Ausgabe 
25.9.1940
 
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Dover im Feuer unserer Marineartillerie.

Von Kriegsberichter Irih Vrunner.

DNB. ... 24. Sept. (PK.) An einem klaren Herbsttag stehen wir auf dem Gefechts st and einer unserer Küstenbatterien, die ftit der Besetzung durch unsere Truppen gegenüber der englischen Steilküste dicht nebeneinander und unter­einander gestaffelt das britische Jnselreick bedrohen. Wenn man die gewaltige deutsche Abwehr sieht, die hier in wenigen Wochen förmlich aus dem Boden gestampft wurde, und wenn man weiß, mit wel­chen Mitteln unsere Artilleristen ihre Batterien aus- aebaut haben, dann empfindet man es als eine Ironie des Schicksals, daß es meist Geschütze französischen Ursprungs sind, oft bezahlt mit englischem Geld, die nun ihre Granaten gegen England schleudern.

Ein Fernsprecher rasselt.Herr Kapitänleutnant, Sie werden am Apparat verlangt." Der Batterie­chef greift zum Hörer. Seinen gespannten Zügen ist anzumerken, daß eine wichtige Meldung durch­gegeben wird. Im Hafen von Dover sind unter dem Schutze der Nacht 13 Dampfer ein­gelaufen, acht größere Fahrzeuge und fünf kleinere. Das KommandoFeuererlaubnis" bringt Leben in die Batterie. Die Rohre, die noch eben getarnt in den Dünen lagen, haben sich drohend emporgerichtet gegen das Ziel, das klar erkennbar vor uns liegt. Deutlich sind die Türme von Dover auszumachen. Die Berechnungen sind beendet. Jetzt kommt der Augenblick. Der Batteriechef gibt nur ein Wort durch den Fernsprecher:Feuern I" Donnernd kracht die erste Salve aus den Rohren, aus deren Mündungen das Feuer blitzt und dunk­ler Qualm aufsteigt. Zischend ziehen die schweren Geschosse über unsere Köpfe hinweg. Alle warten gespannt und zählen die Sekunden. Der Ausguck meldet: Aufschlag! Drüben peitscht, mit dem bloßen Auge erkennbar, eine Rauchsäule auf. Die Schüsse lagen gut. Wieder Kommando: Salve und Feuern! So jagt Salve auf Salve hinüber zur englischen Küste. Mit den scharfen Gläsern werden die Aufschläge feftgestellt, die bald den ganzen Hafen von Dover durcheinanderbringen. Die Schiffe ver­hohlen von einer Hafenseite zur anderen, aber es nützt ihnen nichts, unablässig speien unsere Rohre ihren Stahlhagel mitten zwischen die feindlichen Fahrzeuge hinein.

Einer der Männer am Ausguck meldet: Mün­dungsfeuer schwerer Batterie bei Dover. Aha, der

Engländer antwortet. Er will mit uns ein Duell von Küste zu Küste. Die Sekunden ver­rinnen, bis der Einschlag kommt. Er liegt zu kurz. Wir feuern unentwegt weiter hinein nach Dover, aus dessen Hafen jetzt einige Fahrzeuge zu flüchten versuchen. Sie werden weiter unter Beschuß genom­men und bald kann auch auf diesen Schiffen Rauch- und Brandentwicklung festgestellt werden.

Währenddessen schaltete sich eine weitere deutsche Batterie in den Kampf ein. Sie nimmt das schwere englische Geschütz unter Feuer. Das Gefecht geht hin und her. Granaten zischen hinüber und herüber. Einige Aufschläge der Eng­länder liegen etwas besser, jedoch gelingt es ihnen nicht, uns Schaden ^uzufügen. Rach etwa zweistün­digem Kampf schweigt das britische Geschütz. Unser Erfolg ist klar: Der Hafen von Dover und das Hafenviertel haben mehrere Treffer bekommen. Don den Fahrzeugen ist eines voll getroffen, ein wei­teres wurde abgeschleppt, und die englische Ar- tillerieabwehr mußte ihren vergeblichen Beschuß einstellen.

Am nächsten Tag meldet ein Aufklärer un­serer Luftwaffe, daß im Hafenbecken von Dover wieder sechs Schiffe von je etwa 3000 t ankern und daß weitere Fahrzeuge am Kai feftge- macht haben. Auf Grund dieser Beobachtung er­hält die Batterie wieder Feuererlaubnis. Auch heute wieder ist klare Sickt. Wolkenfetzen ziehen über den Himmel, unter denen sich aanz deutlich die hellgelben Kreidefelsen der enalischen Küste abheben. Deutlich sieht man das Aufbliben der Mündungsfeuer, deren Sperre immer wieder von unseren Fliegern durchbrochen wird. Eben erhält die Marinebatterie Feuerbefehl. Dumpf rollt die erste Salve aus den Rohren und nach kurzer Zeit schon sitzen die Schüsse mitten im Ziel. Im Hafenviertel von Dover steigen wieder Rauch­säulen auf, Brände werden beobachtet, auf den Kais und Molen schlagen unsere Granaten ein und richten im Hafen Verwirrung und Verheerung an. Einer der 3000-Tonner erhält einen Volltreffer und brennt. Bereits nach wenigen Salven liegt ein wei­teres Fahrzeug mit schwerer Schlagseite am Pier von Dover. So wird die Lage des Briten von Tag zu Tag bedrohlicher. Nirgends an seiner eigenen Küste ist er mehr vorm Zugriff der deutschen Waffen sicher. '

worden. Feindliche Lufteinflüge auf Tobruk und Barbia haben keine Opfer und nur geringen Schaden zur Folge gehabt.

In Ostafrika haben unsere Spähtrupps Zu­sammenstöße mit feindlichen Truppen in der Nahe von T o d i g n a c und L i u a n (Rudolf-See) ge­habt und sie zum Rückzug gezwungen.

Unsere Luftformationen haben den Flugplatz

von Port Sudan bombardiert, wobei 10 feind­liche Flugzeuge am Boden schwer beschädigt wurden. Eine andere Formation hat den Dasserflughafen von Aden bombardiert.

Der Feind hat seine Luftbombardierungen in Gura, Adi Ugri, Sciasciamana und Diredaua er­neuert. Ls gab einen Verwundeten und nur leichten Sachschaden.

Oer Ueberfall auf Dakar.

Ein englischer Kreuzer von französischem U-Boot versenkt. - Britische Landungsversuche vereitelt.Oe Gaulle zieht sich zurück.

Genf, 25. Sept. (DNB. Funkspruch.) Wie aus Dichy gemeldet wird, haben die Engländer vor der Beschießung Dakars zunächst Katapultflug­zeuge ge st artet, die auf dem Flughafen von Dakar landeten, um die dort befindlichen Flieger­truppen zu veranlassen, sich General de Gaulle an­zuschließen. Die Insassen der englischen Flugzeuge wurden dabei verhaftet. Daraufhin setzten die vor Dakar vrsammelten englischen Flottenstreitkräfte zwei Motorboote aus, an deren Bord sich mehrere Offiziere befanden, die dem französischen Oberkommissar das Ultimatum de Gaulles und Englands überbrachten. Nach der Ablehnung dieses Ultimatums eröffneten die Engländer unver­züglich das Feuer auf die Stadt. Bei dem sich daraus entwickelnden Kampf wurde ein eng­lischer Kreuzer durch das französische Unter­seebootPersLe" versenkt, bas seinerseits von den Engländern in Grund geschossen wurde. Es verlautet, daß die Beschießung von Dakar den Ganzen Montag über andauerte und um 8 Uhr noch nicht beendet war. Am Montagabend wurden die französischen Verluste mit sechzig'Toten angegeben. Die Zahl der Schwer- und Leichtver­letzten ist noch unbekannt.

Die Agenzia Stefani berichtet auch Vichy, daß das englische Geschwader, welches Dakar bom­bardiert hat, aus zwei Schlachtschiffen, vier Kreu­zern, einer Anzahl von Torpedoboots-Zerstörern, echs Hilfskreuzern sowie aus Truppen-Transport- chiffen bestanden hat. Im Hafen von Dakar hätten ich vor kurzem eingetroffene französische Kriegs­chiffe, darunter die KreuzerMont Calme",Ge­orges Leygues" undGloire" befunden. In der Meerenge von Gibraltar wurden Dienstagnach- mittaa ein englischer Kreuzer, vier Zerstörer und zwei U-Boote gesichtet, die mit Kurs Atlantik tn südlicher Richtung verschwanden. Man nimmt an, daß die enalischen Einheiten ebenfalls gegen die französischen Kolonien^ an der westafrika­nischen Küste eingesetzt werden sollen.

Zwei Landungsoersuche, die die Eng­länder Dienstag früh um 1 Uhr bei Dakar mit star­ken Streitkräften unternckhmen, wurden von den Küstenschiffsbatterien upd den in Dakar stationier­ten französischen Truppen vereitelt. Die erste Landung wurde in R u f i s q u e , einem einige Kilometer von Dakar entfernten kleinen Hafen, an­gesetzt, ohne daß die Engländer das Land erreichen konnten. Der zweite Angriff, der sich unmittelbar gegen Dakar richtete, wurde ebenfalls von den Franzosen zurückgeschlagen. Ein englischer Kreuzer soll dabei beschädigt worden sein. Da von der ftan- zöstschen Sende st ation in Dakar seit gestern nachmittag keine Informationen zu eryalten sind, vermutet man, daß diese Station von den Eng­ländern beschossen und zerstört wurde. In Dakar befinden sich nur schwache französische Streit­kräfte. Nachdem die Garnison vor einigen Tagen um 2000 Mann verstärkt wurde, dürften sich etwa 4000 bis 5000 Mann an Ort und Stelle befinden.

Der Londoner Nachrichtendienst verbreitet ein Kommunique des französischen Emigrantengenerals

de Gaulle in dem es heißt, daß der General von vielenfreien" Franzosen, die darauf gebrannt hätten, den Kampf gegen Deutschland weiterzu­führen, nach Dakar berufen worden sei. Die Marinebatterien von Dakar hätten aber das Feuer auf Abgesandte des Generals eröffnet; von 5 Hauptleuten seien zwei schwer verwundet worden. Ein Landungsoersuch sei von den Küstenbatterien erneut vereitelt wor­den; zwei der Schiffe der Flotte de Gaulles hätten ernsthaften Schaden erlitten, auch Opfer seien zu beklagen. Da General de Gaulle nicht die Absicht habe, an einem Kampf zwischen Franzosen teilzu­nehmen, habe er sich zurückgezogen.

SPANIEN

ALGERIEN

Bathurst

Marokko

Dem räuberischen Ueberfall auf die kampfunfähige französische Flotte bei Oran hat Churchill den Pi­ratenstreich gegen Dakar folgen lassen. Wie vorher im Falle Oran hat der französische Befehlshaber auch diesmal das Ultimatum zur Uebergabe der Kriegsschiffe abgelehnt und den ungleichen Kampf gegen den ehemaligen Bundesgenossen ausgenom­men. Diese Haltung steht durchaus im Einklang mit den Bestimmungen des Waffenstillstandes von Compiögne, wo den besiegten Franzosen zur Wah­rung ihrer kolonialen Interessen gewisse militärische Vorteile eingeräumt wurden. Im Rahmen dieser kolonialen Interessen spielt Dakar eine nicht un­wichtige Rolle. Als Hafenstadt der Kolonie Senegal, an der Südküste der Halbinsel des Kap Verde ge­legen und von der gegenüberliegenden Insel Gorse durch einen zwei Kilometer breiten Meeres­kanal getrennt, hat es nicht nur wirtschaftliche, son­dern auch strategische Bedeutung. Frankreich nahm

1857 von Dakar Besitz. Die Hafenanlagen, mit deren Herstellung man 1862 begann, wurden 1931 moder­nisiert uno erweitert. Im Jahre 1938 wurde ein östliches Hafenbecken ausgebaut, in dem drei große Kreuzer vor Anker gehen können. Dakar ist durch eine Eisenbahnlinie mit St. Louis an der Mün­dung des Seneaalflusses verbunden. Ein weiterer Schienenstrang fuhrt quer durch die Kolonie nach Kayes im französischen Sudan. Dakar ist außerdem der südliche Ausgangspunkt der großen Sahara- Autostraße, der sogenanntenRoute imperiale, die über St. Louis und Agadir nach Casablanca in Marokko führt. Da in Friedenszeiten auch zahl­reiche Flug- und Schiffahrtslinien die Hafenstadt berühren, muß Dakar als eins der bedeutendsten Derkehrszentren im westlichen Afrika gelten. Etwa 150 Kilometer weiter südlich liegt B a t h u r st, die Hauptstadt der kleinen britischen Kolonie Gambia an der Mündung des gleichnamigen Flusses.

Das Scho in Frankreich.

Genf, 24. September. (Europapreß.) DerPetit Dauphinois" schreibt zu dem Zwischenfall von Dakar. Der Montag stand im Zeichen einer

gemeinen lat von außerordentlicher Tragweite. Die Nachricht über den britischen Angriff auf Dakar hat in Regierungskreisen eine ungeheure Erregung ausgelöst. Man bemerkt, daß es sich diesmal nicht darum handelt, französische Kriegsschiffe unter dem Vorwand, sie könnten sich deutschen oder italienischen Geschwadern anschließen, zu zerstören. Es handelt sich um die Aneignung französischen Gutes. Die Welt wird über diesen neuen An­griff unseres Verbündeten von gestern urteilen. Sie wird darin den Wunsch Englands sehen, die Ver­luste, die es auf kolonialem Gebiet erlitten hat, wiedergutzumachen, indem es sich einen Teil oder sogar unser ganzes Kolonialreich an­eignen möchte.

Das Lyoner BlattN o u v e l l i st e" sagt, Frank­reich sei noch fähig, sich zu verteidigen, und es werde sich auch verteidigen. England führe sich nun Frankreich gegenüber als erklärter Feind auf. Die Regierung Churchill gebe sich heute zu einer Perfidie, die noch von außerordentlich erschwerenden Umstän­den begleitet sei. Der größte Schmerz für die Fran­zosen sei aber die Gegenwart eines Repräsentanten der Franzosen, der angäbe, dem Marschall Pötain in Patriotismus eine Lehre erteilen zu müssen. Be-

CÜLDENRINC MIT &MUNDSTÜCK 4 PF.

Der C ÜLO EN RING-flauerer hat jetzt den Nutzen davon, dass wirvor Jahresfrist auf die JCerstedung unserer wertvodsteru Marken verzichteten.Denn die kost Garen {Tabake, die wir dafür öereitgestedt hatten,

kommen der Mischung dieser 4 {Pfennig- Zigarette zugute. So können wir 6ei der CÜLDENRINC mit thMundstück aufCange Zeit hinaus für eine hervorragenderem orientaCiscfje STabak-duaCvtat einstehen.

eit alterst)er ist Der Tabak ein guter Kamerad des Soldaten.Auch heute soll ihm die Zigarette ein zuverlässiger Gefährte fein unö ihn niemals enttäuschen.Lo setzen wir alles daran,ihm un­sere Marken tadellos ver­arbeitet und in bester Tabak-Qualität zu liefern.

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