Ausgabe 
26.4.1940
 
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gen von Salat und Spinat herankommen, und auch die Treibhauserzeugnisse gewinnen durch die Preis­herabsetzung für eine Reihe von Erzeugnissen immer mehr an Bedeutung. Ergänzt werden die Lieferun­gen durch italienischen Blumenkohl und durch hol­ländische Gurken und Schwarzwurzeln.

*

** Beförderungen Befördert wurden mit Wirkung vom 1. April der Sanitäts-Unteroffizier Karl Burger zum Sanitäts-Feldwebel, die Sani­täts-Gefreiten Willi chexamer und Hans Stein­bach zu Sanitäts-Unteroffizieren.

** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Woche vom 12. bis 18. April wieder gegen eine Anzahl Verkehrssünder ein. Vier Kraftfahrzeug- sichrer wurden zur Anzeige gebracht, in 6 Fällen erfolgte gebührenpflichtige Verwarnung. Sonstige Fahrzeugführer wurden 11 zur Anzeige gebracht und 18 gebührenpflichtig verwarnt. Besonders hoch ist die Zahl der in der genannten Woche gebühren­pflichtig verwarnten Radfahrer, deren 41 den Geld­beutel zücken mußten; 3 Radfahrer wurden zur An­zeige gebracht. Auch 6 Fußgänger wurden gebüh­renpflichtig verwarnt.

Aus -er engeren Heimat.

Leichenfund im Walde.

* Lich, 25. April. Im Walde in der Nähe des Albacher Hofes fand man am heutigen Donnerstag­morgen die Leiche eines Mannes an einem Baume hängend auf. Die Ermittlungen ergaben, daß es sich bei dem Toten um einen Mann handelt, der schon seit Mitte Februar vermißt wurde. Vor einigen Wochen hatte man einige hun­dert Meter von dem jetzigen Fundort entfernt ein herrenloses Fahrrad im Walde aufgefunden, sich da­mals den Sachverhalt aber nicht erklären und auch den vermißten Mann nicht finden können. Es han­delt sich, wie die Untersuchung ergab, um einen Selbstmord.

Landkreis Gießen.

* Großen-Linden, 26. April. Die Gesellen­prüfung im Frieseurhandwerk bestand Ernst Gün­ther. Obermeister W. L o tz (Lich), überreichte ihm ein Ehrengeschenk der Friseur-Innung Gießen für die beste Leistung bei der diesjährigen Prüfung. Günther hat bei dem Herren- und Damenfriseur­meister Ludwig Krauskopf in Großen-Linden gelernt.

Kreis Friedberg.

= Münzenberg, 25.April. Viel später als in früheren Jahren ist jetzt ein S t o r ch e n p a a r bei uns angekommen und hat auf dem Turm der ehe­maligen Stadtmauer das Nest bezogen. Schon kurz nach dem Eintreffen ging Freund Adebar daran, die notwendigen Ausbesserungen am Horst vorzu­nehmen, und man konnte beim Beobachten nur den Fleiß bewundern, den die Tiere dabei an den Tag legten. Sie finden genügend Nahrung bei ihren Ausflügen in den nahen Wiesengründen des Wetter­tales. In früheren Jahren befanden sich hier und in dem unweit gelegenen Trais-Münzenberg noch drei bewohnte Storchenhorste. Leider ist nur noch das eine Nest auf dem Turm der alten Stadtmauer seit einigen Jahren besiedelt.

Fernsehortsverkehr für Frankfurt.

Lpd. Frankfurt a. M., 25. April. Nach Ber­lin, Leipzig und Hamburg wird nunmehr auch in Frankfurt a. M. der Fernsehortsverkehr eingeführt werden. Unabhängig von den später zu errichtenden Fernsehstuben für den Fernsehbetrieb, wird jetzt schon der Fernsehsprechverkehr innerhalb des Frankfurter Stadtbezirks eingeführt. An zwei zentral gelegenen Punkten der Stadt, auf dem Hindenburg-Platz in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs und in der Schillerstraße bei der Hauptwache, hat die Reichspost bereits die Räume gemietet, in denen die Fernsehsprechstellen einge- gerichtet werden. In jeder der beiden Zellen ist ein Fernsprechapparat und darüber in Augenhöhe des Sprechenden ein Rahmen angebracht, in dem das bewegliche Bild dessen erscheint, der in der anderen Zelle spricht. Der Sprecher, der z. B. an der Haupt­wache mit seinem Partner am Hauptbahnhof spricht, wird während des Sprechens unter starker Beleuch­tung ausgenommen und dieses laufend aufgenom- mene Bild erscheint im Sehrahmen der Zelle am Hauptbahnhof, während er in dem Sehrahmen der Zelle an der Hauptwache das Bild seines mit ihm sprechenden Partners sieht. Beide können sich also gleichzeitig sehen und sprechen. Die Apparaturen sind bereits fertig. Zur Zeit werden noch die Räume für die neuen Zwecke baulich umaestaltet. Dann werden die Apparaturen eingebaut, so daß noch im Laufe des Sommers mit der Inbetriebnahme zu rechnen ist.

Todessturz aus dem Fenster.

Lpd. Frankfurt a. M., 25. April. Im Stadt­teil Sachsenhausen stürzte Donnerstag morgen eine Frau beim Hantieren am Fenster, wobei sie auf die Fensterbank steigen mußte, auf die Straße. Die erlittenen Verletzungen waren so schwer, daß der Tod alsbald einttat.

SJLtfport

Hauptversammlung des Turnvereins Grünberg.

Am Mittwochabend hielt der Turnverein seine Hauptversammlung im HotelHirsch" ab. Vor Ein­tritt in die Tagesordnung wurde das Andenken des verstorbenen langjährigen Vorstandsmitgliedes Earl Schmidt geehrt. Vereinsführer Wenzel begrüßte Ortsgruppenleiter Schütz und gab dann einen Jahresbericht, der durch die Berichte der ein­zelnen Fachwarte ergänzt würde. Der Turn- und Spielbetrieb erfuhr durch den Krieg eine Unter­brechung. Bis jetzt konnten nur vereinzelte Turn­stunden abgehalten werden. Die Jugenomannfchaft hat wieder mit dem Spielbetrieb begonnen; sie er­ledigte im Jahre 1939 11 Spiele: 6 gewonnen, 1 unentschieden und 4 verloren mit einem Torver­hältnis 36:27. Von der aktiven Mannschaft sind die meisten Spieler eingezogen. Einen guten Verlauf nahm das am 19. und 20. August 1939 hier abge­haltene 1. Bundesfest des NSRL. Kreises 8 (Gießen). Auf den Turnverein entfielen dabei 16 Siege, darunter 2 erste im Schwimmen und ein erster in der Leichtathlettk der Frauen. Die von Kassenwart Ehr. S ch m a d e l vorgettagene Jahres­rechnung zeigte eine Einnahme von 4627,72 RM. und eine Ausgabe von 4383,02 RM., sodaß ein Kassevorrat von 244,70 RM. verblieb. Der Stand der Schulden verringerte sich in 1939 von 33 325 RM. auf 32 824 RM. Die Prüfung der Rechnung ergab keine Beanstandung, sodaß dem Kassenwart

Entlastung erteilt wurde. Ms Kassenprüfer für 1940 und 1941 wurden Otto Matthies sen. und Heinrich Robert bestimmt.

Der Vereinsführer verlas dann die neue Ein­heitssatzung des NSRL. und gab Erläuterungen hierzu. Die Satzung wurde in der vorliegenden Form angenommen. Die Versammlung faßte dabei auf Vorschlag des Vereinsführers den Beschluß, den NamenTurnverein Grünberg" umzuändern in den NamenTurn- und Sportverein G r ü n b e r g". Es soll damit zum Ausdruck ge­bracht werden, daß außer dem ursprünglich be­triebenen Turnen auch die übrigen Sportarten im Verein gepflegt werden sollen.

Bezüglich der Bestellung des Vereinsführers wurde von der Versammlung der seitherige Ver­einsführer in Vorschlag gebracht. Ortsgruppenleiter Schütz gab seine Bestätigung hierzu. Der Vor­schlag geht zur weiteren Bestätigung an die Führung des NSRL.

Der Vereinsführer gab noch bekannt, daß der Verein über V2 Zentner (alte Bleirohre u. a.) zur Metallspende abgeliefert habe. Am Himmelfahrtstage soll ein Turngang stattfinden. Mit dem Gruß an den Führer wurde die Versammlung geschlossen.

Handball-Entscheidungsspiel Hochelheim Anspach.

Das Hauptinteresse im Handball konzentriert sich auf das am Sonntag in Butzbach zur Durchführung

gelangende Entscheidungsspiel zwischen den beiden Mannschaften von Hochelheim und Anspach/Ts. Dieses Spiel wird endgültig darüber befinden, wer nun eigentlich Sieger und damit Teilnehmer an den Endkämpfen um die Bereichsmeisterschaft wer­den wird. Die bereits abgewickelten Spiele sind ausgewertet. Danach müßten eigentlich irgendwelche Rückschlüsse möglich sein. Wie fehl am Platze das aber ist, beweist mehr als deutlich das Ergebnis des Rückkampfes am vergangenen Sonntag. Es mag die Feststellung genügen, daß wir einen Kampf sehen wollen, in dem sich das wirkliche Können beider Gegner widerspiegelt.

Die Spiele um den Lahnpokal werden weiterge­führt. Es ist auch diesmal wieder mit ineressanten Ergebnissen zu rechnen. Es sind angesetzt:

Spvgg. 1900 Gießen Tv. Hörnsheim Tv. Dornholzhausen Tv. Holzheim Tv. Dutenhofen Tv. Garbenheim Tv. Münchholzhausen Tv. Atzbach Tuspo W.-Niedergirmes Tv. Nauborn

Tv. Launsbach Tv. Heuchelheim Mtv. Gießen Tv. Grohen-Buseck.

Die Mannschaft der Spvgg. 1900 hat am Sonn­tag nicht restlos überzeugen können. Sie wird auch diesmal wieder den kürzeren ziehen, wenn sie sich nicht entsprechend umstellt. Holzheim müßte eigent- lich gegen Dornholzhausen gewinnen, wenn man die letzten Ergebnisse berücksichtigt. Ein ausgegliche­ner Kampf ist in Dutenhofen zu erwarten, der sehr wahrscheinlich ein knappes Ergebnis zeitigcki wird. Münchholzhausen hat sich sehr gut hercmsge- macht und wird wahrscheinlich auch Atzbach keine Chance lassen. Wenn sich Niedergirmes nicht streckt, wird es eine weitere Niederlage auf eigenem Platz einstecken müssen. Gespannt sein darf man auf das Zusammentreffen von Launsbach und Heuchelheim, deren Können ziemlich gleichwertig ist. Ob sich Großen-Buseck gegen den augenblick- lich in guter Form spielenden Mtv. Giek-n behaupten können, steht dahin.

Wirtschaft.

Kreditgewährung und Arbeitsleistung der Banken.

Die in den letzten Wochen veröffentlichten Ab­schlüsse und Geschäftsberichte der Banken haben wieder das Schaubild von Milliarden-Beträgen ge­bracht. Es nimmt sich sehr stattlich aus, wenn man erfäyrt, diese Großbank habe etwa 650 000 Kun­den oder jenes Regionalinstitut weise für 100 Mil­lionen RM. ausstehende Wirtschaftskredite nach. Denn derartige Zahlen bestätigen die große Ar­beitsfähigkeit unserer Banken. Sie sagen aber noch nicht, welchen Gebrauch die Bankleitungen von den ihnen zur Verfügung stehenden wirtschaftlichen Ein­satzreserven gemacht haben.

Den interessantesten Nachweis über die inner­halb eines Geschäftsjahrs geleistete Arbeit geben die Angaben über die in diesem Zeitraum neu be­willigten und ausgezablten Kredite. Kreditumschlag und Kreditvolumen (also innerhalb eines Zeit­raums bewilligte und am Stichtage ausstehende Kredite) brauchen sich nicht immer zu decken. Ist in einer Wirtschaft eine gewisse Erstarrung einge­treten, ist gar dieses oder jenes wichtige Wirt­schaftsorgan erkrankt, dann stockt der Kreditum­schlag, und das Kreditvolumen bleibt unverändert. Die am Stichtage ausgewiesenen Ausleihungen ent­halten dann einen mehr oder weniger hohen Pro­zentsatzeingefrorener" Kredite.

Ganz, anders sieht es in einer Wirtschaft von blühender Lebenskraft, wie unserer deutschen Wirt­schaft aus. Der Kreditumschlag in einer solchen Wirtschaft ist rege, denn die Schuldner lösen ihre Verpflichtung pünktlich am Fälligkeitstage ein, sie brauchen die entliehenen Summen stets nur auf bestimmte Zeit, weil sie sich selbst eines gesickerten Zahlungseingangs erfreuen. Die Banken sind an­dererseits in der Lage, dank des ständigen Rück­flusses älterer Darlehen neue Ausleihungen vorzu­nehmen.

Die bislang vorliegenden Bankberichte weisen nun durchweg einen Höchststand des Kreditumschlags auf. Fast bei jedem Institut decken sich die im Laufe des Geschäftsjahres bewilligten Neuausleihungen mit der Debitorensumme am Bilanzsttchtag, es wer- den also nirgends überalterte Ausleihungen aus früheren Jahren mitgeschleppt. Die ausgewiesene Dibitorensumme repräsentiert also eine tatsächliche Arbeitsleistung unserer Kreditbanken, diesesitzen" nicht auf ihrem Ausleihungsstande, sondern arbei­ten aktiv mit ihm. Bei einer Reihe von Firmen sind die im Laufe des letzten Geschäftsjahrs bewil­ligten Kredite sogar höher als der Debitorenstand am Bilanzstichtag, der Kreditumschlag war also so rege, daß dieselbe Summe mehrmals ausgeliehen werden konnte.

Es gibt kein besseres Anzeichen dafür, daß sich die großen politischen Ereignisse ohne die gering­sten Erschütterungen des Wirtschaftsgefüges abge- fipelt haben, als diese Steigerung des Kreditum­schlags im ersten Kriegsjahr.

Nach den Bankbilanzen des Vorjahrs gewährten die privaten Kreditbanken rund 4,5 Milliarden Aus­leihungen an die Wirtschaft; die diesjährigen Bi­lanzen (1939), sobald sie lückenlos vorliegen, werden eine etwas höhere Ziffer ergeben. Dieser stattliche

Betrag ist in beständiger Zirkulation und übt seine befruchtende Wirkung ohne Stockungsunterbrechung aus. Dieser sehr positive Stand der Arbeitsleistung unserer Banken zeigt zugleich, welche Ausleihungs- reserven für die kommenden Aufgaben zur Ver­fügung stehen.

Wiederbefestigung am Aktienmarkt.

Materialmangel in Renten.

Frankfurt a. M., 25. April. Obgleich die Zu- rückhaltung an den Aktienmärkten noch nicht ganz gewichen ist, zeigte sie in der abgelaufenen Woche doch eine leichte Auflockerung. Die Abgaben, die ohnedies keinen besonderen Umfang erreichten und zudem meist aus schwachen Händen stammten, haben nahezu aufgehört. Seitens der Kundschaft und der Börse stellte sich in den letzten Tagen wie­der bescheidene Kauftätigkeit ein, zumal die Geld­marktlage nach wie vor außerordentlich fluffig ist und die Knappheit am Rentenmarkt das Interesse wieder auf Aktien lenkte. Neben den fortlaufend bekanntwerdenden günstigen Abschlüssen aus . der Industrie, die vielfach mit kleinen Dividenden er- -Höhungen verbunden waren, fanden die Ausfüh­rungen von Reichsbankpräsident Funk auf der HV. der Reichsbank einen nachhaltigen Widerhall. Besonders beachtet wurden dabei die Darlegungen Über die Zinssenkung und die Tatsache, daß der Reichswirtschaftsminister die Grenze für die Kriegs­steuern in der Erhaltung der Produktionskraft und der Leistung der Wirtschaft sieht, und daß er ander­seits die Interessen der Sparer im Rahmen der Zinssenkung besonders gewahrt wissen will. So führten die kleinen Käufe zu einer Wiederbefesti­gung am Aktienmarkt, so daß bei vielen Papieren der größte Teil der letzten Rückgänge mehr als aus­geglichen wurde und auch im übrigen sich die Kurse auf leicht ansteigender Linie bewegen.

Größer als nach Aktten war die Nachfrage nach Renten. Im Vordergrund blieben Pfandbriefe, die nunmehr größtenteils den Stand von 101 v. H. erreicht haben. Aber selbst auf dieser Basis kann der Bedarf nicht befriedigt werden, und es bleibt mir der Ausweg der scharfen Repartterung. Wie stark die Nachfrage dafür ist, erhellt aus der Tat­sache, daß sogar zu 100 v. H. bereits gekündigte Liquidattonspfandbriefe wieder bei 102 v. H. an ge­langt sind; der Ueberpreis von 2 v. H. wird bereit­willig zugestanden, nur damit der Erwerber eines solchen Papiers auf Grund des Umtauschangebots in den Besitz von 4^proz. Pfandbriefen kommen kann. Rege begehrt blieben ferner Jnduftrie-Obli- gattonen und Stadtanleihen, ebenso wiesen eine Reihe von Länderanleihen kleine Kurserhöhungen auf. Sehr stark gefragt wurden weiterhin 4proz. Schatzanweisungen mit fünfjähriger Laufzeit, die neuerdings mit 99,40 verkauft werden. In 4^proz. Reichsschatzanweisungen verblieb hingegen Angebot, wobei offenbar gewisse Tauschoperationen aus zins- mäßigen Erwägungen mitsprechen. Angeboten wur­den aus unbekannter Ursache auch Reichsbahn-BA., die von 132 auf 128,25 v. H. abfielen. Steuergut­scheine konnten sich voll behaupten und teilweise leicht bessern, ebenso verharrten 4proz. Kommuncll- Umschuldung bei 99 v. H., während 4proz. Renten- ban^-Ablösung 0,40 v. H. gewannen auf 98,40.

Wirst du K rthafftn,ltna ?

Nomon von Markina Ikckartchelm

14 Fortsetzung (Nachdruck verboten!)

Der Wunsch nach schatttger Gartenkühle ist ver­gessen, obwohl das Blut nun doppelt heiß ins Ge­sicht steigt. Es ist aber gar nicht nötig, rascher zu laufen, Hermann wartet schon, biegt nicht zum Dorfe ab, wie es zuerst den Anschein hatte. Ja, er kommt ihr sogar ein Stück entgegen.

Lena? So ganz allein? Hat denn niemand Zeit für dich?"

Das macht nichts, Hermann", sagt Lena schnell. Muß ich mich nicht außerdem im Alleinsein üben? Ich werde in Ostpreußen kaum Gesellschaft finden, und mein Mann wird nicht immer Zeit haben!"

Die Helligkeit in Hermann Gräfes Gesicht ist er­loschen. Seine Augen schauen Lena an, als wollen sie sagen: Mußt du mich immer daran erinnern, daß du einem anderen gehörst?

Ich werde dich begleiten!" Er macht eine harte Bewegung, wie er sie immer macht, wenn es gilt, ein Hindernis aus dem Weg zu räumen.

Leider geht das nicht, Hermann, ich will auf das Schloß" Lena lächelt ihn bittend an.Ich möchte doch Rudolfs Braut kennenlernen. Wenn ich an euch alle zurückdenke, soll doch auch sie" Sie kommt ins Stocken, die eigene Unwahrheit ver­wirrt sie.

Wenn ich an euch alle zurückdenke", wieder­holt Hermann. Er streckt feine Hände rasch und fest in feine Joppentaschen.

Nun, dann kann ich ja auch ins Dorf hinüber­gehen, wie ich wollte." Lässig und mit einem Achsel­zucken ist das gesagt. Er wendet sich dem Kirchsteig zu.

Hermann!" ruft ihn Lena zurück.

Rasch wendet er sich zu ihr zurück. Sein Gesicht ist flammend rot.Laß nur, laß!" braust er auf. Es hat ja keinen Sinn!"

Hermann, warum wollen wir uns das Herz schwer machen? Wenn du so bleibst wie jetzt, bann muß ich ben Gräsehof sehr bald verlassen 1",

Es hat aber den Anschein, als rüttele Hermann wieder einmal an unumstößlichen Tatsachen.

Daß du nach Ostpreußen gehen muht, ist Un­sinn!" Lena prallt zurück. Hermanns Offenheit bringt sie um ihre Fassung. Sie ist wieder ratlos, wehrt sich verzweifelt gegen ihre Unsicherheit. Sie rettet sich schließlich in die Flucht.Ich habe keine Lust, mit dir darüber zu sprechen!"

Wenn sie Hermann nicht abweisend antwortet, verliert sie vollends die Fassung. Hermanns düstere Augen quälen sie. Söll ich ihm noch ein gutes Wort geben? Aber sie weiß, er ist keiner^ der sich mit Almosen begnügt.

Mit mir darüber sprechen, brauchst du nicht, Worte machen hat keinen Zweck!" Und damit ver­läßt er sie. Geht seines Weges, ohne sich noch ein­mal umzusehen.

Und nun steht Lena wieder da und weiß nicht, was sie tun soll. Ins Gräfehaus zurückkehren? Fast ist es, als riefe ein« (Stimme sie dorthin. Aber bann hat sie auf einmal Sehnsucht nach anderen Men­schen. Sie vergißt fast den Grund ihres Besuches im Schloß. Sie läuft sehr rasch den Weg über den Berg.

IN Plessen-Roda ist alles anders, als sie es sich gedacht hat. Schon der schmale Weg an der Park­mauer hat etwas Anheimelndes. Waldrebe und wil­der Wein fallen in dichten Büschen über das alte Gemäuer, das von einem Gartenhaus mit hohen spitzen Fenstern unterbrochen ist. Das Schloß, das mit seiner Hauptfront so mitten in die Landschaft hineinsieht, gefällt ihr sehr gut. Ueberhaupt atmet hier in dem mächtigen (Zutshof Luft, die sie braucht, di« sie wieder frei und sicher macht.

Ihr« ganze Liebe zur Landwirtschaft erwacht. War sie nicht auch einmal so wie jene junge Elevin, die inmitten der quirlenden Schafherde steht? So braungebrannt mit dem sonnegebleichten Blond­haar? Am liebsten wäre sie zu ihr gegangen und hätte ihr die Hand geschüttelt. Lachend steht das Mädel vor dem großen Gatter des Schafttalles Und läßt die Herde an sich vorüberziehen.

Sie wollen sich wohl den Park ansehen?" ruft ihre frische Stimme sie nach einer Weile an.Bitte, das Tor steht offen!"

Nach der Herrschaft fragen, kann Lena jetzt nickt. Sie muß sich mit dem munteren Mädel eine Welle unterhalten. Sie weih, es wird sie beruhigen, wird

ihr aus dem Geleise geratenes Gleichgewicht wieder in Ordnung bringen.

Die Herde ftt im Stall, das Gatter wird ver­schlossen. Lena steht vor dem jungen Mädchen, sieht ein feines schmales Gesicht. Jungenhaft glatt liegt das Haar um die schöne Stirn.

Prüchttges Gut", sagt Lena,und alles so fabel­haft in Ordnung."

,,Soltte auch der Kuckuck holen, wenn es nicht so wäre!"

Vergnügtes Lachen aus beiden Seiten.

Sie sind wohl mit Leib und Seele dabei?"

Das will ich meinen!" lacht die Elevin.Es gibt doch nichts Schöneres als so eine Landwirftchaft. Wollen Sie mal die Ställe sehen?"

Furchtbar gern! Ich bin nämlich vom Fach."

Hab' ich mir gleich gedacht! Also selbst Bäue­rin?"

Noch nicht ganz, aber bald! Vorläufig bin ich noch Gutssekretärin."

Die junge Elevin horcht auf und sieht Lena for­schend ins Gesicht.So, also Gutssekretärin! Alle Achtung!"

Na, na, nicht so schlimm ich habe auch mal so wie Sje angefangen, als Elevin."

Wie ich? Ach so, ja freilich! So fängt ja eine jede an!"

Das junge Mädchen bückt sich und hebt eine bunte Enten feder auf. Das feine Gesicht glänzt vor Heiterkeit.Also, dann bitte nähertreten!"

Zuerst der Kuhstall, dann die Pferde, zuletzt dfe Schweine. Natürlich müssen auch der neuartige Hühnerstall, die Milchkühe, das Leutehaus begut­achtet werden alles, alles.

Lena ist begeistert. Sie vergißt alles um sich her und ist eigentlich recht enttäuscht, als ein Motorrad auf den Hof knattert und ihr Nefte Rudolf absteigt. Sie wäre gern mit dem jungen Mädel noch eine Welle zusammengewesen. Aber nun muß sie ihr doch verabschiedend die Hand schütteln.Ich danke Ihnen sehr, es hat mich sehr gefreut, hier eine so nette junge Kollegin zu finden."

Hallo!" ruft Rudolf herüber.Da ftt ja die Tante Lena! Das ist großartig! Und ihr zwei habt euch offenbar schon sehr gut angefreunöet?"

Lena ist erstaunt über die vertrauliche Art, in der Rudolf die Elevin begrüßt. Dann macht sie ein Lachen auf deren Gesicht ganz irre. Ja. was ift,

denn das: der Junge und das Mädel Hand in Hand?

Nun, wie gefällt sie dir einverstanden, Tante Lena?"

Wie? Was? Ich verstehe nicht, ftt das ja ftt das Jutta?"

Der ganze Irrtum löst sich in eine große Heiter­keit auf.

,Sch ahnte es ja schon längst, daß du Tante Lena bist", schüttelt Jutta ihr die Hand.Diebisch hab' ich mich gefreut. War es nicht Liebe auf den ersten Blick?"

Lena wird glühend rot.Weiß Gott, das war es!" Sie ist auf einmal schwerfällig und steif und findet sich nicht ganz zu der neuen Nichte, die sie sich ganz anders vorgestellt hatte. Das Gewissen schlägt so heftig wie noch nie in ihrem Leben. Sie hat einen völlig fremden, wehrlosen Menschen be­schuldigt! Dieses gesunde prächtige Mädel sollte Ru­dolf zu gewagten Geldgeschichten verführt haben? Der ganze törichte Verdacht fällt in ein beschämen­des Nichts zusammen. Sie sieht Jutta und Rudolf, die Arm in Arm vor ihr stehen, noch immer un­gläubig an.

Glaubst du es immer noch nicht, daß sie es ftt? Wie hast du dir Jutta denn eigentlich vorgestellt?"

Offengestanden feudaler!" lacht nun auch Lena.

Aha, in Samt und Seide, onduliertes Haar, ge­lackte Fingernägel!" Jutta sieht an ihrer weißen Bluse, dem schlichten braunen Rock hinab.Und nun bist du natürlich enttäuscht!"

Natürlich, da ich selbst so eine Modedame bin!"

Man muß sich alles von der Seele lachen, so ftt es recht! Zwar wird es Lena noch oft an diesem Nachmittag heiß und kalt, wenn sie an den Zweck ihres Besuches in Plessen-Roda denkt. Sie muß viel gutmachen, aber es wird ihr nicht schwerfallen bei so einem Prachtmädel. Doch nun bedrückt sie das Rätsel um das verschwundene Geld doppelt schwer, die Geschichte wird immer undurchsichttger. 'Mitten im Gespräch taucht dann auch Hermanns düsteres Gesicht auf, seine brennenden Wort« wer­den wieder lebendig--

Nein, Lenas Stimmung ist an diesem Nachmittag nicht so heiter, wie es den Anschein hat.

(Fortsetzung folgt.)