Ausgabe 
25.9.1940
 
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Parteisekretär den nun erfolgten Rücktritt nahezu­legen. Dabei ist es nicht ohne Ironie, daß Roberts' Rücktritt mit geschäftlicher Ueberlastung begründet wird.

USA. über die Volks,üblung enffeht

Washington, 24. Sept. (Europapreß.) Die ersten, erschreckenden Eindrücke über die in der Ge­schichte der Vereinigten Staaten von Nordamerika einzigartige Verlangsamung des Bevölkerungszu-

Groteske Greuelmärchen.

Stockholm, 25. Sept. (DRV. Funkspruch.) Im Gegensatz zu den erfundenen Behauptungen Chur­chills, daß die Angriffskraft der deutschen Luftwaffe im Abflauen begriffen sei, meldet jetzt auch der Londoner Berichterstatter der argentinischen Zeitung Nation, daß die britische Bevölkerung mit wachsen­der Besorgnis die sich täglich steigernde Bombar­dierung der englischen Hauptstadt verfolge. Größte Skepsis, so schreibt das Blatt, würde den Regie- rungsverstcherungen über angebliche neue wirk­samere Abwehrmethoden entgegengebracht. Von die­sen Vertröstungen sei wohl lediglich der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen. Man sei allgemein der Ansicht, daß der Krieg bis zur völligen Vernichtung Englands geführt werde.

Angesichts dieses ständig zunehmenden Bombar­dements steht das Gespenst einer* ßanbung deutscher Truppen drohender denn je vor den Augen der gereizten und nervösen Bevölkerung. Mit der gewohnten Taktik der Lüge und Ver­tröstung versucht darum Churchill England bei der Stange zu halten. Dahin gehört auch folgende groteske Meldung des Londoner Nachrich­tendienstes:Die deutsche Jnvasions- flotte, die aus taufenden von Leichtern und kleinen Schiffen bestände, wurde aus den Häfen entfernt, und entlang der flandrischen Küste ver­ankert. Der Sonntag hätte die Flotte bereit ge- ehen, den Kanal zu überqueren. Aber durch die chreckliche Niederlage, die der Naziluftflotte zuge­fügt wurde 185 Maschinen (!!) seien in den schlachten über Großbritannien abgeschossen wor­den (!!) wären die Befehle zur Abfahrt gestoppt worden. Am Montag hätte dann ein Südweststurm durch den Kanal gefegt, der zu einer Todesfälle (I!) geworden wäre. Die deutschen Schlepper hätten ver­zweifelt versucht, die Schiffe in Sicherheit zu brin­gen; aber sie seien überrannt worden und 60 000 Soldaten seien ertrunken. (!)"

Vollkommene Solidarität der Achsenmächte.

ganges wurde durch das Studium der über das Wochenende veröffentlichten ersten Ergebnisse der Anfang des Jahres durchgeführten Volkszählung noch vertieft. Bekannte Sozivlogen bezeichnen das Ergebnis der Volkszählung als höchst bedenklich. Sie verweisen darauf, daß die fünf volkreich- ft en Staaten des Ostens und des Mittelwestens nur eine durchschnittliche Devölkerungszunahme von einem Fünftelder Zunahme in den zehn Jah­ren von 1910 bis 1920 zeigten.

Diese von A bis Z erfundene Schauergeschichte wird noch überboten durch eine Greuelmeldung, die offenbar von London aus in gewisse amerikanische Hetz- und Sensationsblätter gebracht wurde.N e w York Sun" veröffentlicht in großer Aufmachung den Bericht eines Passagiers des USA.=2)ampfer5 Exeter", der um Geheimhaltung seines Namens gebeten habe (!) und erzählt haben soll, daß min­destens 10 000 deutsche Soldaten bei den Lan- dungsmanövern ihr Leben verloren hätten (!). Viele Soldaten hätten den Gehorsam verweigert (!) und seien, wie er gesehen habe, gefesselt (!) und wag­gonweise nach Deutschland transportiert worden (!). Damit die Bevölkerung in den Städten sie nicht zu Gesicht bekäme, hätte man vorher Luftalarm (!) gegeben.

Abgesehen davon, daß diese Geschichte an sich so grotesk ist, daß kein vernünftiger Mensch sie glau­ben kann, wird sich die Welt an die alte Taktik Churchills erinnern, der im November vorigen Jah­res nicht müde würbe zu erklären, Deutschland habe den Versuch, Holland und Belgien in den Krieg einzubeziehen", längst aufgegeben. Um so überraschter waren England und nicht zuletzt Herr Churchill selbst, als der Führer irn Frühjahr an einem Zeitpunkt, den er für den richtigen hielt, den Absichten der Westmächte zuvorkam. Alles Rätsel­raten, alles Bestimmen von Terminen, alles Er­dichten von Schauermärchen, hinter dem Churchill seine eigene Unsicherheit, fein eigenes Bangen vor dem, was geschehen wird, verstecken will alles das ist zweck- und nutzlos. Es wird den Führer auch nicht im mindesten in seinen Entschlüssen be­einflussen. Den Zeitpunkt, wann der entscheidende Schlag gegen England geführt wird, bestimmt er selbst. Nur eines steht fest, das Wort, das der Führer in feiner Reichstagsrede am 4. September den britischen Kriegstreibern ins Stammbuch ge­schrieben hat, wird wahr:Beruhigt euch er kommt!"

Störungen ihrer inneren Wirtschaftsstruktur, Arbeitslosigkeit usw.

Aehnliche Erfahrungen machte die Türkei. Hier war es die englische Lieferunfähigkeit, die ganze Industrien der Türkei lahmzulegen drohte. A e - gypten zahlt die Abhängigkeit von England in seiner Baumwollausfuhr mit größten Versvrgungs- schwierigkeiten und mit einer Aufzehrung all seiner finanziellen Reserven. In der englischen westafri­kanischen KolonieGoldküste" mußten riesige Vor­räte von Kakao vernichtet werden, und die B a l - kanländer bezahlten die britische Aufkaufspoli­tik kriegswichtiger Rohstoffe um jeden Preis mit einer bedenklichen Steigerung ihres inneren Preis­niveaus, so daß zeitweise die Gefahr einer In­flation bestand. Ueberall rief das englische Kapital als Mittel der wirtschaftlichen Kriegführung schwere Störungen des Warenverkehrs und damit auch der Produktion hervor.

Freilich erstreckten sich diese Wirkungen zunächst nur auf den Außenhandel der neutralen Länder. Nun ist England prinzipiell zum System der Na- vicertblockade übergegangen und hat in dieses Sy­stem so gut wie alle Länder einbezogen, die über­haupt noch für einen überseeischen Handel in Frage kommen. Selbst die Philippinen müssen sich z. B. dem englischen Navicertsystem fügen. In diesem System liegt eine weitere Gefahr für die Wirt­schaft der neutralen Länder. Es ist ja bekannt, daß die britischen Konsulate, die die Unbedenklichkeits­bescheinigung zu erteilen haben, Einsichtnahme in die internsten Angelegenheiten der Betriebe ver­langen, ehe sie eine solche Bescheinigung erteilen. Uebelste Handelsspionage verbirgt sich in Wahrheit hinter diesem Navicertsystem. Die Länder, die sich auch heute noch den britischen Wünschen fügen, werden diese Bereitwilligkeit sehr bald mit ernsten Störungen der Wettbewerbsoerhältnisse auch in ihrem eigenen Lande bezahlen müssen. Das Gift der englischen Plutokratie wirkt zersetzend überall, wo man ihm, in falschem Glauben an das Bestehen einer längst verschwundenen englischen Macht, auch weiterhin Eingang öffnet.

Oer japanische Einmarsch in Jndochina.

Tokio, 24. Sept. (Europapreß.) Die Agentur Domei schreibt, die japanischen Truppen seien auf der Hochfläche 100 Meilen östlich von Hanoi angekom­men, nachdem sie einen Zusammenstoß mit indochine­sischen Patrouillen gehabt hätten. Der Generalgou­verneur von Jndochina hat einen Appell an die indo­chinesische Bevölkerung gerichtet, damit sie mit Ruhe das Militärabkommen mit Japan aufnimmt. Ad­miral Descux unterstreicht, daß das Militärabkom­men in keiner Weife die gebietsmäßige In­tegrität Französifch-Jndochinas antastet.

Die Tokioter Presse berichtet einstimmig, daß die Aktion in Uebereinstimmung mit dem französisch- japanischen Abkommen durchgeführt wurde und daß Japan keine Gebietsforderungen gegen­über Französisch-Jndochina habe. Die Machenschaf­ten Amerikas und Englands hätten ein früheres U eher eint am men verhindert. Japan fei entschlossen, eine Einmischung dritter Mächte mit entsprechenden Maßnahmen zurückzuweisen. Für die japanische Reaierung sei es eine absolute Notwendigkeit ge­wesen, in Französisch-Jndochina Truppen zu statio­nieren. Nun sei Japan in der Lage, einen entspre­chenden Druck auf Tschiangkaischek auszu­üben. Das Abkommen habe gleichzeitig die anti- japanische Stellung in Französisch-Jndochina be­seitigt, Japan werde das Uebereinfommen dazu be­nutzen, um mit der Lösung des Chinaproblems einen auf der Wohlfahrt aller beteiligten Länder aufgebauten gemeinsamen Lebensraum im Fernen Osten zu schaffen. Sollten dritte Mächte versuchen, diese Mission Japans zu verhindern, so werde Ja­pan solchen Aktionen zu begegnen wissen.

Demokratischer Parteisekretär in USA. zurückgetreten.

Washington, 24. September. (Europapreß.) Der demokratische Parteisekretär Roberts über­mittelte dem demokratischen Parteiausschuß sein Rücktrittsgesuch, das sofort angenommen wurde. Der Rücktritt Roberts', den diese mitprivaten Geschäften" begründete, stellt eine Auswirkung dar auf die kürzlichen Enthüllungen, wonach eine Roberts nahestende Konstruktionsfirma in den letz­ten zwölf Monaten vom Marinedepartement Honorare von nahezu einer Million Dollar für Konstruktionsgutachten be­zogen hat. Die Korruption war so kraß, daß Prä­sident Roosevelt selbst sich veranlaßt sah, dem

Berlin, 24. Sept. (DNB.) Nach Abschluß der Besprechungen in Rom hat Reichsminister von Ribbentrop beim Verlassen Italiens an den italienischen Minister des Aeußem Graf Ciano das nachfolgende Telegramm gerichtet:

Bei meiner Rückkehr nach Deutschland gedenke ich mit besonderer Freude und aufrichtigem Dank Jyrer herzlichen Gastfreundschaft. Es hat mich mit großer Genugtuung erfüllt, daß ich im Auftrage des Führers gerade in dieser Phase der Niederringung Englands wichtige Fra­gen der gemeinsamen politischen Zielsetzung und der zukünftigen Gestaltung und Siche­rung unserer Lebensräume mit dem Duce und Ihnen besprechen und hierbei wie immer die völlige Uebereinstimmung unserer Auffassungen feststellen konnte. Ich bitte Sie, Ihrem Duce meinen wärmsten Dank für den herzlichen Empfang und meine aufrichtigsten Gefühle zu über­mitteln. Mit meinem Dank an Sie, lieber Ciano, für Ihre Gastfreundschaft verbinde ich den Gruß an die Bewohner der Hauptstadt des Imperiums, die in so spontanen Kundgebungen ihrem Bekennt­nis zur siegreichen Politik der Achse Ausdruck ge­geben haben. In freundschaftlicher Verbundenheit Joachim Ribbentrop.

Der italienische Außenminister hat dem Reichs­außenminister mit folgendem Telegramm geant­wortet:

Ich danke Ihnen sehr, lieber Ribbentrop, für die Botschaft, die Sie mir am Ende Ihres hochwill­kommenen Aufenthaltes in Italien gesandt haben. Die Besprechungen, die Sie in Rom führten, haben wieder einmal in diesem historischen Moment die vollkommene Solidarität der Achsen­mächte und die absolute Ueberein ft im­mun g der Gedanken über die Neuordnung bewiesen, die der Führer und der Duce nach dem endgülligen Sieg unserer beiden Völker schaffen

werden. Ich bitte Sie, dem Führer meine ergebenen Gefühle zu übermitteln. Ihnen, lieber Ribbentrop, drücke ich meine lebhafte Genugtuung für die Re­sultate des Treffens von Rom aus uno sende Ihnen in kameradschaftlicher Freundschaft meine herzlichsten Grüße.

*

Zu dem Telegrammwechsel schreibt Corriere della Sera: In dieser knappen, aber bezeichnenden poli­tischen Kundgebung findet der kameradschaft­liche G e ist in der konkretesten und totalsten Weise seine Bestätigung, der die beiden Staatsmänner, die beiden Regierungen und die beiden Völker ver­einen. Weiter komme darin die volle Gleich­heit der Gesichtspunkte Italiens und Deutschlands hinsichtlich der Methode für die Weiter­führung des Krieges gegen England bis zum sieg­reichen Ende als Voraussetzung für die künftige Gestaltung Europas nach der Ausschaltung der englischen Vorherrschaft zum Ausdruck. England empfinde es, daß in Rom auch über fein Schicksal entschieden wurde. Es fühle, daß weitere Punkte jenes Programms festgelegt wurden, die die Befreiung Europas von der englischen Vor­herrschaft zum Ziele haben. Man begreife, daß der volle Erfolg der römischen Besprechungen den Kampf bis zum äußersten Ende gegen den noch übrig­gebliebenen Widerstand in Europa und außerhaw Des Kontinents bedeute.

Popolo d'Jtalia" schreibt: Aus dem Besuch des spanischen Ministers Sun er in Deutschland hat man den Beweis für das Gefühl Spa­niens gegenüber den Achsenmächten erhalten. Die­ser Besuch habe die klare Bedeutung einer großen Solidaritätserklärung gegenüber der Achse. Der Schiedsspruch von Wien schuf im Donauraum eine neue Ordnung. Die Besprechungen von Rom seien der Markstein für die neue Entwicklung in Europa

Auch Major Galland mit dem Eichenlaub ausgezeichnet.

Telegramm des Führers

zur Erringung seines 40. Luftsieges.

Berlin, 24. Sept (DNB.) Major Galland hat Hal seinen 4 0. Luftsieg errungen. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat Major Galland aus diesem Anlaß das Eichen­laub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ver­liehen. Der Führer hat Major Galland mit folgen­dem Telegramm von dieser Verleihung Mitteilung gemacht:In dankbarer Würdigung Ihres helden­haften Einsatzes im Kampfe für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen zu Ihrem 40. Luftsieg als drittem Offizier der deutschen Wehr­macht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler."

*

Major Galland wurde 1912 zu Westerholt, Kreis Recklinghausen als Sohn eines Rentmeisters gebo­ren. Er besuchte das Gymnasium zu Buer i. W. und bestand dort 1932 die Reifeprüfung. Im Fe­bruar 1934 als Schütze im Infanterie-Regiment 10 eingetreten, wurde er am 1. September 1934 zum Fähnrich befördert. 1935 trat er zum Reichsluft­fahrtministerium über und wurde als Leutnant und Fluglehrer bei der Jagdfliegerschule Schleißheim eingestellt. 1937 wurde er in eine Jagdgruppe ver­setzt und, nachdem er Geschwaderadjutant gewesen war, am 1. November 1938 Staffelkapitän einer Jagdstaffel, am 1. Oktober 1939 Hauptmann. Er nahm als Staffelkapitän am polnischen Feldzug teil und wurde außer der Reihe zum Major befördert.

und Afrika. Auf jedem Gebiete finde Englanb feinen perfiden Intrigen den Weg verschlossen, während sich auch im Fernen Osten durch den japanischen Einmarsch in Jndochina eine neue Lage ankünde.

Oie Zukunft Afrikas.

Kolonialminister Teruzzi über seine Deutschlandreise.

3t o m, 24. Sept. (DNB.) Der italienische Kolonial» minifter General Teruzzi hat im Rundfunk über feine Besprechungen mit dem Reichsstatthalter Rit - ter von Epp erklärt, daß die Ergebnisse ganz auf jene totalitäre Vorstellung der Reorganisa­tion Afrikas abgestellt waren, die einen der Eckpfeiler der europäischen Neuordnung bildet. Er erinnerte an die von ihm der deutschen Presse ge­machten Erklärungen über die Kolonialpolitik des faschistischen Italiens, das, wie er betonte,in Afrika nicht unterdrückt, sondern zivilisatorisch ar­beite t". Das nationalsozialistische Deutschland lasse sich vom gleichen Gesichtspunkt leiten,so daß das in einer nicht fernen Zukunft von der -englischen Unter­jochung befreite Afrika jenen Wohlstand kennenlernen wird, auf den feine intelligente und arbeitsame Rasse, die bisher schonungslos auf die grausamste Weise tyrannisiert und ausgebeutet wurde, einen Rechts­anspruch hat".

Die Unterredung mit dem Reichsaußenminister von Ribbentrop habe ergeben, daß die ita­lienisch-deutsche Kolonialpolitik sich in den Gesamt­rahmen der politisch-sozialen Revolution Europas einfüge. Der letzte Akt des gewaltigen Konfliktes habe bereits begonnen, den die westliche freimaure­risch-demokratische Plutokratie in der verbrecherischen Hoffnung entfesselte, noch einmal ihre Pirate'nmetho- den den jungen und gesunden Völkern aufzwingen zu können, die nichts anderes suchten, als in einem gesunden und verantwortungsbewußten Europa in Frieden zu leben und zu arbeiten. Zur gleichen Zeit, in der in dem grauen nordischen Himmel der eng­lischen Insel die deutsche Luftwaffe ustbestritten den Luftraum beherrsche, bahnten sich die ruhmreichen italienischen Legionen in der glühenden Sandwüste den Weg, der ins Herz der englischen Vorherrschaft in Afrika führe. Deutschland und Italien scharten sich heute in absoluter Siegessicherheit enger denn je um ihre Führer, denen auchjene farbigen Völker dankbar sind, die sich danach sehnen, im Lichte der Gerechtigkeit leben zu wollen".

Wieder Bomben auf Marsa Mairuk.

Der italienische Wehrmachtsbericht.

Rom, 24. Sept (DNB.) Der italienische Heeres­bericht vom Dienstag hat folgenden Wortlaut:

In Rordafrika ist das befestigte Lager von Marsa-Matruk erneut mit Erfolg bombardiert

Gießener Gtadttheater.

Manfried und Hellmut Rötzner: Goldregen."

Aach die Sparsamkeit, sonst eine oft und hoch ge­schätzte Tugend junger Ehen, tannriibertrieben wer­den und wir Jr>erren der Schöpfung" müssen es nun einmal in Kauf nehmen, daß man uns für geizig hält, wenn wir nur sparsam sein wollen. Nicht immer finden wir dann eine hilfreiche Göttin, die uns auf eine so scharmante Weise auf den im wahrsten Sinne des Wortes goldenen Mittelweg zurückführt, wie der schon in reichlich jungen Jahren recht verstaubte und eigensüchtige Professor in die­sem amüsanten Lustspiel, dem die eigene Frau sehr nachdrücklich beibringt, wie sie sich einen eleganten Haushalt vorstellt. Das Rezept ist freilich nicht für alle Chen brauchbar, denn nicht überall steht eine Zwillingsschwester aus Neuyork bereit, deren mon­däne Maske man sich ausborgen kann, um dem von soviel Reizen ganz verzückten, und vor soviel Energie ganz hllflosen Gatten die Leviten zu lesen. Sehr quivive nutzt die kluge kleine Frau ihre Stunde, stink und mit Ausdauer schwingt sie, von guten Freunden wohlmeinend beraten und trefflich sekun­diert, die Wünschelrute, und was diese hervorzau- bert, istGoldregen", wenn auch nicht mehr von jener zart duftenden Art, die einst den Anstoß w dieser nicht ganz ungefährlichen, auch nicht gerade billigen die vierstelligen Schecks flattern gerade­zu märchenhaft in der Luft herum, aber, wie man annehmen darf, dauernden und gründlichen Be­kehrung eines Geizkragens gab.

*

Die Brüder Rößner hatte» sich schon in dem netten Spiel xu zweien:Kari III. und Anna von Oesterreich" als Talente entpuppt, die die Bedürf­nisse der Bühne kennen und dabei Geschmack und Witz genug haben, eigene Ideen auf pikante Weise anzurichten und in nicht alltäglichen Formen zu ser­vieren. Mit ihrem neuen Stück haben sie gezeigt, daß ihr Opus 1 keine (Eintagsfliege und kein Zu­fallstreffer war. Auch dieses Lustspiel meidet aus­

getretene Pfade und leeres Geplätscher. Es packt ein nicht unernstes Thema mit überlegener Heiterkeit und leichter Ironie an. Der flüssige, gut pointierte Dialog, der auch besinnlichere Untertöne nicht scheut, läßt keine Langeweile aufkommen. Diö Charaktere sind sehr sicher und eindeutig Umrissen. Freilich ein paar Unwahrscheinlichkeiten muß man hinneymen und der gute Professor ist für leine Jugend nicht sehr zeitgemäß geraten, selbst wenn man ihm für seine hochgradige Verkalkung die emsige Beschäf­tigung mit der Attertumswifsenschaft zugute hält. Daß Herz und Gefühl Nicht zu kurz kommen, dafür sorgen die in gefälliger Musik bargebotenen, hüb­schen und eingängigen Couplets, denen man hier und da aktuell- und lokalgefärbte Lichter aufgesetzt hatte.

Die geschickte Regie Harry Grünekes, die sichtlich darauf bedacht gewesen war, die richtige Temperatur zu treffen, verhalf der reichsdeutschen Uraufführung zu einem vollen Erfolge. Das kleine Ensemble war sehr munter bei der Sache. Beson­ders Fräulein Prasser hatte sich mit viel Liebe in die zwar dankbare, aber nicht ganz leichte Rolle des kleinen Frauchens vertieft, das die Heilung des Gatten von Geiz und Eigensucht selbst in die Hand nimmt. Verschüchtert und ein wenig elegisch sieht sie den Fall schon als hoffnungslos an, zieht aber dann mit dem feschen Kostüm ä 1amSricaine auch einen anderen Menschen an und verdreht ihrem Manne mit kokettem Temperament und Charme höchst pläsierlich den Kopf. Sehr frisch und natürlich machte Anneliese Garbe die gewitztere Freundin. Mit der komischen Figur des etwas trottelig gezeich­neten Professors, der über den Damen der Pha­raonen die eigene Frau schmählich vernachlässigt, schließlich aber doch verlegen kichernd ein Faible für bas weibliche Geschlecht entdeckt, fand sich Kurt B o s n y gut ab. Still vergnügt und mit überlegener Ruhe gab Walter (Erler den erfahrenen Frauenarzt. Hella H e n z k y war mit viel Humor ein guter Hausgeist, der mit erfrischender Grobheit seine Mei­nung herauspoltert. Für eine aparte Dekoration des einzigen Bühnenbildes hatte Karl Löffler ge­

sorgt. Arthur A p e 11 hatte das musikalische Rank­werk leicht und dezent gestaltet. Das Herren- auartett Kohlermann, Mayr, Ritter und Zahn unter Leitung von Fritz Diekmann konnte sich manchen Sonderapplaus holen. In bester Laune unterhielt sich ein voll besetztes Haus bei dem lusti­gen Spiel und dankte zum Schluß mit viel Hervor­rufen und Blumen. Dr. Fr. W. Lange.

Dertaubstumme" Maurer.

Don Erich Pfeiffer Betti.

In dem ersten Jahr, da man in Florenz die Kirche Santa Maria Novella zu bauen anfing und bereits etwa zehn Meter über den Straßenboden hmausgekommen war, hatte ein junger Maurer, Battista Mirone, das Unglück, zwei ziemlich große Backsteine vom Gerüst herabfallen zu lassen. Er stand auf einer Leiter und schickte feinem Arbeits­genossen die Steine, die er von unten erhielt; je zwei und zwei, wie ein Paket zu. Dabei rief er jedesmal mit lauter Stimme: Achtung, Achtung!, damit sich die Passanten drunten vorsähen, denn ein Zufall kann es immer fügen, daß einem Maurer der Stein entgleitet und einem Vorübergehenden auf den Kopf fällt.

Battista Mirone hatte gerade ein wenig geträumt von ©uiletta, einer hübschen Bauerntochter aus dem nahen Fiesoie als er das Stein paar nicht 3U fassen bekam, und die zwei braunen Klotze pras­selnd und polternd bas Gerüst herabhüpften, der­art, daß sie den ehrbaren Mesier Francesco de la Portula mit gelinder Gewalt am Rücken, genauer am Gesäß trafen, ohne ihn jedoch erheblich zu be­schädigen. Gewiß war, daß Battista noch wenige Se­kunden vor dem Mißgeschick feinAchtung" ge­brüllt hatte, gewiß war aber auch, daß Messer Francesco nichts (Eiligeres würde zu tun haben, als zum Richter zu eilen, um den Maurergesellen zu verklagen: auf Schadenersatz, sechs Ellen blauen flandrischen Tuchs für eine neue Hose.

Der Richter kannte den Battista Mrono, da die­

ser ihm einmal im Garten mit Geschick einen Brun­nen neu gemauert hatte, er kannte aber auch den Herrn de la Portula, der im ganzen Florenz als scheelsüchtiger Querulant verschrien war. Also ließ der Richter den Maurer zu sich kommen und sagte: Battista, das fit ein verteufelter Fall. Wenn es uns nicht gelingt, dem fetten Portula zu entlocken, daß er dich hat rufen gehört, dann mutzt du zahlen und sechs Ellen flandrischen Tuchs sind nicht billig. Aber ich will versuchen, dir aus der Pafiche ztt helfen. Wenn ich euch morgen einander gegenüber- stelle, hast du nichts, gar nichts zu tun. Verstan­den, Battista? Du machst ein blödes Gesicht und hälfit den Mund."

Als Messer Francesco de la Portula am nächsten Tag das Stadthaus betritt, das zerrissene Bein­kleid über dem Arm und die eigene Rückseite ver­bunden und bepflastert, ließ er den Richter kaum zu Worte kommen. (Er hielt eine flammende Rede, stuchte grimmig und wies nicht nur auf die zer­fetzte Hose, sondern auf den Körperschaden, den er erlitten hatte. Der Maurer aber stand daneben und sagte nichts, er guckte wie ein Fisch auf den fetten Herrn, der da so kämpferisch brüllte und gestiku­lierte. Als Messer de la Portula nun merkte, welch geringe Wirkung seine Rede auf den Angeklagten tat, hielt er etwas ratlos inne.

Da sagte der Richter:Ihr hättet ruhig weniger laut sprechen können, Messer Francesco, denn ich höre gut und der Mann dort, der Maurer von Santa Maria Novella, ist leider taubstumm!"

Taubstumm?" brüllte da wie ein Stier Messer de la Portula,taubstumm, der?" Daß ich nicht lache! Bei der Madonna von San Miniato, ich hav ihn ja die ganze Zeit auf dem GerüstAchtung, Achtung" rufen hören!"

Leider habt Ihr nicht danach gehandelt", sagte der Richter, indem er die Sitzung schloß. Gelb vor Wut wie eine Zitrone verließ der dicke Mann das Rathaus, während der Maurer Mirone, nachdem er sich bei seinem Richter aufs herzlichste bedankt hatte, nach Fiesole eilte, um abends rechtzeitig bei seinem Mädchen zu fein, das mehr für ihn bereit« hielt, als eine Flasche Chianti-Weins.