ORK.-Bereitschasten erhalten Fahnen und Wimpel. In Lich, Laubach und Watzenborn-Steinberg.
Am Sonntagvormittag fand auf dem Adlerplatz in Lich die feierliche Fahnenübergabe an die männliche DRK.-Bereitschaft Gießen 3, Sitz Lich, durch den Kreisführer des DRK., Oberfeldführer Landrat Dr. Lotz statt. In seiner Begleitung befand sich Kreisleiter Backhaus , sowie der DRK..Kreisstellenstab.. Nach der Begrüßung durch den Ortsgruppenleiter Pg. Karl Kuhn und den Führer der DRK.-Bereitschaft Oberwachttührer Otto Wahl wurde die Front der DRK.-Bereit- chaft, der SA., des NSKK., der HI. und des BDM. abgeschritten, die auf dem Platze Aufstellung genommen hatten. Dann wies Oberfeldführer Dr. L o tz in einer Ansprache darauf hin, daß seit der Machtübernahme die Bereitschaften des DRK. Öen« eiben einsatzfreudigen Dienst geleistet hätten, wie )ie der Partei angeschlossenen Gliederungen. Er teilte weiterhin die Bedeutung der Fahne als eines Symboles der Opferbereitschast und der Hingabe heraus, wobei er an ein Wort von Walter Flex erinnerte und an das Lied der Hitler-Jugend, in dem es heißt, daß die Fahne mehr sei als der Tod. Dies war auch der Sinn des Wahlspruches, den er bei der folgenden Enthüllung der neuen Fahne, owie ihren Trägern mit auf den Weg gab. Kreisleiter Backhaus hob hervor, daß das Deutsche Rote Kreuz auf eine alte Tradition zurückblicken könne und heute Seite an Sette mit den Gliederungen der Bewegung marschiere, wobei er insbe- ondere auch den Blick auf seine außerordentlichen Leistungen im gegenwärtigen Kriege lenkte. Daß das Deutsche Rote Kreuz bis jetzt noch nicht eine Parteigliederung habe werden können, liege allein an seiner besonderen Stellung, die es im internatio- len Leben der Völker einnehme und die besonders durch die Hilfe der neutralen Staaten an unseren Gefangenen und Verwundeten gekennzeichnet werde. Mit dem Gruß an den Führer fand die Feier- tunde ihren Abschluß.
Am Sonntagmorgen fand im Park des Schlosses zu Laubach die feierliche Uebergabe des Wimpels an die weibliche DRK.-Bereitschaft tatt. In einem geöffneten Viereck hatten die Angehörigen der Bereitschaft, die Fahnenabordnunqen der Partei, der SA., der Hitler-Jugend und des BDM. sowie die Mitglieder der DRK.-Ortsgemein- «chaft Aufstellung genommen. Die Bereitschafts- ührerin DRK.-Haupthelferin Gräfin zu Solms- Laubach meldete die angetretene Bereitschaft dem Kreisführer DRK.-Oberieldführer Landrat Dr. Lotz, der in Begleitung der Mitglieder seines Kreisstabes erschienen war. Mit Kreisleiter Pg. Backhaus schritt der Kreisführer die Front ab, um sich dann mit einer Ansprache an die Bereitschaft zu wenden. Es sei ihm eine Freude, festzustellen, daß die Verbindung mit der Partei vorbildlich sei, was sich be- sonders darin zeige, daß ttotz starker Beanspruchung der Kreisleiter als der Hoheitsträger der Partei an der heutigen Feier teilnähme. Er wies dann auf die Bedeutung der Fahne hin: Vorbei sei die Zeit, in der man in der Fahne kein Symbol, sondern nur einen Fetzen sah. Die Fahne, die uns weg«
Jahre das auf Donnerstag, 31. Oktober, fallende Reformationsfest, soweit es gesetzlicher Feiertag ist, auf Sonntag, 3. November, verlegt.
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♦♦ Kriegsauszeichnung. Dem Hauptfeldwebel Herbert Sandmann, Gießen, Tiefenweg 6, wurde das Militär-Verdienstkreuz mit Schwertern 2. Klasse verliehen.
** Vom „KdF."-Theaterring. Infolge technischer Schwierigkeiten mußte eine Umstellung der Proarammfolge für die am Montag, 11. November (8er-Ring), und am Samstag, 16. November (16er-Ring), anlesetzten „KdF.-"Dorstellungen voraenommen werden. An Stelle des „Verschwender^ kommt die ausgezeichnete Operette: „Aennchen von Tharau" zur Aufführung, die bereits mit großem Erfolg über die Bühne ging. Die Vorstellungen beginnen beide wieder um 19 Uhr.
** Winterhilfs-Po st Wertzeichen. Die Deutsche Reichspost hat auch zugunsten des Kriegs- Winterhilfswerks 1940/41 besondere Postwertzeichen Herstellen lassen. Die Markenbilder zeigen geschichtliche
weisend vorangehe, muß uns hellig sein. Mit einem Fahnenspruch übergab dann der Kreisführer den Wimpel der Bereitschaft. Darauf ergriff der Kreis- leiter Backhaus das Wort. Er betonte die große Tradition des Roten Kreuzes, das im Weltkrieg wie auch jetzt stets uneigennützig seine vielseitige Pflicht getan habe. Wenn das Deutsche Rote Kreuz nicht eine Gliederung der Partei sei oder zu den angeschlossenen Verbänden gehöre, so liege der Grund darin, daß das Deutsche Rote Kreuz unter anderem auch internationale Aufgaben zu erfüllen habe: z. B. die Sorge für unsere Gefangenen im Feindesland. Der Kreisleiter wünschte dem Deutschen Roten Kreuz, daß es, wie bisher, den Verwundeten und Kranken ein treuer Helfer, unseren Soldaten ein unermüdlicher Betreuer fein möge. — Mit einem Sieg-Heil auf den Führer und Schirmherrn des DRK. fand die würdige Feier ihren Abschluß. *
In einer schlichten Feierstunde fand am gestrigen Sonntagmittag in Watzenborn-Steinberg die Fahnen- und Wimpelübergabe an die DRK.-Berettschaften m und w Gießen (2) durch DRK.-Kreisführer Landrat Dr. Lotz und Kreis- leiter Backhaus statt. Außer der angetretenen DRK.-Bereitschaft m unb w Gießen (2) mit den Gruppen Watzenborn-Steinberg, Hausen, Grünin- gen, Lang-Göns, Leihgestern, Großen-Linden und Mendorf (Lahn) waren Ortsgruppenleiter Jung, sämtliche Amtswalter, der Bürgermeister mit den Gemeinderäten und eine Abordnung der NS.- Frauenschaft und des Frauenwerks erschienen. Außerdem waren SA., BDM. und HI. angetreten. DRK.-Kreisführer Dr. Lotz wies in kernigen Worten auf die Bedeutung des Roten Kreuzes im Frieden und in Kriegszeiten und auf die enge Verbundenheit des Deutschen Roten Kreuzes mit der Partei hin; er unterstrich weiterhin ausdrücklich die Stellung des Roten Kreuzes im heutigen Staat. Allen, die sich dem DRK. verschrieben haben, sei das Symbol, die Fahne, die zum letzten Einsatz verpflichte. Dr. Lotz nahm dann die Enthüllung und Uebergabe der Fahne und eines Wimpels an die DRK.-Bereitschaft mit einem Spruch von Walter Flex vor. Danach sprach der Kreisleiter in anerkennenden Worten über die Arbeit des DRK., insbesondere im Kriege, und über das Verhältnis zur Partei. Seine internationalen Beziehungen (Gefangenenaustausch, Nachrichtenvermittlung, Auskunft ufro.) gerade in Kriegszeiten seien überaus wertvoll. In einem Schlußwort forderte der die Veranstaltung leitende Bereitschaftsführer DRK.-Haupt- führer Dr. med. Fabel (Watzenborn-Steinberg) alle DRK.-Angehorigen auf, der Fahne des Roten Kreuzes treu zu bleiben und sich für feine Aufgaben einzufetzen. Mit dem Gruß an den Führer und Schirmherrn des DRK. und dem Gesang des Deutschlandliedes und Horft-Wessel-Liedes fand die Feier ihren Wschluß. Anschließend folgte ein Pro- pagandamarsch der Bereitschaften durch die Hauptstraßen.
deutsche Bauten. Sie werden vom 6. November ab ausgegeben.
G.A.-Gpori.
1900 — „Seufonia' Steinberg 3:4.
Die Entscheidung um die Kriegserinnerungsplakette ist gefallen. Durch einen nicht alltäglichen Sieg hat Steinberg die Möglichkeit ausgeschaltet, daß das noch fragliche Wiederholungsspiel zwischen VfB.-R. — 1900 sich irgendwie beeinflussend auswirken kann.
Der Anfang des Spieles sah wenig verheißungsvoll aus für die Teutonen, denn nach etwa 15 Minuten stand es bereits 3:0 für die Blau-Weißen, und es wird wohl niemand dagewesen fein, der für Steinberg noch eine andere Möglichkeit ausgerechnet hätte, als eine eindeutige Niederlage. Selbst von dem recht zahlreich anwesenden eigenen Anhang wurde wohl nichts anderes für möglich gehalten.
Doch der Ablauf eines Fußballkampfes nimmt oft recht eigenartige Wege, und wenn es bis jetzt noch nicht zum Beweis gekommen wäre, dann aber bestimmt bei diesem Spiel. Bei obigem Stande von 3:0 verhängte der Schiri einen völlig unberechtigten Strafstoß gegen 1900. Da dieser Entscheid zum ersten Gegentreffer führte, kamen die Platzbesitzer ziemlich aus dem Konzept. Als *es den Teutonen wenig später gelang, auf 3:2 zu verkürzen, kamen die Blau-Weißen noch mehr in Bedrängnis. Nach dem Wechsel mit dem Wind als Bundesgenossen wurde »Steinberg mehr und mehr überlegen, und es dauerte nicht lange, da war der Ausgleich erzielt. In der 70. Minnute benachteiligte der Schiri die Blau-Weißen erneut. Bei einem Angriff wehrte der linke Läufer Steinbergs im Strafraum den Ball mit der Hand ab. Obwohl dieses Vergehen so deutlich und auch mit Absicht geschah, blieb die Entscheidung des Schiris aus. Und als auch noch wenig später Lutter infolge allzu harten Angehens von Fett ausscheiden mußte, war die Kampfkraft der Blau-Weißen restlos gebrochen. Unter diesen Umständen war es dann weiter nicht verwunderlich, wenn Steinberg noch zu einem weiteren Treffer kam, der zu einem Sieg führte, der zu Beginn mehr als fraglich erschien.
1900 in der Aufstellung Fischer, Goß, Lippert, Carstens, Jäger, Günther, Bonarius, Schellhaas, Kraft, Lutter, Schmelz sand nicht immer den richtigen Kontakt. Der Hauptfehler lag jedoch darin, daß das Spiel zu engmaschig angelegt war, wodurch dem Gegner die Abwehr sehr erleichtert wurde. Steinberg hat in dieser Aufstellung schon andere Spiele gezeigt. Wenn es trotzdem zum Siege reichte, so war die größere Ausdauer und eine entsprechende Portton Glück hierfür ausschlaggebend.
1900 21. f). — Wetzlar 05 A.H. 1:2.
Im Spiel der Alten Herren, bei dem neben mancher Zwerchfellerschütterung auch beachtliche Leistungen zu sehen waren, machte sich die größere Spielerfahrung der Domstädter bemerkbar, wogegen der lobenswerte Eifer der Gastgeber nichts ausrichten konnte.
5:3 Sieg des VfB.-ReichSbahn gegen VfL. Marburg.
In Marburg versuchten es die Leute vom Waldsportplatz einmal mit einer vollkommen umgestellten Mannschaft, und man kann behaupten, daß dies ein voller Erfolg war. Es kann behauptet werden, daß die Reichsbahner schon seit langer Zeit nicht mehr so ein bewegliches und vor allen Dingen zielstrebiges Spiel gezeigt haben, wie in Marburg. Im Vergleich zu dem Vorspiel waren die Gastgeber burcfi die Einstellung von Scherer (früher Ockershausen) auf dem Papier noch stärker. Auch auf dem Felde selbst zeigten die Marburger ihr gewohntes Spiel. Die Gießener standen: Borschel; Fleischhauer, Schlitz; Ziegler, Leutheuser III, Funk; Stapf, Körner, Eh- mann, Rohm, Hofmann.
Die Hintermannschaft zeigte dabei ihre gewohnten Leistungen. Der Sturm war äußerst gefährlich und vergaß auch nicht das Schießen. Spielverlauf: Die Gießener finden sich sofort und haben klare Feldvorteile. Besonders ist es der Rechtsaußen, der durch seine Flankenläufe immer wieder die Marburger Hintermannschaft vor manchmal nicht immer lösbare Aufgaben stellt. Als Leutheuser einen Ball geschickt zwischen die Verteidigung legt, gelingt es dem schnell spurtenden Körner, durch einen unhältbaren Schuß unter die Latte feine Mannschaft in Führung zu bringen. Auf der Gegenseite rettet Fleischhauer ein schon sicher scheinendes Tor. Als Ehmann nach guter Vorarbeit eine Flanke des Rechtsaußen zur 2:0-Führung einköpft, glaubte man an einen hohen Sieg der Gießener. Da wurde Leutheuser verletzt, und auch Rohm teilte sein Schicksal. Hierdurch bedingt kamen die Marburger sofort nach der Pause durch zwei überraschende Tore zum Ausgleich. Erbeut beginnt der Kampf um die Führung. Ein Schuß Rohms und es heißt 3:2. Den endgültigen Vorsprung sichert Ziegler durch einen Schuß aus dem Hinterhalt, der seinen Weg ins Tor fand. Durch das Tempo des Spieles zeigen jetzt beide Mannschaften Ermüdungserscheinungen. Ein in dieser Phase des Spieles geschlossen vorgetragener Angriff endet mit einem Torschuß Hofmanns, der jedoch als Tor wegen Abseits nicht anerkannnt wurde. Als Scherer durch ein Foul unterbindet, köpft Rohm den von Ehmann getretenen Freistoß zum 5. Tor ein. Kurz vor Schluß verkürzen die Marburger durch eine schöne Einzelleistung auf 5:3.
der Italiener unterbrochen, die namentlich die Ausführungen über die Bestrafung Englands und über die Waffenbrüderschaft unserer beiden siegreichen Armeen mit stürmischen Zurufen unterstrichen.
Der stellvertretende Generalkonsul S a b o 11 i g und Dr. Teodori dankten Ortsgruppenleiter Thomas für diese wohlgelungene Feier, die die einzige im Gau ist, und beide sprachen auch dem Dolmetscher D i d o n i ihre Anerkennung für die einwandfreie Uebersetzung aus, wobei der stellvertretende Generalkonsul ihm bescheinigte, daß er wie ein Italiener gesprochen habe.
Im weiteren Verlaufe der Veranstaltung ergriff auch Kreisleiter Backhaus das Wort, der die gemeinsamen Waffenerfolge feierte und den Italienern den Dank der Partei für ihre Arbeit im Reiche aussprach. Er verband damit den Wunsch, daß sie den Kreis Wetterau in guter Erinnerung behalten mögen.
Die Feier war von einem reichhalttgen Programm umrahmt. Außer der Hauskapelle und der HI., die mit verschiedenen musikalischen Darbietungen aufwarteten, sang auch der Gesangverein „Heiterkeit" einige Chöre und dessen Tenor Karl F e u s s e r einige Lieder Max Büttner überraschte mit erntete. Die italienischen Kameraden, die von der Ortsgruppe Gießen-Nord in reicher Weise bewirtet wurden, fangen ihre National- und Heimatlieder.
Dornotizen.
Tageskalender für IHontag.
Kraft durch Freude: 19 bis nach 21 Uhr im Stadt- cheater „Das Käthchen von Heilbronn". — Gloria- Palast, Seltersweg: „Ein Leben lang". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Kleider machen ßeute'. — Oeffentliche Vorlesung der Universität: 20.30 Uhr im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts Stewart Chamberlain, der Künder deutschen We- Professor Dr. W. Vollrath über „Houston jene".
Gießener Kundgebung zur Woche des deutschen Buches 1940.
Wie bereits mitgeteilt, werden im Rahmen des Gießener Dortragsringes der Goeche • Bund, die Kulturelle Vereinigung Gießen und die Volksbildungsstätte Gießen zusammen mit dem Oberbürgermeister der Stadt Gießen und der Arbeitsgemeinschaft des Gießener Buchhandels am Donnerstag, 31. Oktober, in der Neuen Aula der Universität eine Kundgebung aus Anlaß der „Woche des deutschen Buches 1940" veranstalten. Die Woche des deutschen Buches führt in diesem Jahr das Geleitwort „Buch und Schwert, ein Sinnbild unserer Zeit". Im Hinblick auf dieses bedeutsame Geleit- wort lag es nahe, einen Dichter für die Gießener Buchwoche-Deranstaltung zu verpflichten, der uns mit seinem Schassen heute besonders nahstehen muß: der ostmärkische Kriegsdichter Bruno Brehm.
Ortszeit für den 29. Oktober.
Sonnenaufgang 8.16 Uhr, Sonnenuntergang 18.01 Uhr. — Mondaufgang 6.01 Uhr, Monduntergang 17.17 Uhr. ,
Sie we M mm«
Achtung!
An die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront!
Mit dem 31. Oktober 1940 verlieren die jetzigen DAF.-Beitragsmarken ihre Gültigkett und werden eingezogen Ab 1. November werden neue DAF.- Beitragsmarken eingeführt, so daß evt. vorhandene Rückstände in der Höhe des jeweiligen Bruttoem« kommens bis zum 31. Oktober mit den alten Marken nachgeklebt werden müssen. Die neuen Marken dürfen für aufgelaufene Rückstände nicht verwendet werden. 4294D
Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß die bei den Baubetrieben üblichen Wochenmarken und die Wehrmachtsmarken zu 0,60 RM. mit dem Ueberdruck 1940 ihre Gültigkeit behalten und im Umlauf bleiben.
Die Deutsche Arbeitsfront. Verwaltungsstelle 24. Wetterau Reformationsfest 1940 am 3. November.
Mit Rücksicht auf die dringend notwendige Kohlen- ,-örderung und die sonstigen Produktionsnotwendig- Eeiten wird durch eine Verordnung des Generalbevollmächtigten für die Reichsverwaltung in diesem
3000Kilometer Äeöe
Roman von Olly Boeheim
12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
8. Kapitel.
„Hallo, Arne", rief Vera Verries, die vergeblich versuchte, chr zerknittertes eingelaufenes Wollkleid in eine menschenmögliche Fassung zu bringen, „ich fürchte, ich muß in Manchesterhosen, nach Leksand fahren, um meine Sachen zu holen."
Der Mann kam lachend naher: „Du sichst ja prächtig aus! Wie ein Schulmädel, das aus feiner Kleidung herausgewachsen ist. Warum willst du überhaupt nach Leksand fahren?"
„Weil ich doch nicht ewig in deinen Hosen herumlaufen kann."
„Für mich bist du in diesem Anzug am schön- ften."
„Außerdem muß ich em Telegramm aufgeben.
Sein Gesicht umwölkte sich: „Ein Telegramm? Um Gottes willen!"
„Ja, ich will meinen Tanzabend in Göteborg absagen."
Er lachte: „Mir zuliebe?"
„Nein, mir zuliebe, weil ich einen verstauchten Fuß habe."
„Wirklich, nur deshalb?"
„Und weil ich in ein Scheusal von Mann verliebt bin!"
Arne umfaßte sie, drehte sie in den schmalen Hüften. hob sie hoch und stellte sie lachend wieder auf die Erde: „Aber das ist alles überflüssig."
„Wieso, überflüssig?"
„Weil ich dich ohnehin nicht mehr weglasie!"
„Nie mehr?"
„Nie mehr!"
„Und wenn ich sämttiche Fische verjage?"
„Ich glaube, vor dir kann überhaupt kein männliches Wesen ausreißen, selbst wenn es ein Fisch ist. Also, ich werde für dich nach Leksand fahren, deine Sachen holen und das überflüssige Telegramm aufgeben." Er küßte sie auf den lachenden Mund. „Leb wohl, Geliebte, hüte das Haus und unsere Liebe!"
Das schmale Paddelboot schoß durch den klaren Morgen. Bera verfolgte es mit den Augen, bis es im blauen Dunst verschwunden war. Dann warf sie sich ins Gras und starrte in die Luft.
Der nordische Himmel wölbte sich glasklar über dem See. Wolkenmänner ritten auf Fabeltieren weißen Wattegebirgen zu. Noch nirgends in der ganzen Welt hatte Vera fo seltsame Himmelslandschaften gefunden wie in Schweden. Sie kannte den sattblauen Saphirhimmel der Tropen mit seinen riesigen Sternen, die so tief zu hängen schienen, daß man glaubte, sie greifen zu können. Sie kannte den märchenhaften, an eine Operettendekoration gemahnenden Himmel, der sich über dem Kaukasus wölbte und das Schwarze Meer zu lautlqfer Andacht verzauberte. Sie kannte den heiteren Himmel Frankreichs, den ewig verschnupften Himmel Englands und den schwermütigen Himmel, der Schottland bewachte. Den lichten, singenden Himmel Italiens und den zornigen Himmel der Bretagne, unter dem die Fischerfrauen demütig die harten Hände falteten.
Jedes Land hat seinen eigenen Himmel. So hatte auch Schweden seinen Himmel. Er war besonders kühl, klar und fern. Unter ihm gab es keine rausch- haften Leidenschaften wie unter dem sengenden Himmel Spaniens ober dem erbarmungslosen Gluthimmel Mexikos. Die Menschen jedes Landes nehmen das Gesicht ihres Heimathimmels an, dachte die Frau, und je tiefer sie sich in das Himmelsbild versenkte, umso mehr verstand sie die Seele der schwedischen Menschen, ihre Dichtung, ihre Musik. Ja, es schien ihr, als konnte sie erst jetzt die nordische Kunst ganz begreifen.
Einsam waren diese Menschen, versponnen und schwer, grüblerisch und verschlosien. Sie lebten anspruchslos in ihren kleinen Holzhäusern, die wie bunte Pilze in der schwermütigen Landschaft standen. Die meisten Gehöfte lagen meilenweit vom nächsten Dorf entfernt, wie ertrunken in Einsamkeit und Schweigen. Die Nordländer waren helläugig wie die zahllosen Seen ihres Landes, schweigsam wie ihre schwarzen Wälder und hart wie die alten Runensteine, über denen sich spielerisch Birken wiegten, lichte junge Schwestern der düsteren Tannen, in deren Dämmer die Trolle hausten. Ein Land, in dem Idas Märchen noch nicht gestorben war. Und jeder, so schien es, trug sein Geheimnis in sich.
Vera beendete ihre nachdenkliche Himmelswande-
rung, und das Wort Geheimnis brannte plötzlich in ihrem Herzen. Unbezähmbare Neugierde überfiel ie, mehr von dem Manne zu wissen, in den sie sich auf den ersten Blick verliebt hatte, so leidenschaftlich verliebt, daß alle äußeren Zusammenhänge mit ihm und der Welt ihr bedeutungslos erschienen. Aber jetzt, wo sie zum erstenmal, seit sie ihn gesehen, sich allein überlassen war, prickelte und kitzelte die Neugierde sie in den Fingerspitzen.
Sie trat in bas kleine rote Holzhaus unb begann zu kramen. Die Ausbeute ihres heimlichen Einbruchs in bas Ich ihres (Beliebten schien zuerst recht ergebnislos. Berge von ungestopften Strümpfen kamen zutage, eine richtige, ungeordnete Junggefellenwirt- schaft. Da plötzlich fanb sie, ganz unten in ber Kom- mobe, unter einem Wust von Angelgeräten, Flicken unb allerhanb Kram — eine elegante Brieftasche.
Mit zittemben Hänben öffnete sie die Tasche, unb eine Menge großer Gelbscheine fiel ihr in bie Hänbe. Atemlos suchte sie weiter. Kein Papier, nichts, was Aufschluß über bie Riefensumme geben konnte! Doch hier — achtlos hingeworfen, ober vielleicht sorgsam versteckt, ein Brillantring. Ein Damenring mit einem großkarätigen Solitär.
Vera fühlte, wie ihre Knie versagten. Sie kauerte sich neben bie einfache Bauernkommvbe unb verföchte ihre Gebauten zu sammeln. Kurz bevor sie bas Hotel verließ, war von einem breiften Einbruch in ber Gegenb bie Rebe gewesen. Die Gäste schienen befonbers erregt, weil berartige Einbrüche in Salome seit Jahren nicht vvrgekvmmen waren. Die Gegenb galt als sehr sicher. Nun schwirrte bas Gerücht herum, baß in Den einsamen Wochenendhäusern eingebrochen worben war. Der letzte Raub hatte in einer etwas entlegenen Villa in ber Nahe von Rättwick ftattgefunben, und Vera erinnerte sich genau der Zeitungsnotiz, daß eine Brieftasche mit Geld und allerhand Schmuck entwendet worden sei.
Sie fand kaum die Kraft, die Sachen wieder in die Kommode zurückzulegen. Planlos lief sie im Zim- wer auf und ab, die Hände an die Schläfen gepreßt Endlich hatte sie geglaubt, einen Menschen gefunden zu haben, ber sie um ihrer selbst willen liebte. Für den sie nicht bie bekannte Tänzerin Vera Verries war, sonbern ein einfaches Menschenkinb — nur sie selbst. Vera lächelte bitter. Sie hatte sich in bieses Abenteuer hineingestürzt ohne einen Gebauten an
morgen. Sie hatte sich verstrickt. Sie zappelte wie ein Fisch im Netz. Konnte sie jetzt noch kühlen Abschieb nehmen, eine Täuschung mehr in ihrem Leben buchen unb abfahren, als sei nichts geschehen?
Sie liebte, mein Gott, wie liebte sie ihn! Jetzt erst würbe ihr klar, wie sehr sie liebte. Sie liebte jedes Bild an ber Wanb, bie kleine Blautanne vor bem Fenster, bie bes Nachts im Moublicht silbern schimmerte, als liege Reif barauf. Den zärtlichen Rasen vor bem Haus, bas Plätschern ber Wellen am Steg. Sie liebte feine Hänbe, biefe starken harten Hänbe, bie fo wunbervoll zu streicheln wußten. Sie liebte seinen Munb, ben nachbeuklichen, etwas spöttischen unb, ach, fo mißtrauischen Munb, und alles Licht ber Welt lag für sie in feinen grauen Augen, bie in ber Freube hell würben wie das Meer, wenn bie Sonne barauffcheiut. Sie wußte, sie würde eher für ihn sterben, als ihn verlassen können.
Die erste Hälfte ihres Lebens war vorbei, die lichte Sette mit Blumen, Leidenschaften und Kreuz» stattonen. Wohin mündete ber Weg? In Einsamkeit! In weit tödlichere Einsamkeit als in die bisherige. Denn der Weg des Erfolges war von Blumen umsäumt. Vielleicht hatten sie keinen Duft, aber es waren doch Blumen. Wie sollte sie chm entgegentreten? Sie war trotz ihrer Entdeckung ihm doch so sehr unterlegen, denn sie liebte zu sehr. Der Liebende ist immer der Unterlegene.
Sie lief aus dem Haus, ein Stück in den Wald hinein. Er war kühl unb schattig wie ein Dom. Allmählich kam Ruhe über Vera; benn vor ber Natur werben alle menschlichen Sorgen klein. Der Walb voll Geröll, Fiublingen unb Farnkraut glich einer Märchenlandschaft; er war so in Unwirklichkeit versponnen, baß Vera sich nicht gewundert hätte, wenn plötzlich ein Troll auf dem Felsen gesessen hätte.
Der Wald teilte seine große Ruhe der Frau mit. Was könnte sie anders tun, als offen alles eingestehen, ihre Entdeckung Und die Angst um ihre Liebe. Eins fühlte sie in dieser stillsten Stunde: daß ihre Bekanntschaft keine zufällige war, daß ihre Liebe, die über ihnen zusammenschlug wie bie Wellen bes zornigen Siljansees, etwgs Schick- folbebingtes fein mußte. Mehr als eine Liebelei und tausendmal mehr als ein flüchttges Abenteuer.
(Fortsetzung folgt)


