz offenbar liebte, störte sie nicht. Sie kannte mit ihren zwanzig Jahren und der etwas slawischen eigenartigen Schönheit ihres Gesichts die Männer eigentlich nur in dem erheiternden Zustand leichter Verwirrung.
Sie war schlank, neigte aber zur Rundlichkeit. In zehn Jahren würde sie es schwer haben, die Verfettung zu vermeiden. Im Augenblick war das noch ein betonender Reiz ihrer Körperlichkeit. Sie stammte aus Ragusa, bas heute Dubrownik heißt, hatte blaue Haare wie eine Mexikanerin, ein blasses, breites, aber hübsches Gesicht mit etwas zu starken Lippen, schönen weißen Zähnen und tiefen, dunklen Augen.
Otto-Erich Hegg hatte ein Gedicht auf ihre Augen gemacht und sie nicht geradezu neuartig mit dem Meer zur Nachtzeit verglichen. Aber eine Damenzeit- schrift hatte die Verse ttotzdem gebracht. Für das Honorar hatte sich Otto-Erich Hegg eine tiefblaue Krawatte gekauft von der Farbe der befundenen Augen.
Er selber war blonblich und das volle Haar wich ihm weit aus der Stirn zurück, was dem Gesicht etwas Kühnes gab. Er hatte graublaue Augen und wenn er lachte, sah er aus wie ein Primaner, obgleich er nun schon an die dreißig ging.
An diesem Mittwoch war Otto-Erich Hegg nach der Probe, die nur bis zwölf gedauert hatte, nach Hause gefahren. Er hatte es vom Theater nicht allzu weit bis zur Kurfürstenstraße, unten beim Eben-Hotel, und er kam bei Frau Herder gerade zum Mittagessen zurecht.
Frau Herder war eine rundliche Frau in den vierziger Jahren. Ihr Mann hatte den Beruf eines Lokomotivführers und war infolgedessen viel unterwegs. Dafür kam er manchmal überraschend nach Hause und sie rechnete eigentlich immer mit einem dritten Esser, wenn sie das Mittagsmahl richtete. Ihre Tochter Friedel war die eine Person, sie selber .die zweite und die dritte entweder der Mann oder der Untermieter; denn wenn Otto-Erich Hegg es I irgendwie eirrrichten konnte, aß er gern bei Frau
Herder, die ihm dafür nicht zuviel anrechnete, dafür sorgte Friedl die Tochter, die in den Schauspieler verliebt war. Das hatte sich nicht als eine Liebe auf den ersten Blick damals beim Einzug Heggs ergeben, fonbern aus dem netten kameradschaftlichen Neben- und Beieinander hatte sich bei ihr eine stille Siebe entwickelt, von der Hegg kaum etwas, Mutter Herder aber um so mehr bemerkte.
Friedel Herder war Kassiererin. Sie hatte einen guten Posten und verdiente so ordentlich, daß sie jeden Monat eine runde Summe zur Sparkasse bringen konnte.
Frau Herder fand das überflüssig. Sie war mehr dafür, zu verbrauchen, was man in die Hände bekam. Wer konnte wissen, was morgen sein mürbe. Sie hatte den Krieg und die Inflation miterlebt. Seitdem sparte sie nicht mehr. „Ich bin vielfache Millionärin gewesen, Friedel", pflegte sie zu sagen. „Mir hat's gereicht." Aber Friedel wußte, daß andere Zeiten gekommen waren und daß es besser war, fein Geld zusammenzuhalten für den Zeitpunkt, wo man es brauchen würde. „Mein Verlobter soll einmal kein armes Mädchen heiraten müssen."
„Dein Verlobter! Haste denn einen in Aussicht?" Fnedel Herder war ansehnlich. Mit 25 Jahren ist man auch noch nicht alt. Sie lachte ihre Mutter an, daß die Zähne blitzten. „An jedem Finger einen, wenn ich wollte!" rief sie.
Frau Herder sttahlte. Sie war stolz auf chre Tochter. „Schöne Zähne haste", sagte sie froh. „Trotzdem du doch bloß sone halbe Portion warst, son Kriegskind, das nichts in die Knochen gekriegt hat. Bist überhaupt ein hübsches Mädchen geworden. Ich glaube schon, daß dir die Kerle nachlaufen. War bei mir früher auch so. Wir haben foroas, weißte, A habe als junges Mädchen auch immer mächtige Schangsen gehabt. Lach nid)! Ich hieß am Hermann« 1 platz ybie schöne Annemaries In allen Ehren, versteht sich! Ich hätte den einen Bolle heiraten können, 1 der hatte damals fein Milchgeschäft, wo heute das ! Restaurant von Schmittlein ist. Aber ich wollte nicht. I Ich liebte deinen Vater. Er war nicht immer so I knarrig wie heutzutage. Nee, das barffte nicht denken. Er war schneidig. Wie er vom Militär kam, ich sage dir..."
Sie mußte ihre Rede unterbrechen. Die Wohnungsklingel hatte angeschlagen.
Friedel lief zur Tür und öffnete. „Ach, Herr Hegg", sagte sie heiter, „Sie fallen uns gerade ins Mittagessen."
„Das tut mir leid, ich wollte nicht stören."
I (Fortsetzung folgt)


