Ausgabe 
27.1.1940
 
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Besonders ansprechend wirken die zwei Einfamilien­häuser von Architekt Theodor Merrill (Köln); aber auch die vier neuen Wohnhäuser von Architekt Tho- mas Wechs (Augsburg) besitzen jedes ihr eigenes Gesicht. Inneneinrichtungen, feine Metallgeräte für den Haushalt, Spanschachteln und Porzellanfiguren beschließen das vielseitige, wiederum vorzüglich illu- strierte Heft.

Die 111 ustrIrte Zeitung bringt zum 30. Januar die interessante Der^isentlichungDom Reich der Karolinger zum Großdeutscyen Reich, Do- kumente aus tausend Jahren deutscher . Geschichte". Der Brief Kömg Ludwigs II. an König Wilhelm, in dem er diesem die deutsche Kaiserwürde anträgt, wird zum erstenmal faksimiliert veröffentlicht. Mit einem farbigen Kunstblatt ist der Beitrag von Mini­sterialdirektor Doehle ,T)rden und Ehrenzeichen in Großdeutschland" illustriert. Aus dem weiteren In­halt erwähnen wir den ArtikelSpähtrupp-Einsatz am Westwall", mit Zeichnungen von Rudolf Lipus, die BilderfolgeDas Frauenbildnis von heute", sowie unterhaltende Beiträge und den reichhaltigen aktuellen Teil.

Die Mutter-Gottes vom Waldrand.

Äon Geno Ohlischiaeaer.

Mit der Feuerstellung der Batterie, die wir ab- lösten es war während der Vorbereitung der Marne-Offensive im Juli 1918 mußten wir einen Beobachtungsstand übernehmen. Für die ersten drei Tage bestimmte der Batterieführer einen Dizefeld- wedel und mich dafür. Ein Fernsprecher ging mit, um die Leitung zu legen.^

Als ich ein kleines Stück am Waldrand entlang gegangen war, sah ich einige Meter in den Wald hineingerückt eine Kapelle liegen.

Das heißt, eine Kapelle war es eigentlich nicht mehr, wie man sich auch unter demWald" nicht einen richtigen Wald vorstellen darf, sondern einen, dessen Bäume zum größten Tell stumme Zeugen für das Wüten des Krieges geworden sind; so war auch die Kapelle zum Teil zusammengeschossen, zum Teil, da sie aus Holz gebaut gewesen war, niedergebrannt. Unversehrt stand nur noch eine dem Wald zuge­kehrte Wand und davor ein Muttergottesbildwerk. Es machte das war nicht das erstemal bei zer- schossenen Gotteshäusern den Eindruck, als ob die todspeihenden Granaten, die sonst nichts schonen, eine Scheu vor der Zerstörung dieser Statue ge­habt hätten.

Doch auch, wenn ich die Madonna nicht unter diesen Umständen angetroffen hätte, wäre ich wohl von ihrem Anblick tief beeindruckt worden. Maria und das Kind hatten fast Lebensgröße, und der.

Mann, der sie aus dem Stein gehauen hatte, muhte Menschen seiner Umwelt zum Vorbild genommen haben; denn die Figuren sahen aus wie eine Mut­ter und ihr Kind aus unseren Tagen. Dadurch wirkte das Standbild sehr natürlich und sprach mit seinem lebendigen Ausdruck den Beschauer unmittel­bar an. Vielleicht war der Schöpfer dieses Bild­werks irgendein- Bildhauer aus der Gegend gewesen, unbekannt und ohne großen Ruf in der Welt; ein Künstler war er jedenfalls.

In der zweiten Nacht gegen elf Uhr ich hatte eben den Vizefeldwebel abgelöst war es auf ein­mal Essig mit dem Telefonieren: die Batterie mel­dete sich nicht, und da nicht anzunehmen war, daß sie in Grund und Boden geschossen sei, mußte die Leitung zerstört sein.

Nach einer Weile kam der Fernsprecher; ich zeigte ihm von oben den Weg nach, der Kapelle. Die Bat­terie rief inzwischen schon an, ob der Fernsprecher angekommen sei. Er sollte nicht zur Feuerstellung zurückkommen, sondern bei uns bleiben. Ueberall flammte drüben Geschützfeuer auf: der Feind be­gann mit einem lebhaften Störungsfeuer auf unsere Front. Es fauchte und zischte um mich herum, daß man nur eins tun konnte, weil es kein Sichwehren und Sichschützen dagegen gab: sich Gott anver­trauen und auf seinem Posten ausharren.

Auf einmal kam der Vizefeldwebel angelaufen. Ein Schuß schlug vor ihm ein. Er warf sich hin, stand wieder auf, als ihm nichts geschehen war, und rief mir zu, daß ich nach der Feuerstellung nach einem Sanitäter telefonieren sollte; der Fernsprecher war schwer verwundet.

In der Batterie hörte ich, daß wir in den letzten Stunden zwei Mann und drei Pferde verloren hatten. Sie versprachen, gleich einen Sanitäter -u schicken.

Der Dizefeldwebel hatte mir gesagt, daß ich um fünf Hinkomiken sollte zur Ablösung und nicht erst auf ihn warten müsse, da er den Verwundeten nickt allein lassen wollte. So ging ich hin, als die Zeit gekommen war.

Wie geht's ihm?" fragte ich, als ich unser Lager in der Kapelle betrat.Der Sanitäter muß bald da sein."

Er wird zu spät kommen", sagte der Dizefeld- webelEr ist schon hinübergeschlafen. Aber er hat einen schönen Tod gehabt: er fieberte lange, und dann sah er auf einmal die Madonna mit dem Kind neben sich mit großen, frohen Augen an. ,Es ist gut, daß ihr da seid?' sagte er leise; sicher hat er geglaubt, er sei zu Hause und das seien seine Frau uno sein Junge. Er lächelte und dann war es aus mit ihm"

Ich trat näher und sah den Toten daliegen. Und wirklich: in seinem Ausdruck war nichts vom Schmerz der tödlichen Verletzung zu sehen; auf seinem Gesicht lag der große Frieds

Oer irakische Finanzminister ein Opfer des englischen Secret Service.

Berlin, 26. Fan. (DNB.) lieber das durch den englischen Secret Service angezettelte Attentat, dem der irakische F i n a n z m i n i st e r Ru­st am Haidar zum Opfer fiel, wird aus Bag­dad folgendes gemeldet: Man ist in Bagdad da­von überzeugt, daß der Grund des Attentates nicht einpersönlicher Racheakt" eines entlassenen Polizeiinspektors, sondern die wohlbedachte Tat des englischen Secret Service Darstellt, der diesen Polizeiinspektor zu dem poli- tischen Mord gedungen hat. Selbst die Jrak- Regierung gibt durch ihr Verhalten zu erkennen, dunkle Umtriebe geschmiedeten Komplottes an- sllht, denn sie hat inzwischen eine ganze Reihe von ehemaligen Ministern und Provinzgouverneuren verhaften lassen.

Rustam Haidar, der als langjähriger und treuer Mitarbeiter des gleichfalls auf mysteriöse Weise ums Leben gekommenen Königs F a i s a l und als Freund des englandhörigen Premierministers Nuri Said in den Augen vieler arabischer Na­tionalisten ursprünglich als ergebener Gefolgsmann Englands galt, hat sich seit Beginn des Krieges von Nuri Said in der Frage des irakischen Verhaltens gegenüber Deutschland getrennt. Während Nuri Said auf Weisung Englands Deutschland den Krieg erklären wollte, setzte sich Rustam Haidar, ebenso wie mehrere an­dere Minister für die Wahrung der irakischen Neu­tralität ein. Er wies darauf hin, daß Deutschland für die arabische Sache mehrfach warm einge­treten sei, und daß es dem Irak nur Freundschaft bewiesen habe und er vertrat daher die Ansicht, daß der Irak diese deutsche Freundschaft nicht mit einer Kriegserklärung vergelten dürfe. Zudem war ihm klar, daß im arabischen Volk der Sinn für Frei­heit und Unabhängigkeit nur durch Wahrung der Neutralität geweckt werden könne, nicht aber durch willenlose Gefolgschaftsleistung in einem von Eng­land mutwillig angezettelten Kriege.

Rustam Hgidar war der beste Kopf unter den in dieser Frage zu Nuri Said im Gegensatz stehenden Politikern. Er war daher den Engländern unbequem geworden und wurde deshalb vom Secret Service kurzerhand beseitigt. Mit der Ermordung dieses Mannes, der sich früher für England verdient gemacht hatte, wollten die Eng­länder zugleich die täglich stärker werdende Oppo­sition im Lande gegen die verhaßte england- hörige Regierung mundtot machen und die Auf­merksamkeit des Volkes von Nuri Said, der sich nur noch durch größte Vorsichtsmaßregeln schützen

kann, ablenken. Sie wählten daher als Werkzeug zur Ausführung ihres teuflischen Planes einen Mann, der als überzeugter Sunnit und Schuten­hasser bekannt war; Denn Rustam Haidar war zu­gleich der geistige Führer der Schiiten im Irak. Die Engländer beabsichtigten also durch die Ermordung ihres Führers, die Schiiten in größte Erregung zu versetzen und den schlummern­den Gegensatz zwischen ihnen und den Sunniten neu aufleben zu lassen. Die Aufhetzung der beiden religiösen Setten im Irak gegeneinander entspricht der üblichenvölkeroersöhnenden" Methode, die die Engländer in anderen Ländern, insbesondere in Indien immer wieder anwenden. Nuri Said hat, wie eingangs erwähnt, die günstige Gelegenheit da- zu benutzt, alle seine Gegner, die sich noch tn Frei- yeit befanden, verhaften zu lassen.

Im Irak steht die Polizei besonders stark unter englischem Einfluß, wenn dort em Angehöriger der Polizei ein politisches Delikt be« geht, so steht immer England dahinter. Erinnert sei hierbei an jene große Demonstration gegen Nun Said, einige Tage nach dem in seinen Ursachen noch heute nicht völlig aufgeklärten Tode des jungen Königs Ghazi. Damals hieß es, die Nazi hätten die Studenten aufgehetzt und ihnen Flugblätter in die Hand gedrückt. Bald aber stellte sich heraus, daß ein Beamter der nach englischen Wei­sungen handelnden CID. (Criminal In­vestigation Departement) die Studenten aufgeputscht und ihnen den Wortlaut des Flugblattes dikttert hatte. Die Engländer wollten damit die Wut des irakischen Boltes, das sie für den Tod ihres ge- liebten Königs verantwortlich machte, a u f Deutschland lenken. Ebenso wie die Eng­länder damals die Volkswut von sich abwenden wollten, wollten sie jetzt ihren Schützling Nuri Said vor dem empörten Volk schützen.

Das ist eine altbekannte Tatsache, daß im Orient und letzthin gerade im Irak, hervorragende Persön­lichkeiten immer dann starben, wenn sie England unbequem wurden. König Faisal starb, nachdem er den Engländern gedroht hatte, beim Völkerbunde vorzubringen, daß britische Panzerwagen die gegen die Jrak-Regierung im Aufstand befindlichen Assy­rer mit Munition versorgt hätten. Der General­stabschef B a k r Sidqi wurde ermordet, weil er den Irak von der britischen Vormundschaft befreien wollte und König Ghazi starb, nachdem er durch seinen Rundfunksender die aufständischen Araber in Palästina xum Durchhalten gegen die Engländer ermuntert hatte.

Rückkehrmoralischer Methoden" in die Polittk kämpfe und deshalb der Nazismus zu Boden ge­schlagen werden müsse, entspricht es der franzö­sischen Psyche, das Bedürfnis nach etwas Hand­greiflichem vor Augen zu haben, an dem man sich selbst aufrichtet und mit dem man dem französischen Volk Mut zu machen sucht. Denn die Franzosen, denen der Führer ja immer wieder erklärt hat, daß er ihnen gegenüber keinerlei irgendwie geartete Ansprüche habe, deren Ostgrenze er wiederholt feier­lich garantiert hat, wissen ja heute noch nicht, wo­für sie eigentlich kämpfen sollen. Mit dem chtten von ihren Kriegsmachern und den britischen Bun­desgenossen gezeigten imaginären Ziel der Ver­nichtung des Nazismus vermögen sie nicht viel an- züfangen. So muß ihnen greifbar vor Augen ge­stellt werden die Rückkehr Frankreichs zur Vor­herrschaft in Europa, das Bekenntnis Frankreichs zur Polittk eines Richelieu, eines Ludwig XIV. und eines Napoleon. Gleichzeitig will man freilich in Paris auch schon Fühler ausstrecken, um zu horchen, was die Welt zu FrankreichsFriedenszielen" sagt, und vor allem um England rechtzeitig auf einen Kurs feftzulegen, der durch Vernichtung Deutsch­lands diese Ziele zu erreichen trachtet.

Für dieses Bestreben symptomatisch ist der Auf­satz, den vor kurzem der französische Journalist Perttnax, der dem Pariser Außenministerium nahe­steht, im LondonerDaily Telegraph" veröffentlicht hat. In ihm enthüllt sich zudem die Geistesauftas- fung der Pariser Kriegsmacher in ihrer ganzen satanischen Skrupellosigkeit. Perttnax im bürger­lichen Leben Andrö Gsraud, dessen Vater der aus dem Posenschen in Frankreich eingewanderte Jude Grünbaum war, beruft sich in seinem Aufsatz dar­auf, daß er die Gedankengänge der französischen Berussdiplomatie vertrete. Nach Kenntnis der deut­schen Verlautbarungen über das falsche Spiel, das der ehemalige französische Botschafter in Berlin, Co ul andre, hinter den Kulissen der deutsch- französischen Verständigung getrieben hat, kann daran auch nicht mehr der letzte Zweifel übrig blei­ben, daß die Zünftigen des Quai d'Orsay nur höchst widerwillig die zeitweilige Verständigungspolitik Data die rs mitgemacht haben und Hand in Hand mit den Kollegen vom Foreign Office alles darangesetzt haben, um Frankreichs Außenpolitik wieder in das Fahrwasser des alten sturen polittschen Kurses eines Poincarö und Clömenceau zu steuern.

Was Perttnax nun alsFriedensziel" der Pari­er Berufsdiplomaten entwickelt, ist eine volle Be­tätigung dessen. Dieser famose Plan sieht nichts geringeres vor, als die Errichtung einer ftanzösisch- rri tischen Diktatur über Europa. Erste Voraus- etzung dafür ist die Zerstückelung Deutschlands in eine Reihe kleiner macht- und willenloser Staaten und.die Abschnürung dieses Gebildes im Osten durch einen Ring von kleinen unselbständigen Puffer- staaten von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, um Rumpsdeutschland endgültig von dem ge­fürchteten Rußland zu trennen. Im Westen soll die gleiche Aufgabe der Einkreisung Deutschlands oder besser dessen, was man noch von ihm übrig zu lassen gedenkt durch eine noch weitergreifende, wohlverstanden zeitlich unbefristete Besetzung der Rheinlande als vor zwanzig Jahren erfüllt werden. Aber Herr Perttnax ist ein vorsichtiger Mann. Diese Knebelung reicht ihm noch nicht, um die Gewähr dafür zu bieten, das zerstückelte, selbstverständlich materiell wie moralisch völlig wehrlos gemachte deutsche Volk dauernd am Boden zu halten. Des­halb sollen sich die neutralen Staaten mit Frank- reich und England vertraglich verbinden, um ge­meint am dafür zu sorgen, daß dieser so geschaffene Status quo ein ewiger bleibe. In die wieder- erstehende Genfer Liga soll eine englisch-ftanzösische Exekution so eingebaut werden, daß diese, unab­hängig von den andern Mitgliedern der Liga, eine tatsächliche Diktatur der westlichen Plutokratien über Gesamteuropa ausüben würden. Europa, als eng­lisch-französische Kolonie, so sieht also die Neuord­nung Europas in dem Kopf nicht etwa nur des Juden Perttnax und des polnisch-tschechischen Erni- grantenklüngels in Varis aus, sondern nicht anders spiegelt sie sich in den Gehirnen der Berufsdiplo­matie des Quai d'Orsay, die den Kurs der französi­schen Außenpolitik maßgebend bestimmt.

Daß die Berussdiplomaten, aus deren Schule Perttnax jjier so erfreulich offenherzig plaudert, mit diesen wahnwitzigenFriedensplänen" in Frank­reich keineswegs allein stehen, sondern in einer be­stimmten Schicht maßgeblicher Parteipolittker auf ein durchaus zustimmendes Echo hoffen bürfen, da­für ist Frankreichs Marineminister, der Korse C a m P i n ch i, ein gewichtiger Kronzeuge. Es ist der gleiche, der sich schon während der ftanzösisck- italienischen Hochspannung, die dem Abessinienfelo- zug folgte, durch besonders scharfmacherische Reden ausgezeichnet hat. Aus den amtlichen deutschen Dokumenten, die den Kriegswillen der beiden west­lichen Demokratien mit erschütternder Eindeutigkeit bloßlegen, geht auch hervor, das Campinchi bereits im April 1939 Frankreichs Entschluß ssum Kriege gegen das Deutsche Reich damit begründete, daß weder Frankreich noch England die beherrschende Stellung des Deutschen Reiches im östlichen und südöstlichen Raum Europas dulden könnten. Und auch das Ziel dieses Krieges hat Campinchi da­mals schon mit schöner Offenherzigkeit Umrissen. Er sagt:Der Friedensvertrag, der den nächsten Krieg beenden wird, muß nach dem Muster

des Westfälischen Friedens ausfallen, d.h. das Reich völlig zerstückeln und in feine Bestand­teile zerlegen." Nur dann könne man hoffen, wäh­rend eines verhältnismäßig langen Zeitraumes Frieden zu haben. Campinchi berief sich bei diesem Erguß eines satanischen Dernichtungswillens aus­drücklich auf den französischen Generalissimus © am e H n , mit dem er während der Septem­ber-Krisis dauernd in Fühlung gestanden habe.

Worum es im Westfälischen Frieden der französischen Politik ging, das ist niemals klarer und instruktiver für uns Deutsche gesagt worden, als von dem französischen Historiker Jacques B a i n v i lle in seinem 1915 erschienenen und seitdem in Frank­reich immer wieder neuaufgelegten BucheGe­schichte zweier Völker". Er schreibt dort:

Es handelte sich darum, zu verhindern, daß Deutschland zur Einheit kam, wie Frankreich zu sei­ner Einheit gekommen war. Das war ein realistisches Werk, daß "dem realistischen Menschenverstand ent­sprang und vom Begriff des nationalen Interesses beherrscht war. Zu gleicher Zeit sollten dabei die Menschlichkeit und die Zivilisation auf ihre Kosten kommen: unmittelbar nach dem Dreißigjährigen

Krieg, als die deutsche Kraft für lange Jahre ge- brachen war, durchlebte Europa eine feiner schön­sten Epochen. Nach den Proben, die der ©ermanis- mus in Freiheit die europäische Welt eben erleben ließ, wird man die Klarheit einer Politik bewun- Dem, die darin bestand, die germanische Barbarei zu entwaffnen und der Bestte die Krallen zu be­schneiden." _ ...... fr r

Was der Franzose hier eine der schönsten Epochen Europas nennt, steht in Erinnerung des deutschen Volkes als die Zeit bittersten nationalen Unglücks. Der Westfälische Friede, der 1648 Den Dreißigjäh­rigen Krieg beendete, hinterließ Deutschland als ein ohnmächtiges Gebilde, als ein politisches Monstrum ohne polittschen Willen und politische Kraft, aufge- teilt in mehr als dreihundert Territorien, deren souveräne" Landesherren unter sich und mit dem Auslande Bündnisse schließen durften. Die Mün­dungen von fünf deutschen Strömen waren fremden Mächten ausgeliefert. Frankreich alsGarant" des Friedens erhielt das Recht der Einmischung in inner­deutsche Angelegenheiten, es faßte im Oberelfaß Fuß und verfolgte zielbewußt eine Polittk, Die das linke Rheinufer in feine Hand bringen sollte. Daß ein solcher Zustand hilfloser Schwäche des deutschen Nachbarn dreihundert Jahre hindurch das Ideal der französischen Staatsmänner gewesen ist, ist viel­leicht begreiflich, wenn man der irrigen Auffassung lebt, daß nur das Unglück des einen Volkes das Glück des anderen begründet. Aber nicht minder be- «reiflich ist es, daß die deutsche Nation, durch die furchtbaren Lehren ihrer Vergangenheit hellhörig geworden, mit fanatischer Willenskraft sich allen entgegenwirst, Die Deutschland wieder auf Den furchtbaren StanD von 1648 zurückführen möchten. Wir sind den Herren Campinchi und Perttnax dank­bar für ihre Offenherzigkeit. Nun wissen wir wenig, ftens aus ihrem eigenen Munde, woran wir übri­gens nie gezweifelt haben, daß auch Frankreichs Friedensziel" nichts anderes ist als das seines bri- tischen Bundesgenossen: Die Vernichtung Deutsch- lands. Aber Die Herren, Die so emsig historische Stu- Dien treiben, um Die iDealfte Neuordnung Europas auszuklügeln, vergeßen nur eins, daß heute statt eines in Atome zersplitterten deutschen Volkes wie vor dreihundert Jahren, eine einige deutsche Nation entschlossen ist,, jeden Anschlag auf ihre Freiheit mit äußerster Kraft abzuwehren und einem Frieden Den Weg zu bahnen, der Diesen Namen verdient. Niemals werden die sauberen Pläne der Perttnax und Campinchi ihre Verwirklichung finden.

Dr. Fr. W. Lange.

3« den britischen Gewässern gesunken.

Stockholm, 26. Januar. (Europapreß.) Eines der modernsten schwedischen Motorschiffe, der Fracht- DampferGo thia", ist am Donnerstag an der englischen Küste gesunken. Allem Anschein nach fiel ereinerMine zum Opfer. Vierzehn Desatzungs- Mitglieder fanden den Tod, während sich elf Mann der Besatzung in einem Boot auf eine unbewohnte Insel an der schottischen Westküste retten konnten, Rettungsfahrzeuge sind dorthin ausgesandt worden. DieGothia", die eine Wasserverdrängung von 1549 Bruttoregistertonnen hatte, war erst im Jahre 1937 auf einer schwedischen Werft fertiggestellt wor­den; sie sank innerhalb weniger Minuten.

*

Wie die Amsterdamer Presie meldet, sind das lett- ländische Schiffeueren e" (4354 Bruttoregister­tonnen) und der norwegische Frachtdampftr© u d - neig" (1300 Bruttoregistertonnen) gesunken. Das lettländische SchiffEveroja" (4354 Bruttoregi- stertonnen) ist aus Grund gelaufen. DieEveroja ist ein Schwesterschi ft derEve re ne", die einige Stunden vorher unterging. Außerdem soll sich Der norwegische DampferB i r k" in Der Gegend der Hebriden in höchster Seenot befinden. Den SOS- Rufen Des Schiffes zufolge, die an einer Küsten- statton Schottlands aufgefangen wurden, ist das Ruder gebrochen, und das Schiff treibt auf hoher See.

David und die Goldgräber.

Don K. H. Waggerl.

Der kleine David ist jedermanns Gehilfe, dafür hat er seinen Schlafplatz im Dachboden des Armen­hauses, und fein Essen, wo er gerade zurechtkommt. Es gibt Milchsupve bei Den Dorfleuten. Mus und Dörrbirnen auf Den Höfen, zuweilen auch etwas Gebackenes, wenn man eine gute Nase hat und gewisse Tage im Kopf behält, die Namenstage vor allem. Gott hat es so eingerichtet, daß die besten Dinge auch am stärksten Duften, Die Glanzstücke seiner Schöpfung. Strauben und Krapfen, von Denen er selbst sagte, daß sie gut seien.

Und trotzdem ist David immer hungrig, ach ja, noch nie in seinem Leben ist ihm etwas Genieß­bares begegnet, Das größer war als fein Hunger. So viel und vielerlei er auch hinunterfcblingt, er bleibt Dennoch erbarmungswürdig mager, Das wan­delnde Leiden Christi, behaupten die ehrwürdigen Schwestern im Armenhaus. Eine buntscheckige Vogelscheuche, sagt Der Lehrer, mit einem gelben Strohwisch obenauf. Darum tarnen ja auch die beiden Schwestern einmal auf Den Gedanken, Da­vid müsse, wenn nicht Den Teufel, so doch Den Bandwurm im Leibe haben. Sie sperrten ihn zwei Tage lang in die Geschirrkammer und gaben ihm Rübsamen zu eßen, Damit sich Das Verhängnis lösen möchte. Aber auch Das schlug fehl. David würgte Den Rübsamen geDulDig hinunter und gab dennoch nichts Außergewöhnliches von sich. Nein, er wächst nur zu schnell unD über alles Maß. Sein Darm ist zu kurz, so erklärte es Der Pfarrer, als er David aus Dem Gefängnis rettete. Seine Einge­weide find nicht wie bei anderen Leuten ordentlich in Schlingen gelegt, sondern sie sind eher von Der Beschaffenheit einer Dachrinne. Allein, Die ehrwür­digen Schwestern zweifeln ttotzdem im stillen nicht Daran, Daß Der Satan sich in Davids ausgearteten Gliedern festgenistet hat, oft betrachten sie ihn mit kummervollem Grausen. Oder kann es mit rechten Dingen zuqehen, daß er zwar schmächtig am Leibe, aber gewissermaßen und im Geiste dick geschwollen ist von Bosheit? Zuweilen kommt es über ihn, stehenden Fußes erfindet er Die abgründigsten Lügen, wie etwa die Geschichte vom Goldklumpen, an der im vergangenen Herbst das ganze Dorf zu- schänden wurde.

Damals schickten ihn die Schwestern auf Die Ge- meindeweide, Damit er ein paar Schafe zurück- brächte, die sich verlausen hatten, so fing es an. Da­vid tarn lang und länger nicht zurück, Dann saß er atemlos und seltsam verstört in Der Stube und schüttelte nur Den Kopf, nein, er hatte nichts gefunden, leine Schafe, nichts!

Weil aber Der Teufel zugleich mit Der Lüge auch fcte Neugier jät, so währte es nicht lange, da lief

es schon im ganzen Dorfe um: Gold auf der Ge­meindeweide! David hatte unterwegs zwei fremde Männer angetroffen, bärtige Männer, am Ende Der Dorf gaffe waren es schon sechs samt ihrem Hauptmann, aber gleichviel, jedenfalls knieten sie da auf Der Halde und gruben und warfen die Erde hinter sich. Ha! rief der eine, als er einen glänzen­den Klumpen aus Der Grube hob. Ha! schrie auch der andere, Denn in diesem Augenblick hatte er Da­vid entdeckt. Denkt euch das, keine Menschenseele weit und breit, und die beiden mit Messern und Schaufeln hinter ihm her, und David natürlich Hals über Kopf durch Zäune und Gräben! Schaut ihn an, fo sieht ein Mensch aus, der um Das Leben rennen mußte.

Indessen besannen sich etliche Leute Darauf, daß sie auch anderwärts zwei fremde Leute gesehen hatten, Der Briefträger, Der Brunnführer im Stein­bruch, sie dachten nichts weiter dabei, aber bärtig waren die beiden Fremden, verdächtig in ihrem gan­zen Benehmen. Das sagte auch Der Schankwirt, und warum wollten Die Fremden durchaus Das Hinterzimmer haben, sagte er, oder wem astens Vor­hänge an Den Fenstern, wenn sie Die Sonne nicht zu scheuen brauchten? Und so schoß Der Lügensame Davids immer üppiger ins Kraut, zuletzt nahm sich Der Vorstand ein Herz und stellte die zwei Dunkelmänner zur Rede. Dies und jenes fei ruch­bar geworden, und nun möchten sie in Gottes Namen Farbe bekennen, um Des Friedens willen.

Ja, und das taten sie dann auch. Es zeigte sich, daß sie zu Studienzwecken reiften, Geologie war ihr Fach. Was aber Den kleinen David betraf, die­sen Schafhüter, fo mußte das ja ein verteufelter Bursch sein. Den behaltet im Auge, sagten Die Her­ren und lachten und klopften sich auf Den Bauch vor lauter Vergnügen.

Schön, wenn sie es von Der helleren Seite nah­men. Aber was half Das gegen den Golddurst Der Dorfleute. Noch heute gibt es einige, Die der Sache nicht trauen und Die ieden Stein in Der Hand wägen, wenn sie ihre Kuh von der Weide holen.

Zeitschriften.

Mit Albert Burkart als Zeichner beschäftigt sich das Februarheft der MonatsschriftDie Kunst" (Verlag F. Bruckmann, München). Die Abbildungen zeigen feine zarte Gesichter voller Ge­lassenheit'und stiller Heiterkeit, dazu eine sinnvolle Gewandführung, die die Bewegung des Körpers wahrnehmen läßt. Friedrich Loos (17971890) ge­hört feiner Begabung und Herkunft nach mehr zu den Naturalisten. Mit einem sensiblen Empfinden für Licht und Ton und einem Behagen am Kleinen und Nahen, nahm er den Reichtum Der feinen malerischen Einzelheiten Der Salzburger Landschaft auf. 2)ai Heft zeigt Arbeiten von Fritz Klimsch.