Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Mutterliebe". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Kongo-Expreß". — Oberhessrscher Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Aus- stellung im Foyer des Stadttheaters. — Tv. 1846: Kameradschaftsabend bei ,Kobel".
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 20 bis 23 Uhr „Die Fledermaus". — Moria-Palast (Seltersweg): „Mutterliebe". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Kongo-Expreß". — Oberhessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr Ausstellung im Foyer des Stadttheaters. — Oberhessischer Gebirgsverein: 16 Uhr ,Hopfeld" Jahreshauptversammlung.
Stadttheater Gießen.
Sonntagnachmittag: Theaterring der HI. 5. Vorstellung „Die lustigen Weiber von Windsor". Geschlossene Vorstellung. — Abends wird die Operette von Johann Strauß „Die Fledermaus" wiederholt. Musikalische Leitung Heinz Markwardt. Spielleitung Harry Grüneke. Chöre Richard Boeck. Tänze Thea Maaß. Bühnenbilder Karl Löffler. Außer Miete!
Dienstag, 30. Januar: Zum letztenmal „Die Entführung aus dem Serail". Komische Oper von Mozart. Musikalische Leitung Paul Walter. Spielleitung Hans Geißler. 17. Vorstellung der Dienstag- Miete.
Mittwoch, 31. Januar: „Csongor und Tünde", Schauspiel von Vörösmarty. Spielleitung Dr. Han- nes Razum. Bühnenbilder Karl Löffler. 17. Vorstellung der Mittwoch-Miete.
Freitag, 2. Februar: Erstaufführung „Bengalische Zukunft , Konrödie von Gesell und Martin. Spielleitung Dr. Hannes Razurn. Bühnenbild: Karl Löffler. 18. Vorstellung der Freitag-Mete.
Samstag, 3. Februar: Gastspiel Agnes Straub mit Berliner Ensemble! „Der Wettlauf mit dem Schatten", Schauspiel von Wilhelm von Scholz. Außer Miete.
Don der Universität Gießen.
Der nichtbeamtete außerordentliche Professor in der Philosophischen Fakultät unserer Landesunioer- sität, Dr. Ernst Merker, wurde zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Der Dozent Dr. habil, et phil. Freerksen an der Gießener Universität wurde in gleicher Diensteigenschaft der Medizinischen Fakultät der Universität Kiel unter Erteilung eines Lehrauftrages für Anatomie und Entwicklungsgeschichte zugewiesen.
Keine unerlaubte-Warenabgäbe auf die Kleiderkarte.
Die Kaufleute des Textileinzelhandels sind von ihrer Organisation erneut nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht worden, daß es streng untersagt ist, Abschnitte der Reichskleidertarte vor den auf ihnen aufgedruckten Fälligkeitsterminen anzunehmen und dafür den Verbrauchern Waren auszuhändigen. Ein Vorgriff auf die dafür vorgesehenen Abschnitte ist nur gestattet, um die Anschaffung eines größeren Bekleidungsstückes, etwa eines Anzugs, zu ermöglichen. Die Artikel, für die ein Vorgriff zugelassen ist, sind genau festgelegt. Die Kleiderkarte enthält Erläuterungen darüber.
Auf die Reichskleiderkarte dürfen nur Waren abgegeben werden, die für den Inhaber der betreffenden Karte bestimmt sind. Es ist also beispielsweise verboten, aus eine Männerkarte ein Paar Kinderstrümpfe abzugEben. Beim Verkauf von Waren auf Grund der Kleiderkarte ist weiterhin darauf zu ach- tcn, daß die vorgeschriebene Anzahl von Kartenabschnitten abgetrennt wird. Der Kaufmann macht sich strafbar, wenn er hierbei unkorrekt verfährt und Ware aushändigt, wenn die Abschnitte nicht voll ausreichen. Mer nicht nur der Kaufmann, sondern auch der Verbraucher wird strafbar, wenn die Bestimmungen, die für die Kleiderkarte gellen, nicht genau eingehalten werden. Er muß deshalb alles unterlassen, was geeignet ist, den Kaufmann und seine Angestellten zu einer Umgehung der bestehenden Vorschriften zu verleiten.
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CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN W 36
(Schluß.)
Christian sagt kein Wort, er hat die Lipven fest aufeinandergepreßt und atmet tief. Es wird dunkler, die Birkenstämme sehen so weiß aus in dieser Dunkelheit, die wie ein Dämmern zwischen Tag und Nacht ist. Sie schwingen ihre grünen Zweige wild in der ersten Sturmböe, die vorüberrast. Jetzt, Konifere, kannst du jagen, die starke Faust gibt dich frei — lauf, Koni!
Der Wagen rattert über den breiten Hofplatz. Der erste Blitzstrahl zischt nieder, er gibt den Blick auf die Ställe frei. Christian kennt den Hof, als wäre er hier ausgewachsen, nichts ist ihm fremd. Er faßt auch gleich mit zu und arbeitet unter den Leuten, und er merkt nicht, daß sie sich answßen und ein bißchen lächeln.
Die Pferde dampfen, sie werden ausgeschirrt. Das Heu mutz in den großen Schuppen geschoben werden, wo es späterhin abgeladen wird. Los, einer an die Deichsel, die andern greifen in die Speichen der Räder. Da kommt noch ein Wagen in den Hof gerattert und noch einer, sie hoben wie die Wilden gearbeitet, haben nicht aufgesehen. Der Hof ist plötzlich voll Stimmen und Lärm und Hasten, Frauen kriechen aus dem Heu, ihr Lachen schwirrt, Männer rufen dazwischen: „Platz da, los, Platz da für den Wagen, könnt ihr nicht hören/ dumm« Deerns?"
Die ersten Regentropfen prasseln nieder, als der dritte Wagen in den Schuppen gebracht wird. So —- das wäre geschafft. „Komm ins Haus, Christian." Blitz und Donner folgen einander, die Lorbeerbäume neben der Treppe biegen sich. ,Zur Begrüßung", schreit Anne, der Sturm nimmt ihr die Worte vom Mund. Sie muß beide Hände über das Haar legen, der Regen klatscht. ,Jetzt sind wir beide wie die dreigeteilten Blätter des roten Klees, Krrfch- tian, du und ich."
Sie laufen mit langen Schritten. Sie halten sich nicht an den Händen, und er hat nicht den Arm um sie gelegt. Woher kommt es nur, daß es in der Küche anfängt zu raunen und zu wispern? „Der neue Herr vom Birkenhof ist da. Annes Bräutigam ist da, die Alte vom Hof hat ihn selbst aeholt." Ja, woher weiß man das m der Küche? Ach so. der Mengel sitzt hinter einer Flasche Bier und Marie kommt trotz aller Sparsamkeit mit der Kümmelflasche. Herrgott, das hat was zu bedeuten! „Was sagst du. Menget, hinter dem Heuwagen haben sie sich geküßt?"
Rif-Seife.
Rif-:
aschpulver.
Anbinden der Seife ermöglicht sparsamen Verbrauch.
Was heißt Rif? Diese Buchstaben, die jedem Stückchen Seise eingeprägt sind, bedeuten „Reichsstelle für industrielle Fette", das ist nämlich die Reichsstelle, deren Dorjchriften für jegliche Fahri- kation von Seifenerzeugnissen maßgebend sind. Diese Vorschriften, die lediglich zur einheitlichen Bewirtschaftung der für die Seifenindustrie verfügbaren Fette erlassen wurden, garantieren dafür, daß jedes Stückchen Seife einen gleichmäßig hohen Fettgehalt aufweist, der selbstverständlich regelmäßig kontrolliert wird.
Wir sprachen vom hohen Fettgehalt, denn bei der Herstellung werden etwa 65 v. H. Fett mit Natronlauge und Soda verseift. Bei der Auftrocknung wird der Seifenmasse die überflüssige Feuchtigkeit entzogen, so daß der Fettgehalt auf etwa 80 v. H. steigt. Im weiteren Verarbeitungsprozeß werden der Seifenmasse dann allerdings noch die erforderlichen Duft- und Farbstoffe zugefetzt, sowie eine bestimmte Menge Kaolin als Füllstoff. Dieses Kaolin, das auch in der Porzellandindustrie Verwendung findet, bewirkt, daß die Rif-Einheitsseife sich nicht zu rasch verbraucht und bedeutend länger vorhält, als ein Stück der früher hergestellten Toilettenseife von gleicher Größe. Nach der Fertigstellung enthält jedes Stück Rif-Seife noch 40 v. H. Fett.
In der gleichen Weise wie die Rif-Waschseife wird auch die Rif-Rasierseife hergestellt, nur mit dem Unterschied, daß sie keinen Zusatz von Kaolin erhält. Daher ist auch ihr Fettgehalt hoher und beträgt, genau wie früher, rund 80 v. H. Um ihren Verbrauch jedoch sparsamer zu halten, ist die Festigkeit (Konsistenz) der Rif-Rasierseife größer als früher. Sie wirkt dadurch bei direktem Aufträgen auf die Haut etwas härter, gibt aber beim Verreiben mit dem Pinsel einen angenehm weichen und stehenden Schaum, wie der Selbstrasierer ihn auch früher von einer guten Rasierseife gewöhnt war.
Schließlich erfolgt auch die Herstellung des R i f - Wasch p u Id e r s in der gleichen Weise wie früher, nur nach einheitlichen Gesichtspunkten, die auf einen sparsamen Verbrauch ab zielen. Die oben erwähnte Seifenmasse wird mit Wasser verdünnt und mit den üblichen Waschmittelzutaten vermischt. Hierauf wird das Ganze zu einem feinen Pulver zerstäubt und in die vorbereiteten Packungen abgefüllt. Bei diesem Herstellungsgang ist vor allem dafür Sorge getragen, daß die Reinigungskraft des Rif-Wasch
pulvers die gleiche ist, wie bei den früheren Markenwaschpulvern. Um diese Reinigungskraft voll auszunutzen, ist es notwendig — was übrigens auch für die früheren Waschpulver schon galt —, die Wäsche sorgfältig vorzuweichen und das eigentliche Waschwasser gut zu enthärten. Die Benutzung der üblichen Enthärtungsmittel verhindert, daß der Kalkgehalt des Wassers einen Teil des Seifengehaltes im Waschpulver unwirksam macht für den Waschprozeß. Die alte Regel, daß gutes Einweichen der Wäsche und gutes Enthärten des Wassers bereits halb gewaschen ist, ist gerade heute besonders wichtig, wo es gilt, auf allen Gebieten zu sparen.
Aber nun wollen wir den guten Rat mit dem Anbinden der Seife nicht länger vorenthalten. In manchen Gasthäusern war es früher üblich, die Seife in den Toiletten mit einer besonderen Vorrichtung anzuketten. Was hier wohl mehr aus Gründen einer Vorbeugung gegen Diebstahl erfolgte, mag uns jetzt als Anregung zur Sparsamkeit dienen. Bekanntlich läßt es sich kaum vermeiden, daß die Seife, wenn sie nach dem Waschen in den Behälter zurückgelegt wird, eine bestimmte Menge Feuchtigkeit ausgenommen hat, die nach unten av- tropft. Dadurch ist die Unterseife oft so feucht, daß sie beim nächsten Waschen leichter verreibt als der obere, trockene Teil. Um diese Verlustquelle zu beseitigen, kann man mit einer Stricknadel die Seife durchbohren und so mit einem Bindfaden über dem Waschbecken aufhängen, daß sie immer Greifbar ist, aber niemals irgendwo aufliegt. Dadurch bleibt die Seife immer trocken und fest, nutzt sich also langsamer ab.
Noch einen anderen Weg gibt es, das unliebsame und verschwenderische Ausweichen der Seife zu verhindern, indem man auf der Seite,, die aufliegt, ein genügend großes Stückchen Stanniolpapier aufklebt. Dadurch bleibt die untere Seite immer trocken und kann sich nicht in der Feuchtigkeit auf lösen. In jedem Falle ist es ratsam, die Seife nicht in Behältern aufzubewahren, wo die Fläche ganz aufliegt, sondern nur solche Seifenbehälter zu wählen, die doppelseitig sind, wo die Seife auf einem Sieb oder auf Rippen aufliegt, während die abtropfende Feuchtigkeit in einem unteren Behälter aufgefangen wird. Dadurch geht überhaupt nichts verloren, denn die ab getropfte ^eisenhaltige Feuchtigkeit wird ge° sammelt und kann bei irgendwelcher Wäsche erneut Verwendung finden.
Aus der engeren Heimat.
F^nkant Josef Moufang f.
Am gestrigen Freitag ist in Frankfurt a. M. im Alter von 78 Jahren der Gründer der Papierfabrik Oder-Schmitten W. & I. Moufang Akt.-Ges., Fabrikant Josef Moufang, gestorben. Der nunmehr Entschlafene gründete im Jahre 1891 die Papierfabrik Ober-Schmttten, die er aus kleinen Anfängen zu ihrer heutigen Größe emporführte. Seit 1913, als das Unternehmen in eine Aktien-Gefellschaft umqewandelt wurde, hatte der Heimgegangene den Porsitz im Aufsichtsrat inne, den er bis zu seinem jetzigen Ableben führte.
Ratsherren-Sitzung in Laubach.
0 Laubach, 25. Jan. In der Sitzung der Ratsherren, zu der die gesamte Gefolgschaft der Gemeindeverwaltung erschienen war, wurden der Schmedemeister Heinrich Kopp (seitheriger 2. Beigeordneter) tn sein Amt als 1. Beigeordneter und der jur Zeit mit der Leitung der Ortsgruppe der NSDAP, beauftragte Kaufmann Otto Pott in sein Amt als 2. Beigeordneter eingeführt. Bürgermeister Högy überreichte sodann dem Stadtrechner a. D. Wilhelm Schmidt III., sowie dem Straßenwärter a. D. Philipp Göbel, die beide über 40 Jahre im Dienste der Gemeindeverwaltung ge
standen haben, das vom Führer gestiftete Treudienstehrenzeichen in Gold, wobei er an die Ar- beitsoeteranen ehrende.Worte richtete und die Glückwünsche der Stadtverwaltung aussprach. An die Sitzung schloß sich ein kameradschaftliches Beisammensein der Ratsherren mit der gesamten Gefolgschaft an.
Zuchthausstrafe für einen Volksschädlina.
ch Nidda, 25. Jan. In einer Sondergerichts- Sitzung am hiesigen Amtsgericht wurde heute der schon vorbestrafte 27jährige Fritz H e i I m a n n von hier wegen Verbrechen gegen die Verordnung gegen Volksschädlinge in Verbindung mit einfacher Körperverletzung zu fünf Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren bestraft. Der Verurteilte hatte in der Nacht zum 2. Januar ein Mädchen hier in einer Seitenstraße zu vergewaltigen versucht und einen auf die Hilferufe des Mädchens herbeigeeilten Gastwirt niedergeschlagen und ihn in dieser Lage noch weiter mißhandelt.
Landkreis Gießen.
* Lich, 27. Jan. Gestern abend ereignete sich in der scharfen Kurve am Schwimmbad ein Ver -
„Na und ob", sagt Mengel und knallt mit der Zunge, „das Wasser ist mir im Mund zusammenge- lausen. Sie hat gesagt: Das könnten wir auch noch brauchen, was, Mengel? Sie hatte Tränen in den Augen kann ich euch sagen. Los, Marie, schenk noch einen ein, der Hals ist mir trocken vom Erzählen." Zählen."
Lachen in der Küche und Jubeln auf der Diele. Klarissa sitzt da, die Tonte Klarissa! Rudolf und Frank sollten gerade Abendbrot essen und hernach ins Bett, Luise Pegel hatte sie beinahe mit Gewalt von den Pferden geholt. Da kam Mengels Wagen, da kam Klarissa! Jetzt spricht kein Mensch mehr vom Abendbrot und gottlob spricht auch feiner von Schularbeiten oder vom Bett. 91 ein, sie lachen und schreien alle durcheinander.
Klarissa sitzt auf einer der allen Truhen, die Pegels sind da, die Jungen sind da und nun wird die Tür aufgerissen und mit Sturm und Regen kommen Anne und Christian Schwertfeger herein.
„Na, du neuer Birkenhofer, da bist du also gleich mit Blitz und Donnerschlag auf den Hof gekommen." Sie sitzt wie ein Berg da, die Klarissa, und stakt bei jedem Wort mit ihrem Stock auf die Steinfliesen der Diele.
Die Jungen brüllen: „Lärm und Krach und Blitz und Donner! Tante Klarissa, ein Glück, daß du wieder da bist und daß du wieder gesund bist, Gott sei Dank!"
„Daß ich euch man nicht den Blitz und den Donner aufs Hinterteil gerbe. Wollt ihr wohl den Mund hallen, Rackerzeugl Los, gebt eurem neuen Detter die Hand, und das sage ich euch, wenn mein Arm zu lahm ist, euch zu erziehen, der da kann es. Komm zu mir, Christian. Hier ist Franz Pegel, ich denke wohl, daß ihr Freunde werdet, wie sich das gehört. Was ihr tut, tut ihr für den Hof, aber im Grunde genommen macht ihr es auch für euch und für eure Kinder, Ich gehe aufs Altenteil."
Da kniet Anne vor der Tante, sie hat die Ellbogen wie so oft auf Klarissas Knie gestützt. „Unsinn, das ist doch nicht dein Ernst? 9tein, du, wir haben doch alle die Händevoll zu tun, da darf sich keiner drücken und du schon gar nicht, du bist und bleibst di« Alte vom Birkenhof. Fürs Altenteil bist du außerdem noch viel zu jung, Klarissa."
Klarissa legt die Hände um ihr Gesicht und küßt sie. „Geliebtes Kind, Anne", sagt sie. Sie küßt Anne, nimmt Christians Hand und greift nach Franz Pegels Hand. „Kinder", ruft sie, „natürlich wollen wir zusammen arbeiten und was schaffen, denn dazu sind wir auf der Welt. Küß mich noch mol, Anne, das gibt Kraft."
Am nächsten Morgen glaubt Anne, die allererste Izu sein, die auf den Beinen ist, denn sie hat mit Christian abgemacht, daß sie vor Sonnenaufgang über die Felder reiten wollen. Ganz allein, nur er
und sie, so, wie sie es immer in den Träumen dieser letzten Wochen sah. Doch jetzt, sieh an, scheint jeder im Haus schon aus den Federn zu sein. Was ist denn um alles in der Welt los? Auf dem Hof hört man das Schreien der Jungen. Lacht da nicht Franz Pegel, schnaubt und wettert da nicht Klarissa? Wahrhaftig, das sind sie, sie sind alle schon draußen und jetzt wird durcheinandergerufen: „Anne — Christian — Christian — Anne!"
Die beiden haben sich an der Treppe getroffen. Anne stand schon unten und Christian war noch oben, aber mit zwei gefährlich langen Sätzen ist er nun bei ihr und hält sie fest, er hält ihren Kopf, ihre Schultern, er streichelt ihre Hände. Sie dachten wirklich, daß sie in dieser Morgenfrühe allein wären. 9iun aber hören sie draußen das Schreien und Rufen und wissen bei Gott nicht, was es zu bedeuten hat.
,Komm Krischtian, da ist irgend etwas Besonderes los." Anne zieht ihn durch die Diele. Da stehen sie und gehen plötzlich keinen Schritt weiter. Da wird von einem Mann ein Pferd im Hof auf und ab geführt. Ein dunkles Tier, fast schwarz, mit schmalem Kopf und breiter Brust — „Baldur", ruft Anne und wirst die Arme in die Luft.
Klarissa steht mitten auf dem Hof. Sie hat sich schwer auf ihren Stock gestützt, Mit der anderen Hand lehnt sie auf Luises Arm. Jetzt sieht sie auf und lacht. „Was schreist du denn so, dumme Deern, wir haben doch wohl alle zwei Ohren am Kopf, wie? Dachtest du vielleicht, ich will meinen Burschen an den Christian abgeben? Kein Gedanke daran. Wenn ihr mich nicht auf dem Altenteil Haden wollt, müßt ihr mir auch mein Pferd noch lassen. Und schließlich muß der Bauer vom Birkenhof ja doch wohl sein eigenes Tier kriegen. Es ist also weiter nichts, hat nichts zu sagen und außerdem, Anne" sie zwinkert vergnügt mit den Augsn, „habe ich dir doch Koniferes Liebsten versprochen, sowie ein Mann auf den Hof kommt. Na, Christian, du sagst ja gar nichts, bist du zur Bildsäule erstarrt? Sie ihn dir an, gefällt er dir?"
Christian steht da und schluckt. Und um das nicht zu zeigen, geht er ein paarmal um das Pferd herum. Welch ein Brustkorb, wie stolz er den Kopf trägt, wie fchmal die Fesseln sind, herrlich ist dieser Baldur! Eine Weile sagt Christian fein Wort, dann kehrt er sich mit einem Ruck der Alten zu. „Tante Klarissa, ich habe solche Pferde bisher nur aus unerreichbarer Ferne angestaunt. Was das Gefchenk für mich bedeutet, kann ich dir gar nicht sagen!"
Klarissa stapft langsam ins Haus, aber da auf der Treppe droht sie sich noch einmal um und wettert los: „Geschenk, du dummer Junge, wer spricht hier von Geschenken? Geschenk? Unfinn, ein Pferd für den Bauern, wie sich das bei einem großen Be
kehrsunfall. Ein Licher Kraftfahrer, der von Steinbach kam, fuhr mit großer Wucht gegen d i e Brücke. Der Wagen wurde erheblich beschädigt, der Kraftfahrer selbst, der allein im Wagen saß, wurde glücklicherweise nur leicht verletzt.
<£ Saasen, 26. Jan. Unter starker Anteilnahme der Bevölkerung wurde unser Mitbürger Georg Wickenhöfer zu Grabe getragen. Der Gesangverein „Eintracht" erwies dabei seinem Mitgründer und Ehrenmitglied durch Gesang und Kranzspende die letzte Ehre.
)—( Ruppertsburg, 26. Jan. Das Wild und die Vögel leiden bei der gegenwärtigen Kälte und dem Schnee bittere Not. Die durch Hunger und Frost ermatteten Tierchen werden dann leicht eine Beute der Raubtiere und Raubvögel. Ein Schüler
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
entriß dieser Tage einen Fasanenhahn den Klauen eines Habichts, ein anderer Fasan wurde vollständig zerrissen aufgefunden. Die Vögel kommen an die Häuser und in die Gärten, wo sie bestens gefüttert werden. Die Vögel sind sehr zutraulich geworden. Ein Rotkehlchen hat sich den Schulsaal als Nacht» ' herberge ausgesucht, frißt während des Unterrichts sein Futter und fliegt ungestört ein und au5.
Eine »nette- tleberraschunq.
Lpd. B ü r st a d t, 26. Jan. In der Nibelungen» sttaße fand die 18jährige Tochter eines Einwohners eine Mäusefamilie in ihrem Bett vor. Da das Bett längere Zeit nicht benutzt wurde, hatten die Mäuse sich darin häuslich eingerichtet. Obwohl das Nest sofort ausgehoben wurde, konnte das junge Mädchen sich nicht entschließen, die Nacht in diesem Bett zu schlafen.
Strafkammer Gießen.
Der Wilhelm Bo delle aus Frankfurt a.
zur Zeit in Untersuchungshaft, war des Einbruchs- diebstahls beschuldigt. Er hat im August v. I. aus dem verschlossenen Büro einer Firma in Lauterbach, in das er mit Gewalt eingedrungen war, durch Erbrechen der Schreibtischschublade den Be
Gedenket der hungernden Vögel!
trag von 120 RM. entwendet. Die Tat wurde im strafverschärfenden Rückfall begangen. Der Anae- flagte war in vollem Umfange geständig. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde der Angeklagte, der als gefährlicher Gewohnheitsverbrecher gilt — er ist 21mal vorbestraft, darunter lOmal wegen Diebstahl und Hehlerei — zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren verurteilt. Die Untersuchungshaft mit vier Monaten wurde angerechnet. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden dem Angeklagten auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Außerdem wurde die Sicherungsverwahrung angeordnet.
Srieffaflett der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
Z. in G. Der Vermieter ist verpflichtet, während der Dauer der Mietzeit die erforderlich werdenden Ausbesserungen vozunehmen, mit Ausnahme derer, die der Mieter etwa im Mietvertrag übernommen hat. Vom Mieter gemachte notwendige Aufwendungen hat er zu ersetzen, soweit sie dem Interesse oder dem wirklichen oder mutmaßlichen Willen des Vermieters entsprechen oder dieser bereichert ist. Da wohl anzunehmen ist, daß in Ihrem Falle die Reparatur notwendig war, könnten Sie Ersatz verlangen.
sitz gehört. Los, reitet zu, ihr zwei, ich werde sehen, was ihr könnt."
Sie winkt den Pegels und geht ins Haus, und die Jungen stürmen zur Geschirrkammer. Die Sättel her, die Pferde her, himmlischer Vater, welch ein Glück ist es zu leben!
Anne und Christian sitzen auf. Mit einem Satz ist Anne droben, sie hat ja so lange Beine! Jetzt hebt sie die Hand und jauchzt: „Los!"
Christian ist beb öd) tiger. Ein Dauer aber hat das Recht, bedächttg zu fein, warum also sollte Christian es nicht tun?
Klarissa steht in der kleinen Stube neben dem Eßzimmer und sieht ihrer Jugend nach. Der erste Sonnenstrahl zuckt über Annes gelbes Haar, über die hellen Schöpfe der kleinen Jungen, die wie die Wilden auf ihren flinken Ponnys hinter den langbeinigen Pferden dreintraben. Aber nun müffen sie es doch aufgeben, beim Birkenwäldchen bleiben sie zurück, denn Konifere und Baldur greifen aus. Sieh doch, sieh, wie sie im Sattel fitzen, eine Freude, das zu sehen!
Klarissa geht ins Zimmer zurück. Sie will mit Pastor Bubendey sprechen, will nach dem Aufgebot fragen. Sie sollen nicht lange warten, die beiden, gleich können sie heiraten. Klarissa fühlt, daß chr Herz stärker klopft. Der Birkenhof hat seinen Herrn, einen bedächtigen, gewandten und guten Herrn, oh, Klarissa ist genug Menschenkennerln, um das be- urteifen zu können. Jetzt kann sie ruhig aufs Altenteil gehen, setzt kann sie ruhig ab treten, wenn es fein muß. Sie wird das nicht plötzlich machen- aber allmählich wird sie das Reich doch den Jungen überlassen.
Wird sie dadurch etwa einsam werden? Nein, woher! Die Jugend bleibt ja bei ihr, und alles, was sie hier sieht, gehört zu ihr, wie könnte sie sich ein- am suhlen? Da der alte Schreib schrank zum Bei- spiel, ist er nicht schon immer ihr Freund gewesen? Jedes Möbelstück in diesem Raum hat für Klarissa Gesicht und Geschichte.
Vielleicht ist der Schrank so alt wie dieses Haus, meUeccht ist er älter. Der Großvater hat vor der Schreibplatte gesessen und Papiere unterschrieben, vlelleicht auch schon der Urgroßvater, und nun sitzi Klarissa hier. Sie hat manchmal an diesem Platz gesessen und an alle gedacht, die vor ihr waren und hat geseuszt, weil sie nicht wußte, wer nach ihr kommen wird.
Jetzt weiß sie es. Stein Wegner zwar, aber ein Bauer. Und wie die lange Reche der Vorhergegan» genen, wird er alles tun, was feine Zeit von chM verlangt und was der Hof von ihm verlangt. Kla- rina hat wie ein Mann chr Erbe verwaltet, jetzt gibt sie es in gute Hände.
,Ze ist mit sich und ihrer Welt zufrieden. Eick glücklicher Mensch, diese Kkarijja.


