Ausgabe 
29.1.1940
 
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seinen neutralen Nachbarn ungleich bereitwilliger entsprochen hat als Großbritannien und Frankreich.

Großbritannien schmiedet aber auch in Süd- osteuropa an einem eisernen Ning, der Deutsch­land von der Zufuhr aus fremden Ländern ab­schneiden soll. Es hat in den Donau- und Balkan­ländern alle Register gezogen, um Deutschland aus dem Geschäft zu verdrängen. Es hat versucht,Jugo­slawien eine Anleihe aufzudrängen und hat in Rumänien das verfügbare Erdöl aufzukaufen versucht. Besonders eifrig haben die beiden west­lichen Demokratien die Türkei umworben. Sie haben ihr eine Anleihe von fast 70 Mil­lionen Pfund Sterling gewährt und m wirtschaft­lichen Abmachungen zugesagt, daß siebis zur Beendigung des Krieges" große Posten von türkischen Gartenfrüchten (Rosinen, Feigen, Hasel­nüssen und Tabak) abnehmen werden. Natürlich wird für die Türkei der Zwang, ihren Produktions­überschuß an Gartenfrüchten auszuführen, auch nach dem Kriege noch unvermindert fortdauern. Man spekuliert aber in London und Paris anscheinend darauf, daß dann Deutschland wieder in die Bresche springt, das in den Jahren 1937 und 1938 38,5 bzw. 44,1 v. H. der türkischen Ausfuhr aufnahm und auch in den ersten elf Monaten 1939 (also einschließlich von drei Kriegsmonaten) zu 40,3 v. H. an der tür­kischen Ausfuhr beteiligt war. Die Westmächte glaubten mit der Einbeziehung der Türkei in ihren Bündnisbereich ein erstes festes Glied eines Deutsch­land von Südosten umschließendeneisernen Ringes" geschmiedet zu haben und müssen es jetzt erleben, daß sich ihr Schützling unverhohlen nach deutschen Lieferungen sehnt. Die südosteuropäischen Länder, an deren Außenhandel Deutschland zu 40 bis 60 v. H. beteiligt sind, werden bei Großbritan­nien und Frankreich nie auf das rechnen können, was ihnen wirklich frommt: auf eine wirklich um­fassende und zuverlässige Belieferung mit Industrie- waren und Produktionsgütern auf der einen und auf eine stetige Abnahme agrarischer Produktions- Überschüsse ayf der anderen Seite.

Da die Westmächte mit dem Schmieden des eisernen Ringes in Europa nicht recht weiterkom­men, versuchen sie es auf entfernteren Schauplätzen Sie wollen den Anspruch der 21 selbständigen Staa­ten Nord- und Südamerikas auf eine Sicherungszone von 300 Seemellen nur anerken­nen, wenn diese Länder versprechen, Deutschland wirtschaftlich schlechter zu behandeln als seine Geg­ner. Deutscher Handel in amerikanischen Gewässern soll verboten sein und die in amerikanischen Häfen liegenden deutschen Schiffe sollen als Gefangene gelten. DieseBedingungen" der Alliierten sprechen jedem Recht und jedem Gerechtigkeitsgefühl derartig Hohn, daß die amerikanischen Länder sich darauf nicht einlassen können. Gleichzeitig versuchen Großbritannien und Frankreich auf einem Schau- platz, wo das besonders aussichtsos zu sein scheint, einen eisernen Ring zu schmieden: im Fernen Osten. Die japanische Regierung hat sich das Durchsuchen von Handelsschiffen auf das entschie- dienste verbeten. Sie hat angedroht, britische Waren auf britischen Schiffen zu beschlagnahmen, wenn Großbritannien Waren deutschen Ursprungs, die in japanisches Eigentum übergegangen sind, von ja­panischen Schiffen herunterholen sollte. Es hat sich auch die Verhaftung von 21 deutschen Zivilisten, die auf einem japanischen Dampfer nach Japan fuhren, nicht gefallen lassen, sondern Wiederauslieferung verlangt. Wir in Deutschland haben den Eindruck, daß die Schwierigkeiten, die sich beim Schmieden an eisernen Ringen entgegengestellt haben, die Sinne der Londoner Politiker etwas vernebelt haben und ihnen den klaren Blick für das genom­men haben, was ehrliebende neutrale Völker sich bieten lassen können.

Wir Deutschen werden fortsahren, die Schiffe, die unseren Hauptgegner England mit Kriegsmaterial, Rohstoffen und Nahrungsmitteln versorgen, aufs Korn zu nehmen und die Versorgung des hochgradig einfuhrabhängigen Jnselreichs auf der schiefen Bahn weiterzustoßen, auf die sie bereits vor Mo­naten geraten ist. England versteht nur die Sprache der Tatsachen. Wir sind fest davon durchdrungen, daß wir das Schmieden eiserner Ringe dort, wo sie uns unbequem werden könnten, verhindern können. Wir sind aber auch überzeugt, daß wir beffere Aus­sichten haben, die britische Versorgung zu stören, als die Briten unsere Versorgung. Wir werden den

neutralen Ländern helfen, sich gegenüber unneutra- len Zumutungen der Westmächte zu behaupten, und sind überzeugt, daß wir damit den Neutralen einen großen Dienst erweisen, nämlich den, sie von dem Plagegeist zu befreien, der seit vielen Jahr­hunderten ihr wirtschaftliches Dasein schädigt und bedroht. D. D.

Gesunken.

London, 28. Jan. (DNB.) Das englische Dor­postenschiffM e r i s i a" ist in der Nähe der Insel Man an einem Felsen zerschellt, die 12 Mann starke Besatzung ist ertrunken. Das hol­ländische MotortankschiffM a m u r a" (8245 Brgt.) ist unweit der Downs auf eine Mine gelau­fen. Durch die Explosion entstand erheblicher Scha­den. In Vigo wurden von dem spanischen Fracht­dampferCastillo de Monforte" schiffbrüchige See­

leute an Land gesetzt, die dem französischen Dampfer Tourny" angehörten. Das französische 4000- Brgt.-Schiff war von Senegal nach Bor­deaux unterwegs und wurde auf der Höhe der nordspanischen Küste versenkt. Von der 35 Mann starken Besatzung kamen 8 ums Leben. Die übrigen berichteten, daß außer ihrem Schiff auch der fran­zösische FrachterAlsacien" torpediert worden sei. DieAlsac n" fuhr mit derTourny" i n einem Geleitzug, der von der Senegal-Küste nach Frankreich fuhr. Das Schicksal der Besatzung ! derAlsacien" ist unbekannt. Der schwedische Damp- j ferSylvi a" (2300 Brgt.) ist überfällig. Das Schiff hatte mit 20 Mann Besatzung am 9. Januar Hüll in Richtung Göteborg verlassen. Da auch alle Nachforschungen längs der norwegischen Küste er­gebnislos blieben, nimmt man an, daß das Schiff untergegangen ist.

Frankreichs Off ensiv-Gedanke.

Im Jahr 1936 hak der französische General Duval eine Artikelserie veröffentlicht, in der er die militärischen Möglichkeite Frankreichs gegen Deutschland untersucht. Er sieht voraus, daß sich an der französischen Ost grenze (also an der deutschen Westgrenze) die Heere beider Staaten hinter stark befestigten Linien gegenüber lie g e n werden. Unter ausdrücklicher Berufung darauf, daß das Offensiv-Problem gelöst werden müsse, um eine Entscheidung zu erzielen, erklärt er, daßan irgendeiner anderen Stelle sich das Haupt-Operationstheater herausbilden muß" und daß dortdie Entscheidung zu Tage treten wird". Er prägt für diese Idee sogar ein Schlagwort, das leicht ins Ohr eingeht. Er sagt:Dort wird d i e Schlacht von Europa geschlagen werden." Und welchesHaupt-Operationstheater" hat sich nun Duval ausgesucht? Sein Projekt ist:Man muß gegen Deutschland durch die ungarische Ebene, durch Mähren, durch Schlesien und Bayern manÖDerieren. Dort werden wir uns unsere Militärbündnifse und die geographische Gestaltung Europas zunutze machen." Wohlgemerkt: das war 1936 geschrieben und die Idee Duvals war, von demunabhängigen Oesterreich", von dem Flug­zeugmutterschiff der Tschechoslowakei und von Polen aus die Offensive gegen das Herz Deutschlands vor­zutragen, um sich am Rhein zu entlasten. Wenn dieser Plan kein Offensiv-Plan ist, so gibt es über- Haupt keine Offensive. Es ist das Verdienst des Führers, daß dieösterreichische", tschechoslowakische und polnische Krücke für diese Offensive zer­brochen wurde. Aber der Gedanke ist in der an­deren Form lebendig geblieben, Deutschland über Skandinavien und vom Schwarzen Meer aus offensiv in die Zange zu nehmen. Ob 1936 oder unter geänderten Verhältnissen 1939/40: immer ist der nackte Offensiv-Gedanke Grundlage des französischen Kalküls. Dabei ist Ge­neral Duval nicht ein unbekannter Herr Irgendwer. Er ist ein anerkannter französischer Militärschrift­steller, dessen letztes Buch über den Spanienkrieg mit einer Vorrede des ehemaligen französischen ^Generalissimus Weygand eingeleitet wurde.

Teil der Lastwagen und Autobusse ist auf Holz­kohlenvergaser umgestellt. Der in Finnland wesent­liche Autobus-Ueberlandoerkehr hat daher kaum ge­litten. Finnland ist mit 85 v. H. der wichtigen Sta­pelwaren und Lebensmittel Selb st versorger. Don der Armee wurden sämtliche Vorräte an Hill- senfrüchten beschlagnahmt. Andere Lebensmittel und Genußwaren sind im Preise leicht gestiegen, wie Tabak um etwa 20 v. H. Die Fleischpreise dagegen sind gesunken.

Der finnische Heeresbericht.

Helsinki, 28. Jan. (DNB.) Der 26. Januar verlies auf der karelischen Landenge so teilt der finnische Heeresbericht mit verhältnismäßig ruhig. Einige russische Batterien sollen durch finnische Ar­tillerie 3 um Schweigen gebracht worden fein. Nordostwärts vom Ladoga^See, wo die Kämpfe schon seit einigen Tagen andauern, sollen die Finnen weitere Angriffsversuche abgewiesen haben. Die Seestreitkräfte melden, daß finnische Küstenbatterien die Tätigkeit der Landstreitkräfte unterstützt haben und daß ein ru ssisch e s Unter­seeboot vor einigen Tagen in einem finnischen Minenfeld verni chte t worden sei. Sowjetische Flugangriffe richteten sich auf Jvalo, Savukoski,- Kuufamo und Daltimo in Nordfinnland. Drei rus­sische Flugzeuge sollen abgeschossen worden sein.

Gedenksendung zum 30.3anuarl933.

Berlin, 28. Januar. (DNB.) Der Großdeutsche Rundfunk bringt am Dienstagabend von 20.30 bis 22 Uhr über alle Sender eine Gedenk- sendung zum 30. Januar 1933. Reichsminister Dr. Goebbels hatte die Absicht, in dieser Reichs- sendung selbst das Wort zu ergreifen. Es ist ihm das aber wegen Arbeitsüberlastung leider nicht möglich. Er hat dem deutschen Rundfunk deshalb aus feinen privaten Aufzeichnungen, die später einmal veröffentlicht werden sollen, die

Churchill wird durchschaut.

Stürmische Protestrufe englischer Arbeiter in einer Churchill-Versammlung.

Berlin, 28. Jan. (DNB.) Lügenlord Chur- ch i l l hielt im Manchesterhaus eine Rede, die mehr­fach durch Zwischenrufe und Protestkundgebungen der anwesenden Arbeiter gestört wurde, insbeson­dere, als Churchill ihnen erklärte, daß jetzt keine Zeit für Wohlleben sei als ob der englische Ar­beiter unter der Herrschaft der britischen Geldsack­demokratie in seinen Slums und Elendsquartieren überhaupt jemals ein Wohlleben gekannt habe. Churchill konnte sich auch nicht den Beifall der Zu­hörer sichern, als er auf die 1300 000 Arbeits­lose verwies, aber fast im gleichen Atemzug die gelernten und halbgelernten Arbeiter aufrief, die Arbeitsleistungen wesentlich zu verstärken. Als Churchill dazu überging, auch auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Erzeugung eine allgemeine Er­höhung des Arbeitseinsatzes zu fordern, wurde er erneut durch Zwischenrufe unterbre­ch) e n. Auch in seinen politischen Betrachtungen hatte der Lügenlord einen schlechten Tag. Nachdem er soeben versichert hatte, daß diedeutschen Schiffe von den Meeren vertrieben" worden seien, sprach er von schweren Opfern, die die britische Flotte unaufhörlich bringen müßte und ermahnte seine Zuhörer, nicht den Mut fallen zu lassen, wenn sie von täglichen Verlusten der Marine hörten. Derselbe Churchill, der noch vor wenigen Tagen als Agent-Provokateur der eng­lischen Kriegspolitit unmißverständliche Drohungen

gegen die neutralen Staaten ausstieß, versuchte die Welt über die wahren Absichten der englischen Kriegspolitik zu täuschen, indem er von der Be­drohung der Neutralen durch Deutschland sprach.

Die Zwischenfälle während der Churchill-Rede haben in London peinliches Aufsehen er­regt. lieber den Rundfunk ließ Churchill am Sonn­tag die beschwichtigende Erklärung verbreiten, Wahrheit ist, daß viele Tausende von Männern und Frauen der Rede aufmerksam und ernst ge­stimmt zuhörten und von Zeit zu Zeit Beifall zeig­ten." Im gleichen Atemzug wird dann allerdings zugegeben, daßein Dutzend Agitatoren die Ver­sammlung zu stören suchte". Also mindestens ein Teil der Zuhörer war durch die Ergüsse des Ersten Lords der Admiralität nicht ernst gestimmt und zeigte nicht von Zeit zu Zeit Beifall. Es handelte sich, so heißt es in der Rundfunkerklärung weiter, um eine unbedeutende Unterbrechung". Schließlich wird dann versichert, daßdie Zurufe von ein paar Strolchen nicht den Perfall des britischen Weltreiches ankündigen". Eine vergebliche Anstrengung von Radio London: denn so klug sind wir selbst, daß mir diesen Zwischenfall nicht als einen beginnenden ! Zusammenbruch, sondern lediglich als das nehmen, was er wirklich ist: ein Symptom für die in Eng­land ganz allmählich und vorläufig nur in sehr be­schränktem Umfange dämmernde Einsicht überdie wahren Schuldigen dieses Krieges.

der

Die Heimkehr

olhynien- und Galiziendeutschen.

Reichssührer ff Himmler begrüßte den letzten über przemysl kommenden Treck.

Deutfch-Przemysl, 28. Januar. (DNB.) Während die ersten Trupps der von jenseits der deutsch-russischen Jnteressengrenze in das Land ihrer Vorväter zurückgekehrten Volksdeutschen bereits im Großdeutschen Reich an ihren künftigen Siedlunas­orten angenommen sind, steht nun das Ende dieser Umsiedlung der Volksdeutschen aus Galizien und Wolhynien unmittelbar bevor. Aus diesem Anlaß nahm der Reichssührer ff und Chef der deutschen Polizei Himmler als Reichskommissar zur Festi­gung des deutschen Volkstums Gelegenheit, den letz­ten aus Galizien eintreffenden Treck a uf der Grenzbrücke über den San persönlich zu begrüßen. Als diese Volksdeutschen aus dem etwa 700 Familien zählenden rein deutschen Dorf Bri- gidau, in das feit 1784 keine Polen einheiraten durften, und dann die mit der Bahn aus Lemberg kommenden Volksdeutschen den Reichsfiihrer ff er­kannten, entboten sie ihm ihr erstes Heil Hitler auf deutschem Boden, immer und immer wieder schütteln sie ihm die Hand. Dabei wandern ihre Gedanken zumgroßen Vater Hitle r", wie ihn die galizischen Deutschen nennen.Gott sei dank, wir sind doheeml" rufen sieh in pfälzischem Dialekt die Fuhrmänner der mit prächtigem Pferdematerial

bespannten und mit Hakenkreuzfähnchen geschmück­ten Planwagen zu.

Nicht minder herzlich ist die Begrüßung der mit der Eisenbahn kommenden Volksdeutschen, die die Ausladerampe mit kräftigen Heil Hitler-Rufen betreten und damit der Heimat den erften Gruß entbieten. Der Reichssührer ff nahm dann im Kreise der Volksdeutschen das von der NSV. bereit- gestellte Mahl ein, nachdem er einen Gang durch das in der noch aus der österreichischen Zeit stam­menden Pionierkaserne in Deutsch-Przemysl unter­gebrachte erste Lager für die Rückgeführten ge­macht hatte. Bis jetzt haben rund 103 000 Volks­deutsche aus Galizien und Wolhynien per Achse und rund 35 000 mit Trecks die deutsch-russische Jnteressengrenze überschritten. Es werden nun noch ein Zug aus GaliZien und vier aus Wolhynien er­wartet, so daß sich die Gesamt^M der rückgeführ­ten Deutschen auf etwa 160 000 stellen dürfte.

Oie wirtschaftliche Lage in Finnland

Helsinki, 28. Jan. (DNB.) Der Krieg hat für Finnland eine scharfe Devisen- sowie Ein- und A u ss u hr ko n tr o l le mit sich gebracht. Für Privatwagen besteht Fahrverbot. Ein großer

Lied und Hausmusik.

Don Or. Zrih Siege.

Beobachten wir einmal die Kleinsten bei ihren kindlichen Spielen: Mühelos werden einfachste, dem kindlichen Geist angemessene Liedchen von den Mit­spielern übernommen, gedankenlos nachgeträllert. In den Kindergärten, dann in der Schule fließen dem Kinde so unendlich viele, reichhaltige mufiffl« lische Anregungen zu. So wird dem Kinde die Musik zu einem Lebenselement. Man kann ruhig sagen: Die Musik des Kindes ist das Reich der Klange. Don Harmonie umflossen, von Tönen ein­gesponnen wächst das Kind in musikalischer Ver­edelung der Seele seinen späteren Lebensaufgaben entgegen.

Glücklich diejenigen Erzieher, die es verstehen, die Bedeutung der musikalischen Anregungen für die Seelenbildung zu erkennen und richtig einzuschätzen. Glücklich diejenigen Kinder, die für ihre von außen her empfangenen musikalischen Eindrücke auch im Hause, im engsten Familienkreise, eine liebevolle Pflegestätte finden. Denn es genügt nicht, die Musik des Kindes einem zufälligen Wachstum zu über­lassen. Alles Werdende, alles Entstehende bedarf der Pflege. Ganz besonders die Musik, die als Baustoff der Seele einer sorgfältigen Einordnung in den gesamten Lebenskreis des Kindes bedarf. Nicht lehrhaft, nicht mit der pädagogischen Tendenz de- Erziehers zur Musik sondern auf der Grund­lage der Erziehung durcy Musik.

Es fehll keinesfalls an Anlässen, um das kind­liche Sieb einzugliedern in die kindliche Lebensfüh­rung, um aus den Tönen eine Brücke zu formen, die von der Kindesseele zum Herzen der Familien­gemeinschaft führt. Die einigende Kraft des Lied­gesanges im Familienkreise ist eine Keimzelle jener großen Liedbewegungen, die über den Hausstand hinausgreifend Dolkskreise zusammenführt und zu einer Einheit zusammenschweißt. In diesem ersten zagen Annähern des Kindes an die Musik beruht aber der Ursprung jeglicher Hausmusikpflege. Diel schwerer ist es, das musikalische Interesse zualler­erst einmal zu wecken, als das schon, vorhandene Interesse durch liebevolle Anleitung in jene Bahnen zu lenken, die einer systematischen Hausmusikpslege zugute kommen. Der Weg vom gelungenen zum ge­spielten Ton ist nicht allzu weit, wenn man es ver­steht, das Lied zur Grundlage aller musikalischen Betätigung zu machen und vom Gesang aus zu schwierigerer musikalischer Ausübung vorzudringen. Den gesungenen Ton selbst einmal erklingen zu

hören, das Lied auf das Instrument zu übertragen, sollte eine reizvolle Aufgabe für alle Kinder wer­den, deren Liebe zur Musik in der rechten Weise erweckt und gepflegt ist. Es hängt lediglich von der Art der musikalischen Erziehung ab, ob der lieber- gang vom spielerisch angewandten Ton zum er­lernten Ton schroff und abschreckend gestaltet wird, ober ob auch das Instrument ebenso wie das Kinderlied anfänglich dem Spieltrieb des Kindes dienstbar gemacht und in die spielerische Lebensauf­fassung des Kindes eingeschaltet wird. Hier können Musikerzieher, die ihre Aufgabe einseitig vom Ver­hältnis desLehrers" undSchülers" aus an fassen, anstatt sich in die Rolle eines kindlichen Gespielen einzufühlen, bei der ersten, so entscheidenden Be­kanntschaft mit der Kunst eher zerstören als auf­bauen und sogar solchen Kindern die Musik ver­leiden, die ihrem Talent nach zu musikalischer Be­tätigung berufen wären. Umgekehrt aber kann eine geeignete Anweisung in der Jugend dem werdenden Menschen Schätze in die Seele einpflanzen und Keime legen zu segensreichen Früchten, deren Wohl­tat der Musikfreund fein ganzes Leben hindurch genießt.

Der Winter ist die Zeit, in der ftohe Unterhal­tung die langen Abendstunden kürzt. Zum Wesen des deutschen Hauses gehört der Zauber der selbst­ausgeübten Musik, die die Herzen zusammenführt und seelische Fäden webt. Wer seinen Kindern das köstliche Gut der Musik schenkt, bereitet ihnen lebenslängliche Freuden. Es braucht nicht gleich ein kostspieliges Instrument zu fein, wenn auch das Klavier in keinem deutschen Hause fehlen sollte. Auch Blasinstrumente eignen sich trefflich für den hausmusikalischen Gebrauch, vor allem sollte der Flöte größere Beachtung zuteil werden. Aber auch Lauten, Mandolinen, ja selbst die einfacksten Volks­instrumente, wie Mundharmonika, Ziehharmonika, sind die ersten Stufen der Entwicklung, auf denen oas Kind bei steigendem Interesse fortschreiten kann zu höherer Kunstbetätigung. Darum, Eltern und Erzieher: Gebt euren Kindern guten Musikunter­richt! Achtet auf die musikalischen Aeußerungen eurer Kinver von der ftühesten Jugendzeit an unb lenkt ihr kindliches Singen in die entwicklungs­fähigen Bahnen ernsthafterer musikalischer Aus­übung! Senkt Frohsinn in die Herzen der Jungens und Mädels durch die Gottesgabe der tönenden Kunst! Nicht zu Künstlern sollt ihr sie erziehen, son­dern zu Kunstfreunden, die aus eigenem Wissen und Erleben heraus in innige Beziehungen zum deut­schen Musikleben treten! Der Jugend gehört die Zu­kunft, der musikbegeisterten Jugend abet die Zu­kunft der deutschen Musik!

1000 Worte Fliegersprache.

Don Peter Omm.

Wenn einmal Figuren, Fluagast-Neulinge, in einer Kiste (Flugzeug) sitzen und mitten durch eine Waschküche( Nebel) fliegen, dann denken sie viel­leicht sogar ans Ab schmieren (ab rutschen, abstür­zen). So schnell geht das aber nicht, auch bei einer Affenfahrt (überaus hohe Geschwindigkeit) kann man meist noch aussteigen (Verlassen des Flugzeu­ges mit Fallschirm) und selbst eine Damenlandung (Landung mit Ueberschlag des Flugzeuges, das dann also auf dem Rücken liegt) muß nicht immer bösartig verlausen. Die aufgeblasene Konkurrenz (die Ballonfahrer und L^tschiffer) hat es leichter, sie weiß nichts von Kavalierstart wenn das Häs­chen, der unerfahrene Anfänger, die Maschine nach dem Abheben steil hochreißt und nichts vom Alt-Herren-Start, wenn die Kiste nur langsam und schwerfällig vom Boden loskommt. Sie kennt aber auch nicht die herrlichen und die unangenehmen Ge­fühle des Fliegers, das Abhängen (lleberholen an­derer Flugzeuge) und das Abmontieren (das Zer­brechen eines Flügels ober eines ganzen Flugzeugs) in der Luft. Ist es bockig (böiges Flugwetter), dann ist sogar ein Hinrotzen (Landung mit vollständigem Bruch) nicht ausgeschlossen und wer ein paarmal Bruch gemacht (das Flugzeug beschädigt hat), der darf seiner Kennzeichnung als Bruchpilot was zu sein eigentlich nur ein Flugschüler sich leisten Dürfte sicher sein! Daß eine Kiste nicht fährt, sondern fliegt, dürfte sich herumgesprochen haben, der Pasiagier ist der Flugast und Fahrt heißt nicht Fliegen, sondern Geschwindigkeit. Ein Hangpolierer (Flugschüler), dem man zuerst mal einen Draht­verhau anoertraut (ein altes drahtoerspanntes Mo­dell), wird manchesmal abscheren, das heißt, bei schlechter Landung wird er zu heftig aufftoßen und dabei das Fahrgestell abscheren, das ist für ihn ge­nau so peinlich wie Kleinholz: das Zerbrechen eines Teiles bei Bruchlandung in lauter kleine Stücke. Ist aus dem Schüler ein richtiger Pilot geworden, dem man eine gute Maschine anvertrauen kann, dann läßt man ihm die Züael locker, er versucht den Korkenzieher (im Gleitflug geflogene Steil­spiralen), oder er macht Männchen, wobei die Ma­schine senkrecht aufsteigt, und nach Erreichung des höchsten Punktes vornüber kippt und senkrecht ab­wärts fliegt. Petroleum bohren gibt's nicht mehr, bas machen nur die Segelflieger, wenn sich deren Rumpfspitze in den Boden bohrt. Hat jemand Schnaps (Benzin) genug und ift sein« Maschine

bis zum Halskragen voll (Treibstoff), bann geht er gern mal auf die Hüpflinie (Strecke) zwischen zwei weniger als 200 km entfernten Landeplätzen) oder er spielt Kaffeemühle bas ist ein dauerndes Kur- von, das besonders im Luftkampf den Sieg ent­scheiden kann. Kommt es gelegentlich mal zum Sa­lonbruch (einer leichten Beschädigung der Maschine), dann trösten sich die Piloten mit den Schreibtisch-' Klegern, jenen Leuten, die immer übers Fliegen schreiben, aber selber niemals fliegen, und die nicht einmal wissen, was einwelkes Blatt" ift. Das ist sehr schwer und nur mit besonderen Kunstflug- Maschinen zu machen die Krähe (Flugzeug) rutscht über den Flügel ab, fängt sich wieder, rutscht nach der anderen Seite ab, fängt sich abermals, bis sie schließlich kurz über dem Boden ist und bann erst normal weiterfliegt. Knüppel ist die Steuer­säule, ein Blatt ist der Flügel ber Luftschraube, Trudeln ist etwas Unangenehmes, nämlich freiwil­liges ober unfreiwilliges Kippen über den Flügel mit anschließendem Heruntergehen im Spiralflug entweder ein Kunststück ober ein Unfall. Wenn ber Motor kotzt was wohl nicht näher erläutert werben muß ist man manchmal zum Abwerfen (abspringen) gezwungen. Dann wird sich's erwei- weisen, ob ber alte Start-ZurufGlück ab!" ein guter Wunsch gewesen ist.

Zeitschriften.

Mozarts erste beutsche Oper, dieZauberflöte", behanbeU in Delhagen & Klasinas Mo­natsheften ber Wiener Gelehrte Joseph Gregor. An Hand von ungemein reizvollen Szenenbildern von ihrer ersten Wiener Aufführung an bis auf den heutigen Tag. Ein zweiter farbig illustrierter Auf­satz des Heftes gilt einem romantischen Maler un­serer Zeit, Erhard Amadeus-Dier, desien Schaffen Dr. Wolfgang Frechere von Goldegg schildert. Aus dem Gebiet ber Mebizin steuert Professor Dr. Her­mann Davids einen wichtigen Beitrag überWahre und falsche Augendiagnose" bei. Don den Taten un­serer U-Boote im Weltkrieg, plaudert Eugen Kalk- schmidt. Praktische Anweisungen, wieder große Nahrungsschatz im Garten" durch verständigen An­bau von Obst und Gemüse vermehrt werden kann, gibt Otto Nebelthau. Außerordentlich gefällt der große Roman von Kurt KlugeDie Zaubergeige". Daneben steht eine fröhliche Ehe- und Wintersport­novelleDie Frau von St. Christoph" von Lise Gast. Außer ein- und mehrfarbigen Kunstbeilagen enthält das Heft Rundschauen über neue Bücher, TheatH und die großen Ereignisje der