Ausgabe 
26.3.1940
 
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!yv.3chrgang Nr.7Z

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vrühlsche UniversttätsbnrckerelR. Lange General-Anzeiger für Oberhessen Siehen^§chvlfiratze7-Y

jgjy Dienstag, 2b. Mär; ^0

Gietzener Anzeiger

Die Wehrmachtsberichte

Lustkamps über dem Dorseid

der Partei und des Reichsarbeitsdienstes das wohl­verdiente Ehrenzeichen, wobei der Oberbauleiter namens des Generalinspektors für das deutsche Straßenwefen, Reichsminister Dr. Todt, den Männern vom Westwall für ihren restlosen Einsatz und für ihre Opferbereitschaft den Dank der ^Hei­mat aussprach. Den Dank der Wehrmacht über­brachte der älteste General des Abschnittes. Auch er wies auf den tapferen Einsatz der Westwallarbeiter hin, auch manchmal unter feindlichem Feuer und auch dann, wenn ein braver Kamerad feinen Ein­satz mit feinem Leben und feinem Blut bezahlen mußte. Freudig gelobte der Sprecher der Westwall­arbeiter, daß sie auch für alle Zukunft bereit fein würden, sich voll und ganz einzusetzen auf dem ihnen zugewiesenen Platz zum Wohle des Vater­landes getreu den Anweisungen des Führers.

Am Nachmittag spielten Volksbühnen und ver­schiedene Landesorchester in allen Lagern der West­wallarbeiter. Die Veranstaltungen gaben ein ein­drucksvolles Bild von der Verbundenheit von Hei- mat und Front. Sie zeigten dem Westwallarbeiter, daß die Heimat an ihn denkt, daß sie ihm dankt für seine Tat, die die Heimat schützt vor jedem feindlichen Einfall.

erreichen ihn nicht mehr, er ließ sich von der Wolke verschlucken. Aber der schlaue Franzose hatte sich ver­rechnet: er rettete sich wohl für den Augenblick, hatte aber bereits am Ende der Wolke einen der An­greifer wieder hinter sich, diesmal fast über sich.

Der Heckschütze der Potez muß wohl doch d-urch einen der ersten Schüsse gefallen sein; das MG. im Heckstand des Franzosen ragt starr nach oben, kein Schuß fällt mehr daraus. In einer Steilkurve sucht der französische Pilot nach links zu entkommen. Es gelingt ihm nicht. Er fliegt genau in die MG. - Garbe des deutschen Jägers, der sich bis auf 40 Meter hinter ihm herangearbeitet hat, so dicht, daß die Einschläge deutlich zu erkennen sind. Jeder Schuß sitzt und reißt breite Löcher in Rumpf und Tragflächen. Die großen Splitter fliegen dem Deutschen fast gegen das eigene Flugzeug.

Dann stürzt die Potez auch schon, aber immer noch versucht der Pilot, sie wieder zu fangen. Es gelingt ihm nicht mehr. 400 Meter vor den vorder- ften deutschen Posten im Vorfeld des West­walles schlägt das Flugzeug auf. Eine riesige Stichflamme schießt aus dem Trümmerhaufen hoch. Hoch oben über der Absturzstelle fliegt der er­folgreiche deutsche Jäger ruhig seine Bahn mit den anderen weiter. Walter Herbert Hirsch.

schnelle Fortschritte, und jeder Partner bemüht sich offensichtlich, dem andern gefällig zu sein und Artig­keiten zu sagen. Die Belgrader Konferenz hat hier einen guten Anfang gemacht, und der Besuch des rumänischen Finanzministers Constantinescu in Sofia durfte auch auf wirtschaftlichem Gebiet eine starke Annäherung gebracht haben. Allerdings darf man nie vergessen, daß dem Warenaustausch zwi­schen den beiden Ländern schon durch die verwandte agrarische Struktur ein verhältnismäßig enger Rah­men gezogen ist. Bulgarien interessiert sich aber, wie der Nationalbankpräsident Guneff dieser Tage erklärte, außer für rumänisches Petroleum für Steinsalz, Zellulose und eine Reihe von Halb­fabrikaten, während Rumänien von ihm Minzöl, Reis und Steinkohle abnehmen könnte. Die Eisen­bahnfähre GiurgiuRustschuk, die nun endlich im Laufe dieses Jahres fertiggestellt werden soll, wird das lästige Umladen ersparen und einen Teil des Transitverkehrs auf Rumänien bzw. Bulgarien ziehen. Die Schwierigkeiten im Winter, wenn die Donau zufriert, werden dadurch allerdings noch nicht beseitigt. Aber es ist wenigstens ein verhei­ßungsvoller Anfang, dem vielleicht auch einmal in greifbarer Zukunft der Brückenschlag im rsal-verkehrstechnischen, wie im üb ertrage apoliti­schen Sinne folgen wird.

.25. März. (P. K.) Die kämpfende Truppe erlebte das Osterfest inmitten einer Landschaft, in der nach Wochen zähen Widerstandes der Winter nun doch endlich den Rückzug angetreten hat. In den Frontdörfern im freigemachten Gebiet hatte es vor den Feiertagen ein allgemeines Großreine­machen gegeben. Jeder Ortskommandant setzte alles daran, um Straßen und Häuser in Ordnung brin­gen zu lassen. Eine umfassende Entrümpe­ln n g s a k t i o n brachte große Mengen von Alt­material zusammen, das nun einer zweckdienlicheren Verwendung zugeführt wird. Soweit es irgend ging, wurde auch bereits mit der Felbbestel - lung begonnen. Die Männer der Organisation Todt sind eifrig bemüht, auf den großen Durch­gangsstraßen, die von Frost und Schnee angerich­teten Schäden zu beseitigen. Das Vorfeld bietet so ein Bild regsten Lebens. Die vordringlichen Ar­beiten erfuhren hier auch während der Feiertage keine Unterbrechung. Wie der Soldat auf vorge­schobenem Posten, war auch der Arbeiter mit Spa­ten und Hacken genau wie an jedem anderen Tage auf feinem Platz zu finden.

Für die Osterfreude hatte nicht zuletzt die F e l d - poft mit der pünktlichen Zustellung all der Karten, Briefe und Päckchen gesorgt, mit denen die Heimat ihre enge Verbundenheit mit der Front erneut be­wies. Die K a m p f t ä t i g k e i t erfuhr freilich auch in diesen Tagen keine wesentliche Unterbrechung. Feindliches Störungsfeuer, das hier und da auf­flackerte, wurde entsprechend erwidert. Die Späh­trupps unserer Infanterie fühlten auch in diesen vom Vollmond erhellten Nächten dem Gegner auf den Zahn und kehrten zum Teil mit wertvollen Erkundungsergebnissen zurück. Einer der Späh­trupps ließ es sich nicht nehmen, das Osterfest im Niemandsland mit den Kirch en glocken eines vom Franzmann geräumten lothringischen Dorfes einzuläuten, nachdem Kameraden des glei­chen Truppenteiles auf dem am weitesten sichtbaren Punkt des Ortes die Hakenkreuzflagge ge­hißt hatten.

Besonders eindrucksvoll gestalteten sich die Feld­gottesdienste, die für die abkömmlichen Mannschaften der vorn eingesetzten Truppenteile zum Teil im Freien, zum Teil in den Kirchen freigemachter Ortschaften abgehalten wurden. Während die Gedanken zu den Lieben in der Hei­mat gingen, mahnte die nahe Front doch an die Erfüllung jener Pflicht, die dem deutschen Soldaten heute über alles geht.

So wurde dieses Ostern an der Westfront für Hunderttausende deutscher Männer zu einem Er­lebnis, das ihnen erneut den tiefen Sinn ihres Einsatzes vor Augen führte und sie bestärkte im festen Glauben an den sicheren Sieg. Die Losung für morgen kann nicht anders lauten als die von gestern und heute. Cs tft jener Satz, der unsichtbar

Samstag.

Berlin, 23. INärz. (DJIB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3tn Westen keine besonderen Ereignisse.

Die deutsche Luftwaffe führte am 22. INärz trotz heftiger feindlicher Jagd- und Flakabwehr zahl­reiche Aufklärungsflüge über Frank­reich durch. An der Westfront flogen einige feindliche Aufklärungsflugzeuge in das deutsche Grenzgebiet ein. Lin englisches Flug­zeug wurde in der Gegend von Eleve durch ein Wesserschmitt-Jagdflugzeug in großer höhe ge­stellt und zum A b st u r z gebracht.

Am 22. Wärz und in der Nacht vom 22. zum 23.Wärz wurde die Verletzung neutralen Hoheitsgebietes durch feindliche Flug­zeuge mehrfach feftgeflellt, und zwar die Ver­letzung niederländischen Hoheitsgebietes um 12.22 Uhr, 22.31 Uhr und 23.14 Uhr, belgischen hoheits- gebiekes um 0.47 Uhr und luxemburgischen Hoheits­gebietes um 1.11 Uhr.

Sonntag.

Berlin, 24. Wärz. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gab am Sonntag bekannt:

,An der Westfront örtliche Artillerie- und Späh­trupptätigkeit. Die Luftwaffe führte trotz sehr un­günstiger Wetterlage Aufklärungsflüge über O st frankreich durch.

In der Nacht vom 23. zum 24. Wärz flogen zahl­reiche feindliche Flugzeuge nach Horbroeff- deutschland und in den Abschnitt Wosel- Rhein ein. Lin Vickers-Wellington-Langstrecken- flugzeug wurde durch Flakartillerie abgeschossen.

Beim Rückflug verletzte der Gegner in acht Fällen niederländischeshoheitsgebiet zwischen 22.45 Uhr und 2.45 Uhr.

Montag.

Berlin, 25. Wärz. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gab am Wontag bekannt:

Im Westen verlief der Tag ruhig. Die Luftwaffe setzte ihre Aufklärungstätigkelt über Frankreich fort.

Bei der Grenzüberwachung im Westen wurde im Luftkampf in Gegend Zweibrücken ein französi­scher Aufklärer von deutschen Jägern abge­schossen.

...... 26. März. (P.K.) Durch den strahlenden Himmel des Ostersonntagnachmittags fliegen Messer­schmitt-Maschinen Grenzüberwachung. Tief unten ziehen sich die Gräben des Vorfeldes, hier die deutschen, drüben die feindlichen. Keine Bewegung ist zu erkennen. In Ruhe liegen sich die Fronten gegenüber.

Die deutschen Flugzeuge ziehen ihre Bahn. Plötz­lich kommt die Meldung über ein feindliches Flugzeug. Blitzschnell wenden die beiden Ma­schinen und nehmen Kurs auf die Flugrichtung der feindlichen Maschine. Einige Wolken, die sich wie riesige Kulissen am Himmel ausbreiten, nehmen vor­läufig noch jede.Sicht. Da ist das Flugzeug! Eine französische Maschine vom Muster Potez63, die über den deutschen Linien kurvt und dann Kurs nach Osten, nach Deutschland nimmt.

Die Flak, die sie aufs Korn genommen hatte, stellt jetzt ihr Schießen ein, die deutschen Jäger nehmen die VerfolgunL auf. Vier Messer­schmitt-Maschinen sind es nun, die den Franzosen stellen. Sie zwingen ihn, tiefer zu gehen. Ver­dammt! Der Bursche kneift! Eine dichte Wolken­schicht vor ihm bietet Gelegenheit, sich die Verfolger vom Halse zu schütteln.

Die ersten Schüsse des nächsten deutschen Jägers

und doch jedem bewußt über der stählernen deut­schen Wacht im Westen steht: Bereit fein ist alles! Dr. Werner Lahne.

Ostern

bei den Westwall-Arbeitern.

Ueberreichung von Westwallehrenzeichen.

Am Westwall, 25. März. (DNB.) Ein Fest­platz inmitten der Höhenzüge des Pfälzer Waldes. Fahnenschmuck umsäumt den weiten Platz, auf dem am Ostermorgen in einem offen Viereck mehrere hundert Männer des Westwalles angetreten sind, um das W e st w a l l e h r e n z e i ch e n zu empfan­gen, nachdem sie mehr als acht Monate durch ihren Einsatz am Westwall dem Vaterland gedient haben. In Wind und Wetter haben sie in treuer Pflicht­erfüllung das gigantische Bollwerk aus Beton und Eisen mit errichten helfen, unter ihnen schon be­jahrte Männer, die in jugendlicher Begeisterung sich dem Vaterland zur Verfügung gestellt haben.

Mit Stolz empfingen alle diese Männer aus der Hand des Oberbauleiters D ü r s ch in Anwesenheit zahlreicher Offiziere der Wehrmacht und Vertreter

Osterglocken läuten im Niemandsland

Wie die Front die Feiertage erlebte.

Cine Brücke über die Donau

Don unserem Or. He.-Korrespondenien.

Nach Ostern.

In England und in Frankreich ist zum Osterfest eine politische Inventur durch geführt worden, zwat nicht unter dieser Spitzmarke, aber doch in so all­gemeinen Formen, daß sie auf das gleiche hinaus­läuft. Chamberlain hat es zwar verstanden, mit einem Theaterstreich die verstinzmten Abgeord­neten wieder etwas zu besänftigen. Der von ihm aus innerpolitischen Gründen gestartete Flug nach Sylt hat allerdings nicht das gewünschte Ergeb­nis gehabt. Glaubte man im ersten Augenblick, die britische Luftwaffe habe wirklich Lorbeeren nach Hause gebracht, so weiß heute ganz England, daß davon keine Rede sein kann. Die sofortige Einladung ausländischer Journalisten, sich auf der Insel Sytt und auf dem Hindenburgdamm selbst umzusehen und die durchaus nicht mit den britischen Siegesnachrich­ten übereinstimmenden Berichte dieser Journalisten sind drüben nicht ohne Echo geblieben. Die Lon­doner Regierung ist von allen Seiten bestürmt wor­den, wenigstens durch Photos zu beweisen, das mehr als nur zwei Häuser unbedeutenden Schaden er­litten haben. Aber diese Photos kann die Regierung nicht vorweisen, sie hat sich mit einer lendenlahmen Erklärung aus der Affäre zu ziehen versucht, damit aber die bereits stark ins Kraut geschossenen Zwei­fel nur noch verstärkt, daß wirklich nichts weiter geschehen ist als der Abwurf einer Reihe von Bom­ben ins Meer und in die Dünen, abgesehen von der Bombardierung dänischer Ortschaften, denen übrigens am Tag vor Ostern eine neue englische Neutralitätsverletzung gefolgt ist. Chamberlain wird sich also darauf einrichten müssen, daß die Ge­spräche über seine Kriegführung in England nach Ostern in verstärktem Maße fortgesetzt werden und daß man dann anfängt, auch gegen ihn scharf zu schießen. Churchill, der zwar selbst zu gern die erste Flöte spielen möchte, hat sich zunächst noch ver­anlaßt gesehen, in einer Art Osterbotschaft Ermun­terungsphrasen unter das englische Volk zu streuen, immerhin ein Zeichen dafür, daß drüben die Stim­mung keineswegs glänzend ist.

Auch beim französischen Verbündeten hat es zu Ostern eine Bestandsaufnahme gegeben. S al ab i er ist durch Reynaud gestürzt worden, Reynaud hat aber in der Kammer nur eine Stimme Mehrheit bekommen. Er hat bei dieser Abstimmung nicht ein­mal d i e politischen Gruppen voll auf seiner Seite gesehen, die Minister und Staatssekretäre in das neue Kabinett hineingeschickt haben. Aus diesem Ka­binett ist der Vertreter der Marin-Gruppe schon wieder ausgeschieden. Reynaud hat aber mit einem Winkelzug den schon im Pariser Rundfunk voraus­gesagten Sturz dieses Kabinetts zunächst aufgehalten. Er hat dafür bei den englischen Bundesgenossen lebhaften Beifall geerntet. Der Londoner Rundfunk hat ihm sogar den Titelfranzösischer Churchill"

der Gegensatz zwischen Bulgarien und Rumä­nien, ein Gegensatz, der um so bedauerlicher war, als es zwischen diesen beiden arbeitsamen Bauern- välkern keine inneren, natürlichen Gegensätze gibt. Fast schien es, als solle die Süddobrubscha, ein weder landwirtschaftlich noch industriell beson­ders wertvolles kleines Gebiet, bas die Rumänen sich 1913, als die Bulgaren sich der Uebermacht ber übrigen Balkanvölker erwehren mußten, genommen hatten, die Feindschaft zwischen den beiden Nach­barn verewigen und über kurz oder lang einmal zumcasus belli zwischen ihnen werden.

Zum Glück ist es anders gekommen. Der euro­päische Krieg hat die Intransigenz auf beiden Sei­ten gemildert und in beiden Völkern den Wunsch einer friedlichen Lösung dieser Frage wach­gerufen. Die Rumänen sind heute bereit, nach Be­endigung des Krieges am grünen Disch über bul­garische Forderungen zu verhandeln. Die Bulgaren andererseits geben sich mit dieser Zusage zufrieden. Nachdem dieser Streitfrage die Giftzähne ausge- brochen sind, macht die weitere Verständigung

Bukarest, Ende März 1940.

Anfang Februar wurde ein in Bukarest an- iissiger Deutscher von einem Geschäftsfreund aus Berlin, der eine Dienstreise auf den Balkan plante, im Mitteilung berbesten Eisenbahnverbinbung Mischen Bukarest und Sofia in beiben ! ichtungen mit Ankunft- unb Abfahrtzeiten sowie lmsteigestationen" gebeten. Also scheinbar eine ganz «nfache Sache, die man mit einigen Zahlen abtun l>nnte, und ber Berliner mag verwundert mit dem jcopf geschüttelt haben, als ihm die Antwort in Ge- fnlt eines längeren Exposes auf den Tisch gelegt t urbe. Darin stand etwa folgendes: Man kann ent» i ober mit dem Frühzug um 6.45 Uhr ober mit km Mittagszug 14.20 Uhr in Bukarest nach dem iirnänischen Donauhafen Giurgiu abfahren, innige Stunden später geht brüben, auf ber bul­imischen Seite, in Rustschuk, ein Zug nach bofia weiter, mit bem man dann unter Umständen i~n 20.50 Uhr bzw. am nächsten Morgen um 7.42 Ihr in der bulgarischen Hauptstadt eintreffen kann. Icmgekehrt gehen täglich zwei Züge von Soiia nach ! ustschuk ab, und einige Zeit nach deren Ankunft i Rustschuk brüben in Giurgiu Züge nach Buka-

itft weiter.

Das wäre ja ganz schön trotz ber vierzehn bzw. s«bzehn Stunden Reisedauer für die knapp drei­hundert Kilometer Luftlinie BukarestSofia, meinte hr Bukarester, wenn die Sache nicht einen Haken lütte: zwischen Giurgiu und Rustschuk flieht näm- 1 Ich b i e Donau, unb über sie kann man in biefer luhreszeit kaum hinüberkommen. Denn eine Brücke ilbt es nicht, unb ber Fährbampferbetrieb wegen ber Vereisung eingestellt. Solange \*r Strom fest zugefroren ist, kann man sich noch i Schlitten auf eigene Kosten und Gefahr hinüber- hren lassen. Aber jetzt, da das Eis anfängt zu i uen, ist es lebensgefährlich. Da lotsen todesmutige irischer diejenigen Leute, die unbedingt hinüber vollen, gegen gutes Geld in Booten zwischen den treibenden Eisschollen hindurch, schieben die Boote Mschendurch ein Stück über das Eis, um dann mch einiger Zeit die Fahrt im Wasser fortzusetzen, (in eiskaltes Bad ist dabei noch das geringste Ri- fro. Natürlich gibt es Tage, an denen das Eis- taiben so stark ist, daß diese Transportart unmög- lch wird. Man weiß also in dieser Jahreszeit nie, txmn man in Rustschuk ober Girugiu ankommt, ob nan nicht wieder umkehren muh. Außer diesem ^c-g gibt es noch bie schier endlose Strecke llmrch die Dobrudscha: BukarestCerna- wdaMedjidiaOboristeWarnaSofia. In bie» iim Falle fährt man um nach Südwesten zu I immen erst einmal genau nach Osten bis Med- jnia, bann nach Süden bis Bazargic, dann süd- restlich bis zum Grenzpunkt Oboriste, bann wieber südlich bis Warna unb schließlich in ostwestlicher Züchtung burch ganz Bulgarien hindurch bis Sofia, für diese Fahrt braucht man volle zwei Tage. &er ganz sicher gehen will und inzwischen nicht Dir Gram gestorben ist, muß von Bukarest nach Zselarad fahren und von dort in etwa ebensolanger Zeise über Nisch nach Sofia. Eine direkte Flugver- tmbung BukarestSofia gibt es nicht.

Wir haben die Möglichkeiten ober Unmöglich- titen einer Reise zwischen Bukarest unb Sofia so cassührlich geschildert, um bem deutschen Leser die Serkehrsverhältnisse des Balkans vor Augen zu führen. Der unbefangene Mitteleuropäer wird fra- a:n: Aber warum gibt es denn keine Brücke? 5n der Tat gibt es auf dem über 800 Kilometer ktngen Donaustück von Pancevo (kurz hinter Bel- giab) bis nach Cernavoba (in ber mittleren Do- biudscha) keine einzige Brücke, unb so kommt es, baß man für bie Reise zwischen ben Hauptstädten zweier Nachbarländer dreihundert Kilometer in ber Luftlinie im Sommer minde­st ns 14 bis 17 Stunben, im Winter aber minbe- st ns zwei Tage benötigt.

Seit Beendigung des Weltkrieges ist in regel- räßigen Abständen die Nachricht aufgetaucht, daß m Brückenbau von Giurgiu nach Rustschuk bem» n chst ausgeführt werde. Aber habet ist es auch ge= bl eben. Noch anläßlich ber Balkanbundkonferenz in Belgrad Anfang Februar dieses Jahres hat Außenminister G a f e n c u bas Wort geprägt, es ie leichter, im Flugzeug um bie Welt zu fliegen, als eine Brücke über die Donau zu schlagen. In ber Eit ist diese Frage in erster Linie keine finanzielle, onbem eine politische. Die jahrhundertelange Lurkenherrschaft auf bem Balkan hat nichts ge- tan, um dieses Gebiet verkehrstechnisch zu fördern. D>e kleinen nationalen Nachfolgestaaten des Os- imnenreiches wurden Spielbälle in den Händen iersüchtiger Großmächte, bie nach dem Grundsatz k eile unb herrsche!" ben einen gegen den anderen vsspielten. So entftanb jahrzehntelanger unoer- öynlicher Haß zwischen Nachbarvölkern, die doch in ih:-er rassischen unb sozialen Struktur einander so ähnlich waren.

3s ist fein Wunder, daß gerade in B uIg a» r > e n, das am schwersten von allen Balkanstaaten

Folgen dieser Kriege zu spüren bekam, bas xüietsmäßig am stärksten verstümmelt und am ämählichsten behandelt worden ist, sich ein starker «i visionismus im Sinne einer Wiedergutmachung le* erlittenen Unrechts geltend machte. Dieses tapfere ud fleißige Volk litt nicht nur wirtschaftlich, son- 5rn auch seelisch schwer unter seinem unverdienten Schicksal. Aber der gesunde bäuerliche Sinn dieses 3 l'kes hat sich auch nicht auf untätiges Schmollen M'tegt. Kluge Politiker, vor allem der K ö n i g, n annten die Notwendigkeit, daßErbfeindschaften" nffhörten, die keine waren. So kam, begünstigt auch hirch König Alexander von Jugoslawien, vor fünf ) ihren die Verständigung mit der sprach- und kul- u verwandten jugoslawischen Nation zu- kcmde. Auch die Annäherung an Griechen und dürfen machte, unbeschadet der bulgarischen An- p üche auf einen territorialen Zugang zum Aegäi- ien Meer, Fortschritte. Es blieb aber bis tief in les Jahr 1939 hinein ein fast unoersönlich scheinen-