Ausgabe 
26.11.1940
 
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Dor-

Gesundheit schuldig!

CHLOR

Täglich richtige Zahnpflege treiben- das sind wir unserer

nannten sie Frauenwagen.

Es ist verständlich, daß ein so auffallendes Stern, bild wie der Himmelswagen die Phantasie der Menschen in hohem Maße beschäftigt hat. Daher spielt der Wagen auch in den Erzählungen und Märchen der Naturvölker auf der Nordhalbkugel

eine beachtliche Rolle Die nordamerikanischen In­dianer beispielsweise sehen in dem Sternviereck einen Bären, in den anderen drei Sternen den ver°

Oie siebenOreschochsen"

Einige Bemerkungen über den Himmelswagen.

Von Or. Erwin Koffinna.

gewechselt wurden In der zweiten.Hälfte liehen die Schwarzgelben die Einheimischen nicht mehr zum Schuß kommen In schnellen Angriffen konnten die Busecker noch weitere fünf Treffer erielen.

Bnefkasten Der Xeöoftion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

besitzt die 250sache Leuchtkraft unserer Sonne. D u b h e ist dagegen ein gelber Riesenstern vom Typ des Arkturus und mit einer Strahlungstem« peratur von 4000 Grad kühler als die Sonne Vor 50 Jahren entdeckte Burnham einen sehr licht» schwachen Begleiter, der den Hauptstern in 44 Iah. ren umkreist. Bei einer Entfernung von 150 Licht, jähren beträgt die Leuchtkraft des Hauptsterns 280 Sonnenhelligkeiten, fern Durchmesser das 47fache der Sonne. D\e- Bahn des Begleiters ist so groß wie die des Neptun um die Sonne. Es sind also wahrhaft gigantische Verhältnisse, dze uns die mo- derne Astronomie von den über einen ungeheuren Raum verteilten Sternen des Himmelswagens er- schlossen hat.

Emil v. Behring zum Gedächtnis.

Die Reichspost gibt zum Gedenken an den kämpfer gegen die Diphtherie, Emil von Beh- ring, der vor nunmehr 50 Jahren seine Ent« deckung erstmalig in Marburg veröffentlichte, eine Sonderbriefmarke gu 6 + 4 und 25 + 10 Rpf mit dem Bilde des Forschers in Rakel-Tiefdruck heraus. Der Entwurf entstammt den Kunstwerkstätten der Staatsdruckerei in Wien. Der Zuschlag von 4 bzw. 10 Rpf. fließt dem Kulturfonds des Führers zu.

Weihnachtsgratifikation als Betriebsausgabe abzugsfähig. Der Reichsfinanzmtnister hat angeordnet, daß in diesem Jahre Zuwendungen anläßlich des Weih, nachtsfestes, des Geschäftsjahrabschlusses oder aus einem ähnlichen Anlaß in jedem Falle als Be- triebsausgaben abzugsfähig sind, wäh. rend nach «der bisherigen Regelung diese Abzugs- fähigkeit nur in Frage kam, wenn ein Rechts­anspruch auf die Gratifikation usw. bestand.

VersetzungSihengebliebener-

Bis zur Bekanntgabe neuer Bestimmungen über Schülerauslese an der Mittelschule darf ein nicht versetzter Schüler weder vorzeitig versetzt noch nach privater Vorbereitung neu. in die höhere Klasse an Mittelschulen ausgenommen werdens er muß vielmehr während eines ganzen Schuljahres den Unterrichtsgang seiner bis. herigen Klasse wiederholen. Für den Uebergang von Schülern der Höheren Schule zur Mittel- schule aus Anlaß der Nichtversetzung bestimmt der Minister: Bei der Verschiedenheit der Lehrpläne beider Schularten, insbesondere in den Klassen 4 bis 6, ist die Entscheidung darüber, ob ein sitzen« gebliebener Schüler der Höheren Schule ausnahms­weise in die nächsthöhere Klaffe der Mittelschule ausgenommen werden kann, wesentlich abhängig von der Frage, ob der Schüler in einem Fach ver« sagt hat, das an der Mittelschule nicht gelehrt wird. Ferner ist die Entscheidung auf Grund einer Auf« nahmeprüfung zu treffen. In der Regel wird die Aufnahme in die parallele Klasse erfolgen müssen, die der Schüler bei Verbleiben an der Höheren Schule nochmals zu durchlaufen hätte.

Von allen Sternbildern unseres heimatlichen Himmels ist der Große Wagen unstreitig das be- kannteste. Auch wer sich gewöhnlich nicht mit Astro­nomie befaßt, kennt wenigstens den durch sieben helle Sterne bezeichneten Himmelswagen, ein Stern­bild, das sowohl durch die Anordnung seiner Licht­punkte, als auch durch seine bedeutende Größe dem Nordhimmel das Gepräge gibt. Der Himmelswagen wetteifert in dieser Hinsicht mit dem Orion im Süden; er steht diesem herrlichen Sternbild nur darin nach, daß ihm Sterne erster Größe fehlen. Da der Große Wagen aber fern von der Milchstraße in einer sehr sternarmen Himmelsgegend steht, hebt er sich wirkungsvoll vom dunklen Grunde ab.

In den Herbst- und Wintermonaten sehen wir den Großen Wagen zu Beginn der Dunkelheit in seiner tiefsten Stellung über dem Nordhorizont, wo er besonders groß und prächtig erscheint, wäh­rend gleichzeitig die Kassiopeia im Zenit steht. Ein halbes Jahr spater, im Frühling, haben beide Stern­bilder ihre Stellung vertauscht; der Himmelswagen befindet sich dann abends im Zenit. Um die Weih­nachtszeit finden wir den Großen Wagen gegen 2 Uhr östlich vom Polarstern in aussteigender Be­wegung, aber die Deichsel nach unten gerichtet, im Hochsommer dagegen rollt er im Nordwesten ab­wärts.

wünscht. daß die Pakete nicht vor dem Fest geöffnet werden, vermerkt auf ihnen:Erst Weihnachten öffnen!"

Ortszeit für den 26. November.

Sonnenaufgang 9.06 Uhr, Sonnenuntergang 17.18

Uhr. Mondaufgang 4.55 Uhr, Monduntergang 15.45 Uhr.

Ortszeit für den 27. November.

Sonnenaufgang 9.07 Uhr, Sonnenuntergang 17.18

Uhr. Mondausgang 6.15 Uhr, Monduntergang 16.18 Uhr. Mond in Erdnähe.

bildes erkennen.

An der gemeinsamen Bewegung der fünf Sterne der ersten Gruppe nehmen auch noch Sirms und Gemma in der nördlichen Krone teil. Alle besitzen den gleichen Spektraltyp wie Sirius, auch an­nähernd die gleiche Oberflächentemveratur von rund 10 000 Grad und eine blauweiße Farbe. Außer der gleichen Bewegung deutet demnach auch die gleich­artige physische Beschaffenheit auf den gemeinsamen Ursprung dieser Sterne hin.

Nach den Untersuchungen von Ludendorff sind die fünf zu gemeinsamer Fahrt durch den Raum verbundenen Sterne des Großen Wagens im Mit- tel etwa 90 Lichtjahre von uns entfernt. In diesem Abstand würde die Sonne mit bloßem Auge über­haupt nicht zu erkennen sein. Die Sterne des Him­melswagens find daher wahre^ Lichtriesen im Ver­gleich zur Sonne, die sie um das 50- his annähernd 300fache an Leuchtkraft übertreffen. Der mittlere Deichselstern Mizar wurde bereits 1650 von dem italienischen Astronomen Riccioli als Doppelstern erkannt. Als man zuerst das Spektroskop auf Mi­zar richtete, entpuppte er sich als vierfaches System: zwei Sternpaare kreisen um den gemeinsamen Schwerpunkt.

Von den beiden Mitgliedern der zweiten Gruppe gehört B e n e t n a s ch mit einer Oberflächentempe­ratur von über 15 000 Grad zu den sehr heißen Heliumsternen, ist rund 200 Lichtjahre entfernt und

o. R. in TB. Es ist nicht emzusehen, warum der fragliche Kessel nicht soll mit Kohlen geheizt wer­den können. Sie brauchen sich deshalb um das Ver­bot des Eigentümers nicht zu kümmern. Falls er glaubt, daß sein Verbot berechtigt sei, stellen Sie ihm anheim, sich an das Gericht zu wenden Es wird ihm kaum möglich sein, den Beweis zu fuh­ren, daß sein Verbot berechtigt ist

w. h. Die genannten Werke sind tn folgenden Verlagen erschienen: Oramen-Verlag in Herborn und Quell-Verlag in Stuttgart. Ihre weitere Frage

-..... .Scholle" im Frage­

muß. Eine chinesische Darstellung des Großen Wa­gens aus dem 2. Jahrhundert vor der Zeitwende laßt bereits geringe Veränderungen des Stern-

durchweg überlegen konnte aber nur durch einen Elfmeter in Führung gehen Auch anfangs der 2. Halbzeit waren die Gäste noch tonangebend und konnten aus 2:0 erhöhen Londorf ließ sich aber nicht entmutigen sondern griff unentwegt an Der Erfolg blieb auch nicht aus, und bald hieß es 2:2. Daubringen mußte nun bange Minuten überstehen, bis der Linksaußen nochmals feine Mannschaft in Führung bringen konnte Die Gäste erzielten dann noch ein weiteres Tor Mit 6:0 Punkten und einem Torverhältnis von 15:2 Toren führt nunmehr Daubringen die Tabelle an.

Handball.

Heuchelheim -3gb. Großen Bufeck 3gb. 3:9.

bild den Namen Himmelswagen getragen. Die indo­germanischen Völker sahen in den sieben hellen Sternen sieben Ochsen, und diese Auffassung hatten auch die Römer.Septem Triones , diesieben Dreschochsen" nannten sie in wenig poetischer Form das schöne Sternbild, weil die sieben Sterne wie Dreschochsen auf der Tenne unentwegt im Kreise um den Himmelspol wandern. Mit dieser Deutung stimmt der Name des Sternbildes Bootes oder Ochsentreiber völlig überein, denn dieser folgt stän­dig den sieben Dreschochsen bei ihrer Wanderung um den Pol und treibt sie an.

Bei Homer finden wir zuerst den NamenDie Bärin" für den Himmelswagen, und zwar im fünf­ten Gesang der Odyssee, wo der Dichter die Heim, fahrt des Odyffeus auf dem Floß schildert:Und nie sank ihm Schlaf in die Augen, weil nach dem Siebengestirn und dem spät gesenkten Bootes und nach der Bärin er schaut, die sonst der Himmels­wagen genannt wird " Danach ist der Namebie Bärin" die jüngere Bezeichnung. Ueber die Römer ist sie auch zu unseren Vorfahren gelangt, hat aber etwa vom 16. Jahrhundert an dem NamenGroßer Bär" weichen müssen. Die Germanen erblickten in den sieben hellen Sternen einen Heerwagen, den Wotans- oder Karlswagen; den Kleinen Bären

Am Sonntag trafen sich beide Mannschaften zum älligen Derbandsspiel in Heuchelheim In der ersten Spielhälfte waren beide gleichwertig, so daß sich das Spiel offen gestaltete. Gastgeber sowohl, als _ auch die Gäste zeigten sich von ihrer besten Seite, ftnden Sie in der heutigen "Scholle Kurz vor Halbzeit kamen die Busecker etwas mehr tasten unter Nummer 230 beantwortet, auf, so daß mit einem Stand von 2:4 die Seiten

folgenden Jäger.

Der kleine Begleiter des zweiten Deichselsterns Mizar ist bei uns unter dem Namen "Relterlem bekannt. Die Araber nannten diesen Stern Alkor, den ein normales Auge eben noch erkennt und der daher als Augenprüfer gilt. Nach Henseling wird Alkor in Holstein auch als Däumling bezeichnet. Man sagt dort:Hans Dümken sitt opm Wagen." Eine ähnliche Redewendung gibt es in Westfalen.

Spiegelt sich so aus mannigfaltigste Weise das große Sternbild am Nordhimmel in Sinn und Ge­müt der naturverbundenen Menschen, so ist dem­gegenüber die Vorstellung, die uns die Astronomie vermittelt, viel nüchterner, aber dafür überaus großartig. Die sieben Sterne, welche das Auge un­willkürlich zu einem Bild verbindet, gehören nach den Untersuchungen von H. Ludendorff zwei ver­schiedenen Gruppen an. Die erste Gruppe umfaßt die beiden Deichseisterne Alioth und Mizar nebst Alkor sowie drei Sterne des Wagenvierecks. Die zweite Gruppe bilden Dubhe rechts oben im Wagen­viereck und der erste Deichselstern Benetnasch. Die Mitglieder einer jeden Gruppe zeigen durch , ihre parallele, gleichgerichtete Bewegung im Raum an, oaß sie zusammengehören und einen sog.Stern­strom" bilden. Die entgegengesetzt gerichtete Be­wegung beider Sterngruppen aber führt dazu, daß nach Jahrtausenden das Sternbild des Himmels­wagens sich völlig verändert haben wird, ebenso

Wie alle Sterne kreist der Große Wagen entge­gengesetzt dem Uhrzeiger um den Himmelspol. Er fährt dabei rückwärts. Nie tauchen seine Sterne un­ter den Horizont. Der Wagen gehört zu den zir- kumpolaren Sternbildern, die nicht untergehen., -----

Nicht überall und zu allen Zeiten hat das Stern- 'wie es m früheren Zeiten anders ausgesehen haben

Aus der engeren Heimat.

Canöfrei» Gießen

Lich, 25.Noo. Für besondere Tapferkeit bei Spähtruppunternehmen im Westen wurde der Ge­freite in einem Artillerie-Regiment Karl Roth, wohnhaft Schloßgasse 11, mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Gleichzeitig wurde er zum Obergefreiten befördert. Der Feldwebel in einer Luftwaffenbaukompanie Franz Balcerski er­hielt das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse.

)-( Ruppertsburg, 25. Nov. Auch unsere Gemeinde hat zwei treue Westwallarbeiter, die das vom Führer verliehene Ehrenzeichen erhalten haben. Es sind dies der Polier August Stein und der Arbeiter Hermann Parr. Letzterem wurde es durch den hiesigen Ortsgruppenleiter und Bürger­meister Lind überreicht. Die NS.-Gemeinschaft ,Lraft durch Freude" veranstaltete im Saale des Gastwirts Hahn wieder einen gutbesuchten Film­abend. Außer der aktuellen Wochenschau lief der FilmStreit um den Knaben Joo", der sehr lehr- reich war.

Kreis Bübingen.

§ Schotten, 23. Nov. In der gestrigen Ge- meinderatssitzung wurde das Ergebnis der Ausschreibung über die Strahenherstellung in der Schulstraße (der seitherigen Friedhofstraße) be­sprochen. Dem Pflastermeister Karl Lind, Schotten, wird her Zuschlag erteilt. Die Straße erhält er­höhten Bürgersteig, der bis an die Niddabrücke durchgeführt wird. Ein Stück Straße am Schieß- Horst, Ecke Lohgasse, wird gepflastert. Die Frage der Erweiterung des Kindergartens wird besprochen und der Plan gutgeheißen. Der Beschaffung eines Auszugs im Anbau des Krankenhauses nach dem vorliegenden Angebot wird zugestimmt.

Eine teuere Theaterfahrt.

LPD. Frankfurt a. M., 25. Nov. Als ein O-Zug von Bad-Nauheim im Frankfurter Haupt- dahnhof anfam, wollte der Bahnsteigschaffner einen jungen Mann nicht durchlassen, weil er keine Zu­schlagkarte hatte. Der Reisende, der mit einer Dame ins Theater wollte, drängte, und es gab eine Aus­einandersetzung, die zur Folge hatte, daß der Rei­fende, der beleidigend geworden war, sistiert wurde. Er war im Besitz einer Bezirkskarte, und der Zu­schlag hätte für ihn nur 25 Rpf. gekostet. Er wollte ursprünglich einen Personenzug besteigen, wurde aber durch die Dame veranlaßt, im V-Zug mitzu­fahren, für den er Zuschlag zu lösen hatte. Hätte er die Anordnung des Schaffners befolgt, so wäre die Sache für ihn wahrscheinlich halb so schlimm geworden. So mußte er zunächst 6 RM. als er­höhten Fahrpreis entrichten, außerdem wurde er jetzt vom Amtsgericht Frankfurt wegen versuchten Betrugs zu 70 RM. Geldstrafe verurteilt.

G A^Gport.

Iugendfußball.

Jgv. Tv. Heuchelheim 3gv. Io. Mendorf 2:1 (1:1).

Am Sonntag weilte die Schülermannschaft von Allendorf zum fälligen Rückspiel in Heuchelheim. Die Gäste mußten eine 2:1-Niederlage einstecken. Das Spiel begann mit schnellen Angriffen der Gäste, die aber durch die Hintermannschaft der Heuchelheimer abgewehrt wurden. Bei einem blitzschnellen Angriff der Gastgeber gelang es dem Halblinken, den Füh­rungstreffer zu schießen. Wenig später erzielten die Gäste den Ausgleich. Mit 1:1 wurden die Seiten ge­wechselt. Kurz vor Schluß konnten die Gastgeber durch ein unhaltbares Tor den Sieg sicherstellen.

Londorf 1. 3gb. Daubringen 1. 3gb. 2:4 (0:1).

Am Sonntag trug die 1. Jugend von Daubringen in Londorf ihr 3. Spiel um die Bannmeisterschaft aus. Londorf stellte eine eifrige Mannschaft ins Feld. In der ersten Halbzeit spielte Daubringen

pi

Mr Mchtling auf Korsika

Roman von Ejeinj LorenMambrecht

2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Er wußte, daß sie sich wieder im Klubzimmer aufhielt. Ja, das wußte er nun wieder ganz genau, obwohl er sie in der letzten halben Stunde nicht gesehen und gesprochen hatte. Ob auch das noch ein Fetzchen von seinem vergangenen Erlebnis war? Merkwürdig, manchmal kam ihm all das vor wie ein Traum. Vielleicht hatte er das alles schon ein­mal geträumt, vorausgeträumt?

Als er eben durch die Jnnenhalle ging, fiel ihm noch mehr ein. Er fühlte, wie groß seine Freude war, mit Thea jetzt eine halbe Stunde ungestört plaudern zu können. Aber trotzdem diese Freude unbedingt vorhanden war und sein ganzes Denken und Empfinden belebte, wurde sein Körper plötzlich wie von einer Lähmung befallen, die aus einem verborgenen und unerklärlichen Grauen hervor- wachsen mußte. Es war nicht zu fassen und nicht zu deuten. Er freute sich auf Thea, alles trieb und drängte ihn zu ihr, und er wußte, daß in ihrer Nähe eine tödliche Gefahr, ein grauenhaftes Ver­hängnis auf sie lauerte.

Er wollte sich mit Gewalt frei machen von dem durch nichts gerechtfertigten scheußlichen Unbehagen. Er schimpfte sich ein hysterisches Weib Aber er konnte den lähmenden Alpdruck einfach nicht los- werden. Schritt für Schritt zwang es ihn weiter, und dabei wußte er nicht, ob die Freude oder das Grauen seine Schritte befahl.

Er war im Klubzimmer. Dort tn einer Ecke saß Thea. Neben ihr aber saß Doktor Mervinger! Und dessen Augen waren ihm im gleichen Ausdruck ent­gegengerichtet, den er bei der Quadrille zum ersten- mal wahrgenommen hatte. Ein abgründiger Haß gegen den Menschen stürmte unversehens in Viktor hoch, er hätte sich auf ihn stürzen und ihn glatt Niederschlagen können Aber hierzu hätte er natür» lich nicht die Kraft gehabt. Er verankerte den Blick an Theas Gesicht, als er auf die Ecke zuging

Da stand Mervinger auf Er lächelte Viktor ent­gegen. Aber es war ein häßliches Lächeln. Und mit

diesem hinterhältigen Lächeln sagte er, als Viktor vor ihm stand:Entschuldigen Sie, lieber Gienant, daß ich es so formlos in dieser so reizenden Gesell­schaft vorbringe, aber ich verreise morgen für längere Zeit und habe keine Gelegenheit mehr, mit Ihnen darüber zu sprechen: So leid es mir tut, Sie müssen mir den Bettag, den ich Ihnen geliehen habe, baldmöglichst zurückerstatten .." So laut, daß es Thea hören mußte, sprach er.

Viktor stockte der Atem. Wut und Angst kämpften um die Oberhand. In Gedanken schlug er Mervinger mitten ins Gesicht. In Wirklichkeit konnte er kein Glied rühren.

Plötzlich legte sich schwer eine Hand auf ihn, und hinter ihm sagte vorwurfsvoll und traurig eine Stimme;Gienant, Menschenskind, was haben Sie nur für eine große Dummheit begangen! Das kann Sie doch die Achselstücke kosten, lieber Kerl." Hans Lorring, der Bataillonsadjutant.

Viktor fehlte es an Atem. Er keuchte, schnappte nach Luft, es stockte fein Herz. Der rote Uniform« fragen wurde ihm zu eng, er drohte zu ersticken, seine Augen quollen hervor.

Das konnte doch unmöglich Wirklichkeit fein! Eine derartige Affäre konnte sich doch nicht auf einem solchen Gefellschaftsball zuttagen. Er mußte träu­men, ein Alp mußte ihn vergewaltigt haben.

Da sah er Theas helles Gesicht, und alles war wieder gut. Theas Gesicht? War es wirklich Theas Gesicht? Natürlich war es das. Und doch kam es ihm verändert vor, noch fünger, noch zarter, noch lieblicher, obwohl es alles in allem Theas Züge waren. Es war etwa fo, als ob Thea soeben ihre eigene gleichaltrige Tochter geworden wäre fo etwa.

Aber kaum hatten feine Sinne an diesem beruhi­genden Bild Anteil genommen, als sich wieder Mer- Dingers Gesicht dazwischenschob Drohend nah war es ihm. und Mervinger hatte den Arm erhoben Was denn nun. um Gottes willen! Wollte jener zuschlagen? Das war doch .. mitten in dieser bel­feren Geselligkeit ... das war doch ein unerhörter Skandal!

Nein, Mervinger wollte nicht schlagen. Er wollte viel Gräßlicheres. Er wollte Viktor erschießen. Ja- wohl, er hatte eine Waffe in der Hand, eine Pi­stole Und er drückte die Mündung fest gegen Vik­tors Schläfe. Jetzt ... jetzt ...! "

Viktor schrie auf:Nicht schießen! Nicht an die Wand stellen! Familienvater! ... Nicht schießen ...! Hände hoch, Kamerad ...!"

*

Viktor Gienant reißt die Augen auf, bäumt sich hoch und fällt wieder zurück Noch gellt ihm fein eigener Schrei ins Ohr: Hände hoch, Kamerad! Er hat es wirklich geschrien. Seine Hand tastet zitternd an die Schläfe. Noch vermeint er den Druck des kalten Eisens zu spüren. Seine Hände, sein Gesicht, sein ganzer Körper sind mit Schweiß bedeckt.

Er atmet auf, so tief er kann. Traum alles! Gott sei gelobt, nichts anderes als Traum! Ein Traum, der einmal Wahrheit gewesen ist.

Ein Traum, der einmal Wahrheit gewesen ist.

Eine Weile liegt er mit geschlossenen Augen, bis sich die fiebernden Nerven einigermaßen beruhigt haben. Dann öffnet er die Augen langsam und er- tfreift zunächst fast mit wohltuendem Behagen, Be­sitz von seiner Umgebung, die ihm vertraut gewor­den ist vertraut und verhaßt zugleich.

lieber dem Kopfende des Feldbettes, auf dem er, halb angezogen, liegt, läuft ein plumpes Brett. In Kopfhöhe läuft es als Regal an den beiden Längs« wänden des weiß getünchten Kasernenraumes ent­lang. Auf dem Brett stehen kleine braune Kartons, liegen Bücher und Zeitschriften, sitzt da und dort etwas Wäsche, steht eine Photographie, ein gebastelter Gegenstand. Ueber jedem der achtzehn Feldbetten, von denen je neun in Zwischenräumen von einem Meter mit dem Kopfende an jeder Längswand stehen, befindet sich das gleiche geordnete Sammel­surium auf dem Brett die Habe eines der zwei­hundert deutschen Offiziere, die in der Zitadelle von Bastia auf Korsika kriegsgefangen sitzen.

Viktor dreht den Kopf nach rechts. Da steht dicht an seinem Bette ein schmales Tischchen. Eine rot­weiß gewürfelte Decke verbirgt dem ersten Blick, daß es aus Kistenbrettern roh zusammengezimmert ist. Auf einem Steingutteller liegt eine halbe Me­lone, das innerste saftige Fleisch ist mit einem Löffel ausaekratzt.

Aha, so war's Natürlich. Die Melone erinnert Viktor daran, daß sie heute nachmittag geimpft wor­den sind. Immer wieder werden sie in der letzten Zeit geimpft, gegen Malaria, gegen Sumpfffeber, gegen Typhus wie Versuchskarnickel Heute haben sie eine ganz besonders starke Dosis in den Rücken

gespritzt bekommen. Viktor kaufte gleich beim Me> stizen unten an der Kantine eine Melone, die et mit Solterbeck zusammen vertilgen wollte; sie sollte ein kleines Abwehrmittel gegen Uebelkeit und Fie« ber sein. Aber während er seine Hälfte noch gierig auslöffelte, hat ihn das Fieber gepackt und mir nichts dir nichts umgeworfen. Der öde Kasernen« raum verschwamm mit seinen anderthalb Dutzeno Offfzieren darin und verwandelte sich in den fest« liehen Spiegelsaal des Mannheimer Offizierkafinos. Was vor drei Jahren Wahrheit gewesen war, wie­derholte sich als ungewöhnlich klarer Traum, deffen Bilder jetzt noch lebendig in ihm leuchten.

Thea ...! Sie ist ihm ganz nah. Er schließt die Augen, legt den Kopf auf die Seite, und preßt das mit derbem Seinen bezogenen Kopfpolster gegen das Gesicht.

Ach, mein Gott ...!" Es ist ein inbrünstiger und zugleich gepeinigter Seufzer. Viktor Gienant ist noch sehr jung, vorletzten Monat ist er oierundzwanzig geworden.

Als er die Augen wieder öffnet, trifft sein ver­schleierter Blick den schmalen Spalt abendblauen Himmels. Es ist der Himmel über dem Mittelmeer. Zauberische Worte erklingen in ihm: Cote d'Azur,. Rapallo, Nervi, Nizza, Monte Carlo! Aber es ifl nur ein schmaler, unerreichbarer Spalt, der den Zauber weckt. Das große Fenster in der einen Schmalseite des Kasernenraumes nach dem Meer zu ist bis zu vier Fünfteln mit einer dicken Holz« blende verkleidet. Zum Ueberfluß sind auf der In­nenseite auch noch fingerdicke Eisenstäbe angebracht,, obwohl eine Flucht aus dem obersten Stockwerk ber auf einem senkrecht auffteigenden Felsenhugel er­richteten Zitadelle völlig ausgeschlvffen ist.

Das Fenster in der anderen Schmalseite hat weder Holzblende noch Eisengitter. Es geht auf einen kleinen, von alten grauen Gebäuden umstan­denen Innenhof der Zitadelle.

Vom Hof herauf bringt durch das offene Fenster eine Stimme die Namen verliest, und andere Stimmen, die daraus antworten.

Leutnant Rettensmann!"

Hier!"

Leutnant von Klinkowsttöm!"

.^)ier!"

Oberleutnant von Hayden!"

--Hier!" (Fortsetzung folgt.)'