Ausgabe 
28.9.1940
 
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Samstag, 28. (Sonntag, 29. September 1940

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M Gießener Anzeiger

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Der Dreimächtepakt von Berlin.

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Im Anschluß an die Unterzeichnung des Deutsch-Jtalienisch-Japanischen Dreimächtepaktes tm Großen toaal Der Jceuen "

Anwesenheit des Führers ein feierlicher Staatsakt statt, dem die Mitglieder der Königlich Jtallemschen und der Kaiserlich zahlreiche Reichsminister und Reichsleiter sowie Vertreter der Wehrmacht und der in- und ausländischen Presse beiwohnten Dcwon^^

Bild Links vom Führer sitzen der italienische Außenminister Graf Ciano und der Kaiserlich Japanische Botschafter m Berlin, Exzellenz Kuru, u G°n7 Ä- sieht man den Reich-Minister de- Auswärtigen n °n R ib b °ntrop beim Verlesen der Erklärung der Re.ch-reg.erung,- (Scherl-Bild erdienst-M.)

Die Grundlagen für eine neue Weltordnung.

Berlin, 27. Sept (DRV.Funkspruch.) heule nachmittag wurde im Großen Saal der Heuen Reichskanzlei zwischen Deutschland, Italien und Japan ein Dreimächtepakt unterzeichnet In An­wesenheit des Führers fand im Anschluß an die Unterzeichnung ein feierlicher Staatsakt statt, dem die RUtglieder der königl. italienischen und der kaisert japanischen Botschaften, zahlreiche Reichs- minisier und Reichsleiter, sowie Vertreter der Wehrmacht und der in- und ausländischen Presse beiwohnten. Die Unterzeichnung des Paktes nahm für die Reichsregierung der Reichsminister des Aus­wärtigen von Ribbentrop, für die königt itaNenifche Regierung der königt italienische Wim- ster des Aeuheren Graf Ciano und für die kaisert japanische Regierung der kaisert japanische Botschafter in Berlin kurusu vor.

Der Wortlaut des Vertrages.

Der Dreimächtepakt hat folgenden Wortlaut:

Die Regierungen von Deutschland, Italien und Japan sehen es als eine Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden an, daß jede Ration der Welt den ihr gebührenden Raum erhält Sie haben deshalb beschlossen, bei ihren Bestrebun- gen im grohostasiatischen Raum und in den euro­päischen Gebieten Seite an Seite 3U stehen und zusammenzuarbeiten, wobei es ihr vornehmstes Ziel i?, eine neue yrdnnng der Dinge zn schaf­fen und aufrechtzuerhalten, die geeignet ist, Ge­deihen und Wohlfahrt der dortigen Völker zu fördern. Es ist ferner der Wunsch der drei Regierungen, die Zusammenarbeit a u f s o l ch e Rationen in anderen Teilen der Well auszudehnen, die geneigt sind, ihren Be­mühungen eine ähnliche Richtung wie sie selbst zu geben, damit so ihre auf den Weltfrie­den als Endziel gerichteten Bestrebungen verwirk­licht werden können. Dementsprechend haben die Regierungen von Deutschland, Italien und Japan folgendes vereinbart:

Artikel 1. .

Japan anerkennt und respektiert die Führung Deutschlands und Italiens bei der Schaf­fung einer neuen Ordnung in Europa.

Artikel 2.

Deutschland und Italien anerkennen und respek­tieren die F ü h r u n g I a p a n s bei der Schaffung einer neuen Ordnung im großostasiati­schen Raum.

Artikel 3.

Deutschland, Italien und Japan kommen überein, bei ihren Bemühungen auf der vorstehend ange­gebenen Grundlage zusammenzuarbeiten. Sie übernehmen ferner die Verpflichtung, sich mit allen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Bütteln gegenseitig zu unter st ätzen, falls einer der drei vertragschließenden Teile von einer Wacht angegriffen wird, die gegenwärtig nicht in den europäischen Krieg oder in den chinesisch-japanischen Konflikt ver­wickelt ist.

Artikel 4.

Um den gegenwärtigen Pakt zur Durchführung zu bringen, werden unverzüglich gemeinsame technische Kommissionen zusammentreten, deren Witglieder von den Regierungen Deutsch­lands, Italiens und Japans zu ernennen sind.

Artikel 5.

Deutschland, Italien und Japan erklären, daß die vorstehenden Abmachungen in keiner Weise den politischen Status berühren, der gegen­wärtig zwischen jedem der drei vertragschließenden Teile und Sowjetrußland besteht.

Artikel 6.

Der gegenwärtige Pakt soll sofort mit der Un­terzeichnung in Kraft treten und zehn Jahre, gerechnet vorn Tage seines Inkrafttretens an, in

Geltung bleiben. Rechtzeitig vor dem Ablauf dieser Frist werden die hohen vertragschließenden Teile, falls einer von ihnen darum ersucht, in Verhand­lungen über seine Erneuerung eintreten.

Zur Urkund dessen haben die Unterzeichneten, von ihren Regierungen gehörig bevollmächtigt, diesen Pakt unterzeichnet und mit ihren Siegeln versehen.

Ausgefertigt in dreifacher Urschrift in Berlin am 27. September 1940 im 18. Jahr der faschisti­schen Aera entsprechend dem 27. Tage des neun­ten Wonats des 15. Jahres Showa.

Block der Ordnung.

Als am 22. Juli 1940 ein neues Kabinett unter der Führurlg des Fürsten K o n o y e die politische Bühne Japans betrat, wurde dieser Vorgang nicht als Regierungswechsel hingenommen, wie er in diesem Lande unter einer ursprünglich westlich- parlamentarischen Formen nachgebildeten Ver­fassung nicht gerade selten gewesen war, sondern vom japanischen Volk als, der Entschluß zu einem grundlegenden Systemwechsel innen- wie außen­politischer Art betrachtet. Vor nunmehr neun Jah­ren, im September 1931, hatte die japanische Kwantung-Armee die Besetzung der Mandschurei begonnen und mit der Errichtung des Kaiserreiches Mandschukuo im März 1934 den ersten Schritt zu einer Neuordnung im ostasiatischen Raum getan. T>em japanischen Volke konnte erst langsam klar werden, welch ungeheure Aufgabe es sich da gestellt Halle und daß es diese Aufgabe mit den überkom­menen Regierungsformen nicht werde lösen können. Denn diese Aufgabe, deren Inangriffnahme nicht nur den Widerstand Chinas auslöste, sondern auch die heftigste Gegnerschaft der beiden westeuropä­ischen Großmächte und der Vereinigten Staaten fand und von Rußland damals zumindest mit Arg­wohn beobachtet wurde, forderte die äußerste Kraft­entfaltung des japanischen Volkes, sollte sie zu dem gesteckten Ziel führen. Die parlamentarische Regie- rungsform, die sich nach hem Sturz der Feudalherr­schaft des Shogunats im Sttl des uns aus der fränkischen Geschichte bekannten Hausmeiertums Mitte des vorigen Jahrhunderts immer mehr her- ausgebildet hatte und die mit der wachsenden In­dustrialisierung und Kommerzialisierung des einst­maligen Bauern- und Fischerlandes auch dem Groß­kapital, das sich in der Hand weniger Familien zu­sammenballte, maßgebenden Einfluß auf die Poli­tik gestattet hatte, erwies sich zu einer Konzentra­tion der Kräfte und zu einer zielbewußten Füh­rung immer weniger geeignet, je mehr es sich heraus- stellte, daß der im Sommer 1937 aus einem lokalen Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke nördlich von Peking sich entwickelnde Krieg mit China zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung über den Führungsanspruch Japans im ostasiatischen Raum geworden war, die den Einsatz der vollen Kräfte des japanischen Volkes erfordern würde.

Wenn anfangs die Wehrmacht der Schrittmacher dieses Führungsanspruchs war und bestimmenden

nung des Dreimächtepaktes. Der Führer begrüßte die Vertreter der vertragschließenden Regierungen und nahm dann in der Mitte des Tisches Platz, zu feiner Rechten Außenminister Graf Ciano und der kaiserlich japanische Rotschafter Kurusu, zu seiner Linken Reichsaußenminister v. Ribbenttop. Dann nimmt Reichsaußenminister v. Ribbentrop das Wort.

Nach Beendigung des Staatsaktes empfing der Führer in Anwesenheit des Reichsministers des Auswärttgen v. Ribbentrop den königlich italienischen Minister des Aeußeren Graf Ciano und den kaiserlich japanischen Botschafter in Berlin Kurusu.

Glückwünsche des Führers.

Berlin, 27. September. (DNB.) Aus Anlaß der Unterzeichnung des Dreierpaktes zwischen Deutschland, Italien und Japan fand folgender Telegrammaustausch statt: Der Führer an Seine Majestät den König von Italien und Alba­nien, Kaiser von Aethiopien:Eure Majestät bitte ich, in dieser Stunde, in der Italien, Deutsckstand und Japgn ihrer Verbundenheit durch den Abschluß des Dreimächtepaktes einen neuen weltumspannen­den Ausdruck gegeben haben, meine herzlichsten Wünsche für das Wohlergehen Eurer Majestät und das Glück und Gedeihen des italienischen Volkes entgegenzunehmen. (gez.) Adolf Hitler.

Der Führer an den Duce:Duce! Soeben ist der Dreimächtepakt zwischen dem faschistischen Ita­lien, dem nationalsozialistischen Deutschland und dem heldenmütigen Japan unterzeichnet worden. Der Pakt bringt die tiefe innere Verbunden­heit unserer Länder und die Uebereinstim- mung ihrer Ziele erneut zum Ausdruck. In diesem historischen Augenblick gedenke ich, Duce, Ihrer in freundschaftlichster Gesinnung und aufrichtiger Ka- meradschast. (gez.) Adolf Hitler.

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Der Führer an Seine Majestät den K a i s e r v o n Japan:Die historische Bedeutung des soeben unterzeichneten Dreimächtepaktes zwischen Japan, Deutschland und Italien gibt mir Veranlassung, Eurer Majestät und des aanzen japanischen Volkes in aufrichtiger Verbundenheit zu gedenken.

(Gez.) Adolf Hitler."

Empfang im Kaiserhof.

Berlin, 27. Sept. (DNB.) Aus Anlaß der Un­terzeichnung des Dreimächtepaktes gab Reichsaußen­minister v. Ribbentrop einen Empfang im Kaiserhof zu Ehren des italienischen und japanischen Außenministers. Auch der spanische Innenminister Serrano S u n e r und der spanische Botschafter nahmen daran teil. Von deutscher Seite waren u. a. Generalfeldmarschall Keitel, Reichsführer ff Himmler, Stabschef Lutze, Reichsminister Lammers, Staatsminister Meißner, Korpsführer Hühnlein, der Reichssportführer, die Staatssekretäre Weizsäcker, Bohle und Keppler und die deutschen Botschafter in Rom und Madrid von Mackeysen und von Stohrer zugegen.

Oie Unterzeichner des Oreimächtepakts.

Unser Bild zeigt die Unterzeichner des Dreimächtepakts, den japanischen Botschafter in Berttn, Exzellenz Kurusu (links), Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop (Mille) und (rechts) Italiens Außenminister GrafCiano. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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Der Akt der Unterzeichnung.

Berlin, 27. Sept. (DNB.) Der große Emp­fangssaal in der neuen Reichskanzlei, in dem die Unterzeichnung des Dreimächtepaktes von Berlin und im Anschluß daran ein feierlicher Staatsakt in Anwesenheit des Führers vor sich ging, hatte des äußeren Schmuckes nicht bedurft. Der hohe lichte Raum mit den Hellen Farben und den großen Berg- friftallüftern war ein prächtiger Rahmen für das Ereignis weltpolitischer Bedeutung. An der Sttrn- front stand ein großer Tisch piit Schreibzeugen und einem Mikrophon, hinter einem großen Blattpflan­zenarrangement verborgen, Scheinwerfer und die Aufnahmeapparaturen der Kamera- und Filmmän­ner. Kurz vor 13 Uhr treffen die Teilnehmer an dem feierlichen Staatsakt in der Reichskanzlei em. Die dipkomatifchsn Vertretungen der beteiligten Nationen, ferner Vertreter aus Staat, Partei und Wehrmacht, man sieht die Generalfeldmarschälle Keitel und Milch, Reichsminister Lammers, Staats­minister Dr. Meißner, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichsführer ff Himmler, Reichspressechef Dr. Diettich, die Reichsleiter Bouhler und Bormann, die ©eneralgberften Fromm und Übet, den Präsi­denten der Deutsch-Italienischen Gesellschaft, Reichs­sportführer v. Tschammer und Osten, und den Prä­sidenten der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, Admi­ral a. D. Förster. Punkt 13 Uhr werden die Saal­türen geöffnet. Der Reichsminister des Auswärtt­gen v. Ribbentrop betritt mit dem königlich-

italienischen Außenminister Graf Ciano und dem kaiserlich-japanischen Botschafter in Berlin K u - rufu den Empfangssaal, begleitet von Staats­sekretär Freiherr von Weizsäcker, dem italienischen Botschafter Dino Alfieri und dem deutschen Bot­schafter in Rom von Mackensen.

Reichsminister von Ribbentrop nimmt an der Mitte des Tisches Platz, zu seiner Rechten Graf Ciano, zu seiner Linken Botschafter Kurusu. Der Reichsaußenminister begrüßt die Teilnehmer und erteilt dem Gesandten Schmidt das Wort zur Verlesung des Abkommens. Darauf wird der Text auch in italienischer und japanischer Sprache durch den Gesandten Ditetti und den Bot­schaftsrat Rase verlesen. Die Unterzeichnung nimmt für die Reichsregierung der Reichsminister des Auswärtigen v. Ribbenttop, für die italienische Regierung der italienische Minister des Aeußeren Graf Ciano und für die japanische Regierung der japanische Botschafter in Berlin Kurusu vor. Wie­der flammen die Scheinwerfer auf, surren die Auf­nahmeapparate, um den bedeutsamen Augenblick für die Nachwelt festzuhalten.

Nach der Unterzeichnung wurde das Eintref­fen des Führers angefünhigt. Während sich die Teilnehmer von den Plätzen erhoben hatten und den Führer, der von feinem Adjutanten begleitet war, mit dem deutschen Gruß empfingen, meldete ihm Reichsminister v. Ribbenttop die Unterzeich-