Ausgabe 
26.4.1940
 
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Hr.98 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)

Zreitag, 26. April 1940

Gießener Anlagen im Frühlingsschmuck

wollen.'

fccm ein Wiedersehen, unvorhergesehen und darum besonders schön, sozusagen vor den Augen der, wenn auch wohlmeinenden, so doch neugierigen Oeffentlichkeit?

Nein, das tot er auf keinen Fall, schon um Inges willen nicht, chatte er so lange gewartet und waren die Überraschungen sowieso ganz anders ausge­fallen, als er sich gedacht hatte, kam es auf eine Stunde mehr oder weniger auch nicht mehr an.

Mit raschen Schritten ging Eberhard durch die inzwischen dunkel gewordenen Straßen, über denen ein zwar mondloser, aber sternenübersäter Himmel stand. Ein vergnügtes, jungenhaftes Lächeln fpielte um seinen Mund und er hatte es sehr eilig, nach chause zu kommen, sich die Schlüssel von Frau chan- sen zu holen und in die kleine Wohnung zu ge­langen, die Inge und er sich vor einem Jahr, kurz vor ihrer Hochzeit, eingerichtet hatten.

Drinnen, nachdem er abgelegt hatte, begann er ein Hetzelmännchen-Spiel und war gerade^ fertig, als seiner Meinung nach Inge kommen mußte. Er ging zur Dorsaaltür, öffnete sie einen Spalt breit und lauschte. Ob er lange gewartet hatte oder nur wenige Minuten er merkte es nicht. Und dann vernahm er plötzlich den bekannten, leichten Schritt, sah sie förmlich die Treppen hinaufeilen, horte, wie sie auf einer der letzten Stufen Halt machte, in ihrer Handtasche kramte und den Schlussel her­ausnahm. In diesem Augenblick knipste er das Flur­licht an und öffnete die Tür. ,

Fassungslos starrte Inge chn an, doch dann brach ein Jubelschrei aus ihr heraus und sie flog ihm

Gegenwärtig wird in unseren städtischen Anlagen an mehreren Stellen wieder eifrig gearbeitet, um ihnen zu einem guten Aussehen zu verhelfen. Un- ere Grünanlagen mit ihrem mannigfachen Dlumen- chrvuck, der mehrmals im Laufe des Sommerhalb­jahres gewechselt wird, sollen auch in der Gegen­wart sich so präsentieren, wie es für das Ansehen unserer Stadt notwendig ist.

Dor dem Stadttheater und vor der Uni­versität werden also ckuch in diesem Jahre wie­der die großen Zierblumenbeete angelegt, die wir aus den vergangenen Jahren in Erinnerung haben. Der Ludwigsplatz, der durch die Moderni- ierung des Verkehrs in unserer Stadt in seiner gärtnerischen Anlage keine Veränderung erfährt, wird ebenfalls wieder mit Blumen geschmückt. Die Rasenflächen, wie auch die Blumenbeete sind be­reits umgegraben worden, und es wird nicht lange dauern, dann wird sich der Ludwigsplatz wieder in chöner Farbenfreudigkeit darbieten. Für diesen Platz ist außerdem eine Ergänzung des gärtneri- chen Schmuckes vorgesehen. Nachdem es nicht mög­lich ist, die vor einiger Zeit beschafften Kugellampen erstrahlen zu lassen, sollen jetzt die für die Lampen erstellten Sockel dazu benützt werden, entweder große Blumenschalen aus Ton, oder schmucke Blu­menkästen zu tragen, die mit Geranien und Hänge­geranien gefüllt werden.

Die Blumen für alle diese gärtnerischen Anlagen wurden zum Teil in der Stadtgärtnerei herange­zogen, zu einem Teil werden sie auch in den hiesi­gen Erwerbsgärtnereien gekauft. Allerdings war es bisher nicht leicht, die notwendigen Mengen an Blumen pflanzen zu beschaffen, da selbstverständlich der Winter auch in den Gärtnereien Nicht spurlos an den Pflanzenbeständen vorübergegangen ist.

Einige Anlagenstücke, insbesondere am Luther­berg, wie auch am Hindenburgwall, bedürfen einer gründlichen Ueberholung. Zum Teil muß der Rasen neu angesät werden, da während der langen Win­terwochen überall da die Kinder rodelten, wo sich nur eine Neigung des Geländes dazu ausnützen ließ. Es werden also noch verschiedene Rasenstücke umgegraben und neu eingesät werden müssen.

Vorgesehen ist, daß auch in der Anlage am Hitlerwall die Grünflächen mit der Stein­einfassung versehen werden, wie sie bis jetzt am Hindenburgwall verlegt worden ist. Allein in der Anlage am Hindenburgwall wurden 2000 laufende Meter dieser Steineinfassung verlegt, die sich im Gesamtbild der Anlagen ausgezeichnet ausnimmt und viel sympathischer wirkt als die Draht- oder Eisenbandeinfassung, die wir gegenwärtig noch in

Nie Lteberraschung.

Don Marianne Weidenbach.

Bevor der Soldat Eberhard Becker die Treppen hinaufstieg, blieb er emige Sekunden im Hausflur stehen, um mit einer schon zur Gewohnheit gewo - denen Bewegung das Koppel gerade zu rucken, d e Mütze abzunehmen und ste nach emem Grlft Mlt gespreizten Fingern durch sein dunkles Haar wieder aufzusttzen und mit Schwung aufs rechte Ohr h er - unterzuziehen. Dann sprang er, klopfenden Herzens und zuletzt ein wenig atemlos, die Treppe hinaus bis zum zweiten Stockwerk. . n.

An her Wohnungstür. von der ihm em Metall schiw mit feinem Namen entgegenbhntte, lautete er. Dreimal, wie es bei ihnen üblich man Aber nichts rührte sich. Für alle Falle wiederholte das Klingelzeichen wiederum vergeblich.

Während er noch überlegte, wo I-'ne Frau fein könnte und fchon wieder weggehen w°llte um b Freunden nachzufragen, öffnete sich das Fenster der gegenüberliegenden Wohnungstur. nw«?"

MM, Sie wollen Sie zu Frau Becker^ vernahm Eberhard die ihm wohlvertraute Stimme °°ÄÄt. Frau Hänfen trat zur Dir hinaus. Und mit einem Male erkannte ste Eb ^,Wo kommen Sie denn her?-' fragte erregt und erstaunt und fuhr fort: "Weiß denn Ihre Fr davon? Sie hat mir doch gar nichts gesagt^

Ich habe Urlaub, Frau Hansen ist das nicht fein? Das hat sich so schnell entschieden, d ß

denn den Brief nicht

^.Welchen" Brief?", fragte Gerhard Verständnis- los.Was meinen Sie denn. daß

atb"itert"®arum denn? Davon weitz ich ja gar

entgegen. . , x.

Uebermütig geworden', weil ihm nun doch die Ueberraschung geglückt war, nahm Eberhard sie aus beide Arme hoch, drückte mit dem Rücken die Korri­dortür zu und trug sie mit Mantel und Hut, Tasche und Handschuhe in der Hand ms Zimmer.

Kleine, tapfere Postbeamtin, du! , flüsterte er zwischen Küssen und setzte sie dann behutsam auf ^Woher weißt du es denn, das mit der Post? Haft du meinen Brief schon bekommen? , fragte ste und sprang wieder auf. . ... ...

Nein, den Brief habe ich noch nicht; vielleicht ist er"iötzt gerade am Westwall angekommen Aber Frau Hansen hat mir alles gesagt. Ich> bm auch schon auf der Post gewesen und habe dich an Scha er neunzehn sitzen sehen bzw. du wußtest, daß ich Ur- ^Du ^Eberhard, du bist mir doch nicht böse, well ich" arbeite? Du mußt das verstehen: jetzt habe ich einen Pflichtenkreis und kann da heften wo öle Männer in der Heimat fehlen. Und bei der Urbeit vermisse ich dich nicht so, als wenn ich zu Hause

-- ) habt dir erst vor em paar

manchem Anlagenteil sehen. Steinmaterial für weitere 2000 Meter Einfassung liegt im Hofe der Bürgermeisterei an der Gartenstraße bereit. Das Material dürfte ausreichen, um die Anlagen am Hitlerwall damit auszustatten.

Bei einem Gang rund um unsere Gie­ßener Anlagen ist zu sehen, daß zwar schon manches zur Verbesserung geschehen ist, daß es aber für die nächsten Wochen noch viel zu tun geben wird. Immerhin: der Anfang ist gemacht. Am Stadttheater (gegenüber der Dresdner Bank) ist ein Rasenstück umgegraben und ein langes Blumenbeet angelegt und bepflanzt worden. Dor dem Eingang des Stadttheaters sind schmale Beete angepflanzt. Das große Rundbeet ist bearbeitet und harrt der Bepflanzung. An der Johannesstraße wird umge­graben. Vor dem Schwesternhaus nehmen sich gegenwärtig blühende gelbe Narzissen und Schlüssel­blumen sehr gut aus. Das Beet rings um das Lie- bigdenkmal (Hitlerwall) ist auch bereits bepflanzt. Im Goldfischteich gegenüber dem Landgericht herrscht reges Leben. Die Fische befinden sich anscheinend bereits in der Paarung und jagen sich im Wasser hin und her. Sie sind gut durch den Winter gekom­men. Während der kalten Jahreszeit wurden Löcher in das Eis geschlagen, Strohwische eingesteckt, so daß die Fische immer genug Luft hatten. Leider und erstaunlich früh macht sich bereits eine Wasserlinsen­art auf dem Teich breit und jeden Morgen ist ein Mann damit beschäftigt, die Linsen abzufischen, da­mit der Teich nicht allzu rasch unter einer grünen Schicht verschwindet.

In Rundbeeten hinter der Schillerschule (Werner- wall) blühen in kraftvollem Rot die Tausendschön­chen. Der Heyer-Gedenkstein an der Mädchen-Ober­schule (Wernerwall) ist von weißen Tausendschönchen umgeben. In der langgestreckten Anlage am Horste Wessel-Wall, entlang der Main-Weser-Bahn, wur­den Beete mit Nelken und Mahn angepflanzt.

Ueberall in den Anlagen wurden zum Teil neue oder neugestrichene Papierkörbe an den Bäumen be­festigt eine stille Mahnung an die Spaziergänger. Die vielbegangene Anlage zwischen Johanneskirche und Stadttheater beweist die Notwendigkeit dieser Papierkörbe sehr eindringlich.

Für dieses Jahr war ursprünglich vorgesehen, eine Reihe von Bäumen und Büschen mit Namens­schildern auszustatten, da in unseren Anlagen sehr viele Bäume und Büsche stehen, die als Seltenheiten zu betrachten sind. Durch verschiedene Umstände mußte diese Maßnahme, die sicherlich begrüßt wor­den wäre, aber zurückgestellt werden. N.

Tagen davon geschrieben, weil ich die Probezeit ab­warten wollte, um dich zu überraschen. Und denke nur: sie behalten mich und ich verdiene hundert-« fünfzig Mark monatlich!"

Inge strahlte voll Stolz. Eberhard nahm sie wort« los um die Schulter und drückte sie fest an sich, bis sie sich mit einem Male ftei machte, da ihr einfiel, daß sie sich um das Abendessen kümmern müßte. Nun aber zeigte sich der Erfolg des Heinzelmänn­chen-Spieles: die Fenster waren alle verdunkelt, der Ofen brannte hell, der Tisch war mit allem, was Eberhard hatte finden können, gedeckt und auf dem Herd summte das Wasser im Kessel.

So glücklich waren diese Menschen, daß die Freude kaum durch die Tatsache getrübt wurde, daß der Urlaub nur drei Tage dauerte.

M kann aber leider nicht frei bekommen, meinte Inge nun in selbstverständlich-ernstem Ton. Es gibt jetzt viel zu tun und es fehlen immer noch Arbeitskräfte."

In diesem Augenblick wuchs Eberhards Achtung vor seiner Frau, welche die Pflicht über das per­sönliche Wünschen stellte. Und er empfand jung, wie er noch war zum erstenmal in seinem Leben mit Bewußtsein und tiefer Dankbarkeit, wie sehr eine Frau, wenn es notwendig ist, über sich hin­auswächst und bei aller Weiblichkeit das war, was unter Männern als ,/ganzer Kerl" bezeichnet wurde.

Der Landesvater und die Lotterie.

Die erste Klassenlotterie in Preußen fand im Jahre 1703 statt. Damals wurden bte Lotterien von Privatleuten veranstaltet, die die Genehmigung des Landesherrn einholen mußten. Warum die Klassenlotterien von Friedrich L, dem ersten König Preußens, genehmigt wurden, zeigt die Be­gründung seiner Erlaubnis einer Lotterie im Jahre 1711 800 Taler von den Lotterieeinnahmen sollten der Parochial-Kirche zufließen. Außer diesem wohl­tätigen Zweck waren es aber noch folgende Grunde, die den König zur Genehmigung bewogen:1. So wird dadurch von fremden Oertern geldt m all- hiesiges Land gezogen, 2. kann Mancher, Der fon. ften nicht viel hat, dadurch, wann ihm daß Gluck woll will, Baldt vermögend und Reich werden, 3. genießet die Post die Zeit daß solche Lotterie währet mehr denn 300 Thaler an Porto vor Brieffe und Packete, 4. genießen auch einige Hand­werker was davon und wttd unterschiedliches con- sumiert." Mit anderen Worten: Die Lottenever- i anstaltung sollte nicht eigennützigen, sondern allge- : meinen Interessen dienen. Dieses Kel ist zur Tra- t dition geworden, die die lange Geschichte der Preu- ! ßischen und der Preußisch-Süddeutschen bis zu um, : serer Reichslotterie begleitet hat,

bau der von Tieren stammenden Nahrungsmittel", im Veterinär-Anatomischen Institut, Frankfurter Straße 94. Stadttheater: 20 UhrItalienischer Opernabend". Gloria-Palast (Seltersweg):Frau nach Maß". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Wir alle geh'n zum Polterabend." Oberhessi­scher Kunstverein: Ausstellung Walter Kröll (Gießen) von 17 bis 18 Uhr im Turmhaus am Brand.

Filme von unserer Kriegsmarine.

Am kommenden Sonntagvormittag werden im Rahmen einer Morgenveranstaltung im Gloria» Palast Tonfilme des Oberkommandos der Kriegs­marine vorgeführt werden. Dazu wird Korvetten­kapitän Corus einen Vortrag halten. Die Ma­rine-HI. Gießen wird die Darbietungen entsprechend umrahmen.

Italienischer Opernabend im Stadttheater.

Am heutigen Freitag findet im Deutsch-Italieni­schen Kulturaustausch ein Italienischer Opernabend im Gießener Stadttheater statt. Bei diesem Opern­abend wirken mit: Wanda Sorgi, Sopran von der Oper San Carlo in Neapel; Aldo Tamagni, Hel­dentenor von der Mailänder Oper; Domenico Ma- rabottini, der Inhaber des italienischen Staatsprei­ses 1937, Bariton von der Oper in Rom. Am Flü-

Noch immer war Eberhard wie benommen von i dieser Neuigkeit. Er hatte - marum, wußte er sich selbst nicht zu erklären fest damit gerechnet daß j Inge daheim wäre und ihm, dem überraschend Heimgekommenen, schon an der Tur um den Hals fallen würde. Nun war sie nicht nur nicht zu Hause, fandern sie arbeitete irgendwo

Frau Hansen, die eine gewisse Unentschlossenheit in seinem Gesicht sah, machte den Dorsch ag, fie wollte ihm den zweiten Wohnungsschlüssel, den Inge ihr ausgehändigt hatte geben. Doch er winkte ab Nur eines wollte er wissen: wo arbeitete seine Frau? Und als er erfuhr, daß sie an einem der Schalter des Hauptpostamtes saß, Der.ab^l^befcte sich schnell und rannte die Treppe f)mab, daß die Gasmaske auf seinem Rücken auf und ab sprang.

Unterwegs überdachte er noch einmal alles was er von Frau Hansen erfahren hatte. Eigentlich sehr tapfer öon Inge, fand er, und -in warmes, zart- licbes Gefühl für feine kleine und durchaus nicht kräftige Frau durchpulste ihn. Was hatte d,e Nach- barin doch von der Arbeitszeit gesagt? Um sechs Uhr nachmittags war Dienstschluß. Die Dämme­rung hatte schon eingesetzt und 'M Vorubergehen sah er an einer Normaluhr, wie spat es war und rechnete sich aus, daß Inge in etwa anderthalb dz^d"r'großen, Men Schalterhalle der Haupt­post fiel ihm die Menschenmenge auf, bis er daran dockte ' daß heute, am letzten Tag des Monats, immer besonders starker Verkehr auf der Post war. Ob wohl Ina- an einem der Schalter arbeitete, oor dem eine MenfchenMange stand? Er begann

inftematHd) mit der nuche rechts vorn Eingang. Aber fi- faß weder bei den Einschreibbriefen, noch bei den Rundfunk- und Telephongebuhren, den Nacknahme- und Postlagernden Sendungen und auch nick? an den Briefmarkenfchaltern. Schließlich kam er zu der Einzahlungsabteilung, vor der di- melften Menschen warteten. Hier sah er. die erst n Postbeamtinnen: ,unge und altere grauen in netten blauen Arbettsmanteln, die mit staunens

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5rauen eingestellt, und, ich kann Ihr-

Um eine solche Kraft zu entfalten, bedürf es selbst­verständlich kraftspendender Stoffe, denn von nichts kommt bekanntlich nichts. Und diese Kraft erwirbt sich der Maikäfer in seinem Dasein als Engerling. In diesem Lebensalter als kleinfingerlange und blei­stiftstarke Larve ist er genau so ein Nimmersatt wie als Käser. Und genau so, wie ihm als Käfer nur die zartesten Triebe unserer Waldbäume munden, betätigt er sich als Engerling drei Jahre lang als Feinschmecker von besonderer Art, dem nur die kräf­tigste Wurzelkost behagt. -

Die Gefräßigkeit des Maikäfers ist bekannt; die in manchen Jahren kahlgefressenen Wälder legen ein erschütterndes Zeugnis dafür ab. Dabei sind es nur knappe vier Wochen; was aber verzehrt nun erst ein Engerling in den drei Jahren, bis er sich verpuppt? Ein Wissenschaftler hat das einmal be­rechnet: es find etwa 1 Kilogramm Pflanzenstoffe, die er benötigt, um sich zu mästen. Nun muffen wir einmal rechnen: im letzten Maikäferjahr wurden durch amtliche Stellen mit Hilfe der Schulen und des Arbeitsdienstes allein in einem Gau über 30 000 Zentner Maikäfer gesammelt und getötet. Ein Maikäfer wiegt selten mehr als 1 Gramm das find auf 1 Kilogramm 1000 Maikäfer, auf 30 000 Zentner oder 1500 000 Kilogramm demnach 1500 Millionen Maikäfer. Ist es noch schwer zu errech­nen, welchen Wert an Futtermitteln und anderen ernährungswichtigen Pflanzenstoffen diese Mulio- nen Maikäfer in der Zeit ihres Engerling-Daseins vernichtet haben? 1500 Millionen Engerlinge haben 1500 Millionen Kilogramm oder 1 5(X) 000 Tonnen Pflanzenstoffe gefressen! Daß sich diese Sch^lings- arbett auf den Gesamtertrag auswirken mußte, be­darf wohl keines weiteren Beweises. Bei dieser Be-

Aus der Stadt Gießen.

Maikäfer flieg . ..

In diesen Tagen werden unsere Kinder wieder , kiefes alte Lied aus dem Dreißigjährigen Kriege : fingen, und wir Erwachsenen hören es gern, denn mit dem Maikäfer ist die lieblichste Zeit des Jahres angebrochen. Die Kleinen unterhalten in diesen Wochen einen schwunghaften Handel mit ihren Schätzen, die sie in durchlöcherten Zigarrenkisten oder mit porösem Papier bedeckten Einmacheqläsern verwahren. Genau wie wir einst. Denn der Mai­käfer ist nicht nur deshalb ein beliebter Käfer, weil feine Lebensbahn nur einen Monat umfaßt, er zeichnet sich auch durch (ein unterschiedliches Kleid aus, weswegen die Kinder ihm hohe Würden oder die Mitgliedschaft zu besonderen Handwerkszünften zusprechen. Da ist der sehr begehrteKaiser", dessen Halsschild metallisch blauschwarz schillert, dann kommt, allen Würden zum Trotz, derMüller", dessen Halsschild weißlich behaart ist, weswegen er, .besonders begehrt, meist nur gegen mehrereKö­nige" getauscht wird, denn dieser trägt zwar einen roten Halsschild, kommt aber zu häufig vor. Als gemeiner Mann" gilt derSchornsteinfeger", dessen Halsschild schwarz und der im ganzen dunkler ge­färbt ist. Er hat nur Reiz für solche Kinder, die noch keinen Maikäfer besitzen, sonst gilt er nicht als Tauschobjekt.

Wie kommt es, daß wir alle den Maikäfer so gern haben? Denn wir wissen doch, daß er von der Luft allein nicht lebt, sondern daß er in unseren Wäldern oft ganz erheblichen Schaden anrichtet? Vielleicht, weil er uns durch seine Kraft imponiert? Und in der Tat, er kann als Kraftathlet unter sei­nesgleichen gelten. Man nehme einmal einen Mai­käfer in die geschlossene Hand und beobachte, wie schnell er sich aus seinem Gefängnis herauszuzwän­gen weiß. Ein Wissenschaftler hat einmal ausge­rechnet, daß der Maikäfer mühelos das 18fache sei­nes Eigengewichtes hochzudrücken vermag. Wollten ipir es ihm gleichtun, müßten wir schon' eine Last von wenigstens 25 Zentner auf uns nehmen. Das ist erstaunlich, und öarilm werden wir verstehen können, wie es dem Maikäfer möglich ist, die meter- starke, oft sehr zähe Erdschicht zu durchstoßen, dis» ihn von seinem Maien- und Hochzeitsleben trennt.

rechnung aus einem einzigen Gau haben wir nur jene Engerlinge berücksichtigt, aus denen sich der Maikäfer entwickelte. Und nun noch die vielen, vielen anderen Engerlinge, denen die so nützlichen Tiere wie Maulwurf, Spitzmaus, Dachs und all die andern schon vorzeitig den Garaus machten. Und das ist eine erkleckliche Zahl, denn ein Maikäfer- weidchen legt durchschnittlich 30 Eier.

So hübsch und niedlich der Maikäfer also auch ist es hilft nichts: er ist ein Feind unserer Ernal)- rungswirtschaft, dem wir alle, vom Kleingärtner bis zum Großbauern, den Dernichtungskampf ansagen müssen. Die Werte, die er und seine Brut vernichten, sind nicht einmal annähernd zu schätzen, so groß 'sind sie. Darum muß es auch in diesem Jahre, und erst recht in diesem Kriegsjahre, heißen: Maikäfer sammeln und im kochenden Wasser töten! Soweit sie nicht als Futtermittel verwertet werden können, ergeben sie einen ausgezeichneten Dünger, weil sie sich als Engerling sofett" gefressen haben.

Vornotizen.

Tageskalender für Freilag.

Volkstümliche Vorträge und Vorlesungen der Ludwigs-Universität Gießen: 20.15 Uhr Vortrag von Professor Schauder überBau und Fem-

gel: Heinrich Göldner (Berlin). Es werden Arien, Duette, Terzette aus italienischen Opern zum Dor. trag kommen, darunter aus demBarbier von Sevilla" (Rossini),Mädchen aus dem goldenen Westen" (Puccini),Maskenball",Macht des Schicksals" undRigoletto" (Verdi). Außer Miete!

Treudienst-Ehrenzeichen

für Angehörige der Universität.

Der Führer hat den nachverzeichneten Angehöri- gen der Ludwigs-Universität Gießen das Treudienst- Ehrenzeichen für 25jährige Dienstzeit verliehen. Der Rektor überreichte den Beliehenen die Auszeichnung und sprach ihnen gleichzeitig Dank und Anerkennung der Ludwigs-Universität aus: Verwaltungs-Sekretär Wilhelin Gilbert, Verwaltungs-Sekretär Karl Her- genröther, Professor Dr. Keller, Maschinist Anton Koch, Bibliotheks-Inspektorin Elisabeth Melior, Ver­waltungs-Sekretär Heinrich Müller, Verwaltungs- Sekretär Karl Rau, Professor Dr. Reinwein, Pro- fessor Dr. Riehm, Präparator August Rück, Landw. Techniker Gustav Schlosser, Saatzuchtleiter Adolf Stoll, Laborant Karl Strauch, Verwaltungs-Sekre- tär Adam Uhrhan, Pförtner Adolf Weber.

Oie Verdunkelung der Treppenhäuser.

Der Reichsluftfahrtminister und Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat in einem Erlaß zur Verdunke­lung der Treppenhäuser Stellung genommen. Trep­penhäuser können durch Abblenden der Lichtaus, trittsöffnungen, ober durch Abblenden der Licht­quelle verdunkelt werden. Da das Abblendest der Lichtaustrittsöffnungen der Treppenhäuser mit gro­ßen Fensterflächen häufig schwierig ist, sind die Treppenhäuser im allgemeinen durch Abblenden der Lichtquellen verdunkelt worden. Das Ansteigen der Zahl der Unfälle in Treppenhäusern läßt er­kennen, daß diese Verdunkelung oft nicht sachgemäß durchgeführt worden ist. Es wird darauf hingewie­sen, daß die Treppenhäuser mit einer zum Zurecht- finden genügenden Helligkeit beleuchtet sein müssen. Die Lichtquellen sind so abzuschirmen, daß kein direktes Licht die Fenster trifft und daß bei Dun­kelheit und klarer Sicht aus 500 Meter Höhe für ein normales Auge Lichterscheinungen nicht wahr, zunehmen sind. In vielen Fällen wird die Aus- nutzung der Wirkung von Komplementärfarben für Zwecke der Verdunkelung Anwendung finden kön­nen, wobei sich Grün und Orange besonders be­währt haben.

Oie Dersorgungslage im Hhein-Main-Gebiet.

lieber die Versorgungslage im Bereich des Lain deserncchrungsamtes Hessen wird u. a. berichtet:

An Sen Vieh mär kten sind besonders die Auftriebe von Schweinen reichlich, auch Kälber sind genügend am Markt.

Die Milch erzeugung steigt weiter an, so daß auch hier, wie bei allen Fett arten, die Versorgung glatt von statten geht. Mitunter auftretende Minde­rungen der Butterqualität sind für die aus den Kühlhäusern ausgelagerte Ware bei Witterungs­wechsel nicht zu vermeiden.

Bei Eiern erfolgt zu den bisher ausgegebenen vier Stück eine weitere Zuteilung von drei Eiern, die voraussichtlich noch in der kommenden Woche erhöht werden kann.

In der K a r t o f f e l Versorgung steht ab 1. Mgi eine gewisse Verbesserung bevor, da dann die vom Reich durch Verträge mit den Erzeugern eingemie­teten Bestände teilweise herausgenommen werden. Auch die Bauern können nach dem Legen der Saat- ! fartoffeln ihre hierzu nicht gebrauchten Bestände , an den Markt bringen.

: Bei Gemüse» sind jetzt die ersten Lieferungen - von deutschen Spargeln erfolgt, die bald eine fühl- : bare Bereicherung des Küchenzettels ermöglichen - werden. Aus den Nachbargebieten des Rheinlandes - und der Saarpfalz werden nun auch größere Men-