Neue Verletzung der dänischen Neutralität
Llebergriffe englischer Flieger. — Englisches Dementi als Lüge entlarvt.
; .igelegt, was wohl besagen soll, daß man dank der intimen Kenntnisse der Absichten und Pläne Rey- nauds ihn für den Mann hält, der nun diktatorisch herrschen und eine verschärfte Kriegspolitik im Sinne der englischen Kriegsclique betreiben will. Es hat sich ja auch nicht verheimlichen lassen, daß er unmittelbar nach der für ihn höchst bedenklichen Kam- merabstimung eine Reihe von Telephongesprächen mit den englischen Kriegshetzern führte und daraufhin dann kurzerhand die Loyalitätserklärung seiner Minister schmiedete, die für ihn die Plattform seines weiteren Wirkens abgeben soll. Verhindert hat er damit aber die Kritik im eigenen Lager nicht, die überaus scharf ist. Es fragt sich nur, mit welchen Maßnahmen er dieser Kritik zu begegnen denkt. Reynaud, der auch von Kriegsauswertung träumt, wird sich darüber klar sein müssen, daß nach dieser Richtung hin irgendwelche Erfolge nicht mehr zu zeitigen sind.
Von deutscher Seite ist allen bisherigen Kriegsausweitungsplänen ruckartig der Boden entzogen worden, von deutscher Seite hat es zudem eine Reihe von Proben unserer Schlagkraft und Aktivität gegeben, die es ja schließlich auch waren, durch die es im englischen und französischen Lager regelrechte Revolte ersehe inungen gab. Sylt sollte jenes Del abgeben, das man auf die Wogen der Erregung goß, aber darüber find sich die Gelehrten in England und Frankreich doch schon einig, daß die Bombardierung von Dünen kaum ein zugkräftiges Mittel ist, um Schlappen wie die von Scapa Flow auszugleichen. Scapa Flow hat ja auch in England und ebenso beim französischen Bundesgenossen eine regelrechte Schockwirkung ausgelöst. Denn der Großangriff zeigte vor allem, daß die deutsche Luftwaffe ein überaus wirksames Kampfmittel ist. England hat eine doppelt so Hohe Anzahl von Flugzeugen nach Sylt geschickt, dort aber nur einen Schaden von 1700 RM. angerichtet. Nach vorsichtigen, eher noch zu gering bemessenen deutschen Schätzungen beträgt dagegen der Schaden der englischen Flotte durch den deutschen Fliegerangriff auf Scapa Flow rund 420 Millionen RM. Diese Schätzungen waren möglich, well man die Bausummen der bombardierten Schiffe kennt und weil man weiß, welche Typen mehr oder minder schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sind.
Man könnte die Dsterbilanz der Engländer und Franzosen noch in die Breite und Tiefe gehen lassen. Ein nicht unwesentlicher Passtoposten ist das geschei« terte finnische Abenteuer. Angenehme Df ter tage hat man also drüben nicht gehabt. Wie anders sieht es dagegen in Deutschland aus. Hier steht eine starke, lebenskräftige Nation, die ausgezeichnete Beweise ihrer militärischen Leistungsfähigkeit geliefert hat und auch weiter liefern wird und die vor allem von einem ungeheuren Selbstbewußtsein beseelt ist. Dieses Selbstbewußtsein ist der stärkste Grundpfeiler des Erfolges, um den man uns in Frankreich und Englcmo beneidet. Wir sind uns darüber klar, daß es in diesem uns aufgezwungenen Kriege noch harte Auseinandersetzungen geben wird. Aber ebenso weiß jeder deutsche Mann und jede deutsche Frau, daß am Ende dieses Krieges der Sieg Deutschlands steht und daß es keinen anderen als einen für uns siegreichen Aus gang des ebenso leichtfertig, wie verbrecherisch durch England und Frankreich vom Zaune gebrochenen „Vernichtungskrieges" gegen Deutschland geben wird.
Sechs englische Flugzeuge bei Sylt abgeschoffen.
Berlin, 25. März. (KHB.) Me wir zu dem englischen Alugzengangriff auf Sylt von zuständiger Seife ergänzend erfahren, sind an den nordfriesischen Inseln während der letzten Tage wiederholt Leichen und Trümmer englischer Flugzeuge angetrieben worden. Die Flugzeug- teile gehören zu drei Maschinen, deren Verlust beim britischen Angriff auf Sylt infolge der Dunkelheit bisher unbekannt geblieben war. Bereits in der Nacht vom 19. zum 20. März hatte die deutsche Flakabwehr von Sylt bei mehreren englischen Flugzeugen besonders starke Beschädigungen festgestellt, jedoch zunächst nur drei einwandfrei beobachtete Abschüsse melden können. Der bisher feststellbare Ge- famtverlust der Engländer beim Angriff auf Sylt erhöht sich nunmehr auf sechs Flugzeug e. Es ist anzunehmen, daß infolge starker Beschädigungen noch weitere britische Flugzeuge verloren gegangen sind.
Kopenhagen, 25. März. (DNB.) An der jütländischen Küste hat ein englischer Flieger am Samstagabend gegen 16 Uhr in sehr niedriger Höhe den Strand bei Nyminde Gab überflogen und Maschinengewehrfeuer auf eine Gruppe von fünf Zivilpersonen abgegeben. Diese Zivilisten befanden sich auf einem Jagdausflug. Es ist lediglich einem Glücksfall zu verdanken, daß niemand von den Kugeln des englischen Fliegers getroffen wurde.
Daß diese neue Neutralitätsverletzung ohne jeden Zweifel von einem englischen Flugzeug begangen wurde, geht auch aus einer amtlichen dänischen Meldung hervor, in der von einem „fremden Flie- ger" gesprochen wird, der als Nationalitätszeichen drei konzentrische Kreise gezeigt habe.
Aus weiteren Berichten ergibt sich, daß die Bewohner auf Holmslands Klit, der Landzunge zwischen dem Ringköbing-Fjord und der Nordsee, auf die erst vor wenigen Tagen bei dem mißglückten britischen Angriff auf Sylt von englischen Fliegern Bomben abgeworfen wurden, die erheblichen Sachschaden anrichteten, erneut durch das Erscheinen eines großen Kampfflugzeuges erschreckt wurden. Dieses Flugzeug tauchte aus dem Schneetreiben mehrere Male auf uno flog in weniger als 50 m Höhe über die Dünen hinweg. Man nimmt an, daß die Maschine eine Landung auf dem Eise des Fjordes versuchen wollte. Aehnliche Beobachtungen wurden in Nyminde Gab gemacht, wo eine Maschine ebenfalls mehrere Male erschien und über den Wiesen kreiste, bei denen die schon erwähnten Jäger dann mit Maschinengewehren beschossen wurden.
Von einem der fünf Teilnehmer der dänischen Jagdgesellschaft wird folgende Darstellung der Er- eignisse gegeben: „Wir waren auf Gänsejagd bei Gjödelen, als plötzlich ein Flugzeug auf uns niedergebraust kam. In dem Glauben, es wolle notlanden, winkte ick mit dem Arm, um den Flieger auf uns aufmerksam zu machen. Als er uns ganz nahe gekommen war, begann er zu unserer Bestürzung und unserem Entsetzen auf uns zu schießen. Gleich darauf verschwand er. Glücklicherweise war niemand von uns verletzt worden.
Dhne uns den Vorfall erklären zu können, wollten wir den Rückweg nach Nyminde Gab antreten, als die Maschine wieder auftauchte. Wir versteckten die Maschine wieder auftauchte. Wir versteckten uns schnellstens in den Binsen und im Heidekraut, offenbar so gut, daß der Flieger uns nicht entdeckte, obwohl er wieder ganz dicht über uns hinwegflog. Er verschwand dann, ohne zu schießen.
Unsere Vorsicht, etwas zu warten, lohnte sich, denn der Flieger kehrte kurz darauf nochmals zurück, flog über uns hin und drehte dann, wie wir sehen konnten, nach Süden ab.
Wir konnten dabei von neuem das Knattern seines Maschinengewehrs hören. Nachdem wir eine Viertelstunde gewartet hatten, machten wir uns von neuem auf den Weg zu unserem Hotel. Wir muhten unterwegs noch mehrmals Deckung nehmen, da der Flieger immer wieder zurück kam. Es dauerte etwa eine Stunde, bis er endgültig verschwunden war. In Nyminde Gab unterrichteten wir die Polizei. Es kamen Kriminalbeamte aus Barde hinzu, die einen Bericht aufnahmen."
Die zweite Masckinengewehrsalve, die die Jagdgesellschaft gehört Hatte, war, wie sich später herausstellte, auf einen Aalfischer gerichtet, der etwas südlich von den Jagern seinem Fang nach- ging. Auch er glaubte zunächst an eine beabsichtigte Notlandung des Flugzeuges. In Furcht, er könnte unter die Maschine geraten, ließ er sein Angelgerät im Stick und lief davon. Jrn gleichen AugeÄlick richtete die Maschine auch schon die Nase auf ihn zu und begann mit dem M G. zu schießen. Glücklicherweise verfehlten die Schüsse auch hier ihr Ziel.
Die Maschine war bei ihrem Angriff auf die Jagdgesellschaft nach der Schilderung eines anderen Jagdteilnehmers nur so hoch, daß man das Gesicht d e s MG. - Schützen genau erkennen konnte. Die MG.-Salve schlug um uns herum in den Sand." Auch dieser Jäger betonte, daß, nachdem die Fünf Deckung genommen hatten, das Flugzeug noch mehrmals ganz niedrig über sie hin- wegflog.
Die englische Gesandtschaft in Kopenhagen gab zu der neuen Ne utr a li t ä t s v er le tz un g
und dem Feuerüberfall auf die dänische Jagdgesellschaft ein Dementi heraus, das behauptet, daß ein englischer Flieger den Ueberfüll nicht aus- geführt habe. Dieses von vornherein unglaubwürdige britische Dementi wurde bereits nach wenigen Stunden als den Tatsachen völlig widersprechend widerlegt. Sowohl der dänische Polizeimeister von Ringköbing als auch der dänische Kriminalbeamte aus Darde haben als Ergebnis ihrer (Ermittlungen übereinstimmend fest gestellt, daß die Jagdgesellschaft und die Einwohner von Nyminde Gab am Rumpf des Flugzeuges, das die Jagdgesellschaft und den Aalfischer unter Maschinengewehrfeuer nahm, die rotweißblaue Kokarde und das Staffelzeichen „V. E." erkannt haben. Noch ein englischer Neutralitälsbruch.
Kopenhagen, 26. März. (Europapreß.) Die Verletzung der dänischen Neutralität durch ein englisches Unterseeboot, das in der Nacht zum Sonntag innerhalb der däni- schen Hoheitsgewässer den deutschen Kohlendampfer „Edmund Hugo Stin- n e s" versenkte, ist am Montag unserem Kopenhagener Vertreter von bestunterrickteter Stelle bestätigt worden. „Das Schiff liegt,, so wurde uns erklärt, „zwei Meilen von der dänischen Küste entfernt. Es ist möglich, daß es in halbge- sunkenem Zustande etwa hundert Meter abgetrieben ist, sodaß der Angriff etwa zwei Meilen und hundert Meter von der dänischen Küste entfernt erfolgte. Der Engländer kam von der Landseite".
Der bestinformierte Sprecher fügte dieser eindeutigen Erklärung hinzu: „Ich kann Ihnen Der- sichern, in diesen Gewässern ist etwas fällig. Die Engländer Hausen wie die Wilden".
Dänischer Protest in London.
Kopenhagen, 25. März. (Europapreß.) Der dänische Gesandte in London, Graf Reventlow, ist zum zweiten Male innerhalb der letzten 48 Stunden telegraphisch von seiner Regierung angewiesen worden, im englischen Außenministerium einen entschiedenen Protest wegen der neuen Verletzung der dänischen Neutralität und wegen dreier Maschinengewehr-Angriffe auf dänische Staatsangehörige zu erheben.
Dänischer Reichstag einberufen.
Kopenhagen, 25. März. (Europapreß.) Der dänische Reichstag ist unerwartet für kommenden Dienstag nachmittag 4 Uhr einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Ver- abfchiedung einiger Sondergesetze wirtschaftlichen Charakters. Gerüchtweise verlautet, daß darüber hinaus wichtige Beschlüsse in währungspolitischer Hinsicht zu erwarten seien.
öer Balkan bleibt neutral.
Englisch-ftanzösischeBlamagein Rumänien
Bukarest, 25. März. (DNB.) Nachdem die Plutokratie im Norden Europas mit ihrer Kriegspropaganda eine glänzende Abfuhr erlitten haben, konzentrieren sie jetzt ihre Agitation auf den Süd- often. Da ihre Sirenengesänge aber auch hier taube Dhren finden, greifen sie zu den übelsten Lügen und Verleumdungen. So hat Reuter am Karfreitag der Welt weismachen wollen, Deutschland habe an Rumänien ein Ultimatum gerichtet. Diese Tatarennachricht wurde natürlich prompt von Havas übernommen. Die rumänische Regierung hat diese Lü g e sofort als solche gebrandmarkt. Propagandaminister G i u r e s c u rief am Samstag sämtliche Bukarester Vertreter der Auslandspresse zu sich, warnte sie vor solcher Gerüchte- m a ch e r e i und erklärte, Rumänien werde im anderen Falle die notwendigen Konsequenzen ziehen. Hierzu verlautet, daß der Propagandaminister sofort nach Bekanntwerden dieser neuesten Brunnenvergiftung die Vertreter von Havas und Reuter zu sich rief und ihnen anheimstellte, ihre Lügenmeldüngen umgehend zu widerrufen oder innerhalb 24 Stunden Rumänien zu verlassen. Die beiden Vertreter der plutokratischen Hetzpresse zogen es kleinlaut vor, ihre üble Meldung zu wider r u f e n.
Wenn Englanb Enropa nenordnen würde
„Die Neuordnung Europas" ist nach der Ber- nichlung des Reiches eines der englischen Kriegs- ziele. Wie die Neuordnung nach englischen We- lhoden aussehen würde? Der Londoner „Lvening Standard" vom 27. Juli 1939 Hal das Wort:
„Großbritanniens Herrschaft und Schutz hat nirgends Glück gebracht. Die britische Flagge hat nirgends zu einem neuen und • besseren Leben geführt! Nachlässigkeit, Schande und Erniedrigung sind ihre Begleiter gewesen (und sind es auch jetzt noch). Wenn nicht in letzter Stunde etwas geschieht, um die Verbrechen der Vergangenheit wiedergutzumachen, so werden Mitglieder unserer Regierungen — Konservative und Sozialisten — von dem unbestechlichen Urteil der Geschichte der kommenden Jahrhunderte verdammt werden!"
Nicht erst eines kommenden, sondern schon dieses Jahrhunderts! Nun aber weiß jeder, wie die „Neuordnung Europas" nach britischem Wüster aussehen würde.
3u einem wahren Frieden Europas führt der Sieg über die plutokratie!
Englischer Lügner ausgewiesen.
Berlin, 25. März. (DNB.) Die rumänische Regierung hat sich, wie Havas aus Bukarest berichtet, entschlossen, den Korrespondenten der englischen Nachrichtenagentur Reuter in Bukarest, Dwell, im Zusammenhang mit den von ihm verbreiteten Lügenmeldungen über ein angebliches wirtschaftliches Ultimatum Deutschlands an Rumänien auszuweisen. Er mußte bereits am Sonntagabend Bukarest verlassen.
Russisch-iranischer Handelsvertrag unterzeichnet.
Ein Schlag gegen die britischen Umtriebe im Nahen Osten.
Teheran, 26. März. (DNB. Funkspruch.) Am Montag wurde in Teheran ein russisch-irani- scher Handelsvertrag abgeschlossen, der durch den iranischen Außenminister Aalam und den stellvertretenden Handelsrninister Vas- s i g h i einerseits, den Sowjetbotschafter Frlime - noff und den Leiter der Handelsvertretung Ale- xiow anderseits unterzeichnet wurde. Anschließend gab der Außenminister für den russischen Botschafter im Beisein des iranischen Ministerpräsidenten einen Empfang, bei dem herzliche Tischreden gewechselt wurden.
Die Presse feiert den Vertragsabschluß als glückliches Ergebnis der klugen und vorausfchauenden Politik des iramfcken Herrschers. Der Vertrag zeige den guten Willen der Regierung der beiden Nachbarvölker, die fteundschaftlichen Beziehungen fortzusetzen, die seit dem von Reza Schah Pablevi heraufgeführten Umbruch besteben. Angesichts der gemeinsamen Tausende von Kilometer langen Grenzen zwischen Iran und Rußland sei eine gute Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet unerläßlich. Die Dertragsunterzeichnung beende endgültig auch alle Gerüchte, Die in böser Absicht über die iranisch-russischen Beziehungen von interessierten Kreisen ausgestreut worden seien.
Vor Erkältung schützen Bei Husten nützen
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In Apothekenu.Drogeneno.5o
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Roman oon fjorfl Blotnatt).
16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
In seine düsteren Gedankengänge allzu sehr vertieft, hatte er nicht bemerkt, daß sein glücklicherer und wahrscheinlich auch tüchtigerer Schrittmacher an der gleichen Straßenecke, an der er selber vor einiger Zeit unschlüssig haltgemacht hatte, stehengeblieben war und sich suchend umschaute. Für ihn, den Doktor, war es zur Flucht oder zur Umkehr zu spät, obwohl er deutlich fühlte, daß der andere auf ihn wartete ... Diese Stimme noch einmal hören —? Dem Doktor zog sich der Speiche! zusammen.
Parker legte zwei Finger an den Hutrand, nach- dem er sich durch einen raschen Mick auf die Bügel- falten des Ankommenden davon überzeugt hatte, daß damit der Höflichkeit Genüge geschehen sei. „Verzeihung, Herr —!" Sein Atem Duftete angenehm nach Alkohol. ,Können Sie mir den nächsten Weg zum Lenbachplatz beschreiben?"
Der Doktor mußte einen fast unwiderstehlichen Zwang unterdrücken, „Immer links" zu antworten und den anderen auf diese Weise quer durch den Englischen Garten in Richtung Rosenheim-Wasserburg zu schicken ... Ausgerechnet Lenbachplatz! Angenehme Aussicht, den Kerl eine halbe Stunde lang vor sich zu sehen! Der Doktor war fest entschlossen, sich am nächsten Standplatz eine Droschke zu leisten ... „Da gehen Sie am besten mit mir , antwortete er in einem plötzlichen Einfall oon Galgenhumor, „ich habe nämlich die gleiche Richtung."
„Sehr freunblid) von Ihnen!" murmelte Parker, dem die Aussicht wenig verlockend erschien, an der Seite eines wildftemden Kerls eine halbe Stunde lang herzulaufen. „Wenn Sie mich wenigstens bis zum nächsten Droschkenhalteplatz führen würden —?"
Der Doktor biß sich auf die Lippen; er holte seine Zigaretten hervor und klopfte die Taschen vergeblich nach Zündhölzern ab. „Wenn Sie mir, bitte, Feuer geben wollen —
Parker zog die Streichhölzer, aus der Hojentajche und strich eins an,
In dem aufzuckenden Flämmchen sah der Doktor das Gesicht des anderen zum erstenmal deutlich. Ein verdammt gut aussehender Bursch! Ein Kerl, der genau so aussah, wie der Doktor sich einen Mann vorstellte, der auf die Frauen wie ein Magnet wirkte.
Sie gingen nebeneinander her, mit einem guten Schritt Abstand zwischen sich, wie um zu betonen, daß nur der Zufall sie in der gleichen Richtung führe. Der Doktor trug feinen Hut in der Hand; Parker hatte sich den hellen Mantel über die Schulter geworfen und pfiff leise vor sich her. Die Worte, die sie miteinander wechselten, waren spärlich und kamen wie aus der Medizinflasche getröpfelt.
„Sie sind fremd in München?"
,Za, heute zum erstenmal hier."
Lange Pause, in der Parker eine neue Zigarette an der alten anzündete und nicht recht wußte, ob er dem anderen eine anbieten soll ober nicht. Von den Knien an aufwärts sah der Mann eigentlich recht manierlich aus.
Auf der Leopoldstraße deutete der Doktor mit dem Kinn quer auf die andere Seite hinüber: „Droschken ..."
„Hm — danke. Ich möchte doch lieber laufen."
Der Doktor nickte, als hätte er dagegen nichts einzuwenden; aber irgend etwas am Tonfall seines Begleiters veranlaßte ihn, den anderen mit einem flüchtigen Seitenblick zu streifen. „Sie find Aus- länber?"
„Engländer ..."
„So!" sagte der Doktor; ganz kurz und fast ein wenig zischend.
Parker hob lauschend den Kopf. „Bitte —?" fragte er argwöhnisch, als hätte der Ton ihn an irgendeiner empfindlichen Stelle getroffen.
,Hch sagte nur: So, so!" bemerkte der Doktor etwas verkniffen und schnippte den Rest seiner Zigarette fort; sie flog wie ein roter Leuchtkäfer durch die Dunkelheit und landete in den Sträuchern eines Vorgartens.
Parker schien befriedigt zu fein. Er gähnte herzhaft und völlig zwanglos, ,,'tschuldigen Sie schon! Ich bin scheußlich müde; zwei Nächte auf der Bahn gesessen und heute gebummelt ..."
„Hoffentlich! haben Sie sich gut amüsiert?" knurrte der Doktor feindselig. — —
„Danke. Besser, als erwartet." Es klang 1)armlos und unverbindlich, als spräche er von einem zufriedenstellenden Geschäftsabschluß.
Der Doktor blieb stehen und streckte den Arm aus — so unvermittelt, daß Parker unwillkürlich blitzschnell den Hals einzog und die Hand aus der Hosentasche riß, als käme jetzt ein unerwarteter Hieb von oben.
„Immer geradeaus!" sagte der Doktor; es hörte sich an, als spräche er durch zusammengebissene Zähne. „Dann kurz vor der Feldherrnhalle rechts herein, ein Stück geradeaus und Hinterm Cafä Luitpold nach links — bann sind Sie an Ihrem Ziel ... Ich geh' noch ’nen Schnaps trinken. Gute Nacht!" Er knipste an seinen Hutrand, drehte sich kurz ab und ging quer über die Straße, wo die Dunkelheit ihn bald verschluckte.
Der Doktor steuerte um die nächste Ecke.
So ein verfluchter Kerl! dachte er erbittert. So was kommt nun über den Kanal daher, klappert mit Geld und muß unter allen tausend Mädels, die hier Herumlaufen, ausgerechnet--
Hm ... Möchte nur wissen, wie der Bursche das fertiggekriegt hat! Straßenbekanntschaft? „Hallo, Fräulein, möchten Sie nicht mal mit mir ins Kino gehen, wie? — Ausgeschlossen. Wird sicher von irgend jemand einen schönen Gruß ausgerichtet haben und dann eben--und so weiter — und
so weiter ...
Die Erwartungen aller Propheten auf einen baldigen Wetterumschlag hatten sich nicht erfüllt. Der Himmel spannte sich noch immer wolkenlos über der Stadt, die Augustsonne schmorte unerträglich in den Straßen, und der Föhn brachte überall jene Stimmung hervor, als läge irgendwo mit schon glimmender Zündschnur eine heimtückische Sprengpatrone verborgen.
Eine Ausnahme schien nur Renate Naumann zu bilden. Entweder war sie unempfindlich gegen die Tücken des Föhns, oder sie war so glücklich, daß Witterungseinflüsse ihre gute Laune nicht stören konnten.
Der Doktor blinzelte unwillkürlich verstohlen nach ihrer linken Hand, ob dort vielleicht die Ursache für ihr Strahlen zu entdecken sei ... Es wäre ja seit vorgestern ein bißchen rasch gegangen, aber immerhin, er kannte Fälle, in denen sogar die davon Betrogenen überrascht gewesen waren, wie
schnell so etwas manchmal doch geschehen ist ... Aber das war es nicht — noch nicht! setzte er in Gedanken vorsichtig hinzu.
Es kostete ihn Anstrengung, ruhig und gleich- mutig zu erscheinen. Dennoch entging ihr seine Nervosität nicht. Sie sah ihn aufmerksam an. „Sie sehen überanstrengt aus", sagte sie besorgt und herzlich, als verbände sie eine alte Freundschaft.
Der Doktor bewegte den Mund, als müsse er vor seiner Antwort noch rasch einen Bissen herum termürgen. „Hm — ja — vielleicht etwas wenig geschlafen in den letzten Tagen .. Viel zu tun .. 3n seiner Stimme lag etwas von dem morseartigen Tonfall, wie früher die Leutnants auf der Bühne sprachen.
„Und dazu der Föhn ..."
-Gewiß — gewiß ..." Er nirfte, zerstreut.
„Merkwürdig! Sonst leide ich mit Kopfschmerzen und bleierner Müdigkeit darunter — und dieses Mal verspüre ich nichts, nichts!"
„Sie sehen auch aus, als ob Sie in der Lotterte
en Treffer gezogen hätten", meinte er etwas verkniffen.
"?^Elich?" fragte sie mit einem strahlenden £04)61°. „Nun, es ist auch fast so. Denken Sie nur: M hübe vierzehn Puppen verkauft! An einem Tage!"
-Ach —!" rief der Doktor. Es war ein lang- gezogenes Ach, und es klang überrascht, als habe er etwas anderes erwartet. Und für einen Augenblick ftieg in ihm der Schimmer einer Hoffnung auf, vielleicht den Namen der Firma zu hören, bei der vor wenigen Tagen für die wunderbaren Re- nate-NaumanmPuppen so tüchtig die Lanze eingelegt hatte.
„Wie seltsam das Schicksal manchmal spielt!" fuhr sie kopfschüttelnd fort; sie schien ihr Glück noch immer nicht ganz begriffen zu haben. „Ein Englän- der, feit ein paar Tagen in München, kommt vorgestern m mein Atelier hereingeschneit ..."
„Ach!" stieß der Doktor zum zweiten Male hervor, aber jetzt kurz mit einem Kehllaut, als sei ihm bte Hülse einer Haferflocke in die Luftröhre ge-
„Ja, kaum glaublich, nicht wahr?" fragte sie arg- los.
»Haben Sie so gute Beziehungen zu England?" Fortsetzung folgt) - --


